Wir brauchten dieses Jahr lange, um uns zu entscheiden, wohin die Reise gehen sollte. Womi hatte schließlich zum vielleicht ersten Mal (?) den TÜV ohne Beanstandung beim ersten Mal bestanden. Welch schönes Ergebnis zum 30.Geburtstag unseres treuen Reisebegleiters! Wir erwogen in Frankreich entlang von Flüssen wie der Loire zu fahren, was aber immer mit viel Vorsicht verbunden gewesen wäre, weil nahezu alle größeren Städte Umweltzonen sind. Dann wurde es im Juni auch noch brüllend heiß in Europa, sodass wir bereits im eigenen Land, in unserer kühlen Wohnung, das Klima kaum noch erträglich fanden, also fiel Frankreich aus. Wir hatten es vor ein paar Jahren in Sizilien erlebt, was 40Grad Außentemperatur im Womi bedeuten das brauchten wir nicht nochmal. Stefan wünschte sich, nach Finnland zu fahren, aber leider ist die Anfahrt dorthin extrem lang und wir waren 2023 auf der Ostseerundfahrt bereits an vielen Orten unterwegs gewesen. Wir entschieden uns: „wir fahren erstmal los Richtung Norden, gucken uns in Dänemark ein wenig näher Jütland an und dann sehen wir weiter“.
15.7.26 Bad Harzburg – Salzhausen in der Heide
Unser erster Tag brachte uns in unsere alte Heimat, die Lüneburger Heide. Allerdings ist Salzhausen eine Ecke weiter nördlich, nicht weit von Lüneburg. Natürlich sind wir die lange Strecke – 211km – nicht in einem Stück durchgefahren 😅. Wir legten einen Zwischenstopp im Charity Shop in Soltau ein und ich war danach um 2 Paar Wanderschuhe (konnte mich nicht entscheiden) und ein Paar Badelatschen für Stefan reicher. Wenn wir so weitermachten, würden wir schon vor der dänischen Grenze umkehren müssen wegen Übergewicht!
In Salzhausen fanden wir ein schattiges Plätzchen beim Waldbad zum Übernachten, aber wir hatten dennoch 28⁰ im Womi. Nachts kühlte es zum Glück ab. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang durch den Ort, den wir ganz nett fanden, besonders weil er eine gute Eisdiele hatte. Danach ließen wir bei Campingmahlzeit und kaltem 0% Bier den Abend gemütlich ausklingen.
Donnerstag, 16.7.26: Salzhausen – Rantrum
Wir vertraten uns unterwegs Richtung Norden in Pinneberg die Füße, nachdem wir in Hamburg eine Weile im Stau gestanden hatten. Zumindest die Innenstadt konnte uns nicht unbedingt vom Hocker reißen. Danach fuhren wir bis in ein unscheinbares Örtchen in SH namens Rantrum, etwas südwestlich von Husum. Da wir SH 2020 schon ziemlich ausgiebig erkundet hatten, guckten wir dieses Mal auf der Durchreise eher nach günstigen Stellplätzen, bzw. welchen, die ihren Preis wert waren. Der in der ersten Nacht in Salzhausen hatte für 10€ eigentlich zu wenig zu bieten. Wasser, Strom kostete extra, WLAN funktionierte nicht und die bei Park4night angebotene Toilette war eigentlich auch nicht vorhanden, es sei denn, es war so gedacht, wie wir es gemacht haben und man fragt im Waldbad nebenan, ob man die Toilette nutzen darf. Nachts hieß es dann „Pech gehabt“. Zum Glück hatten wir eine eigene.
An diesem Tag hatten wir im Gegensatz dazu für 15€ alles inklusive, Du/WC, Strom,
V/E, ruhiges Plätzchen und direkt beim Freibad mit Kiosk. Eintritt ins Bad 5€ bzw. für Behinderte wie mich 2,50€, aber da es gerade regnerisch war, nutzten wir es nicht. Das einzige Erwähnenswerte im Ort schien ein Storchennest zu sein, ansonsten war die Landschaft sehr landwirtschaftlich geprägt. Auf den Weiden standen allerdings mehr Pferde als Kühe. Der ganze Norden (außer den Städten) ist ein Eldorado für Pferdeliebhaber. Zuvor in Salzhausen waren wir nur 2km von Luhmühlen entfernt, DEM Ort für Vielseitigkeitsturniere und das auf Weltniveau! Zwei Wochen später traten dort 18 Nationen bei der Mounted Games WM gegeneinander an im Können um Geschicklichkeit und Staffelspielen hoch zu Ross.
Am nächsten Tag planten wir, nachdem wir uns noch gut bei Lidl eingedeckt hatten, nach Dänemark einzureisen. Da die Mehrwertsteuer dort einheitlich auf alles 25% betrug, waren die Preise für Lebensmittel dort für uns besonders hoch.
Freitag, 17.7.26: Rantrum/ Deutschland – Ribe/ Dänemark
Nach einer sportlichen Einheit aus Walking und Übungen an Outdoor -Fitnessgeräten bzw. bei Stefan Jogging, einer angenehmen Dusche und einem Frühstück im Womi verbrachten wir die nächsten 1 1/2 Stunden mit Hamsterkäufen bei Lidl, Edeka und dem Baumarkt, um proteinreiche Lebensmittel und vegetarische Produkte auf Vorrat zu haben und unsere Gasflasche zu füllen. Proteinprodukte sollten laut Internet in Dänemark nahezu unbezahlbar sein und unsere deutsche Gasflasche hätten wir, wenn überhaupt, nur mit Problemen in Dänemark füllen können. Dann waren wir startbereit für unser Nachbarland im Norden. Mit einem kurzen Stopp unterwegs bei einem „Genbrug„, einem Second Hand Laden, der meist von einer gemeinnützigen Organisation betrieben wird, fuhren wir nach Ribe. Dieses schmuckeilige Städtchen hatten wir noch nie besucht und auf unserer To-Do Liste. Es ist die älteste Stadt Dänemarks und wirklich wunderschön! Den Mittelpunkt prägt der Dom. Der Ev. lutherische Dom ist die älteste Kirche Dänemarks. Nach der Holzkirche in Haitabu/ SH gilt Ribe als erster Kirchenort Nordeuropas. Der Dom ist ein interessantes Bauwerk aus unterschiedlichen Bauepochen und mit diversen Türmen. Auch ein ehemaliger Bürgerturm, der mit einer Glocke versehen wurde, um bei Sturm die Bevölkerung zu warnen, ist Teil des Ensembles. Nachdem der obere Teil dieses Turmes 1534 einstürzte, verringerte man die Höhe und heute gibt es eine Besucherplattform auf dem Dach. Die Altstadt hat liebenswerte Häuschen, teils Fachwerk, teils Backstein oder farbig gestrichen mit vielen Lädchen zum Stöbern und natürlich Gastronomie. Bei einigen Häusern in den Seitengassen standen vor der Tür oder im offenen Hausflur Flohmarktartikel, daneben eine Kasse des Vertrauens oder die Möglichkeit per Mobilpay zu zahlen. Es schien hier sehr fair zuzugehen und wenig gestohlen zu werden. Durch die Stadt fließt ein Wasserlauf, die Ribe Å, auf Deutsch Ribe Au, die auch mit Booten befahren wird. Nur ein paar Minuten Fußweg von der Altstadt entfernt fanden wir einen riesigen Parkplatz mit einem markierten Teil für Wohnmobile, wo man 48Std. kostenlos stehen durfte. Es gab sogar eine öffentliche Toilette und Ver- und Entsorgung.
So durfte es gerne weitergehen! Auch das Wetter hatte wieder gut mitgespielt. Sonne, ca. 29⁰ und abends kühlte es angenehm ab für die Nacht.
Samstag, 18.7.25: Ribe – NP Wattenmeer – Ausflug Mandø
Am Morgen fuhren wir nach dem Frühstück auf dem sehr angenehmen, kostenlosen Womi- Parkplatz in Ribe, zum Nationalparkhaus Wattenmeer. Ab hier fuhren je nach Gezeiten täglich morgens mit Traktoren gezogene Busanhänger auf die Insel Mandø. Die Rückfahrt war dann am Nachmittag. Es war nur jeweils 2 Stunden bei Ebbe möglich, zur Insel rüberzufahren. Das ging auch per Rad oder Auto, aber wir waren uns nicht sicher, ob der Weg fest genug war, für Womi. Wir wollten nicht im Schlamm stecken bleiben und außerdem war es auch ein nettes Erlebnis, mit dem Traktorbus auf dem offenen Dach durchs Watt zu fahren. In oder eigentlich ja auf Mandø machten wir einen netten Walk von ca. 8 km zum Wattenmeer und hinter den Dünen entlang an Weiden und typischer Inselnatur. Zum Schluss besuchten wir noch das kleine Örtchen, wo wieder ein paar Einwohner ihre Loppis- Angebote (Flohmarktartikel) rausgestellt hatten. Es war nichts Interessantes für uns dabei, aber stöbern macht immer Spaß. Hübsche, teils reetgedeckte Häuser, Café und Lädchen und eine kleine, weiße Kirche bildeten das Zentrum, ab dem die Traktorbusse wieder zurückfuhren.
Die Insel ist seit dem 14.Jahrhundert besiedelt und das Leben wird seit eh und je von der 1 Milliarde Kubikmeter Wasser, die zweimal täglich aus dem Wattenmeer hereinströmt und wieder abfließt, bestimmt. Es gab sogar eine Zeit, in der durch Sturmflut ein Teil der Insel abbrach und sie in zwei Teile teilte, die im Laufe der Zeit wieder zusammenwuchsen. 10-12 Millionen Zugvögeln bietet das Wattenmeer Nahrung. Diese von der Natur abhängige Lebenswelt erschuf eine eigene Kultur und Kulturlandschaft, die von der UNESCO geschützt ist.
Die Nacht nach dem Ausflug übernachteten wir auf dem Parkplatz des Nationalparkhauses. Ohne Campingverhalten war das erlaubt.
Sonntag, 19.7.2026: Parkplatz NP Wattenmeer bei Ribe – Esbjerg
Wir fuhren weiter nach Esbjerg, obwohl die fünftgrößte Stadt Dänemarks eigentlich eine Hafen- und Industriestadt war und außer der Skulpturengruppe „Der Mensch am Meer“ nichts besonders Sehenswertes zu bieten haben sollte. Was uns anzog, war die Info bei Park4night, dass beim Wohnmobilparkplatz am Strand eine öffentliche Sauna kostenlos nutzbar wäre! Bei regnerischem Wetter und stark abgekühlten Temperaturen auf ca. 14⁰ lockte uns dieses Angebot doch sehr. Wir hatten Glück und fanden am Morgen auch noch einen Platz für unser Womi und machten dann erstmal einen langen Spaziergang entlang des Strandes – zu der Zeit Watt, weil Ebbe – und bewunderten natürlich die riesige Skulptur. Das Wetter wechselte zwischen Tröpfeln und ein paar Sonnenstrahlen und war eigentlich sehr angenehm. Als wir zurückkamen, wollten wir die Sauna besuchen, aber es stellte sich heraus, dass die kostenlose Nutzung nur von 6-8 und von 17-19Uhr angeboten wurde, wie wir von einer deutschen Touristin aus Lüchow-Dannenberg erfuhren. Sie rettete uns vor der Kälte, denn wir standen ziemlich verzweifelt um 16Uhr in Badeklamotten vor der verschlossenen Tür, obwohl schon Leute drin waren. Schätzungsweise konnten Einheimische gegen Bezahlung einen Chip erwerben, oder es handelte sich um Mitarbeiter der Wasserskianlage nebendran.
Wir machten also noch eine Kaffeepause im Womi und stürzten uns um 17Uhr ins Vergnügen. In einem halbrunden Bau direkt am Wasser fanden wir Umkleidekabinen und Toiletten vor, eine Sauna mit Panoramablick aufs Wasser, in dem man nicht nur schwimmen und sich abkühlen, sondern theoretisch auch eine Art Wasser-Seilgarten nutzen konnte, wirklich klasse gemacht. Duschen gab es draußen und drinnen, sowie einen Picknicktisch davor. Wie alle anderen gingen wir in Badezeug in die Sauna, die auch von den Dänen gut genutzt wurde. Es gab große Unterschiede zum deutschen Saunaverhalten. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Manche Dänen trugen Filzmützen auf dem Kopf, was auch in anderen skandinavischen Ländern üblich sein soll und immer wieder machte einer von ihnen einen Aufguss. Es standen diverse Wasserflaschen mit unterschiedlichen Aufgussdüften herum, die dafür Verwendung fanden. Ob hier jeder sein eigenes Zeug mitbrachte? Stefan beobachtete sogar, dass Leute aus den Flaschen tranken! Keine Ahnung, was das für Zeug war, auf jeden Fall wurde es ein Duft-Gemisch, es war aber nicht unangenehm. Lange Pausen zwischen den Saunagängen machte keiner. Sauna-Bad im Meerwasser- Sauna usw. Nach zwei Runden machte ich Schluss, tauchte kurz im Meer unter und duschte danach in angenehm lauem Wasser – auf jeden Fall fühlte es sich nach dem Meer so an – und lief mit der Deutschen, die wir natürlich in der Sauna wiedergetroffen hatten, zurück zum Womi. Das war doch mal ein super angenehmes Angebot, der Stadt sei Dank!
Montag, 20.7.2026: Esbjerg – Tagesbesuch Insel Fanø – Janderup Festry Campground (nordwestlich von Varde)
Mit weinendem Auge verließen wir unserem Womiparkplatz in Esbjerg am Morgen. Wir hatten uns entschieden, zu Fuß mit der Fähre auf die Insel Fanø zu fahren, um dort zu wandern. Da es aber über 3 km zur Fähre waren, konnten wir nicht auf unserem Platz bleiben und wollten eigentlich am Nachmittag ja auch weiterziehen. Wir parkten auf dem nächsten kostenlosen Parkplatz Richtung Hafen und fuhren dann für 5,89€ zusammen zum „Rentnertarif“ hin- und zurück auf die Insel. Es ist nicht alles teuer in Dänemark! Wären wir auf der Insel jedoch Bus gefahren, hätte jeder dasselbe in etwa für eine einfache Fahrt von 20 Minuten bezahlt. Leider, denn es wäre super gewesen, auch nach Sønderho ans andere Ende der Insel zu kommen. So wanderten wir eine Runde von Nordby nördlich durch Dünengebiet, was mehr auf und ab war als es die Natur eigentlich vorgesehen hatte, denn überall waren alte Bunker der Deutschen Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg unter Hügeln versteckt. In manchen Befestigungen, die wahrscheinlich fürs Kanonenfeuer dienten, waren jetzt Grillplätze. Auch an einer Schießanlage für Jäger kamen wir vorbei. Nach ein paar Kilometern kamen wir in den süßen Ort zurück, wo es ziemlich lebhaft von Radtouristen wurde. Auf der Wanderung begegneten wir nur wenigen. Viele kleine Geschäftchen mit Keramik, Kleidung und Souvenirs wechselten sich mit Cafés und Restaurants ab, in gemütlichen Biergärten und teils reetgedeckten Häusern. Was die Orte im Norden besonders hübsch machte, waren die bunten Gärten und Blühstreifen überall mit einer Vielzahl an Blumen. Wir kauften uns jeder ein Teilchen und leerten durstig fast komplett eine 2-Literflasche Mineralwasser mit Zitronenaroma, die dankenswerterweise ohne Zucker und Süßstoff war. Dann fuhren wir zurück an Land, besuchten einen Genbrug, wo ich mir ein T-Shirt kaufte und fuhren dann zu unserem Campingplatz. Dieses Mal war es kein Stellplatz, sondern ein privater Campingplatz mit nur 3 Stellplätzen, V/E, einer richtigen Küche und einem Bad mit Waschmaschine. Inklusive einer Wäscheladung zahlen wir nur 21€, was wirklich ein Schnäppchen war und außerdem sehr gemütlich.
Dienstag, 21.7.26: Janderup Festry Campingplatz – Varde – Wanderung Heidegebiet bei Tirpitz – Wanderung im Dünengebiet Grærup Fiskesø (Übernachtungsplatz)
Wir beendeten unseren angenehmen Aufenthalt auf dem Campingplatz Janderup Festry morgens nach dem Frühstück mit all den Notwendigkeiten eines Camperlebens: Abwasser- und Toilette entleeren und Frischwasser tanken. Über Nacht konnten wir wieder alle Akkus und Handys laden, weil wir einen Stromanschluss hatten, und so kochte ich am Morgen auch unseren Kaffee auf unserer Induktionsplatte und briet uns leckere Spiegeleier. Mit frischer Wäsche, startklarem Womi und frischgestärkt war unser erstes Ziel der Ort Varde. Das Städtchen war an sich schon nett, aber richtig begeistert waren wir von den Gemälden von Otto Frello im gleichnamigen Museum. Irgendwie war dieser Künstler uns bisher noch nicht über den Weg gelaufen, dabei waren seine fantasiereichen Bilder es auf jeden Fall wert. Sie hatten eine derart starke Ausstrahlung und waren so detailreich, dass man lange vor ihnen verharren konnte und immer wieder Neues sah. Selbst die kleinsten Gesichter hatten noch so deutliche Konturen, dass man die Gefühle der Person nachempfinden konnte. Der dänische Maler lebte von 1924 – 2015, wurde in Varde geboren und starb in Kopenhagen. Die Gemeinde Varde beschreibt seine Kunst so:
„Berühmt wurde er für seine detailreichen, realistisch gemalten Bilder, in denen er Alltagsszenen mit fantasievollen und oft surrealen Elementen verbindet. Seine Werke laden den Betrachter dazu ein, immer neue Details zu entdecken.“
Uns hat seine Kunst begeistert.
Danach fuhren wir Richtung Tirpitz, wo wir in einem Heidegebiet wanderten. Es gab hier ein extra Gebiet für Hunde(-besitzer). Dummerweise verlief ein Teil unserer Komoot- Wanderung gerade dadurch, statt außerhalb. Nicht gerade zu meinem Wohlgefallen:( denn hier durften die Vierbeiner frei herumlaufen und taten es natürlich auch.
Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fanden wir ein wunderschönes Dünen-Heide-Gebiet mit See zwischen Grærup und Grærup Strand. Wir standen mit ein paar anderen Wohnmobilen und hatten eine herrliche Aussicht. Obwohl ich schon über 15000 Schritte gelaufen war, schlug ich begeistert vor, noch den Wanderweg rund um den See zu laufen, was meine Schrittzahl auf 18422 an diesem Tag erhöhte. Wenn wir so weitermachten, würde das mein sportlichster Womiurlaub aller Zeiten! Ich hielt es bisher nämlich durch, mir morgens ein stilles Plätzchen für eine Gymnastik- oder Tai-Chi Einheit zu suchen und versuchte mich auch unterwegs so proteinreich und gesund wie möglich zu ernähren und wenig zu naschen. Das soll aber nicht heißen, dass ich darbte:)
Mittwoch, 22.7.2026: Dünengebiet Grærup Fiskesø: Ausflug zum FLUGT Flüchtlingsmuseum Oksbøl
Da das Wetter heute nicht besonders und sogar Regen angesagt war, besuchten wir das FLUGT- Museum in Oksbøl. Während der deutschen Besatzung von 1940-45 hatte die deutsche Wehrmacht hier einen Truppenübungsplatz mit Kasernen, Krankenhäusern und Ausbildungsbaracke. Das Gelände wurde nach der deutschen Niederlage den Dänen übergeben, die es zum größten dänischen Flüchtlingslager umfunktionierten. Von den rund 250000 Deutschen aus den verlorenen Ostgebieten wurden zeitweise bis zu 35000 in diesem Lager untergebracht. Da die Gebäude zuvor für 12000 Soldaten gebaut wurden, kann man sich die Enge vorstellen, die bei den durch die Flucht geschwächten Menschen den Ausbruch von Krankheiten förderte und besonders bei Kindern zu vielen Todesfällen führte. Die dänische Regierung erkannte aber schnell, dass sie sich kümmern musste, so wurden Impfkampagnen durchgeführt, die Essens- und Medikamentenrationen erhöht und für Arbeit, Bildung, Unterhaltung und Demokratiesierungsmaßnahmen gesorgt. Das größte Manko für die Flüchtlinge war wohl der Zaun rundherum. Es wurde strikt versucht, die dänische Bevölkerung und die Flüchtlinge zu trennen, um keine Nazi-Propaganda ins Land zu lassen, aber auch zum Schutz der Flüchtlinge, die bei den Dänen nach Jahren der Unterdrückung durch die deutsche Besatzung verhasst waren. Es wurden Blocks gegründet, die ihre Sprecher in einem Rat des Gesamtlagers wählten und sich auch ihren eigenen, deutschen Bürgermeister wählten. Die Flüchtlinge organisierten zu großen Teilen das Lagerleben selbst mit Verpflegung, Arbeitsverteilung, Organisation von Feiern und Theatervorführungen etc. So sollten die Deutschen an demokratische Strukturen gewöhnt werden. Es wurde Wert auf Bildung gelegt, so entstanden Schulen, wobei darauf geachtet wurde, dass keine Nazi-Propaganda unterrichtet wurde. Alle Fächer bis auf Dänisch und Geschichte wurden gelehrt, denn es stand von Anfang an fest, dass die Flüchtlinge nach Deutschland geschickt würden, sobald das zerstörte und im Chaos versunkene Land eine Aufnahme ermöglichen konnte, was Ende 1946 möglich war. Flüchtlinge über 14 Jahre mussten arbeiten, nicht nur, um einen Teil der enormen Kosten für das Lager mitzufinanzieren, sondern auch, um die Menschen abzulenken von ihrem Schicksal, ihnen zu ermöglichen, Wertschätzung zu erlangen und Perspektiven aufzubauen, statt in Agonie zu verfallen. Natürlich ist ein Flüchtlingslager immer mit haufenweisen Leid verbunden, bedeutet Unfreiheit, Enge, Krankheiten und zahlreiche Todesopfer, aber die Ostflüchtlinge hatten mit diesem Lager und Dänemark sicher Glück, denn wären sie den russischen Soldaten in die Hände gefallen, hätte ihr Schicksal ganz anders ausgesehen.
Das Museum heute ist im ehemaligen Krankenlager errichtet worden. Alle anderen Baracken und Einrichtungen wurden nach der Rückführung der Flüchtlinge von dänischen Kriegsdienstverweigerern abgebaut und z.T. an anderen Orten als Schulen o.ä. weitergenutzt und das Gelände wieder aufgeforstet. Das hochmoderne Museum wurde 2022 eröffnet. Es bestand aus einem Teil, der Fluchtgründe und Flüchtlingsschicksale aller in Dänemark je aufgenommenen Nationalitäten vermittelte und einem anderen Teil, der von den deutschstämmigen Ostflüchtlingen in diesem Lager handelte. Für beide Teile erhielt man einen Audioguide und wurde so durch die gesamte Ausstellung geführt, inklusive einer nachgestellten Baracke und eines fast 3km langen Weges durch den Wald, der die Größe des ehemaligen Lagers erfahrbar machte, an Resten wie einem Feuerwachturm und symbolisch nachgebautem Theater und einer Schule vorbei und zu einem Friedhof. Im Gebäude gab es jeweils Infostellen, wo über die jeweilige politische Situation, die zur Flucht aus dem bestimmten Land führte, berichtet wurde und daneben nachgestellte Räume eines bestimmten Flüchtlings, der dann von seiner ganz persönlichen Situation berichtete. Es handelte sich immer um Kinder und Jugendliche, die von ihrem Schicksal berichteten, was es für den Besucher noch emotionaler machte. Auch der Besuch in der Baracke wurde per Audioguide so inszeniert, dass ein junges Mädchen einen durch die Räume führte, als würde man das Lager während der Nutzung besuchen. So sprach sie z.B. andere Bewohner an und fragte sie, was sie gerade machten, fragte, wer abends zur Theaterprobe käme oder ein Kind, wie es in der Schule liefe. Genauso war die Führung über das Gelände gestaltet. Im Hintergrund waren immer Stimmen, Geräusche, draußen Vögel und das Knirschen des Kiesweges unter den Füßen zu hören, sodass man sich wirklich in die Situation versetzen konnte. Wir waren mehrere Stunden dort und von der Umsetzung des Inhaltes absolut begeistert. Da es nicht nur um dänische Geschichte, sondern vor allem auch deutsche ging, bewilligte 2019 auch der Deutsche Bundestag 1,3 Mio. Euro zur Umsetzung dieses Museums.
Am frühen Abend, nachdem wir über 100€ in unseren Tank gesteckt hatten, weil Dänemark mit fast 2,30€ pro l Diesel mit zu den teuersten Ländern Europas gehörte, begaben wir uns wieder zu unserem kostenlosen Parkplatz aus der letzten Nacht zur Übernachtung. Wir wanderten noch eine kleine Runde über die Dünen zum Strand und kochten uns danach im Womi etwas zum Abendessen.
Donnerstag, 23.7.26: Dünengebiet Grærup Fiskesø – Wanderung beim Filsø – Wanderung bei Seilfähre Skejn A – Tarm
Nachdem Stefan am Vortag Laufpause hatte und ich auch einen Ruhetag eingelegt hatte, d.h. morgens kein Workout, 8 km gewandert waren wir schon, war nun ein richtiger Aktivtag angesagt. Wir fuhren von unserem Übernachtungsplatz nördlich zum Filsø (Sø verrät immer, dass es sich um einen See handelt)und wanderten dort am See in einem sehr schönen Naturschutzgebiet rund 9 km. Von einem Vogelbeobachtungsturm aus konnten wir unterschiedliche Schwalbenarten beobachten und auf einem Dammweg übers Wasser laufen. Danach war es noch nicht genug mit dem Laufen, ich hatte noch ein anderes Naturschutzgebiet ausfindig gemacht, wo man sich per Seilfähren, sogenannte Trækfaehren selbst über Flussläufe ziehen konnte. Das fand ich spannend, also drehten wir auch dort noch eine ca. 4 km lange Runde und fuhren dabei 4x Fähre. Das machte Spaß, aber ich erwartete für den nächsten Tag Muskelkater 😂. Die folgende Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz vor dem Schwimmbad und Fitnesscenter des Ortes Tarm. Wir konnten sogar für 55Kronen (7,36€) pro Person/Tag das Fitnesscenter nutzen, aber ich hatte keine Indoor-Sportschuhe mit. Stefan erwog das für den kommenden Morgen. Ich war schon happy, im Eingangsbereich freies WLAN und die Toilette nutzen zu können. Es gab auch eine TT- Platte, aber für die Nutzung hätten wir 100 Kronen zahlen müssen, obwohl wir selbst Schläger mithatten. Ziemlich unlogisch die Preisgestaltung.
Freitag, 24.7.26: Tarm – Skjern – Tarm
Da wir vorm Fitnesscenter übernachtet hatten, nutzte Stefan die Chance nach dem Joggen eine Tageskarte für 55DKK (7,36€) zu kaufen und gleich eine Runde Krafttraining anzuschließen. So bekam er auch gleich eine warme Dusche nach dem schweißtreibenden Training. Ich machte mein eigenes Workout auf der Wiese bzw. an einer Bank und ließ es mir danach im Fitnesscenter bei einem Kaffee gutgehen und habe dabei Handy geladen und das WLAN genutzt, bevor ich Frühstück vorbereitete. Danach verbrachten wir den Tag nahezu komplett mit Stöbern (und Shoppen). In den zwei Orten Tarm und Skjern, die zusammen gerade mal ca. 11400 Einwohner hatten, gab es 5 Genbrugs, also Sozialkaufhäuser! So eine Häufung hatten wir zuvor nur in UK und ggfs. in Neuseeland erlebt. Ein Paradies für uns😍! Wir fanden zu unserem Künstlerteller von Poul Pava,
Poul Pava geb. Lausen (geboren am 10 Februar 1967 in Ribe) ist ein dänischer Maler und Handwerker. Poul Pava malt in einem naiven und spontanen Stil mit Motiven der menschlichen Form. Die Bilder sind oft „kindlich“ in ihrem Ausdruck. Er ist besonders bekannt für eine Reihe von Tellern, Tassen und anderem Geschirr mit seinen Motiven, die von Aida hergestellt wurden.
Poul Pava lebt auf Bornholm.(Wikipedia)
den wir damals auf der Ostseerundreise second Hand gekauft hatten, passende Porzellanbecher mit derselben Bemalung, außerdem Badelatschen, Messerschleifer, T-Shirt… Am liebsten hätte ich für unser zukünftiges Enkelkind noch ein paar süße Gummistiefel mitgebracht, aber das wäre wohl mindestens 1 1/2 Jahre zu früh gewesen;))
Außer den Genbrugs haben wir noch eine TooGoodToGo-Tüte mit gutem Obst und Gemüse beim Netto für etwas mehr als 3€ erstanden. So ließ es sich auch bei dänischen Preisen überleben. Um nicht nur einkaufen zu gehen, haben wir noch den Vandhavener besucht, einen Park, der sich wie eine grüne Linie durch den Ort zog, mit einer Anlage, wo man über Platten durchs Wasser laufen konnte – sicher gut zum Fangen spielen für Kinder -, einem Spielplatz und Stationen mit Anregungen für Kinder zum Hören, Rechnen, Erzählen etc. Überhaupt fanden wir überall wo wir hinkamen viel Angebote für Kinder und überall Rad- und Wanderwege.
Wir entschieden, auch diese Nacht vor dem Fitnesscenter zu übernachten und erst am kommenden Tag weiter Richtung Norden zu fahren.
Samstag, 25.7.26: Tarm – Tipperne – Hvide Sande – Søndervig -Ulfborg
Nach dem Frühstück besuchten wir gemeinsam den Park Forsøgshavn in Tarm und Stefan versuchte sich an den Sportstationen, die ich zuvor als Workout probiert hatte. Probieren trifft es eigentlich am besten, denn es war nicht nur Balance gefragt, sondern teils handelte es sich wohl um Trainingsmöglichkeiten für den Extremsport Parcours. Das war für uns dann doch nicht so das Richtige. Den Park an sich fanden wir aber super. Eine Mischung aus Naturerlebnispfaden, Picknickecken, Ruhebänken, einer überdachten Bühne, Basketball -/ Fußballfeld, einem Spielplatz und integriert aus Holz oder Beton Trainingsstationen. Etwas dumm war, dass es keinerlei Beschreibung dazu gab.
Nach diesem sportlichen Event verließen wir den kleinen Ort Tarm, der für unseren Geschmack aber mehr zu bieten hatte als manche Stadt. Unser erstes Ziel war das Natur- und Vogelschutzgebiet Tipperne. Man durfte nur zu bestimmten Zeiten hineinfahren und auch bis zum Parkplatz nicht das Auto verlassen. Es gab einen kleinen Rundweg, sowie einen Vogelbeobachtungsturm und ein sehr schönes, reetgedecktes Haus. Vögel haben wir leider kaum gesehen, aber der Bewuchs und die Aussicht haben den Besuch schon lohnend gemacht. Von dort sind wir auf dem schmalen Damm zwischen Nordsee und Ringkøbing Fjord gefahren und haben einen Stopp in Hvide Sande gemacht. Da es sehr voll von Touristen dort war, mussten wir eng parken und ich bin nach dem Aussteigen über einen knöchelhohen Drahtzaun auf den Bürgersteig gestürzt. Ich hatte den Zaun nicht gesehen, weil es einfach nur ein Draht war, der durch Bewuchs versteckt war. Schuld war ich dennoch, ich hätte das Womi halt nach hinten verlassen müssen, aber es war so verdammt eng. Nun ja, Schürfwunden an Händen und dem Fuß, der hängengeblieben war und ein blaues Knie würde ich überleben. Zum Trost kauften wir uns einen leckeren Kuchenstreifen mit Pflaumenfüllung. Mm, lecker, das musste aber eine Ausnahme bleiben!
Hvide Sande war uns zu voll und lebhaft, auch wenn es sicher nett war, ein Ferienhäuschen dort in den Dünen zu haben. Als Orte waren uns aber die beschaulichen Örtchen, in denen wir bisher waren, lieber.
Unser Ziel war jedoch das Sandskulpturenfestival in Søndervig. Künstler aus aller Welt erstellen dort jedes Jahr Skulpturen aus Sand zu einem speziellen Thema. Dieses Jahr war das Motto „1001 Nacht“. Zu jeder Skulptur gab es eine Beschreibung, das heißt, wir tauchten für eine Welt in die Märchenwelt von Aladin und Scheherazade ein und versetzten uns vom hohen Norden in den Orient. Die Skulpturen waren richtig gut und riesig. Auf einer ca. 200m langen und 7m hohen Skulpturenwand und weiteren Einzelwerken davor schafften 33 der weltbesten Bildhauer einzigartige Kunstwerke, die ab 1.November wieder von Baggern abgerissen werden, damit im nächsten Jahr wieder etwas Neues entstehen kann.
Laut KI trotzen die Figuren normalen Witterungsverhältnissen folgendermaßen:
Die Sandskulpturen trotzen dem Wetter an der dänischen Westküste durch vier Faktoren:
Spezial-Sand: Eckige Sandkörner aus einer Kiesgrube mit hohem Tonanteil verzahnen sich fest miteinander.
Extreme Pressung: Der Sand wird mit Wasser schichtweise in Formen gefüllt und mit Rüttelmaschinen hart wie Sandstein gepresst.
Schwammeffekt: Regen perlt nicht ab, sondern sickert durch die Skulptur hindurch, ohne die Oberfläche zu beschädigen.
Schutz-Spray: Eine dünne, umweltfreundliche Kleber-Zucker-Mischung auf der Oberfläche schützt vor Wind und Erosion.
Bei kleinen Schäden durch Hagel oder Dauerregen bessern die Künstler die Figuren vor Ort aus.
Danach verließen wir das Fjordgebiet Richtung Inland, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Erst fuhren wir einen Bauernhof- Campingplatz an, der aber 20€ kostete und dafür war nichts beschildert, keine Erklärung, wo man entsorgen konnte, das Café, in dem man angeblich gut essen konnte, war eine chaotische, zugestellte Scheune mit Bar, es gab ein verdrecktes Klo, bei dem nicht klar war, ob es die Toilette oder der Ausguss für das Womi- WC war und Niemand, den man fragen konnte, nur ein Briefkasten für die Bezahlung! Letzteres fanden wir an sich angenehm, aber dann musste die Ausschilderung stimmen. Wir fuhren weiter nach Ulfborg, einem ziemlich verschlafenen Ort, zumindest am Samstagabend, wo die Gemeinde aber Parkplätze für Womis ausgewiesen hatte. Es gab halt keinerlei Dienstleistungen, aber dafür war der Platz kostenlos, wir hatten genug Strom und Wasser sollte bis zum nächsten Tag auch reichen. Pünktlich zur Ankunft begann es zu regnen, so machten wir uns einen faulen Abend im Womi.
Sonntag, 26.7.26: Ulfborg – Wanderrunde vom Præstbjerg Naturcenter – Holstebro
Ich war an diesem Morgen mal wieder total baff im Anbetracht des dänischen Vertrauens. Auf der Suche nach einem Plätzchen für mein Workout kam ich an der Stadtbibliothek vorbei und die hatte offen! Allein, dass sie sonntags geöffnet hatte, begeisterte mich schon, aber sonntags ist dort Selbstbedienung! Man konnte einfach rein und dort lesen, im Computer nachschauen und als Kunde wohl auch Bücher ausleihen. Ich lud meine Powerstation und durchstöberte dabei Informationsschriften für touristische Ziele. Von draußen konnte man kostenlos auch eine Behindertentoilette nutzen. Stefan hat sich dort nach dem Laufen gewaschen. Welch ein Service und welch ein Vertrauen! Es gab auch Geschäfte, die man mit einem Code betreten konnte (schätzungsweise als Einwohner) und dort einkaufen, ohne dass jemand dort arbeitete. Das dürfte die Zukunft auch bei uns sein, wenn die Gesellschaft immer weiter schrumpft.
Nach dem Frühstück brachen wir auf in ein Heidegebiet beim Præstbjerg Naturcenter. Es war nur eine kurze Wanderung, weil es dann anfing zu regnen, aber die Landschaft war sehr schön und erinnerte sehr an Bispingen. Neben dem Naturschutzgebiet gab es eine riesige Weide mit merkwürdig aussehenden Metallbehältern. Es stellte sich heraus, dass in ihnen Schweine Unterschlupf fanden, die ansonsten frei in der Natur leben durften. Noch dazu gab es eine ganze Horde süßer Ferkel, die uns vom Zaun aus beobachteten, dann aber von ihrer Mutter zurückgescheucht wurden. Leider war vor dem Zaun ein Graben und hohes Gras, sodass ich sie hinterm Zaun nicht fotografieren konnte.
Da das Wetter unbeständig blieb, nutzten wir den Nachmittag, um nach Holstebro zu fahren, wo es zwei große Loppes-Supermärkte gab. D.h. in den Supermärkten mieten Leute Regale und stellen ihre Flohmarktartikel dort aus. Eine der Ausstellerinnen, der wir weitere Teile des schönen Geschirrs des dänischen Künstlers Poul Pava abkauften, erzählte uns, dass ein Regal, ca. 1m breit, 2m hoch, 50cm tief 500DKK (66,87€) für 5 Wochen kostet und 17% der Einnahmen für verkaufte Gegenstände ginge ebenfalls an die Supermarktbetreiber. Bei Kirpu, die eine ganze Kette dieser Märkte im Land betrieben, seien es sogar 600DKK für nur 4 Wochen und 18% Umsatzbeteiligung. Schon klar, dass die Preise hier höher waren als bei den Genbrugs, die ja für gute Zwecke Dinge verkauften, die sie kostenlos bekamen. Die Dänen lieben aber beides und wir lieben es, in den Geschäften zu stöbern und finden auch häufig etwas Interessantes, zum Leid unseres Womis, das es nachher schleppen muss🤭
Da wir das Städtchen selbst eigentlich auch gerne noch länger durchstreifen wollten, entschieden wir uns, einen der kostenlosen Womiparkplätze zur Übernachtung bei einem Kvickly Supermarkt anzufahren. Eigentlich wollte ich diese Nacht mal wieder auf einen Stellplatz mit Dienstleistungen, um z.B. zu duschen und Womi zu ver- und entsorgen, aber das entschieden wir, anders zu lösen, indem wir am kommenden Tag ins Schwimmbad gehen, dann ggfs. noch etwas angucken und danach bei einer Autobahnraststätte in der Nähe unser Womi wieder fit machen wollten.
Als es gegen frühen Abend aufhörte zu regnen, schlenderte wir durch die Innenstadt und fanden etliche interessante Skulpturen. Wir besorgten uns einen Salat und kamen gerade rechtzeitig, bevor es wieder tröpfelte, zum Womi.
Montag, 27.7.26: Holstebro – Lemwig
Der Tag begann eigentlich richtig gut und genauso wie geplant. Ich machte das Womi abfahrtbereit, d.h. ich baute Stefans Bett um und als er vom Joggen kam, fuhren wir ins örtliche Hallenbad. Das war echt nett, denn für 6,69€ konnten wir nicht nur gut ein paar Bahnen schwimmen und warm duschen, sondern auch noch eine richtig gute, geräumige Sauna nutzen und ein Warmwasserbecken, das zeitweise sprudelte. Ich ersetzte mein morgendliches Training draußen durch ein paar Bahnen schwimmen und etwas selbst ausgedachte Wassergymnastik im warmen Becken. Natürlich nutzte ich auch die Sauna. Nach 2 Stunden verließen wir das Bad, stöberten beim Genbrug gegenüber und fuhren dann zu Netto, um wieder eine Gemüse- und Obsttüte über TooGoodtogo abzuholen. Dieses Mal war es zwar eine Tüte für 6€, dafür bekamen wir aber auch eine Packung Weintrauben, 3 Bananen, 3 Birnen, einen Eisbergsalat, 6 Äpfel, 1 Stange Sellerie und eine Packung Cherrytomaten. Unser Vitaminhaushalt war also wieder gesichert. Nun kam unser Womi an die Reihe. Wir fuhren zu einer Raststätte, bei der wir Ver- und Entsorgen konnten. Das war dringend nötig. So weit klappte alles nach Plan, nur unsere Idee, im nächsten Ort Struer beim Womistellplatz nur unsere Wäsche zu erledigen, aber danach zu einem kostenlosen Platz zur Übernachtung zu fahren, scheiterte. Diese Hafenplätze funktionieren fast alle nur per Automat und Codes, die einem dann die Türen zu allen möglichen Annehmlichkeiten öffnen wie Duschen, Küche etc. In diesem Fall musste man einen QR-Code scannen und bekam dann die Auswahl, ob man einen Legeplatz fürs Boot im Hafen, einen Womistellplatz, Bootskran etc. buchen wollte. Man hätte dann eine Wertkarte mit Code bekommen, mit der man bestimmte Leistungen bezahlen konnte, wie ein Armband im Schwimmbad. Leider gab es die Waschmaschine nicht einzeln zu buchen. Wir kamen zwar in den Raum, benötigten dann aber zum Einschalten den Code, den wir nur bei Stellplatzbuchung bekommen hätten. Ich hatte am Vorabend schon nach Waschsalons gesucht, aber nur Reinigungen gefunden. Stefan wurde dann aber bei Maps fündig, also fuhren wir nochmal 17km weiter, um dann festzustellen, dass der blöde Waschsalon bis August Ferien hatte! Allmählich sank unsere gute Laune. Ich fand in Lemvig, wiederum dem nächsten Ort am Limfjord einen Campingplatz mit Waschmaschine. Wir hofften, dort endlich unsere Wäsche waschen und trocknen zu können, ohne zu übernachten. Es war kein Problem. Wir konnten 2Münzen kaufen und während der Wäsche auf dem Parkplatz parken. Als die Wäsche lief, informierten wir uns, wie lange die Maschine benötigte und fielen aus allen Wolken. 2 Stunden und es war bereits nach 17:00! Wir ließen uns erst den Coin für den Trockner wieder ersetzen, weil uns das zu spät zur Weiterfahrt wurde, änderten dann aber den Plan, denn die viele Wäsche hätten wir unmöglich im Womi trocknen und dann noch drin schlafen können. Also bissen wir in den sauren Apfel und checkten für eine Nacht ein. Wir hatten zumindest das Glück, dass wir nicht die volle Campingplatzgebühr zahlen mussten, sondern für 17€ auf dem Parkplatz einen Stellplatz zugewiesen bekamen. Wir nutzten die Zeit des Waschgangs für einen Besuch des Hafenörtchens Lemvig und machten uns Abendessen im Womi. Dann warten wir ab, wie lange uns nun der Trockner noch wach hielt Abend und ob dann auch alles trocken wäre. Zumindest die Landschaft hier am Fjord war sehr schön und das ganz besonders beim warmen Abendlicht.
Dienstag, 28.7.26: Lemvig – Thyborøn – Holstebro
Ich machte am Morgen Tai-Chi im Spielzimmer des Campingplatzes neben Billardtisch und Flipper. Der Vorteil war: es war trocken, keiner guckte (bis mir die Kamera auffiel 😂) und ich hatte eine Steckdose, somit habe ich mal richtig per YouTube trainiert.
Nach dem Sport hatten wir den Luxus, die sanitären Anlagen auf dem Campingplatz nutzen zu können. Ich habe mich ausgiebig in einer Waschkabine gewaschen, Stefan hat für 2DKK ca. 1,5Min heiß duschen können. Ich war froh, das nicht gemacht zu haben. Ich hätte sicher voll eingeseift unter der dann kalten Dusche gestanden. Wir hatten nach dem Frühstück dann auch die Möglichkeit, in der Campingküche unser Geschirr zu spülen. Danach ging unsere Reise nordwärts nach Thyborøn. Wir sahen uns die Gedenkstätte zur Schlacht am Skagerrak an.
Die Skagerrakschlacht (31. Mai–1. Juni 1916), war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkriegs, forderte insgesamt 8.645 Todesopfer:
🇬🇧 Großbritannien: 6.094 Tote
🇩🇪 Deutsches Reich: 2.551 Tote
Die Dänen waren neutral und daher nicht beteiligt, aber viele der Leichen wurden hier an der Küste angeschwemmt, deshalb errichtete man ein Memorial hier in den Dünen, jeweils ein großer Felsstein mit Namen des Schiffes und Zahl der Toten und dazu aus Stein gehauene Skulpturen von Menschen, die die Toten darstellten. Die Art der Gedenkstätte machte uns ähnlich betroffen wie die Kriegsgräber von Verdun. So viele sinnlos vergeudete Leben…
Thyborøn ist nur ein kleiner Ort an der Spitze der westlichsten Halbinsel am Limfjord. Der Thyborøn Kanal verbindet den Fjord mit der Nordsee. Der Ort hat jedoch so einiges auf die Beine gestellt, um Touristen anzulocken, denen die Lage und Natur nicht genug Grund sind, um hierher zu fahren. Es gibt ein Seefahrts-, ein Kriegs-, ein Wissenschafts- und Illusiions-, ein Bunker und ein Eismuseum. Letzteres, was Kunst aus Eis in einem auf Gefrierpunkt gekühlten Museum versprach, wollten wir eigentlich besuchen. Der Preis im Anbetracht der Größe des Museums und des ersten Eindrucks hielt uns jedoch davon ab. Wir wanderten am Strand entlang, sahen wieder ein paar der deutschen Bunker, aber von Krieg hatten wir genug.
Was wir aber besuchten, war das Sneglehuset, ein hübsches, kleines Häuschen, dessen früherer Besitzer, der Fischer Alfred Christian Pedersen, über 25 Jahre hinweg das ganze Haus von außen und innen mit Muscheln und Schnecken verziert hatte. Er hatte seiner Frau 1948 ein einzigartiges Haus versprochen und das ist ihm wahrlich gelungen. Es ist heute ein kleines Museum mit Souvenir Shop und einem kleinen Café, was wir besuchten.
Danach mussten wir dieselbe Strecke vom Vortag zurückfahren, denn das kurze Stückchen über den Kanal von Thyborøn nach Anger hätte auf der Fähre mit Wohnmobil und 1 Fahrer bereits über 50€ gekostet!
Unterwegs begann es wieder zu regnen, also schmissen wir den Plan, auf der anderen Seite über die Brücke des Odde Sund zu fahren zum Aussichtsturm, über den Haufen und fuhren nochmals nach Holstebro, wo wir wieder auf dem Parkplatz beim Kirkly Supermarkt übernachteten und planten, am kommenden Morgen noch einmal Schwimmbad mit Sauna zu genießen. So würden wir auch noch in den Genuss des Kunstmuseums gelangen, was beim ersten Besuch der Stadt geschlossen hatte. Wenn das Wetter dann wieder besser würde – angesagt war es – ging die Fahrt nach Norden danach weiter.
Mittwoch, 29.7.26: Holstebro – Oddesundtårnet und Kunstbunker 411 – Insel Jeginde – Parkplatz Küste Thyholm
Heute stiegen die Temperaturen bis auf 28⁰ und wir hatten nach den durchwachsenen letzten Tagen mal wieder richtig Sonne. Der Tag begann mit Schwimmen und Sauna im Hallenbad in Holstebro, danach holten wir wieder eine knackig volle TooGoodtogo Tüte vom Netto mit so leckeren Dingen wie Wassermelone, Kirschen und Blaumeeren u.v.m., und frühstückten auf dem Parkplatz. Gut gesättigt besuchten wir das Kunstmuseum, was gleichzeitig auch noch das historische Museum von Holstebro beherbergt. Außer der aktuellen Sonderausstellung der dänischen Fotografin Kirsten Klein, 80Jahre alt „Sphärisch“, die Schwarz-Weißfotos von Menschen und Landschaften in unterschiedlichen Ländern zeigte, gab es eine bunte Mischung unterschiedlichster Künstler und Kunststile. Von Picasso, Matisse, um die bekanntesten zu nennen, über den deutschen Maler Meese bis zu vielen, deren Namen uns nichts sagten. Neben Bildern waren auch Skulpturen, zahlreiche afrikanische Masken und überhaupt so skurrile Dinge wie alles, was eine Künstlerin in Afrika gesammelt hatte.
Danach verließen wir Holstebro, dieses Mal wohl endgültig, und fuhren nördlich über die Brücke des Limfjords Richtung Thyholm. Unterwegs stoppten wir an dem malerischen Leuchtturm Grisetå Odde Fyr und dem Aussichtsturm Oddesundtårnet, der Infos zum örtlichen Geopark bot. Wir machten eine Wanderung entlang der Küste durch ein Heide- Waldgebiet und konnten die ersten Reifen Brombeeren genießen. Neben dem Turm befanden sich mehrere Bunker, denn die Brücke daneben wurde von den Nazis streng bewacht. Die Bunker enthalten heute nicht nur Infos zur Situation im 2.Weltkrieg, zwei werden heute auch für Kunst genutzt. Der Bunker Regelbau 411 Art Gallery hat z.B. Gesichter oder Augen, die hinter Fenstern auftauchen und einen verfolgen. Ein zweiter spielt mit Geräuschen und Lichtbildern. Das Ambiente macht den Besuch etwas gruselig, ist aber eine gute Möglichkeit, die Bunker noch friedlich zu nutzen. Danach fuhren wir auf die Insel Jeginde, wo wir eigentlich auf einem Parkplatz, der laut Park4night hervorragend wäre, übernachten wollten, aber er befand sich direkt an der Straße in den Ort, neben der Kirche. Das erschien uns nun gar nicht OK zu sein. Wir statteten dem kleinen Hafen noch einen Besuch ab und fuhren dann von der Insel und parkten bei einem Parkplatz im Grünen an einem Wanderweg, mit Tisch, Bank und Feuerstelle, liefen noch ein Stückchen und aßen dann gemütlich zu Abend und freuten uns unseres schönen Platzes, bis gegen 21:00 ein einheimisches Auto kam und der Typ uns klarmachte, dass wir nur auf Campingplätze/offizielle Stellplätze dürften. So ein Mist! Wir verließen den Ort und kehrten zurück zum Oddesundtårnet, wo zuvor schon einige Camper standen. Hoffentlich würden sie uns hier in Ruhe stehenlassen.
Donnerstag, 30.7.26: Oddesundtårnet – Hügelgräber – Troll ASK – Vorupör im NP Thy
Wir haben die Nacht unbehelligt auf dem Parkplatz beim Oddesundtårnet verbracht und sind morgens als erstes zu Hügelgräbern aus der Bronzezeit in der Nähe von Boddum gefahren. Die Landschaft war zwar nett und für Dänemark außerhalb der Dünen sehr hügelig, aber wir haben unsere Wanderung nach kurzer Zeit abgebrochen. Nicht nur, dass der Weg durch hohes Gras ging, es war auch einfach zu sonnig und heiß. Nachdem in den letzten Tagen die Temperaturen selten über 20⁰ gingen, hatten wir jetzt plötzlich über 30⁰. Da machte es keinen Spaß, auf und ab über Hügel in der Sonne zu wandern. Ich war außerdem ziemlich erschlagen, weil ich bis 1:00 gelesen hatte und ab 5:00 bei jedem Geräusch oder jeder Bewegung von Stefan, die sich durchs Womi in meinem Alkoven schnell wie ein Mini-Erdbeben anfühlte, wach wurde. Jetzt hing ich in Anbetracht der Müdigkeit und Hitze ziemlich in den Seilen. Wir fuhren nach Hurup Thy und besuchten zuerst einen Genbrug und füllten danach unseren Kühlschrank wieder beim Lidl auf. Nach einem Eiskaffee aus dem Kühlregal und dem nachfolgenden Besuch beim Troll Ask from Askhøj in der Udsigtstårnet i Ashøj Plantage ging es mir besser. Die Plantage war ein schönes Stück abwechslungsreichen Waldes mit Teichen, der von einer Initiativgruppe aus Bürgern vor Abholzung oder Umnutzung gerettet wurde. Es gab gemütliche Picknickplätze und einen mehrere Meter großen Troll aus Holz in ihm. Der Troll soll die Menschen zum Naturerleben verführen und sie bestrafen, wenn sie sie nicht schonend behandeln. Für Kinder gab es eine Schatzsuche, um den Troll im Wald zu finden. Unter den Bäumen war es herrlich schattig und kühl, genau das Richtige für das Wetter. Gegen 15:00 brachen wir auf zum Nationalpark Thy, weil wir herausgefunden hatten, dass es 15 kostenlose Stellplätze auf dem Parkplatz in der Nähe des Nationalparkcenters geben sollte. Da musste man sicher früh kommen, um einen zu ergattern. Als wir uns dem Ziel näherten, trauten wir unseren Augen nicht. Wir fanden uns anstatt in geschützter Natur an einem riesigen Strand mit touristischer Infrastruktur wieder, der heute so überlaufen war, wie der Harz am ersten Schneetag im Winter! Die Parkplätze reichten vorn und hinten nicht, also parkten Autos und sogar Camper entlang der Straße im Halteverbot. Die Parkplatzeinteilung war jedoch gut, denn außer reinen PKW-Plätzen, gab es sowohl gemischte als auch einen Teil, der nur von Wohnmobilen genutzt werden durfte. Dieser Teil war wahrscheinlich bei Park4night gemeint. Und das Unglaubliche: wir fanden dort genau noch einen Platz für uns! Glück muss man haben! Direkt neben dem Parkplatz lag eine wunderschöne Dünenlandschaft mit sandigen Fußwegen, die zum Wasser oder auch zum Ort Vorupör führte. In den Dünen war keine Menschenseele. Noch konnten wir gar nicht erkennen, wo all die Fahrzeugbesitzer hin waren, bis wir auf der Kuppe der Dünen den Strand überblicken konnten. Hier wimmelte es voll Badenixen und Surfern, was allerdings im Anbetracht der Strandlänge von mehreren Kilometern und einer Breite von über 100m dennoch nicht im Geringsten mit der Überfüllung italienischer, spanischer oder auch deutscher Strände an der Ostseeküste während der Saison vergleichbar war. Wir besuchten die moderne und kostenlose Nationalparkaustellung und guckten uns an der Strandpromenade, wo sich auch kleine Fischerboote und Hütten der Krabbenfischer befanden, um und kauften uns gemeinsam ein Eis. Stefan wollte sparen und da 4 Eiskugeln in einem Becher billiger als zwei einzelne in 2 Becher waren, wählten wir die Vierervariante. Wir wurden gefragt, ob wir etwas – wir dachten es wäre Sahne – draufhaben wollten und Stefan bejate das und bat um einen großen Schlag. Na danke! Der Becher lief über, die Sahne stellte sich als irgendwas, was ehr Zuckerwatte mit Creme war heraus und ich kam gerade zum Tisch damit, als ein großer Teil der klebrigen Masse vom Eis auf dem Tisch landete. Mit vielen Papiertüchern und klebrigen Fingern schafften wir es irgendwann, unseren Becher gemeinsam zu leeren und diese süße Pampe zum Großteil mit dem leeren Becher in den Müll zu entsorgen. Wir sahen uns noch ein wenig um, entdeckten ein abgetrenntes Meerwasserschwimmbecken, mit wohl niedrigem Wasser und vor allem ohne Brandung, in das es eine Rampe für Rollifahrer gab, wie ich gelesen hatte.
Danach genossen wir den Abend im Womi neben den Dünen am sich leerenden Strand.
Freitag, 31.7.26: Vorupör im NP Thy- Schwarze Häuser von Agger – Hanstholm Vildtreservat/ Isbjerg – Nationalpark Thy- Thirsted Søbad
Umgeben von Womis, in denen zumeist Surfer übernachteten, hatten wir eine ruhige Nacht. Nach dem Frühstück brachen wir auf nach Anger, dem Ort in der Region Thy, zu dem wir für viel Geld per Fähre von Thyborøn hätten fahren können, es dann aber verzogen, einen Umweg über Brücken zu nehmen und noch viele andere nette Orte zu sehen. Heute kamen wir nun von Norden in den Ort, wo einst eine große Sturmflut das Land zerteilte. Bei der Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 durchbrach die Nordsee die Landzunge Agger Tange. Dadurch entstand der Agger-Kanal, der den Limfjord dauerhaft mit der Nordsee verband. Seitdem ist Nordjütland (Vendsyssel-Thy) vom Festland getrennt und bildet die zweitgrößte Insel Dänemarks. Mehrere Orte sind dabei untergegangen. Die schwarzen Häuser in Agger („De Sorte Huse“) stehen als historisches Denkmal für den mühsamen Kampf der Menschen gegen das Meer und den organisierten Küstenschutz an der dänischen Westküste. Wir liefen hier eine Runde von einem der schwarzen Häuser an der Küste entlang und durch den Ort. Der Sandstrand war wunderbar, aber die Brandung absolut nicht zu unterschätzen, daher fand man an der Küste zahlreiche Buhnen und Molen. Erstere schützen den Strand, letztere die Hafeneinfahrten.
Danach stoppten wir noch bei zwei Genbrugs und fuhren dann in den Norden des Thy Nationalparks, zuerst zum Hanstholm Vildtreservat, was aber an der Stelle, an der wir waren, einfach nur eintöniger Wald war. Viel schöner war es dann beim Isbjerg. Ein wunderschönes Gebiet mit Seen und Hügeln, von denen man tolle Ausblicke auf die Seen, die Heide- Waldlandschaft bis zum Meer hatte. Hier liefen wir eine schöne Runde, bevor wir uns nach Osten zum Ort Thisted auf einen 24Std Womi Parkplatz direkt am öffentlichen Bad im Fjord, mit kostenlosen Duschen, WCs, Spielplatz und Picknickbänken begaben. Es gab auch eine Sauna, dafür musste man sich aber online bei der Gemeinde registrieren, eine Uhrzeit auswählen und pro Std/Person 50DKK zahlen, dann kam man per Code hinein. Stefan hat es gemacht und kam enttäuscht zurück, weil die Sauna ganze 35⁰ hatte! Gut, dass ich es nicht auch versucht hatte. Ich habe nur schön warm geduscht.
Samstag, 1.8.2026: Thirsted Søbad – Hanklit – Feggeklit
An diesem Morgen habe ich statt Gymnastik einen Kaffee im Café getrunken und dabei meinen Akku geladen und per WLAN meine Fotos gesichert. Eigentlich wollte ich beim Seebad, bei dem ich am Vortag geduscht hatte und von dem wir nur 50m entfernt parkten, mein Workout machen, aber da war zu dieser frühen Stunde viel los. Die Dänen scheinen das morgendliche Bad zu mögen und dann war ja auch Samstag, da hatten die Leute mehr Zeit, so saßen auch einige im Aufenthaltsraum, der wohl für Mitglieder bestimmt war. Auf jeden Fall waren es zu viele Leute, um vor ihnen irgendwelche Übungen zu machen, also entschied ich, meinen Knien, die inzwischen blitzeblau von dem Sturz vor einer Woche waren, einen Ruhetag zu gönnen. Das ganze Bein, mit dem ich am Draht hängen geblieben war, sah aus wie verprügelt. Als ich zum Womi zurückkam, stand mein lieber Mann bereits davor, weil er den Schlüssel vergessen hatte. Er ging danach im kalten Fjord schwimmen- seine Uhr gab ihm die Medaille für Eisbaden 😂 – und kam zitternd zurück und brauchte eine Decke und einen heißen Kaffee. Nach dem Frühstück sahen wir uns die Stadt Thirsted noch gemeinsam an. Ein nettes Städtchen mit kleinem Jachthafen und guter Stimmung in der Fußgängerzone. Jemand machte Musik, es war geschmückt mit Fähnchen und das Beste war der Himmel: strahlendes Blau mit schön geformten weißen Wolken, und alles in wunderbares Licht getaucht. Ein Maler hätte es nicht besser malen können. Wir drehten eine Runde und fuhren später noch mit Womi zum Netto, um unsere TooGoodToGo Tüte abzuholen. Die leckeren Erdbeeren genossen wir gleich mit flüssigem, dänischen Joghurt- oder Dickmilchgetränk mit Zitronen- Vanille – Geschmack. Davon wollten wir noch mehr, deshalb bestellte ich gleich noch eine Tüte, die ich direkt abholte. Wir standen noch auf dem Parkplatz. Interessanterweise war sie billiger als die, die ich am Vorabend bestellt hatte. Anscheinend gehen die Preise nochmal runter, wenn die Tüten am Vorabend nicht alle reserviert werden. So bekamen wir für umgerechnet 3,34€ nun je eine Packung Kirschen, Bio- Äpfel, Mini-Gurken, Mini-Tomaten und einen Spitzkohl. Das konnte sich sehen lassen.
Als nächstes fuhren wir auf die Insel Mors im nördlichen Jütland. Hier lockte uns die Hanklit, die auf der UNESCO World Heritage Liste steht.
„Hanklit auf Nordmors ist eines der spektakulärsten Naturgebiete Dänemarks – und nun Teil des UNESCO-Welterbes.
Hier erhebt sich die bis zu 60 Meter hohe Molerklippe dramatisch über den Limfjord und enthüllt einen fast 55 Millionen Jahre alten Meeresgrund, auf dem Schicht für Schicht aus Moler und vulkanischer Asche die Geschichte der Entwicklung des Lebens nach dem Aussterben der Dinosaurier erzählt.“ (Tourismus Homepage)
Am Strand suchten zahlreiche Besucher nach Gestein mit Fossilieneinschlüssen inklusive uns. Man konnte ein ganzes Stück unterhalb der gigantischen Klippe am Wasser entlanglaufen, bis man zu einer wirklich steilen Treppe kam, die wie eine Himmelsleiter erschien. Hatte man diese erklommen und war noch ein Stück weiter geklettert, stand man oben auf der Klippe und hatte einen gigantischen Ausblick über die Steilküste, den Fjord und die grüngelben Weiden und Felder ringsum. Das Zusammenspiel der Farben war ein Traum! Dann ging der Weg wieder bergab, ohne Treppe und nicht ganz so steil, aber meine Knie fanden ihn dennoch eine Zumutung. Da mussten sie durch, ich konnte ja nicht oben bleiben.
Die nächste Attraktion war der Feggeklit, der an der nördlichen Spitze der Insel Mors im Limfjord lag. Feggeklit, ist ein ca. 25 m hoher und 1 km langer Molerhügel mit Steilküste zum Fjord.
Moler (deutsch: Mo-Ton, engl.: MoClay) ist ein sehr feinkörniges silikatisches biogenes Sedimentgestein ähnlich dem Kieselgur. Es entstand vor etwa 55 Millionen Jahren am Übergang vom Oberen Paläozän zum Unteren Eozän und tritt im Limfjord-Gebiet in Dänemark zu Tage, (Wikipedia)
Uns hat die Stelle, von wo aus man hochklettern konnte, nicht so gefallen, denn eigentlich sah man oben gar nichts von der Steilküste, sondern hatte von der Aussichtsbank nur einen Blick über Felder auf den Fjord. Zuvor von der Straße aus, konnte man jedoch einen ganz guten Blick erhaschen, nur konnte man dort nicht anhalten.
Nun wurde es Zeit, um zum von mir entdeckten, privaten, kostenlosen Womiplatz bei Nykøbing zu fahren. Ich befürchtete, dass 10 Plätze schnell weg wären im Anbetracht der schönen Landschaft auf der Insel und weil ich Stellplätze/Campingplätze gefunden hatte, die sage und schreibe bis zu 1950DKK (satte 260€) kosteten. Kein Schwimmbad der Welt rechtfertigt diesen Wucherpreis. Wir hatten aber mal wieder Glück, als wir kamen, war nur ein anderer Camper dort. Ganz so luxuriös wie beschrieben war der Platz zwar nicht, weil WC und wohl auch WLAN nur nutzbar waren, wenn die Fahrschule, die diese Plätze auf ihrem Hof bereitstellte, geöffnet hatte. Wasser und Toilettenentsorgung war dennoch gratis und Strom kostete eigentlich täglich 4€, aber vom Vorgänger war wohl noch so viel übrig, dass wir letztendlich bis zum nächsten Tag nichts nachstecken mussten. Uns ist jedoch beim Öffnen unseres Kofferraumes, also dort, wo man so Sachen wie Kabel, Schlauch, Benzin- und Ölkanister unterbringt, aufgefallen, dass letzterer sich geöffnet und zum Teil entleert hatte. Wir räumten alles aus und machten mit Klopapier so gut es ging wieder das Innere und alles, was Öl mitbekommen hatte, sauber. Danach verarbeiteten wir unsere inzwischen zahlreichen Äpfel – in jeder Tüte waren 8 Stück – zu Apfelmus, womit unsere Haferflocken morgens besonders lecker schmecken würden.
Sonntag, 2.8.2026: Nykøbing/Mors- Insel Fur
Nach dem Frühstück machten wir einen kurzen Rundgang durch Nykøbing, was uns aber nicht vom Hocker gehauen hat. Zugegeben, es regnete zwischendurch und wegen Sonntag hatten die meisten Geschäfte geschlossen, aber im Vergleich zu den vielen netten Orten zuvor, erschien uns Nykøbing langweilig. Es schien den Einheimischen ähnlich zu gehen, denn seit 2000 war die Einwohnerzahl um 11% gesunken und es gab deutliche Leerstände. Wir entschieden uns, die Fähre auf die Insel Für zu nehmen, die sehr unkompliziert und rund um die Uhr von Branden nach Stenøre fuhr und für uns inkl. Womi mit 120DKK Hin- und zurück preislich ok war. Die Insel versprach sehr schöne Natur und bei sich im Laufe des Tages verbesserndem Wetter erwies sie sich als schönes Ziel. Wir machten einen kurzen Rundweg am „Gammel Havn“ inkl. eines kleinen, kostenlosen Museums zur Seefahrt und folgten dann der Beschilderung zu einem Parkplatz UNESCO Welterbe. Das hörte sich vielversprechend an! Wir kamen zu einem kleinen Parkplatz und wanderten dann erst entlang der Küste Richtung Knudeklinterne, wiederum einer sehenswerten Klippe, auf die der Weg ebenfalls hochführte – autsch sagten meine Knie – und von oben war der Ausblick erneut traumhaft schön, ähnlich dem von der Hansklit am Vortag. Von hier ging der Weg durchs Inland zum „Für Bryghus“. Wir rätselten, was das sein könnte, ich kam auf Brückenhaus, Stefan auf zerbrochenes Haus, des Rätsel Lösung war aber Brauerei😂. Da meine Knie sich mies anfühlten und ich schon länger nach einem Kaffee lechzte, genoss ich dort einen lecker „gebrauten“ Kaffee, während mein lieber Mann das Womi holte. Damit begaben wir uns zum Parkplatz beim Museum in Nederby, wo laut Park4night das Parken über Nacht auf dem Schotterplatz erlaubt war. Wir würden es sehen. Das Museum handelte von Fossilien, was uns den Eintritt von über 10€ p.P. nicht wert war. Es sah jedoch schön aus, hatte im Shop schon sehr schöne Fossilien zu sehen und eine Windmühle im Garten. Ich plante, am nächsten morgen früh dort einen Kaffee zu trinken und so dem Ort etwas Gutes tun (und mir natürlich auch 😉).
Montag, 3.8.2026: Insel Fur – Bauernhof bei Ranum
Wir durften unsere letzte Nacht inmitten des kleinen Inselortes Nederby auf Fur ungestört auf dem Parkplatz neben dem Museum verbringen. Ich muss sagen, so richtig dran geglaubt, dass uns dort niemand wegschickt, hatte ich zuvor nicht, auch wenn es so in der App stand. Den Kaffee konnte ich leider doch nicht trinken, weil das Museum zu spät öffnete. Nach dem Frühstück steuerten wir dann noch weitere Ziele auf der Insel an. Zuerst waren wir am höchsten Punkt mit einem 360⁰ Ausblick über Insel und Fjord. Von hier aus genoss die Bronzestatue „Molermanden“, die an die Arbeiter des historischen Molerabbaus erinnerte, ebenfalls die Aussicht. Das letzte Ziel auf der Insel war Færker Odde Strand, von dem man die schmale Landzunge am östlichsten Punkt von Fur am Strand entlang umwandern konnte. Auf den knapp 2,5km sahen wir unzählige Quallen und etliche Seesterne am Strand. Ich glaubte, Baden hätte ich hier nicht wollen, auch wenn der Fjord wie eine ruhige Spiegelfläche vor uns lag. Auf dem mit Muscheln und Steinen bedeckten Strand waren die kleinen Sandregenpfeifer aufgrund ihrer guten Tarnung nur wahrzunehmen, wenn sie sich bewegten. Nachdem wir nun nahezu alle Ecken der Insel erkundet hatten, fuhren wir zurück zum Hafen und mit der Fähre zurück aufs Festland, um von dort ab Sundsøre erneut Fähre zu fahren nach Hvalpsund, womit wir uns einen großen Umweg über Skive ersparen konnten. Unser Ziel war es, ab Rønbjerg Huse mit einer Personenfähre für ein paar Stunden auf die winzige Insel Livo zu fahren. Dort waren alle Fahrzeuge verboten. Leider waren wir für diesen Tag schon zu spät. Wir wären nicht mehr zurückgekommen, also fuhren wir Lebensmittel einkaufen in Løgstør und dann auf einen Stellplatz bei einem Bauernhof bei Ranum. Der Besitzer war selbst Camper und sehr nett. Wir brauchten nichts dafür bezahlen, dass wir hier eine Nacht auf einer Wiese hinter seinem Haus wunderbar standen. Das war richtig nett!
Dienstag, 4.8.2026: Ranum – Insel Livø – Brønderslev
Wie geplant sind wir am Morgen mit der Fähre auf die Insel Livø gefahren. Sie war so klein und die Natur sollte geschützt werden, also durfte man kein Fahrzeug mitnehmen. Das galt eigentlich auch für Fahrräder, aber da gab es wohl Ausnahmen, denn es war ein Paar mit Rädern auf der Fähre. Sonst fahren da nur Traktoren und ein elektrisches Fahrzeug, das Waren von der Fähre abholt. Die Insel hat 3,31 Quadratkilometer, 4 dauerhafte Einwohner und einige historische Gebäude:
Die Gebäude befinden sich alle im Staatsbesitz der dänischen Naturschutzbehörde (Naturstyrelsen) und prägen das Dorfbild durch ihre einheitliche Architektur: weiße Fassaden mit roten Ziegeldächern. Ehemalige Anstaltsgebäude: Die meisten Häuser stammen aus der Zeit von 1911 bis 1961, als die Insel als Kellersche Institution für geistig behinderte Straftäter genutzt wurde. Ferienzentrum (Livø Feriecenter): Diese historischen Gebäude (darunter die nummerierten Unterkünfte Hus 1 bis Hus 4, Munkebo und Nonnebo) werden heute als Gruppenunterkünfte, Herbergen und Ferienwohnungen mit insgesamt rund 265 bis 270 Betten betrieben. Gemeinschaftshäuser: Es gibt eine eigene kleine Schule (heute ebenfalls für Gruppenübernachtungen genutzt), ein Versammlungshaus (Forsamlingshus), ein Kraftwerk, den Insel-Gasthof (Livø Kro) sowie den Inselfritzen mit Kiosk und Café (Købmands-café). (Laut KI)
Für uns sah es so aus, als wäre das eine riesige Gebäude ein reicher, alter Vierseithof aus dicken Steinen gemauert. Zumindest wurde das Gebäude sichtlich auch noch als solches betrieben, denn ein Großteil der Natur bestand aus Feldern, Heide und Weiden, wo wir auch Kühe grasen, sahen. In Erinnerung werden uns wohl am meisten prallvoll gefüllte Mirabellenbäume bleiben, an denen wir uns gelabt haben. Zu Abwechslung gab es noch Apfelbäume und Brombeersträucher, um sich satt zu essen. Wir wanderten 8,5km, was nicht vollkommen stressfrei war, weil es immer mal wieder zu tröpfeln begann und ein Gewitter aufzog. Das bei fast nur Feldern und Waldstücken ohne Schutz, kombiniert mit der festgelegten Zeit, wann wir wieder am Hafen sein mussten, ließ ein entspanntes sich Treiben lassen nicht wirklich zu.
Um 15:00 nahmen wir die Fähre zurück und fuhren dann ein ganzes Stück Richtung Norden bis Brønderslev auf den kostenlosen, städtischen Stellplatz. Wir waren gerade wieder in Waschmaschinennot und es gab so verdammt wenig Waschsalons in Dänemark. In Aalborg hätten wir darüber hinaus Probleme mit der Umweltzone gehabt. Nun wollten wir unser Glück in Hirthals versuchen, am nächsten oder übernächsten Tag.
Mittwoch, 5.8.26: Brønderslev
Wie man an der Ortsangabe sehen kann, haben wir heute nicht viel erlebt, besonders wenn man bedenkt, dass Brønderslev nicht gerade ein besonders aufregender Ort ist. Wir waren morgens in die Innenstadt gelaufen und siehe da, der Waschsalon, der laut Google derzeit geschlossen hatte, hatte geöffnet! Sofort war klar, was jetzt passieren musste: Womi holen und Maschine füllen. Die 1,5Std Waschzeit verbrachten wir mit Erkundung der Einkaufszone und in zwei Genbrugs. Stefan erstand ein neues Paar halbhoher Schuhe für sich. Dann war Zeit für den Trockner, der die Menge Wäsche einigermaßen trocknete. Wir entschieden, statt abends zu einem Stellplatz mit Dusche zu fahren, im örtlichen Schwimmbad zu duschen. Letztendlich konnte aber nur ich reingehen, weil Stefan auf den vereinbarten Anruf einer Ärztin seiner Mutter aus Deutschland warten musste, der dann noch nicht mal kam. Das Bad war allerdings für 55DKK (7,36€) auch nicht besonders großartig und hatte nur noch 1,5Std geöffnet. Als ich kam, war die Damensauna aus, also genoss ich erstmal den Whirlpool. Dann wollte ich eigentlich ins Dampfbad, aber das war auch nicht eingeschaltet. Ich fragte den Bademeister und er teilte mir mit, dass das heute nicht in Betrieb sei. Nach 16:00 wäre aber draußen die Aufgusssauna für Extrageld nutzbar. Ich fragte nach der Damensauna, die ich gesehen hatte, und er meinte, die müsste jetzt laufen. Dem war so und sie hatte gerade knapp 40⁰. Ich blieb aber drin und zum Schluss hatte sie immerhin ca. 55⁰. Nach ausgiebiger Dusche verließ ich das Bad, wir räumten die im Womi zum Nachtrocknen verteilte Wäsche in den Schrank, kauften bei Lidl ein und kümmerten uns um Ver- und Entsorgung unseres Womis. Da es schon früher Abend war, beschlossen wir, auch die kommende Nacht noch auf dem kostenlosen Stellplatz in Brønderslev zu bleiben.
Donnerstag, 6.8.2026: Brønderslev – Hirthals – Hjørring
Mal vorneweg: das Wetter war gerade, nennen wir es mal „abwechslungsreich“. Das klingt besser als unbeständig oder gar launisch. An diesem Morgen war ich beim Training an Kraftgeräten, vor einem Hostel um die Ecke von unserem Parkplatz, in einen Schauer geraten. Auch auf der nachfolgenden Fahrt nach Hirthals hatten wir Regen und heftigen Wind. Das blieb auch noch eine Weile so mit dem Stopp&Go-Regen, sodass wir uns erstmal die Genbrugs, einen Laden mit 50% verbilligtem Ausverkauf von Haushaltswaren und ein nettes Bäckereicafé als Ziele aussuchten. Wir ersetzten unsere Müslischalen durch ein Schüsselset, kauften für unseren am Vorabend bei Lidl erworbenen Wok noch einen nicht kratzenden Schöpflöffel und eine Trittstufe für zuhause, damit wir ab sofort die andere im Womi lassen können. Wonach wir in Frankreich, Spanien und Portugal ohne Erfolg hinterhergesucht hatten, fanden wir hier stapelweise und das viel billiger als die, die wir online gekauft hatten.
Als wir alles zum Womi brachten, kam die Sonne heraus! Wir tauschten Regenjacken gegen Windjacken und wanderten den Wanderweg durch die Dünen zum Leuchtturm und einer riesigen Bunkeranlage der Wehrmacht aus den Jahren 1942/43. Hier wurden Beutewaffen aus Frankreich eingesetzt.
Diese Stellungen entstanden 1942 im Rahmen des von Hitler befohlenen Ausbaus des Atlantikwalls, und die vier französischen Kanonen wurden dabei von einer beengten Plateau-Position in offene 360-Grad-Rundumstellungen verlegt, was für Kanonen aus Beutebeständen typisch war, da man mit vorhandenem Material improvisierte, statt Neuware zuzuteilen. (KI CLAUDE)
Man hatte hier an Dänemarks Küsten manchmal das Gefühl, dass die einzigen Erhebungen des Landes aus unter Dünenbewuchs versteckten, deutschen Bunkeranlagen bestanden. Egal, wo man in Europa hinfährt, man findet überall Reste deutscher Kriegsführung oder Vernichtung (KZs). Das macht nicht gerade stolz auf unser Land.
Der Wanderweg war aber auf jeden Fall herrlich. Dünen und Strand so weit das Auge blickte, ein bilderbuchtauglicher Leuchtturm und Sonne! …zumindest bis zum Wendepunkt, aber da hatten wir das Glück, gerade bei einem Landal Green Ferienpark angekommen zu sein, wo wir uns vor dem nächsten Regenguss gemütlich in die Lobby setzten und sogar WLAN hatten. Die Anlage war so groß – und nebenbei gesagt hässlich, weil ellenlange Reihen aus Betonappartements die Dünen verschandelten- dass wir gar nicht auffielen als „nicht-Gäste“. Nach dem Schauer wanderten wir zurück zum Womi und fuhren nach Hjørring im Landesinnern. An der Küste durfte man nirgends über Nacht parken. In Hjørring vermachten wir unsere ausrangierten Haushaltsgegenstände einem Genbrug und fuhren dann zu einem großen Schotterparkplatz beim Schwimmbad, wo man über Nacht geduldet sein sollte. Mal sehen, vielleicht würden wir am kommenden Morgen das Bad mit Sauna auch noch nutzen, falls das Wetter nicht optimal wäre. Zum Abendessen hatte ich zum ersten Mal TooGoodToGo Tüten bei einem Restaurantbüffet bestellt, wo man sich, laut Beschreibung, die Reste selbst einpacken konnte. Somit sollte die Gefahr gebannt sein, dass etwas fleischhaltiges dabei wäre. Als ich – dummerweise nach der Buchung – mir die Speisekarte des Restaurants ansah, war ich mir nicht so sicher. Es handelte sich um ein Thai – Restaurant, bei dem die meisten Currys mit zwei Chilischoten angegeben waren, also scharf. Ebenfalls mindestens 3/4 war mit Hähnchen! Oh weh! Als wir das Essen abholten, handelte es sich um ein Buffetrestaurant im Einkaufszentrum. Die Currys hatte die Bedienung schon abgeräumt, aber es gab noch Rösties, Pommes, Spiegelei, Kartoffelsalat, mit Käse überbackene Baguettestückchen (alles sehr thailändisch😂), gebratene Nudeln, veg. Frühlingsröllchen, diverse Salate und Obststücke. Wir bekamen also kein thailändisches Essen, dafür war ausreichend vegetarisches dabei. Wir füllten uns die Warmhalteschachteln voll, die wir bekamen und fuhren schnell mit Womi zum Nachtparkplatz zurück und speisten genussvoll unsere Portionen. Das war zwar nicht unbedingt gesund, aber gelegentlich durfte das dann auch mal sein. Auf den ersten Blick erschien uns auch die Innenstadt von Hjørring schon sehr gut, sodass wir uns auf eine Entdeckungstour am nächsten Tag freuten. Das Wetter sollte auch besser werden. Dieser Tag war aber trotz gelegentlichen Regengüssen auch sehr schön. Uns hatte Hirthals gut gefallen. Ich glaube, wir hatten es zuvor nur als Fährhafen für Norwegen gekannt und nie den Ort selbst erkundet.
Freitag, 7.8.26: Hjørring – Råbjerg Mile -Bunken Rasteplads
Ich verzichtete auf mein Morgen-Workout, um meine Knie zu schonen, habe dafür im Schwimmbad vor unserem Parkplatz einen Kaffee getrunken und mein Handy geladen. Als Stefan vom Joggen kam, bot ich ihm an, Schwimmbad und Sauna zu nutzen und selbst in der Zeit ein schönes Frühstück zu zaubern. Ich hatte zuvor den Vorteil des Schwimmbades und hatte ehrlicherweise auch gerade keine Lust. Ich fand es nett, mal etwas länger allein im Womi herumzuwursteln.
Gegen Mittag fuhren wir ins Zentrum und schlenderten durch die wirklich abwechslungsreiche Fußgängerzone. Nicht, dass die Stadt besonders viele schöne Häuser hätte, es war die Gestaltung der Einkaufsmeile mit Wasserlauf, diversen unterschiedlichen Sitzmöbeln, z.B. eine Doppelbank zum sich gegenübersitzen, die auf abgerundeten Kufen stand, sodass man schaukeln konnte, Tischtennisplatten und Freischach, sowie diverse Spiel- und Klettergeräte für Kinder auf der ganzen Länge der Straße verteilt, sowie auch Doppelschaukeln für Erwachsene. Das Kunstmuseum kündigte sich mit einem Torbogen an, der zu einer Reihe Wasserspielen führte, die bei Skulpturen endeten, direkt am Eingang zum Museum. Woanders zierte Streetart eine Hauswand und überall gab es Cafés, oft in Verbindung mit Lädchen. Gut, dass ich proteinreich gefrühstückt hatte und zu satt war, um mich von Kuchen verführen zu lassen. Es war einfach eine super Atmosphäre. Noch dazu spielte das Wetter mit, es war schön sonnig, wenn auch etwas windig.
Nach der Innenstadt fuhren wir zum Bellevue udsigtstårn, einem Aussichtsturm auf dem
Hjørring Bjerge, mit immerhin 69m der höchste Punkt der Stadt. Hier machten wir eine kleine Wanderung durch das gekennzeichnete Wandergebiet mit einem Teich und reichem, historischen Background:
Aus der Jungsteinzeit stammen Feuersteinfragmente und Gräber aus der Eisenzeit. Auch Spuren deutscher Befestigungsanlagen aus der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg sind erhalten, darunter drei kleine Bunker und eingestürzte Schützengräben. Auf dem Bergrücken befand sich zudem der alte Hinrichtungsplatz der Stadt. Hier stand der Galgen, der zuletzt 1822 benutzt wurde, als Thomas Thomsen Bisp enthauptet wurde (Visit Norway Nordvestkysten).
Als es Zeit wurde, unsere TooGoodToGo Tüte vom Netto abzuholen, verließen wir das Gebiet und widmeten uns dem Auffüllen unseres Kühl- und Vorratsschranks. Wir hatten wieder richtiges Glück beim Netto, denn die Tüte war proppenvoll von Tomaten, Melone, Weintrauben und vielem mehr. Nun wurde es Zeit, diese nette Stadt mit knapp 26000 Einwohnern zu verlassen und unserem neuen Ziel entgegenzufahren. Es ging weiter Richtung Norden nach Råbjerg Mile, einer Wanderdüne an der Nordspitze der dänischen Region Jütlands. Sie wurde 1900 unter Naturschutz gestellt, dadurch wurde sichergestellt, dass sich die Dünenwanderung ungehindert fortsetzen konnte. Ich war regelrecht erschlagen, als ich diesen gigantischen Sandkasten der Natur mitten auf dem Festland erblickte. Meine erste Assoziation war: jetzt bist du in der Negevwüste in Namibia, nicht mehr in Dänemark. Auch hier tobten die Kinder voller Begeisterung die Sandhügel hoch und ließen sich runterrollen oder fuhren Schlitten auf dem Po. Das Gebiet war riesig und rings herum nur Sand, der zum Teil etwas feuchter und fester war, oder aber pulvrig und bei jedem Windstoß – der immer da, war – über die Fläche wehte und i neue Sandkreationen schaffte. Es war total anstrengend, bis zur höchsten Stelle zu laufen und der Wind blies mich fast um, aber das konnte ich mir nicht nehmen lassen, ich wollte auch diesen Überblick genießen. Es war ein absolut faszinierendes Erlebnis! Danach war erstmal entsanden angesagt. Ganze Berge von Sand waren in unseren Schuhen, die uns plötzlich merklich zu klein vorkamen.
Von hier fuhren wir zu unserem Nachtplatz, dem Bunken Rasteplads. Direkt an der Bundesstraße 40 Richtung Skagen befand sich ein Rastplatz, auf dem Wohnmobile und Lastwagen über Nacht erlaubt waren. Ob es nachts hier laut bleibt durch die Straße konnten wir bei der Ankunft noch nicht absehen, aber die Lage entschädigte uns für vieles. Nur durch ein paar Büsche führte ein Weg erst durch Heide- und dann über eine Düne genau zum Kattegat.
Das Kattegat ist eine etwa 30.000 Quadratkilometer große Meeresenge zwischen der dänischen Halbinsel Jütland und Schweden. Es fungiert als Übergangszone und Verbindungsgewässer zwischen der Nordsee (über das Skagerrak im Norden) und der Ostsee (über den Großen und Kleinen Belt sowie den Öresund im Süden) (KI)
Ein wunderbarer Strand und die warme Abendsonne verführten uns nach dem Abendessen zu einem weiteren Spaziergang. So kam ich an meinem sogenannten „Ruhetag“ auf 20400Schritte😂
Samstag, 8.8.2026: Bunkern Rasteplads – Skagen Bunker -Skagen Gray Lighthouse- Grenen- Versandete Kirche-Frederikshavn- Bangsbo Botaniske Have
Ab jetzt ging es nur noch südwärts, denn heute waren wir in Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, wenn man von Grönland absieht. Wir parkten beim historischen Leuchtturm, dem einzigen Parkplatz, der kostenlos und dennoch so nahe an der Spitze lag, dass man es während der Höchstparkdauer von 3 Stunden schaffen konnte, bis nach Grenen, dort wo Skagerak und Kattegat aufeinandertreffen, und wieder zurückzuwandern. Die 8,5km waren nicht ganz locker zu bewältigen, weil man, wenn man nicht auf dem Radweg an der Straße entlang bis zum Skagen Bunkermuseum gehen wollte, durch die Dünen auf und ab im Sand lief und es hier immer auch windig war. Das letzte Stück ging direkt am Wasser entlang über den Sandstrand. Alternativ hätte es noch einen Traktorbus gegeben, aber wir wollten ja wandern und hätten dann auch zwei Kreuzottern auf unserem Weg verpasst. Die sieht man in der Regel nur absolut selten, obwohl es sie in Deutschland auch gibt. Umso näher wir der Spitze und damit dem Zusammenprall der Gewässer kamen, umso mehr Menschen waren unterwegs. Es war eine reine Völkerwanderung. Unterwegs störte mich das wenig, aber an der Spitze hatte ich Probleme, nahe genug dranzukommen, um vernünftig fotografieren zu können. Es standen bereits alle im Wasser und ich wollte auch keine nasse Hose riskieren, die ich bis zu den Knien hochgekrempelt hatte. Bevor wir jedoch zur nördlichsten Stelle kamen, gab es noch ein Highlight. Kurz zuvor lag eine kleine Robbe am Strand und nahm dann allen Mut zusammen, um vor den fotografierenden Menschen ins Wasser zu flüchten. Die sind echt so süß, dass man leicht vergisst, dass sie einem auch gefährlich werden können. Sie sind auch äußerst schnell, wie wir in Neuseeland einmal beobachten konnten.
Nachdem wir das Highlight Nordspitze gesehen und mit nackten Füßen durchs Wasser und den Rest des Weges über den Radweg zurückgelaufen waren, waren 2 ¼Std vergangenen. Wir machten kurz Pause und fuhren dann zur Versandeten Kirche ein paar Kilometer südlich. Es handelte sich um die Ruine eines im 14.Jahrhundert erbauten Kirchturms im gotischen Stil. Man konnte den Turm auch erklimmen, und das war wirklich abenteuerlich. Es gab eine extrem schmale Wendeltreppe, wo immer nur eine Person drauf passte, mit sehr schmalen Stufen, die nicht mal für Kinderfüße breit genug waren, und als Möglichkeit zum Festhalten hing nur eine dicke Kordel, von oben runter. Zu Beginn war die Stiege erleuchtet, aber dann waren die Lichter ausgefallen, sodass man sich einige Stufen vorsichtig im Dunkeln hoch bzw. hinuntertasten musste. Es war ziemlich gruselig. Immerhin waren die Besucher vernünftig und ließen immer erst die Leute runter beziehungsweise hochlaufen, bevor sie selbst sich auf den Weg machten, sonst hätte man immer wieder zurückgehen müssen. Von oben hatte man Ausblick über eine Heidelandschaft bis zum Fährhafen nach Schweden in Skagen.
Wir drehten eine kurze Runde durch die Landschaft und genossen einen Kaffee beim kleinen Ausflugskiosk, dann ging es mit Womi nach Süden bis Frederikshavn. Da die Fußgängerzone ausgestorben wirkte, weil wegen Samstag schon alle Geschäfte geschlossen hatten, statteten wir dem historischen Krudttårnet vor dem modernen Fährhafen einen Besuch ab. Wir stiegen aber nicht hoch, weil dort gerade eine Hochzeit gefeiert wurde, sondern setzten uns draußen auf Picknickbänke und verzehrten ein Eis. Für die Nacht hatten wir uns den Parkplatz beim Botanischen Garten ausgesucht, dem wir auch noch einen kurzen Besuch abstatteten. Er hatte immer geöffnet und war kostenlos, natürlich exklusive des in ihm befindlichen Museums. Der Garten war auf jeden Fall sehr liebevoll angelegt und der Parkplatz ruhig und angenehm.
Sonntag, 9.8.2026: Bangsbo Botaniske Have – Aarlborg – Hobro
Wir machten noch eine Wanderung in der schönen Landschaft, denn ich hatte den Aussichtspunkt Prikkerbakken auf einem Hügel zum Ziel auserkoren und dahin auch einen Rundweg bei Komoot gefunden. Der Weg war auch sehr schön, durch einen Wildpark, wo das Wild nicht hinterm Zaun war, sondern man mitten durch den Wald ging, in dem Rehe und Hirsche zu sichten waren. Leider konnten wir aber den Aussichtspunkt nicht erreichen, weil kurz zuvor der Weg wegen Baumaßnahme gesperrt war. Das fand ich schon etwas ärgerlich, aber Stefan hatte immerhin beim Joggen auf einer anderen Strecke den Ausblick bereits gehabt und so überwältigend, dass wir noch mit dem Womi hätten hochfahren müssen, war er laut ihm auch nicht. Wir begaben uns dann lieber auf den Weg nach Aarlborg, unserer ersten großen Stadt mit Umweltzone. Ich hatte zuvor gut recherchiert und konnte uns auf der Autobahn zu einem Pendlerparkplatz außerhalb des verbotenen Gebiets lotsen, der kostenlos und noch dazu mit direktem Busanschluss an die Innenstadt war. Wir luden uns die „Rejsekort – App“ auf unsere Handys, womit man das Busticket zahlte und in ca. 20Min waren wir im Zentrum von Aarlborg. Ohne die App wäre das nicht möglich gewesen, der Fahrkartenautomat war deaktiviert und es gab wohl nur noch wenige Haltestellen, wo man ein Ticket kaufen konnte und das dann teurer. Wir schlenderten durch die Fußgängerzone, sahen ein paar Streetart Bilder an Häusern, die architektonisch herausstechende Konzerthalle und die Hafenpromenade. Das war alles nicht schlecht, aber es gab nichts, was uns wirklich begeistert hätte. Die Sitzmöglichkeiten an der Hafenpromenade und die Wasserspiele, in denen die Kinder herumspritzten, waren nett, aber der Blick über den Limfjord auf die Industrie auf der anderen Seite gab der Stadt nicht das Flair, das man vielleicht erwartet hätte. Nach einem Rundgang beschlossen wir, ausnahmsweise mal essenzugehen und teilten uns eine große Pizza bei der Osteria, bevor wir wieder zum Womi fuhren. Da es erst 18:00Uhr und somit ja noch ca. 3Std hell war, beschlossen wir, nicht auf dem Pendlerparkplatz zwischen Autobahnen zu übernachten, sondern noch bis Hobro weiterzufahren. Hier übernachteten wir am gemütlichen Hafen und waren superglücklich über einen traumhaften Platz, der sogar noch Du/WC bot und das kostenlos! Es war richtig hübsch dort mit schönen alten Segelbooten, künstlerisch gestalteten Szenen an jedem Laternenmast, wie z.B. Kaffeeklatsch, alles aus angeschwemmten Materialien, einem kleinen Museum, Kiosk etc. Ich duschte erfolgreich Sonnenmilch und den Sand der Dünen der letzten Tage aus Haaren und Ritzen und wir erfreuten uns unseres Lebens.
Montag, 10.8.2026: Hobro – Panoramawanderweg – Parkplatz beim Kalø Slots Café/ Mols Bjerge Nationalpark
Ein völlig gelungener Tag! Ich hatte morgens vor dem Frühstück bereits meinen Kaffee auf einer Bank an dem wunderschönen Hafen von Hobro genossen, was ein super Start in den Tag war. Stefan konnte nach dem Joggen die herrliche Dusche bei der Hafenpromenade nutzen und so waren wir nach dem Frühstück beide voller Energie für die Wanderung auf den Panoramawanderweg. Ich hatte mir mal wieder völlig unnötig Sorgen gemacht, weil die Tour über 10 km und mit immerhin 120 Höhenmetern (manchmal auch mit 150 angegeben) was für Dänemark schon etwas Besonderes ist, angegeben war. Der Panoramawanderweg wurde bei „All Trails“ als Top 1 Wanderweg Dänemarks genannt, auch „Outdoor active“ bezeichnete ihn, als einen der schönsten und er wurde als der erste im Land als Premiumwanderweg geführt. Dennoch fanden wir Rezensionen, die den Weg nicht für Wert hielten, die damit verbundenen Anstrengungen auf sich zu nehmen. Diese Einschätzung kann ich absolut nicht teilen, obwohl er laut unseren Uhren sogar 11,4km lang war und wir sogar einen kurzen Schauer hatten. Die meiste Zeit war es allerdings sonnig, ging auf und ab durch Feld, Wald und Wiese, direkt an Kühen und Schafen vorbei, immer entlang des Mariangerfjords. Der Hinweg verlief als Höhenweg, der Rückweg direkt entlang des Wassers. Die Ausblicke waren herrlich, besonders wegen der intensiven Farben durch das Spiel von Wolken, Sonne, blauem Himmel, grüner Wiesen und blauem Wasser. Auch die Verpflegung stimmte: es gab über den ganzen Weg verteilt immer wieder reife Mirabellen und Brombeeren zu ernten – dem August sei Dank – und nach der Halbzeit ein Restaurant auf dem Campingplatz Bramslev Bakker, wo man einkehren konnte. Wir haben die Wanderung sehr genossen und ich fand sie eine der Highlights dieser Dänemarkreise. Als wir zurückkamen, ging die Fahrt weiter zum Nationalpark Mols Bjerge, wo wir gegenüber des Kalø Slots Cafés am Strand einer Ostseebucht über Nacht parken und am nächsten Tag gleich zur nächsten Wanderung starten konnten.
Dienstag,11.8.2026: Mols Bjerge Nationalpark – Ebeltoft
Am Vortag waren es wohl doch ein paar Brombeeren oder/und Mirabellen zu viel, auf jeden Fall wachte ich am Morgen mit Übelkeit und Durchfall auf. Wir wanderten im Mols Bjerge Nationalpark auch nur eine kleine Runde von 3,8km bis zur Kalø Schlossruine, die auf einer Landzunge in der Ostseebucht von weitem zu sehen war. Die Kopfsteinpflasterstraße dorthin entstand zeitgleich mit dem Bau von Schloss Kalø und ist heute die längste erhaltene mittelalterliche Straße Dänemarks. König Erik Menved ließ Schloss Kalø 1313 nach einem Bauernaufstand errichten. Die moderne, nahezu uneinnehmbare Burg wurde von den besiegten Bauern unter Zwang gebaut. Ihr berühmtester Gefangener war Gustav Vasa, der 1519 floh und später König von Schweden wurde. Bis 1660 war Kalø Verwaltungssitz von Djursland; später wurde die Burg abgetragen und ihre Steine unter anderem für Charlottenborg in Kopenhagen verwendet. Das Schönste fanden wir eigentlich die Lage der Schlossruine umgeben vom Meer.
Nach dem Besuch fuhren wir weiter nach Ebeltoft, einem kleinen, aber sehr beliebten Ferienort Dänemarks im südlichen Djursland. Die Stadt war geprägt von ihren schrägen Fachwerk-Häusern, engen Kopfsteinpflaster-Straßen und blühenden Stockrosen. Letztere verwandeln die Stadt zu einer kleinen Idylle. Wir parkten auf dem Parkplatz bei einem Aktivitätscenter, wo wir später auch übernachten wollten. Auch hier unternahmen wir einen Spaziergang von ca. 4,8km und mir geht es wieder besser, ich hatte aber auch nur wenig gegessen und keinen Kaffee getrunken. Ich hoffte, am kommenden Tag wieder richtig fit zu sein, aber mit rund 16500Schritten hatte ich mich auch an diesem Tag ausreichend bewegt.
Mittwoch, 12.8.2026: Ebeltoft- Dragsmur- Schloss Rosenholm – Randers
Mir ging es wieder gut und so begannen wir unsere Tour mit einem Stopp bei Dragsmur, einer Hügelkette auf der schmalsten Stelle Knebels. Nur 100 m Landstrich trennten hier die Gewässer der Aarhus Bucht von dem der Ebeltoft Bucht, was einen schönen Ausblick bot. Danach ging es weiter zum Schloss Rosenholm, einem Wasserschloss mit entsprechend schönem Anblick. Drin waren wir nicht, da es nur mit Führung zu besichtigen war und wir weder 45Minuten warten wollten, noch wussten, ob sie auch in Englisch angeboten wurde. Nach einem Spaziergang im Schlossgarten fuhren wir nach Randers, einer Stadt in Ost Jütland mit ca. 65000 Einwohnern. Sie hatte eine hübsche, blaue Brücke über den Fluss Gudenå, viele Secondhand Läden und eine nette Fußgängerzone, in der gerade ein Stadtfest stattfand. Als Abschluss stand dann die Sonnenfinsternis auf dem Programm. Auf der Suche nach einem Plätzchen kamen wir an einem Rastplatz vorbei, der bereits von „Finsternis hungrigen Dänen“ mit Picknick und super Objektiven belagert war. Wir fanden mit Womi gerade noch einen Platz. Leider hatten wir versäumt, uns Brillen zu kaufen und es sah so aus, als hätten wir keine Chance ohne, da lieh eine nette Dänin Stefan eine einfache in Pappversion, aber das war voll gut. Mit ihr vor der Kameralinse konnte man dann doch vernünftig sehen und ein paar Fotos schießen. In Deutschland kommt die nächste erst am 3.9.2081, ich fürchte, Stefan und ich erleben sie nicht mehr 🤷.
Danach haben wir uns einen Übernachtungsplatz mitten in der Natur gesucht, wo wir kaum noch Empfang hatten.
Donnerstag, 13.8.2026: Fussingø National Park- Viborg- Privater Stellplatz Serup
Letzte Nacht hatten wir einen sehr abgeschiedenen Parkplatz kurz vorm Fussingø National Park. Es war nachts so ruhig und dunkel, dass ich, nachdem ich anfangs gut geschlafen hatte und wegen Toilette aufgewacht bin, plötzlich Panik hatte, dass man uns hier ausrauben könnte, ohne dass es jemand merkte und niemand wusste, wo wir waren. Wie das so ist bei nächtlichen Hirngespinsten, ein Gedanke führt zum nächsten und ruckzuck hat man sich ein paar Stunden wach im Bett herumgewälzt. Ich schlief erst wieder ein, als es schon hell wurde und bin dann erst gegen 8:30Uhr aufgestanden. An Sport war nicht zu denken, denn Stefan hatte Laufpause, also bin ich noch unter seine Bettdecke gekrochen. Als wir dann irgendwann gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Fussingø Schloss um die Ecke, wo aber kein Schloss zu besichtigen war, sondern die NP-Verwaltung beherbergte und wohl für besondere Anlässe genutzt wurde. Hier begannen aber Wander- und Mountainbikestrecken und wir sind eine kleine Runde durch den schönen, wenn auch nicht spektakulären Wald gewandert, bevor wir Viborg, die sechs bevölkerungsreichste Stadt mit ca. 44000 Einwohnern in der Region Midtjylland besuchten. Sie hatte einen beeindruckenden Dom, der von weitem sichtbar war und das Innere war an Decke und Wänden mit Wandmalerei zu Bibelszenen gestaltet. Die Innenstadt hatte eine großzügige Fußgängerzone mit einigen imposanten, alten Backsteingebäuden. Viel Gastronomie lud zum Verweilen ein und es gab zahlreiche Klamottenläden, die mir irgendwann zu viel wurden. Es war auch heiß mit 27⁰ und im Womi zum Teil über 30⁰. Wir hatten dringend Trinkwasser nötig und ich sehnte mich nach einer Dusche. Wir statteten noch zwei Loppes Kaufhäusern einen Besuch ab und fuhren dann zu einem privaten Stellplatz mit schöner Wiese, Blumenrabatten, einem Glashaus mit Küchenutensilien zum Abwaschen, Kaffeekochen und gemütlich sitzen, sowie einem super sauberen Badezimmer, was ich erstmal belagerte. Nachdem wir dann Abendessen gegessen hatten, ging’s mir wieder gut. Stefan war allerdings an seinen Ladekabeln am Verzweifeln. Jetzt hatten wir mal Steckdosen zum Laden, da versagte ein Kabel und/ oder Stecker nach dem anderen. In all diesen vielen Genbrugs und Loppes hatten wir in der Richtung aber auch noch überhaupt nichts Brauchbares gefunden. Wahrscheinlich ging es allen so. Die Dinger gingen kaputt, bevor man sie nicht mehr brauchte.
Freitag, 14.8.26: Serup- Silkeborg
Wir genossen unser Frühstück in dem schönen Glashaus unseres Campingplatzes. Dort hatten wir eine Kaffeemaschine, einen großen Tisch und spülen wollten wir eh dort. Wenn man schon mal heißes Wasser hat, muss man es auch nutzen. Zu unserem Porridge gab es heute Stachel-, Blau-, Brombeeren aus dem Garten unseres Platzbesitzers. Es war ein sehr schöner Platz. Danach fuhren wir nach Silkeborg und hatten das Glück, dass dort an diesem Wochenende die Ildfest Regatta stattfand.
Die Ildfest-Regatta in Silkeborg ist eine Tradition, die bis ins Jahr 1899 zurückreicht und dazu beiträgt, Silkeborg überregional bekannt zu machen. Mit Regattasegeln im üblichen Sinne hat die „Ildfest Regatta“ in Silkeborg nicht unbedingt etwas zu tun.“ Regatta“ bezeichnet hier eine traditionelle Festveranstaltung auf und rund um die Silkeborger Seen. Im Mittelpunkt stehen vor allem geschmückte und beleuchtete Boote, Veranstaltungen am Wasser, Lichter und Feuerwerk – daher auch „Ildfest“ (= ungefähr „Feuerfest“).(KI)
Aus diesem Grund konnten wir am Nachmittag bereits kostenfrei ins Museum Silkeborg. Eigentlich hatten wir gar nicht vor hineinzugehen, ich wollte nur kurz in den Museumsshop und es bot auch einen guten Durchgang zur Innenstadt. Als uns die nette Mitarbeiterin aber erklärte, dass sie eine Ausstellung über Moorleichen, zum Teil sogar mit Exponaten aus Schleswig hätten, und als besonderes Highlight den Tollundmanden und noch dazu heute kein Eintritt zu zahlen sei, war unser Interesse geweckt.
Hauptattraktion des Museums Silkeborg ist der Tollund-Mann. Er wurde 1950 von der Familie Højgård in einem Moor bei Bjældskovdal nahe Bølling Sø, etwa 10 km westlich von Silkeborg, gefunden, als sie Torf gruben. Die Leiche war so gut erhalten, dass sie sofort die Polizei von Silkeborg verständigten. Da jedoch einer der Beamten dem Museum Silkeborg angehörte, erkannte er schnell, dass es sich um einen sehr alten Mordfall handelte und kontaktierte den Archäologieprofessor P. V. Glob aus Aarhus. PV Glob traf am Fundort ein und stellte fest, dass es sich um eine mehrere tausend Jahre alte Moorleiche handelte. (Museum Silkeborg).
Der Tollundmann starb vor ca. 2400Jahren in der Eisenzeit.
Archäologen stellen sich die Frage, ob es sich bei den Funden von Moorleichen um Selbstmorde, Bestrafungen von Kriminellen oder Ritual- bzw. Opfermorde handelte. Die meisten Indizien sprachen für Opfermorde.
Es war sehr interessant zu sehen, wie gut erhalten die Funde sind. Es gab eine Vitrine mit verschiedenen Haaren der gefundenen Leichen. Man konnte noch genau die Frisuren erkennen. Der Teil des Museums war sehr interessant. Weiterhin bot es eine Ausstellung von sehr guten Fotografien, zumeist Sonnenuntergängen und Naturmotiven und ein ehemaliges Arbeiterhaus aus dem Beginn des 20.Jahrhunderts mit Einrichtung, wo man etwas über das Leben einer Arbeiterfamilie zu der Zeit erfahren konnte. Insgesamt hat sich der Besuch sehr gelohnt.
Den Abend verbrachten wir bei einer Musikbühne bei Musik einer Beatles Revival Band und einer Phil Collins Cover Band. Zu unserer Freude ergatterten wir bei einem sehr guten Restaurant fast nebendran auch noch zwei TooGoodToGo – Salat-Boxen, vegetarisch versteht sich, die wir mit großem Appetit verzehrten. Den Abschluss machte ein Feuerwerk über der herrlichen Gewässerlandschaft innerhalb der Stadt. Wir hatten das unverschämte Glück, dass die 3 Womiparkplätze auf dem Parkplatz eines Fahrradverleihs wegen irgendeiner Baumaßnahme nebenan über das Wochenende keine Zeitbegrenzung von 3 Stunden hatten und wir ausdrücklich auf Nachfrage bis Montag hier stehenbleiben durften. Uns reicht aber eine Nacht. Das Beste war, dass der Platz genau an dem See war, wo abends das Feuerwerk gezündet wurde. Wir hatten also einen Topp-Platz. Ich fragte mich später, ob ich das am kommenden Morgen noch so sehen würde, denn nach dem Feuerwerk ging die Musik auf einer naheliegenden Bühne weiter.
Samstag, 15.8.2026: Silkeborg – Aarhus
Nachdem ich immer wieder Ziele rund um Aarhus vorgeschlagen hatte, war nun endlich die zweitgrößte Stadt Dänemarks an der Reihe und die hatte natürlich wieder eine Umweltzone. Wir haben das Problem aber wieder hervorragend gemeistert. Nach einigem recherchieren bei Park4night fand ich einen Parkplatz bei einer Handelsschule in Viby, einem Vorort. Zurzeit waren Ferien und Samstag auf Sonntag war parken dort eh kein Problem. Außer uns stand noch ein Wohnmobil auf dem ruhigen Parkplatz. Schnell hatten wir per Maps herausgefunden, wie wir per Bus, der in der Nähe abfuhr, in die Innenstadt von Aarhus gelangen konnten. Wir konnten wieder die App Rejsekort nutzen und nach ca. 1/2-stündiger Fahrt erreichten wir unser Ziel, das ARoS Aarhus Kunstmuseum. In den Rezensionen wurde das begehbare Dach mit dem Regenbogenrundweg hervorgehoben und so fanden wir das Gebäude schon von weitem. Es handelte sich um einen Glasfensterrundweg im 10.Stockwerk, der in Regenbogenfarben immer wieder neue Eindrücke verschaffte, wenn man eine Runde lief. War man in blaues Licht getunkt, erschien alles weit und guckte man nach unten, konnte es einem schwindeln, ganz anders bei rotem oder gelbem Licht. Letzteres taucht einen in einen intensiven Sonnenschein. Es war großartig gemacht. Im 9.Stock gab es eine begrünte Dachterrasse, von der man die Umgebung dann im „richtigen“ Licht sah. Die Kunstausstellungen verteilten sich auf die weiteren Etagen. In der Ausstellung „Human Nature“ behandelten diverse Künstler die menschliche Natur mit den Themen Religion, Philosophie, Natur, Wissenschaft und gaben einen guten Einblick in die Kunstgeschichte. Die Ausstellung sollte die Besucher anregen, über sich selbst nachzudenken. Uns hat sie nicht so besonders begeistert. Anders die Ausstellungen „ARos Sampling 1960-Nu“ und die Bilder und Skulpturen von Svend Wiig Hansen „Gånde, faldende, stånde“ was so viel wie gehend, fallend, stehend hieß. Erstere bot ein Überblick über die Kunstgeschichte der letzten 65 Jahre mit Bildern z.B. von Andy Warhol und Jenny Holzer uvm. Der dänische Künstler Svend Wiig Hansen (1922-1997) hat die riesige Skulptur „Mensch am Meer“ in Esbjerg geschaffen, die wir auf unserer Reise bereits kennenlernen konnten. Er zeichnet sich durch häufig ehr provokative Darstellungen von Menschen aus. Ich fand im Internet folgende Info über ihn:
Im Jahr 1954 sorgte die Betonskulptur „Mutter Erde“ (Moder Jord) des dänischen Künstlers Svend Wiig Hansen auf dem Rathausplatz in Aarhus für einen großen Skandal. Die Darstellung einer sitzenden, nackten Frau mit gespreizten Beinen und in einer offen zur Schau gestellten Gebärhaltung empörte die damalige Öffentlichkeit und die Stadtpolitik zutiefst. [1, 2]
Hintergründe des Skandals
Der Auslöser: Die archaische, provokante Form der üppigen Frauenfigur erinnerte an präkolumbianische Kunst und brach stark mit den moralischen Vorstellungen der Nachkriegszeit. [1, 2, 3]
Die Reaktion der Politik: Der damalige Bürgermeister von Aarhus, H. Unmack Larsen, bezeichnete das Werk als „amateurhaft“, empfand es als anstößig und ließ es kurzerhand demonstrativ im Fond eines Falck-Einsatzwagens entfernen. [1, 2, 3]
Die Folgen: Die Aktion landete am nächsten Tag auf den Titelseiten aller dänischen Zeitungen und machte den jungen Svend Wiig Hansen schlagartig im ganzen Land berühmt (der später unter anderem auch das berühmte Denkmal „Der Mensch am Meer“ in Esbjerg schuf). [1, 2, 3]
Heute gilt das Werk als Meilenstein der dänischen Moderne und ist beispielsweise in Ausstellungen des ARoS Aarhus Kunstmuseum zu sehen. (GEMINI)
Svend Wiig Hansen war Bildhauer und Maler. Er war Zeichner und Grafiker und schuf Filme und Bühnenbilder. Zehn Jahre lang arbeitete er an den Glasfenstern der Kirche in Kastrup. 1987 entwarf er das „Tor der Liebe“, das bis heute den Personaleingang des Königlichen Dänischen Theaters bildet. Wir fanden seine Werke sehr interessant.
Auf derselben Etage war noch eine Ausstellung über „Der Körper im Punk“. Sie interessierte uns nicht nur, weil es hauptsächlich um die Punk-Welle in der DDR ging und Filme und Musik damit sprachlich verständlich und politisch einordbar waren, da wir über die Verhältnisse hinter der Mauer zumindest heute informiert sind, sondern weil die 70ier und 80iger auch unsere Jugend waren. Nina Hagen, Patty Smith – Namen, die uns was sagten.
Eine weitere Etage zeigte Installationen. Z.B. Räume einer futuristischen Untergrundbewegung. Eine Mischung aus Bekanntem wie Einrichtungsgegenstände, die aber wie in einem unterirdischen Bunker Räume einer futuristischen Untergrundbewegung darstellen sollten, was eine teils bedrückende Wirkung auf den Beobachter hatte.
Dann gab es einen Raum mit sehr naturgetreu nachgebauten Menschen, die vom Geschlecht, Alter, sozialer Herkunft, Behinderung etc. die Bandbreite der Bevölkerung abbilden sollten und im Raum verteilt aufgestellt waren. Dazwischen liefen „echte“ Menschen, also die Ausstellungsbesucher wie wir und es war teilweise wirklich verwirrend, weil man immer erst zweimal gucken musste, ob die Person echt oder Puppe war.
Der krönende Abschluss – auch wenn ich es nicht so beeindruckend fand – war eine Beton-Kuppel mit einem verschließbaren Loch in der Decke. Die Besucher saßen oder lagen auf dem Boden unter dieser Kuppel und dann hob sich der Deckel vom Loch und man sah zuerst den Himmel, danach begann eine Veränderung des Lichts sowohl der Kuppel als auch des Lochs. Je nachdem, welche Farbzusammenstellung war, erschien das Loch nicht als Art farbiger Deckel, sondern dreidimensional, so als ob dort oben eine farbige Kugel wäre.
Wir verbrachten mehrere Stunden im Museum und waren erstaunt, als auf einmal angekündigt wurde, dass in 10 Minuten geschlossen würde. Wir waren allerdings auch bereits im Museumsshop und hatten nichts verpasst.
Nun blieb uns noch etwas Zeit für die Stadt selbst. Wir stillten unseren Hunger sehr ungesund, aber lecker mit einer TooGoodToGo Tüte von Starbucks. Die netten Mitarbeiterinnen packten uns sogar die Tüte bereits vor der Abholzeit, damit wir nicht warten mussten und es waren 4 sehr leckere Kuchenstücke für 6,56€ drin, was sonst bereits eines gekostet hätte. Gemütlich setzten wir uns auf die Stufen der Aarhus Å, dem Fluss durch die Stadt und genossen unseren Schatz. Danach entdeckten wir das „Sailing Aarhus“ ein wunderbar gestaltetes und begrüntes Roof Top eines Kaufhauses im 10.Stockwerk, wo man drauf verweilen, auf unterschiedlichen Ebenen herumlaufen und hinunterschauen konnte und das sogar von einer freischwebenden Glasfläche, wie man es manchmal aus den Bergen von Aussichtsplattformen kennt. Es war klasse, auch weil wir richtig klares Wetter hatten. Danach fuhren wir zurück zum Womi. Es war wieder ein sehr gelungener Tag, auch wenn ich ihn am Morgen übermüdet – unsere Parkplatznachbarn mit Zeltdach haben bis 4:00 Krach gemacht – und mit schlechter Laune begonnen hatte.
Montag, 17.8.2026: Horsens – Vejle – Flensburg (Citti Park)
Wir waren wieder im Lande, aber natürlich noch auf Tour. Nachdem wir morgens der Fußgängerzone von Horsens noch einen Besuch abgestattet hatten, verfielen wir in den totalen Kaufrausch. Wir besuchten nahezu alle Genbrugs in Horsens und das sind mehrere, inklusive Dänemarks größtem vom Blue Cross, und wir fanden beide auch noch Klamotten. Die Fußgängerzone war aber auch nett. Wie meistens in Dänemark war sie aufgelockert durch Sitzgelegenheiten, Spiel- und Sportgeräte wie Bodentrampolin und es gab wirklich gute Streetart. Auch der Park, bei dem wir übernachtet haben, war schön mit Teichen, einem sehr abwechslungsreichen Spielplatz und er war riesig groß. Als letzte Stadt in Dänemark besuchten wir noch Vejle und hier ebenfalls die Fußgängerzone und wir entsorgten noch einmal unser Womi. Hier schloss sich nun der Kreis. Alles Interessante süd-östlich wie z.B. Kolding hatten wir bereits 2023 auf unserer Ostseerundfahrt besucht. Nun ging es unweigerlich zurück nach Deutschland und wir fuhren bis nach Flensburg auf den großen Parkplatz des Citti- Einkaufszentrums, wo reihenweise Plätze für Wohnmobile bereitstellt wurden. Ich schätze, sie machten damit auch keinen schlechten Umsatz, so war es für beide Seiten eine Win-Win Situation. Wir hatten sogar Glück, dass die Pizzeria dort auch bei TooGoodToGo mitmachte und sich sogar darauf einließ, dass für uns nur vegetarische Pizzastücke infrage kamen. Der Mitarbeiter packte daher für uns eine Extrabox mit drei großen Pizzastücken, Vegetariana, Margarita und eine mit Schafskäse und Spinat. Im Einkaufszentrum gab es Sitzecken mit TV, wo gerade die Leichtathletik EM lief, sodass wir gemütlich speisen konnten und sogar WLAN hatten.
Dienstag, 18.8.2026: Flensburg – Walsrode
Heute machen wir unseren letzten Übernachtungsstopp bei Freunden in Walsrode. Auf dem Weg hierhin bauten wir einen Abstecher in die Heide bei Buchholz ein und wanderten mal in einem Heidestück, was wir noch nicht kannten. Danach ging die Fahrt dann nach Walsrode, wo wir uns mal wieder auf den neuesten Stand brachten, was es in unseren Familien so Neues gab und wo wir die Nacht übernachteten.
Mittwoch, 19.8.2026: Walsrode – Bad Harzburg
Nach einem gemeinsamen Frühstück hatten wir dann nur noch 150km vor uns und dann begann das große Ausräumen aller Urlaubssachen aus dem Womi, was ein paar Stunden in Anspruch nahm. Die Waschmaschine war auf jeden Fall dieses Mal gut ausgelastet, über Tage hinweg!
Fazit:
Es war wieder eine wunderbare Womi-Tour in sehr schöner Landschaft, mit tollen Übernachtungsplätzen, finanziell gut machbar durch die TooGoodtogo-Tüten, mit denen wir gar nicht gerechnet hatten und den vielen kostenlosen Stellplätzen. Die Mischung aus Natur, Kultur und Einkaufs-Genuss stimmte hervorragend und wir haben noch nie so viel schöne Dinge mit nach Hause geschleppt. Wir können unserem Womi nur danken, dass es so wunderbar durchgehalten hat. Wir brauchten auf dieser Reise weder eine Werkstatt noch einen Arzt, noch ging es irgendeinem unterwegs mal wirklich richtig mies. Kleine Kratzer und mal Durchfall gehören zum Reisen wie Souvenirs, die kann man verkraften. Wir sind auf jeden Fall superglücklich, Dänemark noch einmal eine Chance gegeben zu haben, auch wenn wir schon mehrfach durchgefahren waren und es war es wirklich wert, sich ein Gebiet einmal so genau anzugucken.
