Hoi An – überlaufenes Weltkulturerbe

Hoi An
Sonntag, der 18.2. startete bereits bescheiden, als gegen 5:15Uhr Handwerker mit den Vorschlaghammer im Hotel aktiv wurden. Als sie ca 30 Minuten später aufhörten mit ihrem Krach, begannen anscheinend die Küchenmitarbeiter ihrem Job. Das Restaurant war zwei Etagen über uns und der Aufzug neben unserem Zimmer. Es begann geschäftiges Herumgelaufe und -gerufe und der Aufzug machte sein Ding-Dong, wenn er die gewünschte Etage erreichte. Ab 6:30Uhr gab es Frühstück, d.h. auch die Gäste machten sich auf den Weg nach oben. Als Stefan gegen 7:30Uhr vom Joggen kam, machten auch wir uns fertig fürs Frühstück. Danach erwartete uns die nächste Panne: unsere Air B&B Unterkunft in Hoi An, wo wir wenige Stunden später anreisen wollten, wurde vom Gastgeber storniert! Wir bekamen von Air B&B 4,08€ als Entschädigung. Nun ja, nette Geste, aber wenn man bedenkt, dass wir bei einer Stornierung hätten voll bezahlen müssen, eigentlich nicht ok. Der Gastgeber müsste in dem Fall eigentlich Ersatz schaffen. Wir haben uns also nochmals auf die Suche gemacht und glücklicherweise auch schnell eine andere Unterkunft gefunden. Gegen Mittag ging es dann per öffentlichem Bus nach Hoi An. Ich hatte zufällig am Tag zuvor die Bushaltestelle in nur 50m Entfernung vom Hotel entdeckt. Es war allerdings erst fraglich, ob der Bus nun, am 3.Tag des Neujahrsfestes, überhaupt fahren würde. An der Rezeption unseres Gold Hotels konnte man es uns nicht sagen und war auch nicht bereit, mal bei der Busgesellschaft nachzufragen. Auf gut Glück machten wir uns auf den Weg und in weniger als 10Minuten hielt der Bus vor unseren Füßen. Nach ca 30Minuten erreichten wir den Busbahnhof von Hoi An. Zwischen Da Nang und Hoi An ist eine Wetterscheide und von der luftigen Stadt kamen wir ins feuchtheiße Klima, das sofort den Schweiß laufen ließ. Per Taxi ließen wir uns die 3km bis zu unserer Unterkunft bringen und wurden mit einem Saft begrüßt. Die Loc Phat Villa hat vorne ein Restaurant, wo auch das Frühstück, das inklusive ist, ausgegeben wird. Die Zimmer sind in einem zweistöckigen Bau untergebracht, jedes Zimmer mit Terrasse oder Balkon zum üppigen Garten. Die Art des Zimmers gefiel uns gut, aber es roch muffig, da eine Wand feucht war. Wir machten die Aircondition an und hofften, dass der Geruch verschwände und begaben uns in die Altstadt. Auf dem Weg kamen wir an einem hervorragenden veganen Restaurant mit leckeren Bananenpfannkuchen vorbei, die hier auch typisch zu seien scheinen. Stefan hatte etwas sehr schmackhaftes mit vielen Kräutern. Dann erreichten wir die Altstadt: Was war denn hier los??? Wir wussten natürlich, dass noch Feiertag ist und Hoi An touristisch, aber eine derartige Menschenmenge, die sich dort durch die Stadt schob, hatten wir höchstens mal am vollsten Tag Weihnachtsmarkt bei uns in Goslar erlebt, aber nur auf dem Marktplatz und nie in der ganzen Innenstadt. Es war unglaublich! Die kleinen alten Häuser sind wirklich schön und auch die Brücken, aber hier bekam man schon Platzangst. Am Fluss war dann noch große Feststimmung mit Essensständen und Vergnügungen.
Wir machten uns auf den Heimweg und stellten fest, dass unser Zimmer noch ebenso muffig roch wie zuvor. Wir fragten nach einem anderen Zimmer und man versprach uns ein neues für den kommenden Tag. Das Problem schien bekannt zu sein. Wir verbrachten also eine Nacht bei Schimmelgeruch, aber immerhin hatte das Zimmer ein Moskitonetz, das aber in dieser Umgebung auch nötig erschien.
Am kommenden Morgen machten wir uns auf zum Busbahnhof und fanden zuerst kein Taxi. Alle waren bereits besetzt, bis dann nach mindestens 20Min eines hielt. Der Fahrer hatte sicher seinen ersten Tag als Taxifahrer und vielleicht auch überhaupt als Fahrer. Er wusste nicht wo der Busbahnhof ist, fragte auf den 3km 3x Leute nach dem Weg, obwohl er ein Navi hatte und fuhr grauenhaft. Beim Linksabbiegen ordnete er sich bereits mindestens 100m vor der Kreuzung im Gegenverkehr ein! So machen es in der Regel hier die Rollerfahrer, wenn sie auf mehrspurigen Straßen abbiegen wollen, aber dies war ein Auto, wo man nicht so leicht drumherumfahren konnte! Wir waren froh, als wir heile angekommen waren. Wir mussten feststellen, dass es keinen Bus Richtung „My Son“, der antiken Tempelanlage der Cham im Landesinnern, gab. Egal, einen Versuch war es wert. In einem Café um die Ecke tranken wir einen Kaffee und bestellten ein Fahrzeug über Uber. Wir hatten den Dienst bisher noch nie genutzt, aber der Preis war besser als beim Taxi und der Fahrer brachte uns sicher hin und holte uns superpünktlich wieder ab. Sehr zu empfehlen! Die Anlage My Son ist sehr nett in der Natur gelegen, recht imposant anzusehen und die Informationen in Englisch geben einen kleinen Einblick in die Entwicklung der Chamkultur und der Tempel. Bombentrichter machen deutlich, was der Vietnamkrieg auch hier für unwiderrufliche Schäden angerichtet hat. Wir genossen den Tag in der Natur und schlenderten am Abend noch einmal durch die Altstadt. Sie war immer noch voll, wenn auch nicht mehr ganz so wie am Vorabend. Die bunten Laternen geben den Gassen einen besonderen Charme. Diese Laternen, die zusammengefaltet auch überall zum Kauf angeboten werden, sind typisch für Hoi An. Darüber hinaus werden maßgeschneiderte Anzüge, Seidenkleider und -schals, sowie Seidenschlafsäcke angeboten. Auch die einheimische Beauti- und Gesundheitsbranche ist viel vertreten mit Massage, Fußreflexzonenmassage und Schönheitssalons. Wir benötigten nichts von alledem, sondern genossen bei unserem veganen Restaurant vom Vortag einen Veggieburger, der absolut klasse war. Abends bekamen wir unser neues Zimmer mit Balkon und unser einziges Problem waren die Mücken, aber wir hatten ja zumindest ein Moskitonetz für nachts. Wir buchten unsere Weiterfahrt nach Hue und eine Air B&B Unterkunft für Mittwoch und verlängerten unseren Aufenthalt um eine Nacht, da wir noch zu den Marmorbergen wollten.
Die Marmorberge mit dem Wasserberg sind eine buddhistische Pilgerstätte südlich von Da Nang. Wir machten uns also heute Morgen auf den Weg, mit dem öffentlichen Bus, mit dem wir ja auch hierhin gereist waren, Richtung Da Nang. Wir wollten möglichst nahe dran aussteigen und von dort per Taxi fahren, um Geld zu sparen. Eine Tour zu buchen oder die ganze Strecke per Taxi, erschien uns zu teuer. Siehe da, heute war uns das Glück hold: der Bus hielt 100m vom Eingang der Pilgerstätte entfernt! Die Tempelanlage ist der Wahnsinn und bisher unser Highlight in Vietnam. In den imposanten Hügeln liegen überall verteilt Gebetsstätten und Ausblicke auf die Umgebung bis zum Meer. Der Höhepunkt ist eine Höhle mit großer Buddhafigur und mehreren Altären. Das Ambiente hat uns wirklich beeindruckt. Nach mehreren Stunden begaben wir uns nach einem vegetarischen Mittagessen in einem Straßenrestaurant mit Buddhaverkauf wieder zu unserer Haltestelle. Siehe da, der Bus kam nach nicht einmal 5Min Wartezeit! Glück braucht der Mensch.

Hue – Kaiserstadt und erster Regen