Baltikum

Aller guten Dinge sind drei

Den Plan, mit unserem guten alten Wohnmobil, liebevoll Womi genannt, das Baltikum zu bereisen, hegten wir schon lange. Bereits 2015 und 2016 hatten wir uns auf den Weg gemacht, sind aber beide Male nur bis nach Polen gekommen. Wir fanden dort einfach zu viele schöne Stellen, die es Wert waren, sie länger zu genießen und die Pläne auf später zu verschieben. In diesem Sommer machten wir sie aber endlich wahr. Wir brachen am 17. Juli 2019 auf und fuhren mit Zwischenstopp in Fürstenwalde am 18. Juli bis Lomza in Polen. Es waren insgesamt ab Braunschweig über 1000 km auf der A2 durch Deutschland und Polen, bis wir ein Stück nach Warschau auf die S8 abbogen. Die A2 in Polen ist über lange Strecken auf beiden Seiten von hohen Schallschutzwänden eingeschlossen. Wenn man mal einen Blick auf die Umgebung werfen konnte, war die auch meist öde, das heißt, Gewerbegebiete, Industrie oder Ödland, also wirklich nicht die schöne Seite von Polen. Wir fanden einen Übernachtungsplatz auf einem netten Parkplatz mit Toilette direkt beim Zentrum und teilten uns eine große Pizza zum Abendessen. Tagsüber war es ganz schön warm, um die 28 Grad, aber am Abend hatten wir angenehme 19 Grad. Am kommenden Tag wollten wir es bis Kaunas in Litauen schaffen, ab dann würde das Genussreisen anfangen😍

Mi 19.6. Marijampole / Litauen

Wir schafften es tatsächlich nach Litauen und sind nicht wieder in Polen hängengeblieben 😂 In Augustow/Polen aßen wir nachmittags noch eine Waffel mit Eis und machten einen kleinen Spaziergang, dann ging es über die Grenze. Ich liebe😍 Europas offene Grenzen, das allein ist es schon wert, für den europäischen Zusammenhalt zu kämpfen! Nun waren wir auch wieder im Euroland, ebenfalls etwas, was das Reisen angenehmer macht. Wir fuhren an dem Tag nicht mehr bis Kaunas, sondern schlugen unser Nachtlager schon vorher bei Marijampole am Fluss Sešupe im Park auf. Der Park bietet Wasserski, Badestellen, Wege zum Laufen entlang des Wassers, ein richtiges Naherholungsgebiet am Fluss, der sich hier in verschiedene Arme teilt. Er wird von den einheimischen jungen Leuten und Familien gut angenommen. Als wir ankamen gegen 23 Uhr, war der Parkplatz noch nicht ganz leer. Wir schienen jedoch die einzigen Übernachtungsgäste zu sein. Obwohl wir die Uhr eine Stunde vorstellen mussten im Vergleich zur deutschen Zeit, war es ist immer noch nur dämmrig und nicht wirklich dunkel. Das gefiel mir. Das bedeutete, wir hatten mehr vom Tag. Allmählich kühlte es sich zum Glück auch etwas ab. Es war an diesem Tag richtig heiß gewesen, um die 32 Grad, was bedeutete, dass wir im Womi bis über 31 Grad hatten.

Do. 20.6. Kaunas / Litauen

Am kommenden Morgen fuhren wir nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens. Erst war es brütend heiß. Da ich noch dazu die letzte Nacht miserabel geschlafen hatte, weil es zu stickig war, bis um 2 Uhr nachts noch ständig junge Leute in Autos an- und abfuhren, Musik machten und ihren Spaß hatten, war es nun für mich echt anstrengend durch die Stadt zu laufen. Wir ruhten uns in einem Bistro aus, und als wir wieder herauskamen, fing es an zu regnen, also drehten wir gleich wieder um. Als der Schauer vorbei war, glaubten wir, dass wir uns nun die Stadt näher angucken könnten, aber denkste! Wir waren vielleicht 5 Minuten gegangen, gab es einen Wolkenbruch, der sich sehen lassen konnte und noch dazu Gewittergrummeln. Wir hatten natürlich Schirm und Regenjacke im Wohnmobil gelassen, sie könnten ja sonst nass werden! So wurden eben wir nass 🙄. Wir versuchten, so gut es ging, durch die Altstadt wieder zum Womi zu gelangen, indem wir von einer Markise zur nächsten liefen und zwischendrin mal in Lädchen gingen. Leider gab es fast nur Restaurants und Cafés. Die wenigen Geschäfte verkauften Bernsteinschmuck, Heiligenfiguren und sonstige Souvenirs, sowie Bastelmaterial. Alles nicht wirklich etwas, was uns interessierte. So richtig begeistert hat uns Kaunas nicht, schon gar nicht bei dem Wetter, sodass wir uns zur Weiterfahrt Richtung Norden entlang der Memel entschieden. Wir folgten damit einer beschriebenen Route unseres Reiseführers und waren mit unserem ersten Übernachtungsstopp schon sehr zufrieden. Wir standen in einem kleinen Park an der Autofähre in Vilkija, direkt an der Memel. Hier im Ort hatte der Starkregen an diesem Tag einen beachtlichen Schaden angerichtet. Ein Stück eines Hanges, an dem man über eine Treppe direkt zur Memel gelangt, wurde unterspült und weggebrochen. Der Ort ist recht hügelig, da hatte das Wasser wohl ordentlich an Fahrt gewonnen. Am Abend war alles wieder ruhig und der Regen vorbei, also hofften wir auf eine ruhige Nacht.

Fr. 21.6.19 Vilkija bis Biténai

Unser Weg führte an diesem Tag weiter entlang der Memel oder Nemunas, wie der Fluss hier heißt. Schloss Raudoné und Schloss Panemuné können sich mit netten Parkanlagen und Teichen durchaus sehen lassen. Das aus rotem Backstein gebaute Raudoné beherbergt heute eine Schule, im Panemuné ist ein Hotel mit Restaurant, in dem wir zu Mittag aßen. Für Kartoffelpuffer mit einer Scheibe Räucherlachs und Kaviar, Teigtaschen mit Spinat und einem großen Salat, dazu zwei Tassen Kaffee zahlten wir ca 21€, also durchaus angemessen, besonders in einem touristisch interessanten Hotel. Am Nachmittag ging es weiter nach Smalininkai zu einer alten Wassermessstation, von wo aus man nach Russland hinüber bis zu deren Sicherungsanlagen sehen konnte. An dieser Stelle war ehemals auch der alte Hafen des Ortes. Leider erkannte auch eines unser Handys das russische Netz und lockte sich ein, sodass wir bei der nächsten Abrechnung ein paar Euro Roaminggebühren bezahlen durften.

In Viešvilé schlenderten wir durch einen kleinen und feinen Park entlang einer Fischtreppe, wo sich auch Kinder munter wie kleine Fische im Wasser vergnügten. Eine wirklich schöne Anlage. Danach suchten wir einen im touristischen Prospekt angekündigten Buchenhain, wobei wir allerdings irgendwann aufgaben. Vielfach sind die Sehenswürdigkeiten gut an der Hauptstraße ausgeschildert, doch danach geht die Beschilderung leider nicht weiter, auch nicht, wenn sich die Wege gabeln, so suchten wir am Morgen bereits vergeblich die Holocaustgedenkstätte bei Vilkija, die laut Ausschilderung an Massengräber erinnern sollte.
Einen schönen Abschluss des Tages bildete am Abend das Dorf Biténai. Hier hatte, völlig untypisch für Störche, eine Storchenkolonie in Bäumen ihre Nester gebaut. Die Nacht verbrachten wir wieder auf einem Wanderparkplatz kurz hinter dem Ort. Es war ein wirklich schöner Tag, besonders weil es nicht zu heiß war und es auch trocken blieb.

Sa. 22.6. Rambynas bis Minija

Den Morgen des 22.6. begann ich mit etwas Gymnastik auf der Wiese vor unserem Womi, während Stefan joggte. Nach dem Frühstück machten wir uns auf die Suche nach dem Berg “Rambynas“, einem Hügel mit gutem Blick über die Memel nach Russland. Zugleich führt eine lange Treppe runter zum Fluss. Da der Weg in ein Waldstück führte, tauschten wir unser Gefährt und fuhren mit Fahrrädern weiter. Nach ein paar hundert Metern waren wir am Ziel und drehten eine kleine Runde zu Fuß, die Treppe runter den Fluss entlang.
Wieder zurück am Womi, war unser nächstes Ziel der Leuchtturm von Uostadvaris. Hätten wir geahnt, was auf uns zukam, hätten wir ihn ggf ausfallen lassen! Es gibt nur eine Straße, die rüber nach Rusne führt, die 206. Dummerweise war diese zur Zeit über mehrere Kilometer hinweg eine riesige Baustelle. Wir versuchten der Umleitung zu folgen, fanden aber mal wieder keine Anschlussbeschilderung. Wir irrten somit mindestens 30 km im Kreis herum auf Wellblech-Schotterstraßen, bis wir letztendlich mitten in die Baustelle gerieten und auf der Gegenspur in Richtung unseres Zieles fuhren. Das schien gar nicht so ganz verkehrt zu sein, denn es fuhr dort auch noch ein Einheimischer. Wir zitterten die ganze Zeit aus Angst vor Gegenverkehr, denn links ging es den Hang runter und rechts war die Fahrbahn komplett weggerissen und ein Absatz von mindestens 30 cm! Auf beiden Seiten wären wir mit Sicherheit umgekippt! Wir hatten Glück, als die Baustelle zu ende war, stand da eine Baustellenampel, vor der Autos warteten. Wo das Gegenstück dazu war, bzw. woher man wissen sollte, ob man fahren konnte, wenn man von unserer Nebenstrecke auf die Straße kam, weiß der Himmel! Der Gegenverkehr muss einen 7.Sinn gehabt haben, denn er wartete bei Grün!
Wir fanden den Leuchtturm und die kleine Anlegestelle, von der aus Schiffe über das Haff nach Nidda hinüberfahren.
Weiter ging die Fahrt nach Minija, einem kleinen Dorf mit wenigen Häuschen und Gehöften und zahlreichen schmucken Booten am Anleger.
Um wieder zurück auf das Festland zur 141 Richtung Kleipeda zu gelangen, stand uns nochmals die Baustelle bevor. Von dieser Seite war die Umleitung zum Glück besser beschildert und wir kamen über einen langen Umweg auf Schotterstrecken wieder zur Hauptstraße zurück. Unsere Suche nach einem Campingplatz, einem Zimmer oder zumindest einem Parkplatz zur Übernachtung, erwies sich auf dem Weg Richtung Klaipeda als sehr schwierig. Wir hatten uns eigentlich auf Dusche und Wasser zum Nachfüllen für das Womi gefreut, aber den bei der Park4night-App angegebenen Platz fanden wir unter den Koordinaten nicht. Letztendlich übernachteten wir auf einem Friedhofsparkplatz vor Klaipeda.

So. 23.6.19 Klaipeda und Wanderung

Nachdem wir uns am Vortag über die horrenden Preise für eine Fährfahrt zur und Straßennutzung auf der Kurischen Nehrung geärgert hatten, kam Stefan an diesem Tag eine Alternatividee:
Wir könnten ja auch per Fähre mit Fahrrad von Dreverna nach Juodkranté in der Mitte der Insel übersetzen. Wir fuhren also zum Anleger in Dreverna und kauften für den kommenden Morgen um 10 Uhr zwei Tickets für uns und die Räder für 24€. Das war immer noch teuer genug, aber besser als 30€ Fähre plus 20€ Straßenmaut mit Womi. Eigentlich wollten wir schon an diesem Tag hinüberfahren, aber es waren nur noch Tickets für die 16 Uhr -Fähre zu bekommen. Vielleicht würde es ja auch schöner sein, nicht mit den ganzen Wochenendausflüglern die Insel teilen zu müssen. Wir planten, am kommenden Morgen schon früh nach Dreverna zu fahren und unser Womi hoffentlich schon auf den Campingplatz am Anleger parken zu können. Leider nahm der Platz keine Reservierung an, aber wir waren guter Hoffnung, einen Stellplatz zu bekommen, da Wochenbeginn war. Ich sehnte mich nach einer Dusche!
Den Sonntag verbrachten wir in Klaipeda, was sich auch als super Idee herausstellte. Zum Einen hatte man sonntags keine Parkprobleme, da das Parken kostenfrei war. Viele Geschäfte hatten trotz Sonntag geöffnet und wir hatten darüber hinaus das Glück, dass in Litauen das Johannisfest gefeiert wurde. Im Park am Fluss Dané waren Bühnen aufgebaut und an Ständen wurden Handwerkskünste vorgeführt wie Drechseln, Blumenbinden etc. Außerdem wurden Honig, Käse, Bernsteinschmuck, Handarbeiten und vieles mehr angeboten. Bei herrlichem Sonnenschein, aber angenehmen Temperaturen, war es wunderschön über das Fest, an den Hafen und durch die Altstadt zu schlendern. Zum Abendessen genossen wir jeder eine zur Tüte geformte Waffel mit Füllung. Meine bestand aus Avocado, Krabben, Käse und Oliven, Stefan hatte eine süße Variante. Gegen 18 Uhr verließen wir Klaipeda und fuhren auf einen Wanderparkplatz beim Kaiser-Wilhelm-Kanal. Dort wanderten wir einen 6 km langen Weg zu einem Vogelaussichtsturm. Stefan musste leidend feststellen, dass man derartige Unternehmungen in Litauen niemals ohne Mücken- und Zeckenschutz mit nackten Beinen machen sollte. Er kam total zerstochen zum Womi zurück. Wir beschlossen den schönen Tag mit frischen Erdbeeren. Mm, lecker!

Mo 24.6. Kurische Nehrung mit Fahrrad

Am Montag ging die Fahrt wie geplant auf die Kurische Nehrung, die seit 1991 auf dem gesamten litauischen Gebiet Nationalpark ist und auch von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet wurde. Mit dem Fahrrad fuhren wir per Fähre nach Juodkanté, nachdem wir auf dem Campingplatz eingecheckt, Handwäsche erledigt und gefrühstückt hatten. Richtig, heute mussten wir mal früher aus den Betten, denn die Fähre ging um 10 Uhr und wir wollten uns gleich um 8 Uhr auf dem Campingplatz einen Platz sichern. Wir radelten auf der Nehrung bis zum Ort Pervalka und traten nach einem leckeren Mittagessen die Rückfahrt an. Bis Nidda wären es hin und zurück 50 km gewesen. Das wäre zeitlich zu knapp geworden, denn wir wollten ja auch etwas sehen und nicht nur strampeln. Mit meinem Pedelec kam ich ganz gut klar. Auf den knapp 19 km habe ich nur bei Steigungen und Gegenwind auf Stufe 2 geschaltet, sonst war der Motor aus oder nur auf 1, was grade das Gewicht des Akkus und des grässlich schweren Gestells ausglich. Mein Herz spielte trotz strahlender Sonne und Temperaturen geschätzt um die 28Grad, gut mit. Weniger erfreut hat mich mein linkes Knie, das dick wurde, dabei soll bei Arthrose Radfahren genau richtig sein🤷‍♀️
Was haben wir gesehen? Also, zuerst einmal sind Juodokanté und Perwalka nette Orte mit schönen bunten Holzhäuschen und kleinen Anlegestellen mit schmucken Booten. Eine richtige Sommerfrische der gehobenen Klasse. Kurz nach dem Ort kamen wir an eine Stelle, wo Kormorane und Reiher in Kolonien auf den Bäumen leben. Besonders die Kormorane haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt und ihre Kolonie hat über 1000 Vögel. Von dort ging die Tour auf asphaltierten Radwegen, wobei an vielen Stellen mal ein neuer Belag nötig wäre. Unsere Hinterteile und Handgelenke hatten einen harten Job. Dennoch genossen wir es sehr, uns den Weg nicht mit Autos oder Fußgängern teilen zu müssen. Es fuhr sich viel entspannter. Wir stoppten beim Naturreservat Nagliai, Stefan zahlte seinen Umweltobulus von 2€, ich kam mit Behindertenausweis umsonst rein. Für irgendwas muss es ja gut sein, als „Mängelware“ durch die Welt zu laufen. Auf Bohlen ging es durch die Sanddünen und ich war schon froh, nicht durch den Sand laufen zu müssen in der knackigen Hitze, aber denkste! Gerade, als es hoch über die Düne ging, hörte der Bohlenweg auf und es hieß Schuhe: „aus und bergauf laufen“! Der Sand war von der Temperatur her gerade noch so auszuhalten an den Füßen. Belohnt wurden wir mit dem beeindruckenden Blick auf die Dünenlandschaft und das Kurische Haff. Weiter ging es per Rad recht lange zwischen Wald und Dünen, die leider keinen Blick auf die Ostsee oder das Haff erlaubten. Es gab jedoch Stellen, wo man über die Dünen zu Fuß zum Wasser gelangte und auch Badestellen, die wir aber nicht genutzt haben. Zur Mittagszeit erreichten wir Pervalka und ließen es uns im Restaurant schmecken. Ich wählte mal etwas typisch litauisches: in Knobibutter geröstete Brotstreifen und kalte Rote Beete Suppe. Beides war sehr lecker und die kalte Suppe genau das Richtige bei der Hitze. Von dort ging es auf einem anderen Weg wieder zurück nach Juodkanté zur Fähre. Wir hatten Glück und konnten eine frühere nehmen als gebucht, sodass wir nun noch unseren Luxus, auf einem Campingplatz zu stehen, ausnutzen konnten.

Di. 25.6. Zemaitia Nationalpark Litauen

Mein Morgen begann mit einer erfrischenden Dusche. Danach bereitete ich Frühstück vor und entsorgte unser Brauchwasser per Eimerchen in das dafür vorgesehene Abwasserrohr. Leider gab es auf dem Campingplatz keine Entsorgungsstelle zum drüberfahren, so musste ich halt 10x in den 5l- Eimer ablassen und umschütten. Als Stefan vom Joggen und Duschen kam, wurde gefrühstückt und dann machten wir alles zur Abreise fertig. Heute besuchten wir den Zémaitija Nationalpark und machten eine Wanderung am Plateliai See. Der Nationalpark bietet Wälder, Seen und Moore, wobei der bis zu 50 Meter tiefe Plateliai See als der klarste und sauberste in Litauen gilt. Er ist bei Tauchern sehr beliebt. In den Wäldern und am Wasser gibt es noch Wölfe, Luchse, Marder, Biber und zahlreiche Vögel und Insekten.

Mi. 26.6. Kein schöner Tag in Lettland

Das war nicht so unser Tag😳 Begonnen hatte der Tag noch ganz nett mit einem Bad im Plateliai See, wo wir die Nacht zuvor kostenlos campen konnten. Ab dann wurde der Tag dann eher nervig.
Stefan hatte einen Zeckenbiss seit kurz nach Abfahrt, also noch in Deutschland. Er hatte die Zecke weggeschlagen, weil er nicht gesehen hatte, was ihn gebissen hatte und der Kopf blieb drin. Er „verarztete“ sich selbst, kratzte den Kopf der Zecke raus und desinfizierte die Stelle unterwegs mit Handdesinfektionsmittel! Inzwischen sah die Stelle aber rot entzündet aus, auch wenn sie nicht weh tat oder heiß war. Da Borreliosegefahr bestand, fuhren wir in eine Ambulanz, die uns wiederum ins Krankenhaus in dessen Ambulanz schickte. Nach einigen Verständigungsproblemen bekam er Antibiotika verschrieben. Es waren deutsche Tabletten mit deutscher Erklärung 👍. Gegen Mittag fuhren wir nach einer Pause zu einem schönen Waldparkplatz nach Lettland.
Wir waren grade 30 Minuten in Lettland, als uns auf der Schotterpiste so ein Trottel, der es wohl super eilig hatte, rechts überholen wollte. Die fuhren hier wie Bekloppte. Wenn das so blieb und die meisten Straßen so aussahen 🙄, nahmen wir uns vor, bald weiter nach Estland zu fahren. Zum Glück hatte noch ein weiteres Auto mit einem netten lettischen Fahrer den Crash beobachtet. Er machte dem Unfallfahrer ziemlich eindeutig klar, dass er ja wohl ziemlichen Mist gemacht hätte und rief für uns die Polizei. Er erklärte sich auch bereit, im Notfall als Zeuge auszusagen. Wir warteten über eine Stunde auf die Polizei, die dann alles aufnahm und uns unsere Unschuld sofort bestätigte. Falls wir noch Schäden feststellen sollten, könnten wir uns mit dem Protokoll in Deutschland an die Versicherung wenden, die sich dass Geld dann vom Verursacher wiederholte. Zu sehen waren zwei eingedrückte Stellen an der Außenhaut, nichts Tragisches aber ärgerlich und niemand konnte sagen, ob sich darunter ein weiterer Schaden verbarg.
Bevor es gekracht hatte, waren wir nach 7 km Fahrt auf dieser Schotterpiste im Pape Nationalpark, wo wir etwas Kanufahren wollten. Leider muss man dafür aber erst jemanden anrufen, was uns zu umständlich und teuer war, also entschieden wir uns für den Besuch eines Vogelaussichtturmes. Wir fuhren also 4 km weiter auf der Piste, von dort sollte der Fußweg noch 700 Meter betragen. Wir kamen aber nie an, weil ich nach spätestens 400 Metern nur noch fluchend davonlief. In Nullkommanix hatte ich ganze Scharen von Mücken auf mir sitzen und ich fand weder deren Stiche, noch Stefans Abwehrschläge angenehm genug, als dass es mir die Vögel Wert gewesen wären! Abends begaben wir uns auf einem netten, privaten Campingplatz und bekamen sogar noch ein Informationsheft in Deutsch und Tipps in Englisch für einen Besuch in der Stadt Liepāja für den kommenden Tag.

Do 27.6. Lipaja/Lettland

Dieser Tag entschädigte uns für den miesen Anfang der Reise durch Lettland. Wir ließen uns Zeit beim Aufbruch am Morgen, denn der kleine Campingplatz war echt gemütlich und außer uns war nur noch ein weiteres deutsches Paar dort. Wir duschten, wuschen Wäsche und frühstückten gemütlich und brachen erst gegen 11:30 Uhr auf. Das Wetter war sonnig, aber angenehm abgekühlt, man konnte sogar eine Jacke vertragen. Unser Ziel war an diesem Tag Liepaja, was von den Deutschen Liebau genannt wurde. Die Stadt mit rund 80000 Einwohnern hat eine ganz eigene Ausstrahlung. Jugendstilbauten, bunte Holzhäuser, Wohnblöcke in Ostmanier, moderne Einkaufcenter und eine kuppelförmige, moderne Konzerthalle, dazwischen Parks und Straßenbahnen und alles mit einem Hauch von Shabby Chic. Manchen Häusern sieht man die Armut der Bewohner deutlich an, bei anderen hat Farbe schon einiges bewirkt. Gefallen hat mir aber besonders die entspannte Atmosphäre. Es war für eine Stadt der Größe kaum Verkehr unterwegs und wir hatten überhaupt kein Problem damit, an unterschiedlichen Stellen kostenlose Parkplätze zu finden. Unser erster Stopp galt dem Markt. Die 1910 im Jugendstil erbaute Markthalle ist wirklich ein Hingucker und im Inneren genossen wir die für osteuropäische Länder typischen gefüllten Teigtaschen bei einem kleinen Imbiss. Gestärkt machten wir uns auf die Suche nach neuen Laufschuhen für Stefan. Seine, am Boxing Day in Christchurch gekauften, hatten eigentlich schon längst ihre Laufleistung mit ca 1600 km ausgehaucht, aber es ist, gerade im Ausland, gar nicht so einfach, Laufschuhe in Größe 49 und dann noch zu bezahlbaren Preisen zu finden. Heute hatte er aber Glück und konnte nun endlich seine alten Treter entsorgen. In einem Einkaufszentrum in der Innenstadt gab es ein Sportoutlet. Danach parkten wir um und schlenderten durch die kleine Fußgängerzone. In einem Bäckereicafé aßen wir jeder ein Törtchen, was die eigenartige Kombination von süßem Belag, ähnlich eines sehr festen Puddings, verziert mit Kümmel aufwies! Ich hatte es für Schokostreusel gehalten, was meinen Geschmack nach auch besser gepasst hätte. Anscheinend ist Kümmel hier im Baltikum das Lieblingsgewürz der Bäcker, denn jedes dunkle Brot, das wir auf dieser Reise fanden, hatte zumindest einen Hauch von Kümmel. Auch lieben sie es, herzhaftes Brot etwas zu süßen, was wir auch in Skandinavien schon einmal kennengelernt hatten. Ein solches Brot in Verbindung mit z.B. Thunfisch ist für meinen Geschmack wirklich widerlich🤑, aber andere Länder, andere Geschmäcker.
Wir kamen an der Universität vorbei, die ein breites Spektrum an Fakultäten von Ingenieurwesen bis Sozialpädagogik aufwies. Danach fuhren wir in das Viertel Karosta. 1890 vom Russischen Reich begonnen zu bauen, entwickelte sich hier die größte historische Militärzone des Baltikums. Obwohl nur durch eine drehbare Metallbrücke von Liepaja getrennt, wurde hier eine völlig autonome Militärstadt gebaut mit allem was dazugehört. Von der Wasserversorgung durch einen eigenen Wasserturm, bis zur wunderschönen russisch-orthodoxen Militärkathedrale. Auch ein Militärgefängnis für kurzzeitige Strafen bis ca 5 Tagen für jedwede Undiszipliniertheit wurde gebaut. Hier waren Soldaten gefangen, die häufig nicht mehr verbrochen hatten, als einen fehlenden Knopf an der Uniform oder eine Widerrede gegen Vorgesetzte. Heute dient dieses Gebäude als Museum und Hostel, in dem man in Zellen übernachten kann. Während der wechselhaften Geschichte des letzten Jahrhunderts wechselten sich die Besatzer im Baltikum ab. So wurde diese Militäranlage im 2.Weltkrieg zeitweise von den Deutschen übernommen, bevor danach die Sovjetarmee bis zum endgültigen Abzug 1994 Karosta als Militärstützpunkt nutzte. Egal welches Militär dort auch herrschte, für die Einwohner Liepajas war das das ganze Gebiet absolutes Sperrgebiet. Sie durften es nie betreten, es sei denn, sie hatten eine offizielle Genehmigung.
Wir nahmen an einer Führung im Militärgefängnis teil und fuhren am Abend noch an die Küste. Dort besahen wir uns die Reste der durch das Meer zerstörten Festungsanlage, wo wir auch unsere Nacht auf dem Parkplatz verbrachten. Außer dem Wind vom Meer, hatten wir hier auch noch das Rauschen eines Windrades, unterhalb dessen wir standen, sodass ich mir überlegte, ob ich mir Ohropax in die Ohren stopfen sollte.

Fr. 28.6. Pavilosta und Kuldiga/ Lettland

Während ganz Europa über Hitze klagte, waren bei uns die Temperaturen richtig für eine dünne Fleecejacke. Am Morgen hatten wir 16 Grad und auch im Laufe des Tages stieg das Thermometer kaum über 20 Grad, dabei schien aber herrliche Sonne. Wenn man nicht unbedingt baden gehen wollte, war das Wetter also goldrichtig für Unternehmungen.
Die letzte Nacht war für mich wieder nicht so berauschend und ein Grund war das Windrad, unter dem wir standen. Das Rauschen war in etwa wie eine Klimaanlage und die nerven mich auch in den meisten Fällen.
Nach dem Frühstück fuhren wir nur ein paar Kilometer von unserem Schlafplatz bei den Resten der Verteidigungsanlagen von Liepaja/Karosta zu einer Erinnerungsstätte des Holocausts in Šķēde. Hier werden auch die Menschen geehrt, die Juden das Leben gerettet haben. Informationen findet man bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_in_Liepāja


Von dort ging die Fahrt weiter zu einem kleinen Strandbesuch bei Pavilosta. Der Strand ist wunderschön mit feinem weißen Sand und es versuchten sich vereinzelte Kitesurfer mit mäßigem Erfolg. Nach einem kleinen Spaziergang fuhren wir sehr gemächlich weiter Richtung Kuldiga im Landesinneren. Wir hofften, dem ständigen Stopp&Go Fahren von Baustellenampel zu Baustellenampel auf der Straße entlang der Küste entfliehen zu können, aber auch hier waren zahlreiche Baustellen, sodass wir erst gegen frühen Abend in Kuldiga ankamen. Das machte aber gar nichts, da das Licht zum Fotografieren zu der Zeit viel wärmer war und die Farben viel schöner herauskamen. Kuldiga ist laut Internet eine Stadt mit 12000 Einwohnern und liegt am Fluss Venta, der mit der breitesten Stromschnelle Europas, der Ventas Rumbla aufwarten kann. Der historische Altstadtkern geht ins 13 Jahrhundert zurück und verfügt über schmale Gässchen mit Kopfsteinpflaster, mehrere Kirchen und zahlreiche Holzhäuser. Die Stadt hatte 2017 die alte Backsteinbrücke über den Fluss Venta restauriert und bemüht sich um Aufnahme in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe. Die Häuschen und Gässchen sind wirklich sehr schön und bilden ein einheitliches Ensemble, sie müssten nur ganz dringend restauriert werden. Etliche Fenster sind sicher jetzt schon nicht mehr zu retten, Fassaden sind abgeblättert und aus Sockeln Steine herausgebrochen. Man kann nur hoffen, dass die Stadt mit Hilfe von Land und EU es schafft, die schöne Bausubstanz zu erhalten. Ein zweites Flüsschen, die Alekšupîte, fließt durch die Altstadt und deshalb wird die Stadt auch gerne das Venedig des Ostens genannt. Wir unternahmen am Abend nur einen kleinen Rundgang und planten, uns am kommenden Morgen genauer umzuschauen.

Sa. 29.6. Ventspils/ Lettland

Am kommenden Morgen schauten wir uns nochmals ausgiebig Kuldiga an und konnten uns in dem ein oder anderen Lädchen umschauen und Postkarten kaufen, die wir später in einem sehr urigen Restaurant mit dicken Holzbalken und -möbeln bei leckeren Pfannkuchen schrieben. Kuldiga erschien uns viel größer, als wir von einem 12000 Seelenort erwartet hatten.
Gegen Mittag fuhren wir weiter nach Ventspils an der Küste. Große Fähren der Stena Line verbinden den Ort mit Schweden. Zu einer wohlhabenden Stadt macht Ventspils aber eher der Containerhafen. Es ist der Ölexport, der das Geld bringt. Auch große Kohlefrachter konnten wir sehen.
Wundert man sich, wenn man überall verteilt in der Stadt bunte Kühe in unterschiedlichen Darstellungsweisen sieht, erfährt man im Internet, dass 2012 eine internationale Kunstaktion stattgefunden hat, bei der 24 lustige Kühe entstanden und später für soziale Zwecke versteigert wurden. Viele Auktionäre ließen „ihre“ Kuh jedoch an Ort und Stelle, sodass sich heute Einheimische und Touristen daran erfreuen können.
Das Olimpiskais Centrs Ventspils ist zwar nicht für eine Olympiade gebaut, aber mit Recht der Stolz der Stadt. Um den Breiten-und Leistungssport zu fördern wurde hier ein Sportzentrum gebaut, dass es an nichts fehlen lässt. Von Leichtathletikstadion bis Fußballstadion, von Eishalle bis Wasserpark, von diversen Hallen für unterschiedlichste Sportarten bis zur künstlichen Skipiste scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Laut Homepage der Stadt trainieren hier täglich über 30 Vereine der Stadt!
Am kommenden Tag wollten wir die gutausgebauten Radwege Ventspils einmal ausprobieren und das Freilichtmuseum, den Strand und den Wasserpark besuchen. Wir verbrachten mit mehreren anderen Womis die Nacht auf dem Parkplatz am Fährhafen. Es war sooo entspannend, keine Probleme beim Finden eines Parkplatzes zu haben und noch dazu fast überall auf diesen auch übernachten zu dürfen😍

So. 30.6.19 Ventspils

Dieser Tag brachte wieder viel Aufregung, aber auch schöne Erlebnisse. Am Morgen schnappten wir uns die Räder und fuhren zum Freilichtmuseum in Ventspils. Die Radewege erwiesen sich als hervorragend und die Beschilderung führte uns überall dorthin, wohin wir wollten. Das ist nicht immer so, wie in meinen vergangenen Berichten bereits beschrieben. Auch ohne die Radwege wären wir wohl sehr entspannt durch die Stadt geradelt, da fast keine Autos fuhren. Wenn wir Autos im Baltikum fahren sahen, fuhren sie meist skrupellos, aber insgesamt hielt sich bisher der Verkehr sehr in Grenzen. Das Freilichtmuseum besteht aus einigen Häusern, einer Sauna, einer Mühle und Booten, zumeist aus dem 19.Jahrhundert. Besonders gefallen hat uns dabei die Außenanlage. Die Gebäude sind schön unter Bäumen gelegen mit gepflegten Blumenbeeten und Wegen. Schön nostalgisch wirkt auch der kleine Bahnhof, von dem eine alte Schmalspurbahn mit Dampflok die Besucher auf eine kleine Rundfahrt mitnimmt.
Nach dem Freilichtmuseum fuhren wir zu einem Springbrunnen, der der Fregatte „Walfisch“ nachempfunden war. Wir bedauerten etwas, nicht am Abend zuvor die beleuchtete Version besucht zu haben, aber da es hier zur Zeit bis spät in die Nacht hell war, konnte es sein, dass die Beleuchtung im Sommer gar nicht richtig zur Wirkung kam. Wer ging schon nachts um zwei hier spazieren, wenn es wirklich dunkel ist? 
Auf dem Weg zum Womi fiel uns in der Nähe des Fähranlegers hinter Bäumen versteckt wieder ein wunderschönes Exemplar einer russisch-orthodoxen Kirche auf, deren goldenes Dach in der Sonne glitzerte. Mag die Bebauung in Ventspils auch nicht so nett sein wie in Kuldiga, glänzt es mit seinen Blumenarragements, die in Form von Marienkäfern, Biene Maya, einem nachempfundenen Basketball, der gerade in den Korb fällt und ähnlichen künstlerischen Bepflanzungen. Es gibt zahlreiche Parks mit Wasserspielen und Spielplätzen und einen natürlichen, kilometerlangen Sandstrand. Die Stadt bietet wirklich Lebenswert für seine Bürger und die Besucher aus aller Welt.
Als wir zur Weiterfahrt bereit waren, stellten wir mit Schrecken fest, dass es aus unserem Womi tropfte. Wir waren uns nicht ganz sicher, woher das Wasser kam, aber wir befürchten, dass es mit unserem problematischen Küchenwasserhahn zusammenhing, der zuvor schon immer oberhalb der Spüle leckte und sich das Wasser nun ggf. unter der Spüle in den Schrank seinen Weg suchte. Es sah so aus, als wären wir vorerst auf den einzigen weiteren Wasserhahn im Bad angewiesen🙄
Danach checkte Stefan unsere neue Kreditkartenabrechnung und stellte zwei Abbuchungen der DB von insgesamt über 600€ fest, die wir definitiv nicht getätigt hatten! Zum Glück hatten wir noch Ausweichmöglichkeiten und konnten die Kreditkarte telefonisch sperren. Wir hoffen noch bis heute, dass die Bank uns den Schaden erstattet. Im Internet fand ich Anfragen an die DB von anderen Kunden, denen in den letzten Jahren von demselben merkwürdigen DB- Konto unrechtmäßig Geld abgebucht wurde. Wir waren wohl das nächste Opfer dieser Betrüger😭.
Abends erreichten wir einen Campingplatz auf dem Weg in den Slitere Nationalpark, auf dem man mehr Deutsch als Lettisch hörte und die Besitzerin sich schon ein ganz gutes Vokabular angeeignet hatte. Die Entsorgung von WC und Brauchwasser war kein Problem, aber das Leitungswasser war derart eisenhaltig und roch auch so grässlich, dass wir es nicht für unseren Trinkwassertank nutzen wollten, auch wenn wir es immer abkochten.

Mo 1.7. Slitere Nationalpark/ Lettland

Diesmal hatten wir einen sehr schönen Tag. Wir kamen erst gegen 11:30 Uhr vom Campingplatz Mickelbaka weg, da ich alle Servasgastgeber, die uns für unsere kommende Japanreise im Herbst eine positive Rückmeldung geschickt hatten, bis zu unserer Rückkehr nach Bad Harzburg, vertröstet habe. Wir können erst Zuhause einen genaueren Reiseplan mit Daten aufstellen.
Wir machten uns gegen Mittag auf den Weg in den Slitere Nationalpark. Die Fahrt verlief durch ein gigantisches Waldgebiet, zumeist Nadelwälder, hinter dem sich linkerhand die Ostseeküste befand. Die Wälder sind auf Hügeln, die aus ehemaligen Dünen entstanden sind, da sich in den letzten 6000 Jahren die Ostsee immer mehr zurückgezogen hat. Der erste Wanderweg ging abwechselnd durch Wald mit Moosen und Farnen und dann wieder über Bohlenwege durch feuchteres Gebiet mit grasartigem Bewuchs.
Unser nächster Stopp war beim Leuchtturm, dessen Legende besagt, dass hier einmal eine riesige Eiche stand, die bei einem Blitzschlag ihr Leben ließ. Ein Seeräuber namens Davids nutzte die Eiche, die 76 Meter über dem Meeresspiegel hatte, um falsche Leuchtfeuer auszusenden und Schiffe in Gefahr zu bringen. Historische Informationen besagen, dass der Leuchtturm 1849 vom russischen Zar finanziert wurde und zuerst mit einer Gaslampe betrieben wurde, ab 1961 wurde er mit Strom betrieben und verlor 1999 seine Aufgabe als Navigationspunkt und wurde 2000 dem Nationalpark übereignet.
Im Nationalpark befinden sich ein paar winzige Ortschaften, in denen noch Liven leben, ein Volksstamm, der im 12.-16. Jahrhundert hier und in Estland siedelte und eine finnisch- ugurische Sprache spricht. Als zur Zeit der UDSSR den Liven das Fischen verboten und ihre Boote von den Russen zerstört wurden, damit sie keine Fluchtversuche unternehmen konnten, verließen viele Bewohner die Dörfer. Seit der Unabhängigkeit kehren sie vereinzelt zurück.
Den Abschluss unseres Nationalparkbesuches machte das Kap Kolka. Hier trifft die Ostsee auf die Rigaer Bucht und die Wellen schlagen gegeneinander. Das sieht wirklich interessant aus, ist aber für Schwimmer lebensgefährlich und somit ist das Schwimmen hier verboten. An den Stränden der Bucht liegen überall umgekippte Bäume am Strand. Sie wurden sozusagen vom Meer gefällt. Das Wasser unterspülte sie und die Wurzeln fanden keinen Halt mehr. Die nächste Reihe Bäume neigt sich schon vor ihrem baldigen Schicksal.
Abends parkten wir ein paar Kilometer hinter dem Nationalpark auf einem Parkplatz an der Bucht. Am kommenden Tag war Riga unser Ziel.

Di. 2.7. auf dem Weg nach Riga/Lettland

Wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist, braucht man natürlich auch gelegentlich eine neue Füllung für den Wassertank. Nachdem wir das ekelige, eisenhaltige Wasser auf dem Campingplatz Mikelbalka nicht reingefüllt hatten, wurde es nun wirklich knapp mit unseren Vorräten. Im Baltikum findet man keine Tankstellen, bei denen man mal Wasser einfüllen kann und selbst auf Campingplätzen ist es nicht immer einfach, wie wir nun erfahren hatten. In unserem Reiseführer war jedoch auf dem Weg nach Riga eine Quelle angegeben mit frischem Wasser, das sich auch die Einheimischen dort holen. Wir machten uns also auf die Suche nach dieser Quelle. Wir fanden sie auch etwas abgelegen in einem Waldstück. Man konnte bis zu einer Treppe fahren. Diese führte hinunter zur Quelle, die mehr tröpfelte als sprudelte, aber super leckeres Wasser hatte. Ins Womi passen 80 Liter und das Wasser musste nun in einer 5 Liter- und einer 1,5 Literflasche von der Quelle die Treppe hinauf getragen werden zum Womi! Noch dazu musste immer einer von uns bei der Quelle bleiben, da sich allmählich eine Schlange anderer Wasserholer mit mehren Behältnissen hinter uns sammelte. Wir waren ein gutes Team, bis darauf, dass die Wasseranzeige nicht richtig funktionierte und wir zuviel eingefüllten, sodass unser Wassertank im Womi bereits überlief🤔
Wir sind schon so richtig fähige Camper😂. Nachdem wir unser Womi wieder trockengelegt hatten, ließen wir es uns bei einer Mittagspause mit einem gemeinsamen Käsesalat und Omelett gutgehen. Zum Nachtisch wählte ich Meringue, eine Art Kuchen mit Erdbeersoße und Stefan Blaubeereis. Es war regnerisch, deshalb ließen wir uns Zeit

Mi 3.7. Riga/ Lettland

Wir schafften es an diesem Tag dann wirklich bis Riga, aber bevor die Stadterkundung beginnen konnte, fuhren wir zuerst zu einer Wohnmobilwerkstatt. Das klingt etwas hochtrabend für das, was es war, denn es handelte sich eher um einen Einmannbetrieb im eigenen Haus und im Hof standen noch zwei Womis. Nichtsdestotrotz war unser Besuch dort sehr erfolgreich.Wir hatten schon eine Weile Probleme mit dem Wasserhahn und unsere Werkstatt zuhause hatte nie einen passenden Ersatzhahn und konnte oder wollte uns nicht helfen. Dann hatte Stefan versucht, Kaltwasser an den Warmwasserhahn anzuschließen, weil wir den aufgrund eines kaputten Boilers eh nicht nutzen können und abgetrennt hatten, was aber unterwegs nun dazu geführt hatte, dass sich Wasser in unseren Schrank ergoss. Außerdem hatte Wind und Schotterpiste mal wieder unseren Kühlschrank außer Betrieb gesetzt. Eigentlich sollte man den während der Fahrt deshalb ausschalten, aber bei den Temperaturen in der ersten Woche hatten wir das nicht gemacht.
Der Mechaniker hatte auch nicht den richtigen Wasserhahn und konnte ihn ebenfalls nicht im Baumarkt auftreiben, aber er schaffte es erfolgreich, einen anderen Hahn zu montieren, sodass das Problem nach ca 1 3/4 Std gelöst war. Dann guckte er sich den Kühlschrank genau an und siehe da, wir brauchten kein Ersatzteil für rund 100€, wie wir zuhause immer angedreht bekommen, sondern löste das Problem mit einem Kompressor! Durch die staubigen und sandigen Pisten, die hier in Lettland häufig nicht zu vermeiden sind, wenn man etwas Natur und Kultur abseits der Hauptstraße mitbekommen will, hatten den Gasbrenner des Kühlschranks total verdreckt und außer Betrieb gesetzt. Durch die Lüftungsschlitze konnte der Dreck ja ungehindert hinein. Nach dem Auspusten hatten wir wieder einen feinen, kühlen Kühlschrank 😃
Gegen 14 Uhr waren wir dann endlich bereit für die Großstadterkundung in Riga. Wir parkten bei Wohnblocks in der Nähe der Nationalbibliothek und machten uns von dort aus zu Fuß auf den Weg. Zuerst überquerten wir die Daugava, zu deutsch Düna, die in Russland entspringt und nach 1020 km in der Rigaer Bucht endet. Unser erstes Ziel war der Zentralmarkt, der in riesigen alten Hallen und auf einem Hof alles bietet, was Augen und Magen begehren. Die Preise waren teils deutlich niedriger als in Supermärkten, so kauften wir super leckere Kirschen für 2€ das Kilo! Als wir zur Altstadt weiterlaufen wollten, begann es kurz zu regnen, aber der Regen endete dann zum Glück so schnell, wie er begonnen hatte. Wir fanden ein paar nette Häuserzeilen, aber wirklich nett fanden wir dann das Jugendstilviertel, das ein Stück außerhalb der Altstadt liegt.
Insgesamt schlenderten wir ca 12 km durch die Stadt, bis wir wieder beim Womi waren und uns einen Parkplatz außerhalb der Stadt, vor einem Friedhof, zum Übernachten aussuchten. Er war nicht wirklich toll und wir würden hoffentlich keinen Ärger bekommen, aber es war wirklich schwierig hier im Umkreis von Riga frei zu stehen.

Do 4.7. Über Salispils und Straupe nach Valka/Estland

Unser Tag begann mit dem Besuch der Gedenkstätte des Arbeits- und Umerziehungslagers Salaspils, nur wenige Kilometer von Riga entfernt. Das Lager, ursprünglich als erweitertes Gefängnis gedacht und von jüdischen Gefangenen gebaut, entwickelte sich zum Arbeits- und Umerziehungslager und nahm beim Voranschreiten der russischen Truppen auch Zivilisten aus den befreiten Gebieten, sowie Juden auf, darunter auch viele Kinder. Man missbrauchte sie als Blutspender für deutsche Soldaten. Eine Frau berichtete in einem Video, dass die Eltern abtransportiert wurden und Kinder und Babies zuschauen mussten und alleine in einer Lagerbaracke blieben. Man hatte ihnen die Augen verbunden und ihnen ständig Blut abgenommen. Zu essen gab es fast nix, sodass die Kleinen apathisch da lagen bis sie starben. Ältere wurden auch als Arbeiter in Pflegefamilien, zum Beispiel auf Bauernhöfe vermittelt. Die Sowjets fanden später ein Massengrab mit über 500 Kinderleichen zwischen 5-9 Jahren.
Insgesamt schätzt man, dass ca. 3000 Menschen von den Nazis dort ermordet wurden bzw. durch die Arbeits- und Lebensbedingungen umkamen.
Das Lager wurde nach Verlassen der Nazis von den Sowjets für deutsche Kriegsgefangene genutzt, von denen ebenfalls zahlreiche dort ihr Leben ließen.
Was die baltischen Staaten und auch Polen durch den ständigen Besatzerwechsel an Grauen im letzten Jahrhundert mitgemacht haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Sie hatten ständig den Wechsel zwischen Pest und Cholera😱
Nach dem bedrückenden Besuch des Lagers entschieden wir, statt in den Gauja Nationalpark direkt nach Estland durchzufahren, da dicke Wolken über uns waren und auch das Internet uns für die kommenden Tage Regen versprach. Den Park wollten wir aber auf der Rückfahrt noch ansehen.
Wir stoppten in Sigulda, weil Stefan noch ein neues Rezept für Antibiotika brauchte. Er hatte in Litauen nur 10 Tabletten bekommen, aber im Beipackzettel stand, dass sie bei Borrelioseverdacht 20 Tage lang genommen werden sollten. Wir gerieten im Krankenhaus an einen sehr netten Arzt mit guten Englischkenntnissen und so war es gar kein Problem, an ein weiteres Rezept zu kommen. Für 2,87€ Antibiotika für 10 Tage konnte sich auch sehen lassen.
Dann hielten wir in Straupe, das nach eigener Aussage die kleinste Hansestadt der Welt ist. Es gibt dort ein gemütliches Bäckereicafé mit einer großen Auswahl an guten Torten, Gebäck und Broten aus eigener Herstellung.
Kurz vor der Grenze zu Estland machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Wald entlang des Flusses Gauja, bevor wir bei Valka/Valga über die Grenze nach Estland fuhren. Die Grenze geht mitten durch den Ort, aber nicht, weil das so erkämpft wurde, sondern weil der Ort sich nicht entscheiden konnte, zu welchem Land er gehören wollte. Er fühlt sich jetzt als ein Ort in zwei Ländern und wirbt damit, Fotos zu machen, auf denen man mit einem Fuß in Lettland, dem anderen in Estland steht. Sie scheinen das sehr gelassen zu nehmen, dennoch irritierten mich die vielen Kameras im Ort. Wir übernachteten direkt unter einer auf einem Parkplatz an einem Park direkt neben der Grenze.

Fr. 5.7. Tartu/ Estland

An diesem Tag fuhren wir durch den Wintersportort Otepää, das eingebettet in einer schönen Hügellandschft liegt, nach Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands. Sie ist seit 1632 Unistadt. An letzterer sind laut ADAC Tourset ein Viertel der Stadtbevölkerung als Studierende oder beruflich beschäftigt. Wir besuchten die Markthalle, die obwohl sie laut Datumsangabe über der Eingangstür aus dem 19 Jahrhundert stammt, uns zu modern gehalten war. Sie hatte längst nicht den Charme der aus Riga und das Kilo Kirschen kostete hier anstatt 2€/kg über 6€! Überhaupt übertrafen die Preise hier nicht nur die der anderen baltischen Staaten, sondern auch die bei uns zuhause. Vor dem Markt steht eine große Schweineskulptur, bei der die unterschiedlichen Fleischteile gekennzeichnet sind, damit man auch weiß, was man auf dem Markt kauft. Na, dann „guten Appetit“, aber nicht für uns Vegetarier!
In der Innenstadt fanden wir den Rathausplatz sehenswert, wo ein junges, sich küssendes Bronzepaar mit Regenschirm in einem Springbrunnen von unten nassgespritzt wird. Die Fußgängerzone ist breit aber kurz und nett, aber nicht überwältigend meiner Meinung nach. Eine Brücke mit dem Namen Engelsbrücke führt über den Fluss Emajögi. Begleitet wird man beim Gang über die Brücke von Musik, so als würde man mit den Schritten Klavier spielen. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Klangspiel, was mit Plakaten als „Glasperlenspiel“ angekündigt wurde, nur für eine bestimmte Zeit installiert ist, oder für immer. Wir kamen danach in einen Park mit mehreren Skulpturen, von wo aus wir wieder Richtung Womi zurückkehrten. Unterwegs gab es wieder einen Schauer, den wir in einer Creperie bei einem Kaffee abwarteten und das superschnelle WLAN ausnutzten.
Gegen frühen Abend verließen wir die Stadt Richtung Narva im Nordosten, direkt an der russischen Grenze. Wir fuhren aber nur ein paar Kilometer aus der Innenstadt raus, da wir über die App Park4night eine Raststätte fanden, in der wir duschen, tanken und Frischwasser nachfüllen konnten. Hier übernachteten wir, damit Stefan am kommenden Morgen nach dem Joggen auch noch in den Genuss einer warmen Dusche kam.

Sa. 6.7. Viljandi und Saamaa Nationalpark/ Estland

Es wurde Zeit, sich zusammenzusetzen, um unseren weiteren Reiseverlauf zu planen und wir entschieden, nicht mehr bis Narva hoch zu fahren. Uns blieb keine Zeit für den großen Schlenker, da ich am 18.7. einen Arzttermin hatte. Außerdem waren wir uns sicher, dass wir vor ein paar Jahren, als wir mit den Kindern in Estland waren, Tallin, den Nationalpark Lahemaa im Norden und auch Narva bereits gesehen hatten, denn an die Stadt erinnerten wir uns noch als typische graue Grenzstadt mit langer Autoschlange vor der russischen Grenze. Da mussten wir nicht nochmal hin. 
Den Tag verbrachten wir in Viljandi und aßen nepalesisch und nutzten kurze Regenpausen, um uns ein wenig umzusehen. Das Wetter war kalt (am Morgen nur 11 Grad!) und es regnete immer mal wieder. Leider war das auch für die kommenden Tage so angesagt. Mit dem Sommer schien es mit der Hitzewoche alles gewesen zu sein, jetzt war Winter angesagt🤷‍♀️
Nach dem Essen und einem Rundgang durch Viljandi, das ein paar kleine Geschäftchen bietet, sowie einen Wasserturm und eine Statue des Lehrers Karl Robert Jakobsons, der am 11.3.1878 die erste estnische Zeitung herausgegeben hatte, verließen wir den Ort und fuhren zum Saamaa Nationalpark. In diesem Park waren wir vor Jahren mit unseren Kindern und hatten bei einer Wanderung durchs Moor etwas die Orientierung verloren. Gelinde gesagt war die Stimmung damals auf dem Gefrierpunkt bei Janus, Tiggy und mir, als es immer dämmriger wurde und wir noch nicht das Ende des Weges gefunden hatten. Sie konnten sich auch heute noch gut daran erinnern, als ich ihnen Bilder per WhatsApp sendete 😳. Die diesmaligen zwei Wanderungen waren im Abendlicht dagegen wunderschön und machten überhaupt keine Probleme bei der Orientierung. Zu unserer Freude kam sogar noch die Sonne raus! Wir übernachteten kostenfrei auf dem Parkplatz des Nationalparkhauses in wunderschöner Landschaft und es ist hier ausdrücklich erlaubt! Es gibt sogar eine Wasserstelle und Zelte dürfen hier auch stehen.

So. 7.7. Saamaa Nationalpark und Pärnu/Estland


Am Morgen erkundigten wir uns im Nationalparkhaus nach weiteren Wanderwegen und fuhren dann im Saamaa Nationalpark per Rad zu einem Wanderweg, wanderten gut 4 km durchs Moor und fuhren zum Schluss wieder zurück zum Womi mit dem Rad. Unterwegs begegnete uns eine Mutter mit Kindern und Führer. Sie hatten Moorschuhe dabei. Sie ähnelten den Schneeschuhen bei uns und man kann anscheinend damit übers Moor laufen.
Nach dem Mittagessen machten wir uns auf nach Pärnu, dem beliebtesten Badeort Estlands. 1838 machte hier die erste Badeanstalt auf und ebnete den Ort den Weg als Kur-und Heilstadt. Die Ostsee soll hier aufgrund einer besonderen Strömung am wärmsten sein und der Sandstrand lockt nicht nur estnische Badegäste.
Bei uns war es heute allerdings zu kalt und nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt gingen wir eiligst zum Womi zurück, da dicke schwarze Wolken und Gewittergrummeln ein nahendes Unwetter ankündigten. Wir verließen den Ort und hatten eine längere Fahrt vor uns, denn wir fuhren zurück nach Lettland. Wir mussten allmählich die Kurve zurück bekommen, damit wir pünktlich wieder zuhause eintrafen. Wir fuhren bis Valmiera, aßen einen Burger mit Haloumi und Pommes und machten uns dann auf die Suche nach einem kostenlosen Übernachtungsplatz. Der erste sollte bei einer Raststätte sein, aber der kostete inzwischen Geld. Bei dem zweiten hatten wir nur die Koordinaten, aber wie schon häufiger, lag der Platz an einem Fluss unterhalb der Straße und wir fanden keine Zufahrt, bzw der Weg, der ggf dorthin führte, war mit Womi nicht befahrbar. Also wieder weiter, bis Stefan nach ein paar Kilometern einen Waldrastplatz fand, auf dem wir ganz gut standen. Wir reisten ja autark und kamen ohne Toilette oder ähnlichem aus. Am folgenden Tag wollten wir einen zweiten Anlauf unternehmen und den Gauja Nationalpark besuchen und hofften dafür auf trockenes Wetter.

Mo. 8.7. Cesis und Gauja Nationnalpark/Lettland

Wir fuhren am Morgen nach Cesis, was direkt am Gauja Nationalpark liegt, der nach dem gleichnamigen Fluss benannt ist. Als erstes begaben wir uns zum Wanderparkplatz Êrglu Klintis, dem Adlerfelsen und machten dort eine 3 km lange Wanderung. Der Weg war, wie auch zuletzt die Wege in Estland, sehr gut hergerichtet, man hatte jedoch das Gefühl, dass die Bauarbeiter zuviel Holz bestellt hatten. An Stellen, wo man einfach eine Brücke über eine Senke hätte bauen können, hat man eine Treppe runter und dann wieder hoch gebaut. An anderen Stellen war die Absperrung gleich doppelt gebaut, d.h. man hatte ein Geländer und einen Meter dahinter noch einmal eine Holzabsperrung, obwohl man da eigentlich gar nicht hin gelangte, ohne über erstere zu klettern😅
Wir konnten den Adlerfelsen einmal von oben und einmal von unten von der Gauja aus sehen. Letzteres war wirklich schön und ich konnte mir gut vorstellen, wie viel schöner solche Anblicke erst vom Kanu aus waren. Man konnte hier ein- bis mehrtägige Kanutouren buchen, aber dafür hatten wir weder Zeit noch die nötige Ausrüstung. Bei dem wechselhaften Wetter stellte ich mir das auch nicht ganz so romantisch vor, wenn man zwischendrin immer wieder klatschnass wurde.
Wir hatten an diesem Tag gleich dreimal Glück und waren immer gerade noch rechtzeitig beim Womi, wenn der nächste Guss kam, so auch nach dem Weg am Adlerfelsen. Danach statteten wir der Kleinstadt Cesis einen Besuch ab. Wir schlenderten durch den Burggarten und bewunderten die Burg von außen. Nachdem wir die Altstadt erkundet hatten, beschlossen wir, in einem gemütlichen kleinen Café einzukehren und prompt fing es an zu regnen. Wir nutzten die Zeit, um etwas Japanisch und Spanisch mit Duolingo zu lernen und verließen das Café erst, als die Sonne etwas herauskam. Auf dem Rückweg zum Womi sahen wir schon wieder dunkle Wolken nahen, beeilten uns und schafften es gerade noch rechtzeitig ins Trockene. Unser nächstes Ziel sollte der Naturpfad von Cirulisu sein, also fuhren wir auf einer Schotterpiste zum Kanucamping- und Picknickplatz Cėsis Atputas Vieta. Da es weiterhin regnete, spielten wir eine Runde Karten und freuten uns über den Komfort eines gemütlichen Womis, das uns so angenehm im Trockenen sitzen ließ. Gegen 19 Uhr kam die Sonne raus, also krochen auch wir wieder aus unserem Nest und wollten nun den Naturpfad Cirulisu wandern. Als erstes verwechselten wir den Weg mit dem hervorragend ausgebauten und Rolli gerechtem Weg zu den Zwanu Klippen. Der war aber nur 600 Meter lang, also musste der Naturpfad woanders beginnen. Wir kamen an einen offiziellen Campingplatz und fanden auch den Wegbeginn, aber im selben Augenblick begann es zu donnern. Wir liefen noch ein paar Schritte, aber das Gewitter kam näher, sodass wir uns wieder für eine Kehrtwende entschieden und bei den ersten Tropfen unser Heim auf Rädern erreichten. Wir übernachteten auf dem netten Picknickplatz und Stefan konnte dann am kommenden Morgen den Wanderweg als Joggingstrecke nutzen.

Di. 9.7. Vom Lubans See zum Raznas Nationalpark/ Lettland

Es war ein Tag mit viel Fahrerei, denn wir fuhren ein ganzes Stück südlich zum Lubāns See. Die Straßen führten endlos durch Wald, Feld und vereinzelte Orte mit vielleicht 3-4 Häusern. In einem gab es eine Kafenica, wo wir versuchten, etwas zu essen zu bekommen. Die Dame sprach aber nur Russisch. Mit Hilfe von Google versuchten wir etwas vegetarisches zu bestellen, worauf sie aber nur den Kopf schüttelte. Letztlich bekamen wir aber zweimal Pommes mit Salat und Cola für zusammen 6,80€. Weiter ging die Fahrt über Gaigalava auf den Damm über den Lubāns See. Seerosen und Schilfgras bildeten schöne Inseln im Wasser, an dem Möwen und Reiher zuhause sind. Wir folgten der Route unseres Reiseführers auf einer Schotterpiste zu einem Pfad zum Moorsee Teirumniki. Hier hätte man sogar schwimmen können, aber das Wetter und das Wasser waren einfach zu kalt. Nach der kleinen Wanderung fuhren wir weiter bis Rėzekne, einem recht unansehnlichem Ort, der unserer Meinung nach nichts sehenswertes zu bieten hat. Unterwegs kamen wir an großen Halden vorbei, wo Sand und Kies abgebaut wird. Eine erste große Grube, die nicht weiter ausgebaggert wird, hat man in ein Freizeitgelände verwandelt zum Baden und mit Spielplatz und Verpflegung. Leider soll man aber Eintritt dafür bezahlen, das war es uns nicht wert. Wir wären gerne dort ins Restaurant gegangen, aber so konnten sie an uns nichts verdienen. Also versuchten wir unser Glück in Rėzekne und fanden ein Kebab-Pizza-Restaurant. Die Pizza war typisch für die Gegend: statt Basilikum hatte sie Dill als Würze obendrauf. Dill ist wie Kümmel ein beliebtes Gewürz in der baltischen Küche stellten wir immer wieder fest.
Nach dem Essen fuhren wir noch 26 km bis zum Raznas Ezers(See) im Rāznas Nationalpark, wo wir auf einem Parkplatz mit Blick auf den See übernachteten.

Mi. 11.7. Über Kristus Kalns, Aglona und Daugavpils/Lettland nach Steimuze/Litauen

Dieser Tag war wiederum ziemlich verrechnet, wie fast immer, wenn wir eine Stadt ansteuerten. Bei dem Wetter gingen wir auch am Morgen nicht an dem See, an dem wir im Rāznas Nationalpark übernachtet hatten, spazieren wie geplant, sondern fuhren gleich Richtung Daugavpils weiter. Unser erster Stopp war Kristus Kalns, ein unserer Meinung nach recht verrückter Skulpturenpark mit haufenweise Engeln und Christusfiguren, wobei das Thema Liebe, auch körperliche, ziemlich im Vordergrund steht. Teilweise fanden wir die Ausstellung grenzwertig kitschig, aber auch recht lustig. Kurz danach kamen wir zur Pilgerstadt Aglona, wo jährlich bis zu 50000 Gläubige die wunderbringende Marienikone besuchen. Laut unserem Reiseführer brachten Mönche die Ikone zur heiligen Quelle und bauten 1780 die Basilika, um den Pilgerströmen gerecht zu werden. Die riesige Fläche des Klostergeländes ist auf jeden Fall beeindruckend bei einem kleinen Ort wie Aglona. Das Wasser aus der Quelle wurde im Reiseführer auch als Trinkwasserquelle für unterwegs angegeben. Es gilt inzwischen nicht mehr als heilig. Problem war nur, dass wir die Quelle nicht fanden. Sollte es etwa der rostige Wassertank im Innern der Kirche sein?
Von dort fuhren wir zu unserem letzten Ziel in Lettland, der zweitgrößten Stadt Daugavpils am Fluss Daugav. Sie war eindeutig die hässlichste und tristeste Stadt unserer Reise und das lag nicht nur am Wetter. Die Stadt liegt nahe der russischen Grenze und wird auch zum größten Teil von russischstämmigen Einwohnern bewohnt. Bis auf die Festungsanlage, die sozusagen einen eigenen Stadtteil bildet und zwar in großen Teilen recht baufällig ist, aber auch schon erste renovierte Gebäude, die Kunstausstellungen beherbergen, hat, fühlten wir uns in sowjetische Zeiten versetzt. Mächtige graue Gebäude wie die Uni, triste Blocks, dem Verfall nahe etc. Selbst zwei große Einkaufspassagen, die sicher aus der nachsowjetischen Zeit stammen, machten auf uns keinen einladenden Eindruck. Ich hatte mir vorgenommen, das schlechte Wetter für einen Friseurbesuch zu nutzen, aber denkste! Es gab entweder auffallend wenige Salons im Baltikum, oder sie mussten so anders aussehen, dass ich sie nicht erkannte. Immerhin fanden wir in Daugavpils sogar zwei Friseurläden, aber bei beiden wurde ich abgewiesen. Sie hätten heute keine Zeit mehr. Beim zweiten standen allerdings vier Mitarbeiterinnen untätig am Tresen! Sollte die Arbeitsbegeisterung noch sozialistische Züge haben?
Gegen 19 Uhr verließen wir Lettland und hielten auf unserem Übernachtungsplatz in Steimuze auf der litauischen Seite der Grenze vor einer der ältesten Holzkirchen des Baltikums. Davor steht eine uralte Eiche. Die Straße zu diesem idyllischen Ort war gerade mal so breit asphaltiert wie unser Womi breit ist ist und ging auf und ab in Kurven durch eine hügelige Wald- und Wiesenlandschaft. Zwischendrin kam auch mal etwas die Sonne heraus und schenkte der Umgebung ein liebliches Aussehen.

Do. 12.7.19 Vilnius/ Litauen


Am Morgen fuhren wir nach Vilnius und standen auch glatt im Stau. Der Parkplatz, der uns per Reiseführer und park4night empfohlen wurde, war zwar mit Kamera und lag zentral, aber wir hatten mit dem Womi keine Chance, einen passenden Platz zu finden. Es war zwar recht gut geregelt, dass immer nur ein Auto reinfahren konnte, wenn ein anderes den Platz verließ, aber die Buchten waren extrem eng, bzw es war zu eng für uns, um in sie hineinzufahren. Stefan fuhr zwar trotzdem auf den Platz, weil er es nicht glauben wollte, aber dann musste er mühevoll rückwärts fahren und wir kamen nur raus, nachdem wir für eine Viertelstunde gezahlt hatten. Dann hatten wir aber Glück und fanden ein paar Hundert Meter weiter einen netten kleinen Parkplatz für 60 Cent/Std bis 20 Uhr, nachts frei. Wir lösten gleich bis zum kommenden Morgen einen Parkschein und konnten so ohne Stress die Stadt zu Fuß erkunden. Wir hatten mit diesem Tag ein besonderes Datum erwischt, an diesem Tag wurde der neue Präsident Gitanas Nauseda feierlich vereidigt und wir gerieten mitten in die Feierlichkeiten und konnten sehen, wie er seinen Bürgern die Hand schüttelte. Für einen so hohen politischen Akt waren außer den Medien nicht besonders viele Menschen als Zuschauer dort. Wir schlenderten durch die Altstadt mit ihren zahlreichen Kirchen, kamen an diversen schönen Prachtbauten vorbei, die Ministerien, Hotels, Botschaften aber auch Restaurants oder ähnliches beherbergen. Wir besuchten das Museum der Opfer des Genozids. Es fasst gleich alle Gräultaten der russischen, der deutschen und wieder sowjetischen Besatzungzeit zusammen. Hier wurde von Nazis und KGB eingesperrt, verhört, gefoltert und erschossen. Ein Teil des Museums widmet sich auch dem Freiheitskampf der Litauer gegen die Besatzer. Die osteuropäischen Länder haben wirklich bittere Zeiten hinter sich mit Unterdrückung, Deportationen und Massenvernichtungen.
Nach dem bedrückenden Museumsbesuch war unser nächstes Ziel das Künstlerviertel Uzupis, früher mal Brennpunkt, heute hip. Das Viertel hat sich eine eigene Verfassung gegeben, die man hier nachlesen kann: https://www.newslichter.de/2013/01/uzupis-und-das-recht-auf-gluck/
Zum Abschluss des Tages und nach fast 13 km Fußmarsch gingen wir in ein polnisches Restaurant genau gegenüber unseres Autos und aßen super leckeren Salat mit verschiedenen Käsesorten, Birnen und Walnüssen.

Fr. 13.7. Dzūkijos Nationalparks/ Litauen

Nach dem Stadtvergnügen in Vilnius stand heute wieder Natur auf dem Programm. Wir fuhren nach Margionys zum Nationalparkhaus des Dzūkijos Nationalparks. Unterwegs kamen wir durch Dörfchen, die noch aus einer anderen Welt zu stammen schienen. Kleine Holzhäuschen, zum Teil schon halb zusammengefallen, Toiletten im Hof, alles sehr armselig, aber fast schon fotogen. Als wir nach Margionys hineinfuhren, dem größten Örtchen mit etwas Infrastruktur und an der gelben Kirche vorbeikamen, fiel Stefan spontan ein, dass wir 2006 dort mit den Kindern waren und Tiggy von einem Hund gebissen wurde. Ich weiß zwar, dass jeder in unserer Familie außer mir, dem größten Schisshasen, schon mal Bekanntschaft mit einer Hundeschnauze gemacht hat, aber ob das wirklich hier war?
Wir informierten uns im Nationalparkhaus über Wanderwege und fanden eine schöne 8 km Strecke, bei der wir zuerst zu einer Sanddüne mitten im Inland im Wald- und Moorgebiet kamen und uns fragten, wie die in diese Landschaft kommen konnte. Weiter ging es durch Nadelwald und Feuchtgebiete, die sehr verwunschen wirkten. Dann wurden unsere Hosen nass, da der Weg so schmal wurde, dass sich die Regentropfen der Büsche und Brennesseln an uns abstreiften. Es musste auch hier in den letzten Tagen viel geregnet haben, denn der Weg war wegen Überschwemmung an einer Stelle sogar umgeleitet worden. Trotz Nässe gefiel uns der Weg sehr gut. Nun wurde es Zeit, sich ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Da wir auch noch Lebensmittel einkaufen mussten, begaben wir uns in den quirligen Kurort Druskininkai, der hier in diesem ehr einsamen und vergessen wirkenden Ende der Welt, in der Nähe der weißrussischen und polnischen Grenze, irgendwie wie vom Himmel gefallen wirkte. Plötzlich standen wir vor Einkaufszentren, Kurhotels, Aguapark und Sommerskihalle und über uns fuhr eine Gondel, von der aus man die Umgebung sehen konnte. Wir fanden eine einfache, aber gute Übernachtungsmöglichkeit. Ein Hotel hat einen kleinen Waldcampingplatz mit Du/WC hinterm Haus, wo wir inklusive Kurtaxe – so etwas gibt es hier auch – 24 Stunden für 10€ stehen durften. Die Dusche tat wirklich gut und wir genossen unseren Abend. Am kommenden Morgen sollte es dann weiter nach Polen gehen.

Sa. 14.7.19 Druskininkai Litauen bis Makow Mazowieki in Polen

Während des Frühstücks auf unserem Campingplatz in Druskininkai hörten wir laute Lautsprecherdurchsagen. Das verwunderte uns in einem Kurort, noch dazu an einem Sonntagmorgen. Wir machten uns zu Fuß auf den Weg, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Als wir in die Fußgängerzone kamen, erkannten wir, dass heute der siebte Grodno-Druskininkai Internationale Friedensmarathon stattfand. Ein Marathon, der von Weißrussland nach Litauen führt! Wir konnten sogar noch die erste weibliche Teilnehmerin ins Ziel laufen sehen mit 2Std59Min.👏
Nach einem kleinen Rundgang durch den wirklich lebhaften Kurort, kehrten wir zum Zeltplatz zurück, tankten Wasser und fuhren noch zu einem Supermarkt, um ein paar Leckereien für die lange Rückfahrt einzukaufen. Im Baltikum und auch anderen osteuropäischen Staaten kann man Bonbon und Kekse offen kaufen und selber mischen. Eine große Gefahr für unseren Kalorienhaushalt! Alle Geschäfte hatten geöffnet und es war sogar Markt. Zu meiner Freude hatte nicht einmal der Humanastore, ein Second Hand Laden für wohltätige Zwecke, den es in vielen Ländern gibt, sonntags geschlossen, sodass ich für sage und schreibe 3€ eine Fjällraven Bluse und eine Outdoorhose erstanden habe😍
Unser Versuch, den Ort Richtung polnischer Grenze zu verlassen, ging beim ersten Anlauf dank Navi komplett schief. Es wollte uns über Weißrussland nach Bad Harzburg schicken! Plötzlich sahen wir in 50 Meter Entfernung den Grenzübergang mitten aus dem Nix vor uns auftauchen. Selbst als ich uns per Karte über die richtige Grenze navigiert hatte, wollte er uns zuerst über Bialystok schicken. Wir wollten nicht wieder die triste und teure Autobahn über Warschau nehmen, sondern weiter nördlich über Wloslawek fahren, daher gaben wir diesen Ort ein und den Filter „keine Mautstrecke“, aber dennoch wollte das Navi uns ständig nach Warschau führen. Letztendlich übernahm ich die Navigation per Karte, sodass wir am Abend kurz vor Makow Mazowieki an der Bundesstraße 80 auf dem Hof eines Restaurants gegen eine kleine Gebühr übernachten durften, nachdem wir dort eingekehrt waren.

So. 15.7.19 Rückfahrt bis Gniezno/Polen

Wir frühstückten im Restaurant unseres Stellplatzes, dann ging es wieder auf große Fahrt. Bis auf einen Zwischenstopp in Plock war dieser Fahrtag ziemlich durchwachsen. Plock liegt an der Wisła, auf deutsch Weichsel und hatte auf einen schnellen Blick eine nette Altstadt mit gut restaurierten Häusern zu bieten. Wir hatten jedoch das Problem, dass wir mindestens eine Stunde herumirrten, bis wir in Richtung Gniezno, unserem Tagesziel für diesen Tag, einen Weg herausgefunden hatten. Grund war eine Baustelle, die uns immer wieder in die Quere kam. Diese und andere Umleitungen verfolgten uns dann auch bis zum Ende. Wir bereuten es zwischenzeitlich schon, nicht die Autobahn Warschau – Frankfurt/Oder genommen zu haben, auch wenn die Strecke so sicher abwechslungsreicher war und wir Maut vermieden hatten. Aber wer weiß, vielleicht war auf der Autobahn ja ein großer Ferienstau?
Angekommen in Gniezno, aßen wir zu Abend und wussten noch nicht, ob wir es wagen sollten, in der Stadt in einer Parklücke zu übernachten, oder doch lieber auf einem Parkplatz außerhalb. Offiziell ist es erlaubt auf öffentlichen Straßen/Plätzen zu übernachten, wenn die örtlichen Behörden es erlauben. Wir hatten keine Ahnung, ob dem hier so war. Bei unseren Urlauben 2014/15 hatten wir nie Schwierigkeiten, aber wir wussten nicht, ob auch hier, wie in vielen europäischen Ländern, die Regelungen strenger geworden waren. 
Wir entschieden uns doch noch, einen Parkplatz etwas am Stadtrand, wo LKWs und ein paar PKWs herumstanden, aufzusuchen.

Mo. 16.7. Rückfahrt bis Storkow/ Deutschland (Brandenburg)

Wir fuhren auch das letzte Stück in Polen, bis auf ca. 20 Kilometer, auf Bundesstraßen und kamen gut durch. Gegen Abend erreichten wir unseren letzten Stopp vor unserem endgültigen Ende der Reise. Wir übernachteten die letzte Nacht an einer kleinen Schleuse in Storkow in Brandenburg, wo die Gemeinde drei Plätze für kleine Wohnmobile (bzw zwei für große) zur Verfügung stellt. Man zahlt nur, wenn man Wasser oder Strom benötigt, aber beides hatten wir noch ausreichend. Es ist ein echt netter Ort mit Schleuse, Burg, einem See, nettem historischen Ortskern und vielen Radfahrern, die hier eine gute Infrastruktur in Form von Radverleih, netten ruhigen Wegen, Cafés und Unterkunft vorfinden. Bei einem Spaziergang fiel mir gleich zweimal ein Schild auf, das E-Bikefahrer zum Laden ihrer Räder einlud und die Besitzer eines Hauses hatten „für den müden Wanderer“ eine schöne Bank vor ihr Haus gestellt. Wirklich eine Idylle, die anscheinend auch einige Touristen anzieht bei einem Ort, der gerade mal 9100 Einwohner hat. Ein schöner Fleck für einen letzten Abend unterwegs.

Di. 17.7. Rückkehr nach Bad Harzburg

Dieser Tag verlief völlig unspektakulär und brachte uns nach einigen Stunden Fahrt gegen 15 Uhr wieder nach Hause. Es war eine schöne, entspannte und entspannende Reise, auch wenn das Wetter dieses Mal nicht ganz so mitspielte. Sie hätte gerne noch zwei bis drei Wochen länger dauern können, um auch Estland besser kennenzulernen. Aber es muss ja nicht der letzte Besuch im Baltikum gewesen sein 😉.

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