Armenien



Donnerstag, 6.11.25 – Freitag, 7.11.25: Bad Harzburg – Hamburg – Armenien

Eine neue Reise begann und führte uns in ein uns noch unbekanntes Land. Wir fuhren Donnerstagmittag von zuhause los und der erste Stopp hieß Hamburg. Wir hatten ein Airbnb Zimmer bei einer Familie, die ihr Dachgeschoss mit zwei Zimmern und einem Gemeinschaftsbad auf dieser Plattform vermietete. Die Lage in HH- Niendorf war genial, denn es waren nur ca. 10 Minuten mit dem Auto zum Flughafen und von dort ca. 7 Minuten zu der Straße, wo wir bereits während der Reise nach Georgien unser Auto problemlos geparkt hatten. Stefan brachte mich am Morgen mit unserem sehr überschaubaren Gepäck von 2x ca. 5kg Rucksäcken, die unter den Vordersitz des Flugzeugs passen mussten, zum Terminal 2. Er parkte das Auto in der uns vom Vorurlaub bekannten Straße und lief zu Fuß die ca. 2km zum Flughafen. Wizz Air sorgte dann für etwas Verwirrung, weil sie uns per E-Mail und SMS an meine Telefonnummer eine Verspätungsmeldung von ca. 30 Min gesendet hatten, Stefan aber per App eine Info hatte, dass diese nicht mehr bestünde. Egal, wir waren die empfohlenen zwei Stunden vor Abflug da, weil wir beim letzten Flug sehr lange beim Sicherheitscheck verbracht hatten. Dieses Mal lief alles glatt und die Maschine flog genau zwischen der ursprünglichen und der als Verspätung angegebenen Zeit. Sie war nur mäßig belegt und gefühlt hauptsächlich mit Armeniern. Nach gut 4 Std. landeten wir in Jerewan, bekamen in kürzester Zeit Unlimited SIM Cards für je 11€ für 30 Tage, konnten Geld ziehen und Stefan schaffte es, bei sich die Yandex App zu installieren, mit der man wie bei Uber ein Taxi rufen und gleich zahlen kann. Das klappte ebenfalls super, allerdings kamen wir direkt in die Rush Hour und brauchten für die 13km Fahrt in die Innenstadt zu unserer Airbnb Unterkunft rund eine Stunde. Die Luft stand und stank regelrecht vom Verkehr, was sich später aber wieder gab. Wir zogen in unsere Wohnung und gingen danach in einem Restaurant in der Nähe essen. Am besten gefiel mir das orientalisch angehauchte Ambiente, mit Teppichen an den Wänden, dicken Ledersesseln, Massivholztischen und raffinierter Innendeko. Die Speisekarte war gemischt mit georgischen, orientalischen, chinesischen, japanischen und wahrscheinlich auch armenischen Angeboten und Pizzen. Stefan hatte frittierte Auberginen mit superleckerer Soße und gegrillte Sojaschoten (Edame), ich einen Salat mit leicht gesalzenem, rohem Lachs, der mir zu langweilig schmeckte. Zum Nachtisch wanderten wir weiter zu einem Laden, der Zimtrollen und ähnliche Backwaren anbot. Sehr lecker, aber auch sehr süß. Sowohl in den Restaurants als auch im Supermarkt um die Ecke mussten wir feststellen, dass die Lebensmittelpreise, zumindest hier im touristischen Zentrum, nicht billiger waren als bei uns.

Samstag, 8.11.25: Jerewan

Wir schliefen erst einmal aus, weil die Nacht zuvor in Hamburg kurz war und wir im engen französischen Doppelbett auch schlecht geschlafen hatten. Da die Uhren in Armenien nun 3 Stunden vorgingen, hieß das für mich, dass ich erst um 9:30Uhr aufgestanden bin und für Stefan, dass er erst gegen 9:00 losgejoggt ist. Wir ließen uns Zeit, aßen spät Frühstück und gingen danach zum Kunsthandwerkermarkt „Vernissage“ in einem Park in der Innenstadt. Ursprünglich hatte der Markt als Flohmarkt, bei dem auch viele Künstler ihre Bilder ausstellten, nur an Wochenenden stattgefunden, inzwischen wurde er von der Stadt mit festen Ständen zu einem täglich geöffneten Kunsthandwerkermarkt etabliert. Angeboten werden dort z.B. Miniatur „Chatkars“. Die originalen, kunstvoll behauenen Gedächtnissteine aus der Tradition der armenischen Kirche, die bis zu 3 Metern hoch sein können, sind als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Weiterhin findet man auf dem Markt alle Arten von kunstvoll verzierten Schachbrettern und – Figuren, da die Armenier, bezogen auf die Einwohnerzahl, die meisten Schachmeister der Welt zu bieten haben. Außerdem werden Handarbeiten wie Schals, Decken, Teppiche etc. angeboten.
Danach gingen wir in einem indischen Restaurant zu Mittag essen und stärkten uns für eine dreistündige Free Walking Tour durch das Zentrum von Jerewan. Unser Stadtführer verfügte über ein sehr breites Wissen von Kunst, Geschichte und Politik und sprach hervorragend Englisch. Er stellte uns mit großer Hingabe Armenien als eines der ältesten Länder der Welt mit einer über 3000-jährigen Geschichte vor. Die Hauptstadt Jerewan wurde 782 v. Chr. gegründet und zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten. Sie ist bereits die 13. Hauptstadt des Landes. Archäologische Funde wie der älteste Lederschuh und frühe Weinherstellung belegen die reiche Vergangenheit des Landes. Armenien wurde im Laufe der Geschichte von vielen Mächten beherrscht – darunter Perser, Römer, Byzantiner, Araber, Mongolen, Osmanen und Russen, dabei wurden dem Land immer wieder Gebiete entwendet, weshalb heute das Verhältnis zu der Türkei und Aserbaidschan so schlecht ist. So geben laut unserem Stadtführer andere Länder kulturelle Erfindungen als ihre aus, aber zur Zeit der Erfindung gehörte der Ort oder die Region noch gar nicht zur Türkei, Aserbaidschan o.ä. Er stellte auch dar, warum für Armenien die sowjetische Vereinnahmung nicht nur negativ, sondern auch eine Rettung war, denn die Sovjets ließen den besetzten Teil als Land Armenien bestehen, während die anderen Nachbarn nur Eroberung und Liquidierung im Sinn hatten.
Die Tour war lang, aber interessant und wir bekamen auch einige Tipps, was wir uns in den nächsten Tagen näher ansehen konnten, welche Restaurants besonders empfehlenswert weil authentisch und/oder preisgünstig, welche Taxis OK wären und ähnliches. Sie war somit ein guter Einstieg in die Erkundung der Stadt und des Landes. Wir gingen danach gleich einem Restauranttipp nach und trafen dort ein mexikanisch/ deutsches Pärchen unserer Stadtführung wieder, mit dem wir uns nett über ihre und unsere Reisen unterhalten konnten. Ich versuchte eine armenische Käseplatte, von der uns beiden aber ein Käse zu salzig und einer zu fad war. Stefans Hummus dagegen war gut. So verging der Tag im Fluge und bald war schon wieder Bettzeit.

Sonntag, 9.11.25: Jerewan 

An diesem Tag haben wir die Stadt allein zu Fuß erkundet und unser erstes Ziel war dabei das Kaskadenviertel. Sieht man Bilder oder Videos von Jerewan, erscheint dieses Viertel mit seiner imposanten Treppe mit 572 Stufen und 5 Hauptterrassen mit Sicherheit als eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Erreicht man zu Fuß das Viertel, läuft man durch eine parkartige Anlage auf die Treppen zu mit Werken diverser Künstler. Hier findet man z.B. eine liegende Frau, sowie eine Katze mit den typischen ausladenden Formen vom kolumbianischen Künstler Botero, wie wir es vom Paar am Rosentor in Goslar kannten, sowie Skulpturen diverser anderer Künstler. Man kann dann entweder außen all diese Stufen hinauflaufen, oder im Inneren im Cafesjan Kunstmuseum per Rolltreppen zu den Terrassen hochfahren und sich noch diverse Kunstwerke im Inneren und Äußeren dabei ansehen. Neben der Rolltreppe findet man Skulpturen, übergroße Sportschuhe, extravagant designte Sessel u.v.m. Etwa bei Zweidrittel der Strecke hören die Rolltreppen auf und man muss ebenfalls die Außentreppen hochlaufen. Oberhalb der Treppen wird die Anlage derzeit noch erweitert. Einige Stufen führen dann noch höher zum Memorial, das an den 50.Jahrestag der Oktoberrevolution erinnern soll. Von der Aussichtsplattform hat man einen Blick über Jerewan und wohl eigentlich auch bis zum Berg Ararat, der jetzt in der Türkei liegt. Leider war das Wetter seit unserer Ankunft zwar warm und sonnig, an diesem Tag sogar bis zu 18⁰, aber eine Dunstglocke versperrte die Weitsicht, was wirklich schade war. Nicht weit vom Memorial befindet sich im Victory Park ein weiteres Denkmal, das der „Mutter Armeniens“. Wie auch in Georgien ist es eine riesige Bronzestatue auf einem Sockel mit einer Frau mit Schwert. Auf diesem Sockel stand ehemals Stalin, den man, wie in den meisten ehemaligen Sowjetrepubliken, „entthront“ hat. Was geblieben ist, sind einige Militaria wie eine Rakete, Panzer etc. Nebenan kann man im Park diverse Fahrgeschäfte fahren und was es sonst noch so im Vergnügungspark gibt, allerdings hatten bei unserem Besuch bereits einige Angebote geschlossen, weil er außerhalb der Saison war. Viel trauriger für uns war aber, dass seit der Woche zuvor aus allen Fontänen das Wasser wegen des nahenden Winters abgelassen worden waren, d.h. auch der berühmte „Singende Springbrunnen“ auf dem Platz der Republik vor dem Regierungsgebäude, der normalerweise eine Musik-Licht- und Wassershow bietet, war trocken und langweilig. Sah man die vielen Düsen in all den Springbrunnen der Stadt, konnte man sich vorstellen, wie toll das an lauen Sommerabenden wirken muss…schade, aber man kann nicht alles haben. Dafür wurde bereits die Weihnachtsbeleuchtung angebracht und die hofften wir vor unserer Abreise Ende November noch bewundern zu können. In Armenien gehören über 90% der Bevölkerung der armenisch-apostolischen Kirche an, einer eigenständigen Kirche, die auf Gregor den Erlöser zurückgeht und sich nach dem gregorianischen Kalender richtet, somit wird Weihnachten am 6.Januar gefeiert. Weltweit gibt es ca. 11-12 Millionen Armenier, von denen aber nur 3 Millionen in Armenien leben, der Rest lebt in der Diaspora, zumeist in Russland und den USA. 
Nach einem kleinen Rundgang durch den Vergnügungspark und einem Kaffee machten wir uns auf den Rückweg bis fast zu unserem Apartment, bogen dann aber zu einem Kunsthandwerksladen und danach zur „Blauen Moschee“ ab, die wir von außen bewunderten. Nun hatten wir allmählich Hunger und erinnerten uns bei der Auswahl der Restaurants in der Nähe daran, dass unser Stadtführer die Tavern Yerevan als gut erwähnt hatte. Wir fanden ein Restaurant in einem typischen, dunklen Tuffsteinbau vor, innen sehr gemütlich und mit sehr leckerer armenischer Küche. Wir bestellten gegrillte Austernpilze mit „Arishta“, typischer armenischer Pasta und einer cremigen Soße, sowie ein Katchapuri, eigentlich die Nationalspeise Georgiens, aber auch in Armenien sehr beliebt, gefüllt mit Spinat und mit Käse überbacken. Beides teilten wir uns und es war sehr lecker und für zusammen 12€ inkl. Mineralwasser gut im Preis. In einem Supermarkt fanden wir dann noch diverse Churchkhelas, unsere in Georgien liebgewonnen, getrockneten Frucht-Nuss-Würste. Wir kauften eine dicke Aprikosen-Walnuss-Churchkhela, und sie war super saftig und lecker. Aprikosen sind im Übrigen die Nationalfrucht Armeniens, auch wenn man ehr Granatapfel vermuten würde, der überall als Getränk oder auch als Kunsthandwerk verkauft wird. Die Kerne sollen die menschliche Gemeinschaft darstellen, die Schale den Schutzschild. 
Als wir wieder in unserer FeWo ankamen, hatte ich eine mich befriedigende Tagesleistung von 20293 Schritten bzw. 11km erreicht.

Montag, 10.11.25: Jerewan 


Auch diesen Tag verbrachten wir auf den Beinen und liefen kreuz und quer durch die Stadt. Unser erstes Ziel war die „Kirche Gregor des Erleuchters“, die größte armenisch – apostolische Kathedrale der Welt. Im Gegensatz zu den orthodoxen Kirchen Osteuropas war diese hell und einladend von innen.
Nicht weit von hier fanden wir den Armenischen Markt, eine Markthalle voller Leckereien. Wie in Georgien lieben die Armenier Obst und Trockenfrüchte und die Herstellung von Churchkhelas ist hier ebenso an der Tagesordnung, so hingen an den Ständen die leckeren Frucht-Nuss-Würste und man fand wundervoll zusammengestellte Assortiments aus mit Fruchtgelee überzogenen Nüssen und Nussvariationen. Wir durften auch an mehreren Ständen kosten und natürlich kauften wir auch wieder etwas von diesen Leckereien. Nach einem Kaffee und einem Granatapfel-Saft machten wir uns auf den Weg zum Konst-Tunnel, einem langen Fußgängertunnel voller Graffiti. Leider war wenig aussagekräftige Streetart dabei. Man konnte erkennen, dass es davon mehr gegeben hat, aber sie mit Tags übermal wurden. Hinter dem Tunnel erreichten wir Natur mit den Resten des Kinderbahnhofs, der Ende der 30iger, Anfang der 40iger Jahre als einer von vielen in den Sowjetstaaten gebaut wurde. Laut ChatGPT wurde der Betrieb in Jerewan erst im letzten Jahr eingestellt, was den guten Zustand der Schienen erklärte. Der Bahnhof und unserer Meinung nach auch der Zug sahen aber alles andere als noch im letzten Jahr betriebsfähig aus. Das an sich sehr schöne Gebäude war ein Lost Place mit zerbrochenen Fenstern, Bodenbrettern etc. und auch der Zug, wenn auch lustig bunt, hatte einige Bruchstellen. Die Gleise jedoch waren frei von Bewuchs, allerdings lag die Weiche zerbrochenen daneben, was Stefan veranlasste, sie mit deutschen zu vergleichen – wie böse! Wie wanderten entlang der Gleise, rechter Hand in einer Schlucht der Fluss Hrasdan. Unerwartet standen wir plötzlich oberhalb einer Bretter-Umkleidekabine mit einem Duschschild!? Ja, hier gibt es tatsächlich einen Naturpool, gespeist aus dem Fluss! Aus einem Fels läuft Wasser von oben in ein anderes Becken: die Dusche, und es gibt Bänkchen, Spiegel und Kleiderhaken. Wie schade, dass keine Temperaturen zum Baden waren! Wir wanderten weiter und es kam noch ein verfallenes Gebäude: der nächste Bahnhof, und dann ging es noch ein ganzes Stück oberhalb des Flusses entlang, bis wir wieder hoch zur Straße und im Bogen zu unserer FeWo laufen konnten. Es war ein interessanter Tag, wenn mir am Schluss auch meine Knie wieder ziemlich weh taten. Nach einer Erholung auf dem Sofa gingen wir am Abend zum Restaurant „Lavash“ um die Ecke von uns. Wir hatten bereits zwei Tage zuvor reserviert, da es sich um wohl das beliebteste Restaurant in Jerewan handelte. Sowohl der Lonely Planet Reiseführer als auch unser Stadtführer legten uns dieses Restaurant sehr ans Herz (oder sollte ich besser sagen „an den Magen“?). Dieses Mal wollten wir wirklich authentisch armenisch essen und ich denke, es ist uns gelungen. Wir teilten uns eine Portion gebratenen Shushan – (Shushan = wilder Kerbel, Eier, Butter) und aßen danach jeder eine Portion Ghapama mit Lavash (Kürbis, Reis, Lavash, Nüsse, Trockenfrüchte, Honig). Dazu hatten wir 1l Okroschka – ein Joghurtgetränk mit Kräutern wie Koriander, Dill, Frühlingszwiebeln u.ä. Laut Internet kommt Okroschka, was so viel wie „aus Krümmeln“ heißt (gemeint sind die gehackten Kräuter) aus Russland und wird dort als Suppe gegessen, allerdings auch noch mit diversen weiteren Zutaten und Versionen. 
Das gesamte Essen und Trinken schmeckten uns so gut, dass wir gleich noch einmal für den kommenden Abend reservierten. Der Preis von 28,24€ für beide zusammen war für Qualität und Quantität in einem so renommierten Restaurant in der Hauptstadt ein wirklich akzeptabler Preis.

Dienstag, 11.11.2025: Jerewan 


Während in Deutschland an diesem Tag die Jecken die Karnevalssaison einläuteten, befassten wir uns mit dem Genozid am armenischen Volk und mussten feststellen, dass auch unsere Vorfahren eine unrühmliche Rolle dabei gespielt haben. Ihnen war nur wichtig, die Türken gegen die westliche Koalition im ersten Weltkrieg an ihrer Seite zu behalten, koste was es wolle, egal, ob die Türken das armenische Volk abmorchelten, um die störenden Christen aus dem Weg zu schaffen.
Wir fuhren zum ersten Mal Metro in Jerewan, der einzigen in Armenien. Es gibt nur eine Linie mit 10 Stationen und sie wurde 1981 eröffnet. Laut unserem Stadtführer gab es die Regel, dass in den Sowjetstaaten eine Stadt eine Metro bekam, wenn sie mindestens eine Million Einwohner hatte. Also mogelten die Armenier damals noch ein paar Einwohner hinzu. Heute liegt die Einwohnerzahl bei 1.141000 und es täte der Stadt außerordentlich gut, wenn es mehrere Linien gäbe, die den viel zu starken Autoverkehr ersetzen könnten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Armeniens begann für das Land eine wirtschaftlich schwere Zeit und der Beginn des Streits mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach. Die Coronakrise und der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der die Kräfte der bisherigen Schutzmacht für Armenien an anderer Stelle band, führte 2023 zu einem erneuten Krieg gegen Aserbaidschan, der schnell zum Verlust der Macht über die Region Bergkarabach und der Flucht Hunderttausender Armenier ins armenische Hinterland führte. Trotz der unsicheren geopolitischen Lage ist Armenien heute jedoch auf einem positiven wirtschaftlichen Weg. Jerewan ist eine lebendige Stadt mit zahlreichen internationalen Geschäften, einer modernen Fußgängerzone, einer unglaublichen Anzahl von Restaurants und besonders Cafés aller Preisklassen. Es bietet einige herausragende, restaurierte Prachtbauten rund um den Platz der Republik, wie dem Regierungsgebäude, der Nationalgalerie und dem Museum der Armenischen Geschichte, dem Hauptpostamt und dem Marriott Hotel, sowie an anderer Stelle das Opern- und Konzerthaus, die Treppenanlage im Kaskadenviertel uvm. In der historischen Altstadt, die größtenteils von den Sowjets zerstört wurde, um breite Straßen und Gebäude nach Sowjetstil zu errichten, sind bereits aus alten Steinen anderer Ruinen einige Häuser wieder nach alter Bauweise errichtet worden. Sie sind aus vulkanischem Tuffstein der Region, der unterschiedliche Farben von rosa, gelblich, grau, rot und schwarz haben kann. Durch niedrige Rundbögen, mit denen man früher berittene Feinde zwang vor dem Eindringen abzusitzen und damit bessere Chancen im Kampf gegen sie hatte, kommt man in die Hinterhöfe, die heute an vielen Stellen Künstlerateliers oder Cafés beherbergen. Es gibt sie aber auch noch, die gigantischen Wohnblocks der Sowjets und ihre Heldenmonumente des Brutalismus. Es wird viel gebaut und man wird sehen, wie sich die Stadt in den nächsten Jahren entwickelt, vorausgesetzt, man lässt dem Land mal seine Eigenständigkeit in den bestehenden Grenzen.

Wir haben unseren Tag wieder bei einem guten Essen im „Lavash“ beendet mit einem Fladenbrot, gefüllt mit Kräutern und Gemüse, Butter und Gewürzen, gerösteten Austernpilzen, Hummus mit Aubergine und Granatapfelkernen und verschiedenen Broten, sowie gefüllten, gebratenen Auberginenröllchen mit Sauerrahm, Walnüssen und Blattgemüse und einer Sauerampfer- Suppe. Wir haben natürlich alles nur einmal bestellt und dann geteilt. Als Getränk bestellten wir nochmals Okroschka. 
Für den kommenden Tag hatten wir ab mittags ein Auto gemietet und planten Jerewan Richtung Gjumri, der zweitgrößten Stadt des Landes, zu verlassen. Von dort aus wollten wir dann die umliegende Landschaft erkunden.

Mittwoch, 12.11.25: Jerewan – Ashtarak- Gjumri

Wir holten gegen Mittag unseren Mietwagen beim Flughafen ab und verließen Jerewan in Richtung Nordwesten nach Gjumri. Unterwegs hielten wir in Ashtarak und teilten uns ein leckeres Stück Torte und gebackene Kartoffelspalten, bevor wir eine alte Steinbrücke besichtigten. Hier fanden wir eine nette Grünanlage am Fluss mit kleinen Hütten, die man anscheinend im Sommer für Feiern und zum Grillen mieten kann, sowie ein kleines Schwimmbad. Bei unserem Besuch hatte zwar alles geschlossen, aber man konnte nett unter herbstlich bunten Bäumen auf Bänken rasten. Ein paar Kilometer weiter kamen wir zur Klosterkirche St. Gevork, des Klosters von Mughni. Leider konnten wir die Kirche nur rasch von außen bewundern, weil eine Hochzeitsgesellschaft dort war und wir mit unserem Auto nur noch so parken konnten, dass ein paar andere nicht mehr rauskamen. Dann fuhren wir zu unserem Ziel, nach Gjumri, der zweitgrößten Stadt Armeniens mit ca. 111000 Einwohnern, auf 1500 m Höhe. Wir hatten wieder eine Airbnb Wohnung, die ok, aber nicht so gut war, wie die in Jerewan. Man sah gleich, dass die Betten ziemlich durchgelegen waren. Wir wohnten allerdings wieder super zentral und hatten einen kostenlosen, privaten Parkplatz. Leider war unsere Ankunft jedoch mit etwas Aufregung verbunden. Stefan wollte das Auto noch umparken und wurde von einem Straßenköter ins Bein gebissen. Es war zwar nur eine kleine Wunde und er war ja geimpft gegen Tollwut und Wundstarrkrampf, aber wir gingen vorsichtshalber doch noch zum Arzt. Die Praxis, die ich bei Google Maps gefunden hatte, stellte sich dummerweise als Zahnarztpraxis heraus, aber sie gaben uns die Adresse des Krankenhauses. Da das ein ganzes Stück entfernt war, opferten wir 1,15€ für ein Taxi und ließen uns fahren. Die Englischkenntnisse waren dürftig, aber mein schauspielerisches Talent zu bellen und beißen war wohl aussagekräftig. Er bekam eine Tollwut- und eine Tetanusimpfung und sollte sich zwei weitere in 3 und 5 Tagen geben lassen. Da wir eigentlich bisher nur von einer Auffrischung gelesen hatten, schrieb er seiner Hausärztin eine Mail, die sie hoffentlich beantwortete. Ihm ging es bis auf ein wenig Stress-Kopfschmerzen gut und als Trostpflaster auf den Schreck waren wir lecker libanesisch essen und hatten als Dessert Crêpes mit Eis und Schokosoße. Es zeigte sich mal wieder, wie wichtig es war, sich um ausreichenden Impfschutz, besonders vor Reisen, zu kümmern, denn gerade Tollwut ist ohne Impfung und schnelle Hilfe fast immer tödlich. Es war jetzt schon das zweite Mal, dass er in Asien gebissen wurde. Das erste Mal war 2018 in Vietnam, woraufhin wir uns vor der nächsten Reise gleich impfen ließen.

Donnerstag,13.11.25: Gjumri – Trchkan Wasserfall Wanderung
 
Stefan hatte keine Krankheitssymptome, aber dennoch hatten wir beide nicht gut geschlafen. Gesundheitliche Probleme im Ausland machen einfach Stress, was bei ihm Kopfschmerzen hervorrief, den er mit Kaffee loswurde, dann aber ständig auf die Toilette musste. Mein Problem waren die Hunde, die ab 2Uhr nachts draußen ein Bellkonzert veranstalteten, ich aber keine Ohrenstöpsel nehmen wollte, um hören zu können, falls es Stefan schlecht gegangen wäre. Er machte vorsichtshalber an diesem Tag eine Laufpause und wir ließen uns mit dem Aufbruch am Morgen etwas Zeit. Nach mehreren Tagen Stadt, stand uns der Sinn inzwischen mehr danach, die Natur zu besuchen. Trotz Befürchtungen, dass die Anfahrt mit „normalem“ PKW problematisch werden könnte und meinen Bedenken bzgl. meiner mal wieder schmerzenden Gelenke, haben wir es gewagt, zum Startpunkt der ca. 11 km langen Wanderung zum Trchkan Wasserfall zu fahren. Zuerst ging die Fahrt auf breiten Straßen durch zum Teil ziemlich baufällige Orte mit gehörig Ostcharme, bis wir auf eine Schotterpiste zum Ausgangspunkt des Trails abbiegen mussten. Gut 20 km fuhren wir auf dieser zwar ungeteerten, aber ansonsten gut befahrbaren Straße. Dann hieß es Kniebandage anziehen, Salbe auf den Ischiasnerv und Wanderstöcke raus und los ging es. Der Weg war eigentlich die Fortsetzung der Schotterstraße, die hier aber noch unebener mit heftigen Schlaglöchern, groben Steinen und Matsch wurde und schließlich über einem Fluss führte. Spätestens hier hätte unser Auto nicht mehr mitgemacht. Für uns hieß es nun: Schuhe und Strümpfe aus und durch das 4⁰ kalte, bis zu den Waden reichende Wasser zu waten. Diese Prozedur stand uns bei unserer Wanderung vier Mal bevor und einmal gab es eine ziemlich wackelige Kettenbücke. Belohnt wurden wir aber durch eine zwar karge, aber dennoch faszinierende Steppen – Felslandschaft und als Höhepunkt dem Wasserfall. Er gilt als höchster und einer der beeindruckendsten von ganz Armenien. Die Farben der Felsen ließen erahnen, dass sie das typische Baumaterial der georgischen Häuser sind. Sie wiesen die typischen Farbschattierungen auf. Auf dem Rückweg wurden meine Beine zwar schwer, aber meine Knie hielten durch. Wir fuhren zurück in die Stadt und kamen gerade noch vor der Dämmung an. Wir kauften Lebensmittel ein, wuschen unsere dreckig gewordenen Hosen und gingen zum Essen in ein etwas alternativ angehauchtes Teehaus mit Restaurant. Wir bestellten zwei Pizzen, es kam aber nur eine mit zwei Tellern. Egal. Sie war eh groß genug und Stefan hatte sich auch noch eine Kürbissuppe bestellt. Als wir fast fertig waren, kam die zweite, genauso große Pizza noch einmal! Nun hatten wir gut was zu tun. Wir ließen die Ränder liegen, den Rest mit bunt gemischtem Gemüse von Brokkoli über Möhren, Tomaten, bis zu Roter Beete schafften wir dann aber doch noch. Dazu gab es einen ganzen Liter selbstgemachter Beerenlimonade, die bei uns unbezahlbar wäre, für ungefähr die Hälfte des Preises. Wir machten noch ein paar Nachtbilder, leider war auch hier die Fontaine bereits für den Winter trockengelegt, und gingen dann heim. Dieser Tag in der Natur hatte gutgetan und wir waren ziemlich froh, ein Auto gemietet zu haben. Solche Touren waren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht machbar. Evtl. müsste man dafür ein Taxi für einen Tag mieten, wenn die dann überhaupt bereit sind, solche Straßen zu fahren.

Freitag, 14.11.25 Gjumri – Lake Arpu Nationalpark – Marmaschen Kloster 

Wir entschieden uns, ganz in den Norden, in den Lake Arpu Nationalpark zu fahren. Er war zwar nirgends als unbedingt sehenswert beschrieben, aber wir wollten uns selbst ein Bild machen, denn schließlich wird eine Gegend ja nicht umsonst zum Nationalpark erklärt. Wir fuhren gut eine Stunde für 49km, wovon ca. die Hälfte ungeteert war und parkten vor der Nationalparkverwaltung, von wo wir direkt an den See kamen. Wer Einsamkeit sucht, ist hier, zumindest im November, an der richtigen Stelle. Ein großer See lag ruhig vor uns mit zwei Inselchen drin. Auf der näherliegenden konnten wir aus der Entfernung Vögel erahnen. Rundherum war Steppengras, vor dem Nationalparkgebiet waren ein paar Kühe und Schafe mit Hütehunden und zerfallenen Ruinen, nur das Nationalparkhaus war ein guterhaltenes Gebäude, das von weitem weiß leuchtete – eine gute Orientierungsmarke. Wir liefen entlang des Sees, gelegentlich kamen Hinweise auf Picknick Areas und man fand Mülltonnen, Grill, Bank und Tisch. Hin und wieder gab es ein paar Bäume, etwas weiter als wir liefen, ein kleines Wäldchen am See. Im Hintergrund des Sees war die Silhouette von Bergen, einer mit Schnee zu erahnen. Wir waren am See bereits auf einer Höhe von 2000m. Um den See herumzulaufen wäre eine Tagestour von 6-7 Stunden gewesen, wir gaben uns mit gut 3km je Richtung zufrieden. Ich würde sagen, es war ein netter Ausflug, aber nicht besonders beeindruckend. Ich hätte wirklich gerne gesehen, wie die Landschaft hier im Frühjahr aussieht. Wir lasen immer von blühenden Wiesen, was bei unserem Besuch natürlich nicht vorkam. Armenien soll auch das Land der Aprikosen sein, die natürlich auch im November nicht reif am Baum hingen, aber wir hatten bisher auch noch gar keine Obstbäume gesehen. Wahrscheinlich waren wir in der falschen Ecke. 
Auf dem Rückweg machten wir halt an den Ruinen des historischen Klosters Marmaschen. Überwiegend erhalten stehen hier drei Kreuzkuppelkirchen aus dem 11. Jahrhundert. Hinzu kommen die Ruinen von zwei weiteren Kirchen aus dieser Zeit. Die Anlage liegt nett in einem Tal in einer schönen Flusslandschaft und wirkte durch die warme Nachmittagssonne besonders anheimelnd. Wir genossen die Gegend bei einem kleinen Rundgang, bevor wir zurück nach Gjumri fuhren. Als zweitgrößte Stadt nach Jerewan wird sie von Reisenden immer hoch gelobt und als so wunderbar authentisch bezeichnet. Wenn Authentizität in der Anzahl noch verfallener Gebäude aus und vor Zeiten der Sowjetära bedeutet, sowie der ost-typischen Gas- und/oder Fernwärmerohre entlang und oberhalb von ziemlich mit Schlaglöchern versehenen Straßen, sowie einer riesigen russischen Kaserne, dann haben die Autoren Recht. Schön fanden wir die zwei Fußgängerzonen in der Innenstadt, erfreulicherweise direkt gegenüber unserer Wohnung, die zahlreiche gute und sehr gemütliche Cafés und Restaurants in restaurierten Häusern bieten und wo die Beleuchtung das nächtliche Ambiente sehr anziehend macht. Auch der Vardanats Square und der Independence Square bieten eindrucksvolle, restaurierte Gebäude und schöne Beleuchtung und sicher auch prächtige Fontänen, die bei unserem Besuch aber schon im Winterschlaf waren. Am kommenden Tag wollten wir uns die Stadt nochmal bei Tage, sowie die alte Festung Black Fortress ansehen.

Samstag, 15.11.25 Gjumri – Jajur

Nachdem wir morgens bei der 2. Tollwutimpfung gescheitert waren, da das Krankenhaus nur die erste als Notfall, aber keine weitere verabreichen wollte und Arztpraxen wegen des Wochenendes geschlossen hatten, erkundeten wir Gjumri und die nähere Umgebung. Zuvor genossen wir jedoch auf den Frust sehr leckere Teilchen und ich einen hervorragenden Cappuccino in einem Café. Danach besuchten wir die Galerie der armenischen Schwestern Mariam und Eranuhi Aslamazyan. Sie waren bedeutende armenische Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mariam wurde bekannt durch farbintensive Portraits. Häufige Themen waren starke, selbstbewusste Frauen. Der Stil war ein Mix aus Modernismus und Realismus. Sie schuf auch Wandmalereien und Keramik.
Eranuhi legte den Schwerpunkt auf Grafik, Zeichnungen und Druckgrafik, aber auch Malerei. Ihre Werke wirkten schlichter, grafischer und konzentrierten sich stark an Alltagsszenen, Arbeitsleben und menschliche Gesten. Ihr Stil: rhythmische Linien, gedämpfte Farben, oft sozial-realistische Themen. Mir haben die Werke gut gefallen.
Auch danach ging es weiter mit Kunst, dieses Mal ins Minas Avetisyan Museum in Jajur, 13km östlich von Gjumri. Minas Avetisyan, verdienter Künstler Armeniens, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der armenischen Malerei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine künstlerische Weltanschauung, sein Stil und sein Geschmack wurden maßgeblich von der armenischen mittelalterlichen Miniaturmalerei, der italienischen Renaissancemalerei und der Kunst Martiros Saryans beeinflusst. Die von uns besuchte Galerie befand sich an seinem Geburtsort. Seine Werke sind auch in der Armenischen Nationalgalerie und anderen Galerien der Welt zu finden.
Auf dem Weg zurück nach Gjumri kamen wir an einem riesigen Friedhof in Shiraz vorbei, auf dem auch viele Opfer des Erdbebens von 1988 in dieser Gegend begraben wurden. Die Grabsteine zeigen häufig ganze Familien als eingraviertes Bild mit Datum und Uhrzeit des Todes. Erschreckend fanden wir auch die vielen Gräber junger Soldaten, meist im Alter von 19-20 Jahren. 
Wieder zurück in Gjumri besuchten wir die Schwarze Festung, einst militärischer Stützpunkt ist sie heute ein Amphitheater und bietet einen 360⁰ Blick über die Stadt und ist ein Kulturerbe. Nebenan steht auf dem Hügel wieder eine „Mutter Armeniens“ in Heldinnenpose. 
In der Stadt fanden wir als Hingucker die „Wall of names Forever in Gjumri“ eine Häuserwand, auf der sich jeder gegen einen kleinen Betrag mit winzigen Buchstabenplättchen namentlich verewigen kann. Es wirkte auf mich wie ein gigantisches Scrabble Brett. 
Nebenan wurde von Kinofans der Balkon des armenischen Melodramas „Tango of my childhood“ bestaunt. Nebenan im „Central Park“ kann man nicht nur flanieren, sondern auch ein paar Fahrgeschäfte nutzen, was zu dieser Jahreszeit aber kaum angenommen wurde. 
Inzwischen hatten wir wieder etwas Hunger und besuchten den Bauernmarkt Shuka und deckten uns wieder mit etwas Obst und Churchkhelas ein. Es war schon sehr angenehm, einen Mietwagen zu haben, denn wären wir mit Marschrutkas oder Bussen unterwegs gewesen, hätten wir von einem zum anderen Standort kaum etwas mitschleppen können. Wir hätten effektiv keinen Platz dafür gehabt. An diesem Abend gingen wir noch einmal gut essen in einem angesagten Bierhaus in einem historischen und wunderbar restaurierten armenischen Haus der früheren Oberschicht. Wir ließen uns das georgische Leibgericht Atscharuli Chatschapuri, also das mit Käse und Ei gefüllte Brot in Form eines Bootes schmecken, wobei hier noch Tomatenstückchen den Inhalt verfeinerten. Ich fand es leckerer als in Georgien selbst. Dazu gab es die überall gereichte Limonade aus Granatapfel, die hier aber mit Orangenscheiben noch leckerer schmeckte. Ich genoss es, dass es diese hausgemachten Limonaden zu einem Preis gab, für den man bei uns im Restaurant kaum Mineralwasser bekommt. 1l kostete ca. 3,50€.

Sonntag, 16.11.25: Gjumri – Wanadsor- Kobayr – Odzun Kathedrale – Horomayr – Alawerdi 

Wir verließen Gjumri und fuhren in Richtung unseres nächsten Übernachtungsquartiers in Alawerdi. Den Weg nutzten wir ausgiebig als Sightseeingtour. Unser erster Halt galt einem familiengeführten Café in Wanadsor, das sich durch seine Macarons und inzwischen auch durch seine Croissants einen Namen gemacht hat. Das Café wird durch eine Organisation für von Frauen gegründete Unternehmen unterstützt. In der in weiten Teilen postsowjetischen, durch ehemalige Chemieindustrie geprägten Stadt war dieses kleine Café mit seinen Leckereien, gutem Kaffee und französischer Hintergrundmusik für uns bereits ein Highlight. Ein weiteres war der Blick von einem Hügel über die Stadt auf die Berge. Wir hatten wieder Sonne, allerdings war es klarer als alle Tage zuvor und die Strecke führte uns zuerst am Fluss Pambad entlang, der sich später mit dem Fluss Debed vereinte und eine schöne Schlucht bildete. Immer wieder gab es schöne Ausblicke, so auch von den Ruinen des Klosters Kobayr aus dem 12.Jahrhundert, zu dem wir 130 Höhenmeter den Berg hochwanderten. In den Ruinen lebten drei Schweine. Weiter ging die Fahrt zum Bergdörfchen Ozun mit seiner hübschen Kathedrale, die sich vor der Bergwelt nett abhob und dem Kloster Horomayr auf den Klippen vor Odzun aus dem 7. Jahrhundert. In den Felsen unterhalb befinden sich Höhlen, in denen früher Mönche gelebt haben. Man findet auch noch sehr alte Grabsteine auf einem Hügel. Dann wurde es Zeit, nach Alawerdi zu fahren, damit es uns nicht zu dunkel wurde, denn die Straßen hier führen in Serpentinen durch die Berge und sind in Anbetracht der ruppigen Fahrweise der Armenier trotz guter Straßenqualität nicht ungefährlich. Wir wohnten in einem alten Sowjetblock mit einem Treppenhaus, was schlimmer nicht vorstellbar war. Wände und Treppen sahen aus wie ein heruntergekommener Rohbau, der seit Jahren verlassen war. Hätten wir nicht bei den Rezensionen bereits gelesen, dass unsere Wohnung eine frisch renovierte 3 Zimmerwohnung mit guter Bewertung sein sollte, wären wir wohl wieder umgekehrt. Die Wohnung war wirklich gut, mit moderner Küche und guten Schlaf- und Wohnzimmermöbeln, WLAN, Waschmaschine und stilvollem Bad. Der Ort teilt sich allerdings in zwei Teile und wir waren auf einem Berg mit sehr eingeschränkter Gastronomie. Allerdings fanden wir mehrere Mini Lebensmittellädchen Marke „Tante Emma“, sodass an verhungern nicht zu denken war. Das, was hier an städtischen Annehmlichkeiten fehlte, musste die Natur wett machen und sie hatte das Zeug dafür. Die Strecke an diesem Tag war schon viel abwechslungsreicher als die ehr karge Landschaft um Gjumri.

Montag, 17.11.25:  Alaverdi

Der Tag begann mit einem Besuch im Krankenhaus, dem Alaverdi Medical Center. Stefans zweite Impfung stand noch immer aus. Mit Hilfe von Google Übersetzer managten wir es super, in Russisch und Armenisch die Situation zu erklären und der Arzt bestätigte uns nochmal, wie wichtig die Tollwutimpfung nach einem Biss sei. Sie impften sogar nach Bissen von Tieren, die eigentlich gar keine Tollwut bekommen konnten, weil es sein könnte, dass sie zuvor von Schakalen gebissen wurden und somit als Überträger fungieren könnten. Es schien hier wohl einige Schakale zu geben. Der Arzt meinte auch, dass es gut wäre, dass der Hund durch die Hose gebissen hätte, weil so die Übertragungsgefahr durch Speichel geringer wäre. Die Impfung war recht schnell erledigt, aber dann versuchte der Arzt herauszufinden, wie viel für die 2. und 3. Impfung zu zahlen wäre, weil die nicht mehr unter Notfall fielen, sondern unter Weiterbehandlung, wie wir uns schon gedacht hatten. Er telefonierte mit Kliniken in Gjumri und Wanadsor, aber die wussten es auch nicht. Da wir am Mittwoch noch einmal zur 3.Impfung kommen sollten, wollte er bis dahin mit einer Stelle in Jerevan Kontakt aufnehmen. Stefan war der erste Fall dieser Art. Ich fand es schon ziemlich nett, dass sie erst geimpft hatten und erst nachher ans Geld dachten. Dass sie uns nun auch noch so weit trauten, dass wir erst beim nächsten Mal zahlen mussten, wäre in Deutschland sicher nicht möglich gewesen.
Nach dem Krankenhausbesuch fuhren wir zur nahegelegenen Sanahin Brücke. Diese alte, aus dem 12.Jahrhundert stammende Fußgängerbrücke über den Debed Fluss war wirklich ein schönes Fotomotiv. Aus jedem Stein dieser Brücke sprechen die unendlich vielen Erlebnisse der letzten Jahrhunderte. Leider hatte das nette Café mit Blick auf die Brücke nicht geöffnet. Das musste ein traumhafter Platz im Sommer sein. Direkt am Fluss, umgeben von Bergen und der Blick auf die Brücke. Von hier aus sieht man auch eine stillgelegte Seilbahn, die zu sowjetischer Zeit die Menschen vom Hügel Sanahin (Ortsteil, in dem wir wohnten) zur ehemaligen Kupfermine und-hütte ins Tal und über den Fluss brachte. Kupferabbau und – Verarbeitung wurde seit Jahrtausenden in dieser Region betrieben, machte sie reich, verseuchte aber auch Luft und Wasser, sodass es viel Protest gab und der Industriezweig letztendlich aufgegeben wurde. Die Industrieanlagen, Schornsteine und diese Seilbahn, deren zwei Gondeln noch immer als Relikte über dem Tal baumeln, prägen aber noch heute das Bild des Ortes. Inzwischen nimmt der Tourismus Fahrt auf, da die zwei Klöster Sanahin und Haghpat Welterbestatus haben und Interessierte aus nah und fern anlocken, sowie auch wegen der Berglandschaft rundherum. Letztere ließen wir auf einer Fahrt entlang des Debed bis zur georgischen Grenze auf uns wirken. Wir hatten richtig gutes Wetter mit blauem Himmel, sodass es ein Vergnügen war, durch die Schlucht zu fahren. Das letzte Stück vor dem Grenzübergang fuhren wir allerdings kilometerweit am Stacheldraht der Grenze entlang. Solche Gegenden machen immer etwas Gänsehaut, auch wenn das Verhältnis zu Georgien ehr freundschaftlich ist. 
Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zum Kloster und der daneben liegenden Festung Achtala. Seine Lage und Wand-Malereien verbunden mit der Hintergrundmusik ließen selbst uns andächtig werden, auch wenn Religion nicht so unser Thema ist. Ebenso ging es uns auch beim Kloster Sanahin, das wir am Abend noch zu Fuß von unserer Unterkunft aus besuchten. Hier wirkten besonders die Bogengänge auf uns. Leider war es schon etwas zu dunkel und die letzten Sonnenstrahlen kamen auch von der falschen Seite, um das Welterbe Kloster oben auf dem Hügel ins warme Abendlicht zu tauchen. 
Da wir nicht bei Dunkelheit auf den teils schlechten und kurvigen Bergstraßen herumfahren wollten, machten wir uns wieder zu Fuß auf, um etwas zum Abendessen zu finden. Am Vorabend waren wir in einem Café auf der anderen Seite unseres Blocks und das hatte uns nicht umgehauen. Erbsen, Mais und Champignons aus der Dose auf eine Pizza schütten hätten wir auch noch selbst gekonnt. Leider fanden wir aber auch an diesem Abend keine Alternative, obwohl wir ca. 2km gelaufen sind. Es schien hier oben fast alles geschlossen zu haben außer einem Imbiss für Shwarma, aber das war ja nichts für Vegetarier. Letztendlich kauften wir uns in einem der zahlreichen Tante Emma Läden Nudeln, Soße, Thunfisch (für mich) und bereiteten uns ein typisches Backpackermahl in unserer eigenen Küche zu.

Dienstag, 18.11.25 Alaverdi – Ausflug Dilijan Nationalpark – Goschawank Kloster und See

Für diesen Tag hatten wir einen großen Ausflug geplant, deshalb machte Stefan Laufpause, damit wir früh losfahren konnten. Unser erstes Ziel war der Dilijan Nationalpark, der bereits ca. 100km, sprich ca. 2Std. Autofahrt entfernt war. Zum Glück führte die Strecke fast ausschließlich über nationale Highways, d.h. es waren gut geteerte und ausgebaute Straßen durch die Berge. Hier war bereits der Weg das Ziel, denn wir wurden bei wunderbarem Wetter von Bergen begleitet und später fuhren wir durch herbstlichen Wald bis zum Nationalpark. Es war nur ein kleiner See, den wir uns zur Umrundung zuvor bei Komoot ausgesucht hatten. Mein linkes Knie machte mir auf dieser Reise wirklich Ärger. Es war instabil und begann nach kurzer Zeit zu schmerzen. Da die Strecke um den See flach war, zog ich mir zuvor keine Bandage an und nahm auch keine Stöcke mit, was dumm war, denn kaum Höhenmeter hieß nicht unbedingt ebener Boden, also fing mein Bein schon bei der kurzen Strecke an, weh zu tun. Egal, wir umrundeten den See und hatten die ganze Zeit einen Begleiter. Ein Hund hatte uns adoptiert und lief die ganze Zeit mit uns. Er war lieb, aber es nervte etwas, weil er einem ständig zwischen den Füßen rumlief. Der See war sehr schön und im Sommer sicher gut besucht, denn es gab auch Bootsverleih, Spielplatz und Gastronomie, was zu dieser Zeit allerdings alles geschlossen hatte. Wir waren bei der Ankunft auch die einzigen Besucher, später standen noch zwei Autos auf dem Parkplatz und ein Armenier baute seinen Tisch zum Honigverkauf auf. 
Ich hatte am Vortag noch ein weiteres Ziel in der Nähe ausgesucht, wo wir ebenfalls hinfuhren: das Goschawank Kloster. Hier ging es etwas lebhafter zu: Souvenirshops, Jeeptouren in die Umgebung und Gastronomie. Wir gingen in ein kleines Café, wo die ortstypischen Gata Cakes angeboten wurden. „Gata (auch Gato, Kata genannt) ist ein traditionelles armenisches Gebäck, das einer süßen, buttrigen Torte oder einem Brot ähnelt und oft mit einer Füllung aus Butter, Mehl und Zucker (Khoriz) gefüllt wird, ähnlich einem Streusel. Es wird in verschiedenen Formen (rund, flach, gerollt) und Varianten (z.B. mit Nüssen, Rosinen) gebacken, symbolisiert Gastfreundschaft und wird zu Feiertagen wie Neujahr, Hochzeiten oder einfach zum Tee/Kaffee serviert, wobei oft eine Münze für das zukünftige Glück versteckt wird.“(ChatGpt)
Bei uns war keine Münze drin, aber die Blaubeerfüllung war echt lecker. Wir besichtigten die Klosteranlage, die wie meist eine herausragende Lage auf der Anhöhe hat. Auch hier hatte ich eine Wanderung ausgeguckt, die ich dieses Mal aber besser präpariert startete. Ziel war wieder ein See. Dieses Mal der Gosh See. Unser Weg führte uns durch einen Wald auf der Strecke der Jeepfahrer. Glücklicherweise kam nicht einer die ganze Zeit über. Wieder hatten wir einen freundlichen Hund als Begleiter und wie beim letzten, war er immer ganz Ohr, wenn es irgendwo raschelte. Es konnte ja ein Leckerbissen sein! Wir mussten lachen, weil beide Hunde von Eichhörnchen zur Verzweiflung getrieben wurden. Wie gerne wären sie ihnen doch auf die Bäume gefolgt! Die Landschaft in diesem ganzen Gebiet fanden wir nett, sie hätte aber auch ebenso in Deutschland sein können. Für Armenien sind diese Waldgebiete aber wohl seltener. Für uns waren hier ehr die Berge ringsum das Highlight. Nach 6 km und 280 Höhenmetern kehrten wir zum Auto zurück. Es wurde Zeit, wieder zurück nach Alaverdi zu fahren, denn selbst wenn die Straßen OK waren, gab es noch die Fahrweise der Einheimischen, die oft auch noch im Halbdunkel ohne Licht fuhren, bzw. ihre Beleuchtung nur teilweise funktionierte. Zwei Tage zuvor fuhren wir an einer Stelle vorbei, wo die Polizei über eine zerfahrene Leitplanke in die Tiefe schaute. Wir wollten gar nicht wissen, ob es der silberne Mercedes war, der zuvor vor uns wie betrunken die Fahrbahn wechselte, der nun dort unten lag. Nun war die Polizei am Straßenrand mit einem zerdrückten, auf dem Kopf liegenden Auto beschäftigt. Vorderasien schien da dem Rest Asiens in nichts nachzustehen, was gefährliches Fahrverhalten angeht. Wir suchten unterwegs ein Restaurant zum Abendessen, da wir am Vorabend auf unserem Berg ja nicht fündig wurden, aber auf der ganzen Strecke haben wir keines gefunden, das sowohl geöffnet hatte als auch etwas ohne Fleisch anbot. Das Einzige, was es gab, war Kebab oder Shwarma. Die meisten auf der Karte angegebenen Restaurants waren nur Imbisse, die häufig nur in einer Blechhütte waren und meist geschlossen hatten. Letztendlich gingen wir zum zweiten Mal in das Café bei uns um die Ecke, wo die Pizza zuvor eigentlich unbefriedigend war, die Spaghetti mit Gemüse waren an diesem Abend aber ok und so verhungerten wir nicht.

Mittwoch, 19.11.25: Alaverdi 

Es war ein echt gelungener Tag. Ich wurde von der Sonne wachgekitzelt, wir ließen uns Zeit bei einem gemütlichen Frühstück und unser Besuch im Krankenhaus zu Stefans dritter Impfung war in 10 Minuten erledigt. Der Arzt hatte sich bzgl. Bezahlung informiert und teilte uns mit, dass wir nichts zu zahlen hätten! Das fanden wir super nett. Danach erkundeten wir die nähere Umgebung von Alaverdi. Außer dem Kloster Sanahin bei uns im Ortsteil gab es noch ein weiteres mittelalterliches Kloster in nur 14 km Entfernung, das Kloster Haghpatavank, wie fast immer in wunderbarer Lage auf einem Berg. Gebaut von 966 n.Chr. bis ins 13.Jahrhundert besteht der Komplex wiederum aus mehreren Gebäuden mit Glockenturm. Begeistert hat mich aber vor allem der Ausblick und der Anblick mit Bergen im Hintergrund und azurblauem Himmel. Da auch dieses Kloster Welterbestatus hat, ist es Anziehungspunkt für Touristen, somit war an diesem Tag auch Mal eine Gruppe Chinesen dort. Meist waren wir bei den bisherigen Klöstern die einzigen Besucher oder ggf. noch eine andere touristisch interessierte Person vor Ort. Wir tranken einen Kaffee mit Terrassenblick auf das Kloster und machten uns dann auf den Weg zur Zarni- Parni – Höhlenfestung, die aber leider geschlossen hatte. Ich entdeckte eine Wanderkarte, die uns auf einem von Armeniens Hauptwanderwegen zur Kayan Festung gegenüber führte. Wir wanderten einen schönen, baumbestandenen Weg bergauf, kamen nach kurzer Zeit zu einer Höhle, die gerade noch für Besucher auf Vordermann gebracht wurde, in der wir aber bereits Schaukästen mit Fundstücken von Knochen, Werkzeugen bis hin zu kleinen Schuhen besichtigen konnten. Später wurde der Weg steiler und es kam die Kapelle der Festung in Sicht, zu der wir über Vulkangestein hinaufkletterten. Oben hatten wir eine traumhafte Aussicht auf die Berge und Schluchten ringsum, die Stadt Alaverdi und auch die kleine Kapelle mit ihrer runden Kuppel, aus der schon Gräser wie Haare wuchsen, war sehenswert. Wir hatten wunderbar blauen Himmel und es war ein Traum, bei Sonne auf gewärmtem Vulkangestein zu sitzen und den Ausblick zu genießen. Der Abstieg, vor dem mir etwas gegraut hatte, war dank Wanderstöcken machbar und wir ließen es uns im Restaurant am Fuße des Berges mal wieder gut schmecken. In den letzten Tagen waren die kulinarischen Genüsse etwas zu kurz gekommen, nachdem wir in Jerewan und Gjumri so geschlemmt hatten, deshalb genossen wir es an diesem Tag umso mehr, in schönem Ambiente Spaghetti mit Pilzen, gegrilltes Gemüse und eine Bohnensuppe mit Walnüssen und im Anschluss einen „Gato“ Kuchen zu essen. Danach begaben wir uns zurück zu unserer Ferienwohnung, da die Sonne kurz vorm Untergehen war. Damit wurde es dann auch gleich ziemlich kalt. In der Sonne hatten wir nochmal richtiges Shirt-Wetter genossen. Am kommenden Morgen wollten wir Alaverdi verlassen und den Standort an den Sevansee wechseln.

Donnerstag, 20.11.25: Sevan


Wir erreichten unsere nächste Unterkunft und waren nun am Sevansee. Die Strecke hierher war in weiten Teilen sehr schön, aber rund 2/3 kannten wir schon von der Fahrt zum Dilijan National Park. Dennoch war es immer wieder schön, bei klarer Sicht durch die Berge zu fahren. An diesem Tag hatten wir oben auch den ersten Schnee sehen können. In Sevan waren wir nun auf knapp 2000m Höhe. Der See wird auch als „Blaue Perle Armeniens“ bezeichnet. Er ist Armeniens größtes Süßwasserreservoir und seine besondere Fauna und Flora hat ihm den Nationalparkstatus eingebracht. Wir fuhren an diesem Tag nur ein kurzes Stück entlang des Sees, wollten ihn aber in den nächsten zwei Tagen noch genauer unter die Lupe nehmen. Nach der Ankunft sahen wir uns erstmal den Ortskern an, um eine erste Orientierung zu bekommen. Im Reiseführer wurde er als überlaufener Tourismusort dargestellt, wovon bisher noch nicht viel zu merken war, aber wer fuhr auch im November mitten in der Woche an einen See, an dem es kälter als an vielen anderen Orten war? Es gibt laut Karten mehrere Resorts, die hatten wir allerdings noch nicht gesehen. Die Innenstadt hat viele Geschäftchen, aber der Stil der Stadt ist noch eindeutig sowjetisch geprägt. Vielleicht ist hier etwas weniger Verfall als in Wanadsor und vielen anderen Orten im Land, aber einladend fanden wir nur wenig. Es gibt ein kleines, uriges Teehaus einer NGO, das Unterstützung durch die EU bekommen hat. Das fanden wir wirklich gemütlich und es scheint musikalische und künstlerische Initiativen zu fördern. In einer Ecke stehen ein Klavier, mehrere Gitarren und Schlagzeug, unter der Decke und an den Wänden hängen Bilder und Hinweise auf kulturelle Angebote, es gibt gemütliche Sitzecken und das Menü bietet eine unglaubliche Vielfalt an diversen Tees an. Essen kann man dort auch und das nahmen wir uns vor, in den nächsten Tagen auch auszuprobieren. In nur 4 Minuten Fußweg befand sich unsere Unterkunft, also genial. Unser Airbnb war das „Royal House Sevan“ und ich glaube, es war mal ein Guesthouse und wird jetzt als Wohnung vermietet. Vom Eingangsflur kamen wir in ein Wohnzimmer, das sicher auch zeitweise als Büro genutzt wird, denn es stehen PC und Drucker drin. Schätzungsweise war das mal die Anmeldung. Die Küche ist ehr eine Gastronomieküche mit Pizzaofen und großen Behältern für Mehl u.ä. und dann gibt es noch ein Bad mit Waschmaschine, auf die wir wegen unseres geringen Gepäcks immer scharf sind, sowie zwei Schlafzimmer. Im Flur kann man sich fast verlaufen, so groß ist er und er hat noch einen Sessel. Von hier kommt man auch in eine Garage, die wir nutzen durften. Dummerweise funktionierte bei uns das WLAN nicht, angeblich ein Problem des Ortes, aber im Teehaus hatten wir WLAN und das Problem wurde auch in einer Rezension von zwei Monaten zuvor erwähnt. Gut, dass wir eine Flatrate-Simcard hatten. 
Auf unserem Weg nach Sevan kamen wir bei der Anreise an einem riesigen Supermarkt- Restaurant- Tankstellenkomplex vorbei, dessen Nutzung schon im Lonely Planet Reiseführer empfohlen wurde. Wir kauften also Lebensmittel für die nächsten Frühstücke ein und nutzten das Selbstbedienungsrestaurant. Das war echt klasse, denn die Angebote waren auch in Englisch beschriftet und wir konnten uns diverse Salate in Schälchen füllen, die nach Gewicht abgerechnet wurden, und ließen uns noch einen Teller frittierte Erbsen mit Ei geben. Inklusive eines halben Liters Tan (ähnlich Ayran) zahlten wir zusammen 6,64€ und waren satt.

Freitag, 21.11.25: Sewan, Halbinsel Sevanawank, Friedhof von Nuratus, Gawar

Die „blaue Perle Armeniens“, den Sevansee, fanden wir wirklich sehr schön.
Er ist mit 1272 km² Fläche, einer Länge von 78 km und einer Breite von maximal 56 km der größte Süßwassersee Armeniens sowie des gesamten Kaukasuses: Er ist maximal 79,7 m tief. Mit seiner Lage von 1900 m über dem Meeresspiegel ist er darüber hinaus der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.
So viel zu den Fakten. Trotz seiner Größe wirkte er für uns nicht einfach wie ein Meer, wie es häufig bei sehr großen Seen der Fall ist, sondern hatte eine tolle Ausstrahlung vor den Bergen im Hintergrund und eine abwechslungsreiche Landschaft rundherum. Wir begannen unsere Tour mit einem der größten touristischen Highlights Armeniens, mit dem Kloster Sevananavank auf der Halbinsel vor Sevan. Das Kloster liegt hoch auf dem Hügel oberhalb des blauen Sees, im Hintergrund die ockerfarbenen Berge und oben drüber azurblauer Himmel und Sonne. Besser kann man ein Gebäude, was noch dazu mit seinen Türmchen auch selbst schön ist, nicht platzieren. Das sahen auch andere Touristen so, die sogar zu der an sich toten Zeit hier in Armenien hierhin angereist waren. Nachdem wir den Anblick ausgiebig genossen hatten, beschlossen wir, entlang der Westseite des Sees zu fahren. Von der Ostseite riet das Auswärtige Amt aufgrund des Konflikts mit Aserbaidschan ab. Den See zu umrunden wäre auch viel zu weit für einen Tag gewesen. Wir machten unterwegs immer dort Halt, wo wir es nett und/ oder interessant fanden, so z.B. beim Hayravank Kloster und dem historischen Friedhof von Noratus. Letzterer erschien uns unendlich groß zu sein und er hatte die faszinierendsten Chatkars (Kreuzsteine) und Gräber aus dem 9.-17.Jahrhundert. Zuletzt besuchten wir noch die Stadt Gavar, Hauptstadt der Provinz Gegharkunik, aber mussten feststellen, dass auch diese Stadt eine langweilige Ansammlung unattraktiver kleiner Geschäftchen, Häuser und zahlloser (Bau)-ruinen ist. ChatGPT gibt zu dieser Beobachtung kurzgefasst folgende Begründung:
Armeniens Ruinenlandschaften sind das Ergebnis aus Sowjetzerfall + Krieg + Erdbeben + Auswanderung + chronischer Kapitalarmut. Viele Gebäude sehen „unfertig“ aus, weil sie tatsächlich nie fertig wurden oder jahrzehntelang leer standen.
Darüber hinaus gibt es natürlich bei einem so alten Land auch noch zahlreiche archäologisch wertvolle, Jahrhunderte alte Ruinen. Glänzen dagegen kann das Land mit seinen Bergen, Schluchten und dem Sewansee.

Samstag, 22.11 25: Sevan – Ausflug nach Zaghkatssor 


Wir fuhren an diesem Tag in den Westen, ins Skigebiet Zaghkatssor. Am östlichen Hang des Berges Teghenis verläuft eine Bergbahn, die aus mehreren Sesselliften besteht und von 1.966 m bis 2.819 m über dem Meeresspiegel hochfährt. Leider war bei unserem Besuch nur der untere Lift, ein Viersitzer, in Betrieb, der uns bis auf 2232m hochbrachte. So schön es gewesen wäre, bis ganz nach oben zu fahren und einen Blick, der angeblich bei klarem Wetter über ganz Armenien bis zum Ararat gehen soll, zu genießen, so froh war ich dieses Mal eigentlich, als ich den Lift nach der Bergfahrt verlassen konnte. Mir war es unterwegs ziemlich schwummerig geworden, dabei vermied ich schon, hinunterzugucken. Wir wanderten bergauf bis auf 2400m und hatten bereits eine ganz nette Aussicht. Was am meisten auffiel, war die absolute Ruhe dort oben, nachdem die Bergbahn uns mit Musik beschallt hatte. Ich möchte allerdings nicht wissen, was hier während der Saison los ist. Im Winter ist es ein Skiparadies und im Sommer leihen sich sicher mehr Leute Quads aus, die bei der Station verliehen werden. Heute waren zwar ein paar Leute in der Bahn, aber etliche mehr in der Innenstadt, die Restaurants, Läden, eine Zipline und ein Kloster bietet. Der ganze Ort wirkte so, als hätte er mit dem Rest Armeniens nicht viel zu tun. Eine riesige Anlage von Marriott, Skiresorts, Hotels und andere Unterkünfte, Aprés Ski Bar etc., alles wirkte modern, gut erhalten und hatte nicht den trüben Schleier des Ostens. Dafür waren die Preise dann auch anders. Der Lift, obwohl nur ein Teil lief, kostete fast 7€ pro Person, ein Cappuccino statt sonst ca. 2,50€ hier 4€, Parken beim Lift pro Std 1,14€. Letzteres haben wir nicht gemacht, denn wir konnten hundert Meter weiter kostenlos am Straßenrand parken. Das ist im Übrigen in ganz Armenien, außer in Jerewan, sehr entspannt. Bereits die Autovermietung sagte uns, dass wir beim Falschparken in Jerewan zur Kasse gebeten würden, und dort gab es auch überall Bezahlparkplätze, im restlichen Land ist es aber nirgends ein Problem und kaum überhaupt Halteverbote oder Parkverbote, was es für uns als Ausländer wirklich entspannt machte, weil wir nicht darauf achten mussten, nichts falsch zu machen. Beim Fahren musste man auf Blitzer achten und es standen häufig Polizeikontrollen am Straßenrand, aber das ist bei der oft anarchistischen Fahrweise der Armenier auch notwendig. Sie überholen wirklich überall, egal ob bei durchgezogener Linie, Kurven oder sonstigen unübersichtlichen Stellen. Neben modernen, meist asiatischen Modellen gibt es noch haufenweise alte, halb zerfallene Ladas, Uralt- LKWs, alte Mercedes u.ä. Es gibt relativ viele Tankstellen, aber nicht alle verkaufen alles. Es gibt Tankstellen, die nur Erdgas (CNG) und Propangas bzw. Autogas (LPG) verkaufen. Manche Tankstellen verkaufen zwar Diesel, Gas und Benzin, aber kein Premium (hier 95 Oktan, also Super), was wir für unseren Renault Logan Mietwagen benötigten. Wir hatten aber bisher noch kein Problem, mussten auch erst 2x tanken. Die Preise waren während unseres Aufenthalts sehr stabil. Eigentlich kostete Premium immer 520 Dram, d.h. 1,18€ pro Liter. Der niedrige Preis relativierte den recht hohen Verbrauch des Autos. 
Nachdem wir mit dem Lift wieder im Tal gelandet waren, dieses Mal übrigens ohne irgendwelche Höhenprobleme, erkundeten wir in der Stadt noch einen Wanderweg, der von der Kirche gepflastert in zahlreichen Serpentinen zur Zipline führte. Hier kann man einmal hin und zurück am Seil über der Stadt schweben. Wir wanderten aber brav wieder runter, aßen in der Fußgängerzone ein Crêpe und fuhren dann zurück nach Sevan. Unser Versuch, in unserem Lieblingscafé noch einmal zu Abend zu essen, was uns am Vorabend sehr gut gefallen hatte, scheiterte leider. Da Samstag war, war dort wohl eine Veranstaltung und die Leute standen bereits bis auf die Straße. Da uns zu kalt war, um in der Stadt noch etwas anderes zu suchen, gab es Spagetti mit Arabiata aus dem Glas von Koch Stefan in unserer Ferienwohnung. Großen Hunger hatten wir dank des Crêpe eh nicht mehr.

Sonntag, 23.11.25: Sevan- Areni

Wir bewegten uns wieder ein Stück weiter und waren jetzt im kleinen Dorf Areni, in der Nähe der Grenze zu Aserbaidschan, aber nicht von der Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes betroffen. Unterwegs bei Nerkin Getashen, am Südufer des Sevansees fand am Morgen ein riesiger Markt statt. Da uns das Obst ausgegangen war, hielten wir an und kamen mit zwei großen Tüten mit Kaki, Granatäpfeln, Walnüssen, Mandarinen, Tomate und Brot zum Auto zurück. Die Mandarinen und Kaki hatte uns ein Armenier mit riesigem deutschen LKW mit Berliner Kennzeichen geschenkt. Er hatte in mehreren Städten in Deutschland gelebt und wollte partout von uns kein Geld für das Obst haben. Die weitere Strecke war ein Traum! Kein Wunder, wir waren z.T. auf der alten Seidenstraße unterwegs und kamen auch an einer mittelalterlichen Karawanserei aus dem Jahr 1332 vorbei, der Orbellian Karawanserei am Vartenyats Gebirgspass. Ein armenisches Ehepaar verkaufte hier Trockenfrüchte, armenischen Wein und andere typische Souvenirs, wo wir uns mit Nüssen gefüllte Frucht- Lavash, also dünne Fruchtleder aus getrockneten Früchten, in die gehackte Nüsse gerollt waren, kauften. Mm, wie lecker!
Die Ausblicke, die wir von dieser Straße aus auf schneebedeckte Bergspitzen, zerfurchte Täler, Felsen in braun-ocker Tönen und im Dunst liegende Hügel zu sehen bekamen, gehören zu den beeindruckendsten, die mir je begegnet sind. Wir konnten gar nicht aufhören zu fotografieren. Einige Kilometer weiter hatte eine Familie eine Aussichtsplattform errichtet, von der man mit etwas Glück Bergziegen in den Felsen beobachten konnte. Das Glück hatten wir trotz der von der Familie geliehenen Ferngläser leider nicht, dafür bekamen wir 4 Äpfel aus ihrem Garten geschenkt. Sahen wir heute so verhungert aus, oder trafen wir einfach sehr nette Menschen in dieser Gegend? Gegen 16:00 kamen wir in Areni an und verfuhren uns erstmal bei der Suche nach der Unterkunft. Unser Vermieter kannte aber wohl das Google-Problem und holte uns mit seinem Wagen ab, hinter dem wir dann herfahren konnten. Wir bekamen eine nette kleine Wohnung mit Wohnküche, zwei Schlafzimmern und Bad, sowie Parkplatz in einer Doppelhaushälfte neben einer Apotheke. Zum Abendessen folgten wir dem Rat unseres Vermieters und kamen in den Genuss eines traditionellen armenischen Essens. Das Restaurant hatte weder Schild noch Speisekarte. Man wählte eine Fleischsorte (in unserem Fall wurde die ersetzt durch Kartoffeln), die einem dann auf dem Spieß am offenen Feuer gegrillt wurde. Dazu gab es Lavash, zwei verschiedene Käsesorten, Joghurt in der Art wie auch die Griechen ihn machen, fermentiertes Gemüse (Peperoni und etwas, was wir nicht kannten), gekochtes Sauerampfer Gemüse, Tomaten und Gurkenscheiben und eine Art Tomatendipp. Eigentlich bekommt man dazu Wein, denn wir waren hier in der Weinregion. Da wir keinen Alkohol trinken, bekamen wir einen Krug selbstgemachten Sirup, vermutlich aus Holunder. Wir zahlten zu zweit ca. 18€ dafür und waren danach pappsatt. Mit Fleisch und Wein hätte das Gericht normalerweise rund 27€ gekostet zu zweit. 
Hier schienen sich die Leute wohl häufig mit Wein die Kante zu geben. Ein Vorsicht Wildwechselschild war hier mit einem kriechenden Menschen und „Beware- drunken people crossing“ aufgestellt.
Uns ging es prima, das Einzige, was nervte, waren die Gerüche. In Armenien wird auf dem Land auch viel Laub etc. abgefackelt und aus den Schornsteinen steigt der Rauch in die kalte Luft und bleibt in den Tälern hängen. In den Wohnungen gibt es zwar nicht die nervige Angewohnheit alles zu beduften, dafür scheint man hier keine Geruchsverschlüsse bei den Ausgüssen zu kennen. Es gab kaum eine Wohnung, bei der es nicht irgendwann aus den Abflüssen stank. Ich dachte erst, es ist das Problem der trockenen Bodenabläufe, wie wir es manchmal außerhalb der Saison, wenn nicht regelmäßig Wasser nachgegossen wurde auch aus der JH kannten, aber das half hier nicht. Besonders wenn die Lüftung in den Bädern lief, zog sie anscheinend regelrecht den Gestank nach oben, dabei versuchten wir schon ständig alle Abflüsse abzudecken.

Montag, 24.11.25: Areni – Ausflug Norawank, Arpa Schutzgebiet, Jermuk Wasserfall 

Weil das Wetter wieder berauschend schön war, entschieden wir uns, ein weiter entferntes Ziel in der Natur, den Jermuk Wasserfall zu besuchen. Er lag ca. 1 Stunde Fahrt entfernt und führte uns wieder durch wunderschöne Berglandschaft mit ocker- rötlich-gefärbten Felsen, gelber Steppenlandschaft und blauem See. Als erstes besuchten wir das Kloster Norawank, das wie so oft in überwältigender Kulisse in den Bergen oberhalb eines Naturschutzgebietes liegt. Dann ging die Fahrt weiter nach Jermuk oder auch Dschermuk, je nach Übersetzer, wo wir zwar gleich eine Aussichtsplattform gegenüber den Wasserfällen fanden, nicht aber den Fußweg zum Fuße der Fälle. Es kostete uns einige Zeit, die richtige Abzweigung zu finden, denn keine unserer Navigationsapps führte uns zum richtigen Ziel. So lernten wir aber das bereits in Sowjetzeiten als Kurort ausgebaute Örtchen kennen, denn in der Region gibt es zahlreiche Thermalquellen. Seit Mitte der 90iger hat man versucht, dem Ort seinen Glanz zu erhalten, bzw. ihn weiter aufzupolieren, und zwar mit dem in Armenien sehr beliebten Schachspiel. Das Land ist gemessen an seiner Größe überproportional schachbegeistert und erfolgreich, so erreichten sie mehrfach Olympiaruhm und Schach ist Pflichtfach in der Schule. In Jermuk bereiten sich die Profis auf große internationale Turniere vor. So verbrachten wir den ganzen Tag in wunderbarer Natur und kehrten abends in einem Restaurant in Areni ein, zu dem uns Chatgpt als Vegetarier- freundlich geraten hatte, das „Full Tray Areni„. „Volles Tablett“ hörte sich ja schon mal verlockend an und so war’s auch. Wir bestellten eigentlich wieder viel zu viel. Wir teilten uns eine hervorragende Pilzcremesuppe, einen griechischen Salat, „ländlichen Blumenkohl“, d.h. ein Blumenkohlgratin, gebackenen Käse und Pommes und alles war sehr lecker. Damit ging wieder ein Tag dem Ende zu und unsere Heimreise rückte immer näher. Wenn wir vom Schmuddelwetter zuhause hörten, hatten wir da gar keine Lust drauf. Wir hatten seit nun fast drei Wochen nur einmal vielleicht 10Minuten Regen, sonst immer herrlichen Sonnenschein und tagsüber auch noch angenehme Temperaturen, bei denen man sich ohne dicke Jacke draußen aufhalten konnte. Nachts wurde es natürlich auch hier knackig kalt und wir waren froh, bei Dunkelheit in die Wärme der Heizungen flüchten zu können.

Dienstag, 25.11.25: Areni – Areni 1 Höhle – Ausflug Gnishik 

Nachdem uns meine Hundeangst morgens veranlasst hatte, einen Spaziergang zu einer Festung abzubrechen, weil wir an einem Hof von zwei Hunden vertrieben wurden, besuchten wir als erstes die Höhle Areni 1.
Sie ist ein bedeutender archäologischer Fundort aus der Kupfersteinzeit (ca. 4.000 v. Chr.). Man fand hier den ältesten bekannten Lederschuh der Welt (ca. 5.500 Jahre alt). Außerdem schließt man auf Grund von alten Gefäßen auf eine der ältesten Weinkeltereien, was auf frühe Weinproduktion hinweist. 
Weitere Funde zeigen frühe Bestattungsrituale, Töpferwaren, Werkzeuge und gut erhaltene organische Materialien. Die einzigartige Erhaltung ist auf das trockene, kühle Höhlenklima zurückzuführen.
Danach planten wir erst die Straße nach Khachik zu fahren, aber unsere Recherche bei ChatGPT gab uns zu denken, denn das Dorf hat eine 27km lange Grenze zu Aserbaidschan und manche Felder gehen sehr nah an diese Grenze heran, womit wir definitiv in einen Bereich gekommen wären, vor dem das Auswärtige Amt warnte, weil es zu Übergriffen kommen könnte. Wir erkundigten uns deshalb über den Ort Gnishik, der als relativ sicher eingeschätzt wurde, weil er weiter von der Grenze entfernt liegt. Da es uns eigentlich gar nicht um das Dorf, sondern um die Strecke dorthin ging, die landschaftlich reizvoll erschien, machten wir uns auf den Weg dorthin und fanden bis auf wenige Hundert Meter eine hervorragend ausgebaute Serpentinenstraße mit tollen Ausblicken vor. Der Ort, den wir nur vom Eingangsschild aus kurz überblickten, hatte vielleicht an die 10 zumeist guterhaltene Häuser in ländlicher Umgebung. Etwas vor dem Ort stand noch eine kleine Kirche oder Kapelle. Wir drehten um und machten uns auf den Heimweg, wobei wir bei einem weiteren, rustikalen Weinrestaurant zum Abendessen hielten. Man mag sich wundern, warum wir, die wir gar keinen Alkohol trinken, täglich in Weinlokale gingen, aber die Antwort ist ganz einfach: es gibt nur sie in dieser Gegend. Es sind alles kleine Weinbauern, die Familienrestaurants betreiben, in denen man armenische Küche und eben Wein bekommt bzw. häufig auch an Weinverkostungen teilnehmen kann. Da Käse, Gemüse, Salate, Brot und Pickles eigentlich immer zu bekommen waren, hatten wir auch kein Problem mit vegetarischen Alternativen zum Fleisch. 
Am kommenden Morgen war die Fahrt zu unserem letzten Ziel geplant, Garni, kurz vor Jerewan und dann wurde es auch schon höchste Zeit, unser Auto am Tag darauf, um 13Uhr am Flughafen zurückzugeben, denn in der Nacht drauf in aller Herrgottsfrühe stand um 6:40Uhr unser Rückflug nach Hamburg auf dem Kalender. Für die letzte halbe Nacht hatten wir ein Zimmer in einem Hotel nahe dem Flughafen mit kostenlosem Flughafenshuttle gebucht.

Mittwoch, 26.11.25: Areni – Garni

Unser Versuch, den Berg Ararat endlich doch noch zu sehen, fiel leider in den Dunst. Wir fuhren extra beim Kloster Chor Virap, von wo aus man eigentlich einen traumhaften Blick haben sollte, vorbei, aber alles lag im Dunst, wie zu Beginn der Reise in Jerewan. Wir hatten nicht mal eine Ahnung, wo der riesige Berg in ca. 30km Entfernung liegen könnte. Nun ja, das Kloster hatte dennoch Ausstrahlung. Wir fuhren weiter, durch den Ort Garni, wo wir übernachteten, hindurch bis zum Kloster Geghard, eines der bekanntesten Klöster Armeniens. 
Es ist ein mittelalterliches Kloster in Armenien, nahe dem Tal des Azat. Es wurde teils in den Felsen geschlagen und ist bekannt für seine außergewöhnliche Akustik und seine Felskammern. Der Name „Geghard“ bedeutet „Speer“ – angeblich wurde hier der Heilige Speer aufbewahrt. Seine Gründung war laut Überlieferung im 4. Jahrhundert, die heutigen Bauten sind überwiegend aus dem 12.–13. Jahrhundert. Es ist zusammen mit dem Azat-Tal seit 2000 UNESCO- Weltkulturerbe.
Im Anschluss konnten wir dann auch in unserem Hotel in Garni einchecken. Es war ein gemütliches, einer Pension ähnliches Haus, in dem wir ein Zweibettzimmer hatten. Am nächsten Morgen würden wir zur Krönung mal unser Frühstück gemacht bekommen. Für eine Nacht eine Ferienwohnung zu mieten hätte einen zu großen Aufwand gemacht, da wir bis 13 Uhr das Auto zum Flughafen bringen mussten und das waren immer noch rund 2 Std Fahrt für 58 km bei dem verrückten Verkehr in Jerewan. 
Nach dem Einchecken fuhren wir nochmals los zu den Sehenswürdigkeiten vor Ort. Wir besuchten die „Sinfonie der Steine„, eine Schlucht deren Felswände aussehen, als hätten man längs Stäbe aus Stein aneinandergereiht. Das Aussehen hat laut KI seinen Grund in der vulkanischen Entstehungsgeschichte. Nicht weit entfernt befindet sich der „Tempel von Garni“, ein antiker heidnischer Tempel, der im 1. Jh. n. Chr. unter König Trdat I. erbaut wurde. Er ist dem Sonnengott Mihr gewidmet und gilt als einziges vollständig erhaltenes griechisch-römisches Bauwerk im Kaukasus. Der Tempel besteht aus Basalt, und hat eine klassische Säulenarchitektur. Er steht malerisch am Rand einer Schlucht. Nach seiner Zerstörung durch ein Erdbeben 1679 wurde er im 20. Jahrhundert sorgfältig restauriert. 
Die Gegend hier fanden wir wirklich sehenswert, aber es war dermaßen verqualmt, weil anscheinend gerade wieder die Luftmassen den Rauch der Schornsteine, Autos, Grills – zur armenischen Kost gehört bei fast jedem Restaurant auf dem Feuer gegrilltes Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Käse – und der abgefackelten Gartenabfälle ins Tal drückte. Das versaute nicht nur die schöne Aussicht, sondern es stank auch überall elendig nach Rauch, was ich absolut hasste. Wirklich schade, dass wir die schönen Ausblicke hier nicht richtig genießen konnten, aber wir durften uns wirklich nicht beklagen nach all der Zeit mit Sonne und blauem Himmel.

Donnerstag, 27.11.25: Garni- Jerewan 

Letzte Tage einer Reise sind immer blöd, so auch dieser, dabei fing der Tag wirklich gut an mit einem fantastischen Frühstücksbuffet in einem wunderschönen, landestypischen Ambiente, nur für uns zwei. Omelett, gekochte Eier, 4 hausgemachte Marmeladen, Cereales, verschiedene Brote, ein rote Beete-Krautsalat, diverse Käse, hausgemachter Joghurt, Fruchtjoghurts, Obst, Kekse und natürlich Kaffee/Tee, Säfte und Mineralwasser. Es war ein Schmaus! Danach ging die Fahrt zurück nach Jerewan zum Flughafen, wo wir unser Auto abgeben mussten. Den Weg zum Hotel, ehr ein Motel, ca. 2,3 km entfernt, liefen wir zu Fuß. Glücklicherweise gab es Bürgersteige, aber entlang der großen Flughafenstraße zu laufen war dennoch kein Vergnügen. Unsere Unterkunft fanden wir nur mit Hilfe eines Einheimischen, denn es stand keinerlei Schild dran und war auch nur auf Yandex Maps und nicht bei Google verzeichnet. Das Zimmer war ok, ein sauberes Zweibettzimmer mit Bad und Küchenzeile ohne Herd, aber Wasserkocher, Kühlschrank und Spülbecken. Leider stank es im Bad wieder nach Ausguss. Da in der Nähe absolut nichts Sehenswertes war, verbrachten wir den Nachmittag im Zimmer und machten uns gegen 17:00 auf den Weg, um etwas zu essen zu finden. Meine Güte war das trostlos und Rauch, Abgase und Staub verschlug uns fast den Atem! Wir fanden nichts. Das im Internet ausgeguckte Restaurant war im Umbau, es gab einen Bratwurstwagen und Shwarma-Imbisse, die weder gut aussahen noch fleischlose Alternativen boten, sonst irgendwelche Locations für Hochzeiten oder Kindergeburtstage. Es war eine dermaßen graue und abschreckende Gegend, dass wir uns im winzigen Bäckerladen Gebäck und nebenan ein Stück Schmelzkäse kauften und im Zimmer Resteverwertung zum Abendessen machten. Nun hatten wir noch das Problem, dass das Klo nicht richtig ablief. Wir befürchteten schon schlimmes. Es gab hier niemanden vor Ort. Wir sollten am kommenden Morgen sehr früh (hoffentlich) zum Flughafen gefahren werden und dann erst unser Zimmer zahlen. Wir begaben uns früh ins Bett, denn gegen 3:30 war die Nacht vorbei.

Freitag, 28.11.25: Jerewan-Hamburg-Bad Harzburg

Am kommenden Morgen ging alles glatt, obwohl ich wirklich trottelig war. Wir wurden pünktlich abgeholt und als wir am Schalter standen, fand ich heraus, dass ich meine Brille vergessen hatte. Im gleichen Augenblick rief schon unser Fahrer an, der sie in unserem Zimmer gefunden hatte und kurz drauf brachte er sie uns zum Flughafen. Was für ein super Service! Er machte das umsonst! Wir checkten ein und nach dem Sicherheitscheck passierte mir die zweite Schusseligkeit: ich nahm zwar meine Jacke und meine Bauchtasche mit, ließ aber meinen Rucksack stehen! Zum Glück stand er wenige Minuten später noch an Ort und Stelle und es hatte auch niemand eine Gefahr in ihm gesehen. Nun ja, er war ja auch gerade geröntgt worden. Dann konnten wir auch schon bald einsteigen und nach Hamburg fliegen bei wunderbarem Sonnenaufgang in Armenien und einer Landung in typischem November-Schmuddelwetter in Hamburg. Ein paar Stunden später kamen wir wieder zuhause an.