Kuba Zwischenbilanz

Wir sind jetzt 2Wochen unterwegs und haben damit das erste.Drittel unserer Reise hinter uns. Aus diesem Grund wage ich eine erste Zwischenbilanz über Kuba aus meinen bisherigen Erfahrungen und Ansichten. Es sind ganz persönliche Eindrücke und müssen sich nicht zwangsläufig mit realen Zahlen und wissenschaftlichen Untersuchungen und auch nicht mit Erfahrungen anderer Kubabesucher decken. Außerdem können sie sich in den kommenden Wochen noch verändern oder durch neue Erfahrungen und Informationen als falsche Schlüsse erweisen. Nach 14 Tagen Reise kennt man ein Land natürlich nicht und dadurch, dass unsere Spanischkenntnisse sehr rudimentär sind, bleibt uns vieles verschlossen.

Kuba ist für mich ein Land der Gegensätze. Es gibt die wunderschönen restaurierten Gebäude, die mich mit ihren sanften Pastelltönen und mit Stuckverziehrungen immer etwas an Hochzeitstorte mit Zuckerguss erinnern. Wenn Sie in sanfter Abendsonne strahlen und man bestenfalls auf einem der vielen parkartigen Plätzen im Schatten der Bäume sitzt, ist die Welt in Ordnung und man ist geblendet von Schönheit. Manchmal braucht man aber nur wenige Gassen weiterzugehen und der Verfall schlägt einem brutal ins Auge. Auf der Straße und aus jeder Haustür, die fast immer tagsüber offen stehen, sieht man die verzweifelten Versuche, sich mit kleinen Verkäufen oder Dienstleistungen über Wasser zu halten. Man sieht nicht viele Menschen, die nur betteln, aber unendlich viele, die sich als Fahrrad-, Mofa-, Pferdekutschen- oder normale Taxifahrer versuchen Geld zu verdienen. Fliegende Händler, die keinen Feierabend und kein Wochenende zu kennen scheinen, gehören mit ihren Rufen zur Geräuschkulisse Kubas und sind aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Jeder Hausbesitzer, der in noch so beengten Wohnverhältnissen lebt, versucht Zimmer an Touristen zu vermieten und damit an einer der wenigen einträglichen Einnahmequellen teilzuhaben und die begehrten CUC zu bekommen, um sich Dinge kaufen zu können, die in den Läden für die Mindestversorgung, wo auch die Grundnahrungsmittel auf Bezugskarten abgegeben werden, nie zu bekommen sind. In fast allen Casa Particulares, die wir bisher besucht haben, verdient einer an der Vermietung von Zimmern, ggf Zusatzleistungen wie Mahlzeiten oder Wäsche reinigen und ein Sohn /Vater macht noch Taxifahrten mit dem Privatauto und/oder bietet Führungen an. Touristen werden weitervermittelt an Familie und Freunde in anderen Städten. Es lässt sich meiner Meinung nach inzwischen erkennen, dass sich hierdurch eine neue Schicht Kubaner entwickelt, die sich mehr leisten können als der Rest. Viele Kubaner entwickeln eine unglaubliche Findigkeit darin, an diesem Geschäft teilzuhaben, was dazu führt, dass es auch Schwarze Schafe darunter gibt, so wurde uns von anderen Reisenden berichtet, die sich allein mit Kubanern auf eine Sause in Havanna Viejo begeben hatten und sich Stunden später nach einem Knock Out durch KO-Tropfen ohne Geld in einem Taxi wiederfanden oder von Barangestellten und vermeintlicher Polizei gelinkt wurden. Sieht man allerdings, wie in Kuba die Armut, die wir auch in anderen lateinamerikanischen Staaten schon erlebt haben, mit der zum Teil katastrophalen Unterversorgung einhergeht, kann man die Menschen nicht mal verurteilen.
Mich wundert, dass sich die Lebenserwartung in Kuba nicht sehr von der bei uns unterscheidet. Die Ernährung besteht größtenteils aus Reis, Bohnen, Hühner- und Schweinefleisch, Spaghetti und Pizza. Kubaner lieben Zucker, das heißt, Kaffee und Erfrischungsgetränke sind völlig überzuckert. In unserer Lieblingspizzeria in Matanzas haben wir uns eine selbstgemachte Limonade bestellt und konnten mit einer zusätzlichen Bestellung von 1,5l Wasser einen ganzen Abend unsere Limonade immer wieder verdünnen. Auch Dulcerias findet man überall mit Gebäck, Nüssen mit Honig u.ä. An Obst kann man außer grünen Orangen/Mandarinen gelegentlich mal einer Ananas nichts finden. Wir waren 2x auf dem Bauernmarkt in Santa Clara, weil wir dachten am ersten Tag zu spät gewesen zu sein, aber es gab nichts mehr. Was es gibt sind Fruchtsaftstände, aber wir haben uns noch nicht getraut, dort etwas zu trinken. In den Casas gibt es diese Säfte ebenfalls und sie sind mit Wasser verdünnt und gezuckert. Dort, wo wir nicht sicher sind, dass es sich um sicheres Trinkwasser handelt, lassen wir lieber die Hände davon. Brot gibt es nur eine Art Weißbrot in Brotform oder als Brötchen. Darüber hinaus findet man eine Art Zwieback. An Gemüse gab es bisher grüne und Schwarze Bohnen, Yucca, Gurkenscheiben als Tellerdeko und vermutlich Kohl in dünnen Streifen, angebraten auf Brot als vegetarischer Toast.
Die Luftverschmutzung in den Städten ist heftig, obwohl sich der Autoverkehr im Vergleich zu unseren Städten noch sehr im Rahmen hält. Würden alle Fahradtaxis und Pferdekutschen auch noch durch Autos ersetzt und mehr Kubaner sich Autos leisten können, würde man wahrscheinlich keine Luft mehr bekommen. Da die Mehrzahl der Fahrzeuge sicherlich mindestens 20-50Jahre alt sind und aus russischer und chinesischer Herstellung oder einem anderen sozialistischen Land kommen, ist an Katalysatoren nicht zu denken. Manche hinterlassen schwarze Rauchfahnen wie eine Dampflok, besonders alte LKWs oder LKWartige Gefährte, die zur Personenbeförderung eingesetzt werden. Die Kubaner fahren recht besonnen, hupen ehr mal zuviel, um sich Fußgängern anzukündigen, die die Straße queren, aber Anschnallgurte anzulegen (falls vorhanden) scheint sinnloser Luxus und man fährt auch mit Badelatschen und bedient munter sein Handy, um neue Musik einzuschalten oder zu telefonieren. Entgegen aller Vorurteile über Lateinamerikaner haben wir die Kubaner bisher als sehr pünktlich erlebt. Busse fahren ehr mal zu früh als zu spät ab und wenn wir mit unseren Casavermietern Zeiten abgemacht haben, wann wir frühstücken oder zum Bus gefahren werden müssen, waren sie bisher ebenfalls super pünktlich.
Kuba ist ein sehr lautes Land. Hupende Fahrzeuge, Knatternde Auspüffe, laut ihre Ware anpreisende Händler, laute Musik in manchen Parks und Restaurants und bei Taxifahrten, die Kubaner reden sehr laut, auch in Restaurants und alte Klimaanlagen in manchen Casas rauben einem den Schlaf. Klimaanlagen findet man nahezu überall, was bei den Temperaturen auch häufig wie eine Erlösung erscheint. In der Regel verwandeln Sie jedoch Busse und Räume gleich in Gefrierschränke, sodass man gut daran tut, im Bus immer etwas wärmeres zum Überziehen dabei zu haben und in der Casa nachts eine Decke zur Hand zu haben. Ist keine vorhanden, hat man die Wahl zu frieren oder im Dampfbad zu übernachten, da die Luftfeuchtigkeit sich im Raum staut. Alternativ kann man die Fenster öffnen (so vorhanden) und riskiert mit Mückenstichen zu erwachen.
Wir haben zum Glück noch keine Erfahrung mit dem Gesundheitssystem gemacht, aber was auffällt ist, dass zahlreiche Krankenhäuser und Polikliniken vorhanden sind. In Havanna und Santa Clara sind mir Blutbanken aufgefallen, wo Menschen regelmäßig Blut spenden können. Demgegenüber erscheinen die Regale in Apotheken ebenso leer wie in manchen staatlichen Geschäften, Rollstühle sehen sehr spatanisch aus und mir ist bisher nur einmal eine Rampe begegnet, die zu einer orthopädischen Einrichtung führte.
In Kuba sind mir Menschen aufgefallen, die richtig wie Greise aussehen, dass heißt, mit einer Haut wie ein schrumpeliger Apfel und sehr dünnen Armen und Beinen, doch häufig noch mit einer enormen Ausstrahlung. Heute sind wir zum Beispiel einer Dame in einer Eisdiele mit ihrer Familie begegnet, die wie beschrieben aussah, aber noch selbstbewusst eine moderne Jeans trug, die man eher ihrer Enkelin zugetraut hätte.
Zum Schluss möchte ich noch etwas zu Toiletten berichten. Zuerst einmal muss man auf öffentlichen Toiletten und damit sind auch die in den meisten Restaurants gemeint, einen Obulus entrichten. Wenn man Glück hat, bekommt man von der Dame dann auch ca 3Blätter Klopapier, wobei das kubanische bisher immer einlagig war. Toilettenpapier scheint zur Mangelware zu gehören, denn häufig findet man gar keins vor, tut also sehr gut daran, immer eigenes in der Tasche mitzunehmen. Geht es einem aus, kann man nur hoffen, in der nächsten Casa welches vorzufinden und etwas mitnehmen zu können oder man sammelt fleißig Servietten beim Essen, die allerdings auch meist nur aus einem Blatt bestehen. Wir haben in einem Devisenladen zwar Rollen gefunden, aber konnten nicht gleich ein Dreierpack im Rucksack mitschleppen.
Die Toiletten haben häufig weder Deckel noch Klobrille und das gebrauchte Papier muss immer im Eimer daneben entsorgt werden. Ganz Lateinamerika scheint damit ein Problem zu haben, dass der Wasserdruck nicht zum Wegspülen des Papiers reicht, das kannten wir bereits aus Südamerika. Apropos Papier: hier scheint insgesamt Knappheit zu herrschen. Laut unserer Berliner Bekanntschaft, gab es in ihrer Sprachschule, die immerhin zertifiziert ist und über ein deutsches Reisebüro für viel Geld gebucht wurde, kein einziges Buch oder Blatt Papier! Unser Vermieter in Viñales gab uns keine Quittung, weil laut ihm vor kurzem in Havanna eine Papierfabrik abgebrannt wäre und nun nicht an Papier zu kommen wäre.