Gran Canaria

6.-7.3.22 Frankfurt/Main – Gran Canaria

Dieses Mal führt unsere Reise also seit langem mal wieder auf die Kanarischen Inseln, genauer gesagt nach Gran Canaria, denn hier waren wir noch nicht. Um nicht mitten in der Nacht nach Frankfurt fahren zu müssen, verbringen wir eine Nacht in Frankfurt im Hotel. Das erweist sich als eine wirklich gute Entscheidung. 100Meter vom Hotel entfernt parken wir unser Auto am Straßenrand in einer Nebenstraße. und können es dort wohl auch recht sicher die nächsten 10 Tage stehen lassen. 800 Meter vom Hotel ist die S-Bahnstation Niederrad, von wo man in 7 Minuten am Flughafen ist. Im Gegensatz zu Berlin fährt in Frankfurt die S-Bahn auch nachts, was schon sehr hilfreich ist, wenn man um 4 Uhr zum Flieger muss. Wir könnten uns sogar noch direkt gegenüber vom Hotel testen lassen, hätten wir das nicht schon morgens in Bad Harzburg gemacht. Am Abflugstag klappt daher auch alles super. Pünktlich sind wir kurz nach 4 Uhr am Sicherheitscheck, wo aber bereits eine lange Schlange warted. Zum ersten Mal nehmen die Beamten dort Stefans Geldgürtel auseinander, also pulen alle sorgfälltig gefalteten Scheine heraus. Als der Kasten mit Gürtel und Geld wieder bei ihn ankommt, greift ein anderer Passagier nach dem Gürtel, sodass mein lieber Mann ihm ein „Finger weg!“ entgegenschleudert. Dann geht alles seinen gewohnten Weg und gegen 11 Uhr landen wir auf Gran Canaria,. Wir werden von der Autovermietung abgeholt, weil das Büro im Zentrum von Arinaga ist. Eine Viertelstunde später sind wir unterwegs mit unserem Mietwagen zum Apartment, das nur ca 1,5 km entfernt  in Cruce de Arinaga liegt. Es ist soweit ganz ok, nur die Küchenausstattung lässt etwas zu wünschen übrig. Kein Wasserkocher, die Kaffeemaschine stellt sich als Espressomaker für 2 Tässchen heraus, kein Backofen und Messer, wo Stefan als Koch die Krise bekommt. Wir werden klarkommen. Wir gehen einkaufen und drehen eine Runde zu Fuß in der näheren Umgebung, dann ist erstmal ausschlafen  angesagt. Ich bin total müde.

8.3.22 Arinaga – Guayadeque ravine (Schlucht von Guayadeque)

Als erstes erkunden wir die Promenade von Arinaga bis zum alten Dock und dem Leuchtturm von Arinaga. Wieder zurück am Auto entscheiden wir, am Nachmittag in den Barranco de Guayadeque zu fahren und etwas zu wandern. Nach einen kurzen Mittagsstopp in unserem Apartment machen wir uns auf den Weg in die Schlucht. Wir wandern ein paar Kilometer durch die hügelige und mit Kakteen und zahlreichen anderen Pflanzen bewachsene Landschaft. Bei klarblauem Himmel und ca. 13°  fahren wir danach noch bis zum Ende der ausgebauten Straße und genießen den traumhaften Blick auf die Bergwelt, die unglaublich schöne und vielseitige Vegetation und die Schlucht von der Terrasse des Restaurants Vega aus. Dabei laben wir uns an einem typischen Kuchen mit Limone. Auf der Rückfahrt, nachdem wir per Motorbremse das steilste Stück der Straße hinter uns haben, fängt unser Mietwagen an zu stottern und gibt die Fehlermeldung aus, dass wir einen Motorschaden hätten. Wir rufen bei der Verleihfirma an und man sagt uns, wir sollten zum Office kommen, wenn das Auto noch fahrbereit wäre. Nach erneutem Start fährt es, zeigt aber weiterhin die Fehlermeldung. Zum Glück schaffen wir es heile bis zur Autovermietung und bekommen anstandslos ein Ersatzfahrzeug, das sogar eine Klasse größer und besser ist. Wir fahren jetzt mit einem Citroen C4 statt C3. Hoffen wir mal, dass wir hiermit nun alle Bergstraßen bewältigen können. Eigentlich wollte ich ja, dass wir es heute langsam angehen lassen, am Abend habe ich aber doch über 19000 Schritte auf meinem Tracker und es war ein toller Tag!

9.3.22 Markt „Mercadillo Recinto Ferial“/ Vecindario- Mirador Astronómico de la Degollada de las Yeguas – Roque Nublo – Mirador del Pico de los Pozos de las Nieves

Den Tag starten wir mit einem Besuch auf dem Markt „Mercadillo Recinto Ferial“ in Vecindario. Es handelt sich um eine Mischung aus Bauernmarkt und Ramschtischen mit Fake-Markenklamotten, wie man sie auch in der Türkei findet. Das ist nicht so unser Fall, deshalb begeben wir uns gleich zu unserem nächsten Ziel, dem Mirador Astronómico de la Degollada de las Yeguas. Von Maspalomas führt die kurvige Straße ins Gebirge im Inselinneren. Im weitläufigen Naturpark kommen wir zunächst zu diesem astronomischen Aussichtspunkt. Nachts soll man hier sehr gut Sterne beobachten können, da die Lichtverschmutzung sehr gering ist. Wir sind nun aber bei Tage dort und können die beeindruckende Landschaft bewundern. Von dort führt die Straße durch winzige Orte, an Aussichtspunkten vorbei zu einem vielbesuchten Parkplatz auf 1620m Höhe. Von hier aus kann man zum Roque Nublo, einem beeindruckenden Monolith auf 1800m hochwandern, bzw zum Schluss auch etwas kraxeln. Er gehört zu den höchsten Erhebungen der Insel und ist die Mühe definitiv Wert. Wir haben einen traumhaften Blick auf bizarre Vulkanfelsen, bewaldete Stellen und in der Ferne auf den Teide auf Teneriffa. Der blaue Himmel wird immer wieder unterbrochen von lockeren Wolkenformationen, die an uns und zwischen den Felsen vorbeiziehen. Es sind zwar etliche Touristen außer uns dort, aber es ist dennoch wunderschön. Wieder beim Auto angekommen, fahren wir weiter zum  „Mirador del Pico de los Pozos de las Nieves“ , was soviel heißt wie „Aussichtspunkt der Spitze des Brunnens des Schnees“. Der Pico de las Nieves ist 1949 m hoch und die höchste Erhebung Gran Canarias. Im Winter liegt er manchmal im Schnee, deshalb las Nieves, heute guckt er gespenstisch hinter Nebel hervor. Auch dieser Fels und der Ausblick rundherum ist sehr beeindruckend. Von hier aus führt die Straße in sehr engen Serpentinen wieder ins Tal zum Städtchen Agüimes. Es hat eine sehr schöne restaurierte Altstadt mit engen Gassen, pastellfarbenen Häusern, die häufig mit Steinen, Gedichten oder Liedertafeln verziert sind. Der Altstadtkern hat baumbewachsene Plätze, die zum Verweilen einladen und ist autofrei. Nach diesem erlebnisreichen Tag begeben wir uns wieder zurück in unser Apartment.

10.3.22 Pico de Bandama – Tenor – Salinas del Bufadero – Cenobio de Valerón – Museo y Parque Arqueológico Cueva Pintada

Während in der Mitte Europas ein unerbittlichen Krieg tobt, erleben wir hier traumhaft schöne Natur und gemütliche Altstädte. Das ist alles irgendwie so absurd. Wieso gehen Menschen auf einander los, statt zu versuchen, die Probleme zu lösen, die diese wunderbare Welt bedrohen? Trotz schönster Natur und super Wetter steigt auch hier bei uns immer wieder die Angst in uns hoch, dass dieser Krieg zum Flächenbrand werden könnte.
Wir beginnen unseren Tag heute mit einem Besuch am größten Krater der Insel. In diesen uralten und bewachsenen Krater, in dessen Wänden Menschen vor Jahrtausenden in Höhlen gewohnt haben, kann man vom Aussichtpunkt „Pico de Bandama“ hervorragend von oben hineingucken. Der Name Bandama ist auf den Flamen Van Damme zurückzuführen, der im 16. Jahrhundert in der Caldera als erster Wein anbaute. Vom Aussichtpunkt schweift der Blick bis zum Atlantik und Las Palmas. Nach dem Naturerlebnis besuchen wir das Städtchen Tenor, das mit sehr hübschen Häusern mit geschnitzten Balkonen punkten kann. Als wir an einer Churreria vorbeikamen, können wir den leckeren Churros mit dickflüssiger Schokolade nicht widerstehen.
Gestärkt besuchen wir die „Salinas del Bufadero„. Direkt von der Autobahn führt eine kleine Abfahrt auf einen Schotterplatz, auf dem man parken kann. Unterhalb liegen alte Salinen aus den 17.Jahrhundert. Man kann hinuntergehen, mir ist der Weg aber zu steil und schotterig. Stefan läuft hinunter, um das tosende Meer von der Nähe zu filmen. Von hier aus geht die Fahrt weiter nach „Cenobio de Valerón„, einer archäologische Stätte, wo Menschen Höhlen in die Felsen geschlagen und diese bis zum 15. Jahrhundert als einen gemeinschaftlichen Kornspeicher genutzt haben.
Eine weitere archäologische Stätte finden wir nur ein paar Kilometer entfernt in Galdar, das Museum „Museo y Parque Arqueológico Cueva Pintada„. Wieder geht es um Höhlen der Ureinwohner, dieses Mal um Wohnhöhlen. Das Örtchen Galdar hat aber auch darüber hinaus eine sehr hübsche Altstadt. Voll mit kulturellen und Natureindrücken kehren wir gegen 19Uhr in unser Apartment zurück, wo kurz drauf bei Arte eine Doku über die Kanaren gezeigt wird. Wie passend!

11.3.22 Dünen von Maspalomas – Puerto Morgan

Während sich bisher der Tourismus im Rahmen hielt, fahren bzw laufen wir heute voll hinein. Unser Ziel sind die Dünen von Maspalomas, also eines der Highlights der Insel und das Naturschutzgebiet ist umgeben von Hotels und Apartmentanlagen. Man geht regelrecht durch einen Durchgang des Riu Hotels, um zur Aussichtplattform zu gelangen, von der es dann drei mit Pfosten markierte Wanderwege durch die Sanddünen gibt. Natürlich halten sich nicht alle daran, die restliche Dünenlandschaft nicht zu betreten und klettern für ihre Selfies auf die höchsten Erhebungen. Wir wählen einen der drei Wege zu einem sogenannten Park. Drei Kilometer geht es durch den Sand und wir kommen zu einem weiteren Gebiet von Tourismusanlagen. Mir reicht die Anstrengung in der Sonne durch den Sand zu laufen auf dem Hinweg schon voll und ganz. Nicht, dass die Landschaft nicht schön wäre, aber für meine Kniee ist der Untergrund der Tod. Wir entscheiden uns, dass ich mir ein Plätzchen im Schatten suche und Stefan allein zurück geht und mich mit dem Auto abholt. In der Wartezeit suche ich das nächste Ziel aus, Puerto Morgan. Laut Reiseführer ein nettes kleines Fischerdorf, das schön für Touristen restauriert wurde. Das Dörfchen mit weißen Häuschen und bunten Fensterumrandungen vor einer Bergkulisse und mit Hafen und Strand ist wirklich sehr schön. Was wir nicht wussten ist, dass ausgerechnet heute Markttag ist. Vielleicht wären wir, hätten wir es gewusst, ja sogar erst recht deshalb hingefahren, so werden wir allerdings voll vom Tourismustrubel erwischt. Der Markt, alles Billigklamotten, wird gerade abgebaut. Das Angebot verlockt uns aber sowieso nicht. Die Verkäufer sind zumeist afrikanischer Herkunft, was es evtl etwas interessanter gemacht hätte, da auch Braiding, also das Flechten von ganz eng anliegenden Zöpfen angeboten wurde. Das hätte ich mir gerne mal angesehen. In den Gassen finden wir ein Restaurant an dem anderen und sie sind voller, meist deutschsprachiger, Touristen. Ich dachte immer, Mallorca wäre in deutscher Hand, einige Orte Gran Canarias sind es definitiv auch. Wir finden ein Hinweisschild zu einem Mirador. Dorthin sind 250 Stufen zu steigen, dafür treffen wir oben dann auch nur noch drei andere Leute. Der Blick über das Dorf, die Küste und zu den Bergen lohnt den Aufstieg allemal. Nach Eis und Kuchen auf einer Parkbank beenden wir unseren Ausflug und fahren heim.

12.3.22 Tajeda – Artenaja – Gebirgsrundfahrt

Unser Tag besteht aus einer Rundfahrt durchs Gebirge. Wir besuchen die netten Bergdörfer Tajeda und Artenara, lassen die Blicke von diversen Aussichtspunkten über eine faszinierende Natur aus vulkanischen Felsen, bizarren Formationen, Wäldern einer besonderen kanarischen Kiefernart, sowie Kakteen, Blumen und Aloe Vera rund um das Gebiet des Roque Nublo wandern, den wir ja bereits am Mittwoch bestiegen haben. Wir besuchen historische Wohnhöhlen und bestaunen die moderne Form der Häuser, die zum Teil oder auch ganz in die Vulkanfelsen hineingebaut sind und zu den historischen in Größe und Komfort erheblich hinzugewonnen haben. Als i-Tüpfelchen schlemmen wir in einer für ihre aus Mandeln hergestellten Gebäckstücke bekannten Dulceria zwei super leckere Teilchen mit Kaffee. Heute ist es teilweise richtig heiß in der Sonne, sodass wir das mit Schokolade überzogene gar nicht schnell genug essen können, bevor es in unserem Händen schmilzt. Es ist strahlend blauer Himmel und wir genießen wiederum einen sehr schönen Tag.

13.3.22 Las Palmas – Flohmarkt El Rasto – Stadtviertel Vegueta – Cueva de la reina Mora

Heute Morgen tröpfelt es zum ersten Mal seit wir hier sind etwas, aber als wir in Las Palmas ankommen, scheint schon wieder die
Sonne. Wir haben Glück und finden auf Anhieb einen Platz auf einem
Parkplatz Nähe der Mole, den ich zuvor bei Park4Night herausgesucht
habe. Wir haben uns für heute den Flohmarkt El Rasto in der Hauptstadt
der Insel vorgenommen, der jeden Sonntag dort stattfindet. Leider
finden wir auch hier fast nur Klamottenstände vor und fast keine alten
Sachen. Wir verlassen ihn deshalb schnell wieder. Als wir zum
Parkplatz zurückkommen, wartet bereits eine lange Schlange vor der
Schranke. Wir zahlen 70cent und stellen bei der Ausfahrt fest, dass wir
uns das hätten sparen können, da die Schranke ohne Ticket von selbst öffnet. Unser nächstes Ziel ist die Altstadt von Las Palmas. Sie gefällt uns sehr gut. Hier stehen wunderschöne, pastellfarbene Häuser
mit Stuckverziehrungen und viele auch mit hübschen Balkonen. In einem
Souvenirladen kaufen wir interessante Marmelade, einmal Kaffee
mit Limone, einmal Kaffee mit Banane. Das hört sich etwas schräg an, wir
werden es morgen nach dem Frühstück wissen, ob das schmeckt.

Nachder Altstadt begeben wir uns ins Stadtviertel Vegueta, was ebenfalls
schöne Häuser und mit Palmen bestandene Plätze aufweist. Um wieder zu unserem
Auto zurück zu kommen, führt uns Komoot über einen sehr interessanten
Weg durch einen kleinen Tunnel, den ich von weitem für eine
Abwasserleitung gehalten hätte. Überall sind Graffiti, auch auf einer
Skateranlage, bei der der Tunneldurchgang endet. Bei Nacht möchte ich diesen Weg nicht gehen, aber am Tage war er ganz interessant.

Auf dem Weg zurück zu unserem Apartment halten wir noch einmal an der Küste an, wo eine
Höhle, die Cueva de la reina Mora, sein soll. Diese stellt sich aber lediglich als ein Loch im
Vulkangestein der Steilküste heraus. Es war dennoch ganz schön dort amWasser.

14.3.22 Ruhetag – Faulenzen

Ich habe heute einen faulen Tag eingelegt und Stefan sich wandermäßig mal wieder richtige austoben lassen. Er machte die 17 km lange Ayagaures-Stausee – Presa de la Angostura Runde von Cercados de Espino, die bei Komoot zu finden ist.

15.3.22 Piscinas Naturales El Agujero – Leuchtturm Punta Sardina – Agaete – Puerto del las Nieves

Heute umrunden wir einmal die Insel. Unser erster Stopp sind die Piscinas Naturales El Agujero. An der Küste findet man durch Holzpfeiler abgesteckte Naturschwimmbecken. Heute ist jedoch eine derart starke Brandung, dass nicht nur die Becken überspült sind, sondern auch der Zugang und der Bürgersteig oberhalb immer wieder eine Wasserladung abbekommt. Die Wucht der Wellen ist ziemlich beeindruckend. Wir versuchen danach immer so nah es geht an der Küste entlang zu fahren und kommen zum Leuchtturm Punta Sardina an der nord-westlichen Spitze der Insel. Auch hier bieten die Wellen eine
beeindruckende Show. Von hier geht es weiter nach Agaete. Wir starten eine Wanderung nach Komoot und geraten zum ersten Mal in einen Regenschauer seit wir hier sind. Uns bietet sich aber gleich ein Unterstand und nach ein paar Minuten ist der Regen schon wieder vorbei. Wir genießen schöne Ausblicke von einer Anhöhe, besuchen danach den kleinen Hafen Puerto de las Nieves, von wo aus Fähren nach Teneriffa fahren, bewundern die schönen weißen Häuser mit ihren blau abgesetzten Fenstern und genießen je einen super leckeren Eiskaffee für 1,50€ im Ort. Über eine faszinierende Bergstraße fahren wir in westlicher Richtung um die Insel wieder zurück zu unserer Unterkunft. Unterwegs kommen wir immer wieder zu Aussichtspunkten mit phänomenalen Ausblicken bei warmer Nachmittagssonne auf eine traumhafte Inselwelt.

16.3.22 Reserva Natural Especial de los Tilos – Stadt Moya

Wir unternehmen heute einen Ausflug zum Lorbeerwald, dem Reserva Natural
Especial de los Tilos
. Auf den gerade mal 2 Kilometern
Wanderweg bietet sich eine unglaublich vielfältige Vegetation, sodass
dieser kurze Weg für uns zu einem der Höhepunkte unserer Gran Canaria
Reise zählt. Durch den Regen zuvor  kommen die Farben
besonders leuchtend heraus. Es ist wie durch einen Märchenwald zu
laufen. Auf dem Weg dorthin kommen wir wieder in den höchstgelegenen
Teil der Insel und dort hat der Sturm Celia gestern für Schnee gesorgt!
Reste können wir noch heute sehen. Nach dem Lorbeerwald besuchen wir
die kleine Stadt Moya, die bekannt ist für ihre Bisquits. Wir naschen dort
natürlich auch gleich etwas. Da das Wetter nicht ganz so sicher erscheint,
machen wir uns danach auf den Heimweg. Auf den engen, kurvigen
und steilen Bergstraßen kann man meistens höchstens 40km/h fahren,
daher dauern Touren ins Landesinnere immer recht lang.

17.3.22. Cruz Grande – Ventana del Nubre (Wanderung)

Nachdem wir auf dem Weg zum Parque
Natural de Pilancones von Google auf eine Schotterstraße geschickt
werden, bzw eine normale Straße plötzlich nicht mehr geteert ist und wir keine Pisten fahren dürfen mit dem Mietwagen,
entscheiden wir uns um und machen uns auf den Weg zum Cruz Grande. Dort
soll es verschiedene Wanderwege geben. Ich hoffe, dass da auch für
mich etwas passendes dabei sein wird. Nach ein paar Schwierigkeiten,
einen Parkplatz zu finden, bietet sich uns doch noch ein Fleckchen am
Straßenrand. Wir wählen den Weg zum „Ventana del Nubre„, weil 4km der
kürzeste Weg einfache Strecke ist. Nun ja, kurz heißt weder leicht noch einfach. Es geht
besonders am Anfang steil bergauf und das in der Sonne, sodass wir auf
den 3,7km bis zum Ziel 440 Höhenmeter hinter uns bringen. Der Weg ist
allerdings die meiste Zeit mit Bruchsteinen hervorragend gepflastert,
sodass man sich fragen kann, wer und wie diese Wahnsinnsleistung
verbracht wurde in der Höhe von bis zu über 1700m. Mit guten
Wanderschuhen ist der Weg wirklich gut zu laufen. Die sich bietenden Aussichten sind
wunderschön. Wir haben wieder blauen Himmel und können weit in die
zerklüftete Bergwelt mit ihren bizarren Felsspitzen gucken. Die
Vegetation ist auch hier wieder abwechslungsreich. Besonders angenehm
ist ein Wegstück durch lichten Kiefernwald in ca 1500m Höhe. Das Ziel
ist ein offener Felsbogen, der wie ein Fenster den Blick auf den El
Nublo freigibt. Der Abstieg ist eine Herausforderung an die Kniee und ich bin
froh, meine Stöcke mitgenommen zu haben. Ich muss sagen, sowohl meine halbhohen
Lowa Schuhe, als auch die faltbaren Stöcke haben mich beide auf dieser
Reise begeistert. Die Stöcke habe ich sogar in das Mini-Handgepäck, mit
dem wir bei Ryanair immer reisen, bekommen. Ein paar Ersatzschuhe
ebenfalls! Wenn wir nicht allmählich Packweltmeister sind, weiß ich
nicht, was wir noch besser machen können.

18.3.22 Rückflug nach Frankfurt

Wir sitzen am Flughafen und warten auf unseren Flug. Bisher hat alles gut geklappt. Wir haben die
Wohnung anständig verlassen, Auto ebenso ordentlich abgegeben (nicht wieder
verdreckt wie in Bulgarien ) und der Transfer hierher durch die Autofirma war auch ok.
Ein paar Stunden später landen wir in Frankfurt und werden zum Glück nicht
wegen Streik woanders hin geflogen. Auch unser Auto steht noch dort wohlbehalten, wo wir es geparkt haben und nach ein paar weiteren Stunden Fahrt sind wir wieder zuhause. Es war wieder mal eine sehr schöne Reise, die sich besonders in Hinblick auf die Natur sehr gelohnt hat.

Marokko

27./28.1.2020 Nador Marokko


Wir sind wieder unterwegs 🛫! Am 27.1. gegen 19:45Uhr landeten wir auf dem El Aroui Flughafen bei Nador, das zwischen der algerischen Grenze und der spanischen Enklave Melila am Mittelmeer liegt. Für einen Ryanairflug war die Reise gar nicht schlecht, denn nach dem Starten ging wieder mal das Spiel „mein rechter, rechter Platz ist frei“ los und Stefan und ich konnten uns eine ganze Dreierreihe teilen und mussten nicht getrennt sitzen. Zuerst saßen wir 5 Reihen auseinander, da wir es mal wieder nicht eingesehen hatten, extra dafür zu zahlen, um Plätze nebeneinander zu bekommen. Bei mir blieb der Fensterplatz neben mir frei und als Stefan zu mir kam, flüchtete mein Sitznachbar zur Linken auf einen anderen Platz.
Nach der Landung kamen wir recht zügig durch die Passkontrolle und zu unserem Mietwagen. Einzig der Geldautomat wollte uns keine Dirham ausspucken, aber das kannten wir bereits vom vorherigen Aufenthalt in Marrakesch. Wir suchten unser Apartment und richteten uns ein. Wir hatten über Airbnb Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und Bad für drei Tage gebucht und die Unterkunft war wirklich nett, bis darauf, dass sie keine Heizung hatte. Wir lösten das Problem damit, dass wir unsere mitgebrachte Minikochplatte anschalteten und auf dem Gasherd in der Küche Wasser kochten, so waren die Temperaturen erträglich. Auch wenn es tagsüber angenehm warm um die 20Grad war, fielen die Temperaturen nachts bis auf 7 Grad. Gut, dass es dicke Decken gab. Nun meldete sich der Hunger, so suchten wir zu Fuß den nächsten Geldautomaten. Dieses Mal hatten wir Glück und er spuckte Dirham aus und wir hatten fortan die richtige Währung in der Tasche. Ab jetzt konnten wir entspannen und gemütlich Crêpes in einem Café bei uns um die Ecke zum Abendessen genießen. Irgendwann nach Mitternacht lagen wir, nach einem langen Tag, in unseren Betten. Ich war noch so aufgedreht, dass es eine Weile dauerte, bevor ich einschlafen konnte.
Der 28.2.2020, unser erster richtiger Tag in Marokko, begann mit dem Einkauf im Laden um die Ecke. In Marokko sind Supermärkte eher rar gesät, man kauft auf Märkten oder in den kleinen Tante Emma Läden um die Ecke. Hier gibt es von Obst bis zum TV-Receiver und von Klopapier bis zu frischen Oliven fast alles, eng gestapelt auf kleinstem Raum. Der halbe Ladeninhalt muss am Morgen auf dem Bürgersteig aufgebaut werden, bis es überhaupt möglich ist, das Geschäft zu betreten und zu erahnen, was es hier alles so zu erwerben gibt. Wir warteten geduldig und zuckelten nach erfolgreichem Einkauf mit Eiern, Marmelade, Broten, Milch, diversem Obst, Käse und Kaffeepulver für rund 7€ wieder ab in unsere Unterkunft. Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir an die Küstenpromenade. Wir mussten feststellen, dass das Vogelschutzgebiet, das Stefan morgens beim Joggen entdeckt hatte, noch im Aufbau ist und erst 2021 eröffnet wird. Überhaupt herrschte in der Stadt rege Bautätigkeit und das was zu erkennen war, ließ für die Zukunft ein attraktives touristisches Küstenstädtchen erwarten. Ein Teil der gepflasterten Promenade entlang der Mittelmeerküste war bereits jetzt nutzbar mit Sitzgelegenheiten, Blick auf kleinen Fischereihafen, Spielplatz etc. Wir erkundeten die Promenade und die Innenstadt zu Fuß, erfreuten unseren Magen mit „Panini fromage“, also Toast mit Käse. Dazu gab es Pommes, Salat, Vorsuppe und marokkanischen Minztee für ganze 5,50€ zusammen(!). Später suchten wir vergeblich den „Nationalpark Artbien“, den wir auf google maps entdeckten. Wir fanden ein Wohngebiet in den Hügeln Richtung Melila, das über ungeteerte Straßen erreichbar und von müllübersätem Bachlauf durchzogen war. Dazwischen wuchsen Kakteen, und auf Geröllhügeln trieb ein Hirte seine Schafe und Ziegen durch die von Plastik übersäte Landschaft. Bereits im Dezember 2018 beschrieb die Heinrich Böll Stiftung, wie das zu der Zeit bereits seit 2Jahren bestehende Plastiktütenverbot auf illegalem Weg immer wieder umgangen wird (https://www.boell.de/de/2018/12/04/plastiktueten-marokko-drakonische-strafen-und-ein-florierender-schwarzmarkt) Hier, in dieser verdreckten Landschaft, kann man die traurige Folge menschlicher Gleichgültigkeit, die es natürlich nicht nur in Marokko gibt, sondern rund um den Globus, deutlich ablesen.
Wir begaben uns rechtzeitig vorm Dunkelwerden wieder in unser Apartment zum Teestündchen und Berichtschreiben, sowie Filmerstellen. Da die Straßen häufig heftige Schlaglöcher oder gewollte Straßenschwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung aufwiesen, Verkehrsteilnehmer häufig ohne Licht unterwegs waren und die Verkehrsregeln in Marokko schnell mal im eigenen Interesse verändert werden, hielten wir es für ratsam, bei Dunkelheit nicht mehr mit dem Auto unterwegs zu sein.





27.01.2020

28.01.2020



29.1.2020 Nador

Unser Vormittag war durch Gedanken an Stornierung unseres Fluges mit Air China nach Taiwan am 1.3. aufgrund des sich schnell verbreitenden Coronaviruses geprägt. Unsere Tochter hatte den Funken gezündet, als sie von ihren Überlegungen, ihren Vietnamflug zu stornieren, schrieb. Dummerweise hatten wir alle die chinesische Airline mit Zwischenstopp in China gebucht, und das schien momentan aufgrund des Coronaviruses keine allzu gute Idee gewesen zu sein. Wir stellten zunächstl eine Anfrage, ob und welche Kosten auf uns zukämen im Falle einer Stornierung. Uns machte nicht unbedingt der Virus Angst, sondern eher die zu erwartenden Schwierigkeiten, die sich bei der Aus- und Weiterreise aus China ergeben konnten. Wir hatten definitiv kein Interesse an einem Quarantäneaufenthalt in China oder Taiwan.
Gegen Mittag brachen wir dann zu unserem Tagesziel, dem Berg Gourougou auf. Auf schmaler, aber geteerter Straße ging es den Berg hoch, vorbei an Ziegen, Kühen, Schafen und Kakteen zu Pinienwäldchen mit sehr schönen Ausblicken über die bergige Landschaft rundum, die Bucht und die spanische Enklave Melila. Im Schatten der Bäume luden Tische und Bänke zu einem Picknick ein. Leider gab es keine Mülleimer, sodass der gesamte Berg zugemüllt war. Als wir später in einer Bäckerei in Tissamrin am Fuße des Berges einen Deutschmarokkaner trafen, fragte er uns gleich auf Deutsch, wie uns die Landschaft gefallen hätte und klagte über die Verschmutzung überall. Wir konnten leider nur zustimmen. Mir lag aber noch etwas anderes im Magen: in dieser Gegend kommt man nicht umhin, an die vielen verzweifelten Flüchtlinge zu denken, die versucht haben, von hier ins gelobte Europa zu kommen. Das so nett vor sich hin plätschernde Mittelmeer ist das Massengrab von so vielen unschuldigen Menschen geworden. Hier ein Bericht von Amnesti International von 2015 über genau diesen Berg, dessen Natur wir als Touristen genießen: https://www.amnesty.de/journal/2015/juni/das-ghetto


Am Nachmittag besuchten wir den Souk, also die Markthalle von Nador und die umliegenden Gassen voller Verkaufsständen und Geschäftchen. Hier wird alles feilgeboten von Brautkleid bis Autoreifen. In einer gut ausgestatteten Bäckerei tranken wir frischen Orangensaft und der Bäcker schenkte uns zwei leckere Cremeteilchen mit seinem besten deutschen Satz: „zum Probieren umsonst“. Danach begaben wir uns wieder in unser Apartment für den letzten Abend in Nador. Wir planten später zu Fuß wieder in unser Stammcafé Galaxy zu gehen und etwas zu Abend zu essen. Für die Preise lohnte es sich kaum, selber zu kochen und erst noch alle Zutaten zu suchen.
Am kommenden Tag sollte die Reise weitergehen nach Al Hoceima an der Küste Richtung Westen. Dort befindet sich der gleichnamige Nationalpark. Wir hatten einen „Bungalow“ bei Airbnb gebucht und ich hoffte sehr, dass wir keinen Reinfall damit erleben würden. Der Vermieter hatte noch keine Bewertungen und wir sollten nur 20€ die Nacht zahlen für einen ganzen Bungalow. Es gab auch nur Bilder der Umgebung, nicht aber von der Unterkunft selber. Alles hörte sich aber soooo gut an, dass wir die Finger nicht davon lassen konnten.

29.01.2020

30.1.2020 Nador-Al Hoceima

Meine Befürchtungen bzgl des Bungalows für 20€ pro Nacht waren leider berechtigt. Am Vorabend versuchte der Vermieter uns davon zu überzeugen, dass wir bei Anreise bei ihm bar bezahlen sollten, was wir natürlich ablehnten, da wir ja über Airbnb bereits per Kreditkarte bezahlt hatten. Er insistierte darauf, dass wir dort wieder stornieren und dann bei ihm bar zahlen sollten. Wir weigerten uns, denn nicht nur, dass wir die Vermittlungsgebühr nicht wiederbekommen hätten, die Sache erschien uns auch von Minute zu Minute dubioser. Er kommunizierte auch direkt mit uns statt über Airbnb. Stefan meldete den Vorfall dort, wir stornierten und forderten auch die Gebühr für die erste Nacht vom Vermieter zurück, die wir laut Stornofrist hätten zahlen müssen. Wir schrieben ausschließlich die Mails an ihn über die Buchungsplattform. Wir vermuteten, dass das ganze Angebot Fake war und es den Bungalow gar nicht gab. Mit dem Typen wollten wir definitiv keinen persönlichen Kontakt haben, also suchten wir uns ein anderes Apartment über Booking.com. In diesem saßen wir nun und fühlten uns damit sicherer, auch wenn die Unterkunft ziemlich mies war. Es war zwar eine ganze Wohnung mit gleich drei Schlafzimmern, die wir ja eigentlich gar nicht brauchten, aber alles recht schäbig und nicht wirklich sauber. Der Vermieter, oder vielleicht war es auch nur der Hausmeister, bemühte sich jedoch redlich. Als erstes funktionierte der Herd nicht, also schleppte er eine ganze Herdeinbauplatte von anderswo an. Der Erfolg war, dass die Sicherung heraus sprang, sobald er mehr als zwei Platten einschaltete. Egal, mehr brauchten wir nicht, aber dass die angekündigte Heizung fehlte, monierten wir schon. Nach einigem hin und her brachte er eine Aircondition mit Heizfunktion aus seiner Wohnung an, die nun auf unserem Sofa lag und uns zumindest im Wohnzimmer Wärme brachte. Für gut 30€ pro Nacht war die Bude im Vergleich zur letzten überteuert, aber wir hatten unser eigenes Reich und Al Hoceima schien auch touristischer zu sein, was den Preis begründen könnte. Im Sommer soll es ein beliebter und lebhafter Badeort an einer von Felsen umgebenen Mittelmeerbucht sein. Was wir bei Anreise bereits feststellen konnten war, dass die Stadt es mit seinen steilen Straßen locker z.B. mit Lissabon aufnehmen kann. Jeder Gang zum nächsten Tante Emma Laden glich hier gleich einem Fitnesstraining und Stefan konnte beim Joggen für den Brockenlauf trainieren.
Die Strecke von Nador nach Al Hoceima fanden wir zu Beginn recht langweilig, sie entwickelte sich dann aber zur malerischen Traumstraße entlang der Küste mit Ausblicken auf bizarre Felsformationen. Kilometerweit fuhren wir durch in die Felsen hineingehauenen Straßenschluchten. Meterhohe Felswände ragen hier an beiden Seiten hoch, bis wieder der Blick aufs Meer freigegeben wird. Nur vereinzelt gibt es mal Häuser, einfache Cafés, Obststände und Polizeikontrollen. Letztere sind in diesem Gebiet zahlreich. Nicht nur, dass südlich im Inland im Riffgebirge das Hanfanbaugebiet Nordafrikas sein soll und trotz drakonischer Strafen noch immer Drogen von hier den Weg nach Spanien finden, die spanischen Enklaven Melila und Ceuta ziehen auch seit jeher Flüchtlinge des afrikanischen Kontinents an, die nach Europa wollen.

30.01.2020

31.1.2020 Al Hoceima

Bevor wir an diesem Tag die Stadt erkundeten, genossen wir ein leckeres Frühstück auf der Terrasse eines Cafés in der Innenstadt. Omelett, Brot, Marmelade, Käse, Orangensaft und Kaffee – das „Petit dejeuner“ in Marokko sagte mir bedeutend besser zu als in Frankreich, wo es meist nur ein Croissant mit Espresso gibt. Da unsere Unterkunft kein WLAN hatte, nutzten wir auch die Möglichkeit, kostenlos zu surfen und zu planen, was wir uns anschauen wollten. Wir begannen unseren Rundgang beim Place Mohamed VI., von dem aus man eine schöne Aussicht auf die Bucht hat. Dann scheuten wir keine Mühen und stiegen zahlreiche Stufen hinab zu den Hotels Mercure und Quemado und dessen gleichnamigem Strand. Die Hotels sind meiner Meinung nach ein Schandfleck, auch wenn man offensichtlich versucht hat, ihnen das Aussehen eines leicht gebogenen Oceanliners zu verpassen. Sie sind einfach viel zu groß und wuchtig. Der Strand ist aber ganz nett und gut gepflegt. Ausnahmsweise lag hier mal kein Müll herum.
Nach dem anstrengenden Aufstieg in der Sonne begaben wir uns für eine Weile in das lebhafte Marktgeschehen, liefen dann aber wiederum bergab zum Cap Viejo, von wo aus wir wiederum einen guten Ausblick auf die andere Seite der Bucht mit den Hotels hatten. Wieder bergauf gelaufen, plagte uns nun der Durst und wir tranken den leckeren marokkanischen Pfefferminztee aus Grüntee mit frischer Minze im Café Espace Miramar mit grandiosem Blick auf die Bucht.
Danach schlenderten wir zurück Richtung Auto, fanden unseren ersten großen Supermarkt in einem arabischen Land und kauften Lebensmittel und jedem eine kuschelige Decke. Uns ist die Sauberkeit der Decken in den Unterkünften nicht geheuer. Jetzt hatte jeder für rund 6€ eine flauschige Kuscheldecke, die wir notfalls am Ende des Urlaubs in Marokko lassen müssten, weil wir sonst mindestens 1×14€ für ein zusätzliches Gepäckstück an Ryanair zahlen müssten 🙄.
Wieder beim Auto angekommen, gondelten wir noch ein wenig durch die Stadt auf der Suche nach netten Ausblicken, aber als wir eine derart steile Straße hochgefahren waren, dass wir beim wieder Herunterfahren unten leicht mit der Stoßstange über den Boden schliffen, hatte ich genug von der nervenaufreibenden Fahrerei. Nicht, dass ich selber gefahren wäre, aber meine Nerven litten immer mehr, wenn es brenzlig wurde, als Stefans😳
In unserer Unterkunft wartete bereits seit ein paar Stunden unsere Wäsche sauber in der Waschmaschine darauf, auf der Dachterrasse trocknen zu können. Ja, den Luxus einer Waschmaschinenmitbenutzung und Dachterrasse bot unsere ansonsten eher mäßige Wohnung. Da wir nur minimal mit Wechselwäsche ausgestattet waren, da unser Gepäck ja nur die winzigen Maße von 40x20x25cm haben durfte, war eine Waschmaschine natürlich ein Segen.

31.01.2020

1.2.2020 Nationalpark Al Hoceima

Dieser Tag war der Natur gewidmet. Als wir am Morgen aufbrachen, war es wolkiger als die Tage zuvor, aber schon gegen Mittag hatten wir wieder blauen Himmel und Sonne. Wir ließen uns von Google Maps zum Nationalpark Hoceima navigieren. Erst sah es gar nicht so aus, als würde man erkennen, dass es sich um einen Nationalpark handeln könnte, Die Straße führte durch steiniges Gebiet mit Häusern, Gemüsebeeten, Heuballen, die hier hochkant aufgestellt waren und etwas wie Pilze aussahen, da sie oben breiter waren. Zwischendrin wuchsen vereinzelt Mandelbäume und alle paar Meter sah man Betongefäße, aus denen Rohre herausguckten und die mit „Eau“, also Wasser gekennzeichnet waren. Meine Vermutung war zuerst, dass es sich um Wasserstellen handelt, da immer wieder Marokkaner mit mit Wasserflaschen beladenen Eseln vorbeikamen, aber Stefan tippte auf Überläufe für Starkregenfälle🤷‍♀️
Nach einigen Kilometern endete die Straße und wir fanden einen schönen Wanderweg, der oberhalb der Küste verlief. Er bot schöne Ausblicke aufs Meer und auch auf die Menschen, die hier ihre Äcker bestellten und Wasser und Heu per Eselkraft transportierten. Diesen Weg wanderten wir bis wir an einen Punkt kamen, wo er uns zu schmal und abschüssig erschien. Wir machten kehrt und tranken eine Limo in einem sehr einfachen Café in der Nähe unseres Autos. Auf dem Rückweg zur Hauptstraße N16 sonnte sich eine Schildkröte mitten auf der Straße. Stefan rettete sie vor dem für dieses abgelegene Gebiet recht regen Verkehr, indem er sie auf einen Stein am Wegesrand trug. Es war aber nicht nur eine uneigennützige Tat aus reiner Tierliebe, die Schildkröte ließ sich auch eindeutig besser in der natürlichen Umgebung fotografieren 😂
Wie fuhren ein weiteres Stück gen Westen auf der N16, bis wir wieder einen Abzweig in das Nationalparkgebiet fanden. Wir tankten und stärkten uns mit einer Pizza, bevor wir abbogen. Dieses Mal konnten wir bis zum Port Cala Iris fahren und den Ausblick auf mehrere Felsen vor der Küste genießen. Der letzte Stopp im Park war der Plage de Torres, wo auch Wohnmobile eine Nacht mit Blick auf Meer und Küste verbringen können. Leider hatten wir keine Zeit mehr, noch zum Turm hochzuklettern. Wir liefen nur noch ein paar Meter an der Küste entlang zu zwei Aussichtspunkten.
Auf dem Heimweg kauften wir wieder im Supermarkt vom Vorabend ein und Stefan kochte uns Nudeln mit frischen Tomaten, Koriander und Streukäse.



01.02.2020

2.2.2020 Al Hoceima-Chefchaouen

Die 237 Kilometer lange Strecke haben wir in rund acht Stunden mit mehreren Stopps hinter uns gebracht. Den ersten Teil der Strecke entlang des Nationalparks kannten wir ja schon, danach führte uns die N16 nach einigen weiteren Kilometern an der Küste entlang und später vorbei am gebirgigen Nationalpark Talassamtane auf der P4105. Die Straßen waren außerhalb der Ortschaften nur wenig befahren, aber dennoch konnten wir die kurvenreiche Strecke nur langsam, also zwischen 40-80km/h fahren. Vor den Ortseingängen stehen regelmäßig Polizeikontrollen, die vielfach Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Außerdem muss man immer mit Schafen, Ziegen, Menschen mit oder ohne Eseln und ähnlichem rechnen. Wir machten Stopp bei einem Café mit hervorragendem Blick auf das Meer und die Küste, guckten uns zu Fuß den malerischen Ort Jebha an, der idyllisch in einer Bucht liegt und mit seinen blau-weißen Gebäuden und stilvollen Straßenlaternen in derselben Farbkombination, auch die ersten anderen europäischen Touristen außer uns anzog. Bis dahin waren uns keine begegnet, hier standen gleich zwei Wohnmobile aus Deutschland und Großbritannien neben uns auf dem Parkplatz. Für Fischliebhaber ist der Ort ein Eldorado, für Vegetarier ist die Nahrungssuche eher schwieriger. Wir fanden ein Restaurant, das uns Pommes machte, aber gleich darauf hinwies, dass ihre Kartoffeln sich besser für Ihre Tajine als zum Frittieren eigneten. Leider werden Tajine fast immer zumindest mit dem Sud von gekochtem Fleisch hergestellt. Es ging uns hier also ähnlich wie in Japan, wo es nahezu unmöglich ist, eine Misosuppe ohne Dashi, also Fischsud zu bekommen.
Gegen 17:30Uhr erreichten wir Chefchaouen und parkten außerhalb des Souks. Es war noch ein ganzes Stück zu laufen, bis wir unsere Unterkunft, das Casa la Hiba, erreichten. Das schmucke Häuschen befindet sich innerhalb der engen Gassen des Souks und ist auch von innen ein Schmuckkästchen. Wir wurden von einem der drei Brüder, die das Haus führen, freundlich und in gutem Englisch begrüßt und über interessante Plätze in Chefchaouen informiert. Unser Zimmer ist super gemütlich, sauber und hat ein tolles Bad. Um wieviel besser ist diese Unterkunft zu unserer letzten!
Darüber hinaus empfingen wir die erfreuliche Mail von Booking.com, dass unsere Unterkunft in Taipeh uns freundlicher Weise die Stornierungsgebühr erlassen hat, d.h., wir haben zwar das Pech wegen des Cororsviruses im März nicht wie geplant nach Taiwan fliegen zu können, aber zumindest legen wir finanziell nicht noch drauf. Einzig allein die schon gekaufte Zugfahrkarte nach Frankfurt müssen wir als Verlust verbuchen.

02.02.2020

3.2.2020 Chefchaouen

Der Tag begann mit einem hervorragenden Frühstück auf der Dachterrasse unserer Unterkunft. Crêpes Stückchen, marokkanische Fladen, Brot, zwei Marmeladen, Frischkäse, Oliven, Omelett, Orangensaft und Kaffee und das bei angenehmen Temperaturen und einem fantistischen Blick über die Stadt.
Danach ließen wir uns ohne Plan durch das Labyrinth der Gassen durch die Medina mit ihrem bunten Souk treiben, besuchten die alte Kasbah (Festung) aus dem 15.Jahrhundert und beobachteten bei einer Tasse Kaffee von einer Dachterrasse aus das bunte Treiben auf dem Place El Haouta. Eine Gruppe junger Leute, vermutlich Europäer, lauschten den Gitarrenklängen eines Straßenmusikers, der auch in unserer Jugend genauso dort hätte stehen können. Raggaerythmen von Bob Marley und lange schwarze Locken – dieser Style scheint unvergänglich und gefiel den jungen Zuhörern ebenso wie mir.
Wir ließen uns weiter treiben und kamen zu den Ras El Ma Wasserfällen. Sie sind nicht groß, waren aber einst, als die Stadt vor 600 Jahren gebaut wurde, die einzige Wasserquelle. Sie trieben eine Wassermühle an und dienten der Stromversorgung. Heute sitzen die Einheimischen hier am Wasser, unterhalten sich und waschen ihre Wäsche. Eine alte portugiesische Brücke überspannt den Fluss.
Gegen Nachmittag wurde es uns zu heiß in der Sonne und wir begaben uns in unsere kühle Unterkunft in den schmalen Gassen der Altstadt zur Siesta.
Als es dämmerte liefen wir auf einen Hügel, auf dessen Spitze eine weiße Moschee leuchtete und von dem aus man den Sonnenuntergang hinter der Altstadt beobachten kann. Leider kamen wir zu spät oben an, so dass uns nur noch die „blaue Stunde“ zum Fotografieren blieb.
Zum Abendessen gab es eine Gemüsetajine, ausnahmsweise laut Küche ohne Fleischsud, dann ging’s zurück zu unserem gemütlichen Zimmerchen. Die Stadt ist so schön, dass ich am Morgen einen richtigen Freudenflash hatte😂. Die Häuser alle in weiß-blau hübsch gestrichen, die Gassen sauber, keine Anmache, einfach nur schön!

03.02.2020

4.2.2020 Chefchaouen-Talassemtane National Park

Chefchaouen liegt am Fuße des Riffgebirges, einem Gebirgszug des Atlasgebirges. Selbstverständlich mussten wir daher einen Tag für die Natur einplanen. Ich hatte als Ziel die kleinen Wasserfälle von Akchour und die God‘s Bridge im Talassemtane National Park ausgewählt. Es gibt zwar auch noch die großen Wasserfälle von Anchour, aber die Wanderung wäre zu lang und den Beschreibungen nach zu schwierig für mich gewesen. Unsere zwei Ziele lagen ca 30km von Chefchaouen entfernt und so nah zusammen, dass man sie gut auf einer Wanderung verbinden konnte. Insgesamt wanderten wir rund neuneinhalb Kilometer entlang an Flüssen mir mehreren kleinen Wasserfällen, sowie steil bergauf (220Höhenmeter auf 1,7km) zu Aussichtspunkten auf die God‘s Bridge, einer beeindruckenden Naturbrücke, die das Tal überspannt. Der Weg zu den Wasserfällen war ein gemütlicher Spaziergang. Zahlreiche Einheimische boten unterwegs Sitzgelegenheiten an, wo sie Getränke oder das typische marokkanische Gericht Tajine verkauften. Verhungern oder verdursten konnte man auf der Strecke sicher nicht, soviel Stände gab es. Sie fügten sich aber in ihrer Einfachheit gut in die Natur ein und störten nicht. Unterwegs liefen uns Berberaffen über den Weg, die genüsslich Blätter von Sträuchern fraßen. Sie sind eine Art der Makaken und die einzigen, die außerhalb Asiens leben. Laut Wikipedia sind sie stark gefährdet und in Europa und Ägypten bereits ausgerottet. Nur auf Gibraltar findet man noch welche, die dort aber angesiedelt wurden. Sie haben erstaunlich relaxed auf uns reagiert. Die japanischen Makaken flüchteten bereits, wenn sie von weiten Menschen wahrnahmen.
Der Weg zur God‘s Bridge war erheblich anstrengender, da es fast ausschließlich bergauf ging und der Untergrund Trittsicherheit verlangte. Hier gab es keine Verpflegung mehr. Uns begleitete den ganzen Tag strahlender Sonnenschein, der leider das Fotografieren erschwerte. Wir hatten ständig mit harten Kontrasten, Gegenlicht und dem Problem, dass ein Teil der Landschaft im Schatten lag, der Rest aber in sehr hellem Sonnenlicht zu kämpfen. Aber wir genossen den Tag in der Natur sehr.
Wenn man über das Riffgebirge schreibt, kommt man nicht umhin, auch über Rauschgift zu schreiben. Laut Internet wird seit Jahrhunderten Cannabis im Riff angebaut, aber vor der großen Touristenwelle im letzten Jahrhundert nur in kleinen Mengen für „Kief“, wo Marokkaner die weibliche Blüte mit Tabak mischen. Laut Wikipedia kam der Anbau in großem Maße mit der Welle westlicher Touristen. https://en.m.wikipedia.org/wiki/Cannabis_in_Morocco
Heute gilt das Gebiet hier als das Anbaugebiet Afrikas, und trotz Verboten und starken Kontrollen schaffen die Drogen ihren Weg von hier nach Europa.
Meine Befürchtungen, hier ständig angequatscht zu werden, haben sich aber zum Glück nicht bewahrheitet. Ein einziges Mal flüsterte uns ein Marokkaner „Haschisch, Marihuana“ zu. Insgesamt waren die Händler und Bettler bisher völlig zurückhaltend und wir genossen es täglich, unbelästigt durch den Souk schlendern zu können.
Am folgenden Tag würden wir diese wunderschöne Stadt und unser tolles Zimmer wieder verlassen, leider! Den Anblick dieser hübschen blau-weißen Häuser und Gassen, die hübschen Verzierungen und die Sauberkeit werden wir sicher nicht vergessen. Man gibt sich viel Mühe, den alten Baubestand der Medina zu erhalten. Die blaue Farbe hat im Übrigen die Bewandtnis, Böses abzuwehren.

04.02.2020

5.2.2020 Chefchaouen-Tetouan

Wir verabschiedeten uns von unserem netten Zimmer und der tollen Stadt Chefchaouen und fuhren wieder nach Norden zur Weltkulturerbestadt Tetouan. Auf den ersten Blick wirkte sie nur groß. Wir bezogen unser Zimmer im Hotel Riad Tetouan, das ok war, aber kein bisschen von dem Charme unserer letzten Unterkunft hatte. Dafür konnten wir direkt davor parken und Frühstück war inklusive. Wir waren gespannt, ob es mit unserem letzten mithalten können würde. Am Nachmittag fuhren wir zur Medina und landeten zuerstl auf der Autobahn, was uns einen Umweg von 28km und eine Mautgebühr von rund 40ct kostete. Letztlich fanden wir den Weg in die lebhafte und enge Stadtmitte und parkten in der Nähe des Souks Newader. Menschenmassen tummelten sich in den Gassen und die Händler verkauften dort alles von flohmarktreifem Schrott über Fisch und Obst. Auffällig und schmackhaft waren die Kekse und anderen Backwaren, die in dieser Stadt überall angeboten werden. Als sich durch das Gewimmel der Soukgassen auch noch ein Trauerzug den Weg bahnte, konnten wir uns nur noch an die Seite quetschen. Außerhalb der Altstadtmauern fielen ein paar imposante Gebäude wie eine Kirche und die Universität auf. Obwohl die Medina mit ihren weißen Häusern auch ihren Charme hat, kommt sie meiner Meinung nach bei weitem nicht an das Schmuckkästchen Chefchaouen heran. Auch an Sauberkeit haperte es hier wieder mal.

05.02.2020

6.2.2020 Tetouan

Dieser Tag war überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Am Morgen regnete es erst, danach war es den ganzen Tag diesig. Ich hatte schlecht geschlafen, da mich Sodbrennen quälte und dementsprechend war meine Laune nicht besonders gut. Das Frühstück war gut, aber das ganze Ambiente und die Darreichung längst nicht so wie wir es in Chefchaouen erlebt hatten. Wir fuhren wieder ins Zentrum und die Straßen waren genauso gerammelt voll von Autos und Menschen wie am Abend zuvor. Wir schafften es dennoch, einen Parkplatz in der Nähe der „Paloma Blanca“, einer riesigen Taubenstatue in der Mitte eines Kreisels zu finden. Eine Gruppe Fußballfans posierte vor der Taube für Fotos. Nach einer kleinen Runde durch einen Obst- und Gemüsesouk fuhren wir wieder in unser Hotel. Unterwegs besorgten wir uns eine sehr leckere Obsttorte mit Erdbeeren, Himbeeren, Äpfeln und Kiwis aus dem Supermarkt. Süße Leckereien sind hier in Marokko wirklich immer zu empfehlen.
Auf der Ausfallstraße zu unserer Unterkunft hielten auf der Gegenseite eine ganze Anzahl von Kleinbusse und es stiegen massenhaft Polizisten mit Helmen und Schutzschilden aus. Wir vermuteten erst eine Demo, aber dann kamen auch schon Horden von Fußballfans und wir machten uns schnell aus dem Staube. Nach ein paar Stunden Siesta schellte plötzlich Stefans Telefon. Ein Mitarbeiter unseres Telefonanbieters „Orange“ in Marokko, versuchte uns klarzumachen, wie wir unsere nächsten Monatsbeträge zahlen sollten. Wir hatten aber in Nador nur Simkarten für 1Monat gekauft, da wir ja nur 3Wochen im Land verweilen wollten. Der Mitarbeiter meinte jedoch, wir hätten einen 3-Monatsvertrag. Da wir am Telefon mit den Verhandlungen nicht weiterkamen, beschlossen wir, uns zu einem Orange-Geschäft auf den Weg zu machen. Die erste Hürde mussten wir bereits im Fahrstuhl nehmen, in dem wir steckenblieben, der aber zum Glück eine laute Notfallglocke hatte. Danach quälten wir uns nochmals durch den Verkehr, nun auch noch bei Rush Hour und zum Ende des Fußballspiels. Die Fahrt auf der 7-minütigen Strecke zu einer Verkaufsstelle von Orange benötigte heute mehr als eine halbe Stunde. Glücklicherweise konnten wir dort aber unser Problem erfolgreich klären und fuhren zufrieden wieder zurück ins Hotel. Die Stadt schaffte es nicht, uns von sich zu begeistern und ich bedauerte, dass wir die zwei Tage nicht sinnvoller genutzt hatten.

06.02.2020

7.2.2020 Tetouan-Fès

Wir waren extra früh aufgestanden, weil uns eine lange Fahrt bevorstand und mussten dann leider feststellen, dass es um 7:45Uhr noch kein Frühstück gab, obwohl es ab 7:30Uhr angeboten wurde. Wir verließen also Tetouan mit knurrendem Magen und stoppten unterwegs für ein Frühstück. Mit ein paar Pausen fuhren wir knapp 8Std nach Fès, wo wir wieder in den schmalen Gassen der Medina ein Zimmer gebucht hatten. Wie in Chefchaouen musste das Auto draußen vor den Toren geparkt werden. Das sind immer die Situationen, in denen ich froh bin, dass wir nur unser Ryanair taugliches Minimalgepäck schleppen müssen. So macht es uns nicht viel aus, es ein Stück zu tragen. Auf den ersten Blick gefiel es uns hier schon viel besser als in Tetouan, wenn es auch nicht die Beschaulichkeit von Chefchaouen hatte. Fès hat rund eine Million Einwohner und gilt als Kulturstadt und geistiges Zentrum Marokkos. Unser Zimmer war recht klein, dafür hatten wir 4Betten. Es handelte sich um ein altes, verwinkeltes Gebäude im typisch marokkanischen Stil mit Innenhof, gemütlicher Dachterrasse mit Blick über die Altstadt und kunstvollen Fliesen und Teppichen. Ein kurzer Gang durch den Souk zum blauen Tor „Bab Bou Jeloud“ zeigte uns, dass wir sicher nicht verhungern würden. Darüber hinaus boten trotz Freitag, an dem viele Geschäfte geschlossen haben, zahlreiche Händler Öle, Kosmetik, Geschnitztes und vieles mehr an. Zu unserer Freude wurden wir aber, außer von vereinzelten Restaurantmitarbeitern, nicht überall angesprochen. Am folgenden Tag wollten wir die kunstvoll gestalteten Tore und Gebäude näher in Augenschein nehmen.

07.02.2020

8.2.2020 Fès

Wir schwächelten an diesem Morgen etwas, daher machten wir, nach unserem Frühstück auf der Dachterrasse, nur eine kleine Tour durch die Gassen der Medina. Wir besuchten die Medersa Atterine, eine Koranschule aus dem 14.Jhrd, die bis zum Beginn des 20.Jhrd noch in Funktion war. Heute ist sie Museum und eines der Gebäude, die die UNESCO 1981 zum Weltkulturerbe erklärt hat. Sie ist ein Kunstwerk der Bildhauerei und Schnitzerei. Die winzigen Räume der ehemaligen Schüler erinnern eher Zellen und boten sicherlich keinerlei Ablenkung vom Lehrstoff. Die Medersa befindet sich mitten in der Medina neben der Kairaouine Moschee, die wir als Nichtmuslime leider nicht betreten durften. Wir kamen an einem Klassenzimmer vorbei, wo die Kleinen gerade frühstückten. Die Lehrerin winkte uns rein. Es waren Drei- und Vierjährige, aber an der Tafel standen schon Buchstaben und Zahlen. Wir durften Fotografieren, aber natürlich wurde auch ein Bakschisch erwartet.
Nach der Besichtigung kauften wir uns Kekse und machten es uns ein paar Stunden auf unserer Dachterrasse bei Pfefferminztee und einem Buch bzw Film gemütlich. Am Nachmittag führte uns der Weg zum Park Jnan sbil. Wir folgten Google Maps durch das Gewirr der Altstadtgassen hinaus aus den Stadtmauern, dann entlang beeindruckender Gebäude mit hohen Mauern und verzierten Toren, die alle beflaggt und bewacht und anscheinend Staatsgebäude waren, bis wir den Park erreichten. Hier war ziemlich viel los. Besonders Mütter mit ihren Kindern beobachteten die Springbrunnen und die Vögel auf einer Insel im See und in Käfigen. Als uns der Hunger packte, ließen wir uns in einem Restaurant neben dem Park nieder und genossen Suppe und Stefan eine Art Pastete. In Sichtweite von unserer Restaurantterrasse kam es zwischen ein paar Typen zu einem lautstarken und handgreiflichen Streit. Von weitem sah es danach aus, als hätte ein Marokkaner einen Schwarzafrikaner angemacht, aber wir waren ca 50m entfernt und in Nullkommanix hatte sich eine Menschentraube um sie herum gebildet. Alles fand auf der Straße statt, daher löste sich der Streit auch nach einer Weile auf, als mehrere Autos hupten und durchfahren wollten. Unser Wirt entschuldigte sich am Schluss bei uns für den Vorfall, dabei hatte er gar nichts damit zu tun. Er schämte sich wohl für seine Landsleute. Den Abend verbrachten wir gemütlich in unserer Unterkunft. Auch hier war der Blick von der Dachterrasse wieder sehr beeindruckend. Mitten in einer Medina zu wohnen vermittelt das authentischte Gefühl von Marokko. In den dicken Wänden der Häuser ist es kühl und zumeist ruhig. Kommt man aus der Tür wird es geschäftig, befindet sich das Haus nicht gerade in einer der engen Seitengassen ohne Geschäfte. Das Gefühl von Labyrinth löst bei mir immer etwas Beklemmung aus, besonders wenn man ständig angesprochen wird, obwohl man gar nicht nach Hilfe gefragt hat. Dennoch sollte man sich das Erlebnis, direkt in der Medina zu wohnen, nicht entgehen lassen. Hier findet das Leben statt, sind die Gerüche des Orients anzutreffen und der Ruf der Muezzine klingt aus allen Ecken beim Gebet, auch morgens, wenn es dämmert und man nicht recht weiß, ob man träumt oder ob das was man hört Wirklichkeit ist.

08.02.2020

9.2.2020 Fès

Am Morgen haben wir uns auf den Weg gemacht, die „Marinid tombs“, Ruinen alter Gräber zu besuchen. Der Weg führte uns durch das Bab Guissa, das nordwestliche Tor aus der Altstadt auf einen Hügel mit den Ruinen der Gräber. Wir kamen dabei an einer Beerdigung auf einem aktuellen Friedhof vorbei. Der Weg den Hügel hinauf stach uns der Geruch gegerbten Leders in die Nase, da die Gerber ihre Lederstücke in der Sonne auf dem Hang trockneten. Das besondere oben bei den Gräbern ist der Blick über die Altstadt von Fés, die den Namen Fès al Bali trägt. Zu Mittag haben wir uns vegetarisches Couscous auf der Dachterrasse eines Restaurants geleistet. Die Preise hier in der Altstadt sind allerdings nicht so günstig wie sonst in Marokko. Für den Couscous haben wir 6€ bezahlt, was natürlich im Vergleich zu deutschen Preisen immer noch billig ist. Nach der Mittagspause unternahmen wir den wiederholten Versuch, den Kupfersouk zu finden, wo man die Händler beobachten kann, wie sie Muster in die Kupferstücke hämmern und damit kunstvolle Vasen, Kannen, Teller und vieles mehr anfertigen. Als wir später vom Place R‘cif zurück zu unserer Unterkunft wollten, sind wir erst eine ganze Weile in den verwinkelten Gassen herumgeirrt. Die Medina ist ein riesiges Labyrinth von engen Gassen mit immer wieder gleichen Geschäften, die Lederwaren, Teppiche, Tücher, Stoffe, Kupfer- und andere Metallwaren, Henna, Kosmetik und vieles mehr anbieten, sowie zahlreichen Essständen und Restaurants. Verlässt man die Hauptgänge, werden die Gassen noch schmaler und verwinkelter und enden oft auch im Nichts vor einer Tür oder Mauer. In den schmalen Gängen funktioniert häufig auch die Navigation per Handy nicht und man muss den ständigen Angeboten von selbsternannten „Guides“ entkommen, die stets die Hand aufhalten. Sie können gelegentlich hilfreich sein, aber man weiß halt nicht, ob auch auch alle vertrauenswürdig sind. In wenig besuchten, engen und wenig beleuchteten Gassen Drogen angeboten zu bekommen, ist nicht unbedingt das, worauf man sich einlassen sollte. Ich war zumindest recht froh, als wir endlich wieder auf bekannten Wegen waren und letztlich vor unserer Tür landeten. An diesem Tag war es in der Medina auch voller als die Tage zuvor, es waren mehr Touristen unterwegs und damit nahm auch das ständige Angequatsche zu. Sieht man die Armut hier im Lande, wundert es einen nicht.

09.02.2020

10.2.2020 Fèz-Taza

Noch etwas Natur schnuppern im Tazekka Nationalpark, das ist das Ziel, warum wir uns weiter nach Osten von Fès nach Taza begeben haben. Unsere Fahrt auf der N16 führte uns entlang an Olivenhainen, Ständen mit Kürbissen und durch kleinere, ärmlich wirkende Ortschaften. Immer dort, wo Markt war, pulsierte das Leben. Über Ernteerzeugnisse, Gebrauchsgegenstände, die wir dem Schrott zurechnen würden, bis zu Second Handkleidung, die vermutlich aus Spendensäcken reicher Europäer stammen, wird hier alles verkauft. Menschen, Esel, Autos, Taxis, Busse, freilaufende, wohl herrenlose Hunde und Katzen tummeln sich am Straßenrand und oft auch auf der Straße. Es bedarf höllischer Vorsicht, nicht irgendwen oder -was unter die Räder zu bekommen. Das weiß auch die Polizei, die so gut wie bei jeder Ortschaft kontrolliert, zum Teil per Kamera die Geschwindigkeit, aber auch die Ladung von Fahrzeugen. Es ähnelt schon sehr Asien, was hier zum Teil nur dürftig gesichert transportiert wird. Strohballen, die doppelt so hoch wie der LKW gestapelt sind, Dutzende Gasflaschen auf offener Ladefläche, alte Frauen, die unter der Last ihrer Rückentrage kaum noch zu sehen sind. Im Ort gilt daher in der Regel 40km/h, vor Polizeikontrollen 20km/h und es gibt zahlreiche Schwellen, um die Geschwindigkeit zu bremsen. Über die Qualität der Durchgangsstraßen kann man sich nicht beschweren. Es gibt zahlreiche Kreisverkehre und häufig sogar beleuchtete Achtungs- und Stoppschilder. Nur die engen Gassen in Wohngebieten sind teilweise holperig und häufig extrem steil.
Auf unserer Fahrt kamen wir am Idriss 1 Stausee vorbei. Seine türkise Farbe und eine einsam in ihm aufragende Palme, sahen irgendwie unwirklich, aber auch nett aus. Als wir nach Taza kamen, waren wir erstaunt, wie groß die Stadt ist. Es dauerte eine Weile, bis wir unseren Airbnb -Vermieter kontaktiert, uns mit ihm getroffen und er uns zu unserer gemieteten Wohnung geführt hatte. Wir hatten eine Küche mit Bad im EG und außerdem, begehbar durch ein offenes Treppenhaus, ein nettes und ganz neues Wohn-Schlafzimmer im OG. Die Aufteilung ist unglücklich, aber sonst ist es wirklich angenehm, wieder mal kochen und eine Waschmaschine nutzen zu können. Am kommenden Tag stand die Erkundung des Nationalparks nebenan auf unserem Programm.

10.02.2020

11.2.2020 Taza- Tazekka Nationalpark

Ziel des Tages war der Tazekka Nationalpark vor den Türen der Stadt Taza, wo wir am Abend zuvor angekommen waren. Der Park, mit dem mit 1980m hohen Jbel Tazekka,gehört zum mittleren Atlasgebirge. Wir eroberten den Park per Auto und machten auch einen kleinen Spaziergang und kamen dabei bis auf ca 1650m Höhe. Vorbei an Grotten fuhren wir mal durch Korkeichenwälder, mal durch steiniges Gebirge. Nur gelegentlich trafen wir auf andere Fahrzeuge. An einem Aussichtspunkt standen gleich vier Wohnmobile und wir trafen auch auf einen deutschen, zum Wohnmobil umgebauten riesigen LKW. Da passte sicher eine ganze Wohnung rein. An mehreren Stellen gab es Picknickplätze mit Bänken und Tischen, teils Grillmöglichkeit und Spielplatz und sogar einem geöffneten Kioks. Die Anlagen waren wirklich schön gemacht. Uns boten sich tolle Ausblicke, einmal sogar bis auf eine verschneite Bergkette. Das Wetter spielte hervorragend mit, so war es ein schöner Tag in der Natur. Die nach ihrer Ausrottung wieder aus Tunesien eingeführten Berberhirsche bekamen wir leider nicht zu Gesicht.

11.02.2020

12.2.2020 Taza – Tazekka Nationalpark

Am Vormittag fuhren wir zur Medina von Taza, um die Bab Jemaa Stairs anzusehen. Es ist eine breite Treppe mit schönen Straßenlaternen, die durch eine Parkanlage hoch zu der Stadtmauer, die die Medina umgibt, führt. Von oben konnten wir prächtige Ausblicke über die Stadt und die Berge genießen. In der Medina waren wir nur kurz, uns stand der Sinn eher noch einmal nach Natur. Wir suchten uns eine andere Straße in den Tazekka Nationalpark und dessen Umgebung und genossen die abwechslungsreiche Landschaft. Ain Aghbal, ein Wasserspeicher mit Wasserrinnen wie die Levadas auf Madeira, schroffe Felsen, Schluchten, dann wieder liebliche Blumenteppiche, Mandelbäume und immer wieder Korkeichen, die teilweise auch abgeerntet waren. Immer wieder begegneten uns Frauen, Männer und Kinder mit Eseln, die Stroh oder Flaschen transportierten, Hirten trieben ihre Schafe und Ziegen durch die Landschaft, Bauern bearbeiteten ihre Felder und Hunde liefen frei durch die Gegend. Bewohnte Gehöfte und alte Ruinen tauchten immer mal wieder am Straßenrand auf. Da wir nicht auf derselben Strecke wie am Tag zuvor zurückfahren wollten, haben wir uns fast in Schwierigkeiten gebracht. Einen Weg entschieden wir nicht zu fahren, weil er uns zu rauh vorkam, mit dem Erfolg, dass wir später eine viel längere Strecke auf Schotterpiste mit riesigen Löchern und Rillen bewältigen mussten. Mehr als eine Stunde lang rumpelten wir fern aller Zivilisation durch die Natur, wohlgemerkt auf einer Straße, die bei Google Maps angezeigt war und die auch eine Nummer hatte, um am Ende fast einen Totalreinfall zu erleben. 100m bevor wir wieder auf eine normale Straße kamen, war der Weg so eingebrochen, dass wir nur mit äußerster Vorsicht gerade noch die heikelste Stelle passieren konnten. Durch dieses Abenteuer lief uns natürlich auch die Zeit weg, sodass wir erst gegen 21:30Uhr bei Dunkelheit wieder bei unserer Unterkunft ankamen, was wir sonst tunlichst vermieden. Trotz der Zitterpartie war es ein schöner Ausflug an unserem letzten Tag der Reise, den wir noch frei gestalten konnten. Nun blieb nur noch die Fahrt zurück nach Nador und am Tag drauf der Heimflug.

12.02.2020

13.2.2020 Taza – Nador

Ein Tag vor Abflug. Der Tag war also ziemlich ausgefüllt mit Fahrerei von Taza nach Nador, wo wir dieselbe Unterkunft wie bei der Anreise gemietet hatten. Inzwischen hatte der Vermieter sogar einen Heizer und Tisch und Stühle für die Küche gekauft. Schade, dass wir das gar nicht mehr richtig ausnutzen konnten. Wir wollten am kommenden Morgen um 6Uhr die Wohnung Richtung Flughafen verlassen.
Die Strecke von Taza nach Nador hat uns total verwundert, bzw. so hatten wir uns zuvor Marokko am ehesten vorgestellt. Wir fuhren stundenlang durch steinige Wüste, im Hintergrund die Berge des Riffgebirges. Es erstaunte mich jedes Mal, wie im Nichts, nur zwischen Steinen und Sand, kleine Blüten ihren Weg ans Licht fanden. Immer wieder gab es Flecken mit lilafarbenen, gelben oder weißen Blumen, die zwischen stacheligen Diestelgewächsen leuchteten. Nach Dreiviertel der Strecke wurde die Landschaft plötzlich wieder grüner, Flächen waren bewirtschaftet, Kakteen wuchsen in dichten Reihen, wobei mir nicht klar ist, ob sie als Hecken dienten oder ob sie wegen ihrer Früchte angebaut wurden. Wir hatten uns gegen 16:30Uhr mit unserem Vermieter zur Schlüsselübergabe verabredet, danach machten wir noch einen Ausflug in Richtung Osten zum Naturschutzgebiet Lagune Mar Chica. Es handelt sich um eine natürliche Salzwasserlagune, die Nador vorgelagert ist. Sie ist ein Paradies für Vögel und wir konnten unsere Fotografiererei nur stoppen, weil uns Mücken in die Flucht trieben. Den Abschluss unserer Reise verbrachten wir in unserem Stammcafé Galaxy bei Pizza und superleckeren Crêpes mit Früchten und Schokoladensoße.

13.02.2020

14.2.2020 Rückflug Nador – Frankfurt Hahn

Über diesen Tag gibt es nicht viel zu schreiben. Wir waren drei Stunden vor Abflug am Flughafen in Nador, weil wir noch unser Auto abgeben mussten. Leider kam der Autovermieter aber erst eine Stunde später. Im Flughafen herrschte ebenfalls noch Stille, sodass wir im Auto saßen und warteten. Die Zeit hätten wir vielleicht doch besser im Bett verbracht, aber wer konnte das schon ahnen? Nach Autoabgabe standen wir eine Weile für die Sicherheitskontrolle an, um dann zu erfahren, dass wir unseren ausgedruckten Boarding Pass noch beim Check-in Schalter abstempeln lassen müssten. Beim Online Check-in am Vortag hatten wir schon das Aha-Erlebnis, dass uns Ryanair mitteilte, dass am Flughafen Nador die digitalen Boardingpass nicht akzeptiert würden und wir diese ausdrucken lassen müssten. Nach etwas Sucherei fanden wir ein Hotel, das bereit war, den Ausdruck für uns zu erstellen. Nun musste der Ausdruck auch noch gestempelt werden – komplizierter ging es wohl nicht! Letztlich kamen wir ohne Probleme durch die Kontrollen und flogen schneller als geplant nach Frankfurt, sodass wir fünf Minuten vor der Zeit dort landeten. Nun standen uns noch einige Stunden Fahrt bevor, bis wir wieder bei uns zuhause ankamen.

Ägypten All inklusive – sogar Deutsche

Hurghada
Hurghada

Grand Ressort
Grand Ressort

Geschafft! Wir sind am 4.9.2017 eingezogen in unser neues Heim und inzwischen auch offiziell umgemeldet. Wir haben uns auch eine Woche Auszeit „Auf und Davon“ erlaubt, aber statt wie geplant mit unserem Wohnmobil auf Tour zu gehen, um uns zu entstressen, ging unsere Reise ein paar Tausend Kilometer südlich. Wir schlugen all unsere Rekorde in Flexibilität, fanden am Mittwoch ein Angebot für 1 Woche Ägypten „All- inclusive“, buchten Donnerstag und flogen am Samstag, wofür wir auch noch nach Leipzig fahren mussten. Am Freitag ging es also los mit Wohnmobil zum Flughafen und am Samstagmorgen entschwanden wir nach Hurghada. Zum ersten Mal im Leben starteten wir in einen All-inclusive Urlaub in einem 5*Sterne Resort, eigentlich überhaupt nicht unsere Art zu reisen. Man muss aber alles mal ausprobieren, bevor man sagen kann, dass es einem nicht gefällt, oder man sich vielleicht doch damit anfreunden kann. Der Ablauf klappte perfekt, vom Abflug über Grenzformalitäten bis zum Transfer ins Resort. Wir bekamen ein wirklich sehr schönes und stilistisch dem Land angepasstes Zimmer. Die Anlage war insgesamt sehr schön gestaltet, aber riesig groß, sodass bei den Mahlzeiten das Gefühl in einem Bienenkorb zu sein, aufkam. Meine Befürchtung, dass bei „all-inclusive“ besonders bei alkoholischen Getränken Exzesse zu erwarten sind, hat sich glücklicher Weise nicht bewahrheitet. Da im Resort größtenteils Gäste aus Deutschland ihren Urlaub verbrachten und darüber hinaus englische und russische Stimmen zu vernehmen waren, kam das Gefühl, in ein exotisches Land gereist zu sein, leider nicht auf. Wie anders waren da unsere Erfahrungen bei unseren Individualreisen nach Marrakesch und in den Oman? Dort fanden wir ein Stück 1000 und eine Nacht, hier TV mit UEFA-Pokal, vornehmlich sächsisches und bayrisches Stimmgewirr und deutsche Speisekarte. Statt Souk und Ruf des Muezzin, gab es in erreichbarer Nähe auf Touristen abgestellte Geschäfte und haufenweise Bauruinen. Ein Verkäufer erklärte uns, warum das so ist: Die Bauherren geben vor, eine Hotelanlage bauen zu wollen und bekommen dafür Gelder von Bank und Staat geliehen. Nachdem das Erdgeschoss im Rohbau fertig ist, machen sie sich aus dem Staube nach Europa und werden nicht mehr gesehen. Die Bauruine gammelt vor sich hin. Seinen Angaben nach, würde die jetzige Regierung jedoch alles daransetzen, um dieses Gebaren zu beenden.

Verfallene Bauruine
Verfallene Bauruine

La LagunaTagsüber war es uns zu heiß, um irgendetwas zu unternehmen, so begann unser Vergnügen immer erst gegen 15 Uhr. Dann war es auf ca. 33 – 34 Grad abgekühlt und herrlich, zum Strand rüber zu gehen und das Rote Meer zu genießen. Der vom Resort angebotene Shuttle zur Altstadt von Hurghada war leider ab 10 Uhr vormittags und ging zur angenehmen Zeit schon wieder zurück ins Hotel. Genießen konnten wir dabei nur ein kaltes Mineralwasser auf einer überdachten Terrasse einer Gaststätte mit improvisiertem Open Air Kino in der Altstadt.

Kino Open Air
Kino Open Air

Um viel herumzulaufen war es einfach zu heiß. Wir haben daraus gelernt und sind an einem anderen Tag per Taxi nach El Gouna gefahren. Dieser für Touristen angelegte Ort ist ganz anders, als man es sonst häufig in Ägypten vorfindet: Hotelkette an der Küste, rundherum Wüste. Hier ist ein ganzer Ort mit allen möglichen Freizeiteinrichtungen inklusive Yachthafen gebaut  und als Lagunenlandschaft angelegt worden. Übersieht man mal, dass die ganze Anlage mit dem ursprünglichen Ägypten wenig zu tun hat, ist sie wunderschön gestaltet und hat wirklich Flair. 

La Laguna
La Laguna

Genossen haben wir auch die Verpflegung in unserem Resort, die zwar auch eher international denn ägyptisch war, aber schmackhaft und abwechslungsreich, da es eine Auswahl mehrerer Restaurants gab, in denen wir im Rahmen unseres all- inclusive Angebots kostenfrei essen  konnten. Für uns war es auch völlig unerheblich, dass wir keinen Blick vom Zimmer auf den Pool hatten, im Gegenteil. Wenn abends noch lange am Pool Musik und Vergnügen angesagt war, konnten wir in unserem Zimmer in Ruhe übernachten. 

Dessert
Dessert

Nun zu den anderen Reisenden: Was mir aufgefallen ist, ist, dass viele trotz all den Annehmlichkeiten und der Rund-um-Versorgung häufig unzufrieden wirkten. Ein Blick auf die Einträge in diversen Bewertungsforen gibt mir da Recht. Mir ist unerklärlich, was Menschen eigentlich noch erwarten, wenn sie für einen Spotpreis so einen Luxus bekommen. Ich gehe mal davon aus, dass der Großteil der Gäste bewusst einen All-inclusive Aufenthalt in einem Resort bucht, weil sie genau diese Rundum Versorgung inklusive deutscher Verständigungsmöglichkeit und auf Wunsch auch deutscher Verpflegung suchen, bei einem Klima, das Deutschland nicht zu bieten hat und ggf. noch einem Ausflug, der das Gefühl gibt, von dem Land etwas kennengelernt zu haben. 

Fazit: 

Es war entspannend, sich mal rundherum bedienen und die Seele baumeln zu lassen und die Unterkunft war dafür hervorragend. Das Klima am Nachmittag war zum Baden genial und an lauen Abenden draußen sitzen zu können, ein Traum, wenn man aus dem verregneten und kalten Deutschland kommt.

Für einen längeren Aufenthalt ist diese Reiseform aber nichts für uns. Wir wünschen uns Authentizität der Umgebung wenn wir reisen und kein für Touristen extra angepasstes Ambiente. Das heißt nicht, dass wir auf jegliche touristische Infrastruktur jederzeit verzichten möchten oder können, aber wir wollen etwas von dem Leben in dem Land riechen, schmecken, fühlen und hören und nicht nur von unseren eigenen Landsleuten umgeben sein. Wir möchten etwas vom Land und den Leuten sehen und nicht in einer Enklave darauf angewiesen sein, per Transfer erst in den nächsten Ort zu kommen. Vielleicht werden wir mal wieder Urlaub vom Reisen machen auf diese Art, aber mit unserer Vorstellung vom wirklichen Reisen  und die Welt entdecken hat es nicht viel gemein.