Kuba Tagebuch 7. – 8.11.2017 Viñales/Las Terazas

Wandern nur mit Führer?

Wir möchten die wunderschöne uns umgebende Natur gerne bei einer Wanderung erleben und stoßen damit an kubanische Grenzen. Es ist nicht vorgesehen, dass Besucher alleine die Natur erkunden, sie sollen dieses mit Führer tun. Mag man den positiven Ansatz, die Natur vor unsachgemäßem Verhalten zu schützen, anerkennen, scheint uns der Hauptgedanke allerdings die mögliche Geldquelle zu sein. Ich halte es für akzeptabel, wenn Eintritt in Nationalparks erhoben wird, um die Kosten damit decken zu können, aber nur mit Führer laufen zu können, geht mir ganz und gar gegen den Strich. Ich möchte selber entscheiden können, wie lange und wie schwierig eine Wanderung werden soll und wann ich wo und wie lange Pause einlege zum Fotografieren oder ausruhen bzw. einfach genießen. Ich hasse es daher, in einer Gruppe zu laufen, oder das Gefühl zu haben, dass der Führer bei jedem Stopp auf die Uhr guckt oder mich mies zu fühlen, wenn mir die Strecke zu anstrengend wird. Ich habe Kondition, aber sie kann je nach Tagesverfassung mal mehr oder weniger gut sein und bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit traue ich mir manches einfach nicht zu. Ein weiterer aber auch wesentlicher Punkt ist, dass die Führungen hier in Viñales immer eine Tabakplantage und -fabrik mit beinhalten. Da wir beide nicht rauchen und ich den Tabakanbau und die Verarbeitung schon in anderen Ländern bzw. auf der Expo vorgeführt bekommen habe, habe ich daran keinerlei Interesse. Letztendlich steht bei solchen Führungen immer auch die Verkaufsveranstaltung im Vordergrund und dafür ist mir die Zeit und das Geld, das die Führung kostet, einfach zu schade.

An unserem 2. Viñales -Tag gelingt es uns, alleine ab Nationalparkcenter eine Wanderung zurück in den Ort durch wunderschöne Landschaft zu machen. Wir können einen Kolibri fotografieren, treffen auf einen Tabakfarmer und genießen immer wieder schöne Ausblicke. Nachmittags machen wir es uns bei einem Kaffee gemütlich und lesen, da wir für abends noch eine Verabredung mit unserer Mitbewohnerin aus Berlin und einem Bekannten aus ihrem Spanischkurs zum Essen haben. Wir treffen uns am Plaza und verbringen einen gemütlichen Abend zusammen. Sie ist total interessant, da sie in der DDR aufgewachsen ist, einen tansanischen Vater und einen französischen Mann hat. Noch dazu hat sie russische Journalisten geschult und macht jetzt Presseanalysen. Es gibt also viele interessante Dinge, über die wir reden können.
Am 8.11. reisen wir alle weiter, da heißt es Abschied nehmen. Uns führt mittags der Weg per Bus nach Las Terrazas, einem ökologischen Gemeinschaftsprojekt im Biosphärenreservat 80km ōstlich. Die Lage ist traumhaft an einem See. Da es sehr ausgebucht scheint, nehmen wir die erste Casa, die jedoch sehr einfach ist. Kein eigenes Bad, eine Steckdose in Form eines Kabels, außer Bett nur ein Wandschrank, der aber mit Bettzeug gefüllt ist. Mit Frühstück zahlen wir 30CUC pro Nacht und damit fast doppelt so viel wie in Viñales. Wir gehen im vegetarischen Restaurant essen, lecker aber natürlich auch fast so teuer wie zuhause. Mich nervt total die ewige Knappheit von Toilettenpapier. Ein Blatt gibt es in der Regel auf öffentlichen Toiletten, die auch Geld verlangen und mehr bekomme ich auch hier im Restaurant nicht.

Wir kommen aus dem Restaurant zurück in unsere Casa uns zum ersten Mal auf der Reise ist meine Laune miserabel. Das Bett hat nichts zum Zudecken, es gibt kein Handtuch und kein Klopapier, die Schränke in der Wand sind gefüllt mit der Kleidung der Vermieterin, vor dem Fenster keine Scheiben, d.h. wir können sicher mit Mücken rechnen und eine Röhre mit kaltem Neonlicht verspricht die Gemütlichkeit einer Döner Bude. Um zum Haus zu kommen, muss man erst 3 Hunde überwinden. Wir können aber noch froh sein, überhaupt etwas bekommen zu haben, wie wir im Gespräch mit einem holländischen Paar erfahren haben. Es gibt wohl nur 3 Casas Particulares und das teurere Hotel und alles ist belegt. Sie haben das Kinderzimmer in einem Haus bekommen, um überhaupt unterzukommen. Vielleicht ist es bei uns genauso? Oder schläft die Vermieterin immer mit dem Sohn im Zimmer?
Wir werden zwei Nächte aushalten müssen, da wir mit einem deutschen Pärchen verabredet haben, dass sie uns Freitagmorgen mit dem Auto nach Havanna mitnehmen, denn mit dem Bus könnten wir erst nachmittags fahren.

Kuba Tagebuch 9.11.2017 Las Terazas