Arbeit jetzt und bald digitale Nomaden? Abschied von der Arbeit

Abschied von der Arbeit

Jugendherberge Goslar; Abschied von der Arbeit
Jugendherberge Goslar

Der Abschied von unserer Arbeitsstelle, der uns bevorsteht, fällt uns nicht leicht. Gerade haben wir unsere letzte Fortbildung hinter uns gebracht. Die letzte Inventur, der letzte Jahresabschluss ist auch schon an unseren Arbeitgeber versendet worden. So wird es in diesem Jahr 2017 noch viele Momente geben, die ein Stück Abschied nehmen bedeuten. Die bedeuten, irgendetwas zum letzten Mal in seinem Leben zu tun. Wir verabschieden uns ohne Groll von unserer Arbeit. Wenn alles gut geht, werden wir danach nicht mehr tätig sein oder nur dann, wenn wir dazu Lust haben. Vielleicht werden wir auch die ein oder andere Aufgabe als digitale Nomaden von unterwegs aus erledigen. Ansonsten planen wir nicht mehr zu arbeiten. Notwendig wird es hoffentlich nicht werden. Aber auch nicht ausgeschlossen, wenn es sich ergibt und es uns Freude macht.

Die Arbeitsjahre

Wir arbeiten beim Deutschen Jugendherbergsverband Landesverband Hannover mehr als 25 Jahre als Herbergseltern. Von 1992 – 1999 leiteten wir in Bispingen die Jugendherberge. Seitdem leiten wir die Jugendherberge in Goslar.

Rund eine halbe Million Übernachtungen haben wir in dieser Zeit gemacht und rund 200 000 Gäste empfangen.

Jugendherberge Gestern und Heute

Als wir 1992 in Bispingen in der Lüneburger Heide zu arbeiten begannen, war das einzige technische Gerät in der Rezeption eine Kasse und eine Tischrechner. Die Kasse wurde  erst kurz vorher eingeführt. Vorher trugen sich alle Gäste noch in das Herbergsbuch ein. Die Buchführung lief noch mehrere Jahre über ein riesiges Buchungsjournal. Summen wurden mit der Rechenmaschine addiert. Ein Hilfsmittel, das die älteren Kollegen verachteten, da wurde noch alles im Kopf gerechnet. Heute arbeiten wir mit Thin Client und Citrix und sind direkt mit einem Rechenzentrum verbunden.

Auf einem Tablett holte man sich in der Küchenausgabe das Frühstück ab, dazu gab es noch ein Schälchen Marmelade, ein 20 Gramm Butter und einen Teller mit einer Wurst- und einer Käsescheibe und eine Portion Getränk, wobei es schon standardmäßig Bohnenkaffee gab. Das wurde dabei betont. Jede weitere Portion wurde extra berechnet. Eier oder ähnliches galten als erweitertes Frühstück und mussten vorbestellt und auch extra bezahlt werden. Vegetarier und Allergien waren noch weitgehend unbekannt und noch sehr exotisch. Zu den warmen Mahlzeiten, die in Schüsseln und Schalen abgeholt wurden, gab es eine meist stark verzuckerte dünne braun-rote Flüssigkeit, die kurz „roter Tee“ genannt wurde und in Zweiliter Alukannen ausgegeben wurde. Der „Rote Tee“ steht für einer der alten Zöpfe die mittlerweile vom DJH abgeschnitten wurden.

Zu diesen abgeschnittenen alten Zöpfen gehört auch der DJH Schlafsack, den es auch schon seit Jahren nicht mehr gibt. Bettwäsche wird heute gestellt, aber das Bett wird bis heute noch selber bezogen. Auch die alte DJH Decke mit dem legendären Aufdruck „Fußende“ findet man vielleicht noch als Picknickdecke, die gestellt wird für Ausflüge mit einem netten Gruppenpicknick, das wir anstatt Lunchpakete anbieten. Unvorstellbar für einen Herbergsvater alter Zeiten so  frevelhaft mit dem wohl gehüteten Inventar der Jugendherberge umzugehen. Er war noch Respektperson und uneingeschränkter Herrscher in seinem Haus.

Die Schulkinder, Familien und Einzelgäste halfen den Zivildienstleistenden nach den Mahlzeiten beim Spülen in der Spülküche.  Es gab noch Holzschränke, in denen das Geschirr aufgehoben wurde. Heute ist alles aus Edelstahl. Hygienevorschriften wurde damals wie heute eingehalten. Heute aber wird eine Selbstdokumentation verlangt und jeder Schritt von Reinigung wird laufend dokumentiert. Die Fahrer unserer Lieferanten werden beurteilt, ob sie sauber sind. Kühlprotokolle werden bei jeder Lieferung abgegeben die dokumentieren, wie kalt es im LKW während der Fahrt war.  In Stichproben wird dann nochmals gemessen, ob die Kühltemperaturen eingehalten wurden und die Kühlkette nicht unterbrochen wurde. Von allen leicht verderblichen Waren, und das sind fast alle, werden von jeder Mahlzeit Rückstellproben genommen und 1 Woche aufgehoben. Jede Probe wird beschriftet was da drin ist und wann die Speise ausgegeben wurde. Für diese Dokumentation des gesamten Hyghieneplan werden jeden Monat  über 50 Seiten Papier ausgedruckt und täglich von allen Mitarbeitern in der Küche ausgefüllt. Jede reinigende Tätigkeit wird darin vermerkt.

Dusche WC gab es in keinem einzigen Zimmer. Alte Betten aus Stahlrahmen gab es anfangs noch und Metalroste die bei entsprechenden alter und Gewicht mehr oder weniger stark durchhingen. Bald wurden die Betten gegen Holzbetten mit festen Lattenrost getaucht.

Zu Beginn unserer Tätigkeit gab es keine pädagogischen Angebote. Heute gibt es eine Vielzahl von Pauschalprogrammen und Bausteinen, die alle organisiert werden müssen. Ob für Schulklassen oder Familien.

Jahrelang haben wir mit Zivildienstleistenden zusammengearbeitet. Heute bilden wir Hauswirtschafter aus und beschäftigen Bundesfreiwilige.

1992 kostete eine Übernachtung 10,30 DM heute 24,50 €.

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