Kuba Tagebuch 17.11.2017 Santa Clara/ Cienfuegos

Tiefere Eindrücke

Ein letztes Frühstück in Santa Clara, meiner bisherigen Lieblingsstadt auf Kuba. Unser Vermieter hat uns ein Taxi zum Busbahnhof besorgt und für uns eine Unterkunft in Cienfuegos klargemacht. Mal sehen, wie wir mit der Vermittlung zufrieden sind. Wir werden direkt am Busbahnhof in Empfang genommen von einer Kontaktperson, der uns zu einer Fahrt mit Taxi rät, weil der Weg recht weit wäre. Das Taxi ist dieses Mal ein Bicitaxi (Fahrradtaxi) und kurz darauf erreichen wir unsere neue Bleibe. Das Zimmer ist klein, aber mit Bad und leiser Aircondition und das Beste: unser Vermieter spricht deutsch, weil er bis zur Wende 3Jahre in Zittau studiert hat. Endlich jemand, den man über Kuba ausquetschen kann! Es ist total schade, dass unser Spanisch nur so rudimentär ist. Wir erfahren, dass die Amerikaner seit Trump nur noch per Reisegruppe und in nicht staatliche Unterkünfte reisen dürfen. Nicht, dass Kuba das vorschreibt, sondern sie bekommen sonst Probleme im eigenen Land! Kuba macht daher den Ein- und Ausreisestempel nur auf ein Blatt und nicht in den Pass, denn manche umgehen das Problem und reisen über ein anderes Land wie Venezuela ein. Insgesamt kommen aber viel weniger Amerikaner als zuvor, was den Kubanern große Sorgen macht. Viele haben investiert und ihr Haus zum Casa Particulares umgebaut in der Hoffnung, durch den Tourismus besser leben zu können. Jetzt sehen sie mit Verzweiflung, wie das Verhältnis zwischen den Staaten wieder kaputt gemacht wird. Momentan sind Kanadier und Deutsche an der Spitze der Touristen.
Soweit ich unsere Vermieterin richtig verstanden habe mit ihrem super schnellen und meinem grottenschlechten Spanisch, hat sie zuvor für den Staat als Wirtschaftsingeneurin gearbeitet im Tourismussektor. Seit sie die Casa Particulare haben, kümmert sie sich nur um diese, weil man damit viel mehr verdient, vorausgesetzt die Gäste kommen. Sie hätte beim Staat in leitender Stellung 30CUC im Monat verdient ( normal wären 25), bei der Casa bekommt sie pro Nacht /Zimmer 20CUC, wobei pro Monat und Zimmer 100CUC an den Staat abgeführt werden müssen, egal, ob Gäste da waren oder nicht. In schlechteren Wohngegenden, also nicht im Centro, sind die Abgaben entsprechend niedriger, allerdings auch die Preise pro Übernachtung. Extraverdienst ist durch Mahlzeiten möglich. Sie meint, sie versucht gerade sich in dieses neue Arbeitsleben reinzufinden. Es ist mit viel Bürokratie verbunden. Nicht PC, sondern ein handschriftliches Heft ist zu führen mit Passnummern und Unterschrift der Gäste, und laut ihr einmal pro Woche bei der Behörde vorzulegen.
Ihr Mann arbeitet in einem Geschäft. Er hatte überlegt, seine Deutschkenntnisse zu nutzen und als Touristenführer zu arbeiten, aber dort nimmt man bevorzugt junge, unabhängige Leute, da sie häufig mit Gruppen für mehrere Tage unterwegs sind und das mit Familie nicht vereinbar ist.
Kubaner können seit ein paar Jahren freier reisen, aber da sie in westlichen Ländern Visas benötigen und dort immer befürchtet wird, dass sie nicht wieder ausreisen wollen, haben sie es schwer wirklich andere Länder zu besuchen. Unser Vermieter musste bei seinem Besuch bei einem ehemaligen Studienfreund in Deutschland mit Bildern nachweisen, dass sie sich schon länger kennen und befreundet sind, um ein Visum zu bekommen.
An unserem Anreisetag wandern wir den Malacon (Promenade) hinunter bis „La Punto“. Hier am Ende der Bucht sind die Villen der superreichen Kolonialherren, wie z.B. das heutige „Hotel Jagua“. Heute dienen sie als Hotels, Casas, Kulturclub und der Yachthafen befindet sich ebenfalls hier. Als wir wieder im Centro sind, ist die Sonne untergegangen und die Stadt scheint selbst am Hauptplatz recht dunkel und verschlafen ganz im Gegensatz zum Parque Vidal in Santa Clara, bei dem alle historischen Gebäude rundherum beleuchtet sind.

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