Georgien


Dienstag, 27.5.2025 – Mittwoch, 28.5.2025:  Bad Harzburg – Hamburg – Kutaissi -Poti

Es war mal wieder soweit, wir waren wieder unterwegs! Dieses Mal war es eine für uns recht kurze. 14 Tage lang entdeckten wir Georgien, das wir eigentlich schon 2020 besuchen wollten, als uns Corona in die Quere kam. Dieses Mal war es eher andersherum, denn eigentlich wollten wir in unsere alte Heimat Koblenz fahren, wo am 28.5. vor genau 40 Jahren eine wunderbare Partnerschaft und Liebe begann, unsere nämlich. Der Nostalgiereise machte allerdings dieses Mal unser Womi einen Strich durch die Rechnung, denn es musste bei Bosch unter die Lupe genommen werden. Der Strom im Wohnbereich machte Zicken und noch dazu sehr unregelmäßige und schwer zu erklärende. Dass wir, das Duo „Travelwild“ aber an so einem besonderen Tag zuhause hockten, ging ja gar nicht, also musste die Weltkarte nach einem interessanten Ziel abgesucht werden und die Wahl fiel auf Georgien. Nicht wieder Asien nach drei Reisen hintereinander, oder vielleicht doch? Das Internet weiß dazu folgendes zu sagen: 

Lage und Besonderheiten: Georgien liegt in Vorderasien, wird aber von seinen Bewohnern als „Balkon Europas“ bezeichnet. Nach alternativen Varianten der innereurasischen Grenze wird Georgien ganz oder teilweise Europa zugerechnet. Seine Fläche entspricht mit 69.700 Quadratkilometern ungefähr der von Bayern.“

Wir dürfen uns also gerade noch erlauben, hierhin zu fliegen, denn innereuropäische Flüge – außer auf Inseln – haben wir aus Klimagründen für uns gestrichen. 
Wir sind mit der ungarischen Billigairline Wizz-Air geflogen, die als eine der klimafreundlichsten Airlines Europas gilt, besonders im Low-Cost-Bereich in Bezug auf Co²Ausstoß pro Passagier-Kilometer und sehr ambitionierte Klimaziele verfolgt. Klar ist Fliegen dennoch sehr klimabelastend, aber wenn wir es schon nicht sein lassen können, wollen wir wenigstens darauf Wert legen und uns mit Platzbedarf und Gepäck einschränken. Der Landweg wäre extrem lang gewesen und die meisten Gegenden hatten wir bereits per Interrail bereist. 

Wir flogen also am 27.5. von Hamburg nach Kutaissi, konnten nach Mitternacht noch Simkarten kaufen und Geld ziehen und wurden mitten in der Nacht von unseren Gastgebern (über Booking) vom Flughafen abgeholt. Die Unterkunft war eine etwas altertümliche Wohnung in Samtredia, in der Nähe des Flughafens. Gegen zwei Uhr Ortszeit, was Mitternacht in Deutschland bedeutete, fielen wir todmüde ins Bett, brauchten aber dennoch eine Weile zum Einschlafen, weil draußen Straßenhunde bellend Jagd aufeinander machten und ich zu aufgedreht war. Stefan joggte morgens am 28. wie immer, ich war so kaputt, dass ich fast verschlafen hätte. Wir mussten um 11 Uhr auschecken und hatten uns mit unserer Gastgeberin verabredet, dass sie uns noch mitnahm zur Abfahrtstelle der Marschrutka, dem typischen, georgischen Kleinbus (meist Ford Transit oder Mercedes Sprinter) nach Poti, unserem ersten Ziel in Georgien. Die Marschrutkas fahren laut Reiseführern im ganzen Land auf festgelegten Strecken, aber nicht zu festen Zeiten und halten außer an Bahnhöfen oft auch unterwegs auf Wunsch der Fahrgäste. Es ist so eine Mischung aus Sammeltaxi und Bus. Unsere Gastgeberin setzte uns also an einer Ausfallstraße ab und dann begann das Warten und Rätselraten. In der Windschutzscheibe der Fahrzeuge waren zwar Schilder, aber nur auf Georgisch. Unsere Gastgeberin hatte uns empfohlen, auf 4 Buchstaben zu achten, denn Poti wird nicht nur in Englisch und Russisch mit 4 Buchstaben geschrieben, sondern auch in Georgisch. Auch wenn wir die Schreibweise auf einem Straßenschild über uns ablesen konnten, war es nicht einfach, bei den heranfahrenden Marschrutkas die Schilder früh genug zu entziffern, um sie anhalten zu können. Es dauerte eine geschlagene Stunde, bis ein richtiges anrauschte und für uns anhielt. Die 60km nach Poti kosteten uns ca. 1 3/4Std Zeit und 15GEL, also georgische Lari (ca. 5€ zusammen). Während der Fahrt buchte Stefan eine Airbnb-Wohnung in Poti und der Gastgeber holte uns wiederum von der Marschrutka Haltestelle ab und brachte uns zur Unterkunft. Unterwegs hielt er noch an einem Carrefour, damit wir uns etwas mit Lebensmitteln eindecken konnten. Dieser Abholservice war wohlgemerkt bei beiden Unterkünften kostenlos und die Georgier waren bisher ausgesprochen freundlich. Für die Wohnung in Samtredia in Flughafennähe haben wir ca. 33€ bezahlt, unsere in Poti, die erheblich neuer und besser war, kostete pro Nacht 23€ und beide verfügten über eine Waschmaschine. So durfte es weitergehen!
Nach dem Einzug machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Besucherzentrum des Kolkheti Nationalparks, ca. 1km entfernt und buchten für den übernächsten Tag eine Bootsfahrt durch das UNESCO Weltnaturerbe, weil für den kommenden Tag schlechtes Wetter angesagt war. Wanderwege gab es nicht, da es sich um ein Feuchtgebiet und subtropischen Regenwald handelte, wo entweder nur Bootsfahrten möglich waren oder besonders geschützte Gebiete nicht betreten werden duften. Die Tour war nicht ganz billig, ca.  40€ pro Person für ein-dreiviertel Stunden, aber wenn wir schon extra Poti wegen des Nationalparks besuchten, wollten wir ihn natürlich auch sehen. 


Der erste Eindruck von Georgien: typischer Charme des Ostens, aber weniger graue Plattenbauten, sondern hauptsächlich quadratische, zweigeschossige Häuser, häufig aus Stein gemauert. Der Verkehr schien geordneter als in Asien, wenn die Fahrer auch ebenfalls den Ruf hatten, sehr offensiv zu fahren und auch hier teilweise Kühe auf der Straße herumliefen. Insgesamt wirkte es ärmlich, aber sauber und mehr osteuropäisch als asiatisch.

Donnerstag, 29.5.2025 Poti

Wir fuhren am Morgen mit der Marshrutka ins Zentrum der Stadt. Die Haltestelle, die sogar als solche gekennzeichnet war, befand sich direkt vorm Haus. Poti ist eine Hafenstadt in der georgischen Region Mingrelien und Oberswanetien. Sie hat ca. 41.200 Einwohner und liegt am Schwarzen Meer an der Mündung des Flusses Rioni im kolchischen Tiefland. 
Auf der Fahrt ins Zentrum fiel uns als erstes der Poti Central Park mit der Poti St. Virgin Cathedral auf, von wo die Straßen sternförmig in alle Richtungen führten. Die Kathedrale hatte eine beeindruckende Größe und wir fanden sie von innen für ein orthodoxes Gotteshaus erstaunlich hell und freundlich. In Ländern wie Bulgarien und Rumänien fanden wir sie meist dunkel und die Bilder furchteinflößend. Die Kathedrale in Poti, auch Kathedrale der heiligen Jungfrau Maria genannt, wurde 1906/ 1907 von einem russischen Architekten gebaut und ist laut Internet der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden. Sie hat eine deutlich byzantinische Prägung. Sie wurde aus Beton errichtet, was zur damaligen Zeit ein ungewöhnliches Baumaterial in Georgien war, und verfügt über eine große zentrale Kuppel, mächtige Rundbögen, und reich verzierte Fassaden. Sie wurde während der sowjetischen Zeit als Theater genutzt und in den 1990 er Jahren der georgisch- orthodoxen Kirche zurückgegeben. Sie befindet sich im Central Park, der über einige Fahrgeschäfte und Vergnügungen für Kinder inklusive einer Kinderbibliothek und einem Uhrenturm, dem Niko Nikoladze Tower verfügt. Ein netter, schattiger Park zum Entspannen. Wir liefen einige Kilometer zum Leuchtturm und entlang der Schwarzmeerküste, bis wir Kaffeedurst bekamen. Den zu stillen war nicht so einfach, denn eine große Café-Kultur schien Georgien nicht zu haben. Wir wurden auf dem großen, teils überdachten Markt fündig, der türkischen Märkten sehr ähnelte. Besonders war allerdings eine Markthalle mit den typischen Tschurschtscghchela, manchmal auch Churchchela geschrieben, einer überall zu findenden georgischen Süßigkeit, für die wir auch schon die Bezeichnung „georgisches Snickers“ gefunden haben, womit es aber absolut nichts zu tun hat, außer, dass es Nüsse hat. Auf einem Faden aufgezogen befinden sich Wal- oder Haselnüsse, die mit einer Trauben- oder aus anderen Früchten hergestellten Schicht überzogen sind. Das Ganze sieht etwas aus wie eine Wurst, die an Fäden aufgehängt verkauft wird. Je nach Kuvertüre hat sie unterschiedliche Farben. Wir probierten bei unserem ersten Versuch eine gelbe, eine rote und eine schwarze Version. Sie war nicht so süß wie erwartet und die Hülle aus Saft, Mehl oder Stärke und nach Belieben Zucker, war erstaunlich fest. Tschurschtscghchelas halten sich lange und wurden schon zu früheren Zeiten als Energiesnack im Winter verwendet. Sie schmeckte uns, aber ich hatte sie mir leckerer vorgestellt. Der Überzug war ziemlich fest und hatte nicht viel Geschmack. Ich hatte sie mir fruchtiger und weicher vorgestellt. Wir tranken Kaffee, aßen etwas von unseren Tschurschtscghchelas und Kuchen und nach einem Rundgang über den Markt machten wir uns auf die Suche nach einer Marschrutka zurück zu unserer Unterkunft, was gar nicht so einfach war. Ins Zentrum zu fahren war ja kein Problem, aber was sagte man, wenn man in ein bestimmtes Wohngebiet wollte? Wonach guckte man, wenn man keinerlei Beschriftung an den Windschutzscheiben entziffern konnte und auch der Google – Übersetzer versagte? Immerhin wussten wir, dass unser Minibus am Morgen die Nr. 20 trug (kaum eine Marschrutka ist nummeriert) und mit Hilfe von Maps und einem Fahrer fanden wir den Abfahrtsort und kamen wieder an unseren Ausgangspunkt zurück. 
Wir hatten noch regen Schriftverkehr mit unserer Vermieterin. Da unser Laken bei Ankunft einen großen, gelben Fleck hatte, hatten wir es gleich in die Waschmaschine gesteckt und dann auf den Balkon gehängt. Als wir vom Spaziergang zurückkamen, war es weg! Unten im Hof fanden wir es auch nicht, waren also die Bewohner unter uns Diebe? Sie konnten von unten am Laken ziehen, da die Leine vor der Brüstung befestigt war. Morgens teilten wir den Verlust unserer Vermieterin mit, fanden aber kurz darauf das Laken über einen Zaun gehängt. Die Vermieterin war jedoch mehr an dem Fleck interessiert, weil sie bereits zuvor einmal eine schlechte Bewertung wegen eines Flecks auf der Bettwäsche bekommen hatte und überlegte nun, ob sie die Reinigungsfrau kündigen sollte. Wir hatten das runtergefallene Laken nochmals gewaschen, aber der Fleck war noch immer leicht sichtbar. Auf Wunsch schickten wir ein Bild, teilten aber mit, dass wir deshalb keine negative Bewertung hinterlassen würden. Wir hatten noch ein frisches Laken im Schrank gefunden, außerdem war voraussichtlich der Fleck nur bei der Wäsche nicht ganz rausgegangen. Auf jeden Fall war die Vermieterin über unsere Reaktion so glücklich, dass sie uns einlud, noch eine Nacht kostenfrei zu bleiben oder noch einmal zu kommen und eine Nacht weniger zu zahlen. Leider hatten wir nicht ausreichend Zeit und Poti erschien uns nicht spannend genug für eine Verlängerung, aber nett war das Angebot auf jeden Fall.

Freitag, 30.5.2025 Poti/Kolkheti’s National Park -Weiterfahrt nach Batumi 

Um 7:00 schellte der Wecker uns aus dem Schlaf. Wir hatten für 8:00 die Bootsfahrt im Kolkheti’s National Park gebucht und mussten noch ein paar hundert Meter zum Bootssteg laufen. Dort wurden wir von drei nervigen, aber harmlosen Straßenhunden begrüßt und beschnüffelt. Ein paar Minuten später kam unser Bootsführer und zog das Boot mit dem Traktor auf den Paliastomi Lake, dann ging die Fahrt los. Leider handelte es sich um ein Schnellboot mit Dieselmotor. Da waren die Inder zum Teil schon umweltbewusster. Dort hatten wir einmal ein Solarboot, was zu einer geschützten Natur im Nationalpark viel besser gepasst hätte. Schnell war allerdings schon wichtig, denn der Weg über den See zu den schmaleren Kanälen war ziemlich weit. Dort hätte es dann aber gerne langsamer und leiser gehen können. Immerhin hatten wir aber dreimal 15 Minuten Zeit anzulanden und die Natur von Vogeltürmen und einer kleinen Picknickarea aus zu genießen. Letztere befand sich direkt im Kolchischen Regenwald der seit etwa 66 Millionen Jahren existiert. Er hat mehrere Eiszeiten überdauert, weil das milde Klima am Schwarzen Meer ihn schützt und beheimatet daher viele endemische Pflanzenarten, die in anderen Teilen Europas ausgestorben sind, z.B. den Kolchischen Buchsbaum. Zahlreiche Vogelarten, Amphibien, Reptilien, Luchse, Bären und Wölfe sind ebenfalls in ihm anzutreffen. Ein Teil des Kolchischen Regenwalds ist als UNESCO Weltnaturerbe anerkannt, dieser Teil war bei unserem Besuch aber unter besonderem Schutz und nicht zugänglich. Nach der Rückkehr frühstückten wir noch einmal in unserem Apartment, dann mussten wir uns beeilen. Wir waren davon ausgegangen, dass die Marschrutka nach Batumi an der großen Straße ganz in unserer Nähe hielt. Unsere Vermieter teilten uns aber mit, dass wir erst zurück nach Poti und von dort nach Batumi fahren müssten und die Busse von dort um 11 und 12 Uhr führen. Wir beeilten uns und erwischten auch recht schnell einen Minibus nach Poti, gingen zügigen Schrittes zum Abfahrtsort beim Markt und fanden auch noch ausreichend freie Plätze zur Mitfahrt um 12:00. Später stellten wir fest, dass die Marschrutka wirklich in unserer Nähe gehalten hätte. Wahrscheinlich hatten unsere Vermieter nur befürchtet, dass bis dort alle Plätze besetzt und wir stehengelassen worden wären. Egal, alles hatte geklappt und wir landeten gegen 14:00 in Batumi, der seit ein paar Jahren zweitgrößten Stadt nach Tiflis und vor Kutaissi mit ca. 181000Einwohnern. Sie liegt am Schwarzen Meer, gerade mal 26km von der türkischen Grenze entfernt, was man deutlich merkte. Wir wurden gleich vom Ruf des Muezzins begrüßt, der seine Gläubigen mit ohrenbetäubender Stimme zum Freitagsgebet in die Central Mosque rief. Wir wohnten direkt in der lebendigen und von Türken und anderen orientalischen und asiatischen Ländern geprägten Altstadt und konnten die nächsten Tage kulinarisch zwischen türkischer, arabischer, israelischer, indischer, vietnamesischer, russischer und georgischer Küche schwelgen. Wir begannen mit vietnamesisch, direkt nebenan. Batumi war definitiv touristischer als Poti und hatte schon auf den ersten Blick sehr viel zu bieten, was man am liebsten gleich ansehen wollte. Den Batumi Piazza Square mit Blick auf die St. Nicolas Church mit ihren markanten zwei rot-weißen Türmen und andere nette Gebäude besuchten wir direkt und hier gab es sie auch, die Cafés, die wir in Poti zuvor vermisst hatten. Die Atmosphäre in der Altstadt war lebendig und gefiel uns gleich gut. Wir hofften, dass das auch nach der ersten Nacht noch so blieb. Es hatte ja viele Vorteile, direkt im Zentrum zu wohnen, konnte aber natürlich auch nachts ziemlich laut werden, besonders wenn der Muezzin dann auch so laut rief. 

Samstag, 31.5.2025 Batumi

Ich liebte unsere derzeitige Unterkunft! Wenn man auch immer einen Schrecken und Befürchtungen beim schrottigen Durchgang zum Haus und dem baufälligen Treppenhaus mit abgeschlagenen, unebenen und abgetretenen Stufen und dem Boden mit diversen Schichten und Arten von Belag auf einem Untergrund, den man sich nicht unbedingt vorstellen mochte, bekam, so war zumindest unsere Wohnung prima. Es schien typisch für Gebäude aus der ehemaligen Sowjetzeit zu sei: außen Schrott innen top. Das war schon in unserer letzten Unterkunft so und wir hatten auch in den baltischen Staaten zuvor diese Beobachtung gemacht. Unsere derzeitige Wohnung schien zuvor so etwas wie eine Fabrik gewesen zu sein, zumindest waren die Räume extrem hoch und es gab Steckdosen in sicher 3 Metern Höhe. Die Wohnküche mit dem Schlafsofa, auf dem ich es mir bequem gemacht hatte, sowie das Bad, waren inklusive der geräumigen, begehbaren Dusche mit Fliesen in gemütlicher Holzoptik ausgestattet. Letztere genoss ich am Morgen ausgiebig. So sollte eine Dusche sein: groß und mit Duschabtrennung, sodass nicht immer das ganze Bad schwamm, wie bei den meisten asiatischen Duschen. An der Wand hinter meinem Sofabett hatte man als Stilelement eine Ecke in Backsteinoptik gestaltet, was nett aussah, und unter der Decke boten Strahler und indirekte Beleuchtung diverse Lichtquellen. Das Schlafzimmer, in dem Stefan sich ausbreiten durfte, war riesig und mit Laminat ausgelegt. Hier hatte man anscheinend einiges zugemauert und an anderer Stelle ein neues Fenster eingebaut, das zugegebenermaßen einen nicht so schönen Blick ins nach draußen offene Treppenhaus freigab. Da uns in der ersten Nacht auch kein Muezzin von der nahegelegenen Moschee geweckt hatte, begrüßten wir es, so mitten im Zentrum zu wohnen. So machten wir am Ankunftsabend noch einen Spaziergang zum Strand und staunten über diverse futuristische Gebäude mit bunter Beleuchtung. Der Batumi Tower, ursprünglich für die Technische Universität gebaut, war bei seiner Fertigstellung 2012 das erste Gebäude mit einem in die Fassade integrierten Riesenrad! In 100 Metern Höhe schwebten acht klimatisierte Kabinen mit Platz für insgesamt 40 Personen. Wäre er nur in Betrieb, würde er einen herrlichen Blick über Batumi bieten! Es gab aber wohl aus diversen technischen und seismografischen Gründen keine Genehmigung für die Inbetriebnahme. Das Gebäude stand nach dem Bau erstmal leer und wurde dann an ein Hotel verkauft, das wegen horrender Kosten kein Interesse an der Funktion des Riesenrads hat.  Der Turm macht aber auch so schon viel her. Auf den Alphabetic Tower mit runder Aussichtskugel hätte man hochfahren können, das Geld haben wir uns aber gespart und nur seine bunten Farbwechsel bestaunt. 
Dafür nahmen wir an diesem Tag etwas Geld in die Hand und leisteten uns die Fahrt mit der Argo Gondel über die Stadt auf den nahegelegenen Hügel. Mal wieder war es ein Model von Doppelmayr aus Österreich. Nun waren wir schon in Italien, Südkorea, Vietnam und nun auch noch in Georgien mit Doppelmayr gefahren, vielleicht sollten wir uns denen mal als Gondeltester anbieten? Wir hatten einen tollen Blick auf die Stadt, das Schwarze Meer und die umliegenden Berge und hatten Glück mit sonnigem Wetter. Danach ging die Fahrt mit einem regionalen Bus zum außerhalb an der Küste liegenden Botanischen Garten. Unterwegs lernten wir 4 Weltreisende aus England und Polen, sowie eine nette Iranerin kennen, die mit ihrer Mutter reiste und uns ihre E-Mailadresse gab. Sie will ggf. in Deutschland Medizintechnik studieren.
Der Botanische Garten war riesig groß. Ich hätte ihn ehr Arboretum genannt, weil er vornehmlich Bäume und Sträucher aus aller Welt zeigte, aber es gab auch einen kleinen Teil mit Rosen, ein japanisches Gärtchen und ähnliches. Es war auf jeden Fall nett, hindurchzuschlendern und man konnte sich gut vorstellen, wie froh die Städter im Hochsommer sein mussten, diesen schattigen Ort vor der Haustür zu haben. Wir aßen im Gartenrestaurant des Parks Chatchapuri, ein mit Käse aus der Region gefüllte Brot, das es in Georgien an jeder Ecke gibt und für das die georgische Küche bekannt ist. Es war sehr lecker, aber sicher eine Cholesterinbombe, die man nicht ständig essen sollte. Danach liefen wir zurück zum Ein- und Ausgang und siehe da, unsere internationalen Bekannten fuhren wieder im selben Bus. Wir machten uns in der Stadt auf den Weg in ein Einkaufscenter, da Stefan mal wieder neue Laufschuhe brauchte. Leider handelte es sich bei der gewählten Mall um ein Baumarktzentrum und auch sonst gab es in der Ecke nur Geschäfte mit Baumaterialien. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft kamen wir dann aber in eine Straße, die sich wohl auf Schuhe spezialisiert hatte, auf jeden Fall gab es in jedem Haus Billigschuhläden nach türkischem Modell, d.h. es wurden auch Markenschuhe verkauft, es waren aber sicher Duplikate. Stefan fand sogar ein Modell in seiner Größe und mit Mesh Stoff auf dem Oberfuß. Er hatte seit Indien Probleme mit einem Fußpilz und vermutete, dass seine bisherigen Schuhe, die er täglich getragen hatte, schuld waren. Da sie inzwischen auch ziemlich Schrott waren, kaufte er sich jetzt billige hier, wo mehr Luft an die Füße kam. Sollten sie sich als nicht gut erweisen, waren die ca. 28€ auch kein Drama. Mit über 23500 Schritten und 220 Höhenmetern auf meiner Uhr kam ich relativ kaputt wieder in unserem Apartment an.

Sonntag, 1.6.2025: Batumi – Ausflug Gonio Fortress – Sarpi/Georgien – Sarp/Türkei

Wir besuchten per Bus das Fort in Gonio, eine Festung aus der römischen Zeit um das 1.Jahrhundert nach Christus. Einer Legende nach soll sich hier das Grab des Apostels Matthias befinden. Die Mauern waren gut erhalten und im Inneren konnte man noch Reste eines römischen Bades erkennen. Weitere Ausgrabungen waren noch im Gange. Um den Besuchern das Leben der damaligen Zeit näherzubringen, hatte man Jurten aufgebaut, Werkzeuge und Waffen ausgestellt, wie z.B. einen Streitwagen und ein Trebouchet, ein mittelalterliches Wurfgeschoss. In einem kleinen Museum wurden Vasen, Öllampen, Tontöpfe und ähnliches gezeigt. Insgesamt war das Fort recht klein und nicht besonders beeindruckend, aber gut von Batumi erreichbar und als kleiner Ausflug ok. Da wir nur noch gut 7km von der türkischen Grenze entfernt waren und Busse regelmäßig direkt bis zum Grenzübergang fuhren, kamen wir auf die verrückte Idee, mal kurz einen Kaffee in der Türkei zu trinken. Als ich in Sarpi die Menschenmenge vor der Grenzabfertigung stehen sah, wollte ich das Unterfangen schon gleich abbrechen, denn etwas Besonderes war in Sarp, auf der türkischen Seite, nicht zu erwarten. Das Gedränge in dem engen Tunnel fand ich ziemlich bedrückend und Grenzübergänge sind ja generell keine Orte, die positive Gefühle auslösen, aber Stefan wollte unbedingt einmal rüber, also standen wir ca. 45Minuten eng gequetscht vor der georgischen Passabfertigung, wo immer mal wieder Leute vorzeitig durchgelassen wurden, meist Frauen mit Kindern, was ich noch OK fand, aber auch Einzelpersonen. Ob da Geld im Spiel war? Keine Ahnung. Die Einreise in die Türkei ging danach viel zügiger und dann waren wir in Sarp, dem türkischen Pendant zum georgischen Sarpi. Außer dem Grenzgebäude, zwei Lädchen, wo man in einem etwas essen konnte und einer Wechselstube, gab es hier nichts. Wirklich Sinn gemacht hätte diese Aktion nur mit mehr Zeit und Vorplanung, denn dann hätte man von der Grenze aus die hübsche und hübsch gelegene Stadt Trabzon besuchen können. Es war aber schon nachmittags, also aßen wir eine Kleinigkeit in dem Imbiss und machten uns wieder auf den Weg nach Georgien. Von dieser Seite ging die Abfertigung schneller. Anscheinend kaufen mehr Türken in Georgien ein und bringen das Zeug über die Grenze als andersherum. Die ganze Sache brachte uns 4 Stempel in unsere Pässe. Gut, dass wir noch genug Platz hatten.
Wir hatten Glück, denn als wir aus dem Grenzgebäude kamen, erwischten wir gerade noch den Bus nach Batumi. Hier stiegen wir weiter südlich aus und schlenderten die sehr lebhafte Promenade am Meer entlang. Zwischen futuristischen Hochhäusern und dem Strand waren mehrere Wege angelegt. Direkt am Strand waren diverse Fahrgeschäfte und Kirmesbuden und man konnte Roller und diverse Arten von elektrisch betriebenen Rollerrikschas und Wägelchen mieten und auf einem extra angelegten Fahrweg die Küste entlangfahren. Dahinter war ein Grünstreifen mit Bäumen, Fußwegen und unzähligen Tischtennisplatten und Outdoor- Billardtischen, sowie Volleyballfeldern, die auch gut gegen Geld genutzt wurden. Springbrunnen, Fontänen, Wasserläufe, ein japanisches Gärtchen und ähnliches boten den Besuchern ein entspanntes Ambiente. Der Strand selbst schien hier nicht unbedingt die Leute anzuziehen, was wahrscheinlich auch dem Wetter mit um die 20⁰ geschuldet war. Der Strand in Batumi würde mich aber auch bei heißem Wetter nicht locken, denn er besteht ausschließlich aus mit bis zu tennisballgroßen Kieselsteinen. Es gab zwar Liegen, aber ich würde ungern über die Steine ins Wasser laufen. 
Gegen Abend kehrten wir in unsere Wohnung zurück.

Montag, 2 6.25: Batumi – Ausflug zum Makhuntseti Waterfall

In der Nacht hatte es stark geregnet, aber am Morgen fieselte es nur, sodass wir unseren Plan, einen Ausflug in die Natur zu unternehmen, nicht aufgaben. Nachdem die Mitarbeiterin der Tourist-Info uns erklärt hatte, wo eine Marschrutka zum Makhuntseti Waterfall fuhr, machten wir uns auf den Weg zum „Alten Busbahnhof“ und fanden auch schnell die Nr. 77, die uns kurz darauf zum gewünschten Ort brachte, bzw. zum Weg dorthin. Der Wasserfall lag auf der Strecke nach Keda, etwa 35km östlich landeinwärts. Nachdem wir den staureichen Innenstadtverkehr hinter uns gelassen hatten, kamen wir in das Tal des Flusses Çoru, der eingebettet in üppig grünen Hügeln liegt. Das Tal ist noch kein Nationalpark, aber wird eingerahmt vom Mtirala Nationalpark im Norden und dem Machakhela Nationalpark im Süden. Trotz des regnerischen Wetters und der verhangenen Berge war die Landschaft reizvoll. Nachdem der Minibus uns rausgelassen hatte, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Wasserfall. Zahlreiche Stände mit Tschurtschchela in allen Farben und mit Wal- oder Haselnüssen, Fruchtpapier, Honig, einheimischem Käse und Broten und natürlich Wein begleiteten unseren Weg. Wissenschaftler entdeckten in Shulaveri südlich von Tiflis die über 8000 Jahre alten Traubenkerne einer kultivierten Rebe, daher nennen sich die Georgier stolz die „älteste Wein produzierende Region der Welt“ und man findet ihn überall.

Dafür, dass das Wetter nicht verlockend war, waren recht viele Besucher unterwegs. Der Wasserfall und all die Actionangebote wie Zipline, Rafting, Jeep- oder Quadfahrt und Reiten zogen hier viele Touristen und Einheimische an. Es war jetzt schon die zweite Zipline, die wir während des Aufenthalts in Batumi sahen. Im Botanischen Garten konnte man sich ebenfalls durch die Lüfte schwingen. Der Wasserfall war nicht spektakulär, aber dennoch sehenswert. Ebenfalls nett fanden wir die historische Steinbrücke im Ort. Da wir mit diesen zwei Highlights aber nicht ausgelastet waren, machten wir uns auf den Weg und wanderten bis zum nächsten Dorf in rückwärtiger Richtung nach Batumi und wurden dabei die ganze Zeit von drei sich jagenden und nach Beeren suchenden Hunden begleitet. Es war irgendwie witzig. Sie verhielten sich wie Teenager, die das Interesse auf sich ziehen wollten, aber so taten, als würden sie einen gar nicht bemerken. Im nächsten Ort, der auch nur aus einer Handvoll Häusern bestand, brauchten wir gar nicht lange warten, bis ein Minibus kam und uns wieder nach Batumi brachte. An unserem letzten Abend in Batumi wollten wir eigentlich die Chance nutzen, mal thailändisch essen zu gehen, aber es scheiterte daran, dass das eine Restaurant in unserer Nähe geschlossen hatte und das andere nicht eine einzige vegetarische Alternative zu Fleisch und Fisch anbot. Das fanden wir ziemlich enttäuschend, also machten wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft und genossen hervorragendes indisches Essen im Restaurant bei uns im Haus. Eine Auswahl unterschiedlicher Gemüse und Paneerkäse, gut gewürzt und im Tandoori gebacken, Raita, eine kalte Beilage aus sehr fein geschnittenen Gurken, Möhren, Zwiebeln und Paprika in einer Joghurtsuppe und Bohnen in Masalla Soße mit Knoblauch Naan und Butter Naan. Alles war sehr lecker und hatte gerade so die richtige Schärfe bis auf die extra gereichte Minzsoße, die wir deshalb stehen ließen. 

Am kommenden Morgen planten wir, eine Marschrutka nach Tiflis zu nehmen. Die Busse fuhren uns entweder zu früh oder zu spät und der Zug gegen Mittag war leider schon ausgebucht. Da die Fahrt zwischen 5-7 Stunden dauern sollte, hätten wir gerne den Zug genommen, aber mitten in der Nacht ankommen wollten wir nicht

Dienstag, 3.6.2025: Batumi- Tiflis

Über den Tag kann man nicht zu sagen, denn wir fuhren ca. 6Std./370km mit der Marschrutka nach Tiflis. Die Strecke führte erst Richtung Norden über Kutaissi und dann wieder in den Süden nach Tbilisi/ Tiflis. Anscheinend war eine südliche Route über die Berge nicht möglich oder sinnvoll. Wir haben für die Fahrt je 35Lari, d.h.11,24€ pro Person bezahlt. Der Fahrer war ein ziemlich unfreundlicher Raser, der noch dazu während der Fahrt rauchte. Nun ja, wir kamen heile an und es hätte unbequemer sein können. 

In Tiflis mussten wir dann noch mit der Metro fahren. Hätte ich nicht gewusst, dass die Tube in London und die Moskauer S-Bahn älter sind, hätte ich diese, besonders die Linie 1, als die älteste, mit der ich je gefahren bin, eingeschätzt. Immerhin gehört sie zu den ältesten nach sowjetischem Modell im Kaukasus. Sie rumpelte wie eine alte Eisenbahn und die Stationen schrien auch nach Renovierung. Von der Haltestelle waren es noch 1km zu unserer Ferienwohnung, deren Suche uns jedoch einige Zeit kostete. Sie war nicht korrekt bei Google eingezeichnet, was aber bei einem Komplex mit 15 Eingängen (laut einem Lieferservice) auch kein Wunder war. Als wir den richtigen gefunden und an der Rezeption den Schlüssel bekommen hatten, fing die Suche aber erst an. Wir wussten, 6.Etage Tür 6. Es führten aber diverse Aufzüge und Treppenhäuser nach oben und wir rätselten mit einem Pizza-Lieferanten, welchen Aufgang/Aufzug wie nehmen müssten, bis irgendwann klar wurde, dass die Anweisung Tür 6 nicht zur Wohnung, sondern zum Aufgang gehörte. Mit etwas Hilfe schafften wir es dann auch noch, den Aufzug mit der Codekarte in Gang zu setzen und oben unsere Wohnung zu finden. Die war wiederum riesig mit 2 Schlafzimmern, Bad, Gäste WC, Wohnzimmer, Küche inkl. Waschmaschine und kostete gerade mal 29€ pro Nacht. Unser Hochhaus war neuerer Bauart, aber was so rund um uns herumstand, war Marke alt, scheußlich und sozialistisch. Wir machten uns nach der Ankunft noch zu einer ersten Entdeckungstour auf den Weg, nachdem wir uns ein Stück Kuchen und einen Cappuccino geleistet hatten und fanden wenig, was uns begeisterte. Der Mziuri Park war ganz nett, den Wasserfall, den irgendjemand mitten in der Stadt eingetragen hatte, war gar nicht zu finden und ansonsten hatten wir bis dato nur nichtssagende, meist heruntergekommene Hochhäuser, ein paar Läden und Verkehr gesehen. Das Casino war das einzige Gebäude, was etwas her machte. Nun ja, wir hatten ein paar Tage Zeit, um herauszufinden, ob die Stadt den Titel Hauptstadt verdiente. In der Umgebung schien es zumindest noch ein paar interessante Stellen zu geben.

Mittwoch, 4.6.25: – Tiflis

Wie kann doch der erste Eindruck täuschen! Tiflis eroberte am zweiten Tag bei schönstem Sonnenwetter mit wunderschönen Historischen Gebäuden, einer lebhaften Altstadt und einem tollen Botanischen Garten unser Herz. Wahrscheinlich würde es einem in Berlin ähnlich gehen, wenn man als erstes nach Marzahn oder in ähnliche Stadtteile kommt und meint, so sähe Berlin aus. Tiflis hat alles, was eine interessante und sehenswerte Stadt braucht und noch darüber hinaus. Es hat einen Fluss mit der architektonisch faszinierenden Friedensbrücke, grüne Hügel ringsum, beeindruckende historische Gebäude wie die Oper, das Parlament etc., die Narikala Festung, auf die man sogar per Gondelbahn über die Stadt schweben kann, einen Freizeitpark auf einem Hügel, der mit Standseilbahn erreichbar ist, zahlreiche Parks, die vom Botanischen Garten mit Wasserfällen getoppt wird und als Besonderheit Jahrhunderte alte Schwefelbäder, die aus natürlichen Quellen mit 40-50⁰ heißem Wasser gespeist werden. In Badehäusern kann man sie nebst einer Massage genießen. Wir schlenderten an diesem Tag knapp 10km kreuz und quer durch die Altstadt und den Botanischen Garten und genossen auch hier die Gondelfahrt. Zum Abschluss gab es eine Stärkung in einem georgischen Restaurant mit Badrischani, der typischen Spezialität aus mit Walnüssen gefüllten Auberginenröllchen, die mir hier viel besser schmeckten als die Ersten aus dem Supermarkt, einem Salat mit Gurken, Tomaten und Zwiebeln, mit einer Walnusssoße und dazu Pommes Frites. Was uns gar nicht schmeckte war das heimische Mineralwasser Borjomi. Es schmeckte wie salzig-seifiges Wasser. Schnell spülten wir mit Cola nach. Es war ein wirklich schöner und gelungener Tag mit über 22600 Schritten, und für den kommenden Tag buchten wir eine Tour in die Bergwelt. Wir waren gespannt, wie es dort aussah.

Donnerstag, 5.6.2025: Tiflis – Tagesausflug ins Gebirge 

Unsere gebuchte Reise bis zum dritthöchsten Berg Georgiens mit 5054m direkt auf der russischen Grenze liegend, bescherte uns einen sehr schönen Tag. 
Unsere Fahrt begann ab Oper um 9:00 in einer sehr internationalen Gruppe in einem Kleinbus. Mit Leuten aus Aserbaidschan, Armenien, Dubai, Indien, Russland, Jordanien, Deutschland und vielleicht noch weiteren Nationen machten wir uns auf den Weg Richtung Norden ins Gebirge und hielten zuerst beim Zhinvali Reservoir. Georgien verfügt auf seiner Fläche in der Größe von in etwa Bayern über mehr als 2000 Flüsse, was ihnen die Möglichkeit zur Nutzung von Wasserkraft ermöglicht. Das Zhinvali Reservoir ist ein Trinkwasserspeicher und wurde 1921 angelegt, weil die Region Tiflis vermehrt Trinkwasser benötigte. Wie bei uns in Schulenberg mussten auch hier die ehemaligen Bewohner des Tales weichen und liegen die Reste von Gebäuden unten in der Talsperre Zhinvali unter Wasser. Der Ausblick über das Zhinvali Reservoir auf die Bergwelt war großartig. Von grünen Hügeln umgeben und mit grünen Kuppen, die aus dem türkisblauen Wasser herausschauten, war es ein Traum.
Der nächste Stopp war die Festung Ananuri deren Bau im 13.Jahrhundert begann und bis in die Neuzeit reichte. Auch von hier hatten wir einen schönen Blick über den Stausee. In der Festung staute sich allerdings der Fußgängerverkehr und die Besucher mussten sich halsbrecherisch aneinander vorbeischieben, wenn sie den Turm besteigen wollten. Stefan ist das Wagnis eingegangen, ich habe mir den Aufstieg zum Glück gespart, weil mein linkes Knie schon vom Vortag noch schmerzte. Gegen 12:00 legten wir eine lange Mittagspause bei einem Restaurant mit Seeblick ein. Wer wollte, konnte eine Weinverkostung mitmachen. Unser Reiseleiter hatte uns schon zuvor vom hervorragenden georgischen Wein vorgeschwärmt, von dem man 5-6 Liter pro Tag trinken kann, ohne am nächsten Tag Kopfschmerzen zu haben und Autofahren könnte man dann auch wieder! Der herbe Weißwein würde nicht gezuckert, das wäre das Geheimnis dieses tollen Tropfens aus Georgien, der Wiege des Weines. Er und Chatchapuri, das mit Käse gefüllte Brot, wären ein absolutes Muss eines Georgienbesuches, wenn man ihre Kultur verstehen wolle. 8kg mehr auf den Rippen bei Abreise wären ok. Naja, letzteres hatten wir wirklich schon mehrfach gegessen, hofften aber unter den 8kg zu bleiben.
Zum Mittagessen in diesem Restaurant teilten wir uns jedoch eine weitere typische Köstlichkeit: Khinkali, mit Käse gefüllte Maultaschen, die es auch mit Fleisch- oder Pilzfüllung gibt. Wir teilten mit einem weiteren deutschen Tourteilnehmer, mit dem wir uns hervorragend unterhielten. Er arbeitete bei der Lufthansa und hatte eine Weile in China studiert. Zu den Maultaschen bestellten wir noch gefüllte Champignons – natürlich wieder mit Käse und nochmals die mit Walnüssen gefüllten Auberginenröllchen.
Weiter ging die Fahrt zum Zusammenfluss des Schwarz-weißen Aragvi, einem 60km langen Nebenfluss des Kura, der durch Tiflis fließt. 
Der weiße Aragvi verdankt seine hellere Farbe kalk- und mineralreichen Sedimenten, die flussabwärts transportiert werden, während der schwarze Aragvi durch organisches Material und Schlamm einen dunkleren Farbton erhält. Der Zusammenfluss dieser Flüsse in Pasanauri, einer malerischen Schlucht im Osten Georgiens, bietet ein außergewöhnliches Naturschauspiel.
Danach ging’s durch ein Skigebiet zum Russisch- Georgischen Freundschaftsmonument in Gudauri. Das riesige Monument, eine halbkreisförmige Mauer mit bunter Bemalung, die Szenen aus der Geschichte beider Länder darstellt, befindet sich an einer Stelle mit absolut faszinierenden Ausblicken auf die Gebirgswelt. Grüne Hügel, schroffe, mit Schnee bedeckte Bergspitzen, tiefe Einschnitte, einfach wunderschön. Weniger schön war das touristische Drumherum mit bunten und laute Musik spielenden Ständen, Vermietung von Quads, die in die wilde Natur hineinfuhren und natürlich haufenweise Touristen wie wir, die die zahlreichen Busse hierhergebracht hatten. 
Den Abschluss der Tour bildete eine Fahrt über den Gebirgspass auf die Nordseite des Kaukasus nach Stepanzminda. Hier liegt auf einem Hügel die Gegeti Dreifaltigkeitskirche und gibt einen Blick frei auf den dritthöchsten Berg Georgiens, den Kazbegi, vorausgesetzt, die Wolken spielen mit. Bei uns verdeckten sie ihn leider, ließen den 5000der nur manchmal durch einen Schleier erahnen, aber das Bergpanorama rundherum reichte auch so schon zum Staunen und daran erfreuen. Die orthodoxe Kirche war wieder eines der dunklen, eher Furcht einflößenden Gebäude, die wir bei orthodoxen Kirchen nicht so lieben. 
Oben in den Bergen leben nur ganz wenige Menschen, obwohl ihnen der Staat kostenlos Strom und Gas als Anreiz bietet. Die sich minutenschnell verändernden Wetterbedingungen und das monatelange Abgeschnittensein von der Außenwelt im Winter, treibt die Menschen ins Tal nach Tiflis. Nicht selten passiert es, dass eine Tour wie unsere schon Anfang September zu einer ungeplanten Übernachtung führt, weil die Straße wegen Schnee vorübergehend gesperrt werden muss.
Auf dem Rückweg zeigte uns unser Reiseleiter Tunnel, die deutsche Kriegsgefangene für die damalige Sowjetrepublik bauen mussten, um den Verkehr durchs Gebirge zu vereinfachen. Heute reichen diese Tunnel aber nicht mehr aus. Sie sind zu schmal für den erheblichen LKW – Verkehr, denn die Haupteinnahmequelle Georgiens ist der Transport. Zum einen bezahlen die Anrainerstaaten für die zur Sowjetzeit gebauten Gaspipelines, durch die sie ihr Gas beziehen, zum anderen galt Georgien als Ost-Westverbindung schon zu Zeiten der Seidenstraße als wichtige Nebenverbindung. Armenien, Aserbaidschan, Iran – alle nutzen die Verbindungen durch Georgien – und zahlen dafür. Da in heutigen Zeiten die Verbindung aber besser, schneller und sicherer sein muss, bauen gerade die Chinesen Tunnel für die Georgier. Für welche Gegenleistung? Darüber ließ sich unser Reiseleiter nicht aus. Weitere Einnahmequelle für Georgien sind Agrarprodukte und der Tourismus, der das ganze Jahr floriert, da sicherer Schnee bisher die Skisaison garantiert. 
Wir kamen nach 24Std erlebnisreicher Tour am Abend wieder an der Oper an und fuhren per Metro zur Unterkunft, da, aus welchem Grund auch immer, kein Bus an der Haltestelle ankam, obwohl ständig welche angezeigt wurden. Gut, wenn man in der Nähe einer Metrostation wohnt!

Freitag, 6.6.2025: Tiflis

Wir verbrachten unseren letzten Tag in Tiflis im Altstadtbereich südlich des Liberty Squares und genossen es sehr, in den kleinen Gassen all die schönen, alten Häuser, die vielen Lädchen mit Kunst und Kunsthandwerk, die netten Restaurants, den Uhrturm, die Reste der Stadtmauer und kleinen Kirchen zu entdecken. Bevor wir wieder den Bus Richtung Ferienwohnung nahmen, schlenderten wir noch durch den Dedaena-Park.
„Deda Ena“ wird direkt aus dem Georgischen als „Muttersprache“ übersetzt. Die Ursprünge des Dedaena-Denkmals und -Parks liegen in den historischen Ereignissen der 1970er Jahre, insbesondere in den georgischen Demonstrationen von 1978, die als Reaktion auf den Versuch der Sowjetregierung stattfanden, den Verfassungsstatus der georgischen Sprache in der georgischen SSR zu ändern. Zehntausende Menschen versammelten sich in dem Park, der heute Dedaena Park heißt. Die Demonstranten waren schließlich erfolgreich, da es den georgischen Beamten gelang, mit Moskau zu verhandeln, und der bisherige Status der georgischen Sprache als offizielle Staatssprache beibehalten wurde. Seitdem wird der 14. April, der Höhepunkt der Proteste von 1978, als Tag der georgischen Sprache gefeiert. 
Im Park gibt es ein Denkmal, das an diesen Freiheitskampf erinnert.
Der Park selbst ist ein wunderbarer, grüner Ort direkt neben dem Fluss Kuna mit diversen Liegebänken verschiedenster Art, Picknicktischen, Maler und Kunsthandwerker verkaufen ihre Werke dort, ein riesiger Skaterplatz bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, zu trainieren und ihre Kunststücke zu zeigen und ein Flohmarkt, sowie ein alter Bücherbasar lädt zum Stöbern ein. Für Verpflegung sorgen ein Terrassenrestaurant, ein Eiscafe und ein Imbiss. Die Georgier wissen, wie es sich leben lässt! Wir wussten es auch und leisteten uns vor Beginn unseres Rundweges im Café Artisan bei uns um die Ecke ein vorzügliches Küchlein mit Karamell und Walnüssen mit Kaffee Latte und Espresso und zum Abendessen waren wir im Restaurant „Krombacher Sabortalu“. Richtig, Krombacher, wobei über dem Eingang Hacker Pschorr – Himmel der Bayern stand, es sich aber ansonsten um ein georgisches Restaurant handelte. Die Georgier stehen anscheinend auf deutsches Bier, denn es war nicht das einzige Restaurant bzw Geschäft mit Krombacher oder Hacker Pschorr Bieren inklusive Weißbieres. Das Essen war typisch georgisch und natürlich auch der Grund, warum wir dort waren. Nachdem wir am Vortag Khinkali, die wie eine Knoblauchknolle geformte Maultasche mit einheimischem Käse gefüllt gegessen hatten, testeten wir sie nun mit Pilzfüllung und waren enttäuscht. Vielleicht lag es aber nicht am Gericht, sondern am Restaurant, denn die Füllung war eindeutig zu salzig und das fiel uns ebenfalls bei dem Grillgemüse und den gebratenen Austernpilzen auf. Vielleicht sollten wir Khinkali in Kutaissi noch einmal eine Chance geben. Was wir an diesem Tag aber ebenfalls unterwegs an einem der vielen Brotlädchen mit Fensterverkauf probierten, war eine Tarragon Roll, ein mit Reis und Anis gefülltes Fladenbrot und das war superlecker. Kulinarisch gefiel es uns hier außerordentlich gut, wenn die Kost auch sicher nicht gesund war, weil fast immer mit Käse und damit viel Cholesterin, lecker war sie allemal. 
Am nächsten Morgen mussten wir zurück nach Kutaissi, was wir bei unserer Anreise ja noch gar angesehen hatten. Am 10. ging bereits unser Rückflug gen Deutschland.

Samstag, 7.6.2025: Tiflis – Kutaissi 

Der Kreis schloss sich, wir waren zurück in Kutaissi, wo wir am 27.5. gelandet und gleich wieder weggefahren waren. Unsere Busfahrt hierher war etwas holprig. Wir hatten zwar Glück, dass bereits 10 Minuten nach Erreichen des Busbahnhofs eine Marschrutka in Richtung Kutaissi fuhr, aber es war eine ziemlich alte Schüssel und es waren keine zwei Einzelplätze mehr frei, also mussten wir uns mit unserem Gepäck nebeneinander auf Zweierplätze zwängen. Wir hätten unser Gepäck zwar im Kofferraum verstauen können, aber da dort bis auf Pass und Handy alles drin war, versuchten wir es möglichst zu vermeiden. Mein Sitz war so ausgeleiert, dass die Lehne unbequem nach hinten abfiel und mit Stefans Rucksack unter dem Vordersitz blieb kaum noch Platz für die Füße. Er nahm meinen kleinen Kofferrucksack auf den Schoß und nutzte ihn als Ablage, weil er nicht mehr unter den Sitz passte. Es war also ziemlich eng und auch recht Abgas geschwängert, aber alles in allem war die Fahrt ok, bis wir kurz vor Kutaissi in eine andere Marschrutka umsteigen mussten, was uns vorher nicht bekannt war. Während wir noch auf die Abfahrt warteten, lieferten sich mehrere Autos mit heulenden Motoren ein Rennen auf der Straße in die Stadt. Ich befürchtete Schlimmes, weil wir dort ja ebenfalls gleich fahren würden. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass unser Fahrer ähnlich bekloppt, wie ein Irrer losfuhr, sich bei Kreisel extra falsch einordnete, um an anderen Fahrern vorbeizueilen und zwischendurch auch noch mit seinem Beifahrer auf dem Handy tippte und was anguckte. Stefan verließ freiwillig den Einzelsitz bei der Schiebetür des Sprinters, der eigentlich für ihn gut war wegen mehr Beinfreiheit, aber auch im Falle eines Unfalls der gefährlichste Schleudersitz war. Nach ca. 15minütiger Horrorfahrt waren wir am Busbahnhof und mussten uns eine Verbindung in die Altstadt zu unserer Airbnb Unterkunft suchen. Nach gut 4 Std. Fahrt für die rund 220km erreichten wir unser Ziel. Unsere Wohnung war wieder mitten in der Altstadt und sehr gemütlich. Während wir in Tiflis im 6.Stock des „Axis Palace“, eines riesigen Hochhauskomplexes mit 16 Eingängen und sogar einer Mall im anderen Teil, die wir erst am zweiten Tag entdeckt hatten, wohnten, hatten wir hier eine Wohnung im Hinterhaus über unserem Vermieter im historischen Zentrum. Sie war kleiner, hatte aber ebenfalls zwei Schlafzimmer, Küche, Bad und eine hochwertige Ausstattung mit tollen Holzböden und wir zahlten pro Nacht 36,45€. Wir fühlten uns aber in der Wohnung in Tiflis auch sehr wohl, bis darauf, dass meine Matratze völlig durchgelegen und fleckig war. Bei 28,35€ für eine Wohnung von sicher 100qm, noch dazu in der Hauptstadt, konnte man aber überhaupt nicht meckern. 

Nach unserer Ankunft kochte ich Kaffee und Stefan besorgte superleckere Salate und ein mit Bohnenmus gefülltes, sehr dünnes Fladenbrot. Die Salate waren ein rote Bohnen Salat mit Knoblauch und Kräutern, ein Salat mit Spinat, Knoblauch und Kräutern und einer mit Auberginen. Alles war absolut köstlich, sodass wir später bei unserer ersten Erkundungstour noch einmal in dem Laden waren. Da wir mitten in der nicht allzu großen Altstadt wohnten, waren wir umgeben von Prachtbauten wie dem staatlichen Lado Meskhishvili Theater, der Bagrati Kathedrale, dem Kutaissi Park mit diversen Springbrunnen und etlichen Denkmälern, dem Rioni Fluss mit der Weißen Brücke „Tetri Khidi“ und der aus keiner georgischen Stadt wegzudenkenden Gondelbahn. Eingravierte Platten auf der Weißen Brücke in Kutaissi ehren georgische Dichter und Schriftsteller, insbesondere Akaki Tsereteli. Sie sollen das kulturelle Erbe bewahren, das nationale Bewusstsein stärken und Touristen einen Einblick in die georgische Literatur geben.

Auf den ersten Blick erinnerten mich die Gebäude ein bisschen an das Flair von tschechischen Kurbädern wie z.B.Marienbad. Wir schlenderten durch die Straßen, besuchten den Markt und kamen auch dieses Mal nicht an den Churchkhelas vorbei. Es gab sie wirklich in den unterschiedlichsten Arten, dick und dünn, mit Hasel- oder Walnüssen und in vielen Farben, je nachdem, mit welchem Saft die Hülle gefertigt wurde. Heute hatten wir ein ganz besonderes. Es war nicht nur mit Walnuss, sondern auch getrockneten Apfelscheibchen gefüllt und die Hülle glaube ich war aus Kirschsaft. Es schmeckte viel saftiger als nur mit Nüssen und war sehr lecker. Da wir gerne noch etwas mehr Natur von Georgien sehen wollten, buchten wir für den nächsten Tag noch einmal eine Tour. Sie sollte uns zu einer Höhle und zwei Canyons bringen. 

Was uns in Kutaissi wirklich auffiel, war, dass dieses verrückte Aufheulen lassen von Motoren und dann auf die Tube drücken hier Mode zu sein schien. Selbst in der gemütlichen Altstadt hatten wir es bereits wiederholt beobachtet und nahmen uns daher verstärkt in Acht, wenn wir eine Straße überquerten. So ein Verhalten hatten wir im ganzen Land noch nicht beobachtet.

Sonntag, 8.6.2025: Kutaissi – Tour Martvili Canyon, Okatse Canyon, Prometheus Höhle 

Hätte ich vorher gewusst, dass ich wieder hunderte von Stufen steigen muss, hätte ich vielleicht die Tour nicht gemacht. Ich hätte aber damit einen wirklich tollen Tag verpasst! Aber von Anfang an: unser Ausflug startete am Morgen um 9:30 fast vor unserer Haustür und führte uns zuerst zum Martvili Canyon. Hier stand Rafting auf dem Programm. Natürlich war es keine Wildwassertour, sondern eine ruhige Kanufahrt, bei der wir zu viert mit einem Bootsführer durch den Canyon glitten. Wir hätten die Paddel eigentlich gar nicht selbst in die Hand nehmen müssen, denn die Arbeit wurde schon von ihm übernommen. Wir konnten uns ganz dem Schauen und Staunen über die Natur hingeben und natürlich fotografieren. Danach folgte eine kurze Wanderung, um von unterschiedlichen Stellen in den Canyon hineinzuschauen und Wasserfälle zu sehen. Unser zweites Ziel war der Okatse Canyon. Hier fuhren wir vom Parkeingang noch ein Stück mit 4×4 Fahrzeugen zum Start einer Wanderung, die über 989 Stufen auf einem Weg über Metalgittertreppen hinunter zu einem freitragenden Ausguck in den laut Reiseleiter 200 m. tiefen Canyon hinein und von dort wieder hinaus ging. Die Ausblicke waren sehr beeindruckend und forderten schon eine gute Höhentauglichkeit, denn man konnte ständig unter seinen Füßen durch das Gitter in die Tiefe sehen. Es war ein wirkliches Erlebnis in wunderbarer Natur. Danach fuhren wir zu einem um 15:30 verspäteten Lunch in einem Gartenrestaurant, bevor wir unser letztes Ziel, die Prometheus Höhle ansteuerten. Auf dem ca. 1400 m langem Weg durch die Höhle waren wiederum rund 800 Stufen zu überwinden, was aber bei der Dauer von ca. einer Stunde für den Weg und den Eindrücken unterwegs kaum auffiel. Die Höhle ist 70-80 Millionen Jahre alt und wurde erst 1984 von Wissenschaftler entdeckt, war aber der Bevölkerung bereits zuvor bekannt. Erst seit 2011 ist sie touristisch erschlossen. Außer der Wanderung durch die Höhle wäre noch eine Bootsfahrt durch ein kurzes Stück möglich gewesen, was unser Reiseleiter uns aber als nicht lohnend und dafür zu teuer, ausredete. Die Höhle war zwar nicht die aufregendste, die wir bisher gesehen hatten, aber sie beeindruckte auf jeden Fall durch ihre Größe. Unsere Gruppe war wieder äußerst international und wiederum gab es einige Teilnehmer, die in anderen Ländern lebten, als sie geboren waren, wie drei junge Frauen aus der Ukraine, die seit 2014 in Deutschland lebten und dort studierten bzw arbeiteten, eine Philippinin, die in Dubai lebte und eine Litauerin mit Mutter und Tante, die selbst inzwischen in Australien wohnte. Es waren auch wieder Inder mit am Start und noch andere Nationalitäten. Die Gruppe war insgesamt jünger, was wahrscheinlich daran lag, dass die Tour als Abenteuertour angeboten wurde. Wir waren auf jeden Fall wieder die ältesten Teilnehmenden, konnten aber gut mithalten und haben uns unterwegs auch gut unterhalten. Nun blieb uns nur noch ein Tag, bevor unser Flieger wieder zurück nach Hamburg startete.

Montag, 9.6.2025: Kutaissi 

Unseren letzten Tag in Georgien haben wir ganz relaxed verbracht. Nach einem leckeren Frühstück in unserer gemütlichen Ferienwohnung (ich liebe diese Holzfußböden und die hochwertige Ausstattung) mit Kidneybohnensalat aus unserem Lieblingsimbiss, einer der äußerst schmackhaften, riesigen Tomaten, wie wir sie zuvor nur in Bulgarien gefunden hatten, kaltem Kaffee mit Orangensaft wie in Taiwan und jeder ein Stück hervorragender Erdbeertorte, das wir uns vom Vortag aufgehoben hatten, machten wir uns auf den Weg zum Botanischen Garten Kutaissis. Hier waren wir zum ersten Mal enttäuscht. Im Gegensatz zu denen in Tiflis und Batumi machte dieser nun gar nichts her. Die paar Bäume schützten uns zwar ganz nett vor der heißen Sonne – inzwischen hatten wir hier Temperaturen um die 30⁰ -, aber sonst gab es absolut nichts zu sehen. Zurück im Zentrum besichtigten wir ein Wandgemälde und eine Skulpturenwand und gingen danach in den Green Market und kauften noch einmal ein paar Churchkhelas für unsere Rückreise und zu Hause. Bei unserem Wizz Air Billigflug war ja keine Verpflegung inbegriffen, also mussten wir vorsogen. Nachdem wir uns in einer Eisdiele noch ein Eis schmecken gelassen hatten, verkrochen wir uns vor der Mittagshitze in unsere gekühlte Wohnung, bis es Zeit für unser Abschiedsessen von Georgien war. Ich hatte das Restaurant „Story“ mit Terrasse über dem Fluss ausgesucht, aber leider konnten wir wegen einer geschlossenen Gesellschaft nicht auf der Terrasse sitzen. Nach kurzer Zeit waren wir darüber jedoch recht froh, denn es begann zu regnen und alle flüchteten ins Innere. Nun wurde es ziemlich lebhaft um uns herum, was sich jedoch legte, als ein Duo mit Klavier und Geige live Musik machte. Das war eigentlich zu laut, aber hatte bei dem Ambiente des Restaurants wiederum Stil. Wir ließen uns noch einmal unseren Lieblingssalat mit Walnüssen schmecken, ich bekam Kartoffelbrei mit gebratenen Champignons, was ganz lecker war und Stefan Pilzsuppe und knusprige, geräucherte Bällchen mit Bohnenmus, was mir überhaupt nicht schmeckte. Er fand sie nur etwas zu salzig. Als zur Musik auch noch gesungen wurde, flüchteten wir schnell. Es war auch gerade die richtige Zeit, um noch einmal den Kolchis Brunnen mit nächtlicher Beleuchtung zu bewundern. Das war ein schöner Abschluss einer kurzen, aber überaus lohnenden Reise.

Dienstag, 10.6.2025: Kutaissi – Hamburg

Leider war schon wieder der Tag der Rückreise gekommen. Wir flogen zurück nach Hamburg und hatten dann noch eine ganz schön lange Fahrt nach Bad Harzburg vor uns. Immerhin stand unser Auto noch brav am Straßenrand, etwa 2 km entfernt vom Flughafen, sodass wir gemütlich zu Fuß hinlaufen konnten.

Resümee:

Zuerst einmal: Georgien war eine tolle Erfahrung, die ich nicht so erwartet hatte. Das kleine Land in der Größe von Bayern hat eine bunte Mischung aus reicher Kultur, Küste (Schwarzes Meer) und hohen Bergen im Kaukasus zu bieten. Georgien gehört geografisch zu Asien, genauer gesagt zum Südkaukasus. Es wird aber oft als „Balkon Europas“ bezeichnet und hat eine starke europäische Orientierung, insbesondere politisch und kulturell. 

Die Mehrheit strebt einen Beitritt zur EU an, die derzeitige Regierung macht allerdings eher Rückschritte in dieser Richtung und will es sich wohl mit keinem verscherzen, um Gewinn aus Verbindungen in alle Richtungen zu ziehen. Derzeit bauen z.B. die Chinesen einen Tunnel durchs Gebirge, um die Transportwege zu verbessern, wodurch Georgien dann noch höhere Gewinne aus dem Lieferverkehr durch sein Land ziehen kann.

Den ca. 4 Millionen Einwohnern stehen ca. 8 Millionen Touristen jährlich gegenüber, was die Tourismusbranche zur zweitstärksten Einnahmequelle des Landes macht. Es kommen Menschen aus der ganzen Welt. Wir haben bei unseren Reisen bisher nie so eine internationale Besucherstruktur erlebt. Sie war vor allem ganz anders zusammengesetzt. Trifft man an den meisten touristischen Zielen anderswo hauptsächlich Deutsche, Amerikaner, Briten, Franzosen und Gruppen von Taiwanesen, Japanern oder Koreanern, sind die Herkunftsländer hier woanders. In Georgien findet man diese ausländischen Gäste natürlich auch, aber uns sind häufiger Reisende aus Indien, Philippinen, Armenien, Aserbaidschan, Iran, Ukraine und VAE begegnet, wobei letztere häufig aus anderen Ländern kamen, aber in Dubai lebten. Natürlich gab es auch zahlreiche Russen, wohl häufig welche, die vor dem Kriegstreiben im eigenen Land geflohen waren oder ggf. schon immer hier lebten, sowie zahlreiche Türken, die besonders in Batumi lebten, was ein Katzensprung von der Türkei entfernt ist.

Was uns als Deutsche sofort auffiel war die Sauberkeit und Pünktlichkeit. Nach einer Indienreise muss einem ersteres natürlich gleich auffallen, aber es war wirklich vergleichbar mit Deutschland. Auch die Pünktlichkeit, wenn es um Busabfahrtzeiten, Zeitvereinbarungen bei Touren, Abholung von Vermietern o.ä. ging, war lobenswert. 

Verkehr 

Der Straßenverkehr, vor dem in Reiseführern immer gewarnt wurde, war zwar nicht ganz so sicher wie vielleicht bei uns, aber unvergleichlich mit Indien oder Südostasien. Das Tempolimit in der Stadt liegt bei 60km/h, was eigentlich zu hoch ist, aber die meisten halten sogar an Zebrastreifen und wir hatten eigentlich nur einen Marschrutkafahrer, der gerast ist, die Vorfahrt genommen hat und uns wirklich ein unsicheres Gefühl vermittelt hat. Das war in Kutaissi, und dort scheint es beliebt zu sein, mit röhrenden Motoren auf die Tube zu drücken. Auf den Schnellstraßen gilt 110km/h und außerhalb von Ortschaften 80km/h, was im Anbetracht der gelegentlich schlechten Straßen und der Tatsache, dass häufig Kühe auf den Straßen rumlaufen, ebenfalls nicht überall angemessen ist. Immerhin scheint es in Georgien überhaupt keine Motorradkultur zu geben, denn wir haben in der ganzen Zeit nur zwei Motorräder gesehen und die parkten am Flughafen. Ein sehr gefährdetes und häufig gefährdendes Verkehrsmittel war damit kaum vorhanden. Was auffiel war allerdings der Zustand vieler Fahrzeuge. Immer wieder trafen wir auf Lieferwagen mit deutscher Beschriftung, die bei uns wohl ausgedient hatten und vielen Fahrzeugen fehlten Blechteile der Karosserie oder die Türen oder Kotflügel waren eingedrückt. Die Mini-Busse genannt „Marschrutkas“, meist Mercedes Sprinter oder Ford Transits, waren sehr unterschiedlich in ihrer Qualität. Bei den gebuchten Touren hatten wir gute Fahrzeuge, sogar mit Gurten, im Stadtverkehr mischten sich aber auch häufig alte, verbeulte Schüsseln mit noch enger angebrachten Sitzen dazwischen und die eingesetzten 4×4 Geländewagen waren meist Schrottbeulen mit durchgesessen Sitzen und Gurte waren Fehlanzeige. 

Essen

Im Gegensatz zu Stefan hat mir das Essen in Georgien besser als in Indien, Japan oder Südkorea geschmeckt. Natürlich gab es auch dort Speisen, die ich absolut genossen habe, besonders in Taiwan und bei Servasgastgebern in Japan, aber in Indien war mir vieles zu scharf und mit Miso, Sojamilch/-joghurt und heißem Essen zum Frühstück kann man mich halt nicht so beglücken. In Georgien ist das Essen sicher nicht so gesund, denn es besteht häufig aus Backwaren, die noch dazu mit Käse, Fleisch, Spinat oder Bohnenmus gefüllt und damit kalorienreich sind, wie das Nationalgericht Khatchapuri – mit Käse gefülltes Brot, häufig noch mit Ei. Auch Kinkali, eine Art Maultasche mit Käse-, Pilz- oder Rindfleischfüllung macht nicht gerade schlank und das Dessert bzw der Snack Churchkhela – Nüsse mit angedicktem Traubensaft überzogen „georgische Snickers“ werden selbst beim Militär als Energiesnack genutzt. Zum Teil ist die Füllung auch noch durch getrocknete Apfel- oder Kakischeiben aufgepeppt. 

Man findet aber auch zahlreiche Gerichte mit Walnüssen oder Erdnüssen, wie z.B. Badrischani – Auberginen gefüllt mit Walnüssen, oder Gurken-Tomatensalat mit Walnüssen, Koriander und Knoblauch oder Bohnenbällchen mit knuspriger Hülle mit Erdnussstückchen. Leider übertreiben die Georgier es manchmal etwas mit dem Salz, aber im Allgemeinen ist alles köstlich, und kommt man an den kleinen Straßenbäckereien vorbei, die ihre Schätze durchs Fenster verkaufen, zieht einen der Duft manchmal schon magisch an. Wir haben es auch genossen, dass man in jedem Laden Haferflocken kaufen konnte, ganz zu schweigen von den Märkten mit ihrer Vielzahl an Obst und Gemüse. Das Obst war dort leider ziemlich teuer, aber die Tomaten in diversen Größen und unterschiedlichen Sorten waren preisgünstig und die dicken, faustgroßen sooo lecker! Auch die häufige Verwendung von frischem Koriander und Knoblauch kam uns sehr entgegen.

Landschaft

Wenn ein Land in der Größe Bayerns 30 Flüsse, Gebirge mit Bergen über 5000m und eine Küste am Schwarzen Meer hat, braucht man kaum zu erwähnen, dass es eine abwechslungsreiche Landschaft zu bieten hat. Was sofort auffällt, wenn man landet, oder unterwegs ist, ist, dass es unglaublich grün ist. Jeder Hügel ist bewachsen und das Inland bietet hervorragende Möglichkeiten für Obst-, Gemüse- und Weinanbau, was nach den Einnahmen durch Transportwege für Güterverkehr und Gas, wofür die Anrainerstaaten ihren Obolus im Land lassen, und dem Tourismus, die dritte Haupteinnahmequelle des Landes. Der Ursprung des Weinanbaus liegt in Georgien und Wein ist bei keinem Essen und keinem Gespräch wegzudenken. Ebenso stark scheint auch die Vorliebe für Chacha zu sein, dem mit 50-60% alkoholhaltigem Tresterbrand (aus Weintraubenresten), der gerne bei Selbstgebranntem bis zu 85% haben kann, zu sein. Ein Teufelszeug, bedenkt man, dass in Deutschland der Alkoholgehalt zwischen 37,5%- ca. 43% liegt. Man nennt ihn den Wodka Georgiens, obwohl er mit Wodka nichts zu tun hat, und laut unserer Reiseleiter kann man Land und Leute nicht verstehen, wenn man Khatchapuri, Wein und Chacha nicht probiert hat. Da mussten wir leider passen, Khatchapuri ja, Alkohol nein.

Sehenswert 

Außer der beeindruckenden Gebirgslandschaft des Kaukasus mit Bergen über 5000m, Felsen, Canyon, Wasserfällen, Höhlen, Flüssen und unglaublich viel Grün, bietet das Land auch kulturell eine Menge. Kirchen und Klöster erinnern an Bulgarien oder Rumänien, In Batumis Altstadt kann man sich beim Ruf des Muezzin, dem Geruch von Wasserpfeifen aus den zahlreichen Shishabars und dem Angebot an Massagesalons wie in der Türkei wähnen, während der neuere Teil seinem Spitznamen „New Dubai“ alle Ehre macht. Futuristische Hochhäuser mit nächtlicher, bunter Beleuchtung, Vergnügungsparks,  Strand, eine Gondelfahrt über der Stadt, diverse elektrobetriebene Fahrzeuge, mit denen Jung und Alt auf der Strandpromenade fahren kann, beleuchtete Springbrunnen und Verpflegungsstände ziehen Einheimische und Touristen an. In Tiflis wechseln sich dagegen moderne Architektur wie die Friedens-Brücke über die Kura mit historischen Gebäuden wie den alten Schwefelbädern, dem Uhrturm, den Resten der Stadtmauer und den Prachtbauten wie Oper und Parlament ab. Kutaissi hingegen wird auch manchmal als Paris des Ostens bezeichnet. Der Central Square mit dem überaus verzierten und bunt beleuchteten Kolchis Brunnen, der ein wahres Kunstwerk ist, wird umgeben von Prachtbauten wie dem Meskhishvili Theater und den prunkvollen Säulen der Boulevard Park Collonade zum Kutaissi Park mit weiteren beleuchteten Springbrunnen und Skulpturen. Auch hier fehlt natürlich nicht der Fluss, in diesem Fall der Rioni, der von mehreren Brücken, wie der Weißen Brücke und der Kettenbrücke überspannt wird. Zahlreiche gemütliche Cafés und Restaurants, ein bunter Markt, teilweiße Kopfsteinpflaster und Wandgemälde bzw Skulpturenwand geben einem Spaziergang durch die Altstadt eine gemütliche und wunderbare Atmosphäre. 

In keiner Stadt fehlt der Botanische Garten, der in Kutaissi etwas kümmerlich geraten ist, dagegen in Batumi und Tiflis umso größer und zu Tageswanderungen einlädt. Was nirgendwo fehlen darf in Georgien sind Gondelbahnen, Riesenräder und Ziplines, wo man sich in die Tiefe sausen lassen kann. Ob im Botanischen Garten in Batumi, oder beim Martvili Canyon und dem Okatse Canyon im Gebirge – es wird „gezipt“. Action ist angesagt. Ob Raftiing, Zipline, Klettern, Wintersport, Offroadfahren oder Reiten, auch für Besucher, die es lebhaft wollen, wird etwas geboten. 

Touristische Infrastruktur 

Die touristische Infrastruktur ist gut ausgebaut. Es gibt Unterkünfte jeder Preisklasse. Wir haben wie häufig auf unseren Reisen Ferienwohnungen über Airbnb gebucht, meist mit zwei Schlafzimmern, Küche, Bad, WLAN und Waschmaschine, d.h. eher die komfortablere Variante des Reisens gewählt, um nicht immer auf Restaurants und Waschsalons oder Waschbeckenwäsche angewiesen zu sein und lagen mit unseren Unterkünften zwischen 23-36€ pro Nacht.

36,45€ Kutaissi

28,88€Tiflis 

28,45€Batumi 

22,93€Poti

32,11€ Samtredia (Airport)

Für Verpflegung haben wir im Durchschnitt 17,83€ pro Tag zu Zweit ausgegeben, wobei wir das Frühstück immer selbst gemacht, und meistens einmal am Tag ein Café/Eisdiele oder einen Bäckereistand aufgesucht haben und uns Teigwaren oder Eis auch oft geteilt haben. Auf den gebuchten Touren aßen wir im Restaurant zu Mittag, an anderen Tagen waren wir häufig abends im Restaurant oder haben uns Salate oder ähnliches für die FeWo gekauft. Richtig gekocht haben wir einmal, Hamburger mit Pilzen, Soße und Tomate. Wir haben es auch in Georgien wie in Indien genossen, dass es in Restaurants kein Problem war, Essen zu teilen.

Herumkommen 

In Georgien verkehren innerhalb und außerhalb der Städte Busse, die man entweder mit aufladbarer Karte oder Kreditkarte zahlt und bei denen zumeist die Fahrt 0.49€ kostet, ebenso wie in der Metro in Tiflis. Es gibt hier aber nur zwei Linien. Die Busse haben Nummern, die Beschriftung ist nur in Georgisch, man muss sich also bei der Nr. und Strecke auf Google Maps verlassen oder Leute fragen. Die billigste, flexibelste Art herumzureisen, auch im ganzen Land sind sie Mini-Busse „Marschrutkas“ genannt. Für Strecken zu anderen Städten ist es noch einigermaßen einfach. Man sucht den Busbahnhof (Chat GPT hilft gerne) und findet dort entweder Fahrzeuge mit den Zielorten in lateinischen Buchstaben wie bei Tiflis, Batumi oder Kutaissi. Schwieriger wird es, wenn man zu kleineren Orten, Sehenswürdigkeiten oder Naturparks will. Da hilft nur, in der Touristinfo, Gastgeber oder Fahrer beim Busbahnhof fragen, ggf.Chat GPT- Suche. Die Marschrutkas haben in der Regel innerhalb der Städte oder zu Orten außer obengenannter Städte ausschließlich georgische Beschriftung und die Fahrer sprechen auch meist kein Englisch. Man bezahlt die geringen Beträge immer in bar. Sie haben feste Routen und es gibt auch so etwas wie regelmäßige Abfahrtszeiten von morgens bis abends, aber wann sie abfahren, hängt davon ab, ob sie voll sind. Mit viel Gepäck ist man hier aufgeschmissen. Wir haben zwar auch welche gesehen, die Gepäck aufs Dach geschnallt haben, zum Teil ist wohl auch Platz hinter den Sitzen der letzten Reihe, aber wenn man vor der Endhaltestelle rausgelassen werden oder sein Gepäck in den Augen behalten will, muss es unter den Vordersitz passen, wo aber immer nur ein Gepäckstück hinpasst, ansonsten muss es auf den Schoß. Wir waren also im Nachhinein über unsere starke Gepäckeinschränkung bei Wizzair sehr froh und sind dank Waschmaschine auch gut mit unseren 4-6kg in Tagesrucksäcken klargekommen.

Es fahren in Georgien auch Züge, die auch nicht teuer sind, z.B. Kutaissi -Tiflis in der 2.Klasse 10GEL/3,21€, aber wir haben es zweimal versucht und immer waren sie ausgebucht. Alternative zum individuellen Reisen sind Tagesausflüge oder Transfer per Taxi. Wir haben zwei Tagesausflüge unternommen, einmal von Tiflis aus zum Zhinvali Reservoir, Festung Anauri, Gudauri Freundschaftsmonument, Zusammenfluss des Schwarz-weißen Aragvi und Stepanzminda mit der Dreifaltigkeitskirche Gegeti und dem Kaukasusgebirge mit dem 5054m hohen Kazbegi im Hintergrund für 11,55€ pro Person. Der zweite Ausflug ging von Kutaissi aus zum Martvili Canyon, Okatse Canyon und der Prometheus Höhle für 64.05€ pro Person inkl Eintritte, Rafting beim Martvili Canyon und Jeep, Eintritt beim Okatse Canyon, sowie Eintritt zur Prometheus Höhle. 

Beide Ausflüge waren absolut lohnenswert. 

Wir sind kein Mal Taxi gefahren und haben auch kein Auto gemietet. Letzteres wäre bei längerem Aufenthalt sinnvoll, um noch mehr vom Inland zu sehen, wobei dann ggf 4×4 sinnvoll wäre.

Verständigung 

An touristischen Stellen findet man in der Regel Leute, die Englisch verstehen. In Bussen, Geschäften oder Märkten sind pantomimische Fähigkeiten oder Übersetzer nötig. Wer Russisch spricht ist klar im Vorteil. Viele Ausschilderungen sind auch auf Russisch und natürlich sprechen besonders Ältere es, denn es war ja eine Sowjetrepublik. Da man sowohl bei Booking als auch bei Airbnb über die App kommuniziert und es gleich übersetzt wird, gibt es da gar keine Schwierigkeiten. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist verständlicherweise an weniger touristischen Orten größer als an Hotspots, so sind wir nach Ankunft am Flughafen in Samtredia (Nachbarstadt von Kutaissi) und in Poti sogar von unseren Gastgebern kostenlos abgeholt worden. Servas-Kontakt hatten wir bei dieser Reise leider keinen, weil die Zeit zu kurz, Gastgeber einen zu langen Vorlauf erbeten haben, nur an sehr wenigen Orten Gastgeber waren, nur Dayhosts und/oder zu kompliziert ohne Auto zu erreichen waren. 

Geld und Simcard

Es war selbst nach Mitternacht bei unserer Ankunft kein Problem Geld aus dem Automaten am Flughafen zu bekommen, als auch eine Simcard von Magti direkt in der Ankunftshalle zu erwerben. So schnell wie das funktionierte, haben wir es zuvor selten erlebt. 

In den Städten sind überall Automaten, aber Achtung, es nicht alles ATM was so aussieht! In Georgien scheint man alle Rechnungen wie Strom, Gas, Steuern etc. an Automaten zu zahlen, lädt seine Geldkarte für öffentliche Verkehrsmittel an ihnen auf und man kann Krytowährung an Automaten kaufen! Ab und zu trifft man dann auch mal auf einen Automaten, der Geld ausspuckt. Wir hatten aber überhaupt keine Probleme und Bezahlung außer bei Marschrutkas und auf Märkten war fast immer mit Visakarte möglich. 

Fazit

Die Georgienfahrt war eine absolut lohnenswerte Reise, die gerne noch 14 Tage länger hätte sein können.