Kuba Tagebuch 20.11.2017 Cienfuegos/Trinidad

Visaverlängerung – Kubas Bürokratie live!

Obwohl wir so klug waren, im Internet zu gucken, wie so eine Visaverlängerung vonstatten geht und am Sonntagabend zum Office Aduana am Hafen gegangen sind, läuft Montag noch einiges schief. Wir wissen, dass wir uns zuvor „Sellos“ (Marken) bei einer Bank kaufen müssen. Die verkauft nur eine bestimmte Bank und wir warten natürlich ab 8:15 Uhr vor der falschen. Extra eine 1/4 Stunde zu früh, vor dem Frühstück, um nicht in einer Schlange stehen zu müssen. Letzteres klappt, aber sie schicken uns zur „Banca de Credito“ einen Block weiter. Dort kommen wir dann in eine Schlange und stehen erst einmal vor der Tür. Nach einer Weile können wir eintreten und bekommen eine Nummer. Es sitzen rund  50 Personen in Reihen und warten, vorne zeigt ein Bildschirm die Nummer. Sie sind bei Nr. 24, wir haben die 65. Fotografieren, Handy, Kopfhörer und Waffen🙄 verboten! Klar, man muss aufpassen, denn die Nummern werden nicht in der Reihenfolge aufgerufen. Je nachdem, welches Anliegen man hat, wechseln sie. Nach ca. 10 Min. fällt der Strom aus. Er geht schnell wieder an, aber das Programm auf dem Bildschirm lässt sich nicht wieder starten und niemand weiß nun, wer wann an die Reihe kommt! Nach ein paar Minuten bemerkt uns eine Bankangestellte und man lässt uns an den richtigen Schalter. Yeah, wir sind richtig, haben Pass und Adresse unserer Casa dabei, nur mit Kreditkarte könne man nur nebenan zahlen. Zum Glück haben wir noch 50 CUC für die Marken und haben die erste Hürde genommen. Wir ziehen noch Geld am Automaten, was dieses Mal klappt. Wir haben wohl das letzte Mal einen zu hohen Betrag gewollt, es werden max. 400 CUC ausgezahlt. Bis wir wieder in unserer Casa sind, sind 1 1/4 Std. vergangenen, aber immerhin sind wir einen Schritt weiter. Wir frühstücken, verabschieden uns von unseren netten Vermietern und machen uns auf den Weg mit Gepäck und fahren Bicitaxi bis zum Busbahnhof, der nicht weit vom Amt sein kann. Wir haben nur einen selbstgemachten Punkt auf unserer Offlinekarte nach der Angabe eines hilfsbereiten Mitarbeiters beim Zollamt. Wir haben von ihm zum Glück am Abend zuvor erfahren, dass wir nicht zur Aduana (Zollamt am Hafen) müssen (es geistern da die unterschiedlichsten Infos im Netz), sondern zur Unidad Municipal de Tramites. Es muss irgendwas mit gemischten Angelegenheiten zu tun haben, denn von Fahrerlaubnis über Ausweise bis zu Ausländerangelegenheiten wird hier alles gemacht. Das kann man auch auf einem Bildschirm sehen. Zum Amt geht eine zweiseitige Treppe hoch. Wir fragen den vermeintlich Letzten in der Schlange ob er der „ultimo“ ist. Er verneint und weist auf die längere Schlange. Hier weiß keiner so Recht, wo das Ende ist, ob es mehrere Schlangen gibt, Chaos pur. Nach einer Weile hin- und her kämpfe ich mich in den ersten Warteraum, werde zu einer Dame im zweiten geschickt, die zumindest bestätigen kann, dass Visaverlängerungen hier im Amt ausgestellt werden. Ich soll zurück zur Schlange. Ich treffe auf ein weiteres Paar mit dem mir im Moment so sympathischen roten Pass und sogar aus Deutschland. Nun werden wir gemeinsam erst mit Spanisch überschüttet und verstehen irgendwas von „nur eine Mitarbeiterin“, „bis 14Uhr geöffnet“ und „morgen wiederkommen“. Wir tauschen aus, was wir verstanden zu haben glauben, aber sind der Meinung, wir lassen uns nicht einfach wegschicken. Das Paar hatte zuvor schon in Santiago de Cuba Versuche gestartet, bei denen sie zuerst wegen kurzer Hosen als nicht adäquate Kleidung und beim nächsten Mal, weil bis zum Auslaufen der Visas mehr als drei Tage waren, weggeschickt wurden. Mal so nebenbei, die Kubanerinnen tragen selbst immer äußerst kurze Rōcke.
Als wir uns nicht abweisen lassen, weist man uns in einen dritten Warteraum, in dem tatsächlich noch andere Ausländer sitzen, zum Teil bereits seit 8Uhr. Es ist inzwischen gegen 11:00Uhr. Hier sitzen wir nun, ca 20 Personen auf Holzsitzbänken vor einem verwaisten Tisch mit kleinen Zetteln und einem Klebestift zum Aufkleben der Sellos. Ein Computerkabel hängt aus der Wand ins nichts, mehr ist dort nicht. Wir kommen uns abgeschoben vor. Auch die spanischsprachigen Personen verstehen nicht mehr als wir, was dort vorsichgeht. Irgendwann nach einer weiteren halben Stunde verlassen die Anderen den Raum, wir gehen also hinterher. Es geht durch die anderen Warteräume eine Treppe hoch. Hier ein Büro mit mehreren Sessel, davor ein wichtig erscheinender Mitarbeiter, der der Reihe nach die Leute fragt, was sie wollen und zum Teil wieder nach Hause schickt. Eine Mexikanerin soll am kommenden Tag wiederkommen. Uns schickt man wieder in den Eingangsbereich unter den Info Bildschirm. Hier sitzt eine junge Mitarbeiterin für „Innere Angelegenheiten“ wie ich ihr Schild entziffere. Nun dauert es noch ca 15Min, bis wir als Letzte drankommen. Wir haben die Fragen nach Unterkunft, Beruf und Grund für langen Aufenthalt bereits bei unseren deutschen Vorgängern gehört und können uns darauf einstellen. Wir werden aber nicht gefragt. Ich bin so nervös, dass ich ihre Fragen nach Krankenversicherungsnachweis nicht verstehe und ihr die ausgedruckten Flugtickets zeige und weil mir nur Avion in Französisch einfällt, mache ich zur Verdeutlichung eine Flatterbewegung mit den Armen. Sie fängt an zu lachen und flattert auch kurz. Das Eis ist gebrochen. Wir haben alle Belege, sie füllt ein Formular aus und schreibt hinten mit der Hand noch einen halben Roman drauf, und wir bekommen die ersehnte Verlängerung für weitere 30Tage bis zum 1.1.18. Im PC vor ihr sind etliche Angaben über uns, ich kann leider nicht lesen, was dort alles vermerkt ist, das wäre zu auffällig. Das Ganze hat uns ca 3Std gekostet. Wir haben aber noch Glück, denn wir bekommen sogar noch einen Bus nach Trinidad.
Hier angekommen werden wir in eine Unterkunft geschleppt, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die ist, die uns bereits von Santa Clara aus vorbestellt wurde. Egal, sie ist ok, wenn auch ohne Fenster. Für mich ist allerdings der Weg mit der Schlepperin zum Hostel der Horror. Ich habe seit unserer Kuba Reise immer wieder Probleme mit meinem rechten Fuß. Der Knöchel ist fast immer geschwollen und bei seitlich unebenen Wegen, knicke ich ständig weg und habe Schmerzen. Trinidad hat überall Kopfsteinpflaster und ich meinen Reiserucksack zu tragen. Ich will nicht Stefan mit beiden Rucksäcken laufen lassen, er hat eh Kopfschmerzen. Also stōckele ich wie auf Pfennigabsätzen mit schmerverzerrtem Gesicht bis zur Unterkunft. Noch dazu scheint eine Durchfallerkrankung im Anmarsch zu sein. Wir gehen kurz durch den Ort, kaufen Brot und Kekse und verbringen den Rest der Zeit im Zimmer.

Kuba Tagebuch 21.11.2017 Trinidad