BeNeLux


Gerade ein paar Wochen zuhause, machten wir uns noch einmal mit unserem Womi auf den Weg. Wir wollen mit unserem alten Schätzchen noch so viel wie möglich unternehmen, bevor wir nirgendwo mehr hindürfen, weil es von 1996 ist und keine Umweltplakette hat.

Deutschland


Mittwoch, 4.10.23 Bonn
Auf dem Weg Richtung Belgien machten wir einen Besuch bei unserem Sohn Janus und seiner Freundin Katarina. Janus baute Stefans zum Geburtstag geschenkte PC Teile in unseren PC ein, wir aßen leckere Kürbissuppe, schauten Urlaubsbilder und unterhielten uns.

Donnerstag, 5.10.23 Bonn – Kall
Nach dem Frühstück fuhren wir von Bonn aus zu einem Wohnmobil Stellplatz in Kall-Urft, da wir Zuhause kaum Wasser aufgefüllt hatten, um nicht mit zu viel Gewicht herumzufahren. Nun erwies es sich jedoch als gar nicht so einfach, an Trinkwasser heranzukommen, ohne auf einem Campingplatz zu übernachten. Die Umgebung von Kall bei Euskirchen erschien uns als ganz nett und es gab einen Stellplatz mit V/E (Versorgung/Entsorgung). Als wir ankamen, zeigte sich allerdings, dass die Entsorgung von Wasser und Toilette 4€ kosten sollte, wenn man nicht dort übernachtete, wenn doch, war der Preis 8€ inkl. Wir entschlossen uns, hier die kommende Nacht zu verbringen und außer V/E auch Strom zu nutzen. Wir parkten also bereits mittags hier und unternahmen eine ausgedehnte Wanderung. Zuerst besuchten wir das Salvatorianer Kloster Steinfeld, wo gerade Filmaufnahmen gemacht wurden. Von dort ging’s zur Stolzenburg, wobei von der Burg gar nichts mehr übrig war, sich aber ein schöner Blick Richtung Eifel bot und dann zum Ort Kall, der zum einen eine große Baustelle und zum anderen nichtssagend war. Die Wanderung war aber nett und das Wetter verbesserte sich stündlich von bedeckt zu sonnig. Wir aßen ein Eis und fuhren mit dem Bus zurück zum Vorort mit dem Wohnmobil Stellplatz. Es war eine nette, wenn auch für mich ganz schön lange Wanderung, wobei sie laut Komoot 11km, laut unserer Fitnessuhren 14km war. Bei über 21000 Schritten spricht alles für die höhere Kilometerleistung.

Belgien

Freitag, 6.10.23 Kall/Deutschland – Coo/Belgien
Wir hatten eine ruhige, aber kühle Nacht. Als ich am Morgen aufstand, waren es gerade mal 6⁰ im Womi und 8⁰ draußen. Ich war froh, dass wir am Strom angeschlossen waren und ich den Heizer anwerfen konnte. Seit langem habe ich auch mal wieder etwas mehr Wasser gekocht, um nicht nur Kaffee zuzubereiten, sondern auch für Stefan etwas warmes Wasser zum Haarewaschen nach dem Joggen bereitzuhalten.
Nach dem Frühstück war unser erstes Ziel der Rocher de Falize/ Falize Felsen, von dem aus wir einen schönen Ausblick über die hügelige Landschaft hatten. Danach besuchten wir die Stadt Stavelot. Hier begrüßte uns an der Brücke über den Fluss Ambléve ein Panzer der US Army. Wir befanden uns am Hauptschauplatz der Ardennenoffensive. Hier kam es von Mitte Dezember 44 bis Januar 45 zu erbitterten Kämpfen gegen die Nazis, wobei mehr als 70% der Häuser durch Bombenangriffe zerstört oder beschädigt wurden und viele Zivilisten bei dem Kampf um die Brücke ums Leben kamen. Man gedenkt hier heute dem heldenhaften Kampf der Amerikaner. Der Blick auf die Brücke und den Ort war sehr schön, besonders im Sonnenlicht. Im Ort wurden die Ruinen der ehemaligen Abtei und das Museum der Rennstrecke Francorchotchamps touristisch hervorgehoben. Uns hat besonders der Blumenschmuck und die Steinhäuser, die wir in der Art auch aus Frankreich kannten, gefallen und natürlich die echten belgischen Pommes Frites:)
Nach einem kleinen Rundgang und dem kulinarischen Genuss fuhren wir weiter zum Tour Leroux, einem Aussichtsturm in der Nähe des Skigebietes Wanne, von dem wir wiederum einen schönen Ausblick auf die belgischen Ardennen hatten und zu dem ein kurzer Wanderweg durch schönen Wald führte.
Unser letztes Ziel waren die Wasserfälle von Coo, einem sehr touristischen Ort, der sowohl einen Erlebnispark mit Achterbahn bot, als auch diverse sportliche Aktivitäten von Mountainbiking über Skydiving bis zum Rafting. Wir wanderten zum Staubecken des Wasserkraftwerkes und übernachteten nebenan auf einem ausgewiesenen Wohnmobilplatz. Über Nacht kostete das Parken nichts und für den folgenden Morgen warfen wir für eine Stunde bis 10Uhr 1,50€ in den Automaten. Es gab sogar ein sauberes Dixi, was wollten wir mehr?

Luxemburg

Samstag, 7.10.23 Coo/Belgien – Wiltz/Luxemburg
Wieder Mal war das Thema Gasversorgung bei uns an der Tagesordnung. Noch reichte es sicher ein paar Tage, aber wir brauchten definitiv noch eine neue Flasche, wenn wir bis Ende des Monats unterwegs sein wollten. Laut Google konnte man in Belgien häufig deutsche Flaschen befüllen lassen. Suchte man dann aber nach einer passenden Adresse, war man aufgeschmissen. Da wir eh in Erwägung gezogen hatten, auch einen Abstecher nach Luxemburg zu machen, schlugen wir nun die südliche Richtung ein. Hier sollte es „überhaupt kein Problem“ sein, deutsche Flaschen zu tauschen, weil dasselbe System benutzt würde. Pustekuchen! Direkt hinter der Grenze bei einem großen Einkaufscenter hatte eine Shell Tankstelle einige unterschiedliche Flaschen, aber keine deutsche. Auf Nachfrage wurde uns bestätigt, dass wir die in Luxemburg nicht bekämen, sondern nur in Deutschland. Wir nahmen uns vor, ein paar Orte in Luxemburg zu besuchen und am Montag über die nicht allzu ferne Grenze zu einem deutschen Baumarkt zu fahren, um unsere graue Flasche zu tauschen.
Wir statteten bei dem Einkaufscenter einem riesigen Outdoorladen einen Besuch ab und besuchten danach die Freizeitanlage Naturpad Conzefenn Weiswampach. Hier konnte man um zwei künstliche Seen, voraussichtlich alte Baggerseen, wandern, Tretboot fahren, schwimmen etc. Wir wanderten etwas und fuhren dann weiter nach Clerf/Clervaux, das mit einem schönen Schloss und einer imposanten Kirche aufwartete. Auch die kleine Altstadt wurde durch seine hügelige Lage und einen Fluss aufgewertet. Wir besuchten im Schloss die Fotoausstellung „The Family of Man“, die 1955 vom Luxemburger Künstler Edward Steichen für das Museum of Modern Art in NY zusammengestellt wurde. Er sammelte herausragende Fotografien unterschiedlichster Künstler, die Menschen in einer Vielzahl von Lebenssituationen von Geburt bis Tod, in der Arbeitswelt, im Krieg, mal voller Freude, mal in entsetzlicher Verzweiflung zeigen, Lebenswelten, die Hoffnung und totale Zerstörung vermitteln, wie z.B. ein Atomkrieg und stellte sie zu Bibelversen, Weisheiten von Indianern, oder Aussagen berühmter Genies oder Politiker zusammen und erzielte damit beim Publikum ein ganzes Spektrum an Emotionen. Die Ausstellung ging mehrmals um die Welt und wurde zur Legende, bevor sie nun im Schloss von Clervaux ihren endgültigen Platz fand. Sie wurde wie ein archäologisches Projekt hier wieder aufgebaut und erhielt den UNESCO Status als Weltdokumentenerbe. Wir fanden die Ausstellung ausgezeichnet gelungen. Nach einem kleinen Rundgang durch den Ort begaben wir uns auf unseren Nachtplatz beim Ort Wiltz, von wo aus wir am kommenden Tag im Naturpark Öewersauer, an dem laut Karte schön geschwungenen Fluss Sauer, wandern gehen wollten. Die Stadt hatte hier neben Schwimmbad und Skateranlage drei kostenlose Stellplätze bereitgestellt, worüber der nur 100m entfernte Campingplatzbesitzer nicht gerade begeistert war. Er versuchte zumindest mit Infozetteln die Camper für eine 36€ teure Übernachtung auf seinen Platz zu locken. Wir hatten großes Glück, den letzten kostenlosen Platz zu ergattern.

Sonntag, 8.10.23 Wiltz – Léifreg/Luxemburg
Luxemburg war für uns eine sehr positive Überraschung. Auch dieser Tag war wunderschön, was unsere Wanderleistung von knapp 21km bzw. 23400 Schritte deutlich macht. Unsere erste Wanderung machten wir noch an unserem Übernachtungsort Wiltz und begegneten dabei wieder den Gräueltaten der Nazis. Allein in der Gemeinde Wiltz verschwanden 15 Mädchen und Jungen und 42 Wiltzer kamen im Reichsarbeitsdienst oder der Wehrmacht, zu der sie zwangsrekrutiert und zumeist an die Ostfront geschickt wurden, ums Leben. Ihnen, sowie zur Erinnerung an den Generalstreik 1942 gegen die deutsche Besatzung und Verpflichtung zum Dienst in der Wehrmacht wurde ein Turm mit Krypta und mehrere in Stein gehauen Reliefs gewidmet. Von diesem Turm aus, auf den man auch steigen konnte, hatten wir einen schönen Blick auf die luxemburgischen Ardennen. Des Weiteren besuchten wir den „Garten von Wiltz„. Er ist Teil einer internationalen Initiative, die 1971/72 vom Bildhauer Kornbrust aus St. Wendel im Saarland ausging und die zum Ziel hat, Skulpturenwege von West nach Ost und Nord nach Süd als international verbindende Arbeit für Frieden, Solidarität und Freiheit entstehen zu lassen. Der Garten in Wiltz ist ein Teil davon und aus Blumen, Pflanzen, Tümpeln, Wegen und Steinen ein lebendiges Kunstwerk.
Nach dieser Wanderung brachen wir auf und fuhren an die Sauer, einem wunderschön in Schleifen durch die Landschaft sich windenden Nebenfluss der Mosel, der durch Deutschland, Luxemburg und Belgien fließt. Wir parkten in Léifreg und machten unsere erste Wanderung zu einer schwimmenden Brücke über die Sauer, liefen oberhalb des Flusses bis zur Staumauer und im Bogen zurück zum Womi. Die Strecke war teilweise ganz schön fordernd, denn es ging steil bergab und bergauf. Wir konnten viele schöne Ausblicke genießen und fühlten uns um ein paar Jahre zurückversetzt, als wir auf der Terrasse der Jugendherberge Lutzhausen, die auf der anderen Seite der schwimmenden Brücke oberhalb eines Strandes lag, einen Kaffee tranken. Mit dieser Wanderung war es aber nicht genug. Wir fuhren noch ein Stück weiter und besuchten das traumhaft gelegene Örtchen Esch- Sauer. Es liegt im Tal, direkt in einer Schleife des Flusses und über allem thront eine beeindruckende Burg. Auch hier ging es bei einer kurzen, aber knackigen Wanderung noch einmal steil bergauf und -ab, was sich aber dank der schönen Ausblicke gelohnt hat. Danach fuhren wir zurück zum Ort Léifreg/ Liefringen, weil wir uns diese Nacht einen komfortablen Stellplatz mit Dusche/WC, WLAN, Strom etc. leisten wollten. Da auch eine Waschmaschine vorhanden war, haben wir auch die noch schnell genutzt und hofften, dass wir am kommenden Morgen unsere Sachen draußen wieder trocken bekämen. Wir hängten sie gleich auf, aber unsere Ankunft war zu spät, da war die Sonne schon fast weg. Das Wetter spielte zum Glück bisher prima mit. Nachts wurde es zwar frisch, aber am Tag war es in der Sonne noch richtig warm, was mehrere Leute sogar dazu verleitete, im Fluss zu baden.

Montag, 9.10.23 Léifreg- Echternach/Luxemburg
Unser Tag begann etwas chaotisch, weil ich morgens beim Campingplatz gelesen hatte, dass Check-out bis 10Uhr wäre. Unsere Wäsche hing draußen und wir hatten mit der morgendlichen Sonne gerechnet. Stefan war Joggen und im Funkloch und ich kam leicht in Stress mit all den Aufgaben, die bis zur Abreise zu erledigen waren. Die Wäsche war natürlich noch nicht trocken, wir brauchten noch Wasser für unseren Trinkwassertank und Frühstück musste auch gemacht werden. Ich überlegte, die Wäsche innen aufzuhängen, entschied mich aber dagegen, weil das Trocknen dort ewig gedauert hätte, die Luftfeuchtigkeit im Womi nicht gut gewesen wäre und wir kaum noch Platz zum Bewegen gehabt hätten. Ich fragte in der Rezeption nach einer Trocknermünze, wie lange der dauerte und ob wir so lange bleiben könnten. Es stellte sich heraus, dass 10Uhr nur für die Hütten galt und wir bis 12Uhr Zeit hatten. Ich steckte die Wäsche in den Trockner, füllte unseren Wassertank mit dem Schlauch auf und machte Frühstück. Als Stefan zurückkam, duschte er und stellte fest, dass die Wäsche trotz Trockner noch nass war. Er ging damit zur Rezeption und durfte noch eine Trocknung umsonst machen. Danach war alles schranktrocken und wir brachen auf nach Vianden. Der Ort und die über ihm thronende Burg sind Weltkulturerbe und überaus prächtig. In mehr als 1000Jahren wurde sie immer wieder umgebaut und erweitert und über Jahrhunderte durchgängig bewohnt. Seit 1977 ist sie im Staatsbesitz, nachdem sie nach dem Wiener Kongress meistbietend versteigert wurde und über längere Zeit vom Besitzer, einem Viandener Händler, ausgebeutet und dem Vandalismus Preis gegeben wurde. Der Staat ließ sie wieder so restaurieren, wie sie ehemals in voller Pracht war. Wir wanderten hoch zur Burg, besichtigten sie von innen und außen und genossen die schöne Lage. Danach fuhren wir zum Gasflaschenkauf zurück nach Bitburg in Deutschland, kauften wir bei Lidl ein und fuhren von dort wieder zurück nach Luxemburg, auf unseren Nachtplatz in Echternach. Da waren wir in den letzten Jahren schon lange nicht mehr auf Jugendherbergen gestoßen und nun gleich auf zwei nacheinander. Am Vortag zum Kaffeetrinken und nun, weil der Parkplatz, auf dem wir übernachteten, direkt bei der Jugendherberge Echternach war. Witzigerweise waren wir in dieser sogar mal gemeinsam zur einzigen im Ausland stattfindenden Fortbildung während unserer Arbeit beim DJH gewesen. Die Lage war genial für uns. Nebenan befand sich gleich ein Erholungspark, durch den wir noch ein paar Schritte wanderten, mit See, Bootsverleih, Strand, öffentlichen Toiletten und Außenduschen, sowie Gastronomie. Da die Badesaison beendet war, war hier alles verwaist, aber die Toiletten hatten geöffnet und wurden auch noch gereinigt.

Dienstag, 10.10.23 Echternach – Müllerthal
Am Morgen erkundeten wir Echternach und konnten uns beim besten Willen nicht daran erinnern, es damals bei oder nach unserer Fortbildung bereits gesehen zu haben. Sollten wir nur gelernt haben?
Echternach hat eine ehemalige Abtei, die heute als Schule dient und eine nette kleine Altstadt zu bieten, der man aber noch mehr den Verkehr entziehen sollte. Etwas ganz Besonderes ist aber die Landschaft mit wiederum dem Fluss Sauer, der die Grenze zu Deutschland bildet und der Wolfsschlucht, durch die wir gewandert sind. Sie entstand durch einen Hangrutsch, verursacht dadurch, dass die Sauer die tonhaltige Erdschicht aufgeweicht hatte und der darüberliegende Sandstein so viel Druck ausübte, dass der Hang ins Rutschen kam. Heute kann man wunderbar durch diese Landschaft aus Felsen, Wald, engen Spalten und höhlenartigen Gebilden wandern. Wenn das Wetter dann noch so toll wie bei uns ist, ist das Wandervergnügen trotz etlicher Stufen bergauf, bergab sicher. Wir hatten ausgesprochenes T-Shirt und kurze Hosen-Wetter, auch wenn mich am Morgen um 8Uhr nur 13⁰ im Womi davon überzeugt hatten, etwas zu heizen. Die nächste Nacht verbrachten wir gerade mal um die Ecke, im Müllerthal. Es gab hier von der Gemeinde Waldbillig einen kostenlosen Stellplatz, von dem sich mach anderer, kostenpflichtiger, eine Scheibe abschneiden könnte. Auf einer Wiese unter Bäumen fanden wir geräumige Parzellen mit Baumstämmen abgeteilt, wo man wunderbar stehen konnte. Gegenüber befand sich ein großer Spielplatz und öffentliche Toiletten, sowie ein Bistro, dass aber leider wohl schon Saisonende eingeläutet hatte. Von hier gingen gleich mehrere Wanderwege ab, sodass unser Programm für den kommenden Tag schon fest stand. Wir würden wieder wandern.
Zum Abendessen zauberte Stefan leckere Gnocchi mit Rosenkohl und Soße und dazu einen gemischten Salat. Nebenbei hörten wir uns die Weltumsegelung der niederländischen Laura Deckert an, die mit 15Jahren dem niederländischen Staat zum Trotz, zu einer 2-jährigen Alleinumseglung aufbrach. Sehr interessant!

Mittwoch, 11.10.23 Müllerthal – Koerich
Wie geplant, wanderten wir auch an diesem Tag. Das Müllerthal erwies sich als wirklich schönes Wandergebiet mit steilen Felsen und Fluss, zwischen denen man bergauf und bergab wanderte, vorbei an kleinen Wasserfällen und beeindruckenden Felsspalten. In der Tourist-Info unterhielten wir uns mit einer deutschen Mitarbeiterin und erfuhren auch etwas über das Leben im Land. Sie erzählte, dass qualifizierte Arbeitskräfte einen Mindestlohn von 3085€ netto in Luxemburg bekämen, die Preise jedoch auch viel höher als in Deutschland wären, dafür wäre aber seit 2020 durch Corona der gesamte ÖPNV kostenlos. Danach machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt von Luxemburg. Wir parkten außerhalb des Zentrums und nutzten gleich den kostenlosen Bus. Eigentlich hätte man das in Verbindung mit dem 49€ Ticket in Deutschland ausnutzen sollen, aber wo dann schlafen? Sicher wäre das ziemlich teuer geworden. Vielleicht sollte man mal für ein paar Tage auf einem Campingplatz sein Zelt aufschlagen und das kleine Land per Zug und Bus erkunden.
Die Stadt Luxemburg ist sehr geschäftig, hat ein paar nette Stellen, wie den Blick auf die Kasematten und über Fluss und Unterstadt, darüber hinaus ist es eben eine Stadt mit einer Mischung aus hochmodernen und historischen Gebäuden, teuren Cafés und Restaurants und hochpreisigen Markenboutiquen. Uns reichte eine Stippvisite von ca. 2 Stunden, nach denen wir wieder gemütlich per Bus zum Womi fuhren. Da auf meine Anfrage bei einer Servasgastgeberin keine Antwort gekommen war, verließen wir die Stadt wieder in Richtung Belgien und verbrachten die kommende Nacht auf einem kostenlosen Stellplatz des Örtchen Koerichs.

Belgien

Donnerstag, 12.10.23 Koerich (Luxemburg) – Dinant (Belgien)
Das gute Wetter hatte uns verlassen. Ich wachte morgens bei Regen auf und Stefan wurde beim Joggen nass. Wir entschieden uns, einen größeren Sprung nach Norden, zurück nach Belgien zu machen und der Stadt Dinant an der Maas einen Besuch abzustatten. Das Wetter blieb den Tag über zwar grau, aber wir wurden nicht nass. Dinant liegt traumhaft an der Maas und wird von einer großen Zitadelle 100 m über der Stadt dominiert, bzw. ehemals bewacht. Überall schmücken bunte Saxophone verschiedener Länder das Stadtbild zu Ehren von Adolphe Sax, der dieses Instrument erfand. Zu der Zitadelle führt eine Seilbahn auf den Hügel, aber wir kletterten die ganzen 407 Stufen hinauf. Im ersten Weltkrieg mordeten und brandschatzten deutsche Truppen (mal wieder unserer Vorfahren!) Dinant auf ihrem Feldzug gegen Frankreich, wobei rund 700 Zivilisten und 100 französische Besatzer ums Leben kamen und 3/4 der Häuser zerstört wurden, weil den Einwohnern Partisanenaktivitäten unterstellt wurden. Eine sehr eindrückliche Ausstellung in Form eines Schützengrabens mit Geräuschkulisse vermittelt Besuchern heute eine winzige Ahnung von dem angsteinflößenden Gefühl, das die Soldaten darin empfunden haben müssen. Im zweiten Weltkrieg kam es hier wieder zu einer Schlacht gegen die Deutschen, wobei die französische Armee die Brücke sprengte und sich in der Zitadelle verbarrikadierte. Letztlich mussten sie sie dennoch räumen. Als die deutsche Armee sich 1944 zurückzog, zerstörten englische und amerikanische Bomber einen Teil der Stadt, wobei ein Treffer einen in die Festung verlegten Bunker traf, der danach eine 20%ige Neigung aufwies. Durch diesen Bunker kann man heute gehen, mit Vorwarnung, falls man Probleme im Innenohr oder mit Platzangst hat. Da wir uns keiner Probleme bewusst waren, gingen wir natürlich hinein und es wurde mir heftig schwindelig und übel. Ich war froh, als ich wieder draußen war und die Übelkeit ließ erst langsam nach. Man lernt nie aus!
Nach einem Gang durch die Stadt verließen wir Dinant und fuhren ein Stückchen westlich, wo wir eine Fritterie fanden. Die Belgier machen bekannterweise die besten Pommes und Fritterien, die auch unterschiedlichste Soßen anbieten, sind überall zu finden. Wir teilten uns eine große Portion und durften die kommende Nacht auf dem Grundstück stehenbleiben. Wirklich klasse.

Freitag, 13.10.23 Dinant – Nismes (Veroin Val)

Nach einer ruhigen Nacht vor der Fritterie ging unsere Reise am Morgen weiter westlich zur Wanderung zum Roche á Lomme- Point de vue im Reserve Naturelle de Dourbes. Es war eine nette Runde durch ein Waldgebiet mit zwei schönen Aussichtspunkten. Eigentlich wollten wir von dort direkt nach Mons weiterfahren als ich bei der Suche nach einer Entsorgungsstelle auf den Ort Nismes, nur ein paar Minuten entfernt, stieß. Jemand berichtete im Internet über die großartige Felslandschaft, also wollten wir dort hin. Wir fanden bei Komoot eine Wanderung, die direkt vom Womiparkplatz mitten im Ort Nismes möglich war. Als sich der Ort selbst auch noch als nett herausstellte und der Platz derzeit anscheinend sogar kostenlos war, da die Parkuhr außer Betrieb war, entschieden wir uns, hier unsere nächste Nacht zu verbringen. Es hetzte uns ja niemand zum Weiterfahren. Wir machten eine weitere schöne Wanderung, die sich „Fondru des chiens“ nannte, was übersetzt so viel wie „Hundeliebe“ heißt. Sie führte über die netten Brückchen des Ortes, durch einen Park zu einem schönen Ausblick und zuletzt zu sehr beeindruckenden Felsformationen. Danach streiften wir noch ein wenig durch den Ort, der viele schöne, alte Steinhäuser und ein Wasserrad zu bieten hat. Als es zu regnen begann, beendeten wir unsere Tour und machten es uns im Womi gemütlich.

Samstag, 14.10.23 Nismes – Péruwelz
Wir fuhren ein ganzes Stück westlich nach Mons, wo wir gerade passend ankamen, um kostenfrei parken zu dürfen, was ab Samstag um 14 Uhr übers Wochenende möglich war. Wir erkundeten die Stadt, die uns aber nicht besonders gut gefiel. Sie war 2015 Kulturhauptstadt, aber das wahrscheinlich eher deshalb, weil sie viele Theater und Museen bietet. Auf dem Haupt-Platz waren gute Skulpturen von eindrucksvollen Gesichtern und auch das Museum Mundaneum war ganz interessant. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich ein paar kluge Köpfe schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie man alles Wissen der Welt an einem Ort zusammenfügen und der Menschheit zur Verfügung stellen könnte, eine Art Wikipedia der Vor- Computerzeit sozusagen. Ein Gebäude mit tausenden Karteifächern, in denen sich Karten zu bestimmten Themen befanden, die wiederum zu näheren Informationen führten.
Nach dem Sightseeing machten wir uns auf zu einer „Revolution Laundry“, einer Kombination aus zwei verschieden großen Münz-Waschmaschinen und einem Trockner, die an vielen Stellen in Belgien, meist auf Parkplätzen von Geschäften stehen. Eine interessante Idee, man kann einkaufen, während die Wäsche ihre Runden dreht. Es funktionierte gut und wir konnten fast alle Wäsche wieder trocken in den Schrank packen. Unser nächster Versuch, an einer Autobahnraststätte Trinkwasser aufzufüllen, ging leider in die Hose. Wir fanden die Säule nicht und konnten auf der Raststätte auch nicht mehr zurückfahren. Von dort aus begaben wir uns zu unserem Nachtquartier, einem Stellplatz im Yachthafen in Péruwelz, nahe der französischen Grenze, die wir immer mal wieder für ein paar Kilometer in den letzten Tagen überfahren hatten. Manchmal wusste man hier gar nicht so genau, wo man gerade war, ob der Grünstreifen, an dem man entlangfuhr, schon zu Frankreich gehörte, oder noch zu Belgien. Der Yachthafen befindet sich am Canal Nimy- Blaton- Péronnes neben der Stadt Péruwelz in der Provinz Hennegau in Wallonien. Der Stellplatz liegt hier wildromantisch und verfügt über Duschen, für die man Jetons beim Hafenmeister oder dem Restaurant nebenan bekommt. Leider regnete es, als wir ankamen, sodass wir keine größere Runde drehen konnten. Ich erwischte aber zumindest ein paar Sonnenstrahlen, um den Yachthafen zu fotografieren. Der nächste Tag würde ja kommen und es sollte die Sonne scheinen.

Sonntag, 15.10.23 Péruwelz – Harelbeke
Die Temperaturen waren heftig abgestürzt. Während wir die Woche zuvor noch im T- Shirt wandern waren, kroch ich nun morgens zitternd bei 11⁰ im Womi (8⁰ draußen) aus dem Bett. Wie schön, dass an diesem Morgen wenigstens eine heiße Dusche in der Hafenmeisterei auf uns wartete. Nach dem Frühstück fuhren wir zu einer Trinkwasserquelle im Ort Péruwelz, denn im Hafen gab es keinen Anschluss und das Wasser aus dem Wasserhahn im Bad roch gechlort. Die Wasserstelle hatte glücklicherweise 3 Zapfstellen, denn sie wurde auch von Einheimischen gut frequentiert. Nachdem wir unsere Trinkflaschen gefüllt und Stefan 50 l mit der Kanne ins Womi geschüttet hatte, waren wir wieder gut versorgt und konnten den Ort erkunden. Wir drehten eine Runde durch einen Park und den Ort und kehrten in einer netten Cafékneipe ein. Es handelte sich eigentlich um eine Crêperie, die Einrichtung sah aber ehr nach einer urigen Musikkneipe aus, wo es wohl auch häufiger Live-Konzerte gab und im Hintergrund die Musik unserer Jugend lief. Im Eingangsbereich waren Süßigkeitsschubfächer, wie wir sie aus unserer Kindheit kannten, wo man Bonbons und Fruchtgummis einzeln abgefüllt bekommen konnte. Von Cocktails über Wein und Bier bis zum Kaffee gab es alles, und letzteren konnten wir aus einer eigenen Karte mit mindestens 20 verschiedenen Sorten von Mocca über Robusta bis zu 100% Arabica wählen. Das Publikum und anscheinend auch Teile des Personals waren größtenteils Pfadfinder, und sogar eine Büste trug einen Pfadiknoten um den Hals. Das Ambiente war urgemütlich und der Kaffee super!
Danach ging unsere Reise weiter nach Tournai, einer Stadt mit rund 68500 Einwohnern, nahe der Grenze zu Frankreich, in etwa auf der Höhe von Lille, mit der es eine Metropolregion bildet. Sie gehört zu den ältesten galloromanischen Städten Belgiens. Der Grund für einen Besuch war erst einmal die Kathedrale, die Weltkulturerbe ist. Ihre fünf Türme leuchteten schon von weitem über den Fluss Schelde. Vom Interieur waren wir jedoch enttäuscht, denn es war eine große Baustelle. Den verbleibenden Teil für die Messen schmückten billige Plastikstühle. Stefan überlegte schon, ob die nicht Grund genug wären, den Welterbestatus abzuerkennen. Ich mutmaßte mal, dass die gammeligen Teppichböden und die Stühle nach dem Umbau verschwänden, was uns aber bei unserem Besuch nicht zu einem befriedigenden Anblick verhalf. Die Altstadt jedoch gefiel uns gut. In der Architektur spiegelten sich deutlich die französischen und niederländischen Einflüsse wider. So gab es hier z.B. Häuser mit roten Stufengiebeln, die mich an Holland erinnerten. Wir hatten bei unserem Besuch das große Glück, dass die Museen Tag der offenen Tür hatten, sodass wir uns ausgiebig im Marionetten Museum umsahen und dort auch eine Animation per VR – Brille ansehen konnten. Danach besuchten wir noch das Museum der schönen Künste, was ok, aber nicht außergewöhnlich unserer Meinung nach war. Als die Museen schlossen, begaben wir uns ca. 40 km nordwestlich auf einen Stellplatz in der Nähe der Stadt Kortrijk, die wir uns am kommenden Tag ansehen wollten. Jetzt befanden wir uns in der Region Flandern und es war fast, als führen wir in ein anderes Land. Es stand ein Schild zu Verkehrsregeln an der Straße und von den französischsprachigen Schildern wechselte es schlagartig zu holländischen. Unser Stellplatz hatte WLAN und Strom, sodass die nächste Nacht keine Erfrierungsstarre drohte.

Montag, 16.10.23 Harelbeke – Veurne
Gut, dass wir letzte Nacht Strom hatten. Hätten wir am Vorabend nicht gut eingeheizt, wäre die Nacht eine Zitterpartie geworden.
An diesem Tag besuchten wir die Städte Kortrijk und Ypern bzw. Ieeper, wie es in Flandern heißt. Beide Städte erlangten im Mittelalter Reichtum durch ihren regen Tuchhandel. In Kortrijk gefiel uns besonders der Beginenhof, der zu Recht Weltkulturerbe ist. Um 1280 wurde der Beginenorden, ein Laienorden gegründet, in dem sich hauptsächlich junge Frauen vor der Verheiratung durch ihre Eltern flüchteten. Frauen, die keine Mitgift hatten oder auch Witwen fanden hier im Glauben und der demokratisch geführten Gemeinschaft von Frauen eine Heimat. Im Gegensatz zu anderen Orden mussten die Beginen kein lebenslanges Gelübde ablegen, was ihnen zu bestimmten Zeiten als Ketzerei ausgelegt wurde und auf Druck deutscher Bischöfe unter Papst Clemens V. zur Auflösung des Ordens führte, die sein Nachfolger jedoch wieder rückgängig machte. 2013 starb die letzte Ordensschwester. Heute wohnen vornehmlich ältere Leute in den ca. 40 schönen weißen Häuschen rund um einen Innenhof, zwischen der Martinskirche und der Liebfrauenkirche. Der ehemalige Verwaltungsbau des Ordens ist heute ein interaktives Informationszentrum, wo man sich über das Leben der Beginen und die Geschichte des Beginenhofes informieren kann. Im ehemaligen roten Ziegelsteinhaus der Oberin ist jetzt ein Café, das leider bei unserem Besuch nicht geöffnet hatte.
Der Belfried, der Glockenturm auf dem Hauptplatz, der hier in jeder Stadt zu finden ist, ist das zweite Weltkulturerbe der Stadt.
Ypern, oder leper, wie die Flamen die Stadt nennen, hat sehr beeindruckenden Tuchhallen, die ehemals tausenden von Menschen Arbeit boten. Sie wurden im 1.Weltkrieg völlig sinnlos durch den deutschen General Berthold von Deimling gegen die Weisung seines Oberbefehlshabers zerstört und später wieder in alter Pracht neu errichtet. Sie bieten heute zwei Museen und der Tourist-Info Raum. Hier in Ypern begegnet man an jeder Stelle dem 1.Weltkrieg. Gleich mehrfach führten die Deutschen und die Alliierten hier bittere Schlachten, wobei 1915, wiederum von unseren Vorfahren, die ersten Giftgasangriffe durchgeführt wurden. Auf diese reagierten dann auch die Gegner mit Gas. In den Schlachten verloren Hunderttausende ihr Leben. Allein um Ypern befinden sich 75 Soldatenfriedhöfe. Jeden Abend um 20 Uhr ertönt am Menempoort ein Hornsignal zu Mahnung an den Frieden. Dieses Signal ertönt in gleicher Weise bei allen Ländern des Commonwealth, wenn Soldaten begraben werden. Hier ertönt es an einem Tor, was die Britten zur Ehrung ihrer Toten an dieser Stelle errichten ließen. Bis heute lässt der Strom von englischsprachigen Besuchern nicht nach, die zu Ehren ihrer Toten nach Ypern pilgern. Im Zweiten Weltkrieg gab man die Stadt gleich kampflos auf, man hatte aus dem Grauen des Ersten Weltkrieges gelernt.
Außer den architektonisch beeindruckenden Tuchhallen hat Ypern und auch Kortrijk zahlreiche Gebäude mit wunderschönen Giebeln zu bieten, woran man sich kaum sattsehen kann. Leider waren in beiden Städten überall Baustellen, waren der Menempoort, Kirchen und Plätze hinter Bauzäunen, Gerüsten oder Kränen versteckt. Bedauerlich fanden wir auch, dass in beiden Städten der Grote Markt, also der Marktplatz mit den beeindruckendsten Gebäuden und Welterbestätten, nicht frei von Verkehr gehalten, sondern als Parkplatz genutzt wurde. Obwohl hier vorbildlich viel für Radfahrer getan wurde, schien es nicht zu gelingen, die Autos wenigsten von den schönsten Stellen der Altstädte zu verbannen.
Nachdem wir in der Stadtbibliothek von Ypern noch einen Kaffee getrunken hatten, fuhren wir zu unserem Nacht-Platz Richtung Küste. Wir standen wieder auf einem städtischen Stellplatz mit Strom und Drum und Dran. Zum Abendessen schlenderten wir in die nette kleine Altstadt von Veurne und aßen nochmals Pommes.

Dienstag, 17.10.23 Veurne – Kortemark (Park Krekemeersen)
Wir nutzten den wahrscheinlich vorerst letzten sonnigen Tag, um ans Meer zu fahren. Da wir aber beim Naturreservat De Westhoek, direkt an der Grenze zu Frankreich, keinen Parkplatz fanden, wo wir sicher waren, dass wir dort auch parken durften und die Apartmentblocks entlang der Küste im Ort De Panne abstoßend fanden, fuhren wir über die Grenze nach Frankreich. Wie erwartet hielt die Polizei kurz hinter der Grenze Autos an, man ließ uns aber fahren. Wir sahen wohl zu harmlos aus, um am Vortag in der Hauptstadt auf Leute geballert zu haben. In Bray Dunes, dem Ort auf der französischen Seite, sah es viel netter aus. Die Promenade hatte hauptsächlich kleinere Häuser mit schönen Giebeln und die Restaurants erschienen gemütlich, wenn auch unbezahlbar. Das Landschaftsschutzgebiet Dune Marchand war von Wanderwegen durchzogen, die wir mit Begeisterung nutzten und zum Schluss, über den zu der Zeit aufgrund von Ebbe sehr breiten Strand zurückgingen. Das Dünengebiet war sehr schön, besonders bei dem sonnigen Wetter. An vielen Stellen begegnete man allerdings noch alten Bunkern aus den Weltkriegen. Die Narben stecken hier in Frankreich und Belgien noch sehr tief. Es gibt reihenweise Museen, Wanderwege und Führungen zu ehemaligen Stellungen und Soldatenfriedhöfen. Nach einem typischen französischen Kaffee, klein, aber kräftig, verließen wir Frankreich wieder, gut darauf achtend, keine Autobahn zu nutzen. Die Autobahngebühren richten sich hier nach Höhe des Fahrzeugs, nicht nach Größe. Das ist für uns sehr ungünstig, da die Grenze zum Preis für PKWs bei 3 m Höhe liegt und unser Womi 3,10 m hoch ist. Die Gebühren kann man sich sparen, wenn es alternativ Landstraßen gibt.
Unser nächstes Ziel war das Landschaftsschutzgebiet Victoria Kleiputten ein paar Kilometer landeinwärts. Ein nettes kleines Wandergebiet durch Schilf und an kleinen Gewässern vorbei, lud uns zur Wanderung und Vogelbeobachtung ein. Wir trafen auf einen deutschsprachigen Belgier, der uns die Namen der Vögel sagte. Ohne Fernglas oder Teleobjektiv war da aber nicht viel zu erkennen.
Unsere Suche nach einem Nachtplatz gestaltete sich etwas schwieriger. Den ersten bei Park4Night angegebenen Stellplatz gab es gar nicht und zum zweiten führte uns Google Maps falsch herum, sodass wir zuerst auf einem Geschäftsparkplatz landeten. Nach einem kleinen Umweg fanden wir dann aber doch noch den von der Gemeinde bereitgestellten, kostenlosen Parkplatz, der zwar Entsorgung aber keinen Strom bot. Die darauffolgende Nacht sollte es nicht ganz so kalt werden, ich hoffte, dass der Wetterbericht Recht behielt! Hinter dem Parkplatz gab es noch einen kleinen Park mit Überlaufbecken und Teich, der Joggingstrecken, Trimm Dich Geräte und Picknickplätze bot. Hier machten wir einen kleinen Abendspaziergang, bevor Stefan leckeres Wok Gemüse kochte.

Mittwoch, 18.10.23 Kortemark – De Haan
Da das Wetter erst für den späten Nachmittag schlecht angesagt war, beschlossen wir, nochmals zu wandern und besuchten das Naturschutzgebiet Blankaart in der Nähe der Stadt Diksmuide. Wir liefen durch Feuchtgebiete mit hohen Gräsern, über Weiden und Holzbohlen und konnten Vögel auf dem Wasser von zwei verschiedenen Türmen aus beobachten. Nicht, dass wir Ahnung hätten, aber man konnte ja mal gucken;) Wieder erklärte uns ein Belgier, dass zuvor zwei Seeadler vorbeigeflogen wären, die wohl gerade ihr Nest bauten. Vogelliebhaber schienen kommunikative Menschen zu sein, zumindest in Belgien.
Nach der Wanderung besuchten wir Diksmuide. Dieses Mal gefiel uns der Grote Markt richtig gut. Es standen wunderschöne Häuser rund um den Marktplatz, allen voran natürlich das Rathaus. Die Stadt war einst die Butterstadt und berühmt für ihre Butter und Käse. Leider ist von der „Boterhalle“ nur noch der Torbogen übrig. Es soll anscheinend eine neue gebaut werden. Ein Computerbild, wie sie aussehen soll, hing bereits an der Wand und man kann der Stadt echt nicht wünschen, dass sie so gebaut wird. Man plant laut Foto eine große, dreieckige Front aus Glas, was überhaupt nicht ins Bild passt. Wir tranken noch einen Kaffee und fuhren dann zum nahegelegenen „Dodengang“, dem letzten noch bestehenden bzw. nachgebauten Schützengraben der Belgier aus dem 1.Weltkrieg, der auch mit einem Informationszentrum versehen ist. Da die Beschriftung auch auf Deutsch ist, konnten wir die Informationen auch verstehen. Das deutsche Kaiserreich wollte mit seinem Heer durch das damals neutrale Belgien gegen Frankreich in den Kampf ziehen. Sie stellten Belgien ein Ultimatum, entweder sie ließen sie unbehelligt den Kampf von ihrem Terrain aus führen, oder sie würden ebenfalls als Feind bekämpft. Belgien setzte sich zur Wehr und konnte eine deutliche Verzögerung für die Franzosen damit bewirken, war nun aber mitten im Kriegsgeschehen und baute diesen langen und verzweigten Schützengraben, wo sie letztendlich mit nur noch ein paar Metern Abstand den Deutschen Auge in Auge gegenüber standen. Es ist für uns heute kaum noch vorstellbar, wie die Belgier und die Deutschen sich dort gegenseitig abgemetzelt haben. Als wir die Gedenkstätte verließen, fing es an zu regnen und wir suchten nach einem Übernachtungsplatz. Je näher man dem Meer kam, je schwieriger wurde es, einen kostenlosen oder wenigstens bezahlbaren Stellplatz zu finden. Es war einfach unverschämt, 20-25€ dafür zu nehmen, dass man nur auf einem Platz stehen durfte, Wasser, Strom etc. kamen noch obendrauf. Da war dann nicht mal eine Dusche vor Ort. Die Durchfahrt durch Oostende war scheußlich, besonders im Regen und das Stück, das wir danach Richtung Norden bis De Haan fuhren, konnte uns ebenfalls nicht von der Küste überzeugen. Vom Meer sahen wir nichts, da es hinter der Düne oder Anpflanzungen lag. Rechter Hand waren unzählige Apartmentblocks und die Straße war mehrspurig mit der Straßenbahn in der Mitte. Letztere fuhr von De Panne ganz im Süden bis Knoke, fast an der holländischen Grenze, was eigentlich eine ganz nette Tour wäre, aber auch von ihr aus sah man das Meer, zumindest auf diesem Stück, nicht. An dieser belebten Straße gab es zwei Stellen, die laut Park4Night zum Übernachten möglich sein sollten, eine sogar extra für Wohnmobile. Es gab die ganze Straße entlang einen Parkstreifen, aber nirgendwo ein Schild für Womis und an der zweiten Stelle sogar eines extra nur für Autos. Wir fanden das Parken dort nicht nur unsicher bzgl. Kontrollen, es war auch einfach nur grässlich dort an dieser Hauptverkehrsader zu übernachten. Wir haben uns darum in einer ruhigen Straße abseits vom Trubel hingestellt. Es war ein Wohngebiet, aber wir standen vor einer Hecke, sodass wir für die Häuser nicht störend sein konnten und hatten alle Fenster dicht mit Rollos verschlossen, damit von außen nicht erkennbar war, dass wir uns drinnen aufhielten. Am kommenden Morgen planten wir, unser Domizil früh zu verlassen.

Holland

Donnerstag, 19.10.23 De Haan (Belgien) – Arnemuiden (Holland)
Wir konnten die Nacht ungestört schlafen und machten morgens direkt von unserem Parkplatz aus eine schöne Wanderung zum Meer und durch das Wandergebiet Wandelboom, wo in einem Waldstück getrennte Wege für Jogger, Wanderer und Reiter verliefen und außen entlang auch für Radfahrer. Das Wandergebiet, sowohl im Wald als auch hinter den Dünen am Strand war sehr schön, die Bebauung fand ich allerdings wieder hässlich genug für die Abrissbirne. Zum Ende der Wanderung wurden wir dieses Mal vom Regen überrascht bzw. er kam ehr als vorhergesehen. Letztendlich hatten wir aber auf der ganzen Reise bisher sehr viel Glück gehabt. Es wurde schon viel eher und stärkerer Regen angesagt, als wir bisher gehabt hatten. Wir fuhren weiter nördlich bis Blankenberge. Hier sollte es noch ein paar übriggebliebene alte Fischerhäuser geben. Wir fanden im Ort noch ganze zwei Häuschen aus dem 18. Jahrhundert. Bevor der Deich gebaut wurde, ging das Meer bis hierher, zum kleinen „Husje van Majutte“, wo damals eine 14-köpfige Familie drin lebte. Heute ist es ein Museumscafé. Das zweite Haus sah weniger spektakulär aus. Nachdem wir in Blankenberge in einer Kneipe, weil dort der Kaffee nur halb so viel kostete als im Café, unser tägliches Tässchen getrunken und zwei Runden „10000“ auf dem Handy gewürfelt hatten, verließen wir Belgien und fuhren in die Niederlande in die Region Zeeland. Wir fuhren dafür durch einen der zwei mautpflichtigen Tunnel, den Westerscheidetunnel zwischen Terneuzen und Ellewoutsdijk. Wir hatten Glück und man berechnete uns nur 5 € wie für PKWs. Eigentlich gilt auch hier ein höherer Preis ab 3 m Höhe und wir hätten dementsprechend 18,20 € berappen müssen. Da war die Kamera wohl gnädig mit ihrer Messung.
Wir kauften unterwegs noch ein und fuhren dann zu einem kostenlosen Stellplatz bei einer Privatperson. Hier leisteten wir uns deshalb auch Strom und zahlten 4€ statt 3€, damit der Besitzer auch etwas davon hatte, dass er so großzügig seinen Hof zur Verfügung stellte. Als wir unseren Stellplatz sicher hatten, brachen wir zu einem kleinen Ausflug nach Middelburg, einer wunderschönen und als Denkmalstadt ausgezeichneten Stadt ein paar Kilometer entfernt auf. Sie ist ein Traum. Obwohl sie im letzten Krieg fast komplett zerstört wurde, strahlt sie heute wieder in alter Schönheit. Nicht nur um den Marktplatz finden sich die schönsten Häuser und Giebel, die ganze Altstadt ist ein wahres Schmuckstück. Es war echt schade, dass es schon fast dunkel war, als wir ankamen. Wir planten, ihr auch bei Tage noch einen Besuch abzustatten, sollte es nicht wie angesagt in Strömen regnen.

Freitag, 20.10.23 Arnemuiden – Simonshaven
Nun hatte der Regen uns erwischt. Wir versuchten dennoch, das Beste daraus zu machen. Als erstes besuchten wir einen „Kringloopswinkel“, was direkt übersetzt so viel wie „Kreislaufladen“ heißt und einen Second Hand Shop meint. Sie scheinen z.T. karitativ zu sein, zum Teil aber auch ähnlich wie in Dänemark Regale mit Kommissionswaren von privat anzubieten. Wir genossen es auf jeden Fall, im Trocknen zu stöbern und Stefan fand auch eine Hose und eine warme Jogginghose. Danach wollten wir uns aber vom Regen auch nicht abhalten lassen, etwas zu besichtigen. Wir hüllten uns in Regenkleidung und sahen uns die Orte Veere und Zeerikszee an. Beide waren wunderschön, wie aus dem Bilderbuch. Sowohl der kleine Ort Veere, als auch die Stadt Zeerikszee boten einen kostenlosen Parkplatz mit Toilette. Auf beiden durften wir stehen, allerdings über Nacht waren keine Wohnmobile erlaubt. Ein kurzer Spaziergang führte uns jedes Mal mitten ins Zentrum, wo in den meisten Straßen keine Fahrzeuge erlaubt waren. Wenn doch, wissen die Holländer wirklich, wie man Straßen verkehrsberuhigt. Man macht sie schmaler durch versetzte Bäume oder Pfähle, sodass nie zwei Autos aneinander vorbeikommen, eines also stets warten muss, baut Schwellen ein und pflastert sie mit Kopfsteinpflaster oder ähnlichem. Wir genossen trotz Regen den Anblick von Grachten mit kleinen Brücken, wunderschöne kleine Häuser mit hübschen Giebeln, Butzenglasfenstern und teils auch Blumenschmuck. Wir fanden süße kleine Lädchen mit Kunsthandwerk, Galerien, Käse oder wortwörtlich mit Süßem wie Bonbons und Zuckerstangen in Gläsern und ähnlichem. Wir tranken einen Kaffee mit einem noch warmen „Zeeuwse Bolus“, einem Zeeländischen Zimtkringel, der sehr lecker war. Trotz des Regens schafften wir es an diesem Tag also trotzdem, fast 11000 Schritte zu gehen. Wir wollten zum Abend hin zu einem Stellplatz mit Waschmaschine und Drum und Dran an einem Yachthafen, aber das Hafenkontor hatte bereits geschlossen und somit kamen wir nicht an eine aufladbare Karte zur Benutzung der Duschen und Waschmaschine, also fuhren wir nochmals 30 Minuten weiter zu einem kostenfreien Parkplatz, der für Übernachtungen erlaubt war. Wir standen sozusagen auf einer Insel in einem Binnensee, wo es einen Bootsverleih und ein Pfannkuchen Haus gab und nebenan eine Ferienanlage von Lendal Green. So ganz waren wir uns auf Zeeland (Seeland) nie sicher, ob wir auf einer Insel oder auf dem Festland waren, was nur von zahlreichen Grachten durchzogen war. Wir waren an diesem Tag auf jeden Fall mal wieder über einige Brücken übers Wasser gefahren und bekamen unser Skandinavien Feeling zurück.

Samstag, 21.10.23 Simonshaven – Raamsdonksveer
Nach dem Frühstück nutzten wir die kurze Zeit ohne Regen für eine Wanderung bei Hongvliet entlang der Oude Maas, teils über komfortable Holzstege, teils durch Wald und an einem Sportgebiet vorbei. Danach besuchten wir zwei riesige Kringloopswinkel und Stefan fand etwas für seine Laufausstattung. Inzwischen regnete es wieder in Strömen, sodass wir die Zeit sinnvoll für die anstehende Wäsche nutzten. Auch hier in den Niederlanden gibt es die Revolution Laundry, also die Automatenwaschmaschinen, dieses Mal bei einer Tankstelle. Während die Wäsche ihre Runden drehte, tranken wir gemütlich Kaffee im Wohnmobil. Dann fuhren wir fast eine Stunde zu unserem Nachtplatz, einem Stellplatz beim Yachthafen Raamsdonksveer. Wir mussten mal wieder feststellen, dass man in den Niederlanden entweder in engen, kleinen Sträßchen durch Orte fährt, wo man mit dem Womi häufig befürchten muss, dass man da irgendwann nicht mehr rauskommt, oder man fährt auf Autobahnen oder Schnellstraßen mit so zahlreichen Autobahnkreuzen oder Kreiseln, dass man heilfroh ist, ein Navi zu haben.
Unser Stellplatz war gemütlich am Yachthafen neben einem Restaurant. Da eigentlich alle Stellplätze belegt waren, durften wir vor dem Haus des Besitzers oder Hafenmeisters parken. 12 € inklusive Tourist Tax, jedoch ohne Strom war ein wirklich guter Preis hier. Dafür hatten wir Du/WC und Entsorgungsmöglichkeiten. Am kommenden Tag sollte das Wetter besser werden und deshalb hatten wir uns im Nationalpark Biesbosch für eine Bootstour angemeldet. Wir hofften sehr, dass das Wetter mitspielte.

Sonntag, 22.10.23 Raamsdonksveer- Gouda
Wir hatten Glück und konnten unsere Bootsfahrt im Nationalpark De Biesbosch bei trockenem, teilweise sonnigem Wetter genießen. Der Nationalpark entstand in Folge einer furchtbaren Überschwemmung im Jahre 1421, der Elisabethflut, bei der mehrere Deiche brachen und das Meer 42000 ha Land unter Wasser setzte. Rhein und Maas schwemmten Sand und Schlamm ins seichte Binnengewässer, sodass Sandbänke entstanden, wo im Laufe der Zeit Schilf, Binsen und Weiden wuchsen. Das wiederum zog Menschen an, die diese Materialien nutzten zur Herstellung von Bändern, Fässern etc. und man nutzte sie ebenfalls zur Verstärkung der Deiche. Man legte mehr und mehr Bereiche trocken und Menschen lebten dort. Das Besondere war, dass es sich hier bis 1970 um ein Süßwassergebiet mit Gezeiten von 2 Metern handelte. Da bei einem Hochwasser 1953 die Niederlande schwer getroffen wurden und Menschen umkamen, entstand der Deltaplan, der vorsah, dass vermehrt Verbindungen zum offenen Meer verschlossen wurden, womit der Unterschied beim Wasserstand der Gezeiten von 2m auf 20 cm fiel. Auf zuvor landwirtschaftlichem Gebiet wurde ein Wasserspeicher für Rotterdam angelegt, und das Gebiet wurde auch von Wassersport entdeckt. Das alles veränderte natürlich das Bild und auch die Flora und Fauna, so dass einige Arten verschwanden, sich aber andere ansiedelten, sodass heute 74 Vogelarten hier brüten und 145 Arten hier leben, des Weiteren 18 Säugetierarten und diverse Fische. Man verwandelte das Gebiet zu einem Erholungsgebiet, wo aber auf den Schutz bestimmter Arten geachtet wird und daher einige Bereiche und Wasserläufe für Menschen gesperrt wurden. Wir unternahmen eine 2- stündige Fahrt mit einem größeren Boot als ich erwartet hatte, aber es war dennoch eine schöne Tour. Danach machten Stefan und ich noch eine Wanderung in dem Gebiet um Drimmelen entlang des Deiches und durch das fotogene Dorf. Als wir uns im Anschluss auf den Weg nach Gouda machen wollten, hatten wir ein Problem. Beim Ausparken geriet unser Dachträger so blöd an einen überhängenden Ast, dass wir weder vor noch zurückkonnten. Wir hatten einige Mühe, uns wieder zu befreien.
Am frühen Abend kamen wir in Gouda, der bekannten Käsestadt, an. Hier hat die Stadt einige Plätze für Wohnmobile auf dem großen Stadtparkplatz freigegeben und man bezahlt nur von 9-21Uhr und das auch nicht am Sonntag. Bis Montag früh um 9 konnten wir hier also kostenfrei übernachten. Wir hatten ziemlich viel Glück, überhaupt noch einen Platz zu bekommen, da immer wieder auch Autos auf solchen Plätzen parken, aber wehe, wir nähmen ihnen einen PKW-Platz weg!
Wir schlenderten noch ein Stündchen durch die schöne Innenstadt und machten einige Fotos. Danach kochte Stefan leckeres Essen á la Bami Goreng. Bei Lidl und in anderen Geschäften wird in den Niederlanden überall frisches, fertiggeschnittenes Gemüse für unterschiedliche Gerichte angeboten, sodass man nicht von mehreren Sorten einzeln immer zu viel kaufen muss. Das fanden wir gerade für unterwegs total klasse, fände ich zuhause aber auch sehr gut. Manchmal sind sogar Zutaten für die passende Soße gleich noch mit dabei. Es gibt noch eine gute Maßnahme bei Lidl und ich glaube auch bei anderen Discountern: sie verkaufen seit 1.10.21 in keiner Filiale mehr Tabakprodukte, um eine Nichtrauchergeneration möglich zu machen. Beides dürften sie gerne in Deutschland auch einführen.

Montag, 23.10.23 Gouda – Bussum

Wir erwachten im dichten Nebel. Um die Parkgebühr ab 9:00 zu vermeiden fuhren wir ein Stückchen aus Gouda raus nach Reeuwijk und hielten dort neben einer Gracht auf einem Parkstreifen. Die Fahrt dorthin war kein Vergnügen. Wir hatten nicht bedacht, dass gegen 8:00 morgens der Berufs- bzw. Schulverkehr auf vollen Touren läuft, was hieß, dass sich massenweise Fahrräder auf den Straßen, die rechts und links zweispurige Radwege hatten und in der Mitte eine Spur für gerade mal eine Autobreite, tummelten. Um einem entgegenkommenden Fahrzeug auszuweichen, musste man auf den Fahrradweg fahren, der aber voll belegt war. Das alles bei Nebel war ziemlich brenzlig.
Während Stefan joggte, habe ich Brötchen im Ort besorgt, sodass wir nach seiner Rückkehr ein schönes Frühstück hatten. Danach fuhren wir nach Amersfoort. Die Stadt hat auch viele schöne Gebäude, gefiel uns aber nicht so gut wie Gouda. Sie war nicht so durchgängig hübsch und auch größer und geschäftiger.
Wir wendeten uns wieder der Natur zu und gingen wandern in einem Waldgebiet bei Bastam/Hilversum. Es handelte sich um einen z.T. wie ein Park angelegten Wald mit sehr vielen unterschiedlichen Bäumen, Wasserläufen und Teichen, teils abgesperrten Bereichen, um Tieren Ruhe zu gewähren und umzäunten Weiden, auf denen wir aber keine Tiere sahen. Außerdem befanden sich ein paar villenartige Gebäude in dem Gebiet, sowie ein Besucherzentrum. Auffällig war, dass es zahlreiche tote Bäume in dem ansonsten sehr grünen und lebendigen Wald gab. Es sah so aus, als ob diese toten Bäume aus Altersgründen und nicht wie bei uns im Harz durch Schädlinge gestorben waren. Da man die Stümpfe oder auch die umgefallen Bäume liegengelassen hatte, hatten sich inzwischen Pilze und Moose dort angesiedelt und die Natur ging ihren Lauf. Es sah definitiv nicht nach erkrankten Bäumen aus, und für Blitzschlag gab es keine Brandspuren. Leider schloss das Naturparkzentrum gerade seine Tore, als wir von der Wanderung zurückkamen, sodass wir uns dort nicht mehr umschauen konnten. Zum Glück wurden wir von einer Mitarbeiterin aber noch vom Parkplatz gerettet. Man fuhr am Anfang durch eine Schranke, die das Kennzeichen scannte. Bei der Abreise musste man dann am Automaten das Kennzeichen eingeben und bezahlen. Das Kassengerät meinte aber, dass das von uns eingegebene Kennzeichen ungültig sei, somit konnten wir nicht zahlen und bekamen auch kein Ausfahrticket. Wir erwischten gerade noch eine Mitarbeiterin, die das Naturparkzentrum abschloss und uns mit einem Gratisticket half, die Ausfahrtschranke zu öffnen. Wir fuhren noch ein paar Kilometer weiter zu einem Wanderparkplatz, auf dem laut Park4Night das Übernachten möglich war.

Dienstag, 24.10.23 Bussum – Giethoorn
Wir konnten letzte Nacht unbehelligt auf dem Parkplatz, der keine speziellen Plätze für Womis auswies, aber auch kein Verbotsschild, übernachten. Morgens fuhren dann ganze Massen von Gassigängern vor, die ihre Hunde dort im Wald- und Heidegebiet ausführten. Es stand extra eine Begrenzung auf drei Hunde (wohl pro Person) vor den Wanderwegen. Die Niederlande sind kein einfaches Land für Hundebesitzer. Es gibt Orte, die Hunde ganz verbieten, in Fußgängerzonen haben wir schon Verbotsschilder gesehen und ebenso auf Wanderwegen. An anderen Orten gilt Leinenzwang, wir hatten aber auch Freizeitgelände, wo ausdrücklich eine Freilaufzone für Hunde ausgewiesen war.
Bei uns gab es diesmal Pfannkuchen zum Frühstück. Wir hatten ein Pfannkuchenmix in einer Flasche zum Schütteln und Mandelmilch gekauft und so überraschte ich Stefan nach dem Joggen mit einem süßen Frühstück. Danach fuhren wir zum Oostvaardersplassen im Nationalpark Nieuw Land und wanderten dort auf befestigten Wegen durch die Feuchtlandschaft mit zahlreichen Vögeln, Rotwild und Konakpferden. Letztere sahen wir leider dort nicht, aber von einem Vogelbeobachtungsturm konnten wir mit einem Fernrohr Vögel und Hirsche beobachten. Der Nationalparks ist von Menschenhand geschaffen. Er ist durch das größte Rekultivierungsgebiet der Welt, der neuen niederländischen Provinz Flevoland, entstanden.
Wir schafften es gerade so, die Wanderung mit einem Kaffee im Besucherzentrum abzuschließen, als es wieder zu regnen begann. Wir entschieden uns, dem schlechten Wetter durch einen Besuch in einem Kringloopswinkel in Zwolle aus dem Wege zu gehen. Diese Second Hand Läden in den Niederlanden sind meist riesig und haben von Elektronik über Möbel, von Spielzeug über Werkzeug bis zur Bekleidung alles. Häufig gibt es auch noch eine Kaffeeecke oder ähnliches. Es war ganz witzig, wir hatten z.B. bisher in jedem Laden mindestens einen der alten Kinderwägen aus unserer Zeit oder sogar früher gesehen mit den riesigen Rädern und ihrer eckigen Form. Als wir das Geschäft verließen, war es wieder trocken von Himmel und wir konnten gemütlich in Zwolles Innenstadt laufen. Unser Womi stand sicher und ohne Parkgebühr auf einem Parkstreifen und der Weg war nicht zu weit, um zu Fuß in die Altstadt zu gelangen. In den Straßen gab es die erste Weihnachtsbeleuchtung und auch Zwolle verfügt über eine ganze Reihe von hübschen Häusern und schmucken Giebeln. Die Geschäfte wirkten auf uns meist warm und einladend, weil häufig Holz bei den Schaufenstern verwendet wird und warme Beleuchtung. Auch wenn es hier nicht die süßen kleinen Lädchen mit Kunsthandwerk gibt, sondern ehr Markenboutiquen und zahlreiche Gastronomie, boten sich uns etliche schöne Anblicke. Bald wurde es wieder Zeit sich einen Schlafplatz zu suchen. Wir bedauerten sehr, dass es immer schon so früh dunkel wurde. Wir fuhren nördlich in den kleinen, schmucken Ort Giethoorn mit hübschen Häuschen entlang der Grachten, auf einen kostenpflichtigen Stellplatz. Unterwegs konnten wir die Sonne in schönen Rottönen untergehen sehen. Wir befanden uns hier ganz in der Nähe des Nationalparks Weerribben-Wieden, den wir am kommenden Tag unter sie Lupe nehmen wollten.

Mittwoch, 25.10.23 Giethoorn – Earnewald
Nach dem Frühstück wanderten wir durch den Ort Giethoorn. Es ist ein wunderschönes, von Grachten durchzogenes Örtchen mit Reet gedeckten Häuschen wie aus dem Bilderbuch. Im 13. Jahrhundert suchten Flagelanten, verfolgte Gläubige aus Südeuropa, die so genannt wurden, weil sie sich geißelten, hier Zuflucht. Im 16. Jahrhundert, als der Torfabbau hier begann, siedelten sich radikal- protestantische Mennuiten hier an, die sich von der katholischen Kirche und ihren Regeln abgewandt hatten. Auch sie konnten hier frei ihre Religion leben. Im 20. Jahrhundert wurde das Dörfchen von Malern entdeckt, die es durch ihre Gemälde berühmt machten. Heute ist es ein so beliebter Urlaubsort, dass sich, wie uns ein Einheimischer erzählte, sowohl auf den schmalen Fußwegen und Brücken als auch auf den Grachten in den Sommermonaten Staus bilden. In diesem winzigen Ort bevölkern 800 Boote, entweder als geführte Tour oder selbstgefahrene Elektro-, Motor- oder Paddelboote die Grachten innerorts, oder als längere Tour bis in die Umgebung. Giethoorn selbst hat nahezu keine Straßen. Man stellt sein Auto auf die Parkplätze am Ortseingang, sein Wohnmobil auf einen der Stellplätze vorm Ort. Die Gemeinde liegt im Nationalpark Weeribben- Wieden. Nach unserer Wanderung in Giethoorn fuhren wir etwas raus auf einen Parkplatz und wanderten noch einmal entlang einer Gracht, einer Feuchtwiese mit schwarzen und braunen Rindern, die alle eine weiße Zeichnung rund um den Bauch hatten, als hätten sie Bauchbinden. Stefan taufte sie Zebrarinder mit nur einem Streifen. Wir kamen ins Örtchen Jonen und standen dann vor einer Fähre über eine vielleicht 30m breite Gracht. Die Überfahrt hätte einfach 1,30€ pro Person gekostet, auf der anderen Seite war aber gar nichts Interessantes, also ersparten wir uns das und liefen zurück zum Wohnmobil. Auf den letzten Metern begann es zu regnen und hörte seitdem kaum noch auf. Wir fuhren ein paar Kilometer nördlich bis nach Steenwijk und guckten uns im Kringloopswinkel um. Nachdem wir noch Lebensmittel eingekauft und der Weg nicht weit ins Zentrum war, schlenderten wir mit Schirm bewaffnet dorthin. Es fand eine Kirmes mit Karussell und zwei Buden auf dem Marktplatz statt, die dank des Wetters etwas traurig wirkte. Nachdem wir die gemütliche Fußgängerzone durchwandert hatten, genossen wir noch einen Kaffee und begaben uns dann wieder zum Womi. Wir fuhren weiter nördlich und hielten bei einem Wohnmobilplatz in einer Werft. Wir mussten dringend unser Wasser auffüllen. Da der Hafenmeister bereits um 17:00 seinen Dienst beendet hatte, tankten wir Wasser und verließen den nicht besonders gemütlichen Ort zwischen all den aufgebockten Booten wieder und fuhren zu einem Wanderparkplatz im oder beim Nationalpark Alde Faenen, beim Ort Earnewald. Laut Park4Night darf man hier über Nacht stehen, wir zogen aber zur Vorsicht alle Jalousien runter, damit kein Licht nach außen schien und wir von der Straße aus schlecht zu sehen waren.

Donnerstag, 26.10.23 Earnewald- Onderdendam
Wir schliefen ungestört auf unserem Parkplatz und ich sah am Morgen die Sonne hinter einem Nebelschleier aufgehen, bevor sie gleich wieder verschwand. Was blieb war der Nebel und mit ihm eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Da alle Wiesen klatschnass waren, kam Stefan mit triefenden Schuhen vom Joggen zurück. Eigentlich gingen wir davon aus, unsere Gummistiefel im wasserfesten Sack im Kofferraum zu haben, aber leider mussten wir feststellen, dass der Sack leer war. Hatten wir sie unerklärlicherweise nach der Ostseetour ausgepackt? Aber warum dann ohne Sack? Ich hoffte, des Rätsels Lösung zuhause herausfinden zu können. Fakt war aber zu diesem Zeitpunkt, dass wir eine Wanderung im Nationalpark De Alde Faenen machen wollten und nun definitiv nasse Füße bekämen. Wir fuhren zum Besucherzentrum, weil wir hofften, dass von dort vielleicht ein geteerter oder Bohlenweg abging, aber da hatten wir Pech. Wir liefen also durchs Gras und ich holte mir ebenfalls nasse Füße. Wie gut, dass die Motorheizung beim Womi echt klasse ist, sodass ich die Schuhe während der Weiterfährt vor alle Lüftungsschlitze hielt, was zeitweise einem akrobatischen Akt ähnelte. Um der Nässe zu entkommen, fuhren wir erst nach Burgum in einen Kringloopswinkel, wo Stefan ein T-Shirt fand und danach nach Dokkum, dessen Kringloopswinkel wir nicht so gut fanden, dafür aber das Städtchen. Die kleinen Städte haben hier oft eine sehr schöne Atmosphäre. Sie sind immer schmucke, mit hübschen Häusern und Blumen und in den Gassen finden sich oft nettere Lädchen als in den Innenstädten der großen Städte. Wir bummelten durch die Stadt und tranken wie immer unseren Kaffee und fuhren danach weiter, um unseren Nachtplatz beim Nationalpark Lauwersmeer im Norden, gegenüber den westfriesischen Inseln zu suchen. Nachdem Stefan im Internet gelesen hatte, dass übernachten auf einem Parkplatz ziemlich hohe Strafen in den Niederlanden nach sich ziehen kann – wir hatten bisher nur vom Totalverbot in der Provinz Zeeland gewusst- nahmen wir davon Abstand, den ausgeguckten Platz von Park4Night anzusteuern und fuhren zu einem offiziellen in Lauwersoog. Nach kurzem Umsehen entschieden wir uns aber vor Ort gegen eine Übernachtung. Er war an einer belebten Straße, in der Nähe des Kais zur Insel Schiermonnikoog und bis auf ein sehr touristisches Restaurant und Infogebäude gegenüber gab es nichts fußläufig zu unternehmen. Ich hatte es mir naturnäher vorgestellt, aber das Naturerlebniszentrum war ein paar Kilometer entfernt. Obwohl es bereits dem späten Nachmittag und damit dem baldigen Sonnenuntergang entgegenging, entschlossen wir uns, zu dem Naturerlebniszentrum zu fahren und die endlich mal scheinende Sonne bei einer Wanderung in der Natur beim Nationalpark zu genießen. Das Lauwersmeer entstand durch den Bau eines Dammes gegen das gefürchtete Hochwasser und ist eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Europas. Neben Vögeln sind hier auch Konak Pferde und Hochlandrinder heimisch und es blühen Orchideen. Der Park bekam das Prädikat Dark Sky Park, weil er nachts keine Lichtverschmutzung hat und damit zur Sternenbeobachtung einlädt. Wir wanderten vom Naturzentrum aus durch so dichten Wald, dass man sich wie im Urwald fühlte. Das Unterholz war so dicht, dass an ein Durchkommen außerhalb des Weges nicht zu denken war. Wir liefen wiederum auch an einem Wasserlauf und Feuchtflächen mit unterschiedlichen Wassergräsern entlang. Dann wurde es Zeit, sich um ein Nachtquartier zu kümmern. Wir kauften noch schnell für das Abendessen ein und fuhren dann zu einem Stellplatz bei einem kleinen Yachthafen in Onderdendam. Da der Hafenmeister, wie eigentlich immer, bereits Dienstschluss hatte, suchten wir uns ein Plätzchen, schlossen Strom an und planten am kommenden Morgen bei ihm zu zahlen. Wir wussten nicht, wie teuer es genau würde, aber laut Park4Night musste es mit Strom so um die 15€ sein. Mehr durfte es eigentlich auch nicht kosten, denn soweit wir erkennen konnten, waren die Sanitäranlagen geschlossen. Man hatte wohl nicht damit gerechnet, dass noch jemand an diesem Abend käme. Wir waren die einzigen Gäste. Auch die Boote schienen unbewohnt zu sein, aber WLAN hatten wir, was wirklich klasse war, weil unser Datenvolumen schon wieder knapp wurde.

Freitag, 27.10.23 Onderdendam- Esterwegen/ Deutschland

Wir blieben die ganze Nacht allein auf unserem Stellplatz und auch der Hafenmeister tauchte nicht mehr auf, also steckte ich 15€ in den Briefkasten für Übernachtung und Strom. Am Morgen fand ich dann am hinteren Ende des Yachthafens doch noch ein Sanitärgebäude, bei dem aber nur die Toilette und Dusche für Herren geöffnet war. Ich hätte in der abgeschlossenen Dusche wohl duschen können, aber zum einen war ich schon fertig angezogen und außerdem wusste ich nicht, ob auch das heiße Wasser funktionieren würde und ließ es bleiben. Ich packte aber für Stefan einen Rucksack mit Klamotten zum Duschen nach dem Joggen und er genoss eine heiße Dusche. Da wir Strom hatten, hatte unser Heizer am Abend zuvor noch unsere Schuhe wieder komplett getrocknet und unser Womi anständig gewärmt. Nachdem wir am Morgen noch Grauwasser und Toilette entsorgt hatten, fuhren wir nach Delfzijl, wo uns sowohl die Stadt als auch der Kringloopwinkel nicht gefallen hat. Beeindruckend, wenn auch nicht schön war der gigantische Deich, der sich automatisch gegen Hochwasser schließen ließ. Delfzijl liegt am Emsdelta in die Nordsee und man kann auf der gegenüberliegenden Seite Deutschland sehen. Wir fuhren weiter nach Winschoten, einer Stadt ein paar Kilometer südlich im Inland. Ich hatte mir von ihr ein hübsches Städtchen erwartet, weil bei Google Maps schöne Häuser abgebildet waren, aber es war die totale Enttäuschung. Die abgebildeten paar Häuser und eine Windmühle waren wohl die einzigen in der ganzen Stadt. Hier war sogar der Marktplatz hässlich, was der beginnende Dauerregen nicht besser machte. Wir entschieden uns, das geplante Reise-Abschlussessen nicht hier zu genießen, kauften fürs Abendessen beim Aldi ein und verließen die Niederlande gen Deutschland. Wir fanden den kostenlosen Stellplatz der Gemeinde Esterwegen am Erikasee. Für 1€ gab es sogar Strom und die Umgebung versprach mit Moor, Naturschutzgebiet und einer KZ-Gedenkstätte mehr Programm, als wir eigentlich vorhatten. im Ort Wir hofften nur, dass das Wetter trocken würde, wie im Internet angegeben.

Samstag, 28.10.23 Esterwegen- Vechta
Leider war das Wetter uns nicht mehr hold, daher war es mit einer Wanderung durchs Naturschutzgebiet nichts. Wir besuchten stattdessen die Gedenkstätte des KZ Esterwegen. Es ist ein internationaler Gedenkort, der an die Gräueltaten in den 15 Emslandlagern erinnert. Politische Gegner und während des Krieges Fahnenflüchtige der Wehrmacht, Widerständler aus den besetzten Ländern und natürlich auch Sinti, Roma und Juden oder ganz „normale“ Volksgenossen, die es wagten, den Feindsender zu hören, oder am deutschen Erfolg des Krieges zu zweifeln, mussten hier unter härtesten Bedingungen Torf stechen, wurden geschlagen, hungern gelassen, gedemütigt und ermordet. Hier entstand das Lied der Moorsoldaten, dass diesen Menschen heute einen Gedenkstein setzt. Was mir neu war, war, dass wegen Blutschande, Fremdsender hören etc. zwar Urteile gesprochen wurden, die Verbüßung jedoch auf die Nachkriegszeit festgelegt wurde. Das hieß natürlich nicht, dass die Verurteilten bis dahin frei waren, sondern sie kamen in Schutzhaft ins KZ und sollten nach dem Kriege dann die Strafe, zu der sie verurteil waren, absitzen ohne Anrechnung der Schutzhaft. Auch politische „Verbrecher“, die die Strafzeit verbüßt hatten, konnten danach noch auf unbestimmte Zeit in Schutzhaft genommen werden. Sie waren völlig schutzlos und der Willkür ausgesetzt. Die Ausstellung war sehr informativ. Leider konnten wir das Außengelände, was in einen Moor Pfad führte, nicht ausgiebig besuchen, da es regnete und die Bohlen Seifenglatt waren. Wir fuhren im Regen weiter nach Vechta, wo wir die nächste Nacht auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums parken durften. Wir gingen die ca. 25 Min in die Innenstadt, die uns erstmal nicht so spannend vorkam, aber wo gerade ein Stadtfest mit Flohmarkt stattfand. Leider hatte das Wetter schon einige Standbetreiber vertrieben, aber am Sonntag sollte der Flohmarkt fortgesetzt werden und wir hofften sehr auf trockenes Wetter am kommenden Morgen. Auch bei den gastronomischen Ständen waren einige gemeinnützige dabei wie Rotary, Malteser, Messdiener, Sozialdienst kath. Frauen etc. Dort planten wir auf jeden Fall auch nochmals vorbeizugehen. Wir genossen unser Reise- Abschlussessen in einer Pizzeria und kamen auf dem Weg zurück zum Womi noch am Zitadellen Park und dem Museum im Zeughaus vorbei, was sehr nett aussah. Das wollten wir ebenfalls noch bei hellem bewundern.

Sonntag, 29.10.23 Vechta – Diepenau
Das Wetter spielte dieses Mal mit, zumindest die meiste Zeit. Als wir aufwachten, war es ziemlich stürmisch und die ganze Nacht durch hatte es geregnet, aber als wir uns gegen 11 Uhr nochmal auf den Weg zum Flohmarkt in der Innenstadt von Vechta machten, hatten wir Glück. Wir bummelten mit etlichen anderen Besuchern von Stand zu Stand, die zumeist Kindersachen anboten. Die Stadt hatte zum Kinderflohmarkt aufgerufen und selbst eine erhebliche Anzahl von Klapptischen in der gesamten Einkaufszone bereitgestellt. Es war dennoch nett, seine Augen über all die angebotenen Dinge schweifen zu lassen. Nach unserem obligatorischen Kaffee mit ein paar Partien 10000 würfeln, besuchten wir auch noch den Zitadellen Park, den wir abends nur von einer Brücke und bei Dunkeln gesehen hatten. Ich fand ihn sehr nett. Ehemals lebten Soldaten mit ihren Familien in der Zitadelle. Es war eine Soldatenstadt mit allem Notwendigen wie auf einer Tafel beschrieben: von Bäcker bis zur Brauerei gab es alles.
Von Vechta fuhren wir weiter an den Dümmer, Niedersachsens zweitgrößtem See. Wir wanderten zuerst ein Stück auf dem gepflasterten Promenadenweg, vorbei an Cafés, Eisdielen, Strand und Bootsverleih und beobachteten Surfer, die enorme Geschwindigkeiten bei dem starken Lüftchen an diesem Tag bekamen. Auf dem weiteren Weg hätten wir noch zwei Stellen zur Vogelbeobachtung besuchen können, aber da wir auch noch im Naturschutzgebiet im Süden des Dümmers wandern wollten, beendeten wir den Weg nach knapp 6 km und fuhren zum Wanderparkplatz Süd. Dort wanderten wir auf natürlichem Wanderweg zwischen Schilf und Bäumen und hatten immer wieder schöne Ausblicke auf Feuchtwiesen mit Vögeln. Nach einem Rundweg von weiteren 3km traten wir unsere Fahrt zu einem kostenlosen Stellplatz in Diepenau im südlichsten Eck des Kreises Nienburg, aber näher an Minden gelegen an. Wir waren bass erstaunt angesichts des großartigen und noch dazu kostenfreien Platzes! Neben einem alten, stillgelegten Bahnhof, der jetzt als Standesamt dient und an bestimmten Tagen noch eine historische Bahn begrüßt, sind 6 Stellplätze, Ver- und Entsorgung inkl. Strom, was natürlich eine Kleinigkeit kostete, ein kleines Aufenthaltshäuschen mit Sitzecke und Bücherregal und ein kleiner Park. Das ist mehr, als mancher teure Platz zu bieten hat und noch dazu sehr hübsch angelegt. Der Gemeinde gebührt großer Dank dafür!

Montag, 30.10.23 Dipenau – Bad Harzburg

Genau einen Tag bevor unser Womi offiziell in den Winterschlaf gehen musste, da abgemeldet, kamen wir wieder zu Hause an.

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