Kreta im Frühling

Kreta – der Osten

Inselerkundung mit Standort Souda

Es war kein Aprilscherz: nach einer sehr stressigen Zeit zuvor, in der ein lieber Bekannter nach einem plötzlichen Herztod wieder ins Leben zurückgerufen wurde, starteten wir am 1. April 2019 zu unserer zweiwöchigen Kurzreise nach Kreta. Den Abend und die Nacht vor dem Abflug verbrachten wir bei einer sehr netten Servasgastgeberin in Berlin, die uns noch ein wenig die Umgebung zeigte und mit der wir einen netten Spieleabend verbrachten. Am 1. April war dann schon der Beginn der Reise spannend, denn wir flogen ab Berlin-Tegel an dem Tag, an dem der öffentliche Nahverkehr in ganz Berlin streikte! Zum Glück hatte uns Ryanair zuvor davor gewarnt, sodass wir uns entsprechend früh auf den Weg zum Flughafen machten. Wie immer planten wir, unser Auto in einer ruhigen Straße in der Nähe einer U-Bahnstation zu parken, die nicht allzu weit vom Flughafen entfernt ist. Wenn wir auch an diesem Tag die U-Bahn zum Flughafen nicht nehmen konnten, so wollten wir für unsere Rückkehr einen möglichst gut erreichbaren Parkplatz haben, denn wir sollten erst spätabends wieder landen. Wir fanden einen Platz und von der Entfernung her hätten wir eigentlich sogar zu Fuß laufen können, aber es gab keine Möglichkeit für Fußgänger dort zu gehen. Eine endlose Autoschlange in Richtung Flughafen war auch bereits zu erkennen. Wir hatten das große Glück, uns ein Taxi mit einem anderen Paar teilen zu können und kamen rechtzeitig nach langem Stau am Terminal an. Dort herrschte Chaos, da viele Airlines die Abflüge herauszögerten, weil einfach die Fluggäste noch nicht angekommen waren. Auch wir starteten verspätet und landeten mit ca. einer Stunde Verspätung am Abend in Heraklion. Auf Kreta stand uns, als wir unseren Mietwagen abgeholt hatten, dann noch eine gut eineinhalbstündige Fahrzeit zu unserer Unterkunft bevor. Wir hatten für eine Woche ein Apartment in Souda, im Nordwesten der Insel und für die nächste Woche eines in Káto Zákros, ganz im Osten gebucht. Beide Male hatten wir Wert auf ein Zimmer mit Küche gelegt, damit wir uns selbst verpflegen konnten. Wir planten von dort aus sternförmig die Umgebung zu erkunden.

Am 2. April lagen wir erstmal sehr faul bis 10 Uhr im Bett. Danach fuhren wir einkaufen, machten bei uns Brunch und lasen noch bis nachmittags, um in Ruhe in Urlaubsstimmung zu kommen. Auch, wenn wir weit weg waren, waren unsere Gedanken häufig noch in Deutschland und bei den letzten aufregenden Tagen.
Den Nachmittag verbrachten wir auf der Halbinsel Akrotiri vor Souda und besuchten drei Klöster: das Kloster Agia Triada, das Kloster Gouverneto und, verbunden mit einer kleinen Wanderung, die Bärenhöhle und das Kloster Katholiko. Die Halbinsel hat außer Militärgebiet, einem Flughafen und Ferienimmobilien auch Olivenhaine und eben auch Klöster zu bieten und diente als Schauplatz für den Film Alexis Sorbas. Die Halbinsel liegt vor der Bucht von Souda und bildet damit den einzigen Naturhafen der Insel. Als schönen Abschluss unseres Ausfluges genossen wir leckeren Kuchen in einem Café bei den Gräbern von Venizelos. Hier liegen Eleftheros Venizelos, ein wichtiger kretischer Politiker, der 1910 griechischer Premierminister wurde und sein Sohn Sofoklis Venizelos begraben. Von dort hatten wir einen schönen Blick mit Sonnenuntergang auf die Bucht von Chania.

Den 3. April ließen wir mit einem ausgiebigen Frühstück ruhig angehen und machten uns dann auf den Weg nach Chania, dem Ort, den wir am Vorabend im untergehenden Licht der Sonne gesehen hatten. Die Geschichte der Stadt reicht zurück bis zur Jungsteinzeit. Immer wieder fiel sie Eroberern in die Hände. Deutliche Spuren haben die Venezianer mit ihren Wehranlagen, die zum Teil bis heute noch sichtbar sind und ihren Villen in der Altstadt hinterlassen. Aber auch die türkische Herrschaft ist noch heute anhand von Moscheen und Minaretten zu erkennen. Alles in allem bietet Chania eine sehr schöne Altstadt mit malerischem Hafen.

Am 4. April unternahmen wir eine Wanderung. Wir liefen durch die Imbros Schlucht von Imbros nach Chora Sfakion gut 9 km. Stefan lief dann die Strecke allein zurück und sammelte mich mit Auto wieder ein. Wir hätten sonst 15€ für ein Taxi zahlen müssen, denn die ganze Strecke wieder bergaufwärts hätten meine Knie nicht mitgemacht. Der Weg bestand durchgehend aus Schotter und Bruchsteinen ähnlich eines Flussbettes. Die Schönheit der Schlucht entschädigte mich aber für den unangenehm zu laufenden Untergrund!

Am kommenden Tag machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Wir wollten nach Elafonisi, einer vorgelagerten Insel, die zu Fuß erreichbar ist und waren auch schon Zweidrittel der Strecke Richtung Südwestküste gefahren, als das Wetter zu mies wurde. Es begann durchgehend zu regnen. Die Straße durch das hügelig-bergige Innere der Insel war beeindruckend, da auf den Bergen überall noch Schnee lag, aber sie war gleichsam auch schauerlich. Alle paar Meter verengten schwere Erdrutsche und dicke Steinbrocken die Straße. Gelegentlich sah man Bagger und Baumaschinen am Straßenrand, aber niemand arbeitete. Da die Griechen wie in Skandinavien rechts auf den Seitenstreifen fahren, um Autos überholen zu lassen, waren diese Schutthaufen auf der Straße umso gefährlicher. Zum Teil waren ganze Hänge abgebrochen! Hier musste Wind und Wetter brutal gehaust haben. Auf der anderen Straßenseite waren die Einschnitte durch die Felsen und Hänge enorm steil hinein geschnitten worden, was den Abbruch sicher noch begünstigte. Bei Nacht sollte man hier sicher nicht fahren, denn es handelte sich noch dazu um recht kurvenreiche Straßen. Wir fanden später einen YouTube Video, der von einem schweren Unwetter in diesem Gebiet im Februar des Jahres berichtete. Das war uns vorher nicht bekannt.
Wir kehrten also gegen Mittag wieder zurück in unser Appartement und genossen die Zeit mit Essen und Lesen. Stefan lernte Japanisch wie ein Weltmeister, damit wir im Herbst in Japan keine Sprachproblem haben!

Den 6. April verbrachten wir in Rethymnon, der drittgrößten Stadt auf Kreta. Sie hat süße kleine Gassen, viele Kunsthandwerksstätten und -lädchen und im Baustil wiederum venezianische und türkische Einflüsse. Hier machten uns die Regenschauer nicht soviel aus. Als ich am Morgen aufwachte, regnete es, der Strom war ausgefallen (kommt auf Kreta wohl häufiger vor) und es war kühl im Appartement, da die Heizung elektrisch war. Kaffee kochen ging natürlich auch nicht und das Wasser zum Duschen wurde ebenfalls eklig kalt.😡 Nachdem wir in einem netten Café unseren Morgenkaffee getrunken hatten, ging meine Laune gleich hoch😂.

Am 7. April war das Wetter bis abends prima und so haben wir es doch noch geschafft, die vorgelagerte Sandinsel Elafonisi an der Südwestküste zu besuchen und über einen Sandstreifen hinüberzuwandern. Von der höchsten Stelle hatten wir einen schönen Blick auf das Meer und die Berge auf dem Festland. Zwischen den Felsen braute sich der nächste Wolkenguss zusammen und wir befürchteten schon, mitten hineinzugeraten, aber vorerst hielt sich das Wetter.
Wir fuhren im Anschluss weiter nach Paleochora, einem netten kleinen Ort an der Südküste. Etwas oberhalb des Ortes liegen die Reste einer Festung. Etliche Cafés, Restaurants und Appartements säumen die Hauptstraße, die den Fußgängern vorbehalten ist. Leider waren wir mal wieder während der Siesta, die es auch hier auf Kreta gibt, da und die Geschäfte hatten fast alle geschlossen. Außerdem war die Saison noch nicht richtig im Gange und so fielen auch touristische Angebote noch flach, aber man konnte sich gut vorstellen, dass der Tourismus im Sommer hier brummt. Laut Reiseführer kommen hier verstärkt Rucksack- und Individualtouristen hin. Ein langer Sandstrand und die wunderschöne Lage auf einer Halbinsel vor beeindruckender Bergkulisse machten Paleochora auch für uns attraktiv. Wir schlenderten noch ein Stündchen hier umher und genossen die schöne Umgebung. Wir hatten Glück, der Regen erwischte uns erst auf den letzten Kilometern zurück zu unserem Appartement in Souda. An diesem Tag war es auch mal richtig warm, sodass ich statt zu frieren auf der Wanderung zur Spitze der vorgelagerten Insel Elafonisi richtig schwitzte. Wir befürchteten sogar einen Sonnenbrand. Es war ein wirklich schöner letzter Tag hier im Westen von Kreta. Am kommenden Tag stand der Wechsel unserer Unterkunft ganz in den Osten, nach Káto Zákros bevor. Von dort aus wollten wir dann den östlichen Teil der Insel etwas unter die Lupe nehmen. Unsere Unterkunft hier in Souda gefiel uns recht gut, auch wenn wir auf der Terrasse nicht wirklich sitzen konnten. Der Ort hat einen Futtermittelbetrieb und je nachdem, wie der Wind stand, blies uns ein ekliger Gestank entgegen. Souda als Stadt ist weder schön, noch hat sie unserer Meinung nach etwas Interessantes zu bieten. Sie liegt aber gut, um sowohl die Halbinsel Akrotiri, als auch den Osten der Insel zu besuchen. Die Fahrtzeit zum Flughafen in Heraklion ist ebenfalls erträglich.

Kreta der Westen

Inselerkundung mit Standort Zakros

Am 8. April fuhren wir die endlos lange Strecke in den äußersten Osten der Insel nach Zakros. Tagsüber war das Wetter gut und wir machten zwischendrin auch halt, z.B. in Vamos. Es ist ein Örtchen, in dem versucht wird, die Ursprünglichkeit Kretas zu erhalten und durch Kleinigkeiten, wie buntbemalte Figuren aus Steinen, Hingucker zu schaffen. In einem gemütlichen Café haben wir ein leckeres Erdbeertörtchen mit Kaffee genossen. Die Fahrt wurde zuletzt aber dennoch ganz schön lang. Die Strecke ist rund 300km und man kann nur an sehr wenigen Stellen 90 km/h fahren, meistens nur 40-60 km/h und es gibt unendlich viele Kurven. Unser Mietauto war von Beginn an recht gewöhnungsbedürftig. Die Heizung funktionierte zum Beispiel nicht, was uns häufig, Dank der kühlen Witterung, zum Zittern gebracht hat. Nun fing es auch noch an zu scheppern, wenn man die Klimaanlage anschaltete. Wir hatten darüber hinaus einige Probleme, den richtigen Ort zu finden, da es Zakros und Kato Zakros gibt und die Wohnung mit Adresse in Kato Zakros angegeben war, aber in Zakros lag, was ein paar Kilometer entfernt im Landesinnere liegt. Genau als wir ankamen, begann es wie aus Eimern zu schütten und wir hatten ein paar Probleme, unsere Sachen aus dem Auto ins Haus zu tragen. Da wir ab jetzt ab vom Schuss in den Bergen waren, hatten wir uns gut mit Lebensmitteln eingedeckt. Mit der Unterkunft hatten wir ein Riesenglück. Wir bekamen eine ganze Wohnung mit Wintergarten und hatten wieder eine Waschmaschine, hurra! Wir konnten ja bei Ryanair nur eine winzige Tasche mitnehmen, daher war besonders wegen Stefans Joggingklamotten eine Waschmöglichkeit natürlich super.

Am Morgen des 9. April machten wir uns auf den Weg ins „Tal des Todes“, einer Schlucht mit Höhlen in den Felswänden, in denen die Minoer einst ihre Toten bestatteten. Leider kamen wir nicht weit auf dem Weg durch die Schlucht von Zarkos nach Kato Zarkos, weil nicht nur Matsch, umgefallene Bäume und Sträucher uns das Durchkommen erschwerten, sondern wir letztlich vor einem reißenden Fluss aufgeben mussten. Wir liefen zurück zur Straße, Stefan holte unser Auto und wir fuhren weiter zum anderen Ende der Schlucht. Leider war auch hier kein Durchkommen, wie uns ein Paar bestätigte, das uns entgegen kam. Wir liefen daraufhin auf der alten, nur noch von Autos mit Allradantrieb befahrenen Straße, die restlichen Kilometer bis Kato Zakros, was soviel wie Nieder-Zakros bedeutet und unten am Meer liegt. Auch hierfür mussten wir einen Wasserlauf überqueren, also Schuhe aus und durch. Der Ort besteht nur aus einer Straße entlang der Küste mit mehreren Tavernen, wo wir zu Mittag aßen. Stefan lief den Weg bergauf zum Auto wieder alleine, um mich dann wieder einzusammeln und gemeinsam zurück zu unserem Appartement zu fahren. Wir schafften es gerade noch, bevor es wieder einen heftigen Wolkenbruch gab. Wir machten es uns gemütlich, ich las und Stefan lernte wieder etliche Stunden japanisch. Es ist unglaublich, mit welcher Ausdauer er dabei ist! Er lernt das so süchtig wie ein spannendes Computerspiel.

Auch am 10. April versperrte uns mal wieder das Wasser den Weg! Wir waren zum Wandern wohl doch noch zu früh auf Kreta, dabei waren die Temperaturen genial. Wir kurvten ewig lange durch die Bergwelt in Serpentinen hoch und runter. Es ging von Zakros über Xerokambos nach Makrigialos, wo wir eine Weile durch den Ort schlenderten und mit Meerblick einen Kaffee tranken. Dann fuhren wir weiter zum nächsten Ort, von dem aus der Zugang zur Dasaki Schlucht (Schmetterlingsschlucht) war. Leider kamen wir nur ein paar hundert Meter weit, weil wiederum ein reißender Fluss unseren Weg versperrte. Stefan hatte sich dann einen Weg durchs Inland über kleine Straßen nach Hrisopigi und von dort an die Nordküste nach Sitia ausgesucht. Hier deckten wir uns wieder mit Lebensmitteln ein und genossen mit Blick aufs Meer einen leckeren Sesamkringel, der gefüllt war mit Honig, bevor wir die Rückfahrt nach Zakros antraten. Hierbei kamen wir dieses Mal übel vom Weg ab und mussten über ca 5 km eine ungeteerte, sehr holprige und mit großen Pfützen versehene Piste fahren, bis wir bei Karidi wieder eine geteerte Straße unter den Reifen hatten. Ich hätte sowohl Google Maps als auch Maps.me verfluchen können🙄. Zum Glück hat unser kleiner, nicht gerade verlässlich wirkender Hyundai, die Tour überlebt. Stefan briet dann bei uns im Appartement leckere Pilze und zauberte einen griechischen Salat, womit meine Laune wieder gerettet war 😉

Am kommenden Morgen, dem 11. April, waren wir in Vai, dem einzigen Ort auf Kreta, wo Palmen den Strand säumen. Ein Bauer soll einst Datteln dort verzehrt und die Steine einfach weggeworfen haben 😂 
Seit dem Vortag hatten wir super Wetter, 21 Grad und in Vai und Umgebung war es wirklich schön. Wir fuhren an einem eingezäunten Gebiet vorbei, wo hunderte gelber Vögel über niedrigen Büschen eifrig herumflogen!
Danach haben wir am Hafen von Sitio in einem Café gesessen und eine Waffel mit Eis genossen 😍. Bisher waren wir immer nur durch diese größte Stadt im Westen Kretas durchgefahren und hatten nur kurz eingekauft, nun labten wir uns an dem Blick über den Hafen auf eine Hügelkette bei angenehmem Wetter.
Nach der Heimfahrt nutzten wir bis zum Dunkelwerden den Luxus unseres Wintergartens zum Lesen.

Am 12. April verschlug es uns noch einmal an die Südküste nach Ierapetra. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Schild zum Milona Wasserfall vorbei. Es gab keine Angabe über Weglänge oder Beschaffenheit, aber da wir durch die endlose Kurverei durchs Innere der Insel sowieso müde waren, tat uns eine kleine Wanderung nicht schlecht. Wir wanderten knapp 7 km hin und zurück. Der Weg war aus Schotter, ging bergauf, bergab und einmal mussten wir Schuhe ausziehen, weil es durch einen Wasserlauf ging, sodass wir ganze 2 Stunden brauchten. Die letzten paar hundert Meter führte er durch eine betonierte Wasserrinne, ähnlich den Levadas auf Madeira, umgeben von vereinzelten Kiefern. Der Wasserfall war laut Schild der zweithöchste Kretas, allerdings führte er im Gegensatz zum höchsten das ganze Jahr über Wasser. Es war eine ganz nette Wanderung. Danach fuhren wir zu unserem eigentlichen Ziel, der Küsten- und Hafenstadt Ierapetra. Laut Reiseführer sollte sie aufgrund ihrer südlichen Lage etwas afrikanisches Flair haben, aber davon haben wir nichts gemerkt. Wir schlenderten an Strand und Hafen entlang und stellten in der Fußgängerzone zum wiederholten Male fest, dass wir wohl immer während der Siesta in den Städten ankamen. Außer Lebensmittelgeschäften hatten kaum Geschäfte geöffnet. Daher genossen wir unseren Nachmittagskaffee mit Blick aufs Meer, bevor wir uns wieder auf die gut 1,5 Stunden lange Strecke für 68 km zurück nach Zakros begaben. Endlose Serpentinen, zumeist ohne jegliche Leitplanke und häufig mit Erdrutschen oder Steinschlag brauchten viel Zeit und Aufmerksamkeit.

Am 13. April waren wir in Mochlos an der Nordküste, fast 1 3/4 Stunden Fahrt für 71 km. Es ging fast durchgängig über Serpentinenstraßen und durch Örtchen, wo man nicht schneller als 30-40 fahren durfte. Mochlos erwies sich als ein richtiges Bilderbuchdorf in einer Bucht mit vorgelagerter Insel. Man konnte hier nicht viel mehr machen, als es sich in einer Taverne mit Blick aufs Meer gutgehen zu lassen , aber das ging dafür umso besser! Wir wurden auf Kreta richtig zu Genussreisenden😂
Auf dem Rückweg wollten wir noch kurz einen Abstecher in ein kleines Dorf an der Strecke machen, das recht nett aussah, aber dabei hätten wir uns fast matt gesetzt. Wir fuhren durch eine enge, aber gut befahrbare Straße hinein und standen dann vor einem Sackgassenschild. Wir folgten Google Maps, wonach man auf dem Sträßchen rechts daneben auf der anderen Seite des Dorfes wieder hinausfahren konnte. Dieses Sträßchen war unglaublich steil und uneben und ging nur Zentimeter entfernt an den Häusern entlang. Ich fürchtete schon, unser Motor würde es nicht schaffen, aber das war letztlich nicht das Problem. Wir kamen um eine Kurve und da parkte 50 Meter weiter ein Auto vor einem Haus und ließ uns gerade mal 20 cm Platz. Keine Chance also, daran vorbeizukommen. Nun hieß es ca 150 m rückwärts bergab zurückzufahren! Das war wirklich eine Reifeprüfung im Autofahren und wir konnten froh sein, nur ein so kleines und kurzes Auto zu haben! Ich stieg aus und lotste Stefan Zentimeter für Zentimeter, denn er hätte es unmöglich allein schaffen können, weil teilweise kleine Stufen oder Aussparungen in der Straße vor den Häusern waren, die er weder in den Außenspiegeln noch durch die Fenster hätte sehen können. Danach mussten wir uns erst nochmal zwei leckere gefüllte Sesamkringel beim Lidl in Sitia gönnen. (Irgend eine Ausrede braucht man ja, wenn man sich soviel Süßkram reinzieht 😂)
Nun blieb uns nur noch ein Tag übrig, bevor wir schon wieder zurückfliegen mussten. Inzwischen wurde die Auswahl der Ziele knapp. So schön es hier in diesem Bergdorf ja war, hatten wir uns damit aber ganz schön ins Abseits verfrachtet. Wir hätten wahrscheinlich gut daran getan, entweder die Reise in drei Abschnitte einzuteilen und ein paar Tage in der Mitte der Insel zu wohnen und dort auf Entdeckung zu gehen, oder zumindest die zweite Woche etwas zentraler und nicht im äußersten Osten zu wohnen. Wir waren nicht von so langen Fahrzeiten ausgegangen. Uns standen am Montag ca 3 Stunden Fahrt für 160 km zum Flughafen bevor. Gut, dass unser Flug erst abends war, denn bei diesen Strecken waren auch Pausen nötig.

Unser letzter Ausflug von Zakros aus führte uns am 14. April zuerst in die Reste der minoischen Stadt Gournia. Unser Interesse an Archäologie hält sich eigentlich in Grenzen, aber wenn man überall davon umgeben ist, sollte man sich wenigstens ein Beispiel ansehen. Es war schon faszinierend anzusehen, was Menschen um fast 3000-2000 vor Christi ohne Maschinen geschaffen hatten. Hier waren noch zahlreiche Grundmauern eines Ortes mit verschiedenen Häusern, einem Palast und Versammlungsplatz und mit Steinen gepflasterte Wegen zu finden. Es wurden auch Vasen und Handwerksgegenstände, die z.B. auf Bronzearbeiten hindeuten, sowie religiöse Kultobjekte gefunden, die jetzt in Museen zu finden sind. Da wir nun schon soweit westlich gefahren waren, besuchten wir auch noch Kritsa, einen süßen kleinen Ort, der sich terrassenförmig an den Hängen des Diktigebirges hochzieht. Er hat nette kleine Gässchen und ist für seine Webarbeiten bekannt. Dort wurden laut Reiseführer schon häufiger Filme gedreht. An die entspannte Lebensweise in diesen Dörfchen mit ihren gemütlichen Tavernen und Cafés, in denen meist alte griechische Männer mit vom Wind und Wetter gegerbten Gesichtern saßen, hätten wir uns glatt gewöhnen können. Immer waren die Berge und die Küste nicht weit entfernt und die Lage bot schöne Ausblicke. Die Häuser, häufig weiß oder sandfarben gestrichen und Fenster und Türen in blau, grün oder rot eingefasst, sowie bunte Stühle auf den Terrassen boten den Augen den Farbkleks, der die Mittelmeeridylle perfekt machte.

Am 15.April endete unsere Reise nach Kreta. Wir begaben uns am Morgen auf die lange Strecke zum Flughafen nach Heraklion und machten unterwegs noch einen kurzen Halt in Agios Nikolaos für einen letzten Kaffee und ein paar Fotos. Unser Flug ging pünktlich Richtung Berlin. Der Tag war so lang, dass wir uns nicht die Mühe machten, uns in der Nacht noch auf den Weg zu einer U-Bahnstation zu machen, von der aus wir zu unserem Auto hätten fahren können. Wir nahmen also wieder ein Taxi und unser Auto stand noch wohlbehalten an Ort und Stelle. Wir waren selig, dass unsere nette Servasgastgeberin, bei der wir vor dem Abflug bereits eine Nacht verbracht hatten, uns erlaubt hatte, ihre Wohnung alleine für die Nacht nach der Rückkehr nach Berlin zu nutzen. Sie war zu diesem Zeitpunkt selbst im Urlaub. Wir ließen ihr ein paar kleine Mitbringsel aus Kreta zur Überraschung und als Dank in ihrer Wohnung.

Am 16. April fuhren wir dann gemütlich wieder nach Hause.



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