Von Ho Chi Minh nach Can Tho und Chau Doc ins Mekongdelta

Ho Chi Minh  – die Perlen im Großstadtgewühl

Inzwischen haben wir den 10.Februar 2018. Nun sind wir bereits eine Woche in Vietnam und allmählich fühlen wir uns ein. Wie immer zu Beginn einer Reise in einem fremden Land und einer großen Stadt, war ich erst einmal gar nicht begeistert. Ho Chi Minh war mir einfach zu groß, laut, der Verkehr zu gefährlich, alles vermischte sich in eine einzige bunt-kitschige Einkaufswelt umrauscht von Motorrollern. Nach ein paar Tagen Eingewöhnung habe ich allmählich das Gefühl angekommen zu sein. Ho Chi Minh ist auch im Rückblick einfach zu groß und hektisch für mich. Die Straßen sind voll von Rollern und die Bürgersteige werden als Küchen genutzt. Vor mindestens jedem zweiten Haus sind Stände mit Essen, das man auf kleinen Plastikstühlen an Plastiktischen zu sich nimmt. Frauen sitzen auf dem Boden, rund um sich alles was zum Kochen nötig ist und schälen Gemüse, bereiten Fleisch vor etc. Manchmal ist gar nicht klar, ob das Gekochte zum Verkauf gedacht ist, oder ob die Familie einfach nur selbst sich dort verpflegt. Dazwischen parken überall kreuz und quer Roller. Fußgänger sind einfach nicht vorgesehen. Man weicht ständig aus auf die Straße, klettert über irgendwas auf dem Boden liegendes, weicht Verkaufsständen aus und muss überall aufpassen, nicht auf etwas zu treten, etwas umzustoßen oder vor ein Fahrzeug zu laufen. Am Tage ist es mit dem Verkehr nicht ganz so schlimm, dafür ist es bei um die 30 Grad eigentlich zu heiß, um viel zu unternehmen. Abends geht das Leben dann richtig los und Straßen und Bürgersteige füllen sich noch mehr.

Nun aber zu den schönen Seiten der Stadt und unseren Erlebnissen: Da sich derzeit ganz Vietnam auf das Tet – Fest vorbereitet, sind viele Straßen, Häuser, Parks geschmückt mit bunten Kunstblumen, Girlanden, Lampions. Geschäfte schmücken sich mit goldenen Dekos, Karaoke schallt aus Geschäften. Vor unterschiedlichen Dekorationen können sich Besucher in besonderer Kleidung und geschminkt fotografieren lassen. Überall glänzt es gold und bunt.

Der Ben-Thanh-Markt ist ein farbenfroher Markt unter einem Kuppeldach, der nahezu alles anbietet. Er ist allerdings so voll, dass man kaum durchlaufen kann. Auch hier sitzen die Verkäufer und Verkäuferinnen vor ihrem Stand auf kleinen Hockern oder auf dem Boden und essen ihr Süppchen.

Wir besuchten auch das alte Postamt Buru dien than pho, das im Kolonialstil von 1886-91 errichtet wurde. Es ist von innen recht stilvoll und davor kann man kunstvolle Scherenschnittpostkarten erwerben.

 

Erste Erfahrungen mit Vietnams Bussystem

Am 5,2,2018 fuhren wir weiter nach Can Tho im Mekongdelta. Wir hatten uns zuvor online über die Buchungsplattform Baolau.vn zwei Plätze bei der Busgesellschaft Futa nach Can Tho im Mekongdelta reserviert. Per Stadtbus erreichten wir die Busstation und hatten zuerst gar keine Ahnung, wo wir hier unseren Bus finden sollten. Zum Glück waren wir recht früh da. Es gibt hier zig Busunternehmen, Schalter und hunderte Busse fahren ein- und aus. Leider ist kaum jemand der englischen Sprache mächtig. Als wir endlich die Extrahalle von Futa Express gefunden hatten, bestätigte uns ein Schalter unser Onlineticket und wir bekamen ein Ticket mit Busnummer. Diese fanden wir dann auch auf dem Bildschirm und nach einer Weile war uns klar, dass die Busnummer dieselbe ist, wie das Nummernschild. Man wartet, bis auf dem Bildschirm die Ankunft des Busses angezeigt wir und sucht sich bei den dann vorfahrenden Bussen die richtige Nummer. Wir hatten einen Sleeper gebucht – absoluter Luxus für wenig Geld! Am Eingang zieht man seine Schuhe aus, bekommt dafür eine Plastiktüte und geht dann zu seinem Liegesitz. Diese sind in drei Reihen und zwei Ebenen angeordnet. Man kriecht in seinen Sitz und kann bequem liegen oder auch sitzen. Für sein Handgepäck hat man allerdings nur das bisschen Platz zu seinen Füßen, man sollte also nicht zuviel mitnehmen. Es lohnt sich eine warme Jacke gegen die Aircondition. Im Bus gibt es Free Wlan und eine kostenlose Flasche Wasser. Unterwegs nach Can Tho hielt der Bus einmal an einer Raststätte, die eine riesige Auswahl an Essensmöglichkeiten bot. Wir haben uns dort eine Art eingepackte Pfannkuchen mit getrockneten Bananen gekauft, die sehr lecker schmeckten und sich hervorragend für unterwegs eignen.

Der schwimmende Markt von Can Tho im Mekongdelta

Can Tho ist die viertgrößte Stadt Vietnams mit rund 1,2 Mio Einwohnern. Wir wohnten in Can Tho in einem Homestay, das wir über Air B&B gefunden hatten. Es ist uns sicherer und bequemer, als ohne Unterkunft anzureisen und erst vor Ort auf die Suche zu gehen. Man wird am Busbahnhof zwar von Taxifahrern bestürmt, aber nicht von Unterkunftsbesitzern, zumindest bisher nicht. Da wir absolut kein vietnamesisch sprechen und die Leute hier so gut wie kein englisch, ist es da schon ein besseres Gefühl, etwas vorher über die Unterkunft erfahren zu können und bei der Anreise direkt mit dem Taxi dorthin zu fahren, oder bei kurzer Strecke zu laufen. Auch diese Unterkunft war sauber, hatte ein eigenes Bad und es gab noch einen Gemeinschaftsraum, den wir aber nicht genutzt haben. Unsere Vermieterin überraschte uns mit einem Teller mit Früchten, die wir vorher noch nicht kannten. Da das Fenster nicht richtig schloss, kam dieses Mal unser Moskitonetz zum Einsatz. Malaria gibt es zwar so gut wie gar nicht im Mekongdelta, wohl aber Denguefieber und Japanische Enzephalitis, gegen die wir uns dummerweise nicht haben impfen lassen.

Das Mekongdelta verläuft in vielen Wasseradern durch die Stadt und es gibt sowohl einen lebhaften Markt auf dem Wasser, als auch auf dem Land. Der Verkehr ist auch in Can Tho ein Grauen. Am Anreisetag haben wir nur versucht uns ein wenig zu orientieren, sind aber gar nicht bis ins Zentrum vorgedrungen. Bei der Auswahl unseres Essens hatten wir Glück, dass ich zumindest Fisch esse, denn das eine vermeintlich vegetarische Essen war mit Fisch. Das vegetarische war mir unbekanntes grünes Gemüse in Knoblauch gedünstet, wobei der Knoblauch fast den Hauptbestandteil ausmachte. Es war super lecker, aber zum Glück mussten wir am kommenden Tag nicht mit dem Bus fahren.

Am zweiten Tag war frühes Aufstehen angesagt.  Wir sind zur Anlegestelle beim Floating Market gelaufen und haben von dort aus eine private Tour bei einer Vietnamesin gebucht. Es war ziemlich was los auf dem Wasser. Longtailboote, größere Passagierboote, Ruderboote. Es wurden Boote bepackt, Obst und Gemüse von einem auf das andere Boot geworfen, Erzeugnisse verkauft etc. Es war schon sehr interessant zu sehen, auch wenn ich es mir noch farbenfroher vorgestellt hatte. Es gibt hier derart viel unterschiedliches Gemüse und Obst, dass wir weder alles kennen, noch immer erfolgreich dabei sind, es im Internet zu suchen. Wir haben nach der Bootsfahrt noch einen schönen Spaziergang an einem Wasserarm des Mekong entlang gemacht, wo ausnahmsweise nur Fußgänger zugelassen waren. Es war ein recht feines Gebiet an einer Art Resort entlang. Danach genossen wir ein vegetarisches Menü für zwei in einem Restaurant direkt am Wasser. Es war hervorragend und die Preise sind für uns so niedrig, dass wir ohne schlechtem Gewissen mehrmals täglich Essen oder Kaffee trinken gehen können. Das macht das Reisen eindeutig schöner und erlebnisreicher.

Unterwegs im Naturschutzgebiet Tra Su Wald bei Chau Doc

Am Mittwoch, den 7.2.2018 reisten wir weiter nach Chau Doc an der kambodschanischen Grenze. Von hier aus unternahmen wir einen Ausflug zum Naturschutzgebiet Tra Su Wald, der eindeutig ein Highlight war! Wir fuhren mit der Taxe die paar Kilometer aus der Stadt raus zum Parkeingang. Für unter 6€ bekamen wir eine Motorbootfahrt, wurden durch die Mangrovenwälder gerudert und zum Schluss konnten wir von einem Aussichtsturm Vögel und die wundervolle Landschaft beobachten und zu Fuß wieder zum Eingang zurücklaufen. Die Motorbootfahrt fanden wir in dieser traumhaften Natur fehl am Platze, besonders, weil sie so schnell war, dass man die Seerosen gar nicht richtig sehen, geschweige denn fotografieren konnten und von Vögeln war bei dem Krach natürlich auch nichts zu sehen. Die folgende Ruderbootfahrt hingegen fand ich traumhaft. Leise schipperten wir durch die dichten Mangrovenwälder, vereinzelt huschten Vögel durch das Grün und sonst rundherum Stille. Auf dem Fußweg musste ich immer wieder an Bilder aus dem Vietnamkrieg denken, wo die Soldaten versteckt bis zum Hals im Wasser in diesem Mangrovengebiet gekämpft haben.

Da uns Chau Doc gut gefiel, weil es nicht so groß, laut und anstrengend ist, verbrachten wir insgesamt 3 Nächte dort. Dieses Mal in einem Hotel durch Booking.com, das auch ok war. Unser Zimmer hatte zwar kein Fenster, war aber sehr gut beleuchtet und hatte eine hervorragende Aircondition und wir brauchten uns wegen Mücken dort keine Sorgen zu machen.

Ausflug zum Nui Sam bei Chau Doc

Am letzten Tag unternahmen wir wiederum einen Ausflug in die Umgebung, dieses Mal zum Nui (Berg) Sam. Er ist 230 m hoch, hat oben mehrere Pagoden und Tempel und wird zum Tet Fest wohl von tausenden Pilgern nachts besucht. Von oben hatten wir einen tollen Blick auf die Stadt und die Umgebung mit ihren Reisterrassen. Als wir wieder zuhause waren, waren wir ziemlich geschafft. 30% Steigung bei 30 Grad Hitze hatte es in sich.

Abends besuchten wir dann noch einmal unser Restaurant Thanh Tinh vom Vorabend, genau neben dem Markt. Es hat fantastisches vegetarisches Essen für wenig Geld. Außerdem fanden wir leckere Plätzchen zum Mitnehmen für die Busfahrt am nächsten Tag.

Kein Platz für Fußgänger
Verkehr überall
Wer kennt all dieses Obst und Gemüse?
Floating Market Can Tho
Altes Postamt in Ho Chi Minh
Floating Market Can Tho
Obst und Gemüse in Hülle und Fülle
Unterwegs auf dem Floating Market in Can Tho
Überall wird für das Neujahrsfest geschmückt
Tran Su Mangrowenwald
Fahrt durch den Mangrovenwald Tran Su
Tempel am Nui Sam bei Chau Doc
Morgenstimmung
Straßenstände überall auf den Bürgersteigen

Dalat – die kühle Oase in den Bergen