Neuseeland I

Über China nach Neuseeland

Am 3. November 2018 ist es endlich soweit. Wir sind abflugbereit zur ersten Etappe von München nach Amsterdam! Unser Gepäck ist seit gestern Abend eingecheckt, gleich kommt unser erster Flieger München-Amsterdam. Ich hoffe, der ist pünktlich! In Amsterdam haben wir nur 55 Minuten im Transitbereich, um zu unserem China Southern Airline Flug nach Guangzhou zu finden und wir müssen noch durch die Passkontrolle, denn wir verlassen dort ja die Eurozone. Das wird knapp!
Puh, geschafft! Am 4.11.2018 gegen 6:45Uhr Ortszeit landen wir in Guangzhou. Da wir erst am späten Abend weiterfliegen, bietet uns China Southern Airline einen kostenlosen Hotelaufenthalt inklusive Transfer und Frühstück an.
Wir wissen bereits, wie der Hase läuft, denn wir hatten denselben Service bereits bei einer Reise nach Vietnam. Wir fragen also gleich beim ersten Infoschalter und man schickt uns zur Immigration für ein Tagesvisum. Fingerabdrücke beider Hände, Foto, einige Minuten Verwirrung des Beamten, der irgendetwas in meinem Pass nicht versteht, dann der ersehnte Stempel! Weiter geht es zum nächsten Schalter, wo man erklärt, dass man gerne den Hotelservice in Anspruch nehmen möchte. Wieder werden Boardingpässe und Pässe einkassiert und wir bekommen eine Nummer. Nach einiger Zeit werden wir aufgerufen, bekommen unsere Pässe zurück und müssen uns den Weg durch den Airport suchen zu der Stelle, wo man sich ein Hotel aus einer Liste aussuchen kann. Wir wählen und bekommen einen entsprechenden Aufkleber auf die Brust geklebt und warten wieder. Dieses Mal auf den Fahrer, der uns in das gewählte Hotel bringen soll. Nach ca. 20 Minuten werden wir abgeholt und die Fahrt in die siebtgrößte Stadt Chinas beginnt. Die Fahrt geht mit einem Elektrobus quer durch die Stadt. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir unser Ziel.
Es handelt sich um ein anderes Hotel, als bei unserem letzten Zwischenstopp in Guangzhou, aber witziger Weise sieht das Zimmer komplett gleich aus. Sowohl die Zimmeraufteilung, als auch das Mobiliar sind genau gleich, und selbst der etwas abgestandene Geruch von Rauch in diesem angeblich rauchfreien Hotel ist derselbe. Egal, wir frühstückten schnell, weil die Mitarbeiter schon eifrig das Büfett abräumen. Das Angebot ist vornehmlich warm: gekochtes Gemüse, heiße Suppe, Eier, Tomaten, Toastbrot, etwas Obst. Danach begeben wir uns in unser Zimmer und schlafen erst einmal eine Runde, bevor wir uns auf einen kleinen Spaziergang Richtung Innenstadt begeben.
Die Stadt ist gigantisch! Keine Ahnung, ob wir es je schaffen, während eines Zwischenstopps, mal bis zur Altstadt vorzudringen. Bis zu einer Shoppingmall mit gefühlt 500 Läden, die nur Schönheits-artikel verkaufen, vornehmlich künstliche Finger-nägel in allen Farben, schaffen wir es dieses Mal immerhin. Es gelingt uns auch, ein paar Yuan am Automaten zu ziehen und uns einen Kaffee in einem Straßenrestaurant zu genehmi-gen. Neben uns verzehren ein paar junge Mädchen in Rekordzeit chinesisches Gemüse, Fleisch und Hamburger mit Stäbchen. Wer sich jetzt fragt wie man einen Hamburger mit Stäbchen verspeist, hier eine kurze Erklärung: Mit den Stäbchen in den Hamburger stechen den gesamten Hamburger hochnehmen und abbeißen. Die Reste werden einfach auf den Tisch gespuckt. Sehr appetitlich!

Ankunft

Am 5.11.2018 um 0:50 Uhr fliegen wir weiter nach Christchurch, wo wir um 7:20 Uhr nach 11 1/2 Std Flug endlich landen. Nun sind wir Deutschland um 12 Stunden voraus. So schnell kann man altern!
Die Einreise läuft problemlos, und wir bekommen rasch unser Gepäck. Wir kommen gut durch die zahlreichen, aber freundlichen Kontrollen gegen Einfuhr von Bioschädlingen (ein nicht deklariertes Stück Obst kostet z.B. die Mindeststrafe von 400NZD/234€), aber wir haben nicht einmal ein Bonbon dabei und unser Zelt und unsere Schuhe sind ganz neu. Nur ein winziger, nicht einmal einen halben Zentimeter langer Grashalm, der sich in einem Klettverschluss verfangen hat, wird vom Zöllner fachmännisch mit einer Pinzette entfernt. Nun machen wir uns auf die Suche nach unserer Autovermietung. Wir haben uns bereits von Deutschland aus für zwei Tage ein Auto vorbestellt, um damit schnell zu unserem Servasgastgeber zu gelangen und auch für den Anfang beweglich zu sein, denn wir planen, uns einen Campervan zu kaufen.
Dummerweise ist diese Autovermietung nirgendwo in der Reihe von Anbietern im Flughafen zu finden. Nach einer Weile Sucherei und einigem Herumgefrage finden wir heraus, dass wir anrufen und uns abholen lassen müssen. Wir besorgen uns noch Telefonkarten, sodass wir nun auch „online“ sind, und kommen gegen ca. 19:00 Uhr, nach rund 24 Std Flugzeit und rund 19 Std Transferzeit, bei unseren Gastgebern Elizabeth und Derry in New Brighton/Christchurch an. Wir werden mit leckerer Suppe, Salat und Kuchen empfangen.
Wir versuchen auch bei dieser Reise wieder ein paar Gastgeber der Hospitility Organization Servas, zu besuchen, um Land und Leute besser kennenzulernen und neue Freundschaften zu knüpfen. Den Kontakt zu Elizabeth und Derry haben wir per email bereits von Deutschland aus hergestellt. Obwohl wir schon recht müde sind, unterhalten wir uns noch ein wenig. Wir erfahren, dass Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Kate Laurell Ardern mit Baby und unverheiratet mit Partner zusammenlebend, als Hauptziel ihrer Politik Freundlichkeit und Miteinander statt kommerziellem Erfolg nennt und sich damit wohltuend von vielen Weltherrschern unterscheidet. Klingt für mich nach aufgeschlossenen Wählern.
Gegen 22 Uhr fallen wir dann todmüde ins Bett.

Vom Mietwagen zum eigenen Campervan

Wir planen, uns einen eigenen kleinen Campervan mit dem Zertifikat „self contained“ zu kaufen, um die teuren Mietpreise zu umgehen und mit eigenem Untersatz nachts auch „freedom camping“ machen, also frei übernachten zu können.
Letzteres ist in Neuseeland an ausgewiesenen Stellen möglich, wenn das Auto über das erwähnte Zertifikat verfügt. Es bedeutet, dass das Auto über eine Chemietoilette, einen Herd, ein Waschbecken mit Frisch- und Abwasserkanister und Schlafmöglichkeit verfügen muss, sodass man ohne irgendwelche öffentlichen sanitären Anlagen oder sonstige Ausstattung mindestens drei Nächte unabhängig und ohne Umweltverschmutzung auskommen kann. Hat man diesen Aufkleber nicht und wird in freier Natur außerhalb offizieller Campingplätze erwischt, kostet das 200$NZ Strafe.
Unsere Versuche, im Vorfeld über Backpackerboards im Internet, bereits Termine mit potentiellen Verkäufern zu vereinbaren, verliefen erfolglos, da sie entweder nicht dann verkaufen wollten, wenn wir ankamen, oder sich gar nicht zurückmeldeten. Uns bleibt also erstmal nichts anderes übrig, als bei Händlern vorbeizuschauen. Beim dritten Händler, einem netten Brasilianer, werden wir fündig und kaufen uns direkt am Dienstag, den 6.11.2018 unseren Toyota Estima Lucida Baujahr 1997, mit Herd, Toilette, Frisch- und Abwasser und Zweitbatterie mit Solarpanel zum Laden unserer elektronischen Geräte. Damit dürfen wir nun an ausgewiesenen Stellen frei campen. Unsere mobile Unterkunft für die nächsten drei Monate kostet uns 5300NZD/ ca. 3200€. Ich hoffe, alles ist ok und wir haben nicht in die Kloschüssel gegriffen. WOF (warrant of fitness = TÜV ) ist neu, der Camper sollte also einigermaßen sicher sein. Er hat ein Automatikgetriebe, da braucht man wenigstens beim Schalten nicht auch noch auf die ungewohnte Seite achten. Der Kauf verläuft etwas stressig, aber dafür doch noch recht schnell. Es gibt einige Probleme, unsere Euros umzutauschen, da wir hier kein Bankkonto haben und keine Adresse. Wir hatten uns zuvor extra entschieden, Bargeld mitzunehmen, um keine Probleme beim Abheben der großen Summe per Kreditkarte zu haben, aber wie man es macht, es ist verkehrt. Letztlich schaffen wir es dann bei einer Wechselstube zu einem miesen Kurs unser Geld zu wechseln. Wir fahren mit dem Händler „Ronny“ zum Postoffice und lassen den Wagen auf uns registrieren und schon ist er unser! Durch unsere ADAC -Mitgliedschaft können wir Gastmitglied beim AA New Zealand werden und schließen dort auch unsere Versicherung für ein ganzes Jahr ab, bekommen aber bei Abmeldung den Rest erstattet. Wir wählen Vollkasko, denn es kracht wohl häufiger bei Ausländern durch das ungewohnte Linksfahren. Gleich bringen wir den Mietwagen zurück, packen unser Auto und dann geht es auf Fahrt!
Am 7.11.2018 verabschieden wir uns von unseren Servasgastgebern und kaufen uns noch das Nötigste, wie eine kuschelige Decke statt Bettlaken, einen Topf und Küchentücher und brechen nachmittags auf in Richtung Akaroa auf der Banks Peninsula. Plötzlich fängt unser Auto an zu stinken. Es ist ein alkoholischer Geruch, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Wir fahren gleich wieder zum Händler. Diagnose: Zuviel Kühlflüssigkeit, die, wenn der Motor warm wird, überläuft, auf das heiße Metall darunter schwappt und mit beißendem Geruch verdunstet. Der Mechaniker saugt etwas ab, indem er mit dem Mund kurz am Schlauch saugt, und alles ist wieder ok…bis wir fast 30 km gefahren sind, da geht es wieder los! Die Kühlflüssigkeit spritzt uns im Sprühnebel entgegen! Wir lassen den Motor abkühlen und fahren mit 50km/h langsam zurück. Ungeheures Glück verhilft uns dazu, dass der Mechaniker um 19:30 Uhr noch vor der Werkstatt steht. Er und zwei andere Mitarbeiter sehen sich trotz später Uhrzeit das Problem noch an, können aber abends, ohne Ersatzteile, nichts ändern. Sie geben uns einen anderen Wagen, damit wir nicht bei Ihnen festsitzen und wir dürfen die Nacht in unserem Camper auf ihrem Gelände übernachten.
Die Verzögerung ist zwar etwas ärgerlich, aber an sich gar nicht so schlecht, weil wir dadurch erst einmal unbeobachtet unsere ersten Campingversuche in dem kleinen Gefährt machen können. Man lebt in dem Camper viel offener als in unserem Wohnmobil zuhause. Gekocht wird in der Regel von außen durch die Hecktür, die dabei als Dach dient. Die Tür des Faches rechts neben dem Einstieg ergibt einen Tisch, die zwei Bretter dienen übereinandergelegt mit Polstern als Sitzbank, oder nebeneinander mit selbigen Polstern als Bett. Sich Umziehen geht am besten vor der Tür. Beim Umbau für die Nacht muss einer aussteigen, oder sich auf den Beifahrersitz setzen, damit Platz zum Ausziehen des Brettes für das Bett ist. Was man aus engstem Raum herausholen kann ist phänomenal, aber braucht etwas Übung.
Heute Morgen, 8.11.2018, ist der Mechaniker mit unserem Camper zu einer Werkstatt gefahren, weil er es vor Ort nicht reparieren kann und wir können den Ersatzwagen nutzen und erkunden Christchurch ein wenig. Jetzt hoffen wir, dass wir bald unseren Wagen wiederbekommen, sonst gibt es noch eine Nacht zwischen alten „Karren“. Wir sind aber froh, dass der Händler das überhaupt macht. Das Problem mit unserem Camper ist ihm total peinlich, weil er weiß, dass Backpacker natürlich über begrenzte Zeit verfügen und sofort losfahren wollen. Ich halte ihn für einen fairen Typen, der uns nicht über das Ohr gehauen hat. Wahrscheinlich hat er den Defekt nur nicht gemerkt, weil er sich erst bei warmem Motor zeigt.

Endlich geht die Fahrt los. Auf zur Banks Peninsula!

Am späten Nachmittag bekommen wir unseren Camper repariert zurück und unternehmen unseren zweiten Anlauf auf die Bank‘s Peninsula. Als wir von der Hauptstraße abbiegen und es bergauf geht, wird es immer nebeliger und kurz darauf fängt es an zu regnen. Bei Regen auf schlammigen Untergründen ist es mit dem Wohnen im Camper eine logistische Herausforderung. Mit jedem Aussteigen bringt man Matsch in sein Wohn-Schlafzimmer, und wenn man nachts auf Toilette muss, wird man nass. Wer nutzt schon das Klo, auf dem man danach schläft? Wir haben keinen Camper gesehen, bei dem das Klo benutzt worden war. Man muss sich also möglichst eine Toilette suchen. Das ist bei unserem Wohnmobil in der Heimat schon um einiges einfacher.
Man kann bei unserem Campervan erfreulicher Weise von innen kochen, denn unsere Seitenscheiben bei Fahrer- und Beifahrerseite haben von oben einen Schutz, sodass es dort nicht gleich reinregnet. Lüften ist bei einem Gaskocher unbedingt notwendig. In unserer zweiten Nacht wird es dann auch deutlich kühler, sodass wir unsere dicken Schlafsäcke schätzen lernen.
Heute Morgen, am 9.11.2018, sind wir wieder zur Highway 75 zurückgefahren und stehen nun in Little River, wo wir frühstücken und die öffentliche Toilette nutzen.
Da für heute nur Regen angesagt ist, fahren wir gleich weiter bis zum Ort Akaroa und hoffen morgen einen super Ausblick bei Sonnenschein zu bekommen und wandern zu können. Die letzten zwei Tage war es außergewöhnlich warm und sonnig für Neuseeland, also wollen wir nicht meckern. In Akaroa angekommen unternehmen wir doch noch eine Wanderung. Regenjacke, Regenhose und Gamaschen sollen uns vor Regen schützen, doch nach ca. 3,5 Km müssen wir umkehren. Der eigentlich schöne Weg führt immer wieder über Ackerland, das so durchweicht und vom Vieh zertrampelt ist, dass es in eine Schlammschlacht ausartet. Wieder zurück in Akaroa wollen wir uns in einem Café trocknen, aber alle Cafés haben bereits vor 10Min geschlossen und das um 16Uhr! Komische Zeit, um ein Café zu schließen
Glücklicherweise finden wir noch ein Restaurant mit leckerem Cappuccino und WiFi. Wir sind trotz Regensachen ziemlich durchweicht und wärmen uns daher eine ganze Weile dort auf. Die Temperaturen haben momentan nichts mehr mit Sommer zu tun, nachts gehen sie bis zu 8 Grad Celsius runter.
Diese Nacht verbringen wir auf dem „Freedom Campground“ in Akaroa, also kostenfrei und nur für „selfcontained Campers“. Zum Abend hin wird es trotz miesem Wetter ganz schön voll auf dem Platz. Gut zu wissen, dass man schon gegen 16/17 Uhr da sein sollte.
10.11.2018 Am Morgen, besuchen wir einen Wasserfall in der Nähe von Akaroa und es ist immer noch neblig und wolkig und tröpfelt von oben. Als es gegen 14Uhr aufklärt, fahren wir nördlich zur La Bons Bay. Dort soll es Pinguine geben, aber leider wir sehen keine. Dafür gibt es jedoch andere Vögel und ein Austernfischer, beantwortet Stefans Fotoversuche mit einem ernstzunehmenden Angriff. Hätte Stefan ihn nicht gerade mit seiner Kamera abgewehrt, hätte er ihm mit Sicherheit mit seinem langen, markant orangen Schnabel. ein Loch in den Kopf gepickt! Man sollte kleine Vögel durchaus ernst nehmen
Nach einer kleinen Tour Richtung Leuchtturm, die wir nicht bis zum Schluss fahren können, weil die Straße nur für 4WD zugelassen ist, bietet sich uns einen unglaublich schönen Blick auf die Bucht mit dem Städtchen Akaroa. Dieses Mal erstrahlt sie in der Abendsonne. Die kommende Nacht werden wir noch einmal auf dem freien Stellplatz verbringen. Vor einer Woche ging unser „Abenteuer Neuseeland“ von München aus los, für uns erscheint Deutschland bereits auch innerlich in weiter Ferne, was es ja auch tatsächlich ist.

Am 11.11.18 fahren wir mit unserem Camper zur Pigeon Bay und machen den „Pigeon Bay Walk“. Er ist mit 17,5km und 5 Stunden angegeben, wir brauchen 4,5 Std. Der Weg führt entlang der wunderschönen Steilküste einer langgezogenen Bucht mit zahlreichen kleinen über dem Meer.

Da Frühling ist, sind überall Lämmer und Kälber auf den Wiesen. Absolut traumhaft, aber nach der Wanderung sind meine Knie auch fertig für den Tag. Es hat dennoch viel Spaß gemacht. Wir verbringen die Nacht auf dem Parkplatz oberhalb des Fährhafens von Diamont Harbour, einem offiziellen Platz für Freedom Camping. Diamond Harbour ist ein wunderschönes Hafenörtchen auf der Banks Peninsula direkt vor Christchurch. Nach einem Kaffee im gemütlichen Café leisten wir uns noch Fish&Chips im Restaurant gegenüber. Die Chips-Portionen sind so riesig, dass wir auch am Montag noch etwas davon haben. Stefan joggt am Morgen des 12.11.2018 auf den Mount Herbert. Statt 4 Std. angegebener Wanderzeit braucht er 2:35 Std. Ich warte derweil mit dem Kaffee auf ihn. Nach dem Frühstück nutzen wir die Gelegenheit noch einmal für wichtige Erledigungen in Christchurch, da wir sowieso durchfahren müssen. Da wir unserem Auto nicht 100%ig trauen, schließen wir für 49$NZ die AA-Plusmitgliedschaft ab, womit wir bei einer ernsthaften Panne kostenfrei in jede Werkstatt transportiert werden und, wenn es nicht direkt erledigt werden kann, eine Unterkunft und/ oder ein Ersatzfahrzeug kostenfrei erhalten. Bei der kostenfreien ADAC Partnermitgliedschaft wären nur 10 km Abschleppen drin gewesen. Jetzt fühlen wir uns sicherer. Wir decken uns darüber hinaus mit Kartenmaterial und Infobroschüren über die Südinsel ein, die wir als Mitglieder kostenlos bekommen, echt ein Schnäppchen!
Nach dem Besuch der AA-Geschäftsstelle gehen wir Pizzaessen bei „Domino“, ein Tipp unseres Sohnes. Normalgroße Pizza gibt es für 5$NZ, daher ist die Kette auch beliebt bei Backpackern. Es sind sogar zwei vegetarische Sorten dabei!
Danach nutzen wir die Duschen in einem kommunalen Fitnesscenter. Für 2$NZ können wir ausgiebig duschen und auch noch im Eingangsbereich gemütlich mit WiFi unsere elektronischen Bedürfnisse befriedigen. Woher wir von diesen Möglichkeiten wissen? Ganz einfach: es gibt zwei hervorragende Apps, „CamperMate“ und „WikiCamps“, denen man all diese Geheimnisse entlocken kann. Um erlaubte Plätze für „Freedom Camping“ zu finden, sind sie schon unverzichtbar, aber auch auf der Suche nach Trinkwasser, Entsorgung von Abwasser, freies Wan, Geldautomat, öffentliche WCs und eben auch öffentliche Duschen und vieles mehr, was Backpacker auf Roadtrip wissen müssen, sind sie spitzenmäßig. Gäbe es eine derartige App. für Deutschland bzw. Europa, ich würde sie sofort downloaden!

Gen Süden Richtung Dunedin mit Abstecher ins Landesinnere
Nachmittags fahren wir weiter in den Süden zum Freedom Camping auf der Lakeside Domain am Lake Ellesmere. Sie liegt direkt am Wasser. Schwimmen ist dort nicht erlaubt wegen giftiger Algen, aber bei ca. 13Grad ist das eh keine Option.
13.11.2018 Nach einer ruhigen Nacht bei der Lakeside Domain führt uns nun der Weg weiter Richtung Ashburton, wo wir im Salvation Army Shop nach einer Plastikschüssel zum Wäschewaschen suchen, aber leider nicht fündig werden. Die Waschbecken in den öffentlichen Toiletten sind immer winzig und man macht sich nicht gerade beliebt damit, sie für etwas anderes als Händewaschen zu nutzen. Manchmal gibt es auf unseren freien Übernachtungsplätzen auch nichts dergleichen, sodass Stefan Probleme hat, seine Sportsachen morgens zu waschen. In unserer Spüle ist das auch nicht wirklich ideal, da man beim Wäschewaschen leicht über das Spülbecken planscht. Wir finden stattdessen ein Paar Plastiksandalen in Quietschrosa für mich, falls wir mal auf einer Wanderung einen Fluss durchqueren müssen (und ich sie dann auch noch dabeihabe). Außerdem erwerben wir eine Kaffeepresse, womit wir uns ab sofort richtigen Kaffee ohne Filter kochen können. Immer nur gefriergetrockneter Kaffee ist mit der Zeit unbefriedigend. Zum krönenden Abschluss finden wir noch ein hervorragendes indisches Restaurant, das zum Mittag ein Curry nach Wahl und ein Getränk für 10$NZ anbietet! Das können wir uns nicht entgehen lassen und es schmeckt wirklich.
Danach entscheiden wir uns, ins Landesinnere zum Haka-tere Conservation Park zu fahren, wo am Lake Clearwater das Übernachten auf dem „Hakatere Conser-vation Park 2“ kostenfrei ist. Uns erwartet eine traumhafte Landschaft! Zwei blaue Seen, hinter denen braun- grün-graue Felsen in verschiedenen Schattie-rungen aufragen und dahinter kann man an mehreren Stellen die schroffen Felsen der neuseeländischen Alpen mit ihren weißen Schneespitzen erkennen! In der Nacht haben wir einen Sternenhimmel, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe. Überall blinkten Sterne am nachtschwarzen Himmel, nirgends ist Lichtverschmutzung. Am kommenden Morgen sieht die Kulisse im frühen Morgenlicht noch beeindruckender aus und Stefan läuft wieder auf einen Berg. Ich nutze die Zeit, um noch einmal weit ausgestreckt schlafen zu können, denn in der Nacht hatte ich Probleme, einschlafen zu können. Gegen 11 Uhr fahren wir ein paar Kilometer weiter zum Lake Emma, um den wir herumwandern wollen. Der offizielle Wanderweg führt nur zu 3/4 um den See, aber Stefan meint, bei maps.me wäre ein Weg für das letzte Stück eingezeichnet. Na toll! Den blöden Weg gibt es nicht, stattdessen einen breiten Streifen Sumpf und einen breiten Zufluss zum See! Beides ist unüberwindbar und wir müssen den ganzen Weg bei aggressiver Sonne und ohne etwas zu trinken wieder zurück. Wir sind von 1-2 Stunden ausgegangen, aber nun sind es letztlich gut 14 km in fast 4 Std. Ich bin echt sauer und habe mir vorgenommen, nur noch den Wegangaben des Departements of Conservation DOC zu folgen und mich beim Wandern nicht auf maps.me zu verlassen. Die Landschaft hat uns aber für vieles entschädigt. Wieder zurück beim Campervan, steht uns eine längere Autofahrt bevor, denn wir wollen zum Lake Tekapo, der in den Broschüren des AA als Highlight der Region Canterbury bezeichnet wird. Unterwegs machen wir Zwischenstopp in Geraldine zum Essen, Tanken und Wasser auffüllen.
Gegen Abend des 14.11.2018 erreichen wir unseren Übernachtungsplatz, den Pattersons Ponds Camping Ground mitten in der Pampa, ein paar Kilometer vom Lake Tekapo, entfernt, da direkt am See kein Freedom Camping erlaubt ist.

Sternenhimmel am Lake Tekapo


Den kommenden Tag verbringen wir im Gebiet des Lake Tekapo. Wie schön ist das denn? Traumhafte Blicke auf verschneite Berge hinter dem See und eine kleine Kirche „Church of good Shepherd“ mit einem Panoramafenster auf die atemberaubende Natur! Wenn man sich da Gott nicht näher fühlt! Danach wandern wir in einem Pinienwald, was uns nicht so begeistern kann. Am Aussichtspunkt laufen wir glatt vorbei, so unscheinbar ist er. Am Nachmittag fahren wir entlang der Ostküste des Sees Richtung Norden und später wieder zurück, um von dort aus weiter zum Lake Pukaki zu gelangen. Hier erwartet uns ein wunderschöner See mit einem erstklassigen Blick auf den Mount Cook, den mit 3724m höchsten Berg Neuseelands. Wir planen zu einem späteren Zeitpunkt unserer Reise von der Westküste aus noch in den Nationalpark fahren. Am Lake Pukaki darf man kostenfrei direkt am See campen, also suchen wir uns ein nettes Plätzchen mit Blick auf den Berg und nachts auf den Sternenhimmel durch unser Glasdachfenster. Gegen Abend wird es dort dann recht voll von Campervans aller Größen und sogar ein paar Zeltern. Ich habe keine Ahnung, ob die das Risiko eingehen, 200$NZ für unerlaubtes Übernachten zu zahlen, oder ob sie es in Begleitung eines „selfcontained“ Fahrzeuges dürfen. Abends wird es recht frisch, sodass ich froh bin, eine feste Hülle um uns zu haben.

Am Morgen des 16.11.2018 fahren wir die paar Kilometer bis zum Ort Twizel und erledigen alle Notwendigkeiten wie Entsorgung von Brauchwasser und Müll, wir füllen Frischwasser auf, duschen im Sportzentrum und kaufen ein und natürlich bummeln wir auch etwas im Ort herum. Twitzel ist nicht groß. Alle notwendigen Geschäfte, Restaurants, Cafés und sonstigen Einrichtungen umgeben den Ortsplatz, sodass man mit einer Runde eigentlich alles gesehen hat. Es gibt einen Hardware Shop, in dem es so ziemlich alles gibt, was ein Mensch außer Lebensmitteln braucht. Von Spielzeug bis zur Schraube und von Gartengeräten bis zu
Schwimmflügeln. Wir kaufen noch ein paar Schraubhaken, um in unserem Camper mehr Ordnung schaffen zu können.
Das Wetter schlägt um und ab heute Nachmittag ist Regen angesagt, der laut Tourist Info auch ergiebig und für mehrere Tage ausfallen wird. Gut, dass wir ab Sonntag bei Servasgastgebern in Dunedin sind.
Wir fahren weiter und kehren wieder zurück zur Küste bei Timaru/ Carolin Bay. Die Übernachtungsmöglichkeit ist auf einem Parkplatz beim Containerhafen direkt an einer Strandpromenade. Ein kleiner Holzpfad führt durch die Dünen an den breiten Sandstrand. Bei Einbruch der Dämmerung sollen dort immer kleine, blaue Pinguine zu ihren Schlafplätze watscheln, also machen wir uns auf zur Beobachtung. Leider bleiben wir erfolglos. Am kommenden Morgen bittet uns ein junges Pärchen aus San Franzisko um Starthilfe. Wir kommen noch etwas ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie Pinguine gesehen haben. Wir müssen blind gewesen sein.

Weiter geht es bis Waimate, einem kleinen Ort, der sehr viel Wert auf seine Geschichte und das ländliche Leben legt. Eine historische Bahnstation, Gemälde an den Häusern mit historischen Alltagsszenen und Erinnerungstafeln zu Berühmtheiten aus der Bevölkerung säumen unseren Weg. Wir besuchen einen kleinen Markt und kaufen typischen, selbst hergestellten Käse aus der Region und trinken bei einem Basar der Heilsarmee, mit nur 5 Ständen, einen Kakao. Es sieht so aus, als wären und blieben wir die einzigen Besucher hier. Das Wetter ist sehr unbeständig und immer wieder fängt es an zu regnen. Wie heißt es so schön: „New Zealand has 4 seasons a day“. Als es etwas beständiger scheint, fahren wir zum Denkmal „White Horse“. Den schwer arbeitenden Pferden, die Neuseeland vorwärtsge-bracht haben, wird hier mit einer großen Zeichnung eines weißen Pferdes auf einem Hügel gedacht.

Eintauchen in die viktorianische Zeit in Oamaru


Wir wandern ein bisschen und machen uns dann auf den Weg nach Oamaru. Hier wollen wir morgen ein viktorianisches Fest miterleben und man kann heute schon historisch verkleidete Leute sehen. Im Gegensatz zu den eher funktionalen aber relativ stillosen Orten zuvor, ist Oamaru wirklich nett.
Einige Häuser an der Hauptstraße sind noch viktorianisch und es gibt eine ganze Straße, das „Oamaru Victorian Heritage Precinct“ mit historischen Werkstätten, Geschäften und Cafés. Außerdem werden Dampflokfahrten angeboten und auch hier soll man Pinguine sehen können.
Heute Abend werden wir also wieder auf Pinguin Safari gehen. An einer Stelle am Strand sollen sie anlanden. Als wir angekommen, ist dort ein Zaun und eine Kassiererin, die von uns 70 $NZ haben will. Damit hätten wir die Möglichkeit, auf der Zuschauertribüne Platz zu nehmen. Von solchen Zoosituationen halte ich gar nichts. Von außen sieht man, dass die Pinguine sogar angestrahlt werden, wenn sie den Weg an Land finden. Ob das für die scheuen Tiere angenehm ist, lass ich mal dahingestellt.
Enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg und finden doch tatsächlich noch einen kleinen Pinguin, der anscheinend dem Touristenrummel genauso entkommen will wie wir. Er versteckt sich unter einem umgedrehten Boot und watschelt nur kurz einmal zu einer anderen Stelle.

Wir verbringen die Nacht auf dem Eden Street Car Park inmitten der Stadt, der für freedom Camper erlaubt ist,. Nebenan ist direkt eine öffentliche Toilette, da dort auch die Überlandbusse halten. Trotz der zentralen Lage und Wochenende können wir hier ungestört übernachten und sind am Sonntagmorgen, dem
18.11.2018 pünktlich zu Beginn des viktorianischen Festes wieder im Hafenviertel. Die Atmosphäre hier in dem „Oamaru Victorian Heritage Precinct“, ist schon durch die Bauten und den Dampfzug toll, aber jetzt, mit den verkleideten Menschen und den geöffneten Geschäften und Ständen, wo man von Korsett bis Riechsalz alle möglichen und verrückten Dinge bekommt, macht der Besuch erst richtig Spaß! Ich könnte mir stundenlang die Damen in ihren verrückten Hüten und Kleidern ansehen.
Am frühen Nachmittag verlassen wir Oamaru. Bevor wir zu unseren Servasgastgebern auf die Otago Peninsula fahren, machen wir noch einen Stopp bei den Moeraki Boulders, gewaltigen runden Steinen mit ca. 1m Durchmesser am Strand von Moeraki. Leider erwischt uns dort ein heftiger Hagelsturm und wir werden binnen Sekunden nass bis auf die Haut. In Neuseeland wurde für heute ab einer Höhe von 400m auch Schnee angesagt und es ist Sommer! Gut, dass wir an der Küste sind!

Zu Gast bei Neuseeländern auf der Otago Peninsula


Gegen 17Uhr kommen wir bei unseren Gastgebern Mary und Neville in Broad Bay/Dunedin auf der Otago Peninsula an. Beide sind in jüngeren Jahren sehr viel, besonders auch beruflich, gereist und haben in unterschiedlichsten Ländern der Welt gelebt. Mary ist Krankenschwester und Hebamme und hat z.B. einmal bei einem Scheich in Dubai gearbeitet und bei einem Projekt in PNG Kinder geimpft. Neville ist in den 70igern mit VW-Bus durch Südamerika gereist und hat als Journalist in Südafrika gearbeitet. Heute ist er Anfang 70, schreibt naturwissenschaftliche Bücher über z.B. die arktische Tierwelt und die Natur im Süden der Südinsel und hält Vorträge für Touristen auf Kreuzfahrtschiffen. Mary, Ende 60, arbeitet noch gelegentlich für ein Hospiz. Beide sind wahnsinnig nett und vielseitig interessiert. Sie nehmen uns am Abend nach einem leckeren indischen Essen mit zu einer Fahrt zum Royal Albatros Center , um uns Albatrosse zu zeigen, die zu ihren Nestern in den Dünen fliegen. Die Nacht erfreuen wir uns an einem weichen, großen Bett mit grandiosem Ausblick auf die Bucht.
Am Montag, den 19.11.2018, fahre ich mit Stefan noch einmal zu diesem Vogelschutzgebiet und wir machen eine geführte Tour mit. Der Preis ist heftig teuer, (52$NZ pro Person), aber man bekommt ja sonst nirgends Königsalbatrosse, die drittgrößte Art der Welt, beim Brüten zu sehen. Es sind absolut beeindruckende Vögel. Die Flügel haben eine Spannweite von bis zu 3m und sie können nur mit Aufwind fliegen. Dafür verbringen sie aber 50% ihres Lebens fliegend. Mit bis zu 120km/h fliegen sie den südlichen Zirkel über Südafrika, Patagonien, um 1x im Jahr in Neuseeland zu landen, sich zu paaren und ihre Jungen auszubrüten und fit zu machen für die unglaublich langen Flüge. Beide Eltern wechseln sich beim Brüten und Füttern ab. Die Jungen werden in ihren ersten 5 Lebensjahren kein Festland mehr berühren, bis sie selbst im vermehrungsfähigen Alter sind. Sie ernähren sich zumeist von Meeresfrüchten und Fischen und werden um die 60 Jahre alt. Außer Albatrossen gibt es hier noch eine endemische Möwenart, die kleiner ist, als wir sie kennen. Ein Möwenpaar lässt sich ungestört von uns beim Liebesspiel beobachten und fotografieren und nimmt sich viel Zeit für sein Vergnügen.
Nach der Tour machen wir eine Mittagspause im Camper, da es wieder anfängt zu gießen. Als es trockener wird, machen wir uns auf die Suche nach Seelöwen, Robben und Gelbaugenpinguinen. Wir versuchen verzweifelt zur Sandfly Bay zu gelangen, aber das kostet uns einige Zeit und Nerven, da Straßen gesperrt oder zu steil sind. Letztendlich werden wir aber doch fündig und wandern den Sandfly Bay Track durch die Dünen zum Strand. Als erstes sieht Stefan einen Gelbaugenpinguin aus dem Wasser watscheln und ich filme ihn, während er über den Strand wackelt und dann die Dünen hochklettert, sodass ich vor Neid erblasse ob dieser sportlichen Leistung trotz der kurzen Beine. Dann stellt er fest, dass er nur ein paar Meter von einem schlafenden Seelöwenmännchen entfernt steht, das er für einen Felsen gehalten hat! Er war gerade im Begriff, darauf zu springen, um einen besseren Blick zu erlangen! Später sehen wir in der Ferne noch weitere Seelöwen am Strand liegen, die wir zuerst für Robben gehalten haben. Trotz Regen und wirklich anstrengendem Rückweg steil bergauf durch Sand, hat sich dieser Strandbesuch wirklich gelohnt. Im Übrigen: der Name Sandfly Beach kommt nicht wie in Neuseeland zu vermuten, von den lästigen kleinen Stechviechern, sondern von fliegendem Sand, der bei häufig starkem Wind über die Dünen wirbelt.
Zum Abendessen haben uns unsere Gastgeber nochmals eingeladen und es gibt ein leckeres Bohnengericht, das Neville auf den Tisch zaubert. Danach lassen sie sich zeigen, wie man mit drei Bällen jongliert und machen eigene Versuche und wir unterhalten uns noch lange über Weltpolitik. Außerdem bekommen wir noch viele Tipps für die Weiterreise und die Empfehlung, die „Catlins“, eine Region in Southland New Zealand, auf jeden Fall ausgiebig anzusehen. Neville schenkt uns einen von ihm geschriebenen Bildband über das Gebiet und gibt uns eine Broschüre mit Karte, die vom DOC herausgegeben wurde mit, anhand derer man genau weiß, wo es interessant ist an der Strecke zu halten. An beiden Abenden ist auch die Tochter mit Baby dort, da ihr Mann Profi Kricketspieler ist und bis zur kommenden Woche unterwegs ist.

Auf Tour in den Catlins

Am Dienstag, den 20.11.2018 heißt es Abschied nehmen und wir machen uns wieder auf den Weg. In den letzten Tagen haben wir festgestellt, dass unser Camper bei Steigungen immer schwächer auf der Brust wird und die Ölkontrollleuchte leuchtet immer bei stärkerem Gasgeben auf. Wir haben keine Ahnung, wann der letzte Ölwechsel gemacht wurde. Da das Wetter miserabel und Dunedin vorerst die letzte größere Stadt ist, macht Neville für uns noch einen Termin zum Öl- und Filterwechsel in einer Werkstatt, in der er den Mechaniker kennt. Wir bringen unseren Camper dorthin und machen uns in strömendem Regen auf den Weg ins Toit? Otago Settlers Museum. Das Museum ist sehr interessant. Es ähnelt in der Machart ein wenig dem Auswanderermuseum in Bremerhaven. Zu unserer Freude ist der Eintritt ins Museum sogar umsonst! Für unseren Öl- und Filterwechsel zahlen wir aber leider ganze 150$NZ. Jetzt stehen wir über Nacht ein paar km südwestlich von Dunedin an der Küste auf dem kostenlosen Parkplatz Ocean View Recreation Reserve.
Am Morgen, des 21.11.2018, machen wir uns bei trockenem Wetter auf den Weg, um den Taieri River Track 4Std entlang des gleichnamigen Flusses zu wandern. Nach 5 Min darf ich zum ersten Mal die Schuhe ausziehen, um durch eine Überschwemmung zu waten, nach 10 Min beginnt es zu regnen und hört nicht mehr auf. Nach 2 Std, der angegebenen Zeit bis zum Ziel, das wir aber noch nicht erreicht haben, kehren wir um. Wir müssten einen Hügel noch ganz bis zum Fluss runter, aber die Schlammschlacht, die uns auf dem Rückweg bevorsteht, reicht uns schon völlig aus. Es gibt einige sehr steile Stellen und der ganze Grund ist total durchweicht, das will ich mir nicht antun. Die Landschaft ist allerdings wunderschön. Wir laufen die ganze Zeit durch Regenwald oberhalb des Flusses und haben an einer Stelle einen traumhaften Blick über die Berge ringsum bis zum Meer. Eine Vielzahl unterschiedlicher Vögel zwitschern in den Bäumen. Irgendwann rutsche ich weg und lege ich mich voll in den Matsch! Ih, ist das eklig und bei dem Gedanken, die Sauerei in unseren Camper zu schleppen, vergeht mir die Laune. Den Nachmittag verbringen wir daraufhin im Schwimmbad mit heißem Becken. Nun bin ich sauber, aber meine Gamaschen und Regenhose sehen schlimm aus. Auf dem schwarzen Brett im Schwimmbad entdecke ich einen Werbezettel. Es gibt gerade eine Pizza im Angebot in einer Pizzeria hier in Balclutha, das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Nach so vielen Wohltaten hintereinander ist meine Laune wieder glänzend. Frisch gestärkt fahren wir zum Roadside Overnight Stop an der SH1 zum Übernachten. Ich hoffe, das Wetter ändert sich schnell. Es gibt hier so schöne Natur zu entdecken, aber immer nass in unser Autoschlafzimmer/-Küche/-wohnzimmer zu kommen, ist scheußlich. Zum Glück funktionieren Heizung und Klimaanlage super, aber natürlich nur beim Fahren.
Ab Sonntag werden wir zwei Nächte auf einer Milchfarm in der Nähe von Invercargill bei Servasgastgebern verbringen. Mal eine ganz neue Erfahrung! Unser letzter Servashost hat uns wirklich beeindruckt. Er hat ganz tolle Naturbücher geschrieben und 40Stück in 40Jahren erfolgreich veröffentlicht! In den DOC Centern kann man sie fast immer im Shop kaufen.
Servaskontakte sind für uns immer Highlights auf unseren Reisen. Sie bringen uns Land und Leute näher und manche vertiefen sich in bleibende Freundschaften. Diese weltumspannende Friedensorganisation Servas International, die 1949 von Bob Luitweiler gegründet wurde, trägt einen entscheidenden Beitrag dazu bei, dass Menschen unterschiedlichster Länder, Rassen, Geschlechter und Kulturen sich aufgeschlossen begegnen und die Welt zu einem friedlicheren Ort machen.
Donnerstag, der 22. 11.2018. Heute Morgen ist es noch recht bewölkt, aber trocken. Es ist unser erster Tag in den Catlins, einem Gebiet 80x64km im Südosten der Südküste, das einstmals 1840 der australische Capitain Cattlin für eine lächerliche Summe den Maoris abgekauft hatte, da er Walfangstationen in diesem Gebiet belieferte. Der Verkauf fand einen Monat vor Abschluss des Vertrages von Waitangi statt. Später wurde das verkaufte Gebiet vom Landgericht auf 100Hektar begrenzt. Die Catlins gehören heute zu den schönsten Naturschätzen, die Neuseeland zu bieten hat. Jeder, der Natur liebt, sollte diesem Küstenstreifen einen Besuch abstatten und sich dafür auch ein paar Tage Zeit lassen. Unser erster Stopp und Spaziergang führt uns bei Kaka Point durch einen Regenwald, der schöner nicht sein kann. Von überall hört man verschiedene Vogelstimmen, nur die Urheber sind im verwunschenen Blätterwald mit unseren ungeschulten Augen nicht auszumachen!

Der nächste Halt bringt uns zum Nugget Point. Der Weg führt entlang der Steilküste zu einem Leuchtturm. Unter uns liegt das azurblaue Meer mit kleinen kegelförmigen Felsen, die vor der Küste aus dem Wasser ragen wie Miniinseln und Robben einen Platz an der Sonne bieten. Zu unserer Freunde hat nämlich der Himmel wieder ein freundlicheres Gesicht und ist strahlend blau! Der Ausblick ist schöner, als man es von einer Postkarte erwartet! Zum Abend hin machen wir uns an der Canibal Beach nochmals auf die Suche nach Seelöwen und werden auch zweimal fündig.

Die Nacht verbringen wir für 20$NZ auf einem Campingplatz beim Motel Catlins Inn, da Freedom Camping in den Catlins leider verboten ist.
Die Freitagnacht verbringen wir zum ersten Mal auf einem DOC Campground, der Papatowai Campsite. Das Department of Conservation (DOC) ist in Neuseeland für den Naturschutz zuständig. Es kümmert sich zum Beispiel um Nationalparks, Wanderwege und betreibt Hütten und Campingplätze in landschaftlich interessanten Gebieten. Beim DOC muss man sich für Mehrtageswanderungen in Nationalparks, besonders für die Great Walks, anmelden und Übernachtungen in Hütten oder auf Campingplätzen vorbuchen und zahlen.
Sie betreiben die Nationalparkhäuser, bieten Wanderungen und Informationsveranstaltungen an, sind zum Schutz der Tiere und Pflanzen und Vernichtung von Schädlingen zuständig. und achten auf die Einhaltung der Regeln des Freedom Campings. Auf den Campingplätzen, die in der Regel zwischen 8-13$NZ (außer bei speziellen Great Walks) kosten pro Person, füllt man eine Anmeldung auf einem Umschlag aus, steckt das Geld rein und den Umschlag dann in die „Honesty Box“. Ein Beleg wird ans Auto/Zelt geheftet. Meist in den Abendstunden oder frühen Morgenstunden kommen die Mitarbeiter des DOC zum Kontrollieren und Leeren der Kasse und zum Reinigen der Toiletten etc.
Häufig bieten die Campgrounds nicht mehr als ein Plumpsklo und evtl. noch Wasser, welches aber meist noch abgekocht werden muss. Es gibt aber auch wunderschöne Plätze mit Küchenshelter, in der man mit eigenem Kartuschenkocher sein Essen zubereiten und an Tischen essen kann, Geschirr- und Wäschewaschbecken, Picknicktische und das alles in traumhafter Lage z.B. vom Mount Cook. Von der Ausstattung her ist die Papatowai Campsite sehr gut, d.h. wie zuletzt beschrieben mit Shelter und guten Wassertoiletten und kostet nur 8$NZ pro Person. Stefan entschließt sich, unser neues und noch nie benutztes Zelt in dieser Nacht auszutesten. Wir stehen angenehm auf einer Rasenfläche mit dem Campervan und er baut das Zelt davor auf. Ich genieße die Nacht mit mehr Platz im Bett und breite mich mal richtig aus. Irgendwie fehlt da aber doch was (wer) neben mir…
Am Samstag, dem 24.11.2018, setzen wir unsere Tour durch das Gebiet „Catlins“ weiter fort. Es ist schwer zu sagen, was beeindruckender ist: der Regenwald mit den unterschiedlichsten Vogelstimmen und Grün in allen Nuancen von Bäumen und Farnen, oder die Buchten mit azurblauem bis türkisem Wasser, Dünen, Steilküsten und Salzmarsch, die man bei Ebbe betreten und nach Seelöwen Ausschau halten kann. Wir waren bisher jeden Tag fündig und gestern am südlichsten Punkt der Südinsel haben wir auch wieder Robben gesehen. Das Wetter spielt seit 2 Tagen mit, was die durch den vielen Regen extrem grün wirkende Landschaft nun im Sonnenlicht noch reizvoller macht. Ein Land zum Verlieben und wandern, wandern, wandern…

Am 23.11.2018 erreichen wir Invercargill, die größte Stadt im Süden, aber im Vergleich dennoch sehr überschaubar. Laut eines neuseeländischen Verkäufers eines Waffen- und Outdoorladens, mit dem wir uns gerade unterhalten haben, leben auf der Südinsel nur 1,5Mio Einwohner insgesamt, also rund 1/3 der Gesamtbevölkerung Neuseelands. Wir haben uns auch über Waffen mit ihm unterhalten, denn wir sind ja hier in einem Geschäft, wo man von Jagd- und Anglerbekleidung über Zelte bis zu unterschiedlichen Waffen alles kaufen kann und das kann im Übrigen jeder hier, der einen Waffenschein besitzt und dafür braucht man nur eine Lizenz von der Gemeinde, kein Training o.ä. Registriert werden nur Pistolen und kriegstaugliche Waffen wie Schnellfeuerwaffen. Hätten wir einen deutschen Waffenschein, bekämen wir hier sogar ein vorübergehendes Touristenpermit. Ich habe mal nach Unfällen und Missbrauch gefragt, aber da haben sie keine Probleme laut ihm. Sie wären „nicht so crazy wie die Amerikaner“

Zu Gast auf einer Milchfarm im Westen Southlands

Montag, 26.11.2018, wieder eine Nacht gut im Bett geschlafen und nette Leute kennengelernt! Wir sind seit Sonntagabend auf einer Milchfarm nördlich von Invercargill bei einem Servasgastgeber. Am Eingang des schönen Hauses erwartet uns als Willkommensgruß bereits eine deutsche Flagge! Unsere Gastgeber Jan und Graeme haben für alle Nationen ihrer Gäste eine Flagge gekauft und bereits eine beträchtliche Anzahl! Gestern Abend ist Graeme mit uns über die riesige Farm gefahren. Sie haben 900 Kühe, die alle das ganze Jahr hindurch auf der Weide stehen und jeden Tag auf ein anderes Weidestück zum Grasen gelassen werden. Zweimal am Tag ist melken angesagt, einmal morgens ab 4 und das zweite mittags ab 14Uhr. Unsere Gastgeber, beide Ende 60, haben einen Partner und ein paar Angestellte, die die Arbeit auf dem Hof erledigen und dafür ein Haus zum Leben und der Partner 50% des Ertrages bekommt, anscheinend eine übliche Aufteilung in Neuseeland. Die Kühe haben es wirklich gut hier: keine Ställe, keine Enge mit häufigen Krankheiten, d.h. kaum Bedarf an Antibiotika. Wenn etwas nötig ist, wie z.B. bei Entzündungen der Euter, versuchen sie es möglichst homöopathisch zu heilen. Die artgerechte Haltung wird strengstens staatlich überprüft. Kein künstliches Kraftfutter, nur Gras und selbst angebautes Grünfutter für den Winter. (Welche Probleme die Weidewirtschaft inzwischen in Neuseeland verursacht, weiß ich zu der Zeit unseres Besuches noch nicht. Durch die sich expandierende Milchwirtschaft kommt es immer wieder zu ernsthaften Verunreinigungen von Flüssen und Seen und damit auch des Grundwassers durch den Urin der Kühe, wie einer Sendung des Weltspiegels zu entnehmen war.) Die Kälbchen kommen einen Monat in geschützte Stallbuchten und bekommen Milch, danach kommen sie auf ihre eigene Weide. Unsere Gastgeber haben auch ein paar Hühner und einen Teich und Nutzgarten, sodass sie sich nahezu autark versorgen können. Jan ist eine begnadete Köchin und Bäckerin und wir werden mal wieder total verwöhnt.
Heute, am 27.11.2018, haben wir beim Melken zugesehen, nachdem wir eine Rundfahrt über Otautau, Tuatepere und an der Küste entlang der Aussichtspunkte McCracken’s Nest (leider ohne Delfine), Monkey Island (konnten wir aufgrund der Flut nicht hinlaufen), Cosy Nock (ein paar Ferienhüttchen von Felsen geschützt) und Colac Bay. (Surferspot) bis Riverton. Letzteres ist ein nettes kleines Fischerdorf mit Museum über Natur und Geschichte der Maories und Siedler, sowie mehreren Geschäften und gehörte zu den ersten Ansiedlungen der europäischen Siedler. Leider blieb uns nur kurz Zeit, da wir uns um 15Uhr auf der Farm verabredet hatten, um beim Melken zuzusehen. Am Abend dürfen wir den PC unserer Gastgeber nutzen, um uns für den Great Walk „Rakiura Track“ auf Stewart Island anzumelden. Wir buchen online beim DOC zwei Übernachtungen auf Campingplätzen und eine Übernachtung im Bunkers Backpacker. Wir verbringen noch eine Nacht bei unseren Gastgebern, bevor wir wieder unterwegs sind.
Am kommenden Morgen, dem 28.11.2018, verlassen wir die Farm. Graeme und Jan haben uns eingeladen, nach Stewart Island für eine weitere Nacht zu Ihnen zurück zu kommen, mit Ihnen zu Abend zu essen und unsere Wäsche noch einmal waschen zu dürfen. Das ist so genial und sooo nett!
Wir fahren noch einmal nach Invercargill und besorgen uns eine Kartusche für unseren Gaskocher, weil wir unser Auto ja nicht mit auf die Insel nehmen können. Danach besuchen wir den Queenspark, eine Mischung aus Botanischem Garten, Wildpark, Vogelpark und Sportanlage für Golf, Kricket, Fitnessparkur etc., den wir kreuz und quer erkunden und zum Abschluss in der Einkaufsstraße Eis und Kaffee genießen. Zum nächsten kostenfreien Stellplatz müssen wir 30 km nach Thornbury zur Thornbury Bridge Picnic Area fahren, aber immer noch besser als 40$ für einen Stellplatz ohne Strom in der Nähe. Hier ist eine große Wiese am Fluss mit Picknicktischen und Klo, was wollen wir mehr? Erst einmal geht es jetzt aber nach Bluff, von wo die Fähre nach Stewart Island abgeht.

Unterwegs auf Stewart Island/Rakiura und Ulva Island

Ohne Probleme bekommen wir unsere Fährtickets für Stewart Island für den kommenden Morgen und die Dame aus dem hiesigen kleinen Museum hier in Bluff hat uns eine sehr nette Stelle gesagt, wo wir die nächste Nacht kostenfrei übernachten können. Der Platz, den sie uns nennt, ist privat und gehört dem Anglerverband, ist aber deutlich für „selfcontained vehicles“ ausgewiesen. Super! So brauchen wir nicht 50km zurück zum Platz in Thornbury, was morgen, vor der Abfahrt, mehr Stress und natürlich mehr Benzinverbrauch bedeutet hätte. Dieser Platz ist auf keiner Camping-App angegeben und so stehen wir die kommende Nacht dort ganz alleine. Bevor wir unser Nachtquartier aufsuchen, sehen wir uns aber noch Bluff näher an. Das ist in kurzer Zeit erledigt, denn eigentlich gibt es nicht viel mehr, als die Straße gegenüber dem Terminal. Wohl aber gibt es nette Wandermöglichkeiten. Wir wandern vom Ort aus entlang der Küste bis zum Foveaux Denkmal, von dort auf den Bluff Hill und zurück in den Ort. Mit der gelaufenen Strecke im Ort, bringen wir es auf insgesamt ca. 16km. Man kann an der Küste sehr gut die unterschiedliche Vegetation sehen. Am Meer wachsen Büsche und Flachs, der hier überall zu finden ist und von Vögeln geliebt wird, darüber kommt vom Wind gebogener, sehr alt wirkender Nadelwald und danach bis zur Hügelspitze Regenwald. Wir sind wieder auf Vogelfotojagd und können einen Tui sogar beim Singen filmen. Andere Vögel können wir zumeist nur hören, oder sie fliegen blitzschnell vorbei.
29.11.2018, heute geht es los! Der Countdown zu unserem ersten Great Walk läuft! Gleich geht die Fähre nach Stewart Island. Es gibt genau gegenüber dem Fährterminal einen kostenlosen Parkplatz. Der ist zwar nicht überwacht wie der offizielle daneben, aber wir lassen keine Wertgegenstände im Wagen und schätzen es nicht für so gefährlich hier ein. Das Personal hat uns den kostenlosen Platz selbst genannt.

Unsere Fähre legt um 9:45Uhr nach Stewart Island/Rakiura(Maoriname) ab. Gegen 10Uhr erreichen wir unser „Bunkers Backpacker Hostel“. Das Zimmer ist so winzig, dass man nicht um das Bett herumgehen kann und Toilette und Duschen sind eine Etage tiefer. Dennoch ist es ganz nett im Hostel. Es ist sehr familiär. In der Küche brutzelt jeder sein oder ihr Essen und am Essenstisch kommt man ins Gespräch, sodass wir auch erfahren, wo wir abends nach Kiwis und den kleinen blauen Pinguinen gucken müssen. Tagsüber schaffen wir es sogar noch, mit einem Wassertaxi nach Ulva Island hinüber zu fahren. Wir haben ja inzwischen schon mehrmals Regenwald und die typische Vogelwelt in Neuseeland erlebt, aber Ulva Island schlägt alle bisherigen Erfahrungen um Längen! Hier ist es inzwischen gelungen, alle nicht endemischen Tiere, wie Mäuse, Ratten, Possums etc., die für die heimische Vogel- und Pflanzenwelt eine Gefahr darstellen, nahezu völlig zu beseitigen. Dementsprechend erwartet uns ein Märchenwald mit einer so großen und abwechslungsreichen Vogel- und Pflanzenwelt, dass sie schöner nicht sein kann. Man kann die Insel eigentlich ohne Mühe in zwei Stunden erwandern. Wir bleiben ca. 5 Std und langweilen uns keine Sekunde. Nach etwas Eingewöhnungszeit gelingt es uns auch, mal andere Vögel als Tuis zu erblicken und zu fotografieren. Es ist ein Traum. Gegen späten Nachmittag fahren wir mit dem letzten Wassertaxi wieder zurück nach Stewart Island. Als es dämmert, machen wir uns auf den Weg zum Fähranleger. Die Pinguine kommen dort abends aus dem Wasser gewatschelt und so findet sich ein Großteil unserer „Hostelfamilie“ dort auch wieder ein und wir gehen gemeinsam zur Kirche. Auf dem kleinen Pfad zwischen Kirche und Badebucht lässt sich dann auch ein Kiwi blicken. Leider halten sich nicht alle daran, keinen Blitz oder weißes Licht anzumachen, das den Kiwis in den Augen weh tut und sie vertreibt. Mit rotem Licht ist es natürlich schwierig, ein gescheites Foto zu machen. Egal, zumindest gesehen haben wir einen Kiwi. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so groß sind. Sie haben etwa die Größe eines Huhnes, und dieser Kiwi war auch nicht sehr scheu. Wären nicht 10 Leute hinter ihm her gewesen, hätte er sicher noch weiter vor unseren Füßen auf dem Boden gepickt.

Rakiura Great Walk

Am kommenden Morgen, dem 30.11.2018, wird es dann ernst. Mir steht meine erste mehrtägige Wanderung auf einem Great Walk bevor. Wir sind zwar 1991 schon den Pouakai Circuit um Mount Taranaki im Egmont NP gewandert mit zwei Hüttenüber-nachtungen, mussten aber auf einen Teil verzichten, weil es die ganze Zeit regnete und ein Fluss zu breit zum Überqueren war. Diesmal hoffen wir auf besseres Wetter und darauf, viele schöne Natureindrücke mitneh-men zu können. Um sowohl meine Knie als auch mein Herz zu schonen, hat Stefan einen großen Rucksack mit den meisten Sachen und ich habe nur einen Tagesrucksack mit unseren Regensachen, einer Trinkflasche und Kleinigkeiten, sowie meine Kameratasche zu tragen, so gleicht sich unsere Kondition auch in etwa aus. Gegen 10:30Uhr machen wir uns auf den Weg, melden uns beim Department of Conservation (DOC) Nationalparkcenter, wo unsere Campingplatzbuchungen kontrolliert werden und es noch ein paar Infos über die Wegbeschaffenheit und Verhaltensregeln im Park gibt. Dann können wir starten. Wir haben den Weg in Uhrzeigerrichtung geplant, d.h. unsere erste Übernachtung wird auf dem Campingplatz bei der North Arm Hut sein. Zum Start des Tracks müssen wir erst 2km überwinden, dann sind wir endlich auf dem Rakiura Track, einem der 9 Great Walks Neuseelands. Uns stehen heute laut DOC 4-4,5Std Wanderung für 11 km bevor. Zu Beginn haben wir etwas Steigung zu überwinden, aber das ist kein Problem. Der Weg führt uns durch schönsten Regenwald, bietet immer wieder traumhafte Ausblicke auf verschlafene blaue Buchten und führt uns bei der Kaipipi Bay direkt ans Wasser. Unser Picknickstopp hält sich allerdings in Grenzen, denn sobald wir uns hinsetzen, machen wir Bekanntschaft mit unseren unliebsamen Begleitern, den Sandflies. Da sind uns die Vögel ringsum bedeutend lieber. Die Tuis, mit ihrem beeindruckenden, etwas unmelodischem Gesang, erkennen wir inzwischen schnell. Es sind zwar längst nicht so viele Vögel zu sehen und zu hören wie auf Ulva Island und auch der Wald ist nicht ganz so märchenhaft, wahrscheinlich, weil man es hier noch nicht geschafft hat, die feindlichen Jäger wie Possums, Ratten und Mäuse zu eliminieren, aber dennoch ist es ein wunderschöner Weg. Man muss auch wirklich sagen: das DOC hat die Tracks hervorragend gezeichnet und sie mit Gittermatten, Holzbohlen, Fließen, Treppen und Brücken selbst bei Matschwetter noch begehbar gemacht. Gegen 14:30Uhr erreichen wir unser erstes Tagesziel, den North Arm Campground. Er bietet für die Zelte abgesteckte Plätze aus Sand, einen großen Unterstand mit Holzstämmen zum Sitzen und Kochen, wo wir auch unseren Rucksack mit Lebensmitteln über Nacht aufhängen, wie es auch die zwei anderen Paare tun, sowie ein Plumpsklo. Zur Wasserversorgung ist ein großer Regenwasserbehälter mit Hahn und Spülbecken vorhanden. Die Ausstattung ist also völlig in Ordnung, nur die Sandflies machen uns zu schaffen. Immerhin haben wir prima Wetter und gucken uns nach Zeltaufbau und Mittagessen noch in der Gegend um. Abends kommen wir mit einem holländisch-belgischen Paar ins Gespräch und gehen zusammen auf Kiwisuche. Der Holländer erblickt auch einen direkt am Campingplatz, aber leider auch zwei Possums. Eines klettert in Windeseile, bevor wir uns versehen können, direkt vor uns auf einen Baum und blitzt uns aus frechen Augen von oben an. Ich hoffe, es erwischt später nicht noch den Kiwi! Die erste Nacht im Zelt ist ungemütlich. Ich muss mich an die noch größere Enge und die rutschige und harte Luftmatratze erst noch gewöhnen. Zu den fies stechendenden Sandflies, die den Raum zwischen Außen- und Innenzelt zu Hunderten erobert haben, kommt nachts auch noch Regen hinzu, der einen Toilettenbesuch zu einer äußerst unliebsamen Tätigkeit macht. Noch dazu kann man Regen und das Geräusch der an die Außenhaut fliegenden Viecher noch nicht einmal unterscheiden. Ich schlafe dementsprechend mies und wünsche mir, dass es schnell wieder hell wird und wir weiterlaufen können.
Gegen 8:30 Uhr am 1.12.2018 bereiten wir uns unter ständigem Herumwedeln unser Müslifrühstück mit Kaffee, verstauen das noch nasse Zelt und begeben uns wieder auf unseren Track. Heute soll mit 13km und 6Std. Gehweg unser härtester Tag sein, und gefühlt ist die Strecke letztlich auch mindestens doppelt so lang, obwohl sie eigentlich, rechnet man die Strecke vom Hostel bis zum Trackanfang mit, kaum länger ist als am ersten Tag. Es geht jedoch stetig auf und ab und Teile des Weges sind, trotz aller Erhaltungsmaßnahmen, mächtig matschig. Die Frau im DOC-Center hatte mich schon vorgewarnt, dass es matschig würde, aber wir sollten bitte dennoch nur auf den Wegen bleiben und nicht auf die Umgebung ausweichen. Der Matsch würde auch nicht höher als bis zum Knöchel gehen! Mm, das heißt, er könnte von oben in die Schuhe kommen…? Wir versuchen uns an die Anweisung zu halten, was aber nicht immer möglich ist, weil wir dann möglicherweise steckengeblieben wären im Matsch. Die Landschaft ist jedoch wieder umwerfend schön. Der Wald ist noch dichter und verwunschener, zwei alte Rundholzschlepper aus vergangenen Zeiten sind zu besichtigen und machen die Schwerstarbeit, aber auch die ersten Erfolge der maschinellen Unterstützung jener Tage bis 1931, sichtbar.
Den Abschluss der heutigen Teilstrecke bildet eine beeindruckende Hängebrücke, bevor wir die Maori Beach erreichen. Oberhalb der Bucht, auf einer grasbewachsenen Fläche, liegt unser Campingplatz, der sich jedoch noch in der Renovierung befindet Der alte Schutzunterstand ist abgesperrt, ein neuer im Bau und die Baukolonne hat sich ein beeindruckendes Zeltlager mit Küchenzelt, Schlafzelt und sogar warmer, gasbetriebener Dusche gebaut. An den Wasserbehälter haben sie einen Schlauch angeschlossen für ihre Küche und Dusche. Als wir durstig ankommen nach ca. 6,5Std Wanderung ist niemand vor Ort und wir befürchten Schlimmes. Zum Glück kommen die Arbeiter aber kurz darauf, zeigen uns, wie wir an Wasser kommen und bieten uns sogar an, bei Ihnen zu duschen. Da aber die Sandflies hier noch zahlreicher sind, verzichten wir auf diesen Luxus und fragen, was sie gegen die Viecher unternähmen. Sie geben uns daraufhin eine Fackel mit Citronella, die aber ebenso wenig wirkt wie das Repellent Coil auf dem Tisch, den sie uns zu nutzen anbieten. Wieder versuchen wir zwischen Händewedeln zu kochen und ein paar Bissen in den Mund zu bekommen. Gegen 19Uhr verkriechen wir uns im Zelt und spielen das Würfelspiel 10000. Bis auf einen Toilettengang, dem 1/2Std Mord und Totschlag von Mücken und Sandflies folgt, schlafe ich tief und fest in dieser Nacht.
Am kommenden Morgen, den 2.12.2018, haben wir wieder das Problem, an Wasser zu kommen, weil die Arbeiter noch schlafen und ihr Generator noch kein Wasser in den Schlauch pumpt. Ich schaffte es grade so, etwas Restwasser aus dem Duschschlauch für unterwegs herauszubekommen. Da uns das nicht geheuer ist zum Trinken, nutzen wir unterwegs unseren Wasserfilter, den man direkt auf eine Wasserflasche schraubt und dann wie durch einen Strohhalm saugt. Es ist unsere Premiere mit dieser Art Filter und wir sind voll zufrieden mit dem Ergebnis. In Windeseile packen wir im Sandflyschwarm alles zusammen und begeben uns auf den letzten, den Angaben nach, kürzesten Teil der Wanderung. Wir müssen mit 8km/3-4Std bis zum Trackende rechnen zzgl. der uns unbekannten Kilometer bis in den Ort Oban zum Fähranleger. Am letzteren sollen wir abends um 16:30Uhr sein, wir haben also ausreichend Zeit. Da wir Flut haben, wählen wir die etwas längere Ausweichroute oberhalb der Küste, was natürlich gleich zu Beginn wieder einen Anstieg zur Folge hat. Auch am dritten Tag geht es durch eine grüne Traumlandschaft auf und ab oberhalb der Lee Bay, bis wir unser Ziel, beziehungsweise das Ende des Tracks, erreichen. Ich bin super glücklich, es ohne körperliche Probleme geschafft zu haben. Herz und Knochen haben super mitgespielt.

Das Wetter ist wieder herrlich und meine Laune auch. Etwas gebremst wird mein Enthusiasmus allerdings, als ich feststelle, dass uns noch weitere 5km entlang der Straße über zwei größere Hügel von der Lee Bay, über die Horseshoe Bay zur Halfmoon Bay bis zum Fähranleger bevorstehen. Augen zu und durch denken wir und träumen schon von Fisch und Chips im Ort. Als wir es dann geschafft haben, hat der Fisch&Chips Laden noch gar nicht geöffnet für die Saison und wir weichen in das entsprechend teurere Hotelrestaurant aus und belohnten uns mit Chips und Ginger Beer. Wir können unsere Fähre noch auf eine frühere um 15:30Uhr umbuchen und haben eine ruhige Überfahrt zurück ans Festland. Der zugegeben teure Ausflug nach Stewart Island/Rakiura mit dem Track und dem Besuch von Ulva Island hat sich auf jeden Fall gelohnt und wird uns in guter Erinnerung bleiben. Nun steht uns eine warme Dusche, frische Wäsche, gutes Essen und eine Nacht bei unseren lieben Servasgastgebern Graeme und Jan auf der Farm in Drummond bevor. Wir berichten von unseren Erfahrungen und Graeme erzählt uns, dass er mit deutschen Studenten ebenfalls eine eigentlich mehrtägige Wanderung an einem Tag gemacht hätte. Er ist sehr aktiv im Wanderclub, kümmert sich um Hütten und ist ein absolut fitter Wanderer.
Am Montag, den 3.12.2018, verabschieden wir uns von unseren Gastgebern. Sie sind ziemlich in Sorge, denn auf dem Hof ihrer Tochter und deren Mann hatte in der Nacht ein Gewitter, das uns am Vorabend nur leicht gestreift hatte, größere Schäden angerichtet. Hoffentlich können sie ihnen helfen und die Schäden abmildern. Jan befürchtet, dass das geplante große Familientreffen mit allen Kindern und Enkeln zu Weihnachten auf der Nordinseln evtl damit ebenfalls geplatzt ist und das macht sie sichtlich traurig.

Unterwegs im Fjordland

Für uns geht der Weg weiter Richtung Nordwesten. Wir besuchen die Clifden Caves und Stefan krabbelt etwas darin herum, sieht aber keine angekündigten Glühwürmchen. Mir ist es zu dunkel und zu viel Kletterei dort drin. Danach begeben wir uns zum Lake Hauroko und wandern einen kleinen Rundweg mit riesigen alten und vielfach verschlungenen Bäumen. Auf der Picknickarea, die auch zum Campen freigegeben ist, halten wir. Stefan joggt seine Stunde und ich versuche mich an Pfannkuchen in unserer Minipfanne, die eigentlich der Deckel für unseren Topf ist. Mit etwas Übung gelingen sie ganz gut. Nach dem Mittagessen entscheiden wir uns, auf die Picknickarea bei der Suspension Bridge, dem Thicket Burn Campsite zu wechseln, weil wir wieder von Sandflies überfallen werden. Hier legen wir uns etwas in den Schatten auf die Wiese und ich finde endlich wieder Zeit, um unsere Erlebnisse niederzuschreiben. Hier werden wir die Nacht verbringen.
Dienstag, der 4.12.2018, ist nicht so mein Tag. Wir wandern durch die Rakatu Wetlands und die Natur ist wirklich schön, aber mein linkes Knie hat mir den langen Walk wohl übel genommen, oder ich hätte länger ausspannen sollen, auf jeden Fall schlackert es wieder rum und schmerzt beim Auftreten. Stefan schlägt den längeren Loop vor, und ich gebe nach, obwohl ich eigentlich nicht will und bezahle dafür mit einem dickem Knie. Zu allem Übel ist der Weg kurz vor dem Ende noch ca. 10 Meter überschwemmt und man kann nicht durchwaten, weil man im Schlick versinken würde. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns durch dichten Flachs und anderen Bewuchs zu quälen, um drumherum zu kommen. Die rund 8km zurück würde ich gefühlt nicht nochmal schaffen. Wir fahren dann weiter bis Manapouri. Überall stehen Schilder, dass in dem Gebiet Freedom Camping untersagt ist. Der kleine Laden hat nur ein sehr dürftiges Angebot und von den fünf Broten, die wir uns angucken, sind vier schimmelig. Die Mitarbeiterin meint, sie glaubt, abends würde wieder aussortiert Es gibt jedoch leckere Fisch und Chips, die meine Laune wieder steigern, und die Besitzerin gibt uns einen Tipp, wo wir kostenfrei übernachten können. Wir folgen ihrem Rat und verbringen unbehelligt eine Nacht auf einer recht durchweichten Wiese unter einer Brücke auf der Monowai Campsite. Es regnet die ganze Nacht hindurch.
Am Mittwoch, den 5.12.2018, kommen wir nach Te Anau, dem Ort, wo der Kepler Track startet und Buchungen für den Milford- und Doubtful Sound gemacht werden können. Letzterer ist einfach unbezahlbar, der Ausflug würde uns rund 500$NZ kosten. Auch die Cruise zum Milford Sound ist vor Ort zu teuer, aber ich finde im Internet noch „bookMe“, eine Buchungsplattform ähnlich wie mydealz, wo wir für 50% des Preises eine der kurzen Fahrten durch den Milford Sound für Freitag buchen. Danach informieren wir uns im DOC Nationalparkcenter noch über „Backcountry Pässe“ und Voucher für Hütten. Das System hier ist ziemlich kompliziert. Die Hütten und Campingplätze auf den Great Walks müssen in der Hauptsaison alle vorgebucht und bezahlt werden und sind z.T. schon für Jahre ausgebucht. In diesem Jahr wurden, auf Grund des Andrangs, für internationale Besucher die Preise um 100%erhöht in den Hütten der 4 größten Great Walks Milford, Kepler, Routeburn und Abel Tasman Track. Beim Milford Track zahlt man daher mal locker 140$NZ im Etagenbett einer Hütte! Darüber hinaus gibt es auf vielen weiteren Wegen noch zig andere Hütten verschiedener Kategorien von 5$-15$, die mit Vouchern zu zahlen sind, oder man kauft sich einen 1/2 oder Jahrespass und kann dann diese Hütten frei nutzen. Hier kann es dann passieren, dass sie bereits belegt sind, wenn man ankommt. Noch haben wir uns für keine Art entschieden. Eigentlich hatten wir ja den Abel-Tasman-Track noch ins Auge gefasst, der aber vorgebucht werden muss und mit 75$ pro Nacht/Person zu Buche schlägt. Wir werden sehen. Vielleicht werden es auch nur Day Walks. Da mein Knie noch Ärger macht, ruhte ich mich im Van aus und Stefan joggt nachmittags ein Stück auf dem Kepler Track. Nur über Tag darf man die Tracks kostenfrei nutzen und muss sich auch nicht anmelden, nur wenn man Übernachtungen plant. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefüllt haben, starten wir zur Milford Road. Die Strecke von Te Anau zum Fähranleger ist 121km lang und führt über eine kurvenreiche Gebirgsstraße mit unglaublichen Ausblicken auf schneebedeckte Gipfel, rot-graue schroffe Felsen, grüne Hügel, spiegelnde, klare Bergseen umgeben von Lupinenfeldern in allen rosa-violetten Tönen und ohne Vorwarnung flattert einem plötzlich ein Kea auf das Auto. Scheu sind sie nicht, diese neuseeländischen Keas. Sie gelten als hoch intelligent und neugierig und können einem mir nichts dir nichts Kameradeckel oder ähnliches klauen. Wir sahen einen mit Visitenkarte im Schnabel, oder war es seine eigene? Sie lieben es auch, die Dichtungsgummis von Schiebedächern oder Schlaufen von Zelten abzuknabbern, also ist Vorsicht geboten! Wahrscheinlich sind sie schon von Touristen verdorben. Überall sind Schilder: „Don‘t feed me rubbish“.
An der Strecke sind 8 DOC Campingplätze, der letzte aber leider 44 km vom Fährterminal entfernt. Noch haben wir Zeit und verbringen eine Nacht auf dem Deer Flat Campground für 13$ pro Person. Man bekommt dafür einen tollen Ausblick auf den Eglinton River, ein Plumpsklo und einen Picknicktisch, der aber auf Grund der Sandflies kaum zu nutzen ist. Wasser muss man selbst mitbringen, Müll immer wieder mitnehmen. Wir verbringen hier eine ruhige Nacht mit drei anderen Campervans. Freedom Camping ist hier nirgends erlaubt.

Am Donnerstag, den 6.12.2018, werden wir von strahlender Sonne geweckt. Nichts erinnert hier an Nikolaustag und Winter in Europa, es ist Sommer! Ein sehr schöner Tag mit vielen wunderbaren Natureindrücken steht uns bevor. Wir halten an allen Aussichtspunkten der Milford Road, durchstreifen beim Lake Gunn Nature Walk einen „Red Beech“ Wald, eine endemische Baumart, und wandern zum Schluss noch 2 1/2 Std auf dem Routeburn Track bis zur Howden Hut, der ersten Hütte und gedenken dabei unseres Sohnes, der über diese Wege im letzten Winter gelaufen ist, aber den ganzen Track mit viel Gepäck gemacht hat. Es geht mäßig steil bergauf und ich habe ohne Gepäck keine Probleme. Bergab finden meine Knie es wieder nicht mehr so gut. Ich merke meine lockeren Bänder, die meine Beine unstabil machen, sowie meine Arthrose in den Knien. Als wir unsere Bootstour rückbestätigen wollen, ist im Fährterminal niemand mehr da. Anrufen geht ohne Netz auch nicht, hoffentlich gibt es morgen keinen Stress. Da auch sonst niemand mehr in der Tourist Info oder im Café ist, fragen wir den Pförtner der Lodge, ob es irgendwo eine Campingmöglichkeit gäbe, die näher als der DOC Campingplatz in 44 km wäre. Die Straße ist zum Schluss mit mehreren Baustellenampeln und einem Tunnel, der immer nur von einer Seite befahrbar ist, sehr langsam befahrbar. Wir machen uns ernstlich Sorgen, wie wir am kommenden Morgen rechtzeitig zur Fähre kommen sollen. Er verrät uns, dass die örtliche Verwaltung für diese touristische Zeit einen Parkplatz freigegeben hätte und dafür 20$NZ nähme, manchmal käme aber auch niemand zum Kassieren. Wir sind nicht die Einzigen, die verzweifelt hier herumsuchen, denn eigentlich steht hier überall „kein Camping“ und das wurde auch in Te Anau so kommuniziert. Bei diesem Parkplatz steht allerdings 20$NZ für parken über Nacht. Ein paar Leuten war das zu unsicher, andere stehen hier mit uns und hoffen, dass das so in Ordnung geht. Einheimische zu fragen hat uns inzwischen schon dreimal horrende Preise oder ewig weite Anfahrten erspart.

Wir haben Glück und können die Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 7.12.2018, unbehelligt auf dem Parkplatz schlafen und es kommt noch nicht einmal jemand zum Kassieren. Tja, frag die Locals würde ich sagen, dann lösen sich manche Probleme wie von selbst!
Die Fahrt auf dem Milford Sound ist traumhaft schön. Wir haben das unbeschreibliche Glück, strahlende Sonne und blauen Himmel zu haben und das an einer der regenreichsten Stellen der Welt! Hier regnet es laut Kapitän an 2 von 3 Tagen und die Niederschlagsmengen übertreffen unsere bei Weitem. Wir tuckern mit unserem Boot der Reederei Mitre Peak, die die kleinsten Boote dort betreibt, zwischen schroffen Felsen durch den Sound mit Blick auf Wasserfälle, schneebedeckte Bergkuppen, entlang an Felsen mit kleinen Robbenbabies und begleitet von Delfinen, einfach unbeschreiblich schön!
Am Nachmittag auf dem Rückweg nach Te Anau sehen wir einen Trail zu den Marian Falls (20Min) und zum Lake Marian (3Std). Wir nehmen Wasser und Fleecejacke mit und mit dem Hinweis von meiner Seite, dass wir, wenn mein Knie Probleme macht sofort umkehren, machen wir uns auf den Weg. In Nullkommanix erreichen wir die Wasserfälle. Beeindruckend ist bei ihnen, wie sie sich ihren Weg durch dicke Felsblöcke gespült haben. Hier beginnt der Track zum Marian Lake. Es wird darauf hingewiesen, dass der Track „steep with rough sections“ wäre. Nun ja, wenn er nur in Teilen rau ist denke ich, könnten wir es ja versuchen. Ich habe große Lust auf einen blauen See von beeindruckenden Bergen umgeben, also los! Der Weg erweist sich als fast durchgehend steil und „rough“! Es geht über Wurzeln, Felsen, Findlinge, durch Matsch und Gebüsch steil den Berg hoch. Ich weiß selbst nicht, was in mich gefahren ist, aber auch als deutlich wird, dass der Weg viel weiter ist als erwartet (das sehen auch andere, junge Wanderer so) und ich eigentlich vermute, nie wieder da runter zu kommen, will ich immer weiter! Ich kenne mich selbst nicht wieder. Der erwartete Anblick auf den See zieht mich so stark an, dass ich nicht zu bremsen bin. Erstaunlicherweise machen auch meine Knie mit. Ich habe extra einen Stützverband drum herum gemacht. Immer, wenn wir Entgegenkommende fragen, wie weit es noch wäre, sagen sie „45Min“ und immer, wenn ich nahe dran bin umzukehren, sagen sie, es würde sich aber unbedingt lohnen, also weiterkraxeln. Manchmal verfluche ich meine kurzen Beine. Ohne Wanderstöcke und meinen lieben Mann hätte ich an manchen Stellen keine Chance, weil mein Schritt einfach nicht groß genug ist. Aber: es hat sich definitiv gelohnt! Das Ergebnis sieht so wunderschön aus, wie ich es erträumt habe!

Der Rückweg ist dann auch nicht so schwierig wie vermutet, und meine Knie halten durch. Wir sind wirklich glücklich, die Tour, wenn sie letztlich auch 4,5Std dauerte, gemacht zu haben und ich habe Stefan total damit erstaunt, dass ich sie vorgeschlagen und durchgehalten habe. Im Nachhinein kann ich sagen: hätte Stefan die Tour vorgeschlagen, hätte ich ihm unterwegs sicher die Pest an den Hals gewünscht!
Der Abend dieses, bis dahin traumhaften Tages, verläuft leider nicht mehr so toll. Wir benötigen dringend die Möglichkeit zu telefonieren. Bei unserem vermieteten Haus in Deutschland hat es zwei Tage zuvor einen Wasserrohrbruch gegeben und wir müssen unbedingt wissen, was der Installateur dazu sagt und ob Maßnahmen getroffen wurden. Wir sind aber seit 2 Tagen ohne Netz und es steht wieder ein Wochenende bevor. Wir haben die Wahl, die ca. 100 km bis Te Anau zurückzufahren, um ins Internet zu kommen und dann wieder einige Kilometer raus zu einem kostenlosen oder bezahlbaren Campingplatz, oder zum Gunn‘s Camp, einem privaten Platz an der Lower Hollyford Road zu fahren in der Hoffnung auf Internet. Wie entscheiden uns für letzteres, nur gibt es dort leider kein WIFI. Das Betreiberehepaar ist jedoch total nett und lässt uns, auf Grund unserer Notlage, an den privaten PC. Die Aussagen des Installateurs lassen unübersehbare Kosten vermuten, falls die Versicherung nicht zahlt. Entsprechend genervt sind wir. Wir entscheiden uns, die Nacht auf diesem netten, urigen Campingplatz mit Museum zu verbringen. Eigentlich steht uns eine „Luxusnacht“ bevor mit heißer Dusche und warmem, gemütlichem Aufenthaltsraum und Küche, wenn Stefan nicht seinen Geldgürtel nach dem Duschen vermissen würde und denkt, er wäre geklaut worden. Er platzt vor Wut. Ich finde den Gürtel im Auto und bin dementsprechend wiederum sauer auf ihn. Ich reiße vor Wut die Seitenschiebetür des Vans zu kraftvoll auf, sodass sie verklemmt und sich nicht mehr schließen lässt! Verzweiflung! Tausende Sandflies stürmen unser „Schlafzimmer“, stechen uns und wir wissen uns nicht zu helfen. Ich bitte unseren Platzwart um Hilfe und er kommt auf die glorreiche Idee, mit Bagger und einem Kissen zum Schutz unserer Tür, einen leichten Kick mit der Schaufel von hinten zu geben. Ich sehe uns schon mit total kaputtem Auto dastehen, aber es klappt! Ziemlich entnervt machen wir uns Abendessen und gehen nach einem Massenmord an Sandflies im Auto bald ins Bett. Das blöde Thema Wasserrohrbruch wird uns wohl noch ein paar Tage verfolgen. Dass man hier im Fjordland außerhalb der Orte fast immer ohne Netz ist und wir 12Std Zeitverschiebung haben, macht die Lage absolut nicht einfacher.

Am Samstag, den 8.12.2018, kehren wir zurück nach Te Anau und erleben unsere erste Christmas Parade, einen Umzug mit Wagen und Bonbonwerfen wie bei Fasching, nur mit Weihnachtsmotiven. Bei uns kommt da leider keine Weihnachtsstimmung auf. Ich würde mich gerne über die Feiertage zu unseren Kindern in unsere gemütliche Wohnung und winterliche Stimmung nach Hause beamen, aber danach gleich hier weiterreisen. Alles kann man wohl nicht haben.
In Te Anau haben wir aber endlich wieder Funkkontakt und es stellt sich heraus, dass Stefans Lauffreundin mit ihrem Mann auch in der Nähe ist. Wir wussten, dass sie in Neuseeland sind, es sah aber die ganze Zeit so aus, als würden sich unsere Wege nicht kreuzen. Da sie aber heute auch hier ankommen, entscheiden wir uns, noch eine Nacht in Te Anau zu bleiben. Ich finde eine preiswerte Campingmöglichkeit auf Wiki Camps bei dem Touranbieter Top Line Tours Parking auf dem Betriebshof. Total gut! Wir sind ganz allein zwischen zwei abgestellten Bussen, Auto und Treibhäusern. Es gibt eine Donation Box, wo man einen Obolus hinterlassen soll und einen Wasserschlauch, wo wir Wasser zapfen können. Das Tor ist mit Zahlenschloss und wir stehen hier absolut sicher. Unsere Bekannten wollen es etwas komfortabler und sind auf einem Holiday Park. Wir besuchen sie abends mit 4 Flaschen Gingerbeer und quatschen bis 22Uhr.

Hohe Berge und Goldgräberfieber rund um Queenstown

Am 9.12.2018 fährt dann jeder wieder seiner Wege. Sie haben nur vier Wochen Zeit und wollen auch noch auf die Nordinsel. Soviel Stress machen wir uns nicht. Es gibt hier noch so viel zu sehen! Wir werden heute Richtung Queenstown fahren. Mal sehen, wie weit wir kommen (wollen)
Nach 2.Advent sieht es hier nicht aus. Leichter Wind, Wolken, 21Grad, aber noch nicht der angekündigte Regen. Wir fahren bis Kingston an der südlichsten Spitze des Lake Wakatipu, dem zweitgrößten See der Südinsel nach Lake Te Anau. Im Ort gibt es nicht viel zu sehen. Es muss mal eine alte Dampfeisenbahn dort gefahren sein, aber der niedliche Bahnhof mit Café hat derzeit leider nicht geöffnet. Eine Wanderung erweist sich als nicht möglich, da die Sandflies uns bei lebendigem Leibe zu verschlingen drohen. Wir fahren weiter zum Kingston Lake Freedom Camping. Die Lage direkt am See ist wunderschön und wir verbringen hier unsere Nacht.
Am Montag, den 10.12.2018, geht es dann endlich nach Queenstown, der „schönsten Stadt der Welt“ laut unserem Sohn. Queenstown liegt im Tal, direkt am Lake Wakatipu, umgeben von Bergen, an deren Hänge es sich schmiegt. Dementsprechend gibt es sehr steile Straßen in der Stadt. Ich kann verstehen, warum unser Sohn es hier so toll fand: es gibt kein Adrenalin treibendes Angebot, was man hier nicht buchen kann, von „Bungee Jumping“ bis Jetbootfahrt und „Sky Diving“ bis Rafting ist alles vertreten. Darüber hinaus gibt es Restaurants aller internationaler Küchen. Nach langer Zeit auf Tracks in Natur und Einsamkeit, muss das ein Highlight sein. Wir finden es etwas zu geschäftig, die Angebote nicht besonders interessant für uns und vor allem überteuert. Wir genießen aber auch wieder mal Pizza bei „Dominos“ und Veggieburger bei „Devilsburger“, den Janus uns sehr ans Herz gelegt hat. Wirklich fantastisch und zu empfehlen! Darüber hinaus schlecken wir sündhaft teures Eis, was jedoch ebenfalls super schmeckt und setzen uns eine Weile an die Beach, die sich makabererweise direkt hinter einem Memorialtorbogen, der an Kriegsopfer des 1. und 2.Weltkriegs erinnert, befindet. Die Nacht verbringen wir auf der höchsten Straße Neuseelands, auf dem Crown Range Road Summit Parkplatz, von dem aus wir einen wunderschönen Sonnenuntergangsblick haben.
Dienstag, der 11.12.2018. Heute verfallen wir dem Goldgräberfieber und fahren nach Arrowtown . Wir holen uns zwar keine Siebchen, aber während wir am Fluss entlangwandern, buddelt Stefan immer wieder mit den Füßen. Da er nichts findet, tröstet er sich mit den Worten, dass er in mir ja das größte Goldstück schon vor langer Zeit gefunden hätte. Arrowtown hat uns gut gefallen. Kleine Häuschen und Geschäfte und viele Relikte aus vergangenen Goldrauschtagen. Es gibt noch gut erhaltene Reste eines chinesischen Goldgräberviertels zu sehen. Nachdem die Europäer die Pfründe verließen, holte die Regierung Chinesen ins Land, weil sie um Einkünfte bangte und auch um Nachwuchs. Die Bevölkerung fand das gar nicht toll und reagierte, wie es so viele weltweit auch heute wieder tun: sie befürchteten eine Überfremdung, was in Anbetracht dessen, dass es sich ja bei Ihnen selbst um Nachfahren von Siedlern aus Europa handelte, schon absurd wirkt.
Von Arrowtown aus machen wir uns auf den Weg nach Glenchory, dem wir nur einen kurzen Besuch abstatten, da es regnet. Außer der Natur rundum und der Tatsache, dass einige Tracks von hier oder aus der Umgebung abgehen, ist am Ort auch nicht viel Sehenswertes Wir verfolgen die Straße weiter bis Kinloch, überqueren mehrmals ein Flussdelta, bis wir zur Lodge, heute eine YHF Jugendherberge und einem DOC Campingplatz kommen. Die letzten Kilometer fahren wird dabei über Schotterpiste. Wir würden die Nacht gerne auf einer Freedom Campsite an der Paradiseroad verbringen, an der es auch einen Einstieg in den Routeburn Track gibt, aber die Straße wird uns dann doch zu holperig für unser Auto, also fahren wir zurück Richtung Queenstown und verbringen die Nacht beim Little Stony Creek Campground. Während der Nacht füllt sich dieser bis zum letzten Quadratmeter und wir haben Glück, morgens wieder rauszukommen. Nachts fängt es, wie vorausgesagt, an zu regnen, Glücklicherweise bleibt es aber nicht dabei, sodass wir am Mittwochmorgen auf der Rückfahrt nach Queenstown den Mt. Crichton Looptrack wandern können. Das Gebiet ist geprägt von der Zeit der Goldsuche, sodass wir auch auf dem Track Spuren davon zu sehen bekommen. Durch Felsen hat man einen Spalt geschlagen, um das Gold ins Tal und auf dem See verschiffen zu können. Inzwischen hat die Natur begonnen, sich die Gegend zurückzuerobern. Die am Weg liegende Sam Summers Hut ist ebenfalls ein Relikt aus der Goldgräberzeit, in der jener Sam Summers gelebt hat. Sie ist heute eine Schutzhütte für Wanderer, die ich allerdings nur im größten Notfall nutzen würde, da die Betten und besonders die Matratzen nahezu schrottreif sind.
In Queenstown genehmigen wir uns nochmals eine Pizza und fahren dann weiter nach Cromwell zum Cairnmuir Campground. Es ist endlich mal wieder eine Dusche und Wäschewaschen nötig, also wählen wir einen richtigen Campingplatz. Die Rezeption und auch die Küche und Sanitäranlagen sind in ziemlich chaotischem Zustand und es wuseln viele Leute dort rum, aber wir erledigen alles Nötige und es ist schön, mal wieder in einem größeren Raum als im Camper und ohne Sandflies essen zu können. Noch etwas Schönes erledigen wir vom Camp aus: wir finden eine Unterkunft bei Airbnb für Weihnachten! Es handelt sich um ein einfaches Cottage in Dovedale im Norden der Südinsel zwischen Nelson und dem Abel Tasman Nationalpark. Es ist unheimlich schwierig, irgendetwas bezahlbares zu finden, daher ist das Ziel nun eigentlich Ende Dezember noch gar nicht auf unserer Strecke, da wir planen, uns entlang der Westküste weiter nördlich zu bewegen, aber da uns auch in der Inselmitte noch der Aoraki/ Mt Cook Nationalpark fehlt, werden wir unsere Route nun durch die Inselmitte Richtung Norden führen. Da die Strecke mit über 400km recht weit ist, werden wir auch nicht nur über Weihnachten dort wohnen, sondern haben bis Neujahr gebucht. Es wird uns guttun, mal für ein paar Tage eine feste Unterkunft zu haben, denn es ist schon anstrengend und manchmal nervig, über Wochen nur im Van zu leben, jeden Tag eine neue Übernachtungsstelle zu suchen und 1x die Woche zu duschen, sonst nur Katzenwäsche mit Feuchttüchern oder Waschlappen in unserer Spüle bzw. in öffentlichen Toiletten, wobei die meistens nur Plumpsklos auf Freedom Camping Sides sind ohne Wasser. Wir werden dann den Norden von dort aus erkunden und können es uns Weihnachten etwas gemütlicher mit Kerzen machen. Die Westküste bis Haast kommt dann nach dem Norden dran.
Donnerstag, der 12.12.2018, bringt uns nach Cromwell, dem neuseeländischen Ort, der am weitesten vom Meer entfernt ist. Was finden wir vor? Wüstenähnliche Landschaft, denn es ist der trockenste Ort Neuseelands! Während in Cromwell im Schnitt 400mm Niederschlag fällt, sind es in Milford, dem regenreichsten Ort, 8000mm im Jahr!

Wie bei uns in Schulenberg wurde in den 80iger Jahren ein Teil des Ortes umgesiedelt und das Tal geflutet. Ein riesiger Damm für ein Wasserkraftwerk wurde in sehr spezieller Art und Weise gebaut, da eine Erdspalte in dem Gebiet verläuft und es somit erdbebensicher gebaut werden musste. Die Talsperre ist jetzt der größte Binnensee Neuseelands. Einige alte Bauten wurden umgesetzt bilden heute einen Stadtteil, wo die Gebäude zum Teil als Café oder Atelier genutzt und zum Teil als Freilichtmuseum ausgestellt sind. Man kann sehr gemütlich durchwandern und einen Kaffee genießen, was wir uns auch nicht nehmen lassen. Im Ort kauft sich Stefan noch zwei T-Shirts in einem „charity shop“, ähnlich unseren Sozialkaufhäusern. Die gibt es fast in jedem Ort vom Hospiz, der Heilsarmee, dem roten Kreuz oder zahlreichen anderen karikativen Organisationen. Danach geht die Fahrt weiter nach Omarama und den sehr beeindruckenden Lehmfelsen, die auf privatem Grund stehen. Man kann sie besuchen, wenn man am Zaun 5$NZ in die Vertrauensbox steckt. Das ist ein übliches Verfahren auch bei Campingplätzen des DOC, wobei man dort aber ein kleines Formular mit Adresse, Autokennzeichen und Aufenthaltsdauer ausfüllt und mit dem Geld in die Box steckt. Das wird häufig auch kontrolliert. Hier übernachten wir aber auf dem großen, schönen Ahuriri Bridge Freedom Campground.

Mt. Cook – zu Besuch beim höchsten Berg Neuseelands
Von hier geht es heute, Freitag den 14.12.2018, nochmals nach Twizel, in dessen Nähe wir in der zweiten Reisewoche bereits den Mt. Cook hinter dem Lake Pukaki bewundert haben. Nun führt unser Weg aber weiter bis zum Aoraki/Mt. Cook Nationalpark. Wir buchen uns auf dem sehr noblen DOC Campingplatz ein, der dieses Mal für 13$NZ pro Person Toiletten mit Wasserspülung, Trinkwasser, einen großen Raum zum Kochen und Essen, sowie Müllentsorgung bietet und das alles vor der grandiosen Kulisse der Neuseeländischen Alpen Im Gegensatz zu denen an der Milfordroad, die nur einen Platz zum parken und Plumpsklo für dasselbe Geld boten, schon wirklich nett. Wir unternehmen gleich eine 3-stündige Wanderung, den Hooker Valley Track, der uns bis zu einem Gletschersee bringt. Unterwegs erwischt uns zweimal der Regen und leider ist auch der Blick nicht ganz so toll, weil wolkenverhangen, bietet aber dennoch einige beeindruckende Ausblicke. Den Abend beschließen wir in dem praktischen Küchengebäude mit Kochen, Essen und Spielen. Stefan zockt mich derzeit ständig bei 10000 ab, dafür gewinne ich meist bei Kniffel.
Samstag, 15.12.2018:

Die Bergkette der Southern Alps, allen voran der beeindruckende Mt. Cook, zeigen sich mit schneeweißen Spitzen und beeindruckenden Felsmassiven vor stahlblauem Himmel. Nur vereinzelte Schäfchenwolken komplettieren das perfekte Bild. Ein Traumwetter verspricht einen traumhaften Tag. Wir frühstücken vor dieser Kulisse draußen vor dem Aufenthalts- und Küchengebäude und genießen es sehr. Danach begeben wir uns auf den einstündigen Kea Track, der uns faszinierende Ausblicke auf den Mullers Gletscher und Mount Cook ermöglicht. Keas sehen wir keine, aber das können wir verkraften, denn wir haben diese intelligenten, aber auch durch das Fehlverhalten von Touristen häufig distanzlosen Vögel, bereits an der Milford Road kennengelernt. Danach will Stefan an diesem Morgen gerne den anstrengenden Track zur Muller‘s Hut machen, der mir zu steil und von der Wegbeschaffenheit zu anspruchsvoll ist. Er erledigt den mit 6Std für hin und zurück angegebenen Weg in 3 1/4Std und macht beneidenswerte Fotos. Ich wandere ins Village, verlängere unseren Campingaufenthalt im Nationalparkhaus und lasse es mir im Café bei einer Tasse „Flat White“ (ähnlich Latte Macchiato), gutgehen. Nach meiner Rückkehr dauert es nicht lange, bis Stefan auch schon wieder zurück ist. Wir essen und erkunden bis zum Abend noch alle Tracks beim Tasman Glacier. Als wir uns gerade am Gletschersee niedergelassen und unsere Füße in das eisige Wasser getaucht haben, explodiert vor uns ein auf dem See schwimmender Eisberg und offenbart das uralte, kristallklare Eis aus seiner Mitte. Den Infotafeln kann man entnehmen, wie schnell der Gletscher aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Der Blue Lakes Track führt dementsprechend auch zu grünen statt blauen Seen, weil sie nicht mehr vom Gletscher gespeist werden und damit wärmer und algenreicher geworden sind. Wir erleben an diesem Nachmittag eine Vielzahl von atemberaubenden Ausblicken und freuten uns, noch eine weitere Nacht in dieser herrlichen Umgebung verbringen zu können. Des Abends lernen wir zwei Mädchen aus Bayern kennen und spielen mehrere Runden „Watten“, ein urbayrisches Kartenspiel mit bayrischen Spielkarten und das am anderen Ende der Welt. In der Nacht haben wir sternklaren Himmel, den wir durch unser gläsernes Schiebedach bewundern können. Zum Morgen hin zieht sich der Himmel zu und die Landschaft wirkt wieder ganz anders als am Tag zuvor. Die Wolken kriechen über die Berge und die Spitze vom Mt Cook lässt sich hinter Wolkenschwaden gerade noch erahnen. Wir verlassen den schönen Campingplatz und statten dem Nationalparkhaus noch einen Besuch ab. Auf zwei Etagen kann man sich per Ausstellung und Film über die Natur und besonders über die Generationen von Bergsteigern im Gebiet des Nationalparks informieren. Erschreckend finde ich die große Anzahl der Leben von Bergsteigern, die diese Berge in den letzten ca. 150Jahren gefordert haben. In mehreren Erinnerungsbüchern wird diesen verunglückten Extremsportlern gedacht. Eine Haupttodesursache waren die zahlreichen Lawinenunglücke, für die die Region berüchtigt ist, daher werden auch stets aktuelle Informationen ausgehängt, die auch für den touristischen Gelegenheitswanderer wichtig sind. Unsere Fahrt führt uns heute ein ganzes Stück nördlich, sodass wir auf dem Boyers Stream Freedom Campingplatz in Mt Somers übernachten.
Am kommenden Tag geht es weiter Richtung Norden, sodass wir am 17.12.2018 eine Nacht auf dem recht matschigen Freedom Campingplatz Winchester Bridge verbringen, wo anscheinend auch Einheimische für längere Zeit in selbstgebauten Campingfahrzeugen leben. Als nächstes Ziel steht das Gebiet um Lake Coleridge auf dem Plan. Unsere deutschen Wattenspielerinnen vom Mount Cook Nationalpark haben uns den Peak Hill Track empfohlen, der zwar steil, aber lohnend sei. Die Kommentare bei unseren Camping Apps und die Infos auf der DOC Homepage machen mich nicht viel klüger. Klar ist, dass es wohl sehr windig wird, da der Track voll dem Wetter ausgesetzt ist. Klar ist auch, dass er wohl steil ist, laut DOC eine „expert route“ aber gleichzeitig geben sie an, dass er „suitable for family groups“ wäre, also lasse ich mich drauf ein. Es erwartet mich ein für mich sehr steiler Weg, nahezu gerade den Berg hinauf, der über längere Zeit geschottert und rutschig ist. Den Aufstieg finde ich ziemlich anstrengend, sowohl von der Kondition, als auch von der Technik her bei meinen lockeren Kniegelenken, und ich sehe mich auf dem Rückweg schon den Hang hinunterrutschen. Das alles bei strahlender Sonne, ohne ein bisschen Schatten, ist mir dann doch zu heftig, so kehre ich nach 2/3 des Weges und 400Höhenmetern auf dem Kamm um, denn als wir den Kamm erreichen, sind wir dem voll dem Wind ausgesetzt. Stefan wandert weitere 200 Höhenmeter zur Spitze. Wir hatten das schon im Internet gelesen, dass nachmittags der Wind häufig so zunimmt, dass ein Weitergehen zu gefährlich wird. Der Blick ist auch an der Stelle, bis zu der ich gekommen bin, sehr beeindruckend.

Der Lake Coleridge windet sich unter uns durch die Gebirgslandschaft in seiner vollen türkisblauen Schönheit. Wir fahren zum See hinunter und streifen durch das Arboretum, das vom ortsansässigen Kraftwerk angepflanzt wurde und fahren am Nachmittag Richtung Rakaia Gorge, wo der Rakaia River sich türkisblau durch die Landschaft schlängelt und durch Schluchten eingeengt wird. Dort, wo eine schöne alte Brücke den Fluss überspannt, liegt der kommerzielle Rakaia Gorge Campground, der für 10$NZ pro Person schöne, durch Hecken geschützte Rasenplätze mit Wasser bietet und darüber hinaus heiße Duschen, saubere Toiletten und einen Unterstand zum Kochen, Spülen und essen. Wir genießen den Luxus in der Nacht des 18.12.2018 sehr und schaffen es, wieder ein paar Sachen zu waschen. Der Ort heißt nicht zu Unrecht Windwhistle, der Wind pfeift dort ziemlich, wird aber durch die Hecken hervorragend abgehalten und unsere Wäsche trocknet in Nullkommanix.

Neue Perspektiven tun sich auf!

Am 19.12.2018 gibt es bei uns große Neuigkeiten! Als wir beim Mt Cook mit den bayrischen Mädels gespielt haben, erzählten sie uns, dass sie über die Weihnachtswoche als Haussitter ein Haus und Tiere betreuen und sich auch erst hier in Neuseeland bei „Kiwi House Sitters“ angemeldet hätten. Ich trage das schon lange im Gedanken mit mir herum, habe es aber immer verworfen, weil ich mir das zumindest mit Hunden nicht vorstellen kann. Wir schauen aber dann doch mal auf die Seite und finden viele Neuseeländer, besonders in Christchurch und Umgebung, die über oder nach Weihnachten jemanden suchen. Unter anderem ist da auch ein Paar, welches keine Tiere hat, in einer Villa wohnt und jemanden sucht, der den Rasen mäht und einfach das Hause belebt aussehen lässt. Wir gehen also das Risiko ein und bezahlen die Jahresgebühr an Kiwi Hause Sitters und bewerben uns bei dem Paar, sowie bei Leuten in Diamond Harbour und irgendwo im Norden, die beide Katzen zu versorgen haben. Wir glauben, nicht wirklich gute Chancen zu haben, weil wir ja keinerlei Referenzen vorweisen können, doch siehe da, heute, einen Tag nach der Bewerbung, wir sind gerade auf dem Weg von Windwhistle Richtung Arthur‘s Pass Nationalpark, rauscht eine Mail bei uns rein. Das Pärchen mit der Villa will uns gerne kennenlernen! Wir schmeißen also unsere Pläne über den Haufen und fahren nach Christchurch, um uns heute mit Liz im Café zu treffen. Unterwegs kommt dann noch ein Angebot aus Diamond Harbour, die uns auch ungesehen nähmen, uns aber anbieten, Haus und Katze kennenzulernen. Nun haben wir ein Problem, denn auf den ersten Blick gefällt uns letzteres besser, da ab 24.12. gesucht wird und Liz erst ab 26.12. jemanden braucht, aber wir können mit den anderen Besitzern kein Treffen vor dem Date im Café vereinbaren, weil sie arbeiten. Wir begeben uns also heute Mittag bei strömendem Regen von unserem Übernachtungsplatz am Hafen in Lyttelton ins Zentrum von Christchurch und treffen uns mit Liz. Sie ist gleich begeistert von uns, aber wir sagen ihr, dass wir die Entscheidung erst abends treffen können, weil wir noch einen Termin in Diamond Harbour haben. Sie hat volles Verständnis. Wir besuchen also die anderen Hausbesitzer und Margaret mit Kleinkind und Katze ist ebenfalls sehr nett. Nun liegt die Entscheidung bei uns. Letztlich entscheiden wir uns für Christchurch , obwohl das andere Haus eine traumhafte Lage über der Bucht hat und wir Weihnachten eine Unterkunft hätten, aber es liegt uns einfach zu weit ab von der Zivilisation. Zum Supermarkt müssten wir 40Min fahren, und wir waren ja auch zu Beginn unserer Reise schon in Diamond Harbour, sodass uns das für 11Tage zu lang erscheint. Wir sagen bei Airbnb das Cottage im Norden ab und finden für uns ein Appartement in Methven, ca. 1Std Fahrt von Christchurch für die Feiertage. Ab 26.12. gegen Mittag werden wir dann unseren „Job“ als „Haussitter“ antreten und Haus und Garten bis zum 4.1.2019 mit Leben erfüllen. Wir spielen also mal neuseeländische Großstädter Ich bin sooo gespannt wie das wird! Liz ist auf jeden Fall total happy als wir zusagen. Sie hatte sogar ihren Nachbarn schon gefragt, ob er nicht über Weihnachten uns als Haussitter bei sich unterbringen könnte! Der hat aber noch nicht zugesagt und wir ja nun auch etwas gebucht. Wir freuen uns auf die neue Herausforderung und eine Erfahrung über das „nur Tourist sein“ hinaus. Servas ist jetzt über die Feiertage und Sommerferien der Neuseeländer nicht gut möglich, so ist das vielleicht eine gute Alternative.

Pacific Alps Triangle – der Norden Canterburys

Nachdem wir Mittwoch in Christchurch und Diamond Harbour mit Vorstellungsgesprächen und Einkäufen verbracht haben, starten wir am Donnerstag, den 20.12.2018 noch zu einer kleinen Rundtour in den Norden, bevor wir „sesshaft“ werden. Das Wetter ist noch immer mies und soll laut Wetterbericht im Inland noch regnerischer als an der Küste sein, also macht Arthur‘s Pass keinen Sinn. Wir würden von den Bergen nichts sehen. Wir entscheiden uns, die Küste nördlich von Christchurch bis Hanmer – die sogenannte „Pacific Alps Triangle“- bis Weihnachten anzusehen. Das erste Stück bis Amberley, wo wir auf dem Campingplatz Amberley Beach Reserve North übernachten, ist nicht sehr spannend. Man hat vom Highway keinen direkten Blick auf den Pazifik. Einen Track brechen wir ab, weil es zu feucht wird und wir uns die ganze Zeit fragen, ob wir eigentlich auf dem richtigen Weg sind. Zumindest von oben bleibt es trocken.
Am 21.12.2018 sieht alles schon ganz anders aus. Wir wandern den Manuka Bay Track bei Sonne. Der Weg ist zwar stellenweise auch sehr matschig und rutschig, aber gut gezeichnet und mit schönen Ausblicken. Danach wird die Strecke dann viel abwechslungsreicher. Die Straße führt direkt an der Küste entlang und immer wieder gibt es Rastplätze und Parkplätze mit schönen Ausblicken auf die Küste. Gegen 17Uhr fängt es dann in Strömen an zu regnen, sodass wir uns den nächstbesten Campingplatz suchen. Da hier keiner kostenlos ist, nehmen wir den besten mit Dusche und Küchengebäude für 17$NZ pro Person. Das Gore Bay&Buxton Camp.
Samstag, der 22.12.2018, ist ein richtig schöner Tag. Nicht nur, dass uns morgens strahlende Sonne statt angesagtem Regen begrüßt, dürfen wir von einem Halteplatz ein paar Meter hinter unserem Campingplatz eine Kolonie Robben direkt unter uns, beobachten. Es ist ein regelrechter Kindergarten! Viele kleine Pelzrobbenbabys purzeln zwischen den Steinen herum, planschen in Wasserpfützen oder saugen genüsslich bei ihrer Mutter. Die Eltern ruhen sich auf den Felssteinen aus, watscheln mal ein paar Steine weiter oder grunzen und machten Drohgebärden, wenn eine andere Robbe sie stört. Es ist wunderschön so von nahem zuzusehen, sie aber sichtlich nicht zu stören und in Gefahr zu sein. Da wir uns immer wieder fragen, wo denn der Unterschied zwischen Robben und Seelöwen ist, habe ich mich mal im Internet klug gemacht und festgestellt, dass Robben der Oberbegriff für Seelöwen, Seebären, Seehunde etc. ist. Wer sich genauer informieren möchte, kann das auf dieser Seite t tun.
Nach dem possierlichen Anblick der Robbenbabys dürfen wir nur ca. 2km weiter dem sportlichen Verhalten von Delfinen zusehen. Völlig ausgelassen toben sie im Wasser und vollziehen erstaunliche Sprünge
Der Ort Kaikoura erwartet uns mit bizarren Kalksteinformationen an der Küste entlang, Vogelschutzgebieten und Robben, die es sich sogar im Schatten des Fußgängerweges am Parkplatz gemütlich machen. Wir wandern lange entlang der Küste, mal unten über den Strand aus Kalksteinen, mal oberhalb der Steilküste. Bei leckeren Fish und Chips beenden wir den Besuch der Stadt. Kaikoura wurde im November 2016 von einem Erdbeben erschüttert, dessen schlimmste Folgen wohl nicht in den Zerstörungen innerhalb der Stadt lag, sondern darin, dass alle Straßen- und Bahnverbindungen aus der Stadt heraus unbrauchbar geworden waren und Hilfe durch die Luft nötig Kaikoura
Wir fahren abends noch weiter bis Hanmer Springs und übernachten in der „Hanmer Springs Amenety Area“. Wir haben gerade noch Glück, einen Parkplatz in einer Pfütze zu bekommen. Es ist das erste Mal, dass ein Platz überlaufen ist. Wir werden uns jetzt in der Hauptreisezeit der Neuseeländer wohl darauf einstellen müssen, ehr unsere Übernachtungsplätze zu suchen, aber jetzt heißt es: noch eine Nacht im Auto, dann ist erstmal eine feste Unterkunft angesagt
Am 23.12.2018 ist das Wetter miserabel und wir haben keine Lust, horrende Preise für das Thermalbad in Hanmer Springs auszugeben, da die Kommentare von Besuchern auf der „bookMe“ Webseite auch nicht gerade ein ausgesprochenes Highlight versprechen. Vergleicht man Schwimmbäder in angelsächsischen Ländern mit Bädern bei uns, könnte sich jedes deutsche Bad ohne Probleme Spaßbad nennen. Wir haben die Erfahrung sowohl in England, als auch in Neuseeland gemacht, dass es sich zumeist um reine Sportbecken mit rigorosen Regeln, wer wann wo in welche Richtung schwimmen darf, handelt. Heiße Naturbäder wie z.B. auf den Azoren hätten uns schon das Geld aus der Tasche locken können, aber darum handelt es sich nach einem Blick über den Zaun in Hanmer Springs nicht. Nachdem wir im Regen etwas im Ort herumgelaufen sind, verlassen

wir den Ort Richtung Süden. Wir haben knapp 230km bis zu unserem Airbnb Quartier am Heiligabend zu fahren und warum soll man das schlechte Wetter dann nicht nutzen, dem Ziel näherzukommen. Gegen Nachmittag treffen wir in Rangiora ein und finden heraus, dass man im Park bei der Ashley Bridge über Nacht stehen darf. Inzwischen ist die Sonne wieder herausgekommen, sodass wir einen längeren Spaziergang am Fluss entlang unternehmen und zum Abendessen die hervorragende Ausstattung des Parks nutzen. Es gibt überdachte Elektrogrills, die jeder nutzen kann. So etwas hätte ich mir für die Jugendherbergen, die wir in Deutschland über 25 Jahre leiteten, gewünscht! Die Grills funktionieren auf Knopfdruck und schalten sich von selbst nach einer Weile ab, wenn man den Knopf nicht nochmals drückt. Eine rauchfreie Grillmöglichkeit also, die Umwelt und Gesundheit schont und noch dazu sicherer ist, als Holzkohlegrills. Nebendran befindet sich gleich noch ein Wasserhahn und rundherum Picknicktische. Wir lassen es uns bei gefüllten Empanadas gutgehen.

Weihnachten bei 28 Grad Plus und schockierendem Morgenlauf

Der 24.12.2018 beginnt für Stefan mit einem grausamen Erlebnis.
Morgens kitzelt ihn die Sonne aus dem Schlafsack. Laufshirt, Sporthose und Laufschuhe an und los geht es. Es sieht nach einem richtig schönen morgendlichen Lauf aus. Eine Pfütze mit 30 cm Tiefe kann er noch mit Baum und Ästen überqueren, aber die nächste Pfütze ist schon ein kleiner See, der vor und hinter dem Weg endet. So kehrt er um, überwindet die erste Pfütze nochmal. Er läuft weiter durch tiefes Gras, bis er zu einem breiten Weg kommt. In einiger Entfernung kann er auf einem weiten Platz ein Auto erkennen, das auf dem Dach liegt. Ein Schrottauto in der Landschaft ist ungewöhnlich für Neuseeland. Im Frühjahr, bei einer Reise nach Alaska, hätte er das Wrack nicht beachtet, dort liegen überall sich langsam in Rost verwandelnde Autos rum, aber in Neuseeland findet man keinerlei Unrat in der Landschaft. Als er sich nähert sieht er, dass das Auto vollständig ausgebrannt ist. Als er noch näherkommt, kann er noch leichten Rauch erkennen.
Per Handy sucht er seinen Standort und ruft die Notrufnummer 111. Zufälligerweise haben wir gerade am Vortag noch darüber gesprochen, dass man im Ausland immer die Notrufnummer parat haben sollte! Das hilft ihm jetzt, sofort die richtige Nummer zu wählen. Es meldet sich der neuseeländische Notruf. Er schildert kurz, dass sich ein auf dem Dach liegendes Auto, das noch leicht raucht, in der Nähe des Flughafens auf einer Freifläche befindet. Es folgt keine Rückfrage über Verletzte, sondern sie verbinden ihn mit der Feuerwehr. Diese fragt nur nach dem Standort und rückt 10 Minuten später mit zwei Löschzügen an.
Sie beginnen Wasser ins Innere des Wagens zu spritzen und schließlich folgt das Nicken eines Feuerwehrmannes und sie werfen sich vielsagende Blicke zu. Sie haben das gefunden, was jeder vermutete. Alle Türen sind fest verschlossen. Das Glas ist geschmolzen. Da alles mit einer Ascheschicht im Inneren des Fahrzeugs bedeckt ist, kann ich glücklicherweise nichts von innen sehen. Die Feuerwehr bittet mich, weiterzulaufen. Meine Personalien werden nicht aufgenommenen.
Für eine neuseeländische Familie und für Freunde und Kollegen wird das ein ganz übles und sehr trauriges Weihnachten. Meine Vermutung ist, dass ein übermütiger junger Mann auf dem Gelände seinen Mut und seine Fahrkünste unter Beweis stellen wollte.

Für uns geht die Fahrt nun ohne lange Zwischenstopps nach Methven, zu unserem Weihnachtsquartier. Da wir noch zu früh sind, schlendern wir durch die Stadt undfotografieren den riesigen Weihnachtsbaum. Den Heiligabend verbringen wir bei herrlichem Sommerwetter in unserem Apartment, dem wir bei Dunkelheit mit vielen Kerzen und unserer kleinen Lichterkette, die wir uns für unseren Campervan gekauft haben, etwas weihnachtliche Stimmung verpassen. Wir versuchen uns an selbstgemachtem Käsefondue im Wok mangels Fonduetopf, den wir zwischenzeitlich wieder auf den Herd stellen müssen, was aber dem Genuss keinen Abbruch tut. Das schönste sind aber die Videotelefonate mit unseren Kindern! Ein Hoch auf WhatsApp und WiFi!
Den ersten Weihnachtsfeiertag gammeln wir ganz genüsslich herum, kochen, spielen Würfelspiele und gucken Netflixfilme, denn das neuseeländische Fernsehen ist nicht auszuhalten – und ich beginne „Couchsurfing im Iran“ vorzulesen. Außerdem gibt es bei uns große Wäsche, denn wir wollen ja nicht stinkend am nächsten Tag unseren Haussitterjob antreten. Noch eine Nacht im Queensizebett, was wird uns am kommenden Tag bei unserer neuen Aufgabe erwarten?

Als Haussitter in Christchurch

Bei strömenden Regen packen wir am zweiten Weihnachtsfeiertag morgens unser Auto und fahren nach Christchurch. Gut, dass ich immer gerne super pünktlich bin, denn als wir kurz vor der Stadt sind, kommt eine SMS von Liz, unserer Hausbesitzerin, ob wir schon etwas eher kommen könnten. Das passt gut und so wird uns gegen 11Uhr Haus und Garten erklärt. Die wichtigsten Fakten bekommen wir auch noch einmal ausgedruckt in die Hand: Müllentsorgung, Alarmanlage, Schlüssel, Garten und Waschmaschine, TV, Klimaanlage. Unser erster Auftrag als Haussitter in einer netten Villa mit sehr schönem Garten und Alarmanlage kann beginnen! Hier werden wir bis zum 4.Januar Haus und Hof bewachen und alles so hegen und pflegen, als wäre es unser Eigentum. Liz und Rob haben uns als Willkommensgruß sogar einen typischen Weihnachtsgewürzkuchen mit vielen Nüssen und Trockenfrüchten und wahrscheinlich Kalorien für das ganze Jahr 2019 geschenkt! Wir fühlen uns hier wirklich gut und hoffen, alles zur Zufriedenheit im Januar wieder übergeben zu können.

Als Erwartung an uns haben sie, dass wir das Haus bewohnt aussehen lassen gegen Einbrüche, Post aus dem Kasten holen, Blumen im Haus gießen und gegebenenfalls den Rasen mähen, wenn nötig. Wir könnten auch Unkraut zupfen, müssten wir aber nicht. Erste Priorität liegt für sie bei der Sicherheit. Sie haben uns auch noch empfehlenswerte Restaurants und Cafés aufgeschrieben, damit wir uns wohlfühlen! Zwei Stunden nachdem die Beiden abgefahren sind, kommt noch eine SMS von Liz mit Vorschlägen für Ausflüge bzw. Wanderungen, die wir unternehmen könnten, wirklich nett! Am 2.Weihnachtstag, dem „Boxing Day“ – der heißt nicht so, weil da geboxt wird, sondern weil in früheren Zeiten die Postboten und verschiedene Angestellte Boxes mit Geschenken bekommen haben – ist in Neuseeland der große Rabatttag. Da Stefans Laufschuhe, wie eigentlich immer im Urlaub, ihren Geist aufgegeben haben, fahren auch wir kurz in die Stadt und kaufen für ihn neue Laufschuhe.
Am 27.12.2018 nehmen wir zu Fuß die Umgebung „unserer“ Villa unter die Lupe und laufen bis in die Innenstadt. Ab Nachmittag genießen wir dann unseren Luxus wieder im Haus und Garten.
Am kommenden Tag, dem 28.12.2018, ist das Wetter wieder sonnig, so machen wir uns auf in die Hügel um Christchurch und wandern den Rapaki Track und ein Stück des Crater Rim Walkways. Sport und Aben-teuer stehen bei den Neuseeländern hoch im Kurs und so wandern wir zwischen Joggern und Mountainbikern die stetig steigende Strecke und werden mit phantastischen Ausblicken auf die Bucht und Quail Island belohnt. Das Licht-Schattenspiel lässt die Kulisse wie ein Gemälde wirken.

29.12.2018 Heute führt uns der Weg nach New Brighton, einem Stadtteil von Christchurch, wo wir die ganze Southshore bis zur Spitze der Halbinsel und zurück am Wasser und auf dem Dünenweg entlangwandern.

Ich habe heute Morgen, dem 30.12.2018, Unkraut gezupft, sonst bekomme ich ein schlechtes Gewissen, hier so toll kostenlos zu wohnen, aber sonst verbringen wir die meiste Zeit mit Lesen. Ich habe Stefan schon zwei Bücher vorgelesen. Dank Nbib können wir von unserer Bücherei zuhause hier Bücher auf das EBook laden Außerdem gucken wir Filme bei Netflix. Das neuseeländische Fernsehprogramm ist miserabel und wir haben noch keinen deutschen, nicht mal amerikanischen Sender gefunden. Nur Shows und Werbung Wir chatten natürlich auch mit unserer „kleinen“ Tochter, die heute ein Vierteljahrhundert alt wird. Meine Güte, wie die Zeit vergeht!

Wir genießen es, hier richtig kochen und essen zu können. Es geht zwar auch im Camper, aber sehr beengt, und Stefan kann nicht gerade sitzen. Ich denke mal, am 4.Januar werden wir froh sein, mal wieder was anderes zu sehen, aber der Luxusverlust wird schwerfallen. Dann wird die Zeit auch schon knapp für den Rest der Südinsel. Wir müssen ja unser Auto Ende Januar auch noch verkauft bekommen. Keine Ahnung, wie Andere in 2-4 Wochen beide Inseln bereisen.
31.12.2018 An Silvester verbringen wir den Nachmittag in der Innenstadt bei Kaffee und Kuchen in einem Café und Abendessen bei einem thailändisch – vietnamesischen Restaurant, so bekommt unser Jahr einen runden Abschluss, denn die erste große Reise 2018 führte uns nach Vietnam. Den Jahreswechsel feiern wir mit vielen Einheimischen und ausländischen Besuchern bei einer rauch- und alkoholfreien Party im Hagley Park. Es gibt Lifemusik, die ziemlich rockig aber nicht unbedingt sehr gut ist, aber die Stimmung ist trotz Regen ab 23Uhr gut und das Feuerwerk um Mitternacht lohnt sich für uns mehr, als das sinnlose Geballere bei uns Zuhause. Es ist ein wirklich gelungener Silvestertag. An Neujahr faulenzen wir und verbringen viel Zeit vor dem Fernseher.

2.1.2019, heute ist mal wieder Bewegung angesagt. Wir unternehmen unseren weitesten Ausflug von Christchurch aus und fahren nach Waipara, ca. 60km nördlich und folgen damit einem Tipp von Liz.
Der 2.1. ist in Neuseeland noch Feiertag und wir nutzen ihn für den Tiromoana Bush Walk. Auch hier erwarten uns wieder wunderschöne Ausblicke, aber das Wetter ist für mich fast zu warm zum Wandern. Wir haben laut Wetter App 29Grad und der Weg läuft größtenteils über Weideland ohne Schatten. Wir sind dankbar für den teils recht starken Wind vom Meer. Abends habe ich dann trotz Sonnencreme einen leichten Sonnenbrand und die ganze Haut hat eine Salzschicht.
Damit wir gegenüber unseren Hausbesitzern kein schlechtes Gewissen haben müssen, und einfach auch, weil wir Ihnen etwas Nettes als Gegenwert bieten wollen, haben wir heute, am 3.1.2019 nicht nur Rasen gemäht, sondern ich habe Moos und Unkraut aus den Gehwegen entfernt, Fenster von Terrassentür und Küche geputzt, weil sie voll Vogelkot waren und Stefan hat Mango-Chutney, Zwiebelmarmelade (hab ich hier zum ersten Mal gesehen) und eine Kürbis-Karottensuppe zur Begrüßung nach der langen Fahrt für sie gekocht. Ich bin gespannt, ob sie sich darüber freuen.

Mit verstauchtem Fuß in die Berge

Am 4.1.2019 ist unser luxuriöses Leben mit Bett und Dusche wieder zu ende. Am Nachmittag kommen Liz und Rob zurück aus ihrem Urlaub und sind sichtlich erfreut über den guten Zustand von Haus und Garten und dankbar für die kleinen Leckereien, die wir Ihnen zubereitet haben. Wir verabschieden uns herzlich und dann geht es „on the road again“. Wir starten dort, wo wir vor Weihnachten aufgehört haben: bei der Anfahrt zum Arthur‘s Pass Nationalpark. Unterwegs kommen wir an ein paar netten Stellen vorbei wie Castle Hill, wo ein ganzes Meer von großen Felsblöcken in der Landschaft herumliegen und Boulder Begeisterte als Kletterparadies erfreuen. Stefan klettert auf die Spitze eines Felsens und lässt sich von mir fotografieren. Das Bild hat unsere deutschen Freunde allerdings zum Kommentar verlockt, wo er das Bild vom Treppenlift hinter dem Felsen versteckt hätte – haha! Er schafft das natürlich noch ohne Lift, aber er gibt zu, dass er oben auf der Spitze einen Anflug von Höhenangst verspürt hat. Wir wandern ein wenig zwischen den Felsen hindurch, aber ich bin nicht in Wanderlaune und habe immer die Befürchtung, mir meine Knie kaputtzumachen und dann an den kommenden Tagen in den Berg- und Gletschergebieten nicht richtig laufen zu können. Es muss eine böse Vorahnung oder self fulfilling prophecy sein, denn beim nächsten Aussichtspunkt, dem Cave Stream Scenic Reserve, knicke ich mit meinem rechten Fuß auf nahezu ebener Fläche(!) so idiotisch um, dass ich die 50m zum Auto kaum noch humpeln kann! Tja, das war es wohl erstmal mit Wanderungen für mich und gerade jetzt, vorm Arthur’s Pass Nationalpark! Hier campen wir die folgende Nacht auf dem DOC Campingplatz direkt vor der Toilette, damit ich den Weg auch nachts dorthin schaffe. Es wird eine unruhige Nacht und ich weiß nicht, wie ich den Fuß hinlegen soll. Ich habe mir direkt, als wir wieder beim Van waren, einen festen Verband drumgewickelt, um Halt zu haben und überhaupt auftreten zu können, aber das erweist sich als keine gute Idee.

Westcoast im Regen

Am nächsten Morgen, Samstag, den 5.1.2019, ist der Fuß dick geschwollen und das liegt wohl nicht nur daran, dass ich keine Möglichkeit hatte, ihn effektiv zu kühlen, sondern auch am Verband. Als Stefan zum Joggen geht, mache ich ihn ab und kann dann noch 2 Stunden gut schlafen, denn der Druck im Fuß lässt nach. Wir entscheiden, uns auf den Weg an die Westküste zu begeben. Stefan hat morgens ein paar schöne Ausblicke auf seiner Joggingstrecke bekommen und für mich gibt es keine Chance, dort herumzulaufen. Wir fahren nach Hokitika, wo ich hoffe, wenigstens im Ort ein paar wenige Schritte machen und Küste und Städtchen ansonsten vom Auto und Café aus bewundern zu können. Unterwegs halten wir an Aussichtspunkten an und Stefan läuft ein paar kurze Strecken und guckt für mich mit. Hokitika ist ein nettes kleines Örtchen, an dessen Strand ein gemauerter grüner Sessel dem Besucher ein nettes Plätzchen mit Ausblick auf das aus Stöcken gebaute Namensschild des Ortes und das Meer bietet. Das kann auch ich nutzen und schlecke genüsslich ein super leckeres Eis.

Danach fahren wir weiter bis Franz Josef Glacier zum Glacier Country Campervan Park. Der erste Campingplatz, den wir besuchen, ist überfüllt und teurer als erwartet. Dieser Campervan Park ist zwar auch bis auf den letzten Platz gefüllt, aber diesen bekommen wir. Wir haben sogar das Glück, direkt neben dem Sanitärgebäude parken zu dürfen, ein unschätzbarer Vorteil bei kaputtem Fuß und stark einsetzendem Regen! Wir essen im Van und ich lese Stefan weiter die Reisegeschichte eines alten Paares in ihren 80igern, er dement, sie mit Krebs und mehrfach operierten Knien und Hüften, die entgegen aller Verbote und Ratschläge und vielleicht auch Vernunft, eine voraussichtlich letzte Reise mit ihrem alten Wohnmobil auf der historischen Route 66 unternehmen. Unsere Vorbilder für später?
In den Abendstunden beginnt es, getreu des Wetterberichtes, zu regnen. So soll es auch am kommenden Tag werden. Danach werden zwei Tage mit Sonne angesagt, dann wieder mehrere Tage Regen! Wie soll man dabei eine geschätzte Zahl von ca. 6-7 Nationalparks und hunderte schöner Stellen im ganzen nördlichen Teil der Südinsel in drei Wochen schaffen? Puh, purer Stress! Wir müssen ja Ende Januar unbedingt wieder in Christchurch sein, um unser Auto zu verkaufen. Nun wird es vielleicht trotzdem eng mit der Zeit, obwohl wir schon die Nordinsel aus unseren Reiseplänen gestrichen haben. Es gießt die ganze Nacht. Stefan joggt frühmorgens einen Wanderweg im strömenden Regen, und wir entschließen uns, die Schlechtwetterzeit möglichst zum Fahren oder für Städte bzw. Orte zu nutzen.
Es geht am 6.1.2019 also Richtung Haast, um wenigstens noch Einkaufen und etwas „Stadtleben“ genießen zu können. Pustekuchen! Man kann hier zwar alle möglichen Outdoorabenteuer buchen und Unterkünfte finden, aber das wars auch schon. In einem kombinierten Lebensmittelladen mit Fastfoodimbiss, wie man sie von Campingplätzen bei uns kennt, essen wir Fish&Chips und kaufen Voltarengel für meinen Fuß. Ich hätte lieber ein Kühlgel gehabt, statt gleich eines mit Schmerzmittel, aber es wird schon gehen. Wir machen uns danach wieder auf den Weg. Es gießt noch immer und wir wollen so nah wie möglich an den Mt Aspiring Nationalpark heran, um am kommenden Tag bei Sonne vor Ort zu sein. Mein Fuß schwillt allmählich ab und ich hoffe, wenigstens ein paar Schritte laufen zu können. Meinen ersten Versuch wage ich, eingehüllt in Regenhose und -Jacke und mit Flipflops! an den Füßen. Zum einen passt mein Fuß nur schlecht in einen Wanderschuh, aber der Hauptgrund sind 10 cm tiefe Pfützen auf dem 1 km langen „Roaring Bill Falls Walk“ direkt an der Highway. Mein Fuß freut sich über das kühlende Nass, der Weg ist kurz aber durch wunderschönen Regenwald und hat meinem Fuß (hoffentlich) nicht geschadet. Kurz darauf kommen wir auf unserem Übernachtungsplatz, dem Pleasant Flat DOC Campground, an und erwarten mit großen Befürchtungen, wieder zurück im Sandflies Paradies zu sein.

Auf der SH 6 ins Land der Berge und Seen

Der 7.Januar begrüßt uns mit Sonne und wir haben eine Traumstrecke vor uns. Die Bundestraße 6 führt uns erst entlang des Lake Wanaka, dann auf der anderen Seite entlang des Lake Hawea, bis sie wieder zur anderen Seite wechselt und nach Wanaka führt. Wanaka ist mit rund 8000 Einwohner etwa 2/3 so groß wie Queenstown, aber ebenso touristisch. Sie scheint jedoch eher Familien anzuziehen. Das kann natürlich trügen, da jetzt Sommerferien in Neuseeland sind und als wir in Queenstown waren, noch Schule war. Wie auch immer, es ist brechend voll. Im Supermarkt machen Familien ihre Großeinkäufe und Kinder wuseln herum, sogar der charity shop der Salvation Army ist gut besucht und zwei Kinder klimpern auf einem Klavier herum. Bereits auf den kleinen Trails und den Aussichtspunkten entlang der Strecke ist richtig viel los. Nach der langen, unbewohnten Strecke entlang der Westküste ist das für uns erst einmal eine Umstellung.
Heute macht mein Fuß schon wieder ganz vernünftig mit, obwohl er links und rechts am Knöchel und am mittleren Zeh blau ist. Ich kann den einstündigen Trail zu den Blue Pools und mehrere kurze zu Aussichtspunkten schon wieder vorsichtig laufen. Meine Wanderschuhe passen auch wieder. Damit Stefan auch auf seine Kosten kommt, halten wir nachmittags am Parkplatz des Isthmus Peak Tracks. Er ist mit 5-7 Std angegeben, aber Stefan meint, er schaffe es schneller und läuft um 17:30 Uhr noch los. Erst denke ich mir nichts dabei, denn ich habe Telefonnetz und er läuft ja häufig, wenn es noch dämmrig ist, bis es 20:30 Uhr wird, die Sonne schon hinter den Bergen verschwindet und ich herausfinde, dass er keine Kopflampe bei sich hat! Meine Telefonverbindung geht auch nicht mehr, sodass ich mich zum nächsten Hügel aufmache, um wieder Netz zu haben und ihm eine WhatsApp schicken zu können. Er hat aber kein Netz. Nun heißt es warten. Ich koche schon mal einen warmen Tee. Kurz drauf kommt er an, nach gut 3 Std, also halber Zeit als angegeben und grade noch bei ausreichend Licht, um den Weg sehen zu können. Mir fallen Steine vom Herzen! Wir fahren weiter zum Kidds Bush Campingplatz und verkriechen uns vor den Sandflies. Schade eigentlich, denn die Lage direkt am See, umgeben von Bergen, ist sehr schön. Der Platz ist auch sehr gut besucht, wiederum von vielen Familien.

Gletscher im Westland Tai Poutini National Park

Es ist Dienstag, der 6.1.2019 und wir beeilen uns, wieder in Richtung Fox- und Sankt Josef Gletscher zu gelangen, solange die Sonne uns hold ist. Die Landschaft sieht heute völlig anders aus, als auf dem Hinweg, denn da konnte man von den Bergen entlang der Strecke durch Wolken und Regen überhaupt nichts sehen. Unterwegs machen wir immer mal wieder Halt an ausgewiesenen Aussichtspunkten oder Kurzwanderwegen unter 1 Std, bis wir am frühen Abend den Foxgletscher im Westland Tai Poutini National Park erreichten. Man kann dort, wo der Gletscher sich bis Mitte des 18.Jahrhunderts noch ausdehnte, durchs Gletscherbett hoch zum Gletscher laufen. Zu Beginn des Weges steht ein Schild, wie weit der Weg an dem Tag ist und welche Gefahren lauern. An diesem Tag gilt es 1,4 km stetig steigende Schotterstrecke hochzulaufen. Der Gletscher schmilzt immer weiter und daher verändert sich die Länge des Weges bis zu seinem Rand natürlich. Unterwegs stehen Warnschilder, die nächsten 400m nicht stehenzubleiben wegen Steinschlaggefahr. Rechts im Flussbett arbeiten Bagger und Kräne und transportieren Geröll hin und her. Es scheint, als würden sie einen neuen Parkplatz näher am Gletscher bauen. Der Weg ist mit meinem Fuß recht beschwerlich und ich muss höllisch aufpassen, nicht nochmals auf einem Stein umzuknicken oder auf dem Schotter zu rutschen, aber es gelingt mir, bis zum Gletscher, bzw. zur Absperrung zu kommen. Wirklich viel scheint vom Gletscher wirklich nicht mehr übrig zu sein, zumindest ist nicht mehr viel zu sehen im Vergleich zu dem Stück, das wir gerade hochgelaufen sind.

Vom Fox Gletscher fahren wir weiter zum Franz Josef Gletscher, 1865 vom deutschen Entdecker Julius von Haast benannt nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef. Auch hier haben wir Glück, den Trail zum Aussichtspunkt so zu schaffen, dass das Sonnenlicht noch auf die Spitze fällt. Die zackigen Bergspitzen beim Franz Josef Gletscher begeistern mich weitaus mehr, als der Anblick des Fox-Gletschers, auch wenn man längst nicht so nahe an ihn herankommt. Danach wird es Zeit, sich einen Übernachtungsplatz zu suchen, aber den aus WickiCamps gewählten „Whataroa River Overnight“ gibt es entweder nicht, oder zumindest können wir den Weg nicht finden. Es wird immer später und dunkler, sodass wir kurz nach 22Uhr in der “Lake Ianthe Recreation Area“, einem recht mies bewerteten Platz für 8$NZ, bleiben. Wir können die Kommentare nur bestätigen: ein völlig schiefer Untergrund, bestialisch stinkende Klos und die vielen Sandflies können auch uns nicht für den eigentlich nett am See liegenden Platz begeistern.

Entlang der Westcoast nach Norden

Der Mittwoch, 7.1.2019, beginnt zu unserer Freude nicht mit dem angesagten Regen, sondern sonnig mit ein paar Wolken. Wir machen daher auf unserer Strecke nach Greymouth, mit rund 8000 Einwohnern größte Stadt an der Westküste, noch einen Abstecher ins Landesinnere zum Lake Brunner. Moana, der Hauptort mit Wanderwegen direkt am See, ist wirklich nett. Eine Idylle für Familienurlaub: Kinder, die um die Wette von der Brücke in den Fluss springen oder mit Rädern Kunststücke auf der Straße versuchen, Erwachsene, die bei dem Versuch ihr Boot aus dem Wasser zu ziehen und dabei wohl den falschen Gang erwischen und mit dem Jeep im Wasser landen, ein Zug, der einmal täglich von Greymouth an der Westküste, nach Christchurch an der Ostküste durch den kleinen Ort fährt. Das alles bietet dieses wirklich hübsche Örtchen, das sich zu der bereits traumhaften Lage am See mit Strand auch noch einen Park leistet. Weiter geht es dann nach Greymouth und zu Dominos Pizza, unserem „besonderen“ Essen, wenn wir mal in einer Stadt sind. Da auch am späten Mittag noch kein Regen zu sehen ist, nutzen wir die Chance und fahren etwas nördlich zum „Point Elizabeth Walkway“ und machen eine wirklich schöne, knapp 2-stündige Wanderung zu der Spitze eines kleinen Küstenvorsprungs. Pünktlich, als wir zum Auto zurückkommen, beginnt es dann zu regnen und wir fahren zur Barrytoen Coastal Site, einem Freedom Campingplatz.

Ins Landesinnere zum Nelson Lakes Nationalpark

Der Tag darauf, Donnerstag, der 10.1.2019, ist dem Paparoa Nationalpark mit den „Pancake Rocks/Punakaiki“ gewidmet. Wir freuen uns, anstelle des vorhergesagten Regens nur einen bedeckten Himmel vorzufinden und die bizarren Felsformationen, die aus aufeinander abgelagerten Schichten bestehen und wie aufeinandergestapelte Pfannkuchen aussehen, doch noch gut fotografieren zu können. Weiter die Küste hoch halten wir an ausgewiesenen Aussichtspunkten und machen den kurzen Truman Walk entlang der Küste. Wir haben uns für heute vorgenommen, früh zu einem Campingplatz zu fahren und uns mal wieder Dusche und Wäschewaschen zu gönnen. Das Charleston Motorcamp bietet sich da an und wir nutzen den Nachmittag mit Selbst- und Klamottenreinigung und können uns den Trockner sparen, da die Wäsche super auf der Leine trocknet. Darüber hinaus versuchen wir unser Auto auf der Backpacker Homepage bei Facebook zu posten und sind bald der Verzweiflung nahe. Zuerst versucht Stefan es mit Hotspot über mich per Handy. Ich habe mir viel Mühe beim Text gegeben und die Highlights unseres Vans mit „Daumen hoch“ gekennzeichnet. Als Stefan dann mühsam alle Bilder eingebunden hat, fällt genau in dem Moment mein Handy und damit Stefans Internetverbindung mangels Energie aus, als er unseren Beitrag hochlädt. Also alles noch einmal von vorne! Noch einmal soll das nicht passieren, also schreibe ich alles nochmal mit meinem Handy und schicke es ihm per WhatsApp. Wenn dann noch etwas passieren sollte, wäre der Text wenigstens noch vorhanden. Wir starten einen zweiten Versuch, dieses Mal mit Netbook und ausreichend Strom. Dummerweise versagt dieses Mal die Internetverbindung! Das ist ein ewiges Problem mit dem Telefonnetz außerhalb von Städten. Es gibt viele Gegenden, die völlig ohne Netz sind. Für den Tag haben wir genug von der Technik und gehen einen „Flat White“ , meinen Lieblingskaffee, trinken und ich ziehe Stefan beim Würfeln ab (selten genug).
Am kommenden Tag, Freitag, den 11.1.2019, fahren wir weiter nach Westport, einer kleinen Stadt nördlich von Greymouth an der Westküste, doch zuvor besuchen wir noch eine weitere Robbenkolonie bei Tauranga Bay und wandern zum Cape Foulwind Lighthouse. Der Leuchtturm ist nichts Besonderes, aber der Weg an der Küste entlang und die verspielten tollpatschigen Robbenbabys sind einfach großartig. Danach marschieren wir in Westport mit unserer Technik in die örtliche Bücherei, einem genialen Ort für Internetangelegenheiten, da immer ausgestattet mit freiem WLAN und guter Verbindung und drüber hinaus gemütlich mit Sesseln und Couch. Endlich klappt es mit unserer Anzeige. Jetzt muss nur noch jemand anbeißen! Ich würde unseren Van, mit den Erfahrungen, die wir bisher mit ihm gemacht haben, sofort noch einmal kaufen. Schade, dass wir ihn nicht irgendwo abstellen können und im Herbst gleich nochmal hierhin fliegen und die Nordinsel bereisen oder unseren Kindern die Möglichkeit eröffnen können.
In Westport kaufen wir nochmal gut ein, denn eine Weile lang werden wir nun durch Nationalparks touren, voraussichtlich ohne große Infrastruktur. Noch einmal Fish&Chips essen und weiter geht die Fahrt ins Landesinnere nach Maruia Falls, wo wir auf dem Parkplatz übernachten. Die Wasserfälle sind nicht hoch aber breit und nett anzusehen.

Den 12.1.2019 verbringen wir im Nelson Lakes Nationalpark. Es gibt dort zwei Seen, den Rotoroa Lake und den Rotoiti Lake. Wir kaufen uns im DOC Center in Murchison ein Büchlein mit Wanderwegen und beginnen dummerweise mit dem Lake Rotoiti, da man uns gesagt hat, dass von St. Arnaud der beste Zugang sei. Der Weg am See entlang ist aber nicht besonders interessant und die Steine machen meinem Fuß Probleme. Wir entscheiden uns, nachdem wir den Brunner Peninsula Naturwalk gemeinsam gemacht haben, uns zu trennen, und dass ich zurück zum Auto und Stefan noch den Black Hill Walk machen soll. Ich besuche das Visitor Center und höre per Kopfhörer die unterschiedlichen Vogelstimmen an. Es wäre ja schön, auch mal Vögel an ihren Rufen zu erkennen.
Danach erkunde ich den “Ort“, der aus einer Tankstelle mit angeschlossenem Lädchen und Café besteht und mache es mir bei einer Tasse Kaffee gemütlich und schreibe die Erlebnisse der letzten Tage auf. Eine Weile drauf erscheint Stefan auch dort und teilt sich einen Muffin mit mir. Wir beschließen, die paar Kilometer zurückzufahren und dem Lake Rotoroa auch noch einen Besuch abzustatten. Das erweist sich als eine sehr gute Entscheidung. Der See gefällt uns viel besser und wir wandern noch den zweistündigen, sehr schönen Braeburn Track zusammen durch einen Podocarb- (Steineiben) und Buchenwald, wobei letztere hier anders aussehen als bei uns. Hier auf dem Waldboden macht das Wandern überhaupt keine Probleme und ich bin nach meiner Kaffeepause auch insgesamt viel besser drauf. Wir übernachten auf dem DOC Campingplatz am See.
Es ist sehr schön hier, aber die Sandflies sind echt extrem. Als Stefan am kommenden Morgen, dem 13.1.2019 nach dem Joggen im See schwimmen geht, überfallen sie ihn sogar im Wasser!

Wir verlassen den Nelson Nationalpark in Richtung Norden nach Motueka. Unterwegs gelingt uns noch ein Abstecher mit Wanderung in den Kahurangi Nationalpark. Wir biegen Richtung „Arthurs Range“ zum „Flora Car Park“ ab und landen auf einer unbefestigten Straße, die sich noch dazu einen Berg hochschlängelt. Sie stellt sich als bisher größte Herausforderung für unseren Van heraus, die er aber zum Glück auch ohne Probleme meistert. Wir wandern zur Flora Hut und dann noch ca. 1Std weiter auf dem Gridirontrack. Es ist ein sehr schöner Weg durch Urwald mit einer Aussichtsplattform zu Beginn des Weges, der einen Blick über die Bergwelt und Wälder freigibt. In Motueka fahren wir tanken und einkaufen, und natürlich sind wieder Fish&Chips angesagt, bevor wir zum Freedom Campingplatz WF Moss Scenic Reserve für die Übernachtung weiterfahren. Wir haben den ganzen Tag Sonnenschein, aber abends fängt es dann etwas an zu regnen. Der Platz ist eine riesige Grünfläche und gut besucht von Campern und Sandflies. Wir genießen eine ruhige Nacht, aber morgens nach dem Joggen will Stefan nur weg und sich auf keinen Fall von den kleinen Biestern beim Waschen auffressen lassen. Er hat beim Laufen die „Riwaka Resurgence“ entdeckt, eine heilige Stelle der Maoris, wo der Riwaka River aus einem Berg entspringt. Das Wasser, dass sich als Teich sammelt, ist unglaublich klar, ein wirklich magisch schöner Ort. Wir parken auf dem Parkplatz, wo wir gemütlich frühstücken.

Die Golden Bay

Unser nächstes Ziel ist Takaka, ein Ort nahe des Abel Tasman Nationalparks, der größer und bunter ist als erwartet. Als erstes machen wir die Begegnung mit einer Dusche in einem Gehäuse eines Dixi-Klos. Hier können sich Backpacker kostenlos kalt duschen. Im Ort selber bekommen wir das Gefühl, in Asien gelandet zu sein. Reihenweise esoterische Läden, Yogaangebote, alternative Medizin und die Touristen sehen auch eher aus, als kämen sie aus Bangkok. Das Flower Power Flair ist aber echt nett und so speisen wir mal wieder indisch zu Lunchpreisen. Leider ist die Größe der Mahlzeiten auch entsprechend klein. Gestärkt fahren wir immer weiter Richtung nördlichstem Punkt, den wir dann bei einer kleinen Wanderung am Cape Farewell erreichen. Danach machen wir einen Abstecher an die Bucht und sind beide fasziniert von der unendlichen Weite des Sandstrandes. Es wirkt eher wie eine Wüste, die im Meer endet. Auch hier begegnen wir wieder einer Robbe. Die Nacht verbringen wir kostenlos am Meer auf dem Taupata Gravel Reserve, einem weiteren Freedom Campingplatz. Er ist nahezu am überlaufen, aber die Camper rücken zusammen und die Stimmung hier ist relaxed.
Dienstag, den 15.1.2019, beginnen wir gleich morgens mit einer schönen Wanderung. Stefan hat den Weg zur Wharakki Beach entdeckt und so gelangen wir zu einem wunderschönen Sandstrand und wandern 1 1/2 Stunde eine Runde am Strand entlang und dann über Weiden wieder zurück. Danach laufen wir noch ein Stückchen über den Splittrack und fahren danach nach Collingwood, wo wir in einem indisch angehauchten, esoterischen Restaurant Fish&Chips essen. Danach nutzen wir in Tanaka die kostenlosen kalten Duschen, gehen einkaufen und dann geht die Fahrt zu unserem wohl letzten Nationalpark auf dieser Reise, dem Abel Tasman Nationalpark.

Tageswanderungen im Abel Tasman Nationalpark

Der Abel Tasman Coast Track ist wiederum einer der neun „Great Walks“, das heißt, mehrtägige Wanderungen in besonders schöner Gegend, mit sehr gut gepflegten Wegen und Infrastruktur in Form von Hütten und Campingplätzen. Leider wurden auf ein paar sehr beliebten Great Walk in diesem Jahr die Kosten für ausländische Touristen grade mal verdoppelt, d.h. man zahlt auf diesem Walk für eine Matratze im Etagenbett einer Hütte im Massenlager mal locker 78$NZ. Das x 4-5 Übernachtungen, zuzüglich des Wassertaxis, das einen wieder zum Ausgangspunkt bringt für 48$NZ pro Person, ist uns definitiv zu teuer. Campingplätze mit zumeist nur Plumpsklo und z.T. Wasser, was aber zum Trinken noch abgekocht werden muss und manchmal einem Unterstand oder Picknicktischen, kosten pro Person auch 30$NZ pro Nacht. Müll muss immer wieder mit aus dem Park herausgenommen und in der nächsten Stadt an vorgeschriebener Stelle entsorgt werden. Man muss noch dazu alles früh im Voraus buchen und ist somit furchtbar unflexibel, wie weit man pro Tag läuft. Noch dazu muss bei diesem Park Ebbe und Flut beachtet werden und es kann passieren, dass man abends nicht zu seinem Übernachtungsplatz kommt, weil man nicht schnell genug war, bevor das Wasser wiederkommt. Das bedeutet für mich Stress, den ich mir beim Wandern auf keinen Fall machen will. Man kann auch nur Tagesetappen wandern und per Wassertaxi zurück, oder wie wir es gemacht haben, die Einstiegspunkte der Tagesetappen, die mit Auto erreichbar sind, anfahren und von dort rein- und rauslaufen, was den Weg natürlich entsprechend verdoppelt. Am Nachmittag fahren wir nach Wainui und laufen von dort bis zur Whariwharangi Hut und zurück. Es ist ein schöner Weg, der sich die Steilküste hochschlängelt und nach einem schönen Ausblick runter zum Strand verläuft. Nach kurzem Stopp bei der Hütte, kehren wir auf selbigen Weg zurück zum Auto. Auf dem Hinweg zum Park haben wir im Örtchen Motupipi an einer Wiese ein Schild gesehen, dass man dort mit „selfcontained Campervan“ für 7$NZ pro Person über Nacht stehen kann. Das nutzen wir als Einzige, obwohl die Campingplätze derzeit ziemlich überlaufen sind. Wir haben einen Picknicktisch und eine große Weide ganz für uns!

Am 16.1.2019 fahren wir bis Totoranui in den Nationalpark und wandern bis Awaroa. Bis ganz zur Hütte kommen wir nicht, weil gerade die Flut wieder das Wasser in die Bucht spült. Ein paar Wanderer, die wohl gebucht haben, laufen durchs Wasser, was ihnen einen nassen Po einbringt, aber wenigstens sie schaffen es noch hinüber. Andere machen es sich gemütlich und warten auf die nächste Ebbe in 6 Stunden. Der Weg ist sehr schön, hat aber sehr steile Stellen und die gut 11km finde ich schon recht anstrengend. In Totaranui ist ein Visitor Center, ein riesiger Campingplatz und der wohl schönste Strand, den ich je gesehen habe.

Auch die nächste Nacht verbringen wir noch einmal auf dem Motupipi Weiden-Campingplatz, da wir ein zweites Mal nach Totaranui und dieses Mal in die andere Richtung, nach Norden laufen wollen. Wir kommen über Anapai bis Mutton Cove, dann wenden wir. Die Tagesetappe wäre eigentlich bis zur Waiharakeke Hut gegangen, aber wir haben ja immer die doppelte Strecke zu laufen, weil wir zurück zum Auto müssen, außerdem waren wir am ersten Tag im Park bereits bei der Hütte von der anderen Seite aus. Die Strecke heute ist traumhaft. Es geht zwar auch immer auf und ab von der Steilküste zum Strand und wieder hoch, aber ein großes Stück des Weges sieht noch absolut neu aus und ist wunderbar eben zu laufen, da erscheinen die Steigungen mir nicht so steil. Farnbäume, Schwarzbuchen, Manuka und Kanukabüsche bestimmen den Wald, wo ein reges Vogelgezwitscher die Wanderer begleitet. Die meisten sind eher zu hören als zu sehen, anders die Wekaralle, eine etwa Huhn große Vogelart, die auch als gefährdet gilt, die uns aber oft begegnet (wird hier nur Weeka oder Woodhen genannt), und sich sichtlich gerne bei menschlichem Futter bedient. Leider nerven sie daher teilweise durch ihre Aufdringlichkeit. Am Abend gehen wir dann zum letzten Mal essen, tanken und einkaufen in Takaka und übernachten beim Hawkes Lookout Freedom Camp, wo wir tagsüber schon bei der Hinreise waren.
Am Freitag, den 18.1.2019 wandern wir zum letzten Mal auf dem Abel Tasman Coast Track.  Heute kommen wir von Süden, von Mãrahau aus. Dies ist der offizielle Start des Tracks, auch wenn man ihn natürlich ebenso von Nord nach Süd wandern könnte. Am Anfang steht wieder das typische Holzeingangstor mit Schnitzereien, dann führt der Weg über Brücken, die über eine Flussmündung führen, um dann im Schatten der Bäume entlang der Steilküste zu wandern. Zwischen drin gibt es immer mal wieder eine Bank zum Ausruhen, was recht ungewöhnlich ist für neuseeländische Tages- oder Mehrtageswege. Es gibt sie sonst höchstens mal auf Kurzwanderwegen oder an Aussichtspunkten. Immer wieder gibt es Zugänge zur Bucht. Ich laufe die 8 1/2 km bis Stillwell Bay und selbiges zurück. Stefan hat sich zu Beginn der Wanderung von mir getrennt, da er die gesamte Tagesstrecke bis zur Anchorage Hut laufen möchte, mir aber die Gesamtkilometerzahl von 24 km zu weit ist. Die Aussichten und der Weg als solcher sind an diesem Tag unglaublich schön. Besonders der Strand von Apple Tree Bay mit seinen dunklen Felsen im tiefblauen Wasser am makellos weißgelben Strand verschlägt mit fast den Atem, deshalb laufe ich letztlich auch noch 2km weiter als geplant, bis zu einer weiteren Bucht. Auf dem Rückweg erwarte ich dann immer, dass Stefan mich einholt, weil er ja viel schneller ohne mich läuft. Besser gesagt hoffe ich das, denn er hat bei unserer Trennung vergessen, mir den Autoschlüssel zu geben und ich befürchte im Stillen, dass er versuchen wird noch weiter als zur Anchorage Hut zu kommen. Als ich wieder beim Eingangstor ankomme, sehe ich von weitem einen beigen Hut und erkenne durchs Teleobjektiv, dass er es ist. Wenn das keine Abstimmung ist! Wir erlauben uns den wunderschönen Wandertag mit Eis und Kuchen im Café am Eingang des Parks zu beschließen, daraufhin fahren wir zu einem genialen, kostenlosen Campingplatz im Motueka Beach Reserve. Ein betonierter Salzwasserpool dient dort als Freibad, damit Schwimmen auch bei Ebbe möglich ist. Toiletten, kalte Dusche, Spül- und Waschbecken sind kostenlos nutzbar und darüber hinaus gibt es noch zwei Elektrogrills mit 1$NZ Münzeinwurf zum Grillen. Der Stellplatz bietet ausreichend große und ebene, gepflasterte Stellflächen vor einer großen Wiese mit Picknicktischen und Bäumen, die etwas Schatten spenden. Ein Campereldorado also! Wir nutzen die Gelegenheit, um Wäsche, Geschirr und uns mal wieder gründlich zu reinigen und unterhalten uns ein wenig mit einem älteren Pärchen aus München.

Nelson und die Tasman Bay

Nach einer guten Nacht machen wir am Samstag, den 19.1.2019, nach all den Tagen in der Natur, erstmal einen ausgiebigen Shoppingtag in Motueka, dem nächsten Ort auf dem Weg nach Nelson. Wir bereichern mehrere Charityshops mit dem Einkauf von mehreren T-Shirts für Stefan und mich. Endlich werde ich auch mal fündig und bekomme drei unterschiedlich bedruckte T-Shirts der neuseeländischen Marke „Rakiura Art“, die mich fortan an unseren gleichnamigen Dreitages Great Walk auf Stewart Island erinnern werden. In Nelson angekommen, sind wir zu Beginn wieder mit der Geschäftigkeit einer Stadt nach all der Natur überfordert. Nachdem wir die Haupteinkaufsstraße einmal hoch- und runtergelaufen sind und der Bauernmarkt leider gerade die Tore schließt, fahren wir zum Botanical Hill und wandern hinauf zum Center of New Zealand, dem Punkt, der der geographische Mittelpunkt von Neuseeland sein soll. Von oben sehen wir, dass auf einer Grünfläche beim Meer etliche Drachen steigen gelassen werden. Laut Internet soll am kommenden Tag Drachenfest sein, aber warum nicht schon heute vorbeischauen? Auf dem Weg dorthin, stoßen wir auf den japanischen Garten „Maitai“, der für seine Verhältnisse recht groß und auch wirklich schön angelegt ist. Bei uns bestehen japanische Gärten ja meist nur aus einem Karpfenteich mit roter Brücke und einer kleinen Sitzecke im botanischen Garten. Schade, dass nicht gerade Kirschblütenzeit ist! Danach finden wir auch die Vorhut des Drachenfestes auf einem Sportfeld, aber es sind nicht mehr viele Drachen in der Luft. Allmählich wird es Zeit, Ausschau nach einem Übernachtungsplatz zu halten. Die zwei Parkplätze, die Freedom Camping in der Stadt erlauben, haben entweder keine guten Kommentare im Internet (Ruhestörung etc.), oder sind über das Wochenende gesperrt. Wir haben aber zuvor noch Lust auf einen Kaffee und lassen uns von Google Maps leiten. Das führt uns zum Founders Heritage Park, der eigentlich bereits geschlossen hat, aber das Gartencafé hat noch geöffnet. Für uns ist das genial. Der Park, bestehend aus historischen Gebäuden, Feuerwehrauto, Zug und Flugzeug ist sehr schön und ein bisschen das, was wir als Altstadt vermisst haben. Auch wenn die Gebäude nicht mehr geöffnet sind und wir die Gewerke wie Schuhmacher o.ä. nicht mehr bei der Arbeit beobachten können, genießen wir die schöne Atmosphäre und das ohne Eintritt zahlen zu müssen. Im Anschluss trinken wir noch einen guten Kaffee im Gartenrestaurant. Ich finde bei WikiCamps den Wakapuaka Reserve Carpark für Freedom Camping und auch wenn von Reserve nichts zu sehen ist, gibt es Platz für ca. 3 Camper vor einer Toilette, neben einem Clubhaus und einem War Memorial. Die Nacht ist für mich recht unruhig. Der Haken meiner Gardine fällt ab, sodass ein Großteil der Nacht der Vollmond direkt in mein Gesicht scheint Darüber hinaus ist es so warm im Van, dass ich die Ausstellfenster öffne, dann aber aus Angst nicht schlafen kann, dass der angesagte (aber nicht auftauchende) Regen den Weg durchs Fenster ins Innere des Wagens finden könnte. Als dann gegen drei Uhr nachts ein Kleinlaster, wie sie gerne auch vom DOC verwendet werden, direkt neben uns hält und mindestens 5Min den Motor laufen lässt, man aber niemanden sieht, bin ich richtig wach und fühle mich erschlagen. Wir fahren morgens gegen 8 Uhr ab und frühstückten ein Stück weiter an der Küste. Danach laufen wir ein Stück den Cable Bay Walk, wobei ich nach dem Erreichen des ersten, sehr steilen Hügels kehrtmache, weil ich mich kaum gegen den Wind halten, geschweige denn, dabei derart steile Wege erklimmen kann. Stefan läuft noch ein kleines Stück weiter, der Ausblick ist aber von beiden Punkten gleich beeindruckend. Wir kommen jetzt in die Gegend des Marlborough Sounds, eines Küstenabschnitts mit vielen vorgelagerten Inselchen und Fjorden, wirklich wunderschön und wir haben immer noch ein Traumwetter! Die kommende Nacht verbringen wir auf der DOC „Elain Bay Campsite“, wunderschön in der Bucht gelegen und sehr entspannt.
Am Montag, den 21.1.2019 fahren wir bis hoch zum French Pass, dem Meeresdurchgang zwischen dem Festland und der Insel D‘Urville Island. Die Stelle ist ein Grauen für alle Seefahrer, da, soweit ich verstanden habe, die Tide nicht auf beiden Seiten gleichmäßig ist und es noch dazu bei starkem Wind und Flut zu sich wild überschlagenden Wellen kommt. Das Wasser wirbelt dort nur so durch die Meeresenge und Seefahrer haben in der Vergangenheit die festverankerte Markierungsboje kaputtgefahren, dennoch haben es sogar bereits ein paar Menschen geschafft, hinüberzuschwimmen! Nach der langen, aber traumhaften Strecke zum French Pass wollen wir eigentlich noch in die andere Spitze bis Bulwer, geben dann aber aufgrund der langen Strecke auf Schotterstraße nach 10km auf.

Zurück auf der Highway 6 besuchen wir das Pelorus Bridge Scenic Reserve, beobachteten Kinder und Erwachsene von Felsen in den Fluss springen, wandern kleine Rundwege in dem Gebiet und Stefan geht ebenfalls kurz schwimmen. Ich verzichte, da mich gleich Sandflies überfallen. Unsere Suche nach einem Stellplatz für die Nacht verläuft etwas komplizierter, da der erste Freedom Campingplatz laut Schild angeblich voll, aber wohl eher gesperrt ist und der zweite nur 4 Plätze hat, die alle bereits belegt sind. Wir fahren dann weiter zum DOC Camp Aussie Bay, das auch recht gut besucht ist, aber wir können noch vorm Klo parken.

Mit dem Postboot im Pelorussound

Dienstag, den 22.1.2019 besuchen wir das zwar kleine Örtchen Havelock, welches jedoch eine bedeutende Rolle in der Schifffahrt in den Pelorus Sound hat. Für die Menschen, die in den kleinen Buchten und auf den Inselchen im Sound leben, ist das Mailboot die wichtigste Verbindung zum Festland. Aber nicht nur für die Einheimischen hat diese Schifffahrtslinie eine große Bedeutung, sondern auch für die Touristen ist sie die beste Möglichkeit, die Natur und das Leben der Menschen im Sound kennenzulernen, oder sich absetzen zu lassen, ein Stück zu wandern, zu übernachten und an einem anderen Tag wieder abgeholt zu werden. Neben dem Tourismus sind Muschelfarmen im Sound eine große Einnahmequelle. Wir haben am Tag zuvor über „BookMe“ reduzierte Tickets für eine Fahrt mit dem Postschiff gebucht und wollen schon mal sehen, wo das Boot ablegt. Der Versuch, einen vegetarischen Mushroom Burger zu essen, scheiterte kläglich. Wir haben in Queenstown so gute Erfahrungen mit selbigem gemacht, dass wir gar nicht auf die Idee gekommen sind, dass Burger in der Regel nicht vegetarisch sind. Wir verschenken unsere Burger an ein Pärchen am Nachbartisch und gehen gefrustet ins Café nebenan und bestellen Kaffee und Eis. Danach wandern wir gemeinsam zu einem Wasserfall und Stefan macht daran anschließend den Tokarika Summit Track. Da dieser als sehr steil und nicht als Wanderweg angelegt beschrieben ist, lasse ich die Kletterei und sehe mich noch ein wenig im Ort um, in dem der Nobelpreisträger der Chemie und weltberühmte Physiker Ernest Rutherford und der Weltraumpionier Wilhelm Pickering entscheidende Jahre ihres Lebens aufgewachsen sind.
Wir verbringen eine weitere Nacht auf dem Aussie Bay Campground, da es zu spät ist, um auf einen der 4 Freedom Camping Stellplätze hoffen zu können. Wir gehen uns beide im Meerwasser erfrischen, bevor wir draußen am Picknicktisch einigermaßen frei von Sandflies zu Abend essen.

Am Mittwochmorgen geht es früh los nach Havelock zum Postschiff. Um 10Uhr legt das Boot mit rund 50 Passagieren, Paketen, Baumaterialien, Einheimischen mit zwei Hunden und Postsäcken für die einzelnen Stationen ab. Jim & Amanda, das Postbootteam, machen uns kurz mit den Sicherheitsfeatures bekannt und teilen mit, dass die Kaffeeküche zur freien Selbstversorgung wäre. Sie berichten, dass der Mailservice seit 1918 besteht und nur noch an wenigen Stellen der Welt ähnliches zu finden sei. Für die Soundbewohner ist er die wichtigste Lebensader, denn außer Post werden auch Lebensmittel und andere Bedarfsgegenstände transportiert. Für viele ist der Kontakt zu den Mailbootmitarbeitern für längere Perioden der einzige zur Außenwelt. Bevor es das Mailboot gab, lebten auch schon Menschen im Sound. Für die war die Verbindung weitaus härter. Sie ruderten bis Pipibay, übernachteten am Strand, ruderten am 2.Tag weiter bis Havelock, um ihre Post und Lebensmittel abzuholen und den Weg in gleicher Weise wieder zurückzurudern. Das war härteste Knochenarbeit, denn das Meer im Sound ist kein ruhiges Wasser, wie Stefan auch feststellen darf. Er nimmt auf der Rückfahrt eine unfreiwillige Dusche, als er auf dem Vorderdeck versucht zu fotografieren und die Gischt ihn voll erwischt. Wir halten an mehreren Buchten, liefern Post aus, setzen Leute ab und sammeln Wanderer, sowie eine Dame mit Kind und drei Boxen voller Kätzchen, ein. Letztere kommt aus einer Lodge, in der die Nacht 800$NZ kostet! Ob sie die Chefin ist oder ein Gast, der keinen Petsitter gefunden hat und deshalb mit allen Katzen reist? Zu Mittag werden wir auf einer Schaffarm abgesetzt und bekommen eine Führung. Die Farm ist seit 1880 im Besitz der Familie, aber Bindy, die Farmersfrau, kam ursprünglich als Touristin und ging nie wieder. Sie sagt, dass sie sich noch immer wie im Urlaub fühlt, obwohl sie diesen wohl kaum irgendwann hat, denn die Farm ist riesig und neben den Schafen werden Possums gejagt, deren Fell viel mehr wert ist und sie zu töten noch dazu Schafe und die einheimische Vogelwelt rettet. Die aus Australien eingewanderten Nager sind den Neuseeländern ein absoluter Dorn im Auge, warum also nicht gleich mit deren Vernichtung noch Geld mit der weichen Wolle machen? Außerdem vermietet die Farm Unterkünfte auf Airbnb und die Eltern müssen sich um Homeschooling für ihre zwei Kinder kümmern. Nachdem der Farmbesitzer uns noch das Scheren eines Schafes gezeigt hat – er schafft es innerhalb von 1 Minute – können wir im Garten unser mitgebrachtes Mittagspicknick verzehren. Weiter geht die Farm zur Jakobsbay. Es besteht die Möglichkeit, zu baden, einen kleinen Aussichtspunkt zu besuchen oder die Krebse am Strand zu beobachten. Nach 20Minuten geht die Fahrt weiter, entlang an Muschelfarmen. Jim und Amanda erklären uns anhand eines Models, wie sich Muscheln an eine Art hängende Fäden heften, dann eine Baumwollhülle wie ein Socken darüber gezogen wird, wo sie mehrere Monate wachsen, bis das Baumwollgewebe sich selbst auflöst und die Muscheln geerntet werden können. Sie ernähren sich nur von den natürlichen Ressourcen im Wasser, wobei sie durch die Tide zweimal täglich frisch direkt mit Wasser aus der Cook Strait versorgt werden. Die Baumwollkonstruktion verhilft nur dazu, dass mehr Muscheln sozusagen andocken können. Von den Lachsfarmen, die es im Sound auch gibt, hält Jim eindeutig weniger, da Lachs dort nicht endemisch ist und mit riesigen Mengen Fischfutter gefüttert werden muss. Statt nach 6 Stunden kommen wir nach 7 1/2 Stunden voll mit Erlebnissen und tollen Bildern im Kopf wieder im Hafen an. Der Wasserstand geht inzwischen schon unter 1,30 Meter. Es war ein richtig toller Tag, noch dazu bei wunderschönem Wetter und die Landschaft kommt meiner Meinung nach an die vom Milford Sound heran. Wir verbringen auch diese Nacht auf dem Aussie Bay Campground, zum dritten Mal, bevor die Fahrt nach Picton weitergeht. Picton, der Fährhafen für die Fährverbindung von der Süd- zur Nordinsel, liegt ebenfalls am Marlborough Sound. Auch von hier kann man Bootstouren buchen und z.B. den 70km langen Queen Charlotte‘s Track wandern bzw den Trip von mehreren Tagen durch Abschnitte per Boot, verkürzen. Dafür, dass es eine bedeutende Hafenstadt ist, ist es sehr beschaulich und liegt sehr schön an der kurvigen Küste. Wir genehmigen uns eine Nacht im Parklands Marina Holiday Park mit Duschen, Wäschewaschen und richtig Kochen und im Speiseraum sitzen. Auch unsere Elektronik hat mal wieder einen riesigen Appetit auf Strom.
Unser Frühstück am heutigen Morgen, Freitag, den 25.1.2019, haben wir gemeinsam mit einer deutschen Familie mit Kleinkind in einer gemütlichen Sitzecke vor der Campingküche eingenommen. Gelegentlich kann man diesen Luxus wirklich mal genießen und mit 18$NZ pro Person ist das auch preislich noch ok. Für 2$NZ Wäsche waschen zu können ist geradezu genial und getrocknet ist die Wäsche in der Sonne. Da an der Küste noch ein paar schöne Ausblicke zu erwarten sind, fahren wir Richtung Blenheim nicht über den Highway, sondern entlang der Küste. Was wir zuvor nicht wissen ist, dass die Strecke fast durchgehend ungeteert ist und ziemliche Steigungen und Gefälle zu bieten hat. Mir tut unser Van wirklich leid und ich befürchte schon, dass wir ihm kurz vorm Ende der Reise doch noch zu viel abverlangen. Er hält aber gut durch, ebenso wie der prima Fahrer Stefan! Als wir in Blenheim ankommen, ist es bereits nach 18 Uhr und die meisten Geschäfte haben bereits geschlossen, außer natürlich die Supermärkte. Wir schlendern ein wenig durch die Einkaufszone, um festzustellen, dass neuseeländische Städte leider meist sehr stillos sind. Die Lage ist häufig großartig, sie haben immer zahlreiche Parks, Sport- und Grünflächen und meist ein paar ältere Häuser, aber alles in allem wirken sie zusammengewürfelt und eher praktisch als schön. Die Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz, der ehr einen Truckstop an der Highway darstellt. Egal, der Parkplatz = Stellplatz ist eben und Toiletten sind direkt nebenan. Für 2$NZ könnten wir sogar warm duschen.

Von Blenheim zurück nach Christchurch

Am Samstagmorgen, den 26.1.2019, machen wir uns nochmals auf in die City von Blenheim. Da wir immer noch gerne in Charityshops auf Schnäppchensuche gehen, peilen wir direkt den Red Cross Shop an und siehe da, Stefan hat für mich eine dicke Polartech Fleecejacke für sage und schreibe 0,50$NZ! gefunden! Da ist nix dran, völlig in Ordnung! Im Laden liegt ein Flyer aus. Man hat doch glatt einen Trail zusammengestellt zu allen sage und schreibe 6 karitativen Läden in Blenheim! Zur Kenntnis: Blenheim hat nur ca. 25000 Einwohner! Wir machen uns also auf den Weg und finden noch weitere Kleinigkeiten. Selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, verraten diese Geschäfte mehr über Leben und Geschmack der Leute, als die Souvenirläden oder Boutiquen, Hardwarestores und Supermärkte. Im Anschluss machen wir es uns bei Kaffee und Eisschokolade vor einem Café bequem. Vor der Weiterfahrt kaufen wir noch Eddings fürs Glas und beschriften unsere Autofenster mit dem Verkaufsangebot. Wir haben bisher nur einen Termin für eine Probefahrt am Mittwoch organisieren können. Es wird ganz schön eng, denn es sind einfach unzählige Vans auf dem Markt

Am Nachmittag wandern wir den Mt. Vernon Maine Track. Blenheim ist umgeben von Hügeln, die einstmals bewaldet waren. Feuer haben unbeabsichtigt und auch beabsichtigt durch europäische Siedler im 18. und 19Jhrd, um Weideflächen zu bekommen, alle Wälder vernichtet. Jetzt im Sommer sind nur vertrocknete Grasflächen mit vereinzelten Büschen zu sehen. Teilweise wird versucht, wieder aufzuforsten. Auch wenn die kahlen Hügel eine ökologische Katastrophe sind, sehen sie bei tiefstehender Sonne, aufgrund ihrer Schattenbildung, fotogen aus. Man fühlt sich ein wenig wie in der Steppe. Vom Mt. Vernon mit 422m Höhe hat man einen 360Grad Rundblick, und bei klarem Wetter kann man in der Ferne die Berge der Nordinsel erkennen.
Die Nacht verbringen wir mal wieder als Freedom Camper im Taylor Dam Reserve, wo wir heute Morgen, dem 27.1.2019, in der Picknick Area, schön mit Blick auf einen Teich mit Vögeln und Hügeln ringsum, frühstücken können. Am Sonntagmorgen findet in Blenheim immer der Farmersmarket statt und das ist nicht nur Markt, sondern Treffpunkt für Alt und Jung. Heute Morgen sind auch wir dabei. Außer Obst- und Gemüseständen gibt es auch Honig, natürlich auch den wegen seiner Heilkraft berühmten Manukahonig. Es gibt Probierstände für Olivenöl, geröstete Pinienkerne, Ziegenmilchprodukte und Essstände. Stefan genießt ein Blaubeereis und ich ein Blaubeer-Vanille Teilchen, bevor wir unsere Weiterfahrt Richtung Süden antreten. Uns ist bereits ganz wehmütig ums Herz, denn es ist der letzte Tag Roadtrip. Ab morgen haben wir in Christchurch ein Airbnb Zimmer und unser geliebter Campervan muss schick gemacht werden, damit wir ihn möglichst schnell und gut verkaufen können. Da fließen sicher ein paar Tränen. Auf der Fahrt machen wir Pause beim Marfells Beach Campground. Tagsüber kann man dort auch ohne Bezahlung an der Küste rasten. Da es mit 31Grad um die Mittagszeit richtig heiß ist, machen wir dort Mittagspause im Schatten. Auf der Weiterfahrt dürfen wir in der Höhe von Mangamaunu noch einmal eine Robbenkolonie mit vielen Babys direkt an der SH1 beobachten. Man könnte den tollpatschigen Wesen stundenlang zusehen! Unsere letzte Nacht im Camper verbringen wir beim Donegal House. Es handelt sich um ein alteingesessenes irisches Hotel, das draußen Stellplätze für Camper anbietet. Ohne Stromanschluss sind die für selfcontained Camper sogar kostenlos. Eine warme Dusche kostet 4$NZ, eine kalte ist ebenfalls kostenlos.

Autoverkauf ist Nervensache

Am Montag, den 28.1.2019, sind wir wieder zurück in Christchurch und unser Roadtrip findet damit ein Ende. Unsere Airbnb Unterkunft ist absolut klasse. Die Besitzerin Emma ist ursprünglich Engländerin mit Wurzel in Hongkong und lebt seit gut 4Jahren hier. Zuvor ist sie ebenfalls für viele Monate in der Welt umhergereist, und das merkt man ihr an. Sie ist sehr aufgeschlossen und wir haben gleich einige Reiseerfahrungen ausgetauscht. Wir dürfen in ihrem Haus wohnen wie in einer WG. Küche, Wohnbereich und Garten stehen uns offen und wir dürfen sogar kostenlos Wäsche waschen. Leider ist sie selbst ab Dienstag auf einem Festival, sodass wir hier allein sind mit ihrem jüngeren Bruder, der auch nett, aber sehr zurückhaltend ist. Wir fühlen uns ein wenig wie zu unserer Haussitterzeit, an die wir uns gerne zurückerinnern.

Am Montagnachmittag räumen wir unseren geliebten Camper aus und bringen ihn mit Waschanlage und Staubsauger auf Vordermann. Dafür, dass er 21Jahre ist, sieht er noch richtig klasse aus.
Am Dienstag, den 29.1.2019, erstellt Stefan auf dem Netbook einen Flyer, den wir in Farbe ausdrucken lassen. Dann geht die Kurverei durch ganz Christchurch los. 15 Backpackerhostels bestücken wir mit unseren Werbezetteln. In allen Hostels gibt es Infopinnwände, wo man Angebote anbringen kann. Bei jedem Hostel werde ich deprimierter. Da hängen immer schon mindestens 20 andere Angebote. Bei einigen kann man schon drastische Preisreduzierungen sehen, weil die Verkäufer wohl in Zeitdruck geraten sind. Wir können schon absehen, wie es uns wohl ergehen wird, denn wir haben effektiv 4Tage bis Freitag Zeit zum Verkauf, da am Wochenende kein Postoffice geöffnet hat, um das Auto umzumelden und auch Überweisungen nicht ausgeführt werden. Auf unsere Facebookanzeige haben bisher nur sehr vereinzelt Leute reagiert, obwohl wir dort und auf dem Backpackerboard im Internet den Van seit 2 Wochen eingestellt haben. Entweder wollten die Interessierten ihn direkt sehen, als wir noch im Norden waren, oder sie kommen erst nach unserer Abreise an. Manchmal boten uns Leute auch weniger als die Hälfte des angesetzten Preises von 4500$NZ an, was wir indiskutabel fanden. Stefan hat am Montag daraufhin noch bei mehreren anderen Facebookgruppen eine Anzeige gepostet. Während wir von Hostel zu Hostel fahren, geht jetzt jedoch das Handy unaufhörlich. Die meisten Anfragen fallen gleich unter den Tisch, weil die Leute noch gar nicht in Christchurch bzw. die Preisvorstellungen unrealistisch sind, oder sie mit drei Leuten drin reisen wollen. So geht das bis Donnerstag weiter. Insgesamt haben wir bis Donnerstag 54 Kontakte über Facebook 11 Kontakte über Handzettel in Backpackerhostels, einen Kontakt über einen Zettel am Auto selbst. Es kommt aber nur zu Treffen mit 4 Paaren zur Besichtigung. Die Ersten meinen ein Geräusch zu hören und wollen gucken, ob sie Ersatzteile billig bekommen und sich dann bei uns melden, was sie aber nicht mehr tun. Die Zweiten haben Interesse, kaufen dann aber doch ein anderes Modell. Ein spanisches Paar bietet uns 2000€, wenn wir den Wagen zu einem „mechanical check“ in eine Werkstatt brächten und alles ok wäre. Sie haben bereits mit dem AA (Automobilclub) einen Termin anvisiert. Als wir zum AA kommen, teilt uns eine Mitarbeiterin mit, dass wir vom Gesetz her kein Auto verkaufen dürften, wenn der WOF (TÜV) älter als 2 Wochen ist! Die Untersuchung koste 56$NZ. Die Interessenten wollen eigentlich nur einen „mechanical check“, aber dabei wird noch viel mehr überprüft und es kostet das Dreifache. Das würden sie allerdings zahlen, aber mit der Aussage, dass wir ohne neuem WOF nicht verkaufen könnten, bleibt uns nichts anderes übrig, als einem Kontrolltermin am kommenden Tag, Donnerstag, zuzustimmen. Das ist total blöd, denn wir wissen, wenn irgendwas nicht ok ist, muss das innerhalb von 28 Tagen behoben werden, eigentlich hat der Wagen aber noch TÜV bis zum 24.4.!
Wir bringen also am Donnerstag, den 31.1.2019 den Wagen zur Untersuchung, zahlen 56$NZ dafür und erhalten 30Minuten später das frustrierende und unerwartete Ergebnis, dass der Wagen durchgefallen ist! Drei Sachen: blinde Scheinwerfer (könnten wir noch polieren), Bremsbacken hinten und irgendwelche Verschleißteile, die mit der Verbindung des Motors, der unter dem Beifahrersitz ist und irgendeinem Teil unter der Motorhaube- keine Ahnung was das ist – zu tun hat. Summa Summarum ein paar hundert $NZ laut dem Mechaniker. Der Schock sitzt uns in den Knochen. Wir befürchten, die Spanier werden ihn so sicher nicht kaufen und hoffen ihn bei unserem ursprünglichen Autohändler loszuwerden. Der ist aber leider nicht da. Wir fragen bei einem Autohändler, der Bargeld für Schrottautos zahlt und erhalten die niederschlagende Antwort, er würde ihn verschrotten und 350-400$ geben. Wir könnten heulen. Hätten wir noch Zeit, würden wir ihn reparieren lassen und mit neuem WOF versuchen zu verkaufen, aber unser Flug steht ja bevor. Wir nehmen Kontakt mit unseren spanischen Interessenten auf und treffen uns wie vorgesehen. Nach einigem Diskutieren zwischen den Beiden kommen wir zu der Einigung, dass sie ihn kaufen, 1000€ gleich überweisen (so sparen beide Seiten Umtauschgebühren) und den Wagen reparieren lassen und, je nachdem, wie teuer die Reparatur wird, uns die Differenz zu 2000€ nachüberweisen. Diese Lösung ist für uns, trotz finanziellem Verlust zur erwarteten Summe, das Beste, was uns passieren kann. Wir lassen den Wagen überschreiben und versprechen ihnen, ihn am kommenden Morgen zum ihrem Hostel zu bringen. Die Überweisungsbestätigung der spanischen Bank kommt wenig später schon bei uns per E-Mail an. Nun hoffen wir, dass die Reparatur nicht zu teuer wird und wir noch ein paar hundert € nachüberwiesen bekommen. Wir haben im Übrigen im Nachhinein herausgefunden, dass die Aussage der AA Mitarbeiterin nicht korrekt war. Es wird Käufern empfohlen, kein Auto mit kürzerer WOF als der vollen Zeit – zwei Wochen zu kaufen und als Verkäufer ist man verpflichtet, auf die kurze Zeit hinzuweisen. Für Autos, die vor 2000 gebaut wurden, ist die Untersuchung alle 6 Monate! verpflichtend, also viel härtere Bedingungen als in Deutschland. Vielleicht sind wir also mit 2 blauen Augen aber nicht total KO aus der Schlacht gegangen. Die ganze Sache ist letztlich ziemlich frustrierend und nervenaufreibend für uns verlaufen, aber sie ist die wunderbare Zeit, die wir hier verlebt haben, absolut wert. Bedenkt man, dass wir für einen geliehenen Camper unserer Größe mindestens 4000€ Miete gezahlt hätten, mal abgesehen davon, dass Camper dieser Preisklasse bereits ausgebucht waren, als wir letzten Herbst Angebote einholten, sind wir so immer noch günstiger davongekommen. Wir haben ursprünglich 5300$, also ca. 3200€ bezahlt und sind knapp drei Monate ohne Probleme, außer dem Öl- und Filterwechsel am Anfang, kreuz und quer in nahezu alle mit normalem Auto befahrbare Winkel der Südinsel gefahren. Wir haben 64 Nächte in unserem engen, aber auch kuscheligen Heim auf Rädern verbracht und die Sterne über uns genossen und uns, zumindest die meiste Zeit, dort drin wohl gefühlt. Es war eine unvergessliche und schöne Zeit und ich bin traurig, dass sie nun zu Ende ist. Heute Abend haben wir uns noch einmal mit Liz und Rob, den Leuten, deren Haus wir gehütet haben, zum Essen getroffen und es könnte der Beginn einer neuen Freundschaft in der Ferne werden. Es war sehr nett mit den Beiden und wir freuen uns, sie kennengelernt zu haben.
Am Freitag, den 1.2.2019, bringen wir „unseren“ Van, der schon nicht mehr unser ist, zum Jailhouse Hostel, wo die neuen Besitzer wohnen. Wir geben noch letzte Erklärungen und Tipps für die Reise, bekommen selbiges für Indien, wo sie zuvor waren und was bei uns auch noch auf der Wunschliste steht, dann heißt es ein letztes Mal Abschied nehmen von unserem treuen Begleiter und noch ein letztes Bild. Ziemlich traurig.

Dann sind wir ohne fahrbaren Untersatz. Wir schlendern zum nächsten Salvation Army Shop, gehen danach thailändisch-vietnamesisch essen und laufen dann 3,8km zu Fuß zu unserer Airbnb Unterkunft. Am Samstag, den 2.2.2019, machen wir nur einen kleinen Spaziergang rund um unser Quartier und verbringen ansonsten den Tag mit kochen, waschen und faulenzen, hauptsächlich mit Filmen aus der ARD Mediathek.

Abschied von Neuseeland

Am Sonntag, den 3.2.2019, fahren wir erstmals mit einem Bus in Christchurch. Wir fahren zur Sumner Beach, besuchten den Markt und laufen am Wasser entlang Richtung Godley Head, aber für Fußgänger ist der Weg bald wegen „diverser Gefahren“ gesperrt. Nach einer Stärkung mit Fish&Chips und einem dicken Eis für jeden von uns, laufen wir in die andere Richtung stadteinwärts, bis die Strecke nur noch langweilige Straße ohne sonstige Infrastruktur ist. Von dort nehmen wir den Bus zurück. So genießen wir wenigstens noch einmal ein paar Stunden im Sonnenschein am Meer, bevor am kommenden Tag der Heimflug in einen knackigen, schneereichen Winter bevorsteht
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Vom 4.-6.2.2019 verbringen wir effektiv rund 50 Stunden im Flugzeug oder wartend auf den nächsten Flug. Wir haben das Glück, dass China Southern Airline uns auch auf dem Rückflug wieder einen Hotelaufenthalt für die Transitzeit in Guangzhou anbietet. Dieses Mal haben wir Glück und sind nicht weit von einem Park untergebracht, in dem wir uns die Beine ausgiebig vertreten. Noch dazu ist chinesisches Neujahr und wir bekommen Musik und Drachentanz und natürlich chinesische Böller während unseres kurzen Aufenthalts geboten. Danach schlafen wir eine kurze Runde und dann geht es weiter über Peking, Amsterdam nach München, von wo wir am 6.2.2019 per S-Bahn und Uber zu Stefans Mutter fahren. Es liegt Schnee, aber die kommenden Tage zeigt sich Deutschland dennoch von seiner besten Seite mit Sonne und stahlblauem Himmel
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