Usbekistan


Freitag, 17.4.26/ Samstag 18.4.26: Anreise über Frankfurt – Taschkent, erste Eindrücke und Organisatorisches

Die Anreise nach Frankfurt mit dem Auto, das Parken auf dem Park&Ride Parkplatz in Langen, von wo aus wir problemlos zum Flughafen fahren konnten, sowie der Flug mit der usbekischen Centrum Airline, verlief alles reibungslos. Wir hatten sogar jeder eine ganze Sitzreihe für uns, sodass wir uns hinlegen konnten. Eigentlich genial zum Schlafen, wenn nicht ein Baby fast ununterbrochen geschrien hätte. Da ist man auch 30 Jahre später noch glücklich, dass die eigenen Kinder reisekompatibler waren. Ein kleines Missgeschick musste mir natürlich in Frankfurt noch passieren: ich habe meine Strick-Fleece- Jacke im Boardingbereich, wahrscheinlich sogar am Haken in der Toilette vergessen. Nun ja, sie war wie meine meiste Kleidung Second Hand und hat mich 2017 schon nach Kuba und 2019 nach Japan begleitet, also kein großer finanzieller Verlust, aber schon ärgerlich. Vielleicht kann ich sie bei der Rückkehr beim Lost&Found wieder abholen. Für die Reise werde ich sie wahrscheinlich bei den hiesigen Temperaturen nicht unbedingt brauchen.
Nach unserer Ankunft um 4:30Uhr in Taschkent (1:30 in Deutschland) konnten wir direkt des nachts noch SIM-Karten kaufen und Geld ziehen und dank der Yandex App ein Taxi zu unserer Airbnb – Wohnung bestellen. Als wir gegen 6:30 endlich in unserer Wohnung ankamen und uns etwas eingerichtet hatten, war ich so wach, dass ich eigentlich gleich hätte frühstücken gehen können, aber da hatte ich die Rechnung ohne meinen lieben Mann gemacht, er war todmüde und wollte schlafen. Ich kramte noch etwas rum und legte mich dann auch hin, konnte aber partout nicht einschlafen. Erst als Stefan wieder wach wurde, war ich total kaputt und fiel endlich in den Schlaf, während er den ersten Einkauf für unser Frühstück machte. Gegen Mittag begann dann für uns unser 35.Hochzeitstag mit Brot, Käse, Haferflocken mit Obst, Tomate und Teilchen, danach machten wir uns auf den Weg zur Metro, um zum Hauptbahnhof zu fahren. Der Versuch, unsere Zugtickets nach Samarkand für den 22. online zu kaufen, scheiterte mal wieder an der Nichtakzeptanz von Stefans Kreditkarte. Auch bei der Metro gab es erst ein paar Verwirrungen, weil wir eine aufladbare Karte kaufen wollten, aber die Automaten dafür noch nicht eingerichtet waren. Wir hätten sie nur aufladen können, aber wenn man keine Karte hat, sieht man alt aus. Nachdem wir unsere erste Fahrt für je 14ct per Einzelticket bar gezogen hatten, lernten wir später, dass man an den Eingangsschranken auch einfach per Kreditkarte zahlen kann. Nach langem Warten waren wir auch im Bahnhof erfolgreich und feierten unseren Erfolg bei Kaffee und Kuchen im Café. Wir besuchten danach einen Park und konnten wieder mal feststellen, dass die ehemaligen Sowjetstaaten es wirklich schaffen, Parks für alle Altersstufen so attraktiv zu gestalten, dass sie immer gut besucht sind. Fahrzeuge, Spielgeräte, Sportangebote, diverse Einkehrmöglichkeiten und vieles mehr lassen Kinderherzen höher schlagen, und Ältere lieben Tischtennis, Sportgeräte und Cafés oder Imbissstände. Wir sahen das Außenministerium, den Präsidentenpalast und andere Regierungsgebäude, sowie die Oper, ein paar typische Statuen, wie man sie im Osten zuhauf finden kann, nur für die Wasserspiele waren wir mal wieder nicht zu richtigen Zeit da. In Armenien war es schon zu spät im Herbst, jetzt anscheinend noch zu früh im Frühjahr, schade! Der erste Eindruck ist eine Mischung aus sowjetischen Prachtbauten mit orientalischem Einfluss, moderne Bauten, breite Straßen, beeindruckende Metro-Stationen ähnlich wie in Russland und relativ viele Frauen mit Kopftuch, wobei ich mir nicht sicher bin, dass es immer einen muslimischen Hintergrund hat, denn auch die alten Frauen in den Sowjetstaaten (wie bis in die 70iger ja auch bei uns) hatten ebenfalls häufig Kopftücher auf und haben sie vielleicht noch heute in Russland oder weiter im Osten. 
Wir gingen zum Abschluss unseres Hochzeitstages im Restaurant essen und konnten einen ersten Vorgeschmack davon bekommen, dass es nicht einfach werden würde, hier vegetarisch über die Runden zu kommen, ohne ständig selbst kochen zu müssen.

Sonntag, 19.4.2026: Taschkent 

Mehr als 23600 Schritte auf meiner Uhr sprachen dafür, dass wir an diesem Tag Taschkent größtenteils zu Fuß erkundet hatten. Zur ersten Sehenswürdigkeit, der Minor Mosque, hatten wir jedoch einen Bus genommen, der fast vor unserer Haustür abfuhr. Man durfte die prächtige Moschee zwar als Tourist nicht betreten, man hatte aber extra eine Tür mit gutem Einblick ausgeschildert und es gab Kaputzenmäntel für Diejenigen, die nicht der Kleiderordnung entsprachen. Auch ich habe ihn übergeworfen, auch wenn ich eigentlich eine Kapuzenjacke trug. Als nächstes wollten wir den Fernsehturm, der scheinbar fast gegenüber auf dem Expogelände zu sehen war, besuchen, haben dann aber den Weg verfehlt und einen wahrscheinlich mehrere Kilometer weiten Umweg gemacht. Wir kamen an diversen Pavillons und zahlreichen Sportstätten vorbei, durch Parkanlagen und an Wasserläufen entlang, bis wir ihn endlich erreicht hatten. Wir konnten bis zur 8.Etage hochfahren, wo ein Aussichtsrondell einen Blick auf die Stadt ermöglichte. Hier bestätigte sich unser Eindruck, dass Taschkent anders als Hauptstädte anderer ehemaliger Sowjetländer keine gigantischen Plattenbauten-Viertel hat. Es gab auch höhere Häuser, aber nichts wirkte hier grau und zerfallen. Immer wieder waren orientalische Kuppelbauten, in denen sich Moscheen, Medresen, Museen oder ähnliches befanden, moderne Hochhäuser mit Glasfassaden, Freizeitparks und Grünanlagen zu sehen. Breite Straßen und ein Fluss durchzogen die Stadt und bunte Blumenrabatten verschönerten das Bild. Im Gegensatz zu vielen südostasiatischen Ländern gab es nahezu überall Bürgersteige, die sauber und meist auch gut in Schuss waren, einzig die Wasserrillen zwischen Straße und Bürgersteig waren meist offen und man musste aufpassen, nicht reinzutreten. Die Stadt war in Bezug auf Sauberkeit und Zustand von Häusern und Anlagen weder mit Südostasien, Indien, noch mit Armenien oder Georgien vergleichbar. Sie war modern, die Busse wie in Europa, der Verkehr durch Ampeln und Blitzer geregelt und die Autos keine Schrottbeulen. Die Metrostationen waren ähnlich wie in Moskau häufig richtige Augenweiden. Wir waren in einem Technikbasar, den man ehr in Japan oder Taiwan erwartet hätte. Hunderte von Geschäften mit allen nur erdenkbaren elektronischen oder elektrischen Geräten aller Marken von Smartphones bis Kaffeemaschinen und Waschmaschinen bis Klimaanlagen, soweit das Auge reichte. Stefan konnte das gesprungene Display seines Handys innerhalb einer Stunde für 60€ statt in Deutschland für 250€ reparieren lassen und der Mann, der das gemacht hat, nahm das Ding auseinander und baute es wieder zusammen, als würde er ein Puzzle blind zum 100.Mal legen. Da war kein Griff zu viel oder unsicher und alles funktionierte danach wieder hervorragend. Zum Mittagessen hatten wir Kurutob in einem gemütlichen Restaurant:

Kurutob ist ein traditionelles tadschikisches Nationalgericht. Es besteht aus:
Fladenbrot (Fatir), das in kleine Stücke gebrochen und in einer Schüssel angerichtet wird
Qurut-Sauce – einer säuerlichen Flüssigkeit aus aufgelöstem Qurut (getrocknetem, gesalzenem Joghurt/Käse) gemischt mit Wasser
Gebratenen Zwiebeln und Öl, die heiß darübergegossen werden
Optional Gemüse wie frische Tomaten, Gurken oder Kräuter obendrauf

Eigentlich hätte es noch Rindfleisch darauf gegeben, aber das haben sie für uns weggelassen und es war super lecker und die Schüssel für uns beide und 1l Mineralwasser kostete nur 9€. 
Danach haben wir den Chursu Bosori, einen großen Bazar in einem beeindruckenden Kuppelgebäude besucht. Außer das normale Obst, Gemüse, Fleisch, Klamotten etc. gab es zahlreiche Stände mit Nüssen, Pistazien, Trocken- und kandierten Früchten, sowie duftenden Tees, die mit Früchten und Kräutern versehen waren, sowie farbenprächtige Gewürzstände wie in arabischen Ländern. 
Auf dem Weg nach Hause hatten wir noch einmal Appetit und probierten unsere ersten Somsas. In der Regel sind die Teigtaschen gefüllt mit Fleisch, aber wir fanden auch ein Angebot mit Kartoffelfüllung. Dazu gab es eine Tomatensoße zum Dippen, die mich an die chilenische Salsa erinnerte und sehr lecker war. Den Abschluss machte ein Eis in einer italienischen Eisdiele, bevor wir die letzten 1,5 km zu unserer Unterkunft zurücklegten.

Montag, 20.4.2026: Taschkent 

Heute begaben wir uns im quetschvollen Bus in Richtung Hazrati Imam Complex, dem religiösen Kern der Stadt mit mehreren Moscheen, Museen und anderen reich mit orientalischen Ornamenten verzierten Gebäuden. Dieses Ensemble wurde laut Reiseführer erst seit 2007 wieder aufgebaut, nachdem Taschkent in dem Jahr zur Kulturhauptstadt der islamischen Welt gewählt wurde. Zuvor waren etliche beeindruckende, über Jahrhunderte gebaute, mittelalterliche und reich verzierte Gebäude, wie auch die Lehmhäuser der Altstadt dem Verfall preisgegeben, sodass man sie nur noch abreißen und neuerrichteten konnte. Anscheinend wurde der Wiederaufbau erst im letzten Jahr beendet. An einigen Lehmhäusern ringsum ließ sich der Verfall noch nachvollziehen. Die Gebäude mit ihren Verzierungen fand ich herausragend schön. 
Als Gegenstück besuchten wir danach die Sailghokh Street, die auch der „Broadway von Taschkent“ genannt wird. Eine Fußgängerzone, gespickt mit internationalen Imbissständen, Cafés, Künstlern, die ihre Werke auf der Straße anboten, Kinderkarussells und -belustigungen, Tischtennisplatten und anderen sportlichen Angeboten gegen Geld und einem Park. Die Straße gilt in Taschkent als die dynamische Fusion von Tradition und Moderne. Da der Weg hierhin nur mit Umsteigen und einem längeren Fußweg zu bewältigen war, entschieden wir uns ausnahmsweise Mal für ein Taxi und gaben ganze 1,40€ inkl. Trinkgeld aus. Was für eine Verschwendung, wenn man doch auch für 12cent pro Person mit zwei U-Bahnen hingekommen wäre😂. Mal im Ernst, die öffentlichen Verkehrsmittel waren hier mit 12 Cent pro Fahrt wirklich unglaublich billig für uns. 
Wir fuhren dann schon gegen 18:00 zurück zur FeWo und aßen zum Abendessen Brot mit Käse, Tomaten, Avocado, Möhre und Ayran, womit wir vermieden etwas zu kochen, weil das einzig wirklich schreckliche in der Wohnung der Topf und die Pfanne waren, die längst ausrangiert gehört hätten. Stefan machte sich zum Frühstück deshalb immer nur Gläser mit Hülsenfrüchten in der Mikrowelle warm, weil er keinen Tofu in einer völlig zerkratzten, beschichteten Pfanne braten wollte. Ansonsten war unsere Wohnung mit Schlafzimmer (Doppelbett/Einzelbett), Wohnzimmer (noch ein Bett), Bad, Küche und Mini-Balkon inkl. Waschmaschine und guter Dusche für ca. 51€/Nacht in der Hauptstadt voll ok. Es war nachts ruhig, nebenan im Univiertel gab es viele Wege zwischen Sportanlagen, wo Stefan sicher joggen konnte, Bus fuhr fast vorm Haus, Metro in 1,5km. Die Lage war nicht super zentral, aber in Ordnung. So durfte es gerne weitergehen in Bezug auf Unterkünfte.

Dienstag, 21.4.26 Taschkent 

Es war unser Park- Tag. Da es morgens ziemlich warm und stickig war, fanden wir es angebracht, uns unter schattigen Bäumen zu bewegen. Unser erster Stopp war der Botanische Garten. Er bot Bäume und Büsche und zahlreiche Picknickplätze, darüber hinaus war er aber nur langweilig. Ein Weiher mit laut quakenden Fröschen und Entenkindern war noch ganz nett, aber das war auch schon alles. Der nächste war der Eco Park. Ein moderner Park mit verschiedenen Wasserfontänen, die ausnahmsweise auch liefen, einem netten See mit Brücke in der Mitte, zwei Bahnen für Spaziergänger und Jogger, einer großen Picknickwiese unter Bäumen, die, wie auch im Botanischen Garten, sehr gut genutzt wurde von Familien, Schulklassen oder zu Kindergeburtstagen und von sonstigen Kleingruppen. Es gab einen tollen Spielplatz und diverse Sportplätze für Tennis, Badminton, Krafttraining etc. Ähnlich war auch der sogenannte Nationalpark, der einige Statuen zu bieten hatte, sowie einen See, auf dem man Tretboot fahren oder sich auch mit einer Gondel schippern lassen konnte wie in Venedig. Der Park ging direkt über in den Magic Park, einen Freizeitpark alá Disney. Bunte Märchenschlösser, bunte Häuser, die evtl. Europa nacharmen sollten, ein auf islamische Architektur getrimmtes Gebäude mit den typischen Ornamenten, was ich hier nur kitschig fand und die den wahrhaft architektonischen Kunstwerken, die wir hier  am Vortag als Moscheen und islamische Bauwerke bestaunt hatten, nicht im geringsten gerecht wurden. Diverse Shops, ein Aquarium und andere Vergnügungsstätten und Gastronomie reihten sich hier aneinander.
Danach hatten wir genug von Parks und Hunger, sodass wir uns bereits gegen 17:00 auf den Weg zu unserem geplanten Abendessen in einem indischen Restaurant begaben. Wie herrlich, wenn man die Karte auf Englisch lesen kann, die fein säuberlich vegetarische von Fleischgerichten trennt! Wir genossen seit langem wieder jeder ein Thali und waren danach gut und lecker gesättigt. Da es anfing zu tröpfeln, erlaubten wir uns wieder ein Yandex Taxi, statt ca. 3km insgesamt zur und von der Metro zur Unterkunft zu laufen. Der Taxifahrer sprach einigermaßen Englisch und wollte uns Restaurants empfehlen und konnte es kaum fassen, dass wir kein Fleisch aßen, in einem Land, in dem Fleisch die Hauptnahrung und besonders auch Pferdefleisch sehr beliebt war. Schweinefleisch gab es aufgrund des Islams nicht. 

Mittwoch, 22.4.2026: Taschkent 🚆 Sarmakant 

Der Tag begann sehr früh, um 6 Uhr, denn wir mussten spätestens um 8:00 beim Bahnhof für den Sicherheitscheck vor unserer Zugfahrt nach Sarmakant sein. Das Gepäck wurde wie im Flughafen geröntgt und wir gingen durch das Tor, wo aber trotz Piepsen nicht viel passierte. Dann kauften wir uns noch einen Kaffee und zwei Teilchen als Frühstück und suchten unser Gleis. Auf dem ersten standen gleich drei Afrosyiob Züge hintereinander, aber leider nicht für uns, obwohl sie auch nach Samarkand fuhren. Um für diese Schnellzüge Tickets zu bekommen, muss man schnell sein, d.h. frühzeitig buchen. Nachdem wir den ellenlangen Bahnsteig einmal auf und ab gelaufen waren, erfuhren wir, dass unser „Shark Zug“ auf Gleis 3 führe. Man schickte uns erstmal umständlich durch die Unterführung, während die Einheimischen unbeanstandet über die Gleise schritten. Auf Gleis 3 stand ein abgewrackter, in die Jahre gekommener Zug, auf dessen ersten Wagen „Laboratorium“ stand. Das konnte ja wohl nicht unser Zug sein?! Da wir noch sehr früh waren, machten wir uns auch keine großen Gedanken und irgendwann trudelten auch andere Fahrgäste ein, unter anderem ein deutscher Rentner, der inzwischen ungefähr ein Jahr lang kreuz und quer durch die Welt reiste. Wir unterhielten uns ein bisschen und wurden dann zu Gleis 6 geschickt, wo inzwischen unser Zug wartete. Er war schier endlos lang und wir mussten fast am ganzen Zug entlang bis zu Wagon 17 laufen. Jeder Wagon hatte seinen eigenen Schaffner, der die Reisenden an der Tür begrüßte und die Tickets kontrollierte. Wir kannten das schon von russischen Zügen, auch, dass sich bei jedem Wagon ein Samowar mit heißem Wasser befindet und der Schaffner mit der Kanne Tee zu den Plätzen kommt und kostenlosen Tee anbietet. Unser Wagon war ein Großraumabteil, was zwar nicht sehr modern aussah, aber Liegesitze mit Stromanschluss, Fußrasten, versenkbaren Tischen in der Armlehne, Fenster mit Oberlicht und Verdunklung, sowie Fernseher unter der Decke, die uns aber zum Glück nicht berieselten, bot. Man hatte weit mehr Beinfreiheit als im Flugzeug oder in unseren Zügen. Nach fast 3 1/2Std kamen wir in Samarkand an. Die Landschaft unterwegs war fast durchgängig Agrarland und langweilig. In Sarmakant erwartete uns ein moderner, lebhafter Bahnhof, bei dem wir uns gleich für Bukhara Tickets für in 4 Tagen holten, dieses Mal für den High-Speed Zug! Vor dem Bahnhof warteten zahlreiche nervige Taxifahrer, die wir alle abblitzen ließen und uns zu dem Bus begaben, der fast bis zu unserer Haustür fuhr. Ich besorgte im nächsten Lebensmittelladen ein paar Kleinigkeiten fürs Mittagessen, wobei es plötzlich in Strömen anfing zu regnen. So blieb es auch den ganzen Nachmittag, was Stefan nicht davon abhielt, dennoch zu joggen, während ich mich etwas über mögliche weitere Ziele im Internet informierte. Zugtickets waren echt ein rares Gut, da musste leider unsere Flexibilität etwas hintenanstehen. Nachdem mein klatschnasser Mann wieder geduscht und „trockengelegt“ war, machten wir uns auf den Weg ins Zentrum zu einem Restaurant, das auch vegetarisches Essen anbieten sollte. Unterwegs konnten wir schon ein wenig von den prunkvollen Gebäuden rings um den Registan Platz erblicken, aber da es wieder begann zu regnen, versuchten wir so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen. Das Restaurant war ehr mittelmäßig, besonders die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig. Die Tische waren nicht richtig abgewischt, es lag noch eine leere, benutze Flasche auf dem Tisch und die Toiletten waren nicht nur die asiatischen Hock- WCs, sondern hatten auch kein Klopapier und überall stand Kram rum. Dann hatten wir auch noch Probleme bei der Taxibestellung, weil der Fahrer wohl nicht dorthin kommen konnte, wo wir standen. Wir waren nicht schnell genug zu ihm gelangt und er stornierte deshalb den Auftrag und das Geld war weg. Letztlich schafften wir es aber dann doch noch, mit einem anderen zu uns zu fahren und ins Trockene zu gelangen.

Donnerstag, 23.4.2026: Samarkand 

Unser Frühstück nahmen wir heute mal im Café ein, da wir am Vorabend bei dem Regen nicht mehr einkaufen wollten. Ich genoss einen Grießbrei mit Nüssen, Trockenfrüchten und Zimt und danach einen dünnen Pfannkuchen mit Lachs, Ei und Käse. Dazu gab es einen Flat White Kaffee. Es war sehr lecker. Stefan hatte eine Bowl mit Kokosmilch und Früchten, die ehr langweilig war, daher hat er von meinem Pfannkuchen etwas abbekommen, allerdings ohne den Lachs. 
Da wir am Vorabend vom Regen überrascht wurden, begaben wir uns danach noch einmal Richtung Registon maydoni, dem bekanntesten Platz Samarkands und einem der laut Wikipedia bedeutendsten Plätze Mittelasiens. Vorbei am Rukhobod Mausoleum, der Grabstätte des islamischen Gelehrten Burhaneddin Sagarji aus dem 14 Jahrhundert, das schlicht gegenüber der über und über mit Mosaiken verzierten Gebäude in dem Komplex wirkte aber spirituell sehr bedeutend ist, kamen wir durch Parkanlagen zum Registon maydoni. Der Name heißt so viel wie Sandplatz, denn vor Jahrhunderten floss hier mal ein Fluss. An ihm befanden sich die Ulugbek-Medrese, die Tillakori-Medrese und die Scherdor-Medrese, die zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert errichtet wurden und zusammen ein herausragendes architektonisches Ensemble bildeten. Die Pracht dieser Gebäude war selbst bei durchwachsenem Wetter erschlagend. Wir nahmen uns vor, sie am kommenden Tag noch von innen und in Abendstimmung zu erleben, denn dann war wieder Sonne angesagt. 
Danach begaben wir uns auf den Weg zu einer Apotheke, die Blutdruckmessgeräte verkaufen sollte, da laut meiner neuen SmartWatch meine Blutdruckwerte zu hoch waren. Die Abweichung von meinem Blutdruckmessgerät fiel mir schon zuhause auf, aber ich dachte erst, ich könnte mit der Uhr noch nicht richtig umgehen. Inzwischen fragte ich mich jedoch, ob mein Messgerät zuhause vielleicht nicht mehr richtig maß. Nun ja, das Gerät, was mir in der Apotheke angeboten wurde, war noch ein mechanisches zum Aufpumpen mit Stethoskop. Das konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen. Danach fuhren wir noch einmal zum Bahnhof und kauften uns Fahrkarten für das übernächste Ziel, da wir inzwischen gelernt hatten, dass wir das frühzeitig erledigen mussten, um nicht irgendwo stecken zu bleiben. Nachdem wir auch noch einen Supermarkt besucht hatten, um unseren Kühlschrank zu füllen, brachte uns ein Bus wieder zu unserer Unterkunft. 
Was in Usbekistan wirklich auffiel, war, dass man überhaupt keine Hunde sah. Das hatte drei Gründe: Hunde sind im Islam unrein und nach Kontakt muss man sich reinigen, freilaufende Hunde wurden bereits zu Sowjetzeiten gefangen und umgebracht und das hatte man nach der Unabhängigkeit übernommen und drittens hatten sich Hunde hier kulturell nur als Wachhunde etabliert, die die zumeist verschlossenen Innenhöfe der Häuser bewachten, nicht aber als Gefährten mit ins Haus oder zum Spaziergang mitgenommen wurden. Auf dem Land gab es laut Internet auch noch Hirtenhunde. Der Zentralasitatische Ovtscharka (Alabai) ist laut Internet eine traditionell usbekische Rasse und wird sehr geschätzt. Nach unseren unliebsamen Begegnungen auf Reisen, die Stefan in den letzten Jahren gleich zwei Bisse bescherten, dem nervigen Anknurren von Straßenhunden, sowie nächtlichen Bellkonzerten in einigen Ländern, war ich ehrlich gesagt nicht böse drum, dass uns das hier erspart blieb.

Freitag, 24.4.2026: Samarkand

Der Tag hatte etwas von einer Zeitreise in eine andere Welt. Samarkand war seit 2001 als „Samarkand – Schnittpunkt der Kulturen“ in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen. Von den 5 ausgezeichneten Zonen der Stadt, haben wir nur einen kleinen Teil gesehen und waren bereits völlig begeistert. Einen ersten Blick hatten wir ja bereits in den letzten Tagen auf den Registan werfen können, aber bei Regen. Heute schien wunderbar die Sonne und die Pracht der Gebäude wirkte noch einmal ganz anders bei blauem Himmel, bzw. am Abend bei Beleuchtung. 
Konkret herausragende Einzelbauten, die wir an diesem Tag von außen und teilweise von innen betrachtet haben, waren:
Der Registan-Platz – das „Herz Samarkands“ – mit dem einzigartigen Ensemble der drei Medresen Ulugh Bek, Tilla-Kari und Schir-Dar, das Schahi-Sinda-Ensemble mit mehr als 20 Moscheen und Mausoleen, die Bibi-Khanum-Moschee und das Gur-Emir-Mausoleum. Wir schlenderten stundenlang am Tag durch dieses fast vollständig Autofreie Gebiet und konnten uns nicht sattsehen. Zwischenzeitlich stärkten wir uns in einem kleinen, vegetarischen Café (wie es aussah von einer Amerikanerin geführt) mit Hafer-Dattel- Eiskaffee, superlecker! Zum Abendessen wurde es ehr italienisch mit Pasta Arrabiata und einem Salat mit Granatapfelkernen. Weil wir so lange warten mussten – ich glaube, die hatten unsere Nudeln vergessen – bekamen wir selbstgemachte Mangolimonade aufs Haus. Dafür hatten wir gerne gewartet! Zur goldenen Stunde ließen wir uns noch einmal per Taxi zum Registan fahren und besuchten nun das Medressen Ensemble auch noch von innen, um dann bei Dunkelheit die Lichtershow auf den alten Gebäuden genießen und fotografieren zu können. Es war ein superschöner Tag!

Samstag, 25.4.2026: Samarkand 

Der Tag verlief etwas holprig. Morgens ging der Gasmelder in der Küche an. Bei unserer Anreise war schon einmal der Handwerker dort, weil die Reinigungskraft Gasgeruch gemerkt hatte und eine Reparatur folgte. Ich hatte das Gefühl, dass es unter der Spüle wieder etwas roch und wir machten Fenster auf, Küchentür zu und informierten unseren Vermieter. Nach weiteren Geruchstests und Test mit dem Gasmelder war nichts mehr festzustellen. Unser Vermieter kam aber dennoch im Laufe des Tages mit Handwerkern. Ob etwas festgestellt wurde, wissen wir nicht, aber da der Gasmelder weg war, war anscheinend er defekt und meine Nase vom Gehirn beeinflusst worden. 
Wir machten uns derweil per Taxi auf den Weg nach Urgut, einem Ort kurz vor der tadschikischen Grenze. Da ich zu einem organisierten Tagesausflug nach Tadschikistan ins Gebirge keinen Mut hatte, weil bei der Beschreibung stand, dass sie für Herzkranke und Menschen mit Höhenproblemen nicht geeignet ist, wollten wir aber wenigstens ein paar schneebedeckte Berge und etwas Natur sehen. Der Ort versetzte uns schlagartig von einer nach westlichen Kriterien sauberen, fortschrittlichen und geordneten Stadt mit großartigem Orientflair vergangener Epochen in eine asiatische Kleinstadt. Es gab zwar zumeist noch Fußwege, aber so holprig, wie wir sie aus Südostasien kannten und fast komplett ohne Ampeln. Der Verkehr war ebenso chaotisch, sodass das Überqueren der Straße zum Überlebenstraining wurde. Wir fielen auf wie bunte Hunde und wurden ständig angesprochen, woher wir kämen und Jede/r probierte seine Brocken Englisch aus, oder versuchte halt so lange auf Usbekisch oder Russisch auf uns einzureden, bis wir dummen Touristen vielleicht doch etwas kapierten. Als wir nach 1- stündiger Fahrt, die gewohnt rasant war, ankamen, stand uns der Sinn eigentlich nach Kaffee und kühlem Platz zum Hinsetzen, aber Pustekuchen! Wir liefen sicher eine 1/2 Std an einer lebhaften Straße mit zig Läden und Werkstätten vorbei, aber außer Autoteilen, einer ganzen Reihe von Friseurgeschäften, die auf Hochzeitsfrisuren spezialisiert waren, Brautmodenläden, Tortenläden, die ganze Torten für Feiern verkauften und ein paar Imbissen mit Fleischgerichten war nichts zu finden. Nach langer Strecke in heißer Sonne fanden wir endlich einen Burgerladen, der auch Pizzen und Kaffee verkaufte und angenehm temperiert war. Hier aßen und tranken wir etwas, bevor wir uns auf den Weg machten zu einem Punkt auf Google Maps, an dem ein Wandergebiet sein sollte. Eigentlich wollten wir dorthin fahren, um unsere Kraft für die schönere Umgebung zu sparen, aber es gab keine Taxis, bzw. nur welche, die extra aus Samarkand hätten kommen müssen, also liefen wir. Wir fanden einen ruhigeren und wohl auch wohlhabenderen Ortsteil, der uns zu etwas Grün und ein Stück einen Hügel hinaufführte. Leider konnten wir nicht bis in die grünen Terrassen hoch, sodass wir die schneebedeckten Berge, die wir bei der Hinfahrt in der Ferne sehen konnten, hier nicht mehr sahen. Wir schafften es aber, sie später wenigstens etwas durch die Häuser erspähen zu können. Dann wurde es Zeit, uns um die Rückfahrt zu kümmern. Wir hatten erst vor, mit Marschrutka zu fahren, konnten dann aber doch noch für fast denselben Preis ein Taxi erwischen. Im Nachhinein weiß ich nicht, was angenehmer gewesen wäre. In einem wahrscheinlich überfüllten und heißen Minibus zu fahren und ums Leben zu bangen, oder mit der Klapperkiste von Taxi. Immerhin war der Fahrer nett und fuhr ordentlich, aber ich bekam alle Abgase ab und Stefan briet vorne in der Sonne. Mit Anschnallgurten hinten brauchte man hier genau wie in Indien oder sonst wo in Vorderasien nicht zu rechnen. 
Unser Abendessen genossen wir wie in Samarkand beim Inder und sahen unserer Reise am nächsten Morgen nach Bukhara entgegen.

Sonntag, 26.4.2026: Samarkand – Bukhara 

Wir verließen die faszinierende Stadt Samarkand und fuhren mit dem Highspeed Zug Afrosiab nach Bukhara, wiederum einer uralten Stadt, in der wir ähnliches an prachtvollen Bauwerken erwarten konnten wie in Samarkand. Im Internet wurden die Städte folgendermaßen beschrieben: 

„Samarkand und Buchara sind die Highlights Usbekistans, unterscheiden sich jedoch deutlich: Samarkand beeindruckt durch monumentale, blau gekachelte Bauwerke (Registan) und imperiales Flair, ist aber moderner und weitläufiger. Buchara bietet eine kompaktere, authentischere Altstadt, die sich wie ein Freilichtmuseum des Mittelalters anfühlt.“ 

Wir waren, gespannt was uns erwartete.

Auf dem Bahnhof in Samarkand machten wir vor unserer Abfahrt noch die Bekanntschaft mit einem sehr gut Deutsch sprechenden Bahnbeamten, der nur einen viermonatigen Sprachkurs gemacht hatte und sich bereits gut mit uns unterhalten konnte. Er wünschte sich, nach Deutschland zu kommen mit seiner Familie, wo bereits seine Schwester lebt. Als ausgebildeter Bahnbeamter mit einer Frau, die Krankenschwester ist, sollte er eigentlich mit Handkuss bei uns genommen werden, aber er hatte bereits von seiner Schwester, die seit 10 Jahren in Deutschland lebt, erfahren, wie schwierig die Situation für Migranten bei uns ist. Wir fanden es echt traurig, sowas zu hören. Was wir aber auch von ihm erfuhren war, dass wir in Usbekistan häufig noch eine Chance auf Zugplätze am Tag der Abfahrt hätten, weil da immer noch ein Wagon extra eingesetzt würde. Man müsste nur im Gespräch die Dringlichkeit darstellen, etwas betteln und ggf. mit etwas Geld nachhelfen, so liefe das in seinem Land. Stellte sich für uns nur die Frage, ob wir so korrupte Methoden auch noch unterstützen wollten. Kein Wunder, dass im öffentlichen Transportsystem die Bargeldzahlung inzwischen verboten war und alles über Kredit- oder die einheimische, aufladbare Transportkarte abgerechnet wurde. Zumindest hatten wir das für Taschkent so gelesen.
Als wir nach ca. 3 Std Fahrt in Bukhara ankamen, konnten wir gleich mit dem Taxi zu unserer Unterkunft fahren. Unser Vermieter war sehr nett und bot uns an, uns zu einem Restaurant fürs Mittagessen zu fahren. Da ihm kein usbekisches einfiel, das vegetarische Gerichte anbot, brachte er uns zu einem hervorragenden japanischen Restaurant und wir genossen Udon Nudeln und Sushi. Nach einer Pause in unserer Wohnung machten wir noch einen Spaziergang in unserem Wohngebiet, was etwas außerhalb der Stadt lag. Hier mischten sich jetzt deutlich die sowjetischen Spuren mit der Moderne. Wir wohnten in einem typischen Wohnblock aus der sowjetischen Zeit: außen hässlich, die Wohnung gut. Es war eine ganze Siedlung in der Art: Zwischen den Häusern etwas Grün, Spielplätze, ein Kindergarten, eine Schule und verbunden mit den offen durch die Luft geführten Gasleitungen. Nebenan eine alte, heruntergekommene Industrieanlage mit Schornstein, die aber wohl nicht mehr betrieben wurde. Rund um die Siedlung waren breite, moderne Straßen mit Geschäften, guten Restaurants und ähnlichem und in ca. 2 km ein gerade neu angelegter Park mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen für Kinder, E-Rollern, Wasserspielen, die leider noch nicht liefen, wegen denen wir aber eigentlich hingegangen waren, einem kleinen Teich mit Tretbooten, einer Tribüne und neu gepflanzten Bäumen und Blumen, die erahnen ließen, dass hier in ein paar Jahren eine schöne, schattige Oase für die Bewohner des Stadtteils entstanden sein würde. Noch waren die Bäumchen eher zierlich. Wir konnten jedoch einen schönen Sonnenuntergang mit farbenprächtigem Himmel erleben.

Montag, 27.4.2026: Bukhara


Wir fuhren mit einem Bus, der sich dann eher als Marschrutka herausstellte, in die Altstadt von Bukhara, über die ich folgendes im Internet fand:


„Die Altstadt von Buchara gehört zu den am besten erhaltenen Beispielen einer mittelalterlichen zentralasiatischen Stadt entlang der Seidenstraße. Über viele Jahrhunderte war Buchara ein wichtiges Zentrum für Handel, Religion und Wissenschaft.
Viele der historischen Gebäude stammen vor allem aus der Blütezeit unter der Samaniden-Dynastie (9.–10. Jahrhundert) und später unter den Scheibaniden (16. Jahrhundert). In dieser Zeit entstanden prächtige Moscheen, Medresen (islamische Hochschulen) und Karawansereien für Händler.
Ein berühmtes Beispiel ist das Samaniden-Mausoleum, eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Zentralasiens. Ebenso prägend ist das Poi-Kalon-Ensemble mit seinem imposanten Minarett, das schon Reisenden der Seidenstraße als Orientierung diente.
Trotz Zerstörungen, etwa durch die Mongolensturm unter Dschingis Khan, wurde Buchara immer wieder aufgebaut und bewahrte seinen historischen Charakter. Heute gehört die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und zeigt eindrucksvoll die kulturelle und architektonische Entwicklung der Region.“

Während Samarkand im 14. Jahrhundert ein Machtzentrum war und zur prachtvollen Hauptstadt Timors Reiches ausgebaut wurde, stellte Buchara über viele Jahrhunderte ein religiöses und intellektuelles Zentrum entlang der Seidenstraße dar. Es wirkte kompakter und nicht so monumental wie Samarkand, ein wenig wie ein Freilichtmuseum mit noch ein paar Stellen archäologischer Baustelle, aber größtenteils beeindruckender, intakter, historischer Substanz. Wir erlebten es sehr lebendig. In den Gebäuden waren überall Geschäfte mit Kunsthandwerk und Souvenirs, von Teppichen, geschmiedeten und getöpferten Gegenständen, sowie Miniaturgemälden, die zumeist Szenen aus der Blütezeit der Seidenstraße oder Naturmotive mit vielen Vögeln zeigten. Es wurden auch Workshops für Malerei und Knüpfen angeboten und natürlich fehlten nicht die zahlreichen Restaurants, um die Touristen zu beglücken. Da das Gebiet nicht so groß war wie in Samarkand, wirkte es viel touristischer und voller als in erstgenannter Stadt. Bereits in den Straßen zur historischen Karawanserei reihte sich ein Hotel an das andere. Da es an dem Tag darüber hinaus mit 28⁰ ziemlich heiß war und die Sonne blendend hell, war der Besuch etwas anstrengender als sonst und unpassenderweise bekam ich dann auch noch Durchfall. Wahrscheinlich hatte ich die Granatapfelkerne mit Haferflocken und Kefir am Morgen nicht vertragen. Wir entschlossen uns daher, bereits am frühen Nachmittag wieder in unsere FeWo zurückzukehren, um ggf. unliebsame Situationen zu vermeiden. Nicht immer war eine Toilette in der Nähe, die noch dazu keine Hocktoilette war und auch noch Toilettenpapier hatte. Ich schlief dann erstmal eine Runde, weil ich die Nacht zuvor wieder ewig lange wach gelegen hatte. Ich hatte mir mein Bett auf dem Sofa im Wohnzimmer gerichtet, damit ich Stefan durch mein Rumwälzen nachts nicht störte, aber im Raum hing der süßliche Geruch von Wasserpfeifen oder anderen Vapes in den Polstern, also stand fest, dass ich die nächste Nacht wieder ins Schlafzimmer einziehen würde. Zum Abendessen kochte mir mein lieber Mann Karotten und Kartoffeln und versagte mir jegliche Soße, um meine Verdauung wieder fit zu bekommen. Außerdem trank ich brav Tee statt Kaffee.

Dienstag, 28.4.2026: Bukhara (häufig auch Buxoro geschrieben)

Meine Verdauungsorgane schienen sich wieder beruhigt zu haben, dennoch war ich sehr vorsichtig mit Essen und Trinken.
Wir fuhren wieder mit Kleinbus, keine Ahnung, ob der schon als Marschrutka zählte, in die Innenstadt und machten dort weiter, wo wir am Vortag unsere Tour beendet hatten, am Labi Hovuz. Wie ich einer Rezension bei Maps entnehmen konnte, hieß das so viel wie „Teichufer“ oder „am Stausee“ und das war es auch: ein wunderbarer Platz an einem künstlichen Teich mit Fontänen und Schwänen, umgeben von wunderbaren historischen Gebäuden der ehemaligen Karawanserei, die heutzutage gefüllt waren mit Kunsthandwerksläden, Museen und Gastronomie. Da wir dieses Mal einen der begehrten Tische unter den Bäumen direkt am Wasser erobern konnten, begannen wir unseren Tag mit einer Kanne grünen Tee in lauschiger Umgebung. Wenn man in typischen usbekischen Restaurants einen Tee bestellte, bekam man immer eine ganze Kanne für ca. 6 Teeschälchen. Tee (besonders grüner Tee) ist in Usbekistan kulturell sehr bedeutsam. In der usbekischen Kultur ist Teetrinken ein wichtiges gesellschaftliches Ritual – jedes Teehaus (Chaikhana) ist ein zentraler Treffpunkt. Da es an diesem Tag meinem Empfinden nach sehr heiß war, das Thermometer zeigte 31⁰, war es auch ein guter Anfang, erstmal genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Danach wanderten wir zur Festung „Buxoro Ark„, die wir erst einmal von einem modernen Turm mit Aufzug von oben betrachteten und dann selbst besuchten. Die Festung lohnte sich nicht nur, weil es sich um einen riesigen und beeindruckenden Komplex handelte, sondern weil man von oben auch noch einen sehr schönen Blick auf einen anderen Gebäudekomplex mit den herrlich verzierten Toren der religiösen Gebäude, die hübschen Minarette und blauen Kuppeln hatte. Das in der Festung enthaltene Museum gab uns einen Einblick in die Jahrtausende alte Geschichte der Stadt.
Buchara ist eine der wenigen Städte der Welt, die seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. ununterbrochen am selben Ort wuchs und sich entwickelte, kulturell und religiös. Nach einem ausgiebigen Rundgang strebten wir ein weiteres Gebiet an, das wir von oben gesehen hatten, den Po-i-Kalon-Platz mit der Mir-i-Arab-Madrasa mit ihren türkisenen Kuppeln und reich verziertem Portal. Ihr gegenüber befand sich das Kalon Minarett mit wunderbaren Verzierungen. Danach packte uns der Hunger und wir gingen in ein Restaurant, das mit Sicherheit eine Toilette hatte – sicher war sicher! Wir aßen usbekische Gerichte, bei denen man das Fleisch weggelassen hatte – der Tourismus schien seine Wirkung zu haben. Ich aß eine „Vegan Quajish Lasagne usbek“, also eine „Usbek-Style-Lasagne“ – eine Art Gemüsesuppe mit Korianderblättern auf Nudelscheiben wie unsere Lasagne, aber kleiner und nur als Unterlage für die Suppe. Stefan hatte „Vegan Lagman„, spezielle aus Teig gezogene Nudeln, ebenfalls mit Gemüsesoße. Eigentlich beinhalten beide Gerichte Fleisch und Langman wird in Usbekistan und Kirgisistan als Nationalgericht angesehen, es gibt es aber in der gesamten Region. Wir teilten uns eine Kanne Jasmintee und ein Stück leckeren Kuchen, mit ganz dünnem Teig, zwischen den in mehreren Lagen eine Nussfüllung gebettet war, ich glaube, eine usbekische Variante von Baklava. Den hatten wir schon mehrfach und er war super lecker. Danach fuhren wir nach Hause.

Mittwoch, 29.4.2026: Bukhara 

Die Hitze hatte uns auch heute fest im Griff mit Höchsttemperatur bis 32⁰. Den Morgen schlugen wir uns mit der Planung unserer weiteren Reise herum. Es war die eine Sache, zu wissen, was man gerne besuchen wollte, es musste aber auch machbar sein! Je weiter wir in die Peripherie eindrangen, mussten wir uns damit abfinden, dass Strecken sehr weit und Zugtickets auf lange Sicht ausverkauft waren. Am kommenden Tag stand fest, dass wir mit dem Zug nach Nukus, das waren rund 700Zug-km laut KI, fahren würden. Das Ticket hatten wir bereits in Samarkand gekauft. Es gab nur einen regulären Zug, keinen Highspeed Zug und in dem nur Schlafwagen. Wir hatten zwei Liegen in der dritten Klasse, d.h. Großraumabteil mit Liegen rechts und links, gebucht. Den Bildern im Internet nach ähnelte das ein wenig den indischen Zügen, nur würde es sicherlich sauberer sein. Man hatte uns gar nicht gefragt, welche Klasse wir wollten. Es war aber auch egal. Wir mussten nicht schlafen, denn wir fuhren von ca. 9-18Uhr. Eigentlich wollten wir dem Plan der KI folgen und danach nach Chiva (auch Xiva geschrieben) fahren, was „eine kurze Distanz“ sein sollte. KI riet zur Taxifahrt, die Strecke war allerdings „kurze“ fast 200km! Von Chiva sollte es am 6.5. dann Richtung Taschkent per Zug weitergehen und wir sollten vor Taschkent in Kokand aussteigen, um auch noch das Ferganatal mitzunehmen. Dummerweise waren die Züge nach Taschkent (15 Std Fahrt im Nachtzug) aber seit Tagen schon bis zum 12.5. ausgebucht. Das wurde uns zu knapp, besonders mit Zwischenstopp, denn wir mussten ja von Kokand ein paar Tage später nochmal wieder einen Zug (wahrscheinlich denselben) zurück nach Taschkent bekommen, um am 15. bereits heimzufliegen. Bis zum 12.5. wäre ein Aufenthalt in Chiva auch viel zu lang. Wir fassten daher den Entschluss, einen Inlandsflug von Chiva (Flughafen Urgench) nach Taschkent am 6.5. abends zu buchen. Das stellte mal wieder eine größere Herausforderung dar, weil Stefans ADAC Visa-Karte online wieder Probleme machte und ich letztendlich über meine buchen musste. Wir wollten dann sehen, was sich von Taschkent aus noch für Tagesausflüge machen ließen, waren aber auf jeden Fall auf der sicheren Seite, wieder frühzeitig für unseren Rückflug dort zu sein. Ohne Auto war es wie immer schwierig, aus den großen Städten rauszukommen. Ein Auto zu mieten, sollte entgegen vieler anderer Infos möglich sein, aber die Fahrweise war harmlos gesagt asiatisch grauenvoll. Die Straßen in den Städten waren zwar hervorragend, sollten aber außerhalb teils katastrophal sein. Der Weg zum Aralsee, der aufgrund einer der größten, Menschengemachten Umweltkatastrophen, zu 90% ausgetrocknet ist, weil man ihm seit den 1960iger Jahren das Wasser für den Baumwolle-Anbau abgegraben hat, war eine durch die Wüste führende Offroadtour, nur mit 4×4 zu bewältigen und über lange Zeit ohne jeglichen Funkkontakt – nicht gerade das, was wir uns zutrauten, bzw. zumuten wollten.
Nun aber zu dem, was wir an dem Tag unternommen haben und nicht nur, was alles nicht klappte:
Wir fuhren per Marschrutka zum Sommerpalast etwas außerhalb von Bukhara. Sein Name war auch: Sitorai Mokhi Khosa – „Palast der Mond- und Sternensterne“ und es handelte sich um die ehemalige Sommerresidenz der Emire von Buchara aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der letzte Emir herrschte bis 1920. Der Palast verband russisch-europäische Architektur mit traditioneller usbekischer Kunst – ein typisches Beispiel für den kolonialen Einfluss jener Zeit. Jetzt beheimatete er ein Museum mit Kunsthandwerk, Trachten und Alltagsgegenständen der damaligen Zeit. Er zeigte gut den Übergang zwischen der traditionellen Emir Herrschaft und dem russischen Einfluss in Zentralasiens. Im parkartigen Garten konnte man unter Bäumen auf Bänken Schatten finden, Vögeln wie dem hier überall anzutreffenden Hirtenmaina (laut Merlin- Vogel- App), Fels- und Haussperlingen, Türkentauben, aber auch Pfauen lauschen und Kaffee und Kaltgetränke genießen. An ein paar Ständen boten Händler wie hier überall Kunsthandwerk an, und es war eine ruhige und erholsame Atmosphäre. Auf dem Rückweg besorgten wir uns Kuchen, den wir zuhause bei Kaffee genossen, bevor wir uns unserer täglichen „Arbeit“, dem Bericht schreiben und Film zusammenstellen widmeten.

Donnerstag, 30.4.2026: Bukhara -Nukus

Der Tag begann früh, denn wir mussten um spätestens 8:00Uhr am Bahnhof sein. Um 8:58Uhr fuhr unser Zug nach Nukus, unserem neuen Ziel. Von da an saßen oder lagen wir fast 9 Stunden auf unseren Liegen, denn es war ein Nachtzug, der anscheinend schon von Kungrad kam und auch noch nach Nukus nach Andizhan weiterfuhr. Es war ein offener Liegewagen, d.h. im Wagon waren auf der einen Seite offene Abteile mit je zwei Doppelstockliegen und auf der anderen Gangseite waren längs jeweils ein Doppelstockbett gegenüber einem Abteil. Die offenen Abteile hatten wie gewöhnlich einen Tisch unterm Fenster, allerdings recht groß. Am Gang ließ sich das untere Bett in Tisch mit zwei Sitzen verwandeln. Die Liegen waren mit einer Art Topper und einem Kissen belegt und der Schaffner brachte Bettlaken und Kissenbezug. Es gab erstaunlich viel Stauraum, denn unter den unteren Betten war eine Art Bettkasten und an den Wänden waren hinter den Kopfpolstern auch noch Fächer, ebenso oberhalb er oberen Betten. Am Wagonende war wieder ein Holz befeuerter Samovar für Tee oder Kaffee. Tassen brachte man sich anscheinend selbst mit. Wir bekamen von einer Mitreisenden süßen Tee mit Milch, den wir aber nicht austranken, weil mein Bauch davon zu Grummeln begann. Die Strecke war gelinde gesagt nicht sehr aufregend, da wir endlos lange durch die Kysylkum-Wüste (bedeutet so viel wie „roter Sand“) fuhren, eine Sandwüste mit spärlichem, niedrigem Bewuchs. In Nukus ließen wir uns von einem Taxifahrer fahren, der fuhr, als müsste er uns in Sekunden zum OP, nicht zum Hotel bringen und dürfte keine Zeit verlieren. Zum Glück kamen wir heile in unserer Unterkunft an, dieses Mal in einem Hotel. Es bot sich nichts Gescheites bei Airbnb und bei diesem Hotel waren die Rezensionen bzgl. des Frühstücks und dabei auch der vegetarischen Komponenten so gut, dass wir uns überzeugen ließen. Nicht überzeugt hat uns auf den ersten Blick die Stadt selbst. Sie war noch sehr jung im Vergleich zu den anderen Städten, nicht mal ganz 100 Jahre alt und wirkte auf uns bisher noch gar nicht ganz fertig. Dies war also die Hauptstadt der autonomen Republik Karakalpakstan, einer autonomen Republik innerhalb Usbekistans, die fast ein Drittel des usbekischen Territoriums einnimmt. Hier leben die Karakalpaken.

„Die Karakalpaken sind ein turksprachiges Volk in Zentralasien, das hauptsächlich in der autonomen Republik Karakalpakstan im Nordwesten Usbekistans lebt. Sie sind eng mit den Kasachen und Nogai verwandt, haben eine eigene Kultur und Sprache und zählten etwa 2 Millionen Menschen im Jahr 2024. (KI)“

2022 kam es zu schweren Aufständen, weil der usbekische Präsident die Verfassung ändern wollte, was zur Folge gehabt hätte, dass die Karakalpaken ihre Autonomie verloren hätten. Die Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, etliche wanderten ins Gefängnis, aber die Verfassungsänderung wurde nicht durchgesetzt.

Wir sind nach Nukus gefahren, weil es die nächste Möglichkeit war, ggf. einen Ausflug zum Aralsee bzw. was von ihm übrig war, zu machen.

Am Abend mussten wir erstmal feststellen, wie schwer es sein konnte, vegetarisches Essen zu bekommen. Es war hier noch komplizierter als in den großen Städten, die auch mehr Touristen anzogen. Nach einigem Rumsuchen fanden wir zum Glück noch ein türkisches Restaurant, das uns Pide mit Käse, gegrilltes Gemüse und Reis mit Gemüse anbieten konnte.

Freitag, 1.5.2026: Nukus

Nach einer gut geschlafenen Nacht war auch das Frühstück am Morgen im Hotel ok. Es war nicht überwältigend und stets ein Rätsel, was fleischhaltig sein könnte und was nicht, aber wir haben etwas für uns gefunden. Gekochte Eier, dünne, ungefüllte Pfannkuchen, Milchsuppe, Tomaten, Gurken, Gebäck mit Marmelade gefüllt, Obst etc. haben uns gesättigt. Um einen schwarzen Kaffee zu bekommen, mussten wir extra fragen, es standen nur Nescafé Päckchen 3in1 mit Zucker/Milch und Tee bereit. 
Nach dem Frühstück ließen wir uns ein Stück aus der Stadt herausfahren, um am Fluss Amudarja spazieren zu gehen. 


„Der Amudarja ist der wasserreichste Fluss Zentralasiens. Seine Quelle liegt in den Bergregionen des Hindukusch und Pamir. Der Quellfluss des Amudarja – der Wachandarja – entspringt im Wrewsky-Gletscher auf der Nordseite des Hindukusch auf einer Höhe von etwa 4.900 Metern über dem Meeresspiegel. Der Amudarja erhält seinen Namen nach dem Zusammenfluss des Pandsch mit dem Wachsch. Die vollständige Länge des Flusses von der Quelle des Pandsch bis zum Aralsee beträgt 2.574 km, vom Zusammenfluss mit dem Wachsch 1.415 Kilometer. Das Gebiet von Karakalpakstan wird von den Unterläufen des Amudarja durchschnitten. Die frühere Länge betrug 460 Kilometer. Heute hat der Amudarja keinen direkten Zugang mehr zum Aralsee, da sein Flussbett seit 1977 durch Staudämme versperrt ist.“ (Karakalpakstan Travel).


Auch wir kamen an einem Staudamm vorbei und der Fluss sah ziemlich eklig aus, was aber wahrscheinlich durch den aufgewühlten Sand kam. Weiter unten sah er besser aus und Vögel und Esel lebten an ihm und wir sahen auch noch andere Hufspuren. An seinen Ufern wuchsen Indigopflanzen, Tamarisken, Wermut, Salzkraut, Schilf etc. Wir konnten auch mehrere Vögel hören. Unsere App erkannte leider nur Nachtigallen, es gab aber mit Sicherheit noch andere. Bevor wir zum Fluss kamen, liefen wir an einem gigantischen Friedhof vorbei. Er erstaunte uns, weil die Gräber zwar umzäunt oder ummauert waren, aber die Gruben selbst offen und es lag eine Holztrage darüber oder daneben. Da wir uns das nicht erklären konnten, baten wir die KI meine Fotos zu erklären und bekamen folgende Antwort:


„Das Holzbrett (latten-artig) auf dem Grab ist kein Zeichen von Vernachlässigung, sondern entspricht einem traditionellen Bestattungsbrauch:
In vielen Teilen Zentralasiens und im Islam wird das Grab mit einer hölzernen Abdeckung oder einem Brett versehen
Das Grab selbst liegt in einer leichten Vertiefung oder Erdmulde – das ist normal
Die hellblaue Metalleinfriedung ist sehr typisch für karakalpakische und usbekische Friedhöfe.
Der extrem trockene, sandige Boden in Karakalpakstan lässt Gräber anders aussehen als in Europa. Wind und Sand können die Erde verschieben
Die Region kämpft mit Desertifikation – der Sand wandert.
Kuppelmausoleum (Gümbez) – für eine angesehene Person, klassisch zentralasiatisch mit Halbmond
Backstein-Grabkammern – ummauertes Familiengrab, sehr typisch für Karakalpakstan
Überdachte Sitzbank – für Trauernde und Beter, die längere Zeit am Grab verbringen
Einfache Metallgitter-Einfassungen nebenan
Die Mischung aus islamischer Architektur, sowjetischer Grabkultur (Porträtfotos) und karakalpakischer Tradition macht diese Friedhöfe einzigartig. Die großen Mausoleen gehören oft wohlhabenden oder angesehenen Familien.“

Wieder etwas dazugelernt. 
Nach unserem ca. 8km langen Spaziergang, der unsere erste wirkliche Naturerfahrung auf dieser Reise darstellte, die wir genossen, ließen wir uns zu einer Adresse bringen, an der ein Café sein sollte. Pustekuchen! Es war wiederum eine enttäuschende Erfahrung in dieser Stadt. Es gab einen Kaffeestand an der Straße und alles andere, was in Maps vermerkt war, und wir ansteuerten, gab es gar nicht, oder nicht mehr. Es war frustrierend! Wir erinnerten uns, dass wir am Vorabend auf der Suche nach einem Restaurant an einem Café in der Nähe unseres Hotels vorbeigekommen waren, also liefen wir auch diese 1,5km noch und hatten Glück: wir fanden eine Patisserie mit herrlichen Kuchen und einem gemütlichen, modernen Café. Danach ruhten wir uns im Hotel etwas aus und buchten für den nächsten Tag eine Tour zum Schiffsfriedhof und Museum in Mo’ynoq. Bis zum noch bestehenden Aral See schafften wir es nicht, das wäre ein 2- Tagestour mit Zwischenübernachtung in der Wüste und viel zu teuer gewesen. Wir würden jetzt bis zum ehemaligen Ufer des Aral-Sees fahren, wo heute die Schiffswracks als Warnung auf dem Sand des ausgetrockneten Sees liegen und ein Museum zu dieser Umweltkatastrophe aufklären sollte. Das Ganze war eine ca. 6-stündige Tour mit einem Taxi und Englisch sprechendem Fahrer (laut Angebot) und ich hoffte sehr, dass er vorsichtig fahren würde und ich hinten auch mal Anschnallgurte hätte. Wie in Indien machen die Usbeken die Gurte hinten unnutzbar, total blöd!
Abends wollten wir dann noch einen Versuch wagen, Essenzugehen. Zuerst versuchten wir es in einer Mall, die einen Foodcourt haben sollte. Pustekuchen, es gab ein Lavash Restaurant, die Fladen waren aber immer mit Fleisch gefüllt. Dann liefen wir nochmals einen Kilometer weiter zu einem Familienrestaurant, das im Internet auf der Karte auch Essen ohne Fleisch hatte. Erst verstand die Bedienung nur Bahnhof, obwohl ich ihr meine Übersetzung zeigte, dass wir kein Fleisch, Fisch, Geflügel essen. Dann machte sie uns klar, dass die Hälfte der Gerichte gar nicht verfügbar wäre. Letztlich fanden wir eine Linsensuppe und Okroschka, eine Joghurtsuppe, die ohne Fleisch sein sollten. Erst bekam Stefan seine Linsensuppe, eindeutig mit Fleischstücken. Sie bemerkte, „ah die hat Fleisch“, und bot ihm Erbsensuppe an. Das gleiche Spiel, Fleischstücke! Inzwischen hatte ich meine Joghurtsuppe und fand Fleischwurststückchen drin und beschwerte mich ebenfalls. Nach einer Diskussion, ob Fleischwurst Fleisch ist, der Hinzuziehung der Chefin, die dann irgendwann bemerkte, dass sie nichts ohne Fleisch auf der Karte hätten, hatten wir es satt, zahlten unser Mineralwasser und verließen den Laden. Hätte die Bedienung gleich gesagt, dass sie nichts ohne Fleisch hätten, wäre es zwar doof, aber OK gewesen, aber so war es wirklich Verarschung. Wir gingen zurück zur Mall in den Supermarkt, kauften diverse angemachte Salate – die Bedienung verstand Englisch -, Brot und ein paar Lebensmittel für die Fahrt am kommenden Tag und fuhren dann per Taxi zum Hotel, wo wir unsere Schätze verspeisten.

Samstag, 2.5.20126: Nukus – Tour Mo’ynoq, Mizdakhan Necropolis und Chilpik Kala – Turm des Schweigens

Wie geplant machten wir eine Tagestour zum Schiffsfriedhof in Mo’ynoq. Unser Fahrer war nett, sprach aber äußerst dürftig, eigentlich gar nicht, Englisch, sodass es eine ziemlich schweigsame Fahrt wurde. Vielleicht auch besser so, denn die Straße wurde außerhalb von Nukus eine Katastrophe. Sie bestand eigentlich nur aus Schlaglöchern, was dazu führte, dass alle kreuz und quer fuhren, um diese zu umfahren und das in zumeist überhöhter Geschwindigkeit. Die 2,5Std Hinfahrt gingen noch, aber die Rückfahrt ließ mich doch heftig alle Knochen spüren. 
Auf dem Schiffsfriedhof wurde gerade eine Laufveranstaltung „Ultimate Man“ von einem Energy Drink Sponsor aufgebaut, sodass es gar nicht einfach war, die blöden Schilder, Fahnen und Hütchen nicht mit aufs Bild zu bekommen. Die Landschaft war erschreckend. Durch den großflächigen sowjetischen Baumwollanbau wurde dem See 75% seines Wassers entzogen, er versalzte und es gab ein gigantisches Fischsterben. Wo einst 10000 Menschen in der Fischerei und Fischverarbeitung im größten Hafen am Aralsee arbeiteten, war nur noch Sand, auf dem nur die zähesten Wüstensträucher wuchsen. Als Mahnung an die Menschheit standen ein paar verrostete Schiffswracks im Sand und im Museum, was leider ziemlich altbacken war, konnte man ein Video sehen, was aussah, als hätte man es nicht 2001 sondern in den 60igern aufgenommen. 
Als Zugabe zur Tour fuhr unser Fahrer noch mit uns zur Mizdakhan Necropolis, dem mit 200 Hektar größten und ältesten Friedhof Zentralasiens mit sehr beeindruckenden Grabstätten wie Mausoleen. Hier verschmolzen die Riten des Zoroastrismus mit denen des Islams. Es gibt eine Legende über diesen Ort:

„Tausende Pilger glauben, dass sich hier das Grab Adams befindet. Der Legende nach fällt jedes Jahr ein Ziegel aus den alten Mauern – wenn der letzte fällt, soll das Ende der Welt kommen. Deshalb bauen Pilger beim Besuch einen kleinen Turm aus sieben Steinen, in der Hoffnung auf ein langes Leben und Erfüllung ihrer Wünsche.“ (Schild)

Nebenan befand sich der Chilpik Kala – Turm des Schweigens. Auch dieses war eine zoroastrische Bestattungsstätte, wo man die Toten den Vögeln und der Sonne überließ, um ihn zu zersetzen. 

„Die Anlage gilt als eines der frühesten bekannten Beispiele dieses Bestattungsrituals und ist so bedeutend, dass sie sogar im Wappen Karakalpakstans abgebildet ist. Einer lokalen Legende zufolge soll in dieser Gegend Zarathustra, der Begründer des Zoroastrismus, die heiligen Schriften der Avesta zu verfassen begonnen haben.“(Atlas Obscura)

Als wir nach einer weiteren ca. 20 Minuten Rütteltour beim Hotel ankamen, war ich kaputt. Es war zu dieser Rüttelfahrt  auch noch ein ziemlich heißer Tag gewesen.

Sonntag, 3.5.2026: Nukus- Urganch – Chiwa (Xiva)

Wir verließen die nichtssagende Stadt Nukus, die Umgebung mal ausgenommen, und fuhren per Taxi-Zug-Taxi-Marschrudka nach Xiva oder auch Chiwa. Beide Schreibweisen findet man. Chiwa ist eine uralte Oasenstadt aus dem 6.Jahrhundert vor Christi. Bereits im 10. Jahrhundert war sie eine wichtige Handelsstadt des historischen Reiches Choresm. Wir fanden zahlreiche historische Gebäude, unter anderem Paläste, eine Festung und die fast die gesamte Altstadt umschließende Stadtmauer vor.
Seit 1967 ist Chiwa Museumsstadt, seit 1990 steht die Altstadt Ichan Qalʼа unter Schutz der UNESCO und gehört damit zum Weltkulturerbe. Die Atmosphäre in diesem von alten Stadtmauern umgebenen Gebiet, die wunderbaren Gebäude, die laue Abendluft und ein Restaurant, in dem wir endlich die Nationalspeise Plov (Pilav) in vegetarischer Version zu essen bekamen, begeisterte uns auf Anhieb. Die Gestaltung des Restaurants in den alten Mauern wurde sogar von der deutschen Botschaft gefördert. Noch dazu hatten wir einen sehr netten Airbnb Gastgeber, der in der Altstadt außer unserem Apartment außerhalb der Stadtmauer noch ein Hotel besitzt und uns ermöglichte, den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse mit Blick auf die wunderbare Gebäudekulisse zu erleben. Wasser und Kaffee gab es dazu gratis.

Montag. 4.5.2026: Chiwa

Am Morgen kamen wir erst relativ spät los, weil Stefan beim Joggen unsere Mitfahrerin aus der Marschrutka vom Vortag wiedergetroffen hatte. Eine Polin, die in Berlin lebte, aber eigentlich weltweit unterwegs war und als Informatikerin remote arbeitete. Eine wirklich interessante Begegnung. Sie war sogar schon in Nordkorea und Turkmenistan! 
Wir sind dann nach dem Frühstück nochmal los in die Altstadt, wo wir das Pahlavan Mahmoud Mausoleum besucht haben. Es war ehr enttäuschend. Das Gebäude war schon beeindruckend, aber man konnte fast nichts sehen, da kein Licht eingeschaltet wurde und nur das spärliche Sonnenlicht durch die Ritzen in der Dachkuppel hereinschien. Da wir nur für Stefan zahlen mussten – bei mir wurde der Behindertenausweis anerkannt – war es zu verkraften. Das Mausoleum und eine Minarettbesteigung musste einzeln bezahlt werden, ansonsten gab es nur die Möglichkeit, ein Zweitagesticket für alle restlichen Gebäude zu kaufen für knapp 18€. Da wir nur einen Tag hier hatten, kam es nicht infrage und man konnte auch keine Einzeltickets lösen, zumindest teilte man uns das in einem Museum mit. Es war nicht so tragisch. Wir ließen uns eine Weile in der schönen Kulisse treiben und machten uns in der schlimmsten Mittagshitze wieder auf den Weg in unsere FeWo. Zum Glück! Wir hatten morgens einen Wasserausfall – blöderweise während die Waschmaschine lief – und hatten anscheinend den Wasserhahn an der Spüle in der Küche vergessen, wieder zuzudrehen. Als wir zurückkamen, lief es gerade über, es war aber noch kein Schaden entstanden. Ein paar Minuten länger und es wäre wahrscheinlich an allen Seiten übergelaufen! 
Nach einer Kaffeepause machten wir uns daran, einen Flug von Ferganta zurück nach Taschkent zu buchen und noch eine Unterkunft für die letzten Tage vor dem Rückflug am 15.5. Es war jetzt Saison hier und da wurde es mit Tickets teilweise eng, besonders bei Zügen.
Am Spätnachmittag wanderten wir dann nochmal zu Altstadt, um bei sanfterem Licht wenigstens noch auf der Stadtmauer zu laufen. Morgens war es einfach zu heiß und grell. Die Treppe hoch auf die Mauer war eine extrem enge, mit hohen und ungleichmäßigen Stufen in einer Art Turm hoch und es gab keinen Handlauf. Das war wirklich ein unsicheres Gefühl, besonders treppabwärts!
Unser Abendessen nahmen wir wieder im selben Restaurant wie am Vortag ein. Man musste es ja ausnutzen, wenn es mal eine vegetarische Karte gab und die Kulisse und Atmosphäre waren einfach unschlagbar.

Dienstag, 5.5.2026: Chiwa – Nukus

Nukus hatte uns wieder. Nicht, weil wir es so toll fanden, sondern weil wir am nächsten Tag von hier nach Taschkent flogen, um von dort am kommenden Morgen früh den Zug nach Fergana zu bekommen. Wir fuhren ca. 180 km in rund 3,5Std per Yandex Taxi nach Nukus. Wie bereits erwähnt, war schon seit langem kein Zugticket mehr zu bekommen und ehrlich gesagt, als ich auf der Hinfahrt das Chaos am Bahnsteig in Urganch gesehen hatte, wo wir hätten abfahren müssen, war ich ganz froh darüber, nicht mit dem Zug zurückzufahren. Es wälzten sich wahre Menschenmassen inkl. gigantischem Gepäck und vielen Kindern von und zu den zwei dort stehenden Zügen, dazwischen versuchten Sanitäter eine Trage mit einem verletzten Soldaten durchzuschieben. 
Unsere Taxifahrt hätte fast ein Déjà-vu zu Indien werden können, denn auch hier wollten die Taxifahrer bei den langen Strecken mehr Geld haben, als zuvor per App vereinbart, vorausgesetzt man fuhr nicht mit ihnen wieder zurück, sodass sie sicher eine bezahlte Rückfahrt hatten. Unser Airbnb Vermieter, der uns eigentlich mitnehmen wollte nach Nukus, war plötzlich verhindert, weil neue Gäste anreisten, fühlte sich aber wohl deshalb verpflichtet, uns bei der Taxisuche zu unterstützen. Mit seiner Hilfe zahlten wir etwas weniger, als der Fahrer eigentlich wollte und außerdem machte er dem Fahrer klar, dass ich hinten gerne den Sicherheitsgurt nutzen würde. Der Fahrer kramte ihn dann für mich an der nächsten Tankstelle unterm Sitz hervor und außerdem fuhr er für einen Usbeken wirklich gesittet. 
Wir waren dieses Mal in einem anderen Hotel in Nukus, das näher am Flughafen lag und wie wir feststellten auch in einer viel attraktiveren Gegend. Wir fanden auf Anhieb in nur 1 km Fußweg ein Restaurant, das ein paar vegetarische Beilagen hatte und auch bereit war, uns auf die Pizza Margherita noch Pilze zu legen. Dazu einen griechischen Salat und wir waren zufrieden. Eine Bedienung sprach auch gut Englisch, was natürlich half. 
Danach besuchten wir ein „Must do“ in Nukus, das Sawizki Kunstmuseum, das einen internationalen Ruf hatte und sogar Staatsoberhäupter anzog.
Der in Kiew geborene Igor Witaljewitsch Sawizki (1915–1984) studierte in Moskau und entschied sich 1950 nach einer Expedition nach Karakalpakstan in Nukus zu bleiben. Er verfolgte das Ziel, Werke von in der Sowjetunion verfemten Künstlern zu retten und auszustellen. Die Abgeschiedenheit Nukus‘ erschien ihm dafür ideal. Wenn Nachfragen z.B. zu Werken von Künstlern kamen, die das Lagerleben darstellten, behaupteten die Museumsmitarbeitenden, es handele sich um Lager der Nazis. So gilt Sawitzki heute als Retter von Kulturgut Zentralasiens. Er starb letztlich an den Dämpfen des Formalin, das er nutzte, um antike Schmuckstücke zu reinigen. Es verätzte seine Lunge.
Wir besuchten die Ausstellung: „Usbekistan: Avant-Garde in the Desert“ und es waren wirklich viele interessante Gemälde, Bildhauerarbeiten, Schmuckstücke und traditionelle Web- und Stickarbeiten und Trachten aus Seide unter Anderem von Wassily Kandinsky, Alexander Wolkow, Robert Falk, Wera Muchina uvm. ausgestellt, die die Entwicklung der Kunst in Russland und Zentralasien zeigten. 
Nach dem Kunstgenuss schlenderten wir durch die inzwischen etwas nachlassende Hitze in der Umgebung des Museums, die viel netter war als das, was wir bisher von der Stadt gesehen hatten. Unser erster Eindruck von Nukus war ja: Großbaustelle an vielbefahrenen Straßen, Geschäfte, die noch nicht geöffnet hatten, oder schon wieder raus waren und einfach nur gesichtslose Stadt. In dem heutigen Gebiet waren nette Parkanlagen, prächtigere Bauten, und zwar große, vielbefahrene Boulevards, aber diese gut in Schuss und mit Bäumen und Blumenrabatten abgetrennte Fußwege. Wir machten uns auf, den Sonnenuntergang beim Riesenrad am Fluss Amudarja zu fotografieren, aber daraus wurde nichts, weil wir dort auf der Promenade von zwei jungen Karakalpaken (also den Menschen dieser autonomen Republik Karakalpakstan) auf Deutsch angesprochen wurden und ein interessantes Gespräch mit ihnen führten. Beide 21Jahre alt, lernten sie gerade erst 6 Monate Deutsch und konnten mit uns bereits ein gutes Gespräch führen. Sie hatten eine Ingenieursausbildung und wollten nach Deutschland zum Arbeiten, am liebsten nach Köln. 
Während der Unterhaltung ging die Sonne unter und wir begaben uns zum nächsten Supermarkt, kauften Brot, Käse, Erdbeeren etc. fürs Abendessen und ließen uns per Taxi zum Hotel zurückfahren. Nicht, dass wir Krösus wären, aber die Preise fürs Taxifahren hielten sich in Grenzen, so zahlten wir für die lange Tour von Chiwa nach Nukus gerade mal 34€ und für diese am Abend 98cent. Für die zwei Pizzen, 1 Salat und zwei Kaffees haben wir 16,91€ bezahlt. Es war also erträglich. Nach über 11 km zu Fuß, konnte man sich das auch leisten.

Mittwoch, 6.5.2026: Nukus- Taschkent 

Wir frühstückten ausgiebig im Hotel, ließen uns dann Zeit bis 12:00Uhr, der spätesten Check-out Zeit und stellten unser Gepäck noch bis zum Abend im Hotel ab, da unser Flug erst um 21:10Uhr war. Dann ließen wir uns mit Yandex zum Karakalpak ethnic village, ein paar Kilometer entfernt, bringen. Man konnte dort in typischen Jurten übernachten und etwas über das Leben und die Kultur der Karakalpaken erfahren. Wir durften uns die Anlage aber auch ohne Übernachtung ansehen und laut Internet konnte man normalerweise bei der Herstellung typischer Kunsthandwerke zusehen, auch mal selber ausprobieren und es sollte auch gastronomische Angebote geben. Das Village schien aber wohl nur von Gruppenreisen zu leben, denn wir waren komplett alleine dort, bis auf eine Einheimische, die uns einließ und uns auch eine Übernachtungs- Jurte und eine große, wohl zum gemeinsamen Essen, von innen zeigte. Wir durften uns auf dem Gelände umschauen, die Gemüsebeete und die Ziegen bewundern und an den Ashsh Kol, einen kleinen See gehen, was unser Ziel war. Drumherum wandern ging zwar nicht, aber wir konnten in dem Village und auch außerhalb noch einmal ans Ufer und Vögel und Uferbewachsung ansehen. Es schien ein Salzwasserseen zu sein, denn am Ufer waren weiße Ablagerungen. Im See war kein Leben zu beobachten, im Schilf aber ein Drosselrohrsänger zu hören (nicht, dass ich vorher gewusst hätte, dass es den gibt und wie er aussieht oder klingt😂) Wir verbrachten eine Weile in dem Gebiet und ließen uns dann wieder in die City zu einem Café/Restaurant fahren, weil es verdächtig nach Regen aussah. Dort genossen wir leckere, vegetarische Sushi und eine Linsensuppe und schlürften eine ganze Kanne Erdbeer-Ginger-Tee. Wir trafen hier das niederländische Pärchen aus der Marschrutka in Chiwa wieder und erfuhren, dass sie als nächstes ins State Museum of History and Culture of the Republic of Karakalpakstan gehen wollten. Das erschien uns zur Überbrückung unserer Zeit auch ganz interessant, da wir sonst in Nukus nichts interessantes mehr wussten und so auch vor Regen geschützt waren. Am Morgen hatte es gegossen und es war auch nachmittags nochmal Regen angesagt. Das Museum war um die Ecke und bot eine bunte Mischung aus Gemälden, zumeist Portraits irgendwelcher historisch wichtiger Karakalpaken, Handwerkskunst wie Teppiche und gewebte und bestickte Kleidung, Briefe und Orden von Soldaten des 2.Weltkriegs, eine wunderbar mit Webteppichen umhüllte Jurte, ausgestopfte Tiere, Schmuck, halt alles, was die Karakalpaken für wichtig erachteten, zu erhalten und der Welt zu zeigen. Wir trafen die Niederländer wieder und unterhielten uns noch ein bisschen, bevor wir uns kurz vor Museumsschluss in ein Café begaben, in dem wir bei unserem ersten Aufenthalt bereits einmal waren. Dort ließen wir es uns bei weiterem Tee und Kuchen gutgehen, bis es Zeit wurde, unser Gepäck im Hotel abzuholen. Mit schnellen Schritten eilten wir vor einem drohenden Gewitter dorthin und fuhren dann mit Yandex zum Flughafen. Er war winzig und hatte nur ca. 2 Flüge pro Tag. Er befand sich ganz schlicht an einer Straße ohne große Absperrungen,  sowie ein Bahnhof oder Museum und man hätte locker hinlaufen können, aber mit Gepäck und bei Blitz und Donner sahen wir lieber davon ab. Im Flughafen hatte ich wieder ein Grummeln im Bauch wegen meiner Tabletten, da wieder Bilder von Pillendosen als nicht erlaubt abgebildet waren. Man würde es mir wohl kaum verbieten können, wichtige Medikamente mitzunehmen, aber ich hatte dieses Mal ausnahmsweise die 20€ gespart für ein englischsprachiges Attest von meinem Hausarzt. Es ärgert mich immer, das Geld auszugeben, nur für einen Stempel und Unterschrift auf einem Formblatt vom ADAC, das ich schon vorher ausfülle. Ich habe es auch noch nie gebraucht, hier hätte ich mich aber wohler damit gefühlt. Wie auch immer, keiner hat was gesagt und schon saßen wir im Boardingbereich und warteten auf unseren Flieger, der uns um 21:10 nach Taschkent bringen sollte. Uns stand eine kurze Nacht bevor, denn am nächsten Morgen um 8:00 Uhr fuhr unser Zug ins Ferganatal, d.h um 7:00 Uhr beim Bahnhof sein zu müssen. Zum Glück hatten wir ein Zimmer im Hotel neben dem Flughafen gebucht.

Donnerstag, 7.5.2026: Taschkent – Fergana

Es war wieder Reisetag und die Nacht sehr kurz. Wir kamen mitten in der Nacht vom Flughafen beim Hotel an und hatten ein paar Probleme, es zu finden. Wir wussten zwar, dass es beim Bahnhof sein sollte, aber nicht, dass es direkt im Bahnhof war. Todmüde fielen wir ins Bett und gegen 5:00 Uhr sprang Stefan schon wieder heraus, weil er vor der Weiterfahrt noch joggen wollte. Ich dachte, er spinnt, weil es sich anhörte, als würde es in Strömen regnen, aber nein: um 5:00 Uhr wurden im Innenhof des Bahnhofs die Springbrunnen eingeschaltet! Ich versuchte, noch einmal einzuschlafen, aber es war vergeblich. Kurz vor 7:00 Uhr kam Stefan vom Joggen zurück und hatte sogar Brot, Käse, Tomaten und Gurken fürs Frühstück mitgebracht, sodass wir vor der Abfahrt etwas in den Magen bekamen. Gegen 7:30 Uhr gingen wir runter in den Bahnhof und konnten sogar schon in den Zug einsteigen. Der Schaffner unseres Abteils prüfte unsere Fahrkarten und erklärte mir, dass wir Wagon 5, Sitze 5+6 hätten und hielt mir dann sein Handy vor die Nase, auf dem er für seine freundliche Auskunft um ein Trinkgeld bat! Das konnte er vergessen! Das Kontrollieren der Fahrkarten war ja wohl sein Job und wir hatten noch nicht mal gefragt, ob wir richtig wären, denn das hatten wir längst selbst herausgefunden. Also Korruption schien trotz der Versuche der Regierung, sie einzudämmen, bei der Bahn noch gut zu funktionieren.
Wir stiegen ein und gegen unsere Erwartung handelte es sich dieses Mal um Sitzplätze, nicht um Liegen im Großraumabteil, wie die KI uns das anhand der Fahrkarte vorausgesagt hatte. Das war mir nur recht, denn sonst hätte eine/r von uns nach oben klettern müssen uns das ohne Leiter oder Tritte. Die gut 5-stündige Fahrt war angenehm, denn wir hatten Klimaanlage und die Landschaft wurde schon bald hinter Taschkent herrlich grün und dann tauchten in der Ferne hohe, Schneebedeckte Berge auf. Teils fuhren wir durch wunderbare Naturlandschaft und landwirtschaftliche Gegend, an anderen Stellen tauchten dann große Firmen und Kraftwerke mit mehreren Schornsteinen vor den Bergen auf und zerstörten die Idylle, so kamen wir z.B. an einem riesigen Keramikwerk vorbei. Ein langes Stück fuhren wir durch den 2016 eröffneten 
Kamchiq-Tunnel, einen 19,2 km langen Eisenbahntunnel, der das Ferganatal mit Taschkent und dem Rest des Landes verbindet. Während eines Versuchs, über Stefan hinweg ein Foto durchs Zugfenster zu machen, rumpelte der Zug und ich knallte mit meinen Rippen an auf die Armlehne, so dass es knackte. So was Blödes! Davon würde ich den Rest der Reise und vielleicht noch länger etwas haben. Gegen Mittag erreichten wir Margilan, von dort ging es dann per Taxi nach Fergana zur Ferienwohnung. Nach einer kleinen Eingewöhnungspause machten wir uns daran, die Umgebung zu erobern und abzuchecken, ob wir als Vegetarier die nächsten Tage verhungern würden. Erst sah es schlecht aus, aber dann rettete uns wieder ein japanisches Restaurant und zum Nachtisch gab es Eis in einem anderen Laden in der Nähe. Danach liefen wir zwei Kilometer, um im Supermarkt für die nächsten Tage einzukaufen und ließen uns dann nach Hause fahren.

Freitag, 8.5.2026: Fergana – Ausflug nach Rishton

Wir fanden bei Google Maps Angaben über unterschiedliche Busbahnhöfe in Fergana und ihre Zielorte. Dabei fiel unser Interesse auf den Ort Rishton, der 40 km westlich von Fergana, nahe der Grenze zu Kirgisistan, auf etwa 480 m Höhe lag. 
Besonderheit an diesem Ort war die Keramikherstellung. Laut Wikipedia stammte 90 % der in Usbekistan angebotenen Keramik von den rund 1.000 Töpfern in Rishton. Die Töpferei wurde dort bereits seit mindestens 800 Jahren betrieben. Charakteristisch waren die blau-türkisen Ornamente, gemalt mit ausschließlich lokalen Rohmaterialien wie rotem Ton aus einer nahegelegenen Grube. Das klang interessant und bei 33⁰ im Schatten weitaus attraktiver sich im Museum oder einer Töpferei umzusehen, als draußen herumzulaufen. Wir machten uns also zu Fuß auf den Weg zum ca. 3km entfernten Busbahnhof, wo wir einen Kleinbus für max. 20 Personen inkl. Notplätze, der wohl auch als Marschrutka galt, in unsere Wunschrichtung fanden. Wir hatten auch das Glück, dass er sich rasch füllte und wir zügig losfahren konnten. Die Dinger hatten nämlich zwar Fernseher, aber keine Kühlung, zumindest keine funktionierende! Wenn die Fenster geöffnet waren und man nicht gerade im Stau stand, wehte aber genügend Wind zur Kühlung herein, auch wenn man kuschelig eng saß. Außerdem wollten wir nicht meckern, im Sommer steigen die Temperaturen auf über 40⁰! Nach ca. 50 Minuten erreichten wir Rishton und stärkten uns mit einem Eiskaffee, bevor wir uns auf den Weg zu Gonchar – Ravshan Tozhiddinov, einem Zwischending zwischen Museum und Töpfereiverkauf machten. Nachdem wir den versteckten Bau gefunden hatten, erwartete uns eine ganze Reihe von Ausstellungsräumen voller zumeist hübscher Keramik und wir konnten auch Mitarbeiterinnen bei der Handarbeit zusehen, wie sie mit feinen Pinseln die Muster auf Kannen und Schalen malten. Wir hätten sicher dort einiges Hübsches zu Mitnehmen gefunden, hätte uns nicht die Gepäckbegrenzung daran gehindert. Eigentlich wollten wir uns zwei Müslischalen kaufen, fanden dann aber durch KI heraus, dass nur die Stücke mit Ishkor-Glasur ohne Blei waren und damit für Essgeschirr geeignet. Wir fragten beim Verkäufer nach und soweit wir das mit Übersetzung herausfinden konnten, wurde immer etwas Blei verwendet für die Härtung, was für uns ein Ausschlusskriterium für Essgeschirr bedeutete. Wir fanden aber zwei nette, kleine Untersetzer für uns und je einen für unsere daheim gebliebenen Wohnungs- und Briefkastenbewacherinnen, und ohne Lebensmittelkontakt spielte eine mögliche Bleiverwendung ja keine Rolle. Untersetzer waren auch einfacher zu transportieren. Danach sahen wir uns noch auf dem Basar um und Stefan kam nicht am Baklava- und Keksstand vorbei, ohne etwas zu kaufen. Die Leckereien verzehrten wir danach im Park mit dem in jedem Ort dazugehörigen Vergnügungspark mit ein paar Fahrgeschäften, von der Größe her ähnlich wie eine dauerhafte Kirmes bei uns in Kleinstädten oder Dörfern.
Dann ging es wieder retour per Marschrutka nach Fergana, dieses Mal etwas rasanter, dafür hatte ich das besondere Glück eines Anschnallgurts, wahrscheinlich des einzigen im Fahrzeug.

Samstag, 9.5.2026: Fergana – Ausflug nach Vodil

Wir nahmen morgens ein Taxi, um uns ca. 25km südlich nach Vodil bringen zu lassen. Das Dorf lag in einer Spitze, die von beiden Seiten von Kirgisistan umgeben war und wo sich auch ein Grenzübergang befand. Wir hatten es schon abgeschrieben, dort über die Grenze zu gehen und dann in die vollständig in Kirgisistan liegende, usbekische Enklave nach Shohimardon zu fahren. Dieses attraktive Ausflugsziel in den Bergen, das laut Internet gerne für Ausflüge von Usbeken genutzt wurde, war für uns Ausländer anscheinend nicht erreichbar. Sowohl laut KI als auch der Seite des Auswärtiges Amtes war der Übergang nur Einheimischen vorbehalten. Anderswo fanden wir Infos, dass sich das sporadisch immer mal wieder änderte und auch, dass Grenzübergänge, selbst wenn sie 24Std geöffnet sein sollten, gelegentlich einfach schlossen und man nicht wusste, wann sie wieder öffneten. Das Risiko, irgendwo stecken zu bleiben bei ja gleich zwei Übergängen pro Richtung, weil die Enklave ja wieder Usbekistan war, war uns einfach zu groß. Wir wollten aber in ein auf Google Maps so bezeichnetes „Wandergebiet“ kurz vor der Grenze und wenigstens den Bergen etwas näherkommen, aber das Gebiet gab es in der Realität nicht. Es gab nur einen Friedhof, der bereits von drei Seiten eingeschlossen war von Kirgisistan, auf den sind wir kurz gegangen. Danach wanderten wir die 4,5km in der Hitze zurück zum Ort, allerdings fanden wir einen etwas besseren Weg am Fluss Shohimardonsoy entlang, in dem Leute badeten und Kinder spielten.
Im Ort besuchten wir den Park Chinor Tagi mit einer 1000 Jahre alten „Chinara“. KI hat uns dazu folgendes verraten:


„Chinara (auch: Çinar, Chinar) ist der turksprachige bzw. persische Name für die Orientalische Platane (Platanus orientalis).
Der Baum gilt in Zentralasien als heiliger Baum, Schutzbaum und Symbol für Langlebigkeit, Weisheit und Gastfreundschaft. Besonders in Usbekistan, Tadschikistan und im gesamten persischsprachigen Raum haben alte Chinara-Bäume oft spirituelle und kulturelle Bedeutung. Teehaus-Plätze (Chaikhana) wurden traditionell unter Chinara-Bäumen angelegt.“


Der Park war typisch für Usbekistan, denn es befand sich wiederum ein Freizeitpark darin mit Riesenrad, Schiffschaukel und anderen Fahrgeschäften, die mindestens so alt waren wie wir. Keine Ahnung, ob sie irgendwelche technischen Prüfungen über sich ergehen lassen mussten, aber für 3000Sum (0,21€) pro Fahrt war das wohl kaum drin. Toiletten waren meist teurer. -5000Sum (0,35€) und Busfahrten innerhalb von Orten/Städten kosteten zumeist ebenfalls nur 3000Sum, mal so zum Vergleich. Per Marschrutka kann man locker für dieses Geld auch mal eine Strecke wie gestern nach Rishton, ca. 50Min lang, für diese 0,21€ fahren. 
Wir bestaunten den Baum und machten uns auf den Weg zum Busbahnhof, wo wir direkt in einen Bus zurück nach Fergana einsteigen konnten. Er fuhr zwar etliche Umwege, aber dafür kostete er für uns zusammen nur 0,75€ im Gegensatz zum Yandex Taxi am Morgen für 5,25€. Wir hatten ja Zeit und solange er fuhr, kühlte uns auch der Fahrtwind. Ziemlich kaputt von Hitze und ca. 10km Wanderung kamen wir nach Hause und Stefan bereitete an diesem Tag selbst das Abendessen zu, Nudeln mit einer Auberginen-Tomatensoße aus dem Glas, die er mit frischem Koriander noch aufpeppte.

Sonntag, 10.5.2026: Fergana – Ausflug nach Margilan 

Was in Rishton die Keramik war, was in Margilan die Seidenproduktion. Margilan war die Stadt, in der wir mit dem Zug angekommen waren für Fergana und wo wir an diesem Tag noch einmal einen Ausflug hin machten. Sie lag ca. 15km entfernt im Norden und bot sich uns an diesem Tag an, weil das Wetter sich verschlechtert hatte. Eine Abkühlung um ca. 10⁰ tat zwar gut, aber es war Regen angesagt und da bot sich der Besuch einer Seidenfabrik geradezu an. Es gab zahlreiche Betriebe der Art in Margilan, aber die Yodgorlik Silk Factory wurde in den Rezensionen sehr gelobt, also besuchten wir diese. Wir wurden in Englisch und Russisch in einer international buntgemischten Gruppe zuerst zu den Seidenraupen geführt. Im hübsch gestalteten Innenhof befand sich ein riesiger Maulbeerbaum, der schon weit über 100Jahre alt war Die Blätter dieser Bäume sind die Nahrung der Seidenraupen, dabei wachsen sie zu beachtlichen Würmern heran, bevor sie sich verpuppen. Der Kokon wird dann in kochendem Wasser abgetötet bevor der Falter schlüpft (also nix für Vegetarier), damit der den Faden nicht zerstört und dann eine Weile in heißem Wasser eingeweicht, um das Klebeprotein zu lösen. Daraufhin werden mehrere Fäden verzwirnt und in Seifenwasser gewaschen, sodass aus dem strohartigen Faden weiche, weiße Fäden entstehen. Dann kommt die Färbung, wobei erst das Muster vorgezeichnet wird, dann werden die Stellen, die erst später gefärbt werden, mit Klebeband abgebunden und die hellste Färbung durchgeführt. Danach kommen nacheinander die dunkleren Färbungen, sowie man das vom Batiken kennt. Als Farben wurden hier traditionell fast ausschließlich Naturfarben aus Granatapfel, Walnussschalen, Zwiebeln, Indigo etc. verwendet. Die Methode, die Fäden bereits zu färben, um Muster zu erzeugen, ist in Zentralasien verbreitet und nennt sich Ikat. Je nachdem, welche Stoffart und welches Textilstück entstehen soll, finden dann unterschiedliche Webmethoden ihre Anwendung. Bei diesem Betrieb wurden, Schals, Stoffballen, Teppiche aus Seide, aber auch aus Wolle, sowie Kleidungsstücke hergestellt. Trotz Einsatz von Maschinen, war ein Großteil Handarbeit und verlangte sowohl künstlerische Begabung als auch handwerkliches Geschick. Der Prozess von der Raupe bis zum Stoff kostete mehrere Wochen Arbeit. 
Leider war gerade Sonntag und nur eine Weberin bei der Arbeit, um ihre Tätigkeit vorzuführen, aber die Erklärung desjenigen, der die Führung gemacht hat, war auch so schon recht aufschlussreich. Dankeswerterweise wurde auch kein Kaufzwang ausgeübt, dafür bezahlte man 2€ pro Person für die Führung, was ich besser fand, als genötigt zu werden, etwas zu kaufen. Das fanden wir überhaupt in Usbekistan ganz angenehm. Außer von Taxifahrern am Bahnhof wurden wir fast nie belästigt, auch nicht auf den Märkten.
Als die Führung zu Ende war, begann es draußen zu regnen und wir retteten uns in den überdachten Markt, wo wir eine ganze Weile Schutz fanden. Als es danach noch immer nicht aufhörte, ließen wir uns zu einem türkischen Restaurant fahren, wo wir, man höre und staune, eine vegetarische Menükarte auf Englisch bekamen! Wir ließen uns Salat, Pizza und Reis mit Gemüse schmecken und fuhren danach wieder zurück nach Fergana in unsere Wohnung. 
Ich war etwas angeschlagen, weil meine Rippen auf der linken Seite noch von dem Stoß gegen die Armlehne im Zug weh taten. Wer schonmal seine Rippen geprellt oder gebrochen hatte, weiß, wie lange man darunter zu leiden hat.

Montag, 11.5.2026: Fergana – Ausflug nach Quva

Wir waren bei unseren Wanderversuchen nicht gerade vom Glück verfolgt. Wir hatten auf Google Maps, Komoot und Yandex Maps geguckt, ob wir vom Ort Quva, bzw der Statue „Farxod va Shirin„, zum Stausee Karkidon suv Ombori wandern konnten. Die Statue war den Hauptfiguren des berühmten Epos „Farhod und Shirin“ von Alisher Navoiy gewidmet war und stellte die beiden Liebenden dar. Sie galt als Wahrzeichen für Treue und war der reichen literarischen Tradition der Region gewidmet. Sie war am Ortsrand und der Weg versprach etwas Vorgebirgslandschaft, einen Fluss und eben den Stausee und ich hatte bei ChatGPT, sowie Claude gefragt, ob wir dort wandern könnten und es wurde bejaht. Man wies uns allerdings daraufhin, dass dort gerade ein Tourismuskomplex von der usbekischen Regierung gebaut würde, der erst zum Teil eröffnet wäre. Wir ließen uns von Fergana per Taxi zum Denkmal fahren und wanderten frohgemutes los. Der einfache Weg sollte ca. 3,8km sein, nach ca. 2 km standen wir vor einem Stoppschild, einem verschlossenen Tor und uniformierten Wachleuten. Wir konnten nicht einmal herausfinden, um was für eine Absperrung es sich handelte, denn die Beschriftung war auf Russisch und wir durften ja kein Foto für eine Übersetzung machen. Wir wagten uns auch nicht bis direkt ans Tor, dazu war die Grenzsituation hier zu unsicher. Wir waren im Übrigen nicht die Einzigen, die hier im Nichts endeten, mindestens 4 Autos drehten ebenfalls mit Schulterzucken ab. Wir liefen also wieder zurück, diesmal bis in das Dorf hinein und konnten bei einem Kioskbesitzer erfahren, dass wir vor der kirgisischen Grenze gestanden hatten, man aber an anderer Stelle einen offenen Zugang zum Stausee fände. Zum einen war der Weg dahin zu Fuß zu weit, zum anderen wusste man ja nie, ob der Zugang auch für uns Ausländer möglich gewesen wäre. Es war zwar schade, aber das Stück Weg, das wir gelaufen waren, war auch so schon ganz interessant. Es gab gleich mehrere Grundstücke mit Swimmingpools und überdachten Sitzecken, die man anscheinend als Gruppe, z.B. für Geburtstage mieten konnte. Hinter einer Mauer hörte man lautes Kindergeschrei wie im Freibad und man sah Mütter zusammensitzen, sich fotografieren und den Ausflug ebenfalls zu genießen. Diese Picknickecken waren in der Regel immer überdachte, auf Stelzen befindliche Gestelle, auf denen wiederum ein Möbelstück stand, dass an ein zu großes, an drei Seiten verschlossenes Doppelbett erinnerte. Ich fand hierzu folgende Erklärung im Internet:

„Typische Picknick-Sitzecken in Usbekistan sind tief in der Kultur verwurzelt und zeichnen sich durch Komfort, Gemeinschaft und Naturnähe aus. Sie sind oft so gestaltet, dass man gemütlich über längere Zeit verweilen kann. Hier sind die Hauptmerkmale: Dastarkhan (Tischdecke): Der Mittelpunkt jedes Picknicks ist das Dastarkhan – eine große, ausgebreitete Decke auf dem Boden, auf der Speisen, Obst, Süßigkeiten und Nüsse serviert werden. Korpacha (Sitzmatten): Anstelle von Stühlen verwendet man Korpacha, weiche, gestapelte Baumwollmatten, die ein bequemes Sitzen auf dem Boden ermöglichen.Khontakhta (Niedriger Tisch): Oft wird ein niedriger Holztisch (Khontakhta) in die Mitte gestellt, um darauf Tee und Speisen zu platzieren. Choyxona-Stil (Teehäuser): Viele Picknickplätze, besonders in der Natur oder nahe Flüssen, sind wie kleine Teehäuser (Choyxona) gestaltet. Dazu gehören oft erhöhte Plattformen, sogenannte Supa oder Tapchan (große Bettgestelle), die mit Korpachas ausgelegt sind und Schatten bieten. Gemütliche Umgebung: Sitzecken im Freien sind oft schattig, beispielsweise unter Bäumen oder in der Nähe von Wasser, was in der Hitze Usbekistans sehr geschätzt wird. Diese Sitzbereiche finden sich sowohl in privaten Gärten als auch in öffentlichen Parks, Gebirgspässen (z.B. nahe Shahrisabz) oder als Teil von Restaurants“.

Außerdem kamen wir an Granatapfel-, Zierapfel-, und Kirschbäumen vorbei und auf der anderen Seite erhob sich eine Kette niedriger Berge bzw. Hügel. Wir bekamen also zumindest etwas von der Natur mit. Der Ort selbst war uninteressant, die Strecke zwischen Quva und Fergana war allerdings voller Plantagen. Wir konnten vom Auto nicht erkennen, was da alles angebaut wurde, aber wir wissen, dass das Ferganatal durch sein mildes Klima für die zentralasiatische Landwirtschaft von größter Bedeutung ist. Von Rohseide, Baumwolle, Weizen und Reis über Karotten, Mais, Melonen, Mungbohnen, Reis, Erdnüsse und diversem Gemüse, bis zu Obstgärten, Weinbergen, Walnusshainen und Maulbeerbaumplantagen für die Seidenproduktion ist alles zu finden. 

Zurück in Fergana besuchten wir den Al-Fargʻoniy nomidagi Markaziy Bogʻ , einen der größten und geschäftigsten Parks der Stadt. Diverse Fahrgeschäfte und Buden (Karaoke, Schießen, Hau- den-Lukas u.ä.) lockten hier die sehr junge Bevölkerung an. Lautes Kreischen drang aus sich überschlagenden Fahrgeschäften und es herrschte ausgelassene Stimmung. Abends waren wir nochmals dort und konnten für 1€ pro Person Riesenrad fahren und hatten zusammen zwei fette Eis für 3,35€.

Dienstag, 12.5.2026 Fergana – Taschkent 

Heute war eigentlich nur ein Abreisetag. Wir räumten morgens die Wohnung wieder top auf, was uns auch prompt wieder eine super Bewertung bei Airbnb einbrachte, und haben dann noch eine kleine Runde gedreht und dabei ein Restaurant in nur 1km Entfernung von unserer Unterkunft gefunden das mehrere vegetarische Optionen anbot. Ein bisschen spät am letzten Tag, aber wir genossen es wenigstens noch einmal und aßen Pfannkuchen mit Hüttenkäse, einen gigantischen Obstteller zu zweit und einen Gemüseteller mit Feta, der sich als Teller mit Tomaten, Gurken, Peperoni, Kräutern (Koriander, Dill und Schnittlauch) und Feta herausstellte. Um 15:30 Uhr war Wohnungsübergabe und wir fuhren zum Flughafen, um gegen 16:30Uhr einzuchecken. Centrum Air hatte kein Online-Check-in, da lief alles noch am Counter. Eigentlich sollten wir um 18:30Uhr fliegen, aber der Flug hatte ca. 1 Std Verspätung. Im Boardingbereich ging es lebhaft zu, denn entsprechend dem Kinderreichtum der Usbeken flogen auch zahlreiche Babys und Kleinkinder mit. Der Flug dauerte nur 35 Minuten und ca. nochmal genauso lange, bis der Flieger endlich geparkt und wir mit dem Bus zum Airportgebäude gekurvt worden waren. Ein Taxi brachte uns zu unserer inzwischen 3.Unterkunft in Taschkent, dieses Mal in einem Hochhaus im 8.Stock mit Cityblick. Inzwischen wieder hungrig, machten wir uns gleich auf den Weg zum nächsten indischen Restaurant, um wieder problemlos etwas Leckeres auf der Karte für uns zu finden.

Mittwoch, 13.5.2026: Taschkent: Ausflug Amirsoy Resort – Charvak Lake – Chinorkent Cablecar

Dieser Tag war ein besonderes Erlebnis und ein i-Tüpfelchen auf eine wirklich gelungene Reise in dieses bei uns noch recht unbekannte Land Usbekistan. 
Wir wollten ja auf jeden Fall noch in die Berge und sind daher etwas früher nach Taschkent zurückgekehrt, um noch ins Titan Chan Gebirge und zum Charvak Stausee zu kommen. Es stellte sich nur die Frage, wie kommen wir dorthin: buchen wir eine geführte Tour bei Get Your Guide oder fragen wir bei Taxis, ob jemand Englisch spricht und uns einen Tag als Fahrer zur Verfügung stehen will? Als wir am Vorabend indisch essen waren, war das in einem guten Hotel in Taschkent, wo wir an der Rezeption einen Hinweis auf Tourberatung sahen. Ich dachte zwar, dass um fast 23:00 Uhr niemand mehr für uns zu sprechen sei, aber Stefan versuchte sein Glück an der Rezeption und siehe da, der Manager des Hotels bot uns an, uns am kommenden Tag, persönlich dorthin zu fahren. Er hätte seinen freien Tag. Der Betrag war etwas höher als wir es im Netz gesehen hatten, aber dafür hatten wir den Fahrer für uns und kein striktes zeitliches Limit. Wir sagten zu und waren im Anschluss sehr froh darüber. Er sprach nicht nur sehr gut verständliches Englisch, sondern wir führten auch die ganze Fahrzeit sehr interessante Gespräche über sein Land, die umliegenden Länder und Kulturen, seine Erfahrungen mit Touristen aus diversen Ländern, politische Entwicklung seines Landes, seine Familie, Schulen, Bevölkerungswachstum uvm. Seine Meinung über Deutsche war ziemlich hoch, weil er sie als verlässlich, pünktlich und freundlich erlebe und die Bildung und Entwicklung des Landes nach dem Krieg als vorzeigbar ansah. Auch unsere Politiker, besonders Merkel, hielt er für bedacht und freundlich. Er erzählte uns, wie sehr sich sein Land unter dem jetzigen Präsidenten zum Positiven verändert hätte und wie schlimm die Zeit unter dem ersten Präsidenten Karimov, der das Land 25 Jahre nach der Unabhängigkeit bis zu seinem Tod 2016 diktatorisch geführt hatte, war. Familiär erzählte er uns von seiner Tochter und seinem Sohn 6+9J., die er leider nur 1 Tag die Woche sah, weil seine Frau sich vor zwei Jahren hatte scheiden lassen. Er berichtete sehr offen auch über persönliche Dinge. Wir konnten uns darüber hinaus über schlimme Gäste im Hotel und aus unserer Zeit als Herbergseltern austauschen und bei der Begeisterung fürs Reisen waren wir absolut auf einer Wellenlänge, nur, dass er nicht so viel Möglichkeiten hatte wie wir mit unserem deutschen Pass und besserem finanziellem Background. Es ging uns den ganzen Weg nicht der Gesprächsstoff aus. 
Wir fuhren zuerst zum Amirsoy Resort, einem Skiparadies, das auch das „Sankt Moritz Zentralasiens“ genannt wird, mit neuestem Lift von Doppelmayr (unsere nächste internationale Erfahrung mit einer dieser in Österreich produzierten Gondelbahnen), der uns in zwei Stufen auf über 2200 Höhenmeter brachte und einzigartige Ausblicke auf schneebedeckte Berge in Kasachstan und Kirgisistan bot. Das Resort selbst bietet auch im Sommer attraktive Erholung in Charlets, Restaurants, Hochseilgarten, beim Wandern, Radfahren und Quadfahren. Im Winter ist es das beliebteste Skigebiet der Region für Snowboarder, Skiläufer, zum Motorschlitten fahren und Snowtubing, wobei es zahlreiche moderne Lifte und gute Erreichbarkeit vom nur ca. 65km entfernten Taschkent bietet. 
Der zweite Stopp war am Charvak Lake, einem traumhaft in den Bergen gelegenen, natürlich geformten See mit wunderbar türkisblauem Wasser, der durch Gebirgswasser gespeist wird. Im Hochsommer kann man auch drin schwimmen, an diesem Tag zogen zahlreiche Paragleiter über ihm ihre Runden. Ein Stückchen weiter kamen wir zum Chinorkent Cablecar, wiederum eine Doppelmayr Kabinenbahn, die uns einen Ausblick in eine andere Richtung bot. Danach fuhren wir gemächlich – unser Fahrer fuhr vorbildlich langsam, sodass ich auch ohne Gurte hinten keine Panik bekam – nach Taschkent zurück, wo er noch eine kleine Rundfahrt zu seinen Lieblingsecken machte und uns die sehr beeindruckende Nationalbibliothek, eine ehemalige Residenz des letzten russischen Zaren und die Oper, wo gerade Vorbereitungen für ein Jazzkonzert liefen, zeigte. Dann setzte er uns wieder an „seinem“ Hotel ab, wo er uns morgens um 11:00 auch abgeholt hatte. Dieser ganze, erlebnisreiche Tag kostete uns für über 8Std. Erlebnis 972000Sum (68,30€) und er wird uns unvergesslich bleiben. Es hat auch unserem Fahrer offensichtlich sehr gefallen, sich mit uns so angeregt unterhalten zu können und vielleicht haben wir ihn sogar von Servas überzeugt.

Auf dem Heimweg, der nur 5 Min zu unserem Apartment war, statteten wir noch Dominos Pizzeria einen Besuch ab und schlugen uns die Bäuche voll, weil es 3 für 2 gab, sodass wir uns einen Rest in einer Box mitnahmen für den nächsten Tag.

Donnerstag, 14.4.2026: Taschkent 

Unser letzter Tag in Usbekistan. Wir unternahmen nicht mehr viel, weil wir in Taschkent so ziemlich alles, was für uns interessant war, bereits besucht hatten. Außerdem war es wieder knackig heiß und ich hatte schlecht geschlafen. In meinem Zimmer gab es keine richtige Verdunklung vor dem Fenster und morgens um kurz nach 5:00Uhr schien die Sonne direkt hinein und hatte mich die letzten Nächte regelmäßig aus dem Schlaf gerissen. Mit Tuch über dem Kopf schaffte ich es, noch etwas zu dösen, aber um 8:00Uhr musste ich immer nach Stefan abschließen, wenn er joggen ging, weil er mich sonst hätte einschließen müssen. Im 8.Stock eines Hochhauses mit Gittern vor den Fenstern keine gute Idee. Ich entschied also, nach dem Frühstück noch einmal schlafen zu gehen und Stefan ging alleine etwas auf Stadttour. Zwei Stunden später holte er mich ab und wir liefen zum Monument of Courage, das an das große Erdbeben am 26.4.1966 erinnerte das offiziell 8 Menschenleben kostete (inoffizielle Zahlen waren viel höher) und große Teile Taschkents in Trümmern legte, auch in der Altstadt. Am damaligen Epizentrum hatte man ein Denkmal in sowjetischem Stil errichtet. Wir wanderten durch den Park zu einem Café, wo wir das kleinste und schlechteste Eis unseres ganzen Urlaubs aßen. Auch der „Kaffee mit Creme“ war nur ein miserabler 3in1 Nescafé, aber, das Café hatte ein traumhaftes Ambiente unter den Bäumen im Park. Wir verbrachten eine ganze Weile dort im Schatten, kauften noch etwas fürs letzte Frühstück ein und verbrachten danach nochmal zwei Stunden im Apartment. Abends gingen wir sehr lecker libanesisch essen zum Abschluss unserer Reise. Das Viertel, wo wir gerade wohnten, war viel touristischer und damit internationaler als das, in dem wir zu Beginn unserer Reise wohnten, so war es hier kaum ein Problem, etwas Vegetarisches zu essen zu finden. Gesättigt fuhren wir noch einmal Metro zum Präsidentenpalast, weil es dort viele Fontänen gab und wir auf nette Lichtspiele hofften, aber daraus wurde nichts. Es waren zwar farbige Lampen im Becken installiert, aber sie wechselten nicht die Farbe und es sah nicht wirklich interessant aus. So beschlossen wir unseren letzten Tag. Am Tag drauf ging es heim.

Freitag, 15.5.2026: Taschkent – Frankfurt – Bad Harzburg 

Unsere Rückreise verlief ohne Komplikationen. Centrum Air bewies sich als nicht besonders komfortabel, aber völlig ausreichend für 8 Std Flug. Wir hatten das Glück, dass die Maschine ziemlich locker belegt war und wir drei Plätze für uns hatten. Da wir kein kostenpflichtiges vegetarisches Essen vorbestellt hatten – ehrlich gesagt, nicht nur, weil wir das Geld sparen wollten, sondern weil wir auf der Website nicht mit der Bestellung klar kamen – ließen wir die warmen Komponenten zurückgehen und aßen nur das Brötchen mit Käse und Tomate/ Gurke und den Muffin. Der Stewart war so nett und gab uns sogar 2 Portionen und wies uns daraufhin, dass die Teigtasche (Somsa) auch mit Fleisch gefüllt wäre. Echt aufmerksam. Nach ungefähr 7 Std, das war kürzer als auf dem Ticket stand, landeten wir in Frankfurt, kamen mit unserem Light- Gepäck null Komma nix durch Immigration/Zoll und das Flughafengebäude zur Bushaltestelle, fuhren zur S-Bahn Haltestelle und von da nach Langen in Hessen, wo unser Auto dieses Mal brav und ohne kaputte Reifen auf uns wartete. Um die lange Heimfahrt ohne Zwischenstopp zu überstehen, aßen wir beim Döner Grill am Bahnhof jeder einen Veggiedöner, der super knusprig und lecker war und fuhren dann nach Hause. Ungefähr in der Höhe von Kassel bekam der Himmel eine ganz irre Schwarz- Orange Färbung, in der Ferne sahen wir es in Strömen gießen und dann fing es auch bei uns an. Ich hatte Probleme, überhaupt noch die Fahrspuren zu erkennen und wechselte schnellstmöglich mit Stefan den Fahrersitz. Gegen 21:00 Uhr waren wir wieder zuhause und fanden unsere Wohnung mit 10⁰ doch verdammt kalt vor für Mai. Wir ließen die Heizung über Nacht auf Tagestemperatur laufen und damit war das Problem bald gelöst und wir fühlten uns wieder wohl in unseren 4 Wänden.




Resümee Usbekistan

Ich muss sagen, das Land hat mich sehr fasziniert und es ist unbedingt ein Ziel, was es Wert ist zu bereisen.


Was mir besonders gefiel:

– dass es trotz Sowjetvergangenheit nicht grau, trist und verfallen mit hässlichen Plattenbauten ist. Es gibt sowjetische Architektur, aber mit arabischen Einflüssen und die wundervollen orientalischen Gebäude versetzen einen in 1001 Nacht
– die Berge bei Chimgan
– der Chavak See
– die wunderschöne Architektur der Medressen, Moscheen etc. in Samarkand, Chiva und Taschkent 
– breite Boulevards mit Blumenrabatten und Fuß-/Radwegen
– saubere Städte, Unterkünfte, Restaurants, ja selbst auf den Märkten lag nicht überall Abfall herum und es stank nicht wie häufig auf asiatischen/ arabischen Märkten
– dass man sich sicher fühlen kann, auch nachts durch die Städte zu laufen
– keine freilaufenden Hunde in den Städten, selbst auf dem Land nur selten
– qualitativ gutes Kunsthandwerke, nur wenig Kitsch
– Kein Overtourism
– funktionierendes öffentliches Verkehrssystem mit pünktlichen Zügen, gut verständlichen Bahnhöfen, Züge zwischen Topqualität (Afrosiab) und gut akzeptabler Qualität bei den normalen Zügen, super Metro in Taschkent mit schönen Stationen, regelmäßige Busse, Marschrutkas, Taxis, Flüge – alles zu super Preisen, sauber und gut funktionierend. Yandex App war fürs Taxifahren hervorragend und hat uns nie versetzt. 
– größtenteils freundliche und hilfsbereite Einheimische, die, wenn sie kein Englisch verstanden, entweder Jemanden zur Hilfe holten oder per Übersetzungsapp oder Hand und Fuß versuchten zu helfen
– aufgeschlossene Einheimische, die uns freundlich ansprachen und ihre Deutsch- oder Englischkenntnisse versuchten anzuwenden
– gute bis sehr gute Unterkünfte wo die Kommunikation 100% funktionierte
– Ampeln zeigen durch Sekundenanzeige oder Blinken an, ob sie gleich umschalten 
– wunderbare Parks, die die Hitze erträglich machen und besonders für junge Leute und Familien viele Attraktionen in Form von Spielplätzen, Fahrgeschäften usw bieten
– leckere Backwaren, wenn auch häufig sehr süß
– die Erfahrung, mit ein paar Russen (viele leben dort, einige erst seit Kriegsbeginn mit der Ukraine)immer noch nette Gespräche führen zu können, trotz der politisch derzeit nicht einfachen Situation zwischen unseren Ländern, war eine gute Erfahrung. Es zeigte, dass wir alle erstmal Mensch und dann Vertreter unserer Länder sind und wir als Menschen auch weiterhin freundlich miteinander umgehen können ohne Spielball unserer Politik zu sein. Die Gespräche gingen im Übrigen von den Russen aus. Manche mögen ja auch wie wir gegen diesen Krieg sein.




Was mir nicht so gefiel:

– Taxis hatten nie hinten Gurte, bzw. sie waren unterm Sitz oder zerstört, auf jeden Fall nicht nutzbar
– die Fahrweise der Einheimischen, besonders in Taschkent, ist z.T. sehr gewöhnungsbedürftig: ruppig, ständig die Spur wechselnd ohne zu blinken, hupend und drängelnd, ohne sich an Tempo oder Fahrspur zu halten
– Taxifahrer sprechen fast nie Englisch und in den meisten Fällen sagen sie weder guten Tag noch Auf Wiedersehen, auch wenn man selbst auf Russisch grüßt, was nahezu jeder spricht
– Männer, die keine Auslandserfahrung oder regelmäßigen Kontakt mit westlichen Gästen haben, sprachen nur mit Stefan, gaben nur ihm die Hand, auch wenn ich etwas gesagt habe. Das soll wohl höflich sein bzw. zeigen, dass sie mir gegenüber den nötigen Abstand wahren, weil ich Stefans Frau bin, für mich fühlte sich das allerdings ehr diskriminierend an
– die usbekische Küche ist extrem fleischlastig, sodass es nur ganz selten möglich ist, in usbekischen Restaurants zu essen. Manchmal findet man Somsa mit Kartoffel- oder Kürbisfüllung und einmal konnten wir die Nationalspeise Plov (Pilav) auch mal nur mit Gemüse probieren, aber Schaschlik, Kebab, Somsa, Plov und Manti mit Fleischfüllung gibt es an jeder Ecke und abends riecht es überall nach gegrilltem Fleisch. In den großen Städten wie Taschkent, Samarkand und Chiva, wo auch Touristen sind, konnten wir uns mit japanischen, türkischen, italienischen oder indischen und einmal libanesischen Restaurants helfen, sonst war Brot mit Tomate, Käse, Gurke in unserem Apartment angesagt, manchmal konnten wir in großen Supermärkten auch vegetarische Salate finden. 
– die Wüsten-Steppenlandschaft fand ich ehr langweilig
– die Temperaturen wurden im Mai mit bis zu 34⁰ schon ziemlich heiß. Im Sommer kann es bis zu 50⁰ heiß werden, was ich unerträglich fände.
– Es war super, Zug zu fahren, aber die Tickets waren schnell ausverkauft und auf den langen Hauptstrecken wie z.B. Nukus- Taschkent waren auch mehr als eine Woche zuvor keine Plätze mehr zu bekommen. Dabei hätte es sich um eine 15 Std- Fahrt im Nachtzug, nicht einmal um eine Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug Afrosiab, den wir nur einmal auf einem kurzen Stück genießen konnten, gehandelt


Ein paar interessante Feststellungen und Infos über Land und Leute:

– in Usbekistan fahren fast nur Chevrolets, die Quote lag laut KI zur besten Zeit bei bis zu 80%, davon sind gefühlt 98% weiß. Sie werden in Usbekistan gebaut, nachdem General Motors vor einigen Jahren den Betrieb der asiatischen Daewoo übernahm. Inzwischen ist der Betrieb zu 100% in usbekischer Hand und der Staat hat ein Monopol auf im eigenen Land produzierte Artikel. Zölle für ausländische Autos sind extrem hoch und die Bevölkerung kann sich die schlichtweg nicht leisten. Nahezu alle Taxis sind weiße Chevrolet verschiedener Bauart, die sich in der Sonne nicht so aufheizen und wo der Wüstenstaub nicht so drauf auffällt. Es ist die preiswerteste Automarke. Weitere Marken sind chinesische BYD, die ebenfalls gut und preiswert sind. Die restlichen ca. 5% (laut unserem Fahrer) verteilen sich auf diverse ausländische Marken, wobei auch noch alte Ladas aus Sowjetzeiten fahren. Laut ihm fahren nur ganz Reiche mal einen BMW. Wir haben einen einzigen BMW in vier Wochen als einziges deutsches Auto gesehen.

– In Usbekistan scheint die Autowäsche einen hohen Stellenwert zu haben. Selbst bei unseren Ausflügen in die Provinz haben wir immer irgendwo Autowaschanlagen gesehen, d.h. Hallen, in denen die Besitzer ihre Autos mit Schläuchen, Bürsten etc. waschen konnten, wie es sie bei uns auch gelegentlich gibt, keine vollautomatischen zum Durchfahren. Schätzungsweise ist es der Versuch. die Autos vor Zerstörung durch den Wüstensand zu schützen.

– Anschnallgurte sind in Usbekistan ähnlich verhasst wie in Indien. Vorne gibt es sie, aber wenn Stefan sich anschnallte, wurde häufig mit Kopfschütteln und Unverständnis reagiert. Die Fahrer schnallen sich an, wenn sie erwarten, dass kontrolliert wird, ähnlich wie sie sich häufig auch nur dann an Geschwindigkeitsvorgaben oder Spuren halten.

– wir hatten zahlreiche Taxis mit merkwürdigen Rückspiegeln. Auf einem lief ein Film, auf dem anderen hatte man einen Blick nach vorne, irgendwie wirklich komisch. Als Rückspiegel schienen sie nicht nutzbar zu sein, keine Ahnung, ob sie nicht vorgeschrieben sind. 

– Usbeken lieben Blumen. In allen Städten und häufig auch auf dem Land findet man Blumenrabatten entlang der Straßen und auch sonst im Stadtbild. Häufig sind dabei Rosen, die wir auch als Zucht und wild wachsend zwischen Bäumen an einer kleinen Straße, die wir hinunter gewandert sind, als wir an der kirgisischen Grenze gelandet sind, vorfanden 

– Kinder: Usbekistan hat eine unglaublich junge Altersstruktur. Während wir in Deutschland und vielen anderen Industrienationen immer mehr überaltern, hat Usbekistan eine der jüngsten Bevölkerung der Welt. Während bei uns der Altersdurchschnitt bei ~45Jahren liegt, liegt er dort bei ~27Jahren. Bei uns kommen auf ein Paar 1,35 Kinder, dort 3,5. Demgegenüber ist die Lebenserwartung bei uns 81/82Jahre, in Usbekistan 72/73Jahre. Die hohe Kinderzahl bringt inzwischen Probleme mit sich, weil es an Arbeitsstellen, Schulen, Kindergärten fehlt. Bemerkbar ist die junge Altersstruktur jedoch überall: kein Park ohne Spielplatz bzw. sogar Freizeitpark, unglaublich viele Universitäten, Sportanlagen, Familienrestaurants mit Spielzimmer mindestens so groß wie bei MacDonald, auf Flügen und in Zügen sieht man Dutzende Mütter/Eltern mit Säuglingen und auch die arbeitende Bevölkerung erscheint enorm jung. Bei manchem Taxifahrer dachte ich: „hat der überhaupt schon einen Führerschein?“ und bei Bedienungen in Restaurants oder Läden erschien es häufig so, als wäre gerade Schulpraktikum, aber die Jungs und Mädels waren schon aus der Schule, die 11, bald 12 Pflichtschuljahre umfasst. Währenddessen bis 2010 der Hochschulzugang extrem begrenzt wurde auf ca. 10% der Schulabgänger, ging er in den letzten Jahren sprunghaft auf 45% hoch. Junge Leute scheinen einen großen Bildungshunger auch auf Ausbildung im Ausland zu haben. Wir wurden von jungen Männern angesprochen, die nach einem 1/2 Jahr Deutschkurs bereits super kommunizieren konnten und in Deutschland arbeiten bzw. lernen wollten. Auch bei unserem Fahrer genossen die Bildung und Qualität der Arbeit in Deutschland ein hohes Ansehen, wo das eigene Land von lernen könnte. 

– Sprache: In Usbekistan werden zwei Sprachen rechtlich gleichwertig behandelt: Karakalpakisch in der autonomen Republik Karakalpakstan um Nukus, im Rest Usbekisch. Beide Sprachen haben einen turksprachigen Wortstamm wie auch Türkisch, alle drei Sprachen haben sich aber in einem unterschiedlichen Zweig weiterentwickelt und die Ähnlichkeit ist heute weniger als z.B. Deutsch und Niederländisch. Durch die lange Sowjetzeit und viele russische Einwohner ist die russische Sprache noch sehr verbreitet, bei der jungen Generation nimmt sie aber deutlich ab und Englisch zu. Obwohl kaum ein Taxifahrer Englisch konnte und es gerade in kleinen Orten ehr schwierig war, waren wir doch erstaunt, wie weit wir mit Englisch gekommen sind. Meist haben die Verkäufer oder Bahnmitarbeiter etc. irgendjemanden gerufen, der es doch etwas konnte. Ich war darüber hinaus aber auch froh, die kyrillischen Buchstaben einigermaßen entziffern zu können, weil sich im Russischen mache Begriffe ehr aus dem Deutschen oder Englischen erschließen ließen und ich ein paar Wörter auch kenne. Usbekisch hat zwar lateinische Buchstaben, aber die Wörter waren komplett nichtssagend für uns. 

– Islam: 90% der Usbeken bekennen sich zum sunnitischen Islam, der Staat achtet aber strengstens auf seinen Säkularismus. Er fördert den Islam nur als Kultur- und Wirtschaftsgut sowie als historische Wissenschaft. Sobald die Religion versucht, politischen Einfluss zu gewinnen oder sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen, reagiert die Führung in Taschkent mit harter Repression. Imame werden kontrolliert, Extremismus ist strengstens verboten. Religion wird von der breiten Masse eher als kulturelle Identität und Tradition gelebt (z. B. bei Hochzeiten, Beerdigungen, Halal-Ernährung) und weniger als dogmatische Befolgung strenger religiöser Gesetze. Kopftuch ist verbreitet, aber das Verhalten von jungen Frauen unterscheidet sich in nix von dem unverschleierter. Alkohol darf getrunken werden und es wird sogar Wein angebaut, im Allgemeinen ist er aber in Restaurants viel weniger verbreitet als bei uns und bei den Vergnügungsparks wird sich munter ohne Alkoholstände vergnügt. Gerade im Angesicht der Tatsache, dass überall Kinder sind, fand ich das sehr zu begrüßen. Anders als in anderen Ländern fielen den Usbeken bei Deutschland nicht gleich Bier und Oktoberfest ein, sondern Fußball.