Hanoi – Hauptstadt mit Charme

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Busfahren in Vietnam – ein mörderisches Vergnügen!

Am 8.3.18, dem internationalen Frauentag, ging unsere Fahrt am späten Vormittag wieder Richtung Süden, nach Hanoi. Dass der Frauentag hier in Vietnam wichtiger genommen wird, konnte ich beim Frühstück erleben. Ich bekam von unserer Hotelleiterin eine Rose geschenkt! Eine nette Geste, wenn auch bei mir an dem Tag eher ungünstig, da uns ein paar Stunden Busfahrt bevorstanden. Ich schenkte sie einem anderen weiblichen Gast. Gerade an diesem Tag regnete es draußen, sodass wir statt zu Fuß zu gehen, doch ein Taxi zum Busbahnhof am Markt nahmen. Die Fahrt war in einem Sleeperbus, aber das Busunternehmen war absolut nicht empfehlenswert. Erst ließ man uns im Büro beim Busbahnhof stehen mit unserem E-Ticket und der Mitarbeiter ging für 10Min weg. Als er wiederkam, waren inzwischen noch weitere Passagiere angekommen. Er telefonierte aufgeregt und wollte uns noch immer kein schriftliches Ticket ausstellen. Auf Nachfrage wurden wir angeblafft, dass wir warten sollten und es in dem Telefonat nicht um uns ging. Wir kämen schon mit. Wäre ja auch noch schöner, das Ticket war ja bereits bezahlt! Dann sagte er was auf vietnamesisch und ging zum Bus. Die Vietnamesen folgten ihm, der Rest blieb stehen. Ein anderes deutsches Pärchen hatte im Hotel des selben Unternehmens gebucht und war gar nicht auf der Liste. Als die Vietnamesen ihr Gepäck einluden, gingen wir auch zum Bus und wurden auf die hinteren Plätze verwiesen. Eigentlich war freie Platzwahl und vorne noch alles frei. Später wurde auch klar warum: der Busbegleiter und der Busfahrer ließen noch diverse Einheimische unterwegs zusteigen. So kam es, dass einen Großteil der Fahrt bis zu 6 Fahrgäste auf dem Boden zwischen den Sitzreihen saßen und lagen. Trotz eines halsbrecherischen Fahrstils, der keine doppelt durchgezogene Mittellinie kannte und aus zwei Fahrspuren häufig drei erzwang, kamen wir letztlich 2 Std zu spät in Hanoi an.

Auf Irrwegen zur Unterkunft

Wir nahmen ein Taxi zur im Internet angegebenen Stelle unserer Air B&B Unterkunft, die sich als falsch erwies. Darüber hinaus beschiss uns der Fahrer mit einem manipulierten Taxameter. Er hatte unseren großen Rucksack nach vorne auf den Sitz gestellt, sodass wir es unterwegs nicht sehen konnten. Hätte uns auch gleich auffallen können, dass da etwas nicht stimmte! Dumm gelaufen, also blechten wir den hohen Betrag und standen dann verzweifelt mitten in Hanoi. Nach einigen SMS und Herumfragen, sowie einer weiteren Taxifahrt, gelangten wir zu der Gasse mit der richtigen Adresse. Problem nur: die war ca. 100m lang und verwinkelt mit diversen Eingangstüren. Nirgens stand etwas von Homestay o.ä.. Leute, die wir fragten, wussten uns auch nicht zu helfen. Als wir der Verzweiflung nahe waren, kam ein kleines Mädchen, wies auf eine Tür und gab uns einen Schlüssel. Na, das war ja mal ein sicherer „Doorman“! Wir fanden dann auch unser schön großes Zimmer. Wir konnten die kommenden 4 Nächte auch den Luxus eines Gemeinschaftsraums mit Küche und einer Waschmaschine mit Trockner und Dachterrasse zum Trocknen genießen.

Hanoi – Großstadt mit Charme

Bevor wir nach Hanoi fuhren, graute es mir etwas davor, wieder in eine Großstadt zu fahren. Ich hatte die Zeit in Cat Ba und Sapa genossen, wo wir der Natur so nahe waren und wir dem Verkehr aus dem Wege gehen konnten. Auf den ersten Blick bestätigte sich auch die Furcht, wieder in ein hupendes, chaotisches Moloch zu kommen, aber das gab sich schnell. Am ersten Morgen, nachdem wir gut ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Schon bald zeigte sich, dass Hanoi anders als Ho Chi Minh ist. Natürlich gab es auch hier furchtbar viel Verkehr und es war großstädtisch, aber die Stadt hat viele Seen, Parks und Alleen, die Bürgersteige sind – außer im Old Quarter – so breit, dass man nicht ständig auf die Straße ausweichen musste. Es gab Ampeln, wo sich meist auch dran gehalten wurde. Es machte Spaß, durch die Stadt zu schlendern und auf Entdeckungsreise zu gehen, anders als in Ho Chi Minh, wo ich mich ständig wie auf der Flucht fühlte.

„Hanoi Hilton“ – willkommen zur unfreiwilligen Übernachtung

Das „Hanoi Hilton“ ist eigentlich ein ehemaliges Gefängnis inmitten der Innenstadt Hanois. Gebaut wurde es von den Franzosen zur Inhaftierung von Aufständigen gegen die Kolonialmacht. Hier wurde gefoltert und auch hingerichtet. Dafür hatten sie extra aus Frankreich eine Guillotine eingeführt. Während des Vietnamkriegs war es Gefangenenlager für amerikanische Kriegsgefangene. Von diesen erhielt der Ort auch den für ein Gefängnis merkwürdig anmutenden Namen „Hanoi Hilton“. Laut einer Ausstellung mit Aussagen amerikanischer Kriegsgefangener, wurden sie sehr fair behandelt. Das, obwohl es sich bei den Gefangenen um Soldaten der Airforce handelte, die zuvor Hanoi mit Bombenteppichen in Schutt und Asche gelegt hatten. Akzeptable Versorgung und abwechslungsreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten wurden anhand von Bildern gezeigt. Dieser Teil der Gefängnisgeschichte hat mich tiefer beeindruckt, als die Greueltaten der Franzosen. Folter und Hinrichtung sind leider in vielen ehemaligen Gefängnissen, auch in Deutschland, an der Tagesordnung gewesen. Bis heute gibt es sie noch in diversen Ländern.
Gefehlt haben uns Informationen darüber, was nach der Freilassung der Amerikaner in den Siebzigern, bis zur Umwandlung als Museum in den Gemäuern geschah. Vermutlich wurde das Gefängnis ja auch noch zur Inhaftierung von politischen Gefangenen aus dem eigenen Land genutzt. Hierüber findet man nichts. Es gibt aber wiederholte Lobpreisungen für den heldenhaften Widerstand der Kameraden gegen die Bewacher und die Entwicklung der sozialistischen Ideen und Gruppierungen innerhalb des Gefängnisses.

Hoan Kiem See

Bereits am ersten Tag führte uns unser Weg an der St. Joseph Kathedrale vorbei zum Hoan Kiem See. Stefan hatte früh morgens beim Joggen bereits die sportbegeisterte Bevölkerung Yoga, Gymnastik, Badminton spielen und viele andere sportliche Betätigungen in diesem Park machen sehen. Auf einer kleinen Insel im See befindet sich der Ngock Son Temple, zu dem eine picturesque rote Brücke führt. Am See vorbei ging es in Straßen mit vielen kleinen Kunsthandwerkgeschäftchen und Souvenirläden. Wir bummelten den ganzen Tag durch die Gassen und Läden und genossen am Abend den bunt beleuchteten Park beim Hoan Kiem See.

Literaturpalast „Van Mieu“

Der zweite Tag startete mit dem Besuch des Literaturtempels. Es handelt sich hierbei um keinen religiösen Tempel, sondern um eine Lehrstätte, die 1070 von König Ly Thanh Tong zur Erinnerung an Konfuzius und seine Lehren gebaut wurde. 1076 entstand auf dem Gelände die erste Eliteuniversität Vietnams zur Ausbildung reicher Söhne. Nur Absolventen dieser Lehrstätte konnten in den Status eines Mandarins aufsteigen. und auch der Kronprinz des jeweiligen Herrschers wurde hier zur Erziehung hingeschickt. Ohne Kenntnisse der chinesischen Schrift kann man inhaltlich leider nicht viel verstehen, aber die Anlage ist ein angenehm ruhiger Ort im Großstadtrummel.

Das noble Viertel Hanois

Der dritte Tag führte uns ins Regierungsviertel Hanois. Hier findet man edle Villen aus der französischen Kolonialzeit, Botschaften, den Präsidentenpalast, das Ho Chi Minh Mausoleum und das nach typisch sozialistischer Bauweise errichtete Ho Chi Minh Museum. Wohl im Unterschied zu 99% aller Hanoibesucher habe wir uns den Besuch im Mausoleum und damit die kilometerlange Warteschlange geschenkt. Nachdem Stefan bereits morgens beim Joggen die schier unglaublich lange Reihe Wartender gesehen hatte, war für uns klar: das müssen wir uns nicht antun. Wir wanderten an den Gebäuden vorbei, besuchten den Botanischen Garten und danach den West Lake, der mit über 15 km Umfang der größte Frischwassersee Hanois ist. Auf einer kleinen Insel im See befindet sich die Tran Quoc Pagode, die sehr schön ist.

Old Ouarter

Im Old Quarter tobt das vietnamesische Leben: Roller, Cyclos, Autos, Busse, enge Gassen, bunte, von Waren überquellende Lädchen, Garküchen und dazwischen sucht der Fußgänger sich seinen Weg, ohne unter die Räder zu kommen. Man muss es gesehen haben, denn das ist das ursprüngliche Hanoi. Ich war hin- und hergerissen von der Lebendigkeit, die einen mitreißt, aber auch der ständigen Vorsicht, die manchmal in Wut umschlägt auf alles was Räder hat.

 

Abschied von Vietnam und Rückreise