Bürokratie und Begegnung mit den Sicherheitskräften

Bürokratie und Begegnung mit den Sicherheitskräften

Gestern Abend hatte ich die Idee, dass ich zur Bushaltestelle in Havanna laufen sollte, um Tickets nach Viñales zu kaufen. Häufig wären Tickets ausverkauft, man solle sie mindestens 3 Tage vorher kaufen, liest man in Blogs oder Reiseführern. Also joggte ich morgens los, um die Tickets für den nächsten Tag zu kaufen. Der Internet Hotspot in unserer Nähe zeigte an, dass keine WLan-Verbindung möglich sei. Das war insofern nicht gut, als dass ich so keine Karte zur Verfügung hatte, nach der ich per GPS laufen konnte und immer zwischen Offline- Karte und Kuba-App hin- und herschalten musste. Na ja, man hat ja auch noch einen Orientierungssinn. Also lief ich die knapp 4,5 km. Unterwegs kam ich an einem Busbahnhof von „Omnibus Nacionales“ für Kubaner vorbei und versuchte mein Glück. Tickets bekam ich mit meinem Spanisch und meinem Aussehen in Laufklamotten keine. Also weiter in Richtung Busunternehmen für Touristen. Angekommen, prangte erst mal ein Schild „geschlossen“ an der Tür. Ich bekam mit, dass das nicht der Eingang war, der lag weiter hinten. Also wartete ich am Schalter, nur eine Person war vor mir. Der freundliche Ticketverkäufer teilte mir mit, dass ich einen Schalter weiter gehen solle, nur die Kollegin könne Tickets nach Viñales verkaufen. Dort stand kein Kunde, aber die Dame war sehr beschäftigt und strafte mich mit Nichtbeachtung. Sie durchsuchte ein paar Stapel Papiere, stand dann auf, nickte mir zu mit den Worten einen „Moment bitte“. Okay, den wollte ich ihr ja gerne lassen. Nachdem sie noch ein paar Stapel Papier am Schreibtisch ihres Kollegen durchwühlt hatte, ohne Erfolg zu haben, widmete sie sich wieder meinem Anliegen. Äh, ja 2 Tickets nach Viñales, kein Problem, aber doch nicht für Morgen, da sei doch ein anderer Schalter, eine Etage tiefer, für zuständig. Okay, ich lief eine Etage tiefer, wieder ein bisschen warten, diesmal nur zwei Personen vor mir, dann die Frage nach dem Reisepass! Mist, Freunde, die schon in Kuba waren, hatten uns schon vorgewarnt: „nichts geht ohne Reisepass!“. Beim Laufen hatte ich bis jetzt immer darauf verzichtet. Ich hatte nur mein Portemonnaie mitgenommen. Ich versuchte es mit dem Personalausweis und siehe da, das ging auch. Dann kam die Frage nach dem zweiten Ausweis, ich wollte ja zwei Tickets haben. Da musste ich wahrlich passen, aber ich konnte zu meiner Überraschung den Namen auf einen Zettel schreiben und sie konnte ihn übertragen. Bürokratie ist schon ganz schön flexibel auf Kuba! Dann musste ich die paar Kilometer zurücklaufen.

Unterwegs ging es an einfachen Häusern vorbei, bis ich den Platz der Revolution sah. In der Mitte war ein kleiner Hügel, der eine Aussicht auf ein paar schöne Gebäude im morgendlichen Licht bot . Oben angekommen stürzten ein paar Polizisten auf mich los. Was ich denn hier mache? Ich war mir keiner Schuld bewusst, hatte keine Schilder oder Absperrungen umgangen. Sie waren wenig begeistert. Sie wollten meinen Pass sehen. Ich versuchte es wieder mit dem Personalausweis. Man nahm ihn mir ab und holte Verstärkung in Form eines Vorgesetzten. Der sprach leider auch kein Wort Englisch. Ich versuchte ihnen zu sagen, dass ich ein harmloser Jogger sei, der unglücklicher Weise auf einen Hügel gelaufen war, auf dem ich wohl nichts zu suchen hatte. Bewacht von einem Zivilisten und einem Polizisten ließ man mich warten. Der Vorgesetzte war mit meinem Ausweis in den Turm auf dem Platz der Revolution gegangen. Dann kam er wieder, ging zu einer anderen Mauer, wo er hinter einem Kasten wegen mir mit der Ausländerpolizei telefonierte. Da die Nummern nicht übereinstimmten von Reisepass und Personalausweis hatten sie vermutlich Probleme, mich in ihrem System zu finden. In der Zwischenzeit waren noch andere Touristen in Richtung des Hügel unterwegs. Sie wurden zurück geschickt, sie sollten die Treppe nehmen und nicht die Rampe. Mhh.. hätte man mir auch sagen können. Ich mag Bergläufe und wäre gerne noch ein paar mal rauf- und runter gelaufen, aber solche Strafaktionen hatten sie nicht im Sinn. Ein weiterer Vorgesetzter kam und telefonierte erneut in meinem Beisein. Ich durfte dieses Mal mitgehen und das Telefongespräch auf Spanisch mit der Ausländerpolizei mithören. Ich erinnerte mich an das Kärtchen von der Unterkunft. Er nahm sie und rief die Vermieterin an. In der Zwischenzeit füllte sich die Plattform des Hügels mit immer mehr Touristen. Schließlich gab der Vorgesetzte den Ausweis an den Untergebenen und ich verstand, dass er ihn mir in ein paar Minuten zurückgeben solle, was er dann auch tat. Zwischenzeitlich hatte ich mit mit den einfachen Polizisten noch ein bisschen Smalltalk gehalten und erzählt, dass wir 6 Wochen auf Kuba verbrächten und ich jeden Morgen laufe und dass Kuba natürlich ein super Land ist. Na, ob die wohl jetzt glauben, dass alle Alemanes morgens 10 km laufen, um ein paar Tickets zu kaufen und dabei den verkehrten Weg auf den Hügel nehmen? Zum Ende sagten sie mir, dass ich jetzt ins Museum gehen,  oder den Hügel hinunterlaufen dürfte. Ich nahm den Hügel. Als wir tagsüber da waren, war der Aufgang, den ich hoch gekommen war, versperrt.

Morgendliche Verhandlung „was müssen wir tun?“. Links die Treppe: okay für Touristen, rechts die verbotene Rampe. Im Hintergrund die aufmerksamen Augen von Fiedel Castro, überlebensgroß an der Häuserwand.

 

 

Kommunikationsstelle
Offiziell autorisierter Stuhl vom Wachmann mit Dokument