Da Nang am Neujahrsfest „Tết“

Vorbereitungen für Neujahr

Am 15.2. machten wir uns auf den Weg nach Da Nang. Wir hatten die Fahrt schon fast eine Woche früher gebucht. Wegen des „Tết Nguyên Đán“, des „Festes des Ersten Morgens“, also dem Neujahrsfest,  war mit überfüllten Bussen zu rechnen. Zu Neujahr versuchen alle Vietnamesen nach Hause zu ihrer Familie zu fahren. Das Fest dauert insgesamt drei Tage und ist von der Art zu feiern eher mit unserem Weihnachtsfest vergleichbar. Schon Tage zuvor werden die Straßen mit Lichtern und bunten Fahnen geschmückt. Die Vietnamesen reinigen ihre Häuser und Höfe, es werden Opfertische mit Essbarem und diversen anderen Gaben vor, oder in dem Haus aufgestellt. Wir haben sogar Zigaretten auf einem gesehen! Es wird bei dem Fest der Vorfahren gedacht und alles getan, was Glück und Wohlstand im neuen Jahr bringen kann. Da die Farben rot und gelb als glückversprechend gelten, ist viel Schmuck in diesen Farben gehalten. Das Fest wird in der Familie gefeiert und man besucht den Tempel.

 

Fahrt nach Da Nang

Um 16Uhr begaben wir uns auf die planmäßig mit 17 Stunden angegebene Fahrt nach Da Nang. Wir hatten wieder einen Sleeper, aber dieses Mal war es schon ein älteres Model mit rutschigen Sitzen. Die Fahrt ging bergab durchs Gebirge und es dauerte keine halbe Stunde, als meine Sitznachbarin anfing sich zu übergeben. Kurz darauf war auch von anderen Stellen im Bus Husten und Würgen zu hören. Ich versuchte nichts zu hören und zu sehen, um nicht selbst Opfer der Übelkeit zu werden. Nach einer kurzen Pause irgendwo auf freier Strecke, ging es bei meiner Sitznachbarin wieder los. Danach ging es ihr plötzlich richtig schlecht. Sie weinte, griff verzweifelt um sich und schien völlig die Orientierung verloren zu haben. Eine Busbegleiterin, die anscheinend für erste Hilfe mitfuhr und der Freund der Kranken versuchten ihr zu helfen. Die Busbegleiterin massierte ihr eine Art Heilpflanzenöl an den Schläfen und auf den Rücken. Mit einem Schlüssel zog sie dann immer Linien entlang der Rippen. Ob das eine Art Akupressur sein sollte? Auf jeden Fall beruhigte die Frau sich langsam wieder und lag nur noch schlaff da. Ich bot dem Freund, der seinen Platz über seiner Freundin hatte, an zu tauschen, damit er ihre Hand halten und sie im Blick behalten konnte. Ich kletterte also nach oben in der Mitte und bereute es schon bald. Der Sitz war länger als die an den Fenstern unten und ich rutschte immer soweit runter in das Beinfach, dass mir der Kopf abknickte und ich völlig ungemütlich lag. Noch dazu funktionierte der Gurt nicht. Ich hatte immer Panik, nachts beim Schlafen in einer Kurve runterzufallen. Erst Stunden später, als Stefan nach einer Pause mit mir tauschte, konnte ich unten einigermaßen schlafen. Für ihn war es auch besser, da er mit seinen langen Beinen oben mehr Platz hatte. Es war uns noch nie aufgefallen, dass die Sitze unterschiedlich lang sind.

Ankunft in Da Nang mit Hindernissen

Gegen 5:30 Uhr rüttelte der Busbegleiter alle wach. Ich war gerade im Tiefschlaf. Eigentlich sollten wir um 9 Uhr ankommen, nun waren wir aber bereits 3,5 Std eher am Ziel. Nicht, dass ich gerne ewig lange im Bus sitze, aber um diese Uhrzeit in einer Stadt anzukommen ist einfach ungünstig. Welches Hotel lässt einen denn um diese Zeit schon in die Zimmer? Das passierte uns nun schon zum zweiten Mal. Gegen 6:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Hotel, weil uns im Busbahnhof zu viele Mücken herumflogen. Wir hatten Glück, wir konnten schon einchecken, mussten allerdings 10$ Aufpreis zahlen. Egal, wir waren müde und sehnten uns nach einem Bett. Wir bezogen unser Zimmer und fielen in den Schlaf. Irgendwann stand Stefan auf, ging auf Toilette. Als er wieder ins Zimmer kam, konnte er nur noch sagen „mir geht es total beschissen“, dann fiel er bauchlängs auf mein Bett und war schweißgebadet. Bei mir stieg Panik auf! Gleich hatte ich wieder die Situation in Marrakesch kurz vor Weihnachten 2015 im Kopf, als er direkt vor unserer Abreise mit Lungenentzündung zusammenbrach und ich über eine Woche bis zur Heimholung durch den ADAC alles regeln musste. Bloß nicht nochmal! Hier verstehen die Leute ja noch weniger Englisch und die Krankenversorgung hat nicht den besten Ruf! Er schlief erst einmal ein paar Stunden, dann ging es ihm schon etwas besser. Nachdem er getrunken und eine Tüten -Nudelsuppe gegessen hatte, die wir noch in der Tasche hatten, fühlte er sich wieder ok. Voraussichtlich lag es daran, dass er zu wenig getrunken hatte, um unterwegs nicht ständig auf die Toilette zu müssen und dann auch noch Durchfall bekommen hatte.

Erste Eindrücke von Da Nang

Wir verbrachten den Nachmittag recht ruhig. Wir gingen nur eine Kleinigkeit essen, auch aus Mangel an Restaurants, die überhaupt geöffnet hatten. So ruhig und angenehm hatten wir vietnamesische Städte noch nie erlebt. Alle schienen zuhause bei der Familienfeier zu sein. Als wir abends noch einmal rausgingen, um die wunderschön beleuchteten Brücken über den Fluss Han zu fotografieren, war leider der Verkehr wieder tosend wie eh und je. Die Trần Thị Lý Brücke ist rot mit sich verändernden Farbtönen beleuchtet und nahe bei unserem Hotel. Von ihr hat man einen guten Blick auf die gelbe Cầu Rồng (Drachenbrücke). Im Fluss liegt eine kleine Insel, die man ebenfalls über eine kleine Brücke erreicht. Bei einem Resort hatten wir eine tolle Aussicht auf ein beleuchtetes Riesenrad und eine Achterbahn, die sich im Fluss spiegelten. Keine Ahnung, ob es sich um einen Vergnügungspark handelt, der immer dort ist, oder ob es eine Kirmes zum Neujahrsfest ist. Mit einem leckeren Eisbecher bei einer vermutlich italienischen Eisdiele beschlossen wir den Tag.

Frühstück über der Stadt

Am nächsten Tag hatten wir zum ersten Mal Frühstück im Hotel. Die meisten Speisen auf dem Büfett waren nicht vegetarisch, aber es gab auch Toast, Marmelade, Erdnussbutter und Spiegeleier. Dazu Kaffee, Tee, Wasser und Fruchtsaftgetränk. Das Beste war aber der Ausblick. Das Restaurant war auf der 10 Etage und hatte eine Dachterrasse, von der man einen super Blick über die Stadt hatte. Ja, es ging uns wirklich nicht schlecht;)

Die Fotobegeisterung der Vietnamesen

Nach dem Frühstück gingen wir wie am Vorabend zur Flusspromenade. Der zweite Tag des Neujahrsfest ist anscheinend für Familienfotoausflug reserviert. Der Uferboulevard war mit Ständen mit bunten Gasballons und Naschereien bestückt. Familien und Paare fotografierten sich überall vor der bunten Blumenkulisse. Die Vietnamesen lieben Blumen wirklich sehr. An großen Straßen sind Blumenrabatten und hier am Fluss sind kunstvolle Figuren und Arrangements aus Blumen und anderen Materialien. Die Einheimischen trugen heute landestypische bunte Kleider oder waren zumindest besonders gut angezogen und verbrachten das Neujahrsfest damit, sich gegenseitig zu fotografieren oder Selfies zu machen. Für uns war das ein Eldorado der Fotografie! Wenn man ausdrucksstarke Gesichter fotografieren möchte, ist es natürlich ein Traum, wenn die Leute sowieso posieren.

Von der Drachenbrücke zum Fischereihafen

Wir überquerten die Drachenbrücke, auch dort war Fotopunkt. Wir besuchten die Phap Lam Pagoda, wanderten den Strand entlang zur Han River Bridge und fuhren mit dem Taxi zum Fischerhafen, wo kleine Nussschalen am Strand auf ihre Fischer warteten, um sie zu den Fischerbooten in der Bucht zu bringen. Wir sind hier am Südchinesischen Meer, an der Ostküste von Zentralvietnam. Am Strand konnte man noch die Reste der Opfergaben zum Neujahrsfest erkennen. Wellen hatten die Gaben wohl erwischt. Nun lagen die Reste: Gelbe Blumen, Obst, Getränkeflaschen und ähnliches am Strand. Sie werden ihren Zweck erfüllt haben und den Spendern ein besseres Karma bescheren – so man daran glaubt…

Kirchen und Pagoden

Wir ließen uns mit dem Taxi zurück in die Stadt zum Cao Dai Tempel bringen, genossen in einem netten Café Zimttoast mit Eiscreme und schlenderten danach zur katholischen Kathedrale. Das rosa Gebäude scheint die Vietnamesen ebenso als Fotokulisse zu inspirieren wie die Blumendekos an der Promenade. Merkwürdig fand ich, dass auffällig viele Frauen mit extrem kurzen Röcken dort herumliefen. Bei den Pagoden sieht man das nicht, es würde wohl auch als nicht angemessen angesehen. Die Kirche war allerdings auch nur ein paar Meter zu betreten, bis ein Stoppschild den Durchgang verbot. Vor der Kirche waren Absperrbänder gespannt, die gar keinen Sinn machten, denn man konnte auf beiden Seiten an ihnen vorbeilaufen. Nach einer Weile kam ein Mitarbeiter, wohl der Küster, mit Spendenkästen nach draußen und stellte sie neben die Absperrung. Er bereitete anscheinend den darauffolgenden Gottesdienst vor.

Sun Whell Vergnügungspark, oder wie die Preise an Tet steigen

Wir verließen den Ort und machten uns auf den Weg zum Sun Whell Vergnügungspark. Stefan wollte unbedingt mit mir Riesenrad fahren. Als wir ankamen, mussten wir feststellen, dass der Eintrittspreis aufgrund des  Neujahrsfestes sich verdoppelt hatten auf 10€ pro Person. Das war uns zuviel, zumal wir nicht wussten, ob die Fahrgeschäfte evtl. noch extra etwas kosten würden. Wir fuhren mit einem Taxi zurück zum Hotel. Der Fahrer fuhr wie ein Verrückter, wechselte ständig die Spur oder fuhr einfach auf zwei Spuren und scherte scharf aus.

Hungern am Neujahrsfest

Wir waren froh, als wir heil wieder im Hotel landeten. Nach einer Dusche und einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg, etwas zum Abendessen zu suchen. Das Hotelrestaurant hatte wieder geschlossen, obwohl uns an der Rezeption am Vorabend gesagt wurde, heute hätte es geöffnet. Wir machten uns also in der Umgebung auf die Suche. Das erwies sich allerdings als richtig schwierig. Zum Einen hatten wie am Vortag viele Restaurants und Geschäfte wegen Neujahr noch geschlossen, andere boten heute nur Getränke an, oder es war absolut nichts vegetarischen im Angebot. Letztendlich fanden wir einen kleinen Stand 50Meter vom Hotel entfernt, wo wir aufgebackene Brötchen mit Ei, Koriander und Möhrensalat erwarben. Damit begaben wir uns zurück ins Hotel, froh nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen. Das war gerade noch einmal gut gegangen!

Hoi An – überlaufenes Weltkulturerbe