Balkantour mit dem Wohnmobil Teil I: Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Nordalbanien Hinweg

Reiseeinstimmung beim Festival „Mediaval“ in Selb/Bayern

Der Beginn unserer großen Tour Richtung Albanien fand in Selb im Fichtelgebirge, nahe der Grenze zu Tschechien statt. Wir wollten uns nach vielen Jahren Abstinenz mal wieder ein Festival gönnen, nachdem unser Sohn uns mit seiner Festivallaune angesteckt hatte. Die Frage war dann jedoch, welche Art von Festival wir uns gönnen bzw. antun wollten, denn die Beschreibungen der Festivalverhältnisse und dem Verhalten der Besucher, die wir in den letzten Jahren so wahrgenommen hatten, reizte uns überhaupt nicht. Mehr durch Zufall fand ich das Festival „Mediaval„, das größte Mittelalterfestival in Europa, das jedes Jahr im September in Selb stattfindet. Da uns ein paar Namen der Bands etwas sagten, buchten wir. Wir reisten bereits am Mittwoch, dem 3.9.18 spät abends an und fanden auch gleich den Wohnmobilparkplatz an der Eissporthalle, ca. 2km vom Festivalgelände. Wir hatten gut daran getan, bereits einen Tag zuvor anzureisen, denn wir fanden nur noch mit Mühe einen Platz. Wir hätten Strom bekommen können, waren aber die 4 Tage autark. Von nun an ging es immer am späten Vormittag mit dem Fahrrad zum Festivalgelände und nachts wieder zurück.

Außer am zweiten Tag nachmittags hatten wir super Wetter, wenn es abends auch recht kühl wurde. Es war ein total buntes Festival: ca 99% waren mittelalterlich verkleidet, ganze Generationen von Oma bis Baby nahmen teil. Außer mittelalterlicher Musik von Rock und Metal bis zu Harfenklängen auf  drei Bühnen gab  es ein Literaturzelt, Gaukler und Akrobaten und natürlich mittelalterliche Verkaufsstände mit Handwerk und köstlichen Speisen und Workshops. Besonders gefiel uns die ganz relaxte Atmosphäre. Ja, es war groß, wirkte aber trotzdem überhaupt nicht voll oder gedrängt. Das Gelände ist groß und sehr schön und die Angebote verteilten sich sehr gut. Es war immer möglich, dass z.B. im verwunschen aussehenden Literaturzelt vorgelesen wurde und gleichzeitig eine Band auf einer großen Bühne spielte, ohne zu stören. Kein Gedränge, keine Müllhalden oder Erbrochenes o.ä. wie wohl auf den großen Festivals, die unsere Kinder besuchen. Auch die Toiletten waren immer sauber und die Toilettencrew gab sogar eigene musikalische Einlagen! Das Alter war im Schnitt ca 35-40 würde ich sagen. Viele Familien mit kleinen Kindern. Ich hatte nie ein Gefühl von Enge und trotzdem war es gut besucht. Die Stimmung war super und das Publikum ging total mit. Es wurde ausgelassen getanzt, aber es rann auch manche Träne bei Liedern wie „Euch zum Geleit“von Schandmaul. Insgesamt hat es uns so gut gefallen, dass wir für das kommende Jahr bereits Karten gekauft haben!

 

 

Auf Tour durch Österreich

Unsere Planung sah vor, dass wir eine Rundreise bis Albanien machen wollten und dabei auf der Hinfahrt durch das Landesinnere von Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro bis Albanien und auf der Rückfahrt entlang der Adria wieder hoch fahren wollten. Uns blieben ab Abfahrt von Selb am 10.9. bis zur Rückkehr nach Deutschland am 12.10. nicht ganz 5 Wochen für die Tour. Am 12. abends waren wir bei unserer Tochter in Augsburg angemeldet. Wir waren uns nicht sicher, ob wir es überhaupt bis Albanien schaffen würden, denn der Weg sollte das Ziel sein. Wir wollten nicht über die Autobahnen zum Ziel rasen ohne rechts und links zu gucken, mal abgesehen, dass man mit unserem Wohnmobil, liebevoll „Womi“ genannt, eh nicht rasen kann. Kurz zur Info: Es handelt sich um einen 1996er Ford Transit mit Rimoraufbau, 3,10m hoch und mit Fahrrädern hinten drauf knapp 6m lang. mit knapp über 50 kwh und 2,8 Tonnen ist er auch nicht gerade übermotorisiert.

Am 10.9. machten wir unser Womi startklar für die erste Etappe: Entsorgung von Wasser und Toilette, Versorgung von Frischwasser und Einkauf von ein paar Lebensmitteln.  Da wir letztendlich erst nach Mittag aus Selb losfuhren, übernachteten wir nochmal in Deutschland, in Plattling auf dem Wohnmobilstellplatz. Am kommenden Morgen machten wir eine kurze Stippvisite in Vilshofen und in Passau. Wir waren vor ein paar Jahren schon einmal in Passau und da wir dieses Mal Probleme mit dem Parken hatten, war unser Aufenthalt entsprechend kurz.

Von dort ging es bis Haag am Hausruck in Österreich, nachdem wir Stopp  im Grenzort Schärding gemacht hatten. Bisher waren wir in Österreich auf der Bundesstraße gefahren, weil wir eigentlich am Badesee bei „Weibern“ über Nacht stehen wollten, laut Tipp unseres Reiseführers, aber leider ist dort inzwischen übernachten verboten😥

Am 12.9. erreichten wir Linz. Der Wohnmobilstellplatz befindet sich direkt an der Donau an der Brücke in die Innenstadt. Zum ARS Electronica Center waren es 2 Minuten Fußweg!

Das ARS Electronica Center ist ein tolles Museum zum Thema Digitalisierung, dass abends eine Stunde lang in wechselnden Farben erstrahlt. Eigentlich bin ich ja nicht gerade technisch versiert oder begeistert, aber das Museum war super! In einem 3D Theater waren Filme von Satelliten zu sehen und sich inmitten des Weltraums zu befinden und Nahaufnahmen der Sonne zu sehen, ist schon beeindruckend. Auch sonst war es spannend: viele Informationen über Facebook& Co und wie gläsern wir inzwischen sind auch ohne, dass wir bewusst persönliche Daten ins Netz stellen. Es gab viele Computeranimationen zu diversen Themen auf der Welt wie Verkehr, Umwelt etc., im Biolab ging es um den eigenen Körper und im VRLab konnte man virtuelle Welten erkunden. Alle Angebote waren interaktiv. Wir waren knapp 5 Stunden dort und übernachteten im Womi.

Am kommenden Morgen besuchten wir das Lentos Kunstmuseum in Linz. Es es bot ein Ausstellung über den Aufbruch der 1968er, die wir insgesamt nicht so überwältigend fanden. Danach sind wir den Pöstlingberg hochgefahren und hatten einen Blick über Linz. Das hätten wir besser am Nachmittag zuvor noch gemacht, da es zu dem Zeitpunkt klarer und das Licht besser war, aber es hat sich dennoch gelohnt, obwohl es sehr hell und etwas diesig war.
Am Nachmittag verließen wir Linz und fuhren zu einem Parkplatz im Nationalpark Oberösterreichische Kalkalpen, wo wir übernachteten und am kommenden Morgen den Rundwanderweg „Im Tal des Holzes“ wanderten. Wir fuhren danach weiter zum Nationalpark Gesäuse und informierten uns über Wanderwege, entschieden aber aufgrund des schlechter werdenden Wetters, uns diesen Park für einen anderen Österreichbesuch aufzusparen, denn es wurde schon deutlich, dass der Park einen mehrtägigen Aufenthalt zum Wandern Wert ist.

Wir planten bis Graz weiterzufahren, aber der Tunnel auf der A9 wurde gerade wegen Stau geschlossen und die Umleitung über die S6 hatte 1 3/4Std Verzögerung🙄. Nach einigem Suchen konnten wir vor einem Restaurant in Kammern im Liesingtal übernachten. Wir kehrten dort ein und durften dafür kostenfrei auf dem Parkplatz die Nacht verbringen.

Am nächsten Tag, dem 15.9.18, fanden wir einen genialen Parkplatz für unser Womi in Graz, direkt am Stadtpark in der Nähe des Paulustores. Da es Samstag war, mussten wir nur bis 13Uhr zahlen und uns auch nicht um Kurzzeitparken zu kümmern. Wir hatten ungeheures Glück, denn an diesem Wochenende wurde das größte Volkskulturfest Österreichs „Aufsteirern“ in Graz gefeiert. Auf allen Plätzen und in den Altstadtgassen gab es Musik und kulinarische Angebote und die Geschäfte hatten bis abends geöffnet. Wir folgten den Empfehlungen unserer Freunde daheim und haben den Schlossberg und die Altstadt erkundet. Auch ein Eis beim Greissler mussten wir unbedingt probieren. Nicht nur, dass das Eis dort Bioqualität hat und es auch veganes Eis gibt, es werden auch sehr ausgefallene und dennoch leckere Sorten wie Ziegenkäse, Maroni und Kürbiskernöl angeboten. Eine wahre Gaumenschmaus! Auf dem Hauptplatz haben wir die Generalprobe eines modernen Konzerts der Jungen Grazer Philamoniker mit einem super Sänger, der eher einer Rockband entsprungen ist, erlebt. Am Nachmittag gab es noch kein Gedränge, abends sah es sicher ganz anders aus, aber da waren wir bereits auf dem Weg nach Slowenien, nach Maribor.

Weiterfahrt durch Slowenien

30€Vignette für 1 Monat, wenn man nur die kurze Strecke nach Kroatien fahren will, ist schon ganz schön heftig! Naja, dafür fanden wir ein nettes Plätzchen für die Nacht bei einem Restaurant direkt an der Drau bei Maribor. Für die kostenlose Übernachtung haben wir uns mit dem Verzehr von Palatschinken und Gemüse mit Pommes bedankt.Hier sprechen noch alle Deutsch und man findet auch den Namen Marburg an der Drau noch häufig. Hier haben Deutsche bis 1945 die bürgerliche Schicht gebildet und auf die slawischen Bauern runter geguckt, bzw. sie im 3.Reich beseitigt. Die Stadt ist von Weinbergen umgeben, die sich an die Hügel an der Drau schmiegen. Es werden historische Floßfahrten auf der Drau angeboten, die Informationen zum Anbau des Weines und dessen Transport auf den Flößen bieten und viel Geselligkeit mit Wein und Gesang, wie wir vom Ufer aus beobachten konnten.
Nach einem Spaziergang entlang der Drau in die Innenstadt von Maribor und einem Einkauf auf dem dortigen Obst- und Gemüsemarkt, fuhren wir weiter Richtung Süden und machten einen Zwischenstopp in Ptuj mit einer netten Altstadt und einem Schloss mit Ausblick auf die Umgebung.

Weiter geht es durch Kroatien

Danach ging es dann über die kroatische Grenze nach Zagreb. Hier brauchen wir keine Vignette, dafür kostet die Fahrt auf Autobahnen Geld und das nicht zu knapp. Satte 10 Cent werden pro Kilometer Autobahn fällig. Dafür hat man freie Fahrt. LKWs sieht man fast keine.

In Zagreb angekommen suchten wir den bei der App „Park4night“ angegebenen Stellplatz beim See. Leider war die Einfahrt bei der angegebenen Stelle nicht möglich. Die Schranke war verschlossen und ein Zeitungsverkäufer erklärte mir, dass wir drehen müssten und an einer anderen Stelle reinfahren könnten. Nach längerer Sucherei und kniffliger Rückwärtsfahrt in enger Gasse, fanden wir letztendlich die richtige Einfahrt und damit auch einen prima Stellplatz am Ufer für ca. 10€. Der Jarunsee ist riesig und bietet unterschiedlichste Sportmöglichkeiten sowohl auf dem Wasser, als auch in Form von gesonderten Wegen für Jogger, Radfahrer, Inliner etc. rund um den See. Wir machten noch einen Abendspaziergang und erkannten, dass die Größe des Sees noch gewaltiger ist, als wir vermutet hatten. Für Stefan war es das geniale Gebiet zum Joggen am kommenden Morgen.

Am 17.9.18  ging’s weiter südlich in den Lonijsko Polje Naturpark. Unterwegs kamen wir durch Dörfer, wo z.T noch Kriegsschäden an den Häusern zu sehen waren. Interessant war, dass die neuen Häuser alle nicht verputzt, also von außen wie im Rohbau aussahen. Ich habe mal gehört, dass man in manchen Ländern für unfertige Häuser noch keine Steuern zahlen muss. Ob das hier auch so ist? Der Lonijsko Polje Naturpark hat drei Eingänge und wir sind von Kutina Repušnica reingelaufen. Von dort gibt es einen ca 3,5km langen Rundweg durch ein großes Steppengebiet mit Wasserlöchern, wo Kühe und Pferde sich frei bewegen können. Hier wird die historische Bewirtschaftung dargestellt. Ähnlich wie bei Schafen werden Pferde und Rinder in großen Gebieten des Parks frei grasen gelassen. Man hatte ein wenig Safarifeeling so zwischen den Herden umherzuwandern, nur dass es sich nicht um Zebras o.ä. wie in Afrika handelte.

Über die Grenzen der EU nach Bosnien-Herzegowina

In Bosnien-Herzegowina wollten wir eigentlich in den Koszara Nationalpark. Wir  fanden aber nur eine ungeteerte Strecke durch den Park, die noch dazu ziemlich dicht bewachsen war, das war uns dann für unser Womi doch zu heftig. Da es inzwischen dunkel wurde und jeder Reiseführer von Nachtfahrten abriet, da die Straßenverhältnisse nicht gut und zum Teil die Fahrweise der Einheimischen rasanter ist, fragten wir bei einer Tankstelle, ob wir hier über Nacht stehenbleiben könnten. Der Besitzer gab uns sein ok. Eigentlich soll das laut ADAC nur auf richtigen Campingplätzen erlaubt sein, aber es würde hoffentlich in diesem Fall auch so in Ordnung sein. Wir hatten gelesen, dass man sich erst nach drei Übernachtungen polizeilich anmelden müsste, bzw. dass Unterkünfte ihre Gäste melden, wir sahen also keine direkte Gefahr. Am kommenden Morgen fuhren wir nach ungestörter Nacht weiter Richtung Banja Luca. Unterwegs sahen wir uns kurz Prijedor, eine Stadt mit ca. 79000 Einwohnern westlich des Nationalparks an und gleich hielt uns die Polizei an. Stefan hätte nicht für Fußgänger am Zebrastreifen gehalten (so haben wir zumindest ihre Skizze gedeutet) und sie wollten 25€. Sie sprachen kein Englisch oder Deutsch, Verständigung gleich Null. Stefan war sich sicher, nichts falsch gemacht zu haben. Konnte er eigentlich auch gar nicht, denn wir waren erst seit 2 Minuten unterwegs und einmal abgebogen, seit wir vom Parkplatz kamen. Nach 10 Min gegenseitigem Unverständnis gaben sie uns ohne Geld unsere Papiere zurück und ließen uns fahren. Das Ganze sah doch sehr nach dem Versuch aus, etwas nebenbei verdienen zu können.

Danach fanden wir doch noch den Koszara Nationalpark auf normaler Straße und genossen die Natur im waldreichen Park, wo wir zu einem Aussichtspunkt und einem Wasserfall wanderten. Mit einem großen Memorial wird dem erbitterten Partisanenkampf gegen die deutschen Nazis an dieser Stelle gedacht.

Danach waren wir in Banja Luka, – einem Ort, der uns aus Fernsehberichten während des Bosnienkrieges geläufig war.  Sie ist heute die De facto Hauptstadt der Republika Srpska, eines serbischen Teilstaats innerhalb von Bosnien-Herzegowinas  und ist Sitz eines serbisch-orthodoxen wie auch eines römisch-katholischen Bistums.
Im Krieg waren alle 16 Moscheen zerstört, inzwischen sind sie wieder aufgebaut. In der Stadt erinnert eine Uhr, dessen Zeiger noch an derselben Stelle stehen, an ein Erdbeben 1969.

Diese Nacht schliefen wir auf einem niedlichen kleinen, aber nicht billigen (25€) Campingplatz südlich von Banja Luca. Außer uns waren noch ein anderes Wohnmobil und ein Zelter aus Frankreich dort. Für viel mehr war auch kaum Platz dort. Der Besitzer war sehr hilfsbereit und wir konnten unsere Wäsche dort waschen lassen und alles war blitzsauber.

Seit wir die Grenze überquert hatten, hatten wir es nun mit kyrillischer Schrift zu tun und Englischkenntnisse wurden immer weniger. Teilweise hatten wir sogar mit Deutsch Glück. Die meisten Orts- und Straßenschilder waren in kyrillischer und lateinischer Schrift mit Sonderzeichen, doch häufig kann man auch heute noch beobachten, dass eine Schriftart übersprüht wurde. Sonderlich herzlich ist das Verhältnis zwischen den Ethnien bis heute nicht.

Am 19.9.18 führte uns unser Weg nach Jajce, einer netten kleinen Stadt, die 1943 Gründungsstadt der Volksrepublik Jugoslawiens war. Ein kurzer Fußweg führt zu dem beeindruckenden Wasserfall Pliva und direkt nebenan ist die gemütliche Altstadt mit einem Fort, das einen Ausblick über die wunderschöne Landschaft bietet. Wir besuchten auch die Katakomben, die jedoch sehr klein sind und nicht unbedingt den Besuch lohnten.

Auf halbem Weg nach Sarajewo wurde es wieder einmal recht schnell dunkel und bei der Suche nach einem Stellplatz fiel uns das Hostel Thron bei Travnik in den Blick. Wir versuchten unser Glück und siehe da: es war mit 17€ für ein Doppelzimmer billiger als unser Campingplatz zuvor! Wir buchten uns natürlich sofort ein und fanden es besonders nett, dass unser Zimmer auch eine Küchenzeile hatte. Am kommenden Morgen musste ich jedoch feststellen, dass es keinerlei Geschirr, Besteck oder ähnliches gab. Wie gut, dass wir im Wohnmobil alles dabei hatten! So bereitete ich ein feines Frühstück vor, während Stefan auf seiner morgendlichen Joggingtour war.

Am 20.9.18 erreichten wir Sarajewo. Von hochmodernen Hochhäusern bis Ruinen und Häusern, die noch deutlich vom Krieg gezeichnet sind, war alles zu finden. Wir besuchten eine Ausstellung zum Massaker in Srebenica. Während des Films brachen mehrere Frauen in Tränen aus. Die Wunden sind auch nach 23 Jahren noch frisch und noch immer sind nicht alle Toten gefunden bzw. identifiziert, sodass die Angehörigen sie bis heute noch nicht begraben konnten. Die Enttäuschung und Wut über die UN, die die Menschen nicht schützen konnten, sondern sie dem Gegner vor die Waffen liefern musste, ist riesig.
In der Altstadt gibt es viele kleine türkische Geschäfte mit Kupferwaren und Teppichen. Nur das in orientalischen Ländern übliche Ansprechen der Vorbeigehenden fehlte, was wir als sehr angenehm erlebten.
Die kommende Nacht parkten wir auf der Strecke von Sarajevo Richtung Grenze nach Montenegro vor der Pension „Motel Bavaria“ in  Đeđevo für 10€. Die Besitzer sind ein bosnisch/deutsches Paar, sodass eine Verständigung sogar auf deutsch möglich war. Von hier aus ging es weiter zum Sutjeska-Nationalpark, genau an der Grenze zu Montenegro. Eine unglaublich beeindruckende Landschaft erwartete uns und nur wenig Infrastruktur. Der höchste Berg Bosniens befindet sich hier und heisst Maglic und hat 2386m. Im Park gibt es noch gekennzeichnete Stellen wo Minen aus dem Bosnienkrieg liegen.

Vom Hotel Mladost fuhren wir über Birotići entlang des Flusses Drina bis zum Grenzübergang Hum Scepan Polje. Genau an der Grenze trennt sich die Drina in die Flüsse Piva und Tara. Die Strecke bis zur Grenze war schon sehr beeindruckend, aber noch nichts gegen das, was nun kommen sollte!

Wieder ein neues Land: Montenegro

Gegen Mittag überquerten wir die Grenze nach Montenegro und  fuhren über den Mratinje Damm in den Durmitor Nationalpark. unzählige Serpentinen wanden sich immer höher ins Gebirge bis zum Sedlo-Pass. Nach jeder Kurve schien die Landschaft noch unglaublicher, noch schöner zu sein. Wir hatten hervorragendes Wetter und gerade als die Sonne im weichsten Licht strahlte, erreichten wir die Hochebene und die grünen Hügel und die schroffen Bergkuppen dahinter waren eingetaucht in ein Licht-Schattenspiel, wie es schöner nicht sein konnte. An manchen Stellen hatte man das Gefühl, in einer Mondlandschaft gelandet zu sein.

Wir hatten einen Stellplatz per Airbnb direkt im Park gebucht. Der Adresse nach sollte er in Zabljak sein, aber in diesem quirrligen kleinen Tourismusort war er nicht zu finden. Trotz Erklärung des Touristoffices brauchten wir noch eine ganze Weile, bis wir die Stelle fanden. Der Vermieter vom „Magic Camp“ vermietet eigentlich kleine Hütten und erlaubt nur als Nebengeschäft Wohnmobilen über Nacht auf seiner Wiese zu stehen. Von außen war nichts von einem Stellplatz zu erkennen. Wäre er nicht gerade draußen gewesen, hätten wir es wohl nie gefunden. So bekamen wir ein wirklich nettes Plätzchen, konnten Dusche und WC nutzen und hatten einen traumhaften Blick auf die Gebirgslandschaft für 4€ die Nacht. Er meldete uns auch bei den Behörden an. Laut ADAC muss man sich innerhalb von 24Std registrieren lassen. Wir bekamen auch bei der Einreise eine kleine Broschüre mit den Top Sehenswürdigkeiten und dem Hinweis auf die Anmeldepflicht. Bei Hotels macht das der Besitzer, bei Camping waren wir uns nicht so sicher. Diese Bürokratie machte das Reisen nicht unbedingt leichter!

Am kommenden Tag, dem 22.9.18 besuchten wir das Örtchen Zabljak zum Einkaufen und besuchten den Gletschersee Crno Jezero (Schwarzer See). Er ist der größte und einer der bekanntesten der insgesamt 18 Gletscherseen im Durmitor Nationalpark. Nachdem wir ihn umwandert hatten, fuhren wir noch einmal nördlich zur Tara Schlucht. Sie ist die tiefste und längste Schlucht Europas (https://de.wikipedia.org/wiki/Tara_(Drina)) und wirklich beeindruckend. Da es bereits wieder dunkel wurde, übernachteten wir noch eine zweite Nacht im „Magic Camp“.

Am 23.9.18 verließen wir die Traumlandschaft des Durmitor Nationalparks.  Man muss sagen, Montenegro versteht etwas vom Tourismus. Sie bieten eine gute Mischung aus ursprünglichem Naturerlebnis und Abenteuerurlaub mit Rafting, Zip Lining, Wintersport etc.  Unser nächstes Ziel lag südwestlich und war der Nevidio Canyon. Wir hatten weder Neoprenanzüge noch Helme wie die organisierten Touren, aber ein Stück sind wir doch durch den Fluss in den Canyon gewandert, bis das Wasser zu tief wurde.  Weiter drin im Canyon scheint es ganz schön zur Sache zu gehen, so wie die Teilnehmer ausgerüstet und auf Gefahren hingewiesen wurden.

Unser Tag ging leider nach dem Canyon nicht mehr so toll weiter. Wir besuchten das Ostrog Kloster, das in den Felsen hoch über einer engen Serpentinenstraße in den Berg gebaut ist. Mit dem Womi die engen Serpentinen hoch bei Gegenverkehr und extremer Steigung im 1.Gang ging mir ziemlich an die Nerven. Zum Glück war Stefan da relaxter. Einmal war er dann leider zu lässig und hat nach einer Pause vergessen, die Treppe wieder einzuklappen und ist damit an einer engen Brücke hängengeblieben 😱 Sie ist seitdem verbogen, (die Treppe, nicht die Brücke) und geht nur noch mit Mühe einzuklappen und die Abdeckung ist abgerissen. Wir können sie so nur noch ganz vorsichtig nutzen, müssen also möglichst übers Fahrerhaus nach hinten krabbeln.

Wir fuhren danach weiter Richtung Süden, mussten in einem Dorf eine Umleitung nehmen, weil eine Unterführung nur 2 m hoch war und kamen dann nur noch durch Kuhdörfer ohne Unterkünfte. Wir fuhren solange weiter, bis wir nach Podgorica, der Hauptstadt, kamen, aber die Hotels in der Stadt waren zu teuer. Es war inzwischen schon richtig dunkel. Man darf nicht frei übernachten und muss jede Nacht registriert werden🙄sonst gibt es ggf bei der Ausreise Ärger. Die Rezeptionistin eines Hotels war so nett, uns per WLAN eine Unterkunft suchen zu lassen. Wir fanden bei Airbnb etwas, aber die Wegbeschreibung endete genau vorm Flughafen! Anrufen war zu teuer, da wir nur unsere deutsche Karte hatten und ohne WLAN auch kein Internet! Letztendlich durften wir vor einem Hotel in der Ausfallstraße der Hauptstadt stehen und hatten mit dem Rezeptionisten einen Deal gemacht: Wir zahlen 10€ für Parkplatz, dafür registriert er uns auch als Gäste. Für den Tag hatten wir echt genug😳. Per WLAN gaben wir unserem Gastgeber Bescheid, dass wir nicht mehr kämen und warum. Podgorica hatte uns in der Nacht schon nicht gefallen und Stefan bei seiner morgendlichen Joggingtour ebenfalls nicht, so entschieden wir, dass wir auf eine nähere Entdeckungsreise durch diese europäische Hauptstadt gut verzichten konnten.

Stattdessen fuhren wir am 24.9.18 weiter zum Skadarsko Jezero Nationalpark an der Grenze zu Albanien. Richtiger gesagt, liegt ein Teil des Sees auf albanischer, der andere auf montenegrischer Seite. Es handelt sich bei dem Skadar See um den größten See des Balkans und er ist sehr reich an Fischen und Vögeln. Zu Fuß ging es ein Stück entlang einer schmalen Bergstraße zu einem Aussichtspunkt und nach diesen ca 4 km nahmen wir an einer Bootstour auf dem See teil. Pelikane, die es dort auch geben soll, waren leider zu dieser Zeit nicht zu sehen. Außer Vogelbeobachtung wurde auch eine Schwimmpause eingelegt, die aber nur Stefan wahrnahm.

Nach der Bootstour unternahmen wir mal wieder eine Tour auf enger Serpentinenstraße, sind dann aber nach ca 1 Std wieder umgekehrt, weil ich das zu nervenaufreibend fand. Alle paar Minuten kam uns ein Fahrzeug entgegen und nur mit viel Vor- und Zurücksetzen kamen wir aneinander vorbei. Man muss dazu wissen, dass wir keine Rückfahrkamera haben und ich immer durch das Hinterfenster schauen und Stefan Anweisung geben muss. Das ist bei Millimeterabständen auf abschüssigen, ungesicherten und zum Teil sehr maroden Straßen nicht das reine Vergnügen und echt gewagt. Hinzu kam, dass wir wieder keine Ahnung hatten, wo und wann wir einen Übernachtungsplatz fänden und es inzwischen immer früher dunkel wurde. Letztendlich sind wir wieder nach Virpazar gefahren, wo die Bootstour begann und schliefen auf dem Parkplatz. Wir hatten 24Std zur Registrierung,  bis zu diesem Zeitpunkt wollten wir schon in Albanien sein am kommenden Tag. Wir schlossen alle Fenster lichtdicht und stellten den Wecker auf 6 Uhr am kommenden Morgen. Als wir in aller Frühe aufbrachen, stellten wir fest, genau gegenüber der Polizeistation genächtigt zu haben! Na, die hatten anscheinend glücklicher Weise auch einen guten Schlaf!

Auf der Strecke Richtung Albanien fanden wir an der Küste noch eine Tankstelle mit supertollen Sanitäranlagen und Café. Wir duschten ausgiebig und leisteten uns einen Kaffee, bevor wir die Grenze zu unserem endgültigen Zielland ansteuerten.

Geschafft! – Albanien, wir kommen!

Wir schafften es, entlang der Küste über Bar und Ulcinj bei Sukrobin die Grenze zu Albanien zu überqueren. In ca einer Viertelstunde sind außer uns noch 3 andere Wohnmobile durch die Kontrolle gefahren, es war also absolut nicht schwierig. Bei der Ausreise fragte uns Niemand nach irgendwelchen Übernachtungen. Bei der Rückreise erwarteten wir bei allen Grenzen mehr Probleme, weil wegen der Flüchtlingsrouten die EU Außengrenzen sicher besonders, aber auch innerhalb der EU z.T. kontrolliert wird.
Unser erstes Ziel in Albanien war der Ort Shkodar, nach dem gleichnamigen See.
Shkodar hat ein gewisses Mittelmeerflair, die Sprache scheint dem Italienischen ähnlich, die Moscheen geben ihr einen türkischen Touch. Wir waren kaum 2 Minuten in der Fußgängerzone, als uns ein Amerikaner ansprach, ob er uns Tipps geben könnte, was wir nicht verpassen sollten. Er und seine Frau wohnten über Winter hier in Albanien und wären begeistert vom Land. Er riet uns zu einem Restaurant in einer Nebenstraße, was einheimisches Essen anböte und einer Kaffeebar in einem Turm mit herrlichem Rundumblick über die Stadt. Wirklich nett! In dem Restaurant waren wir nicht, wohl aber in der Kaffeebar mit dem Blick auf die Stadt.
Danach fuhren wir zur Mesi Brücke über dem Kirifluss, mit 108 m Länge die längste in Albanien aus der Mitte des 18.Jhrd. Sie liegt laut unserem Reiseführer (Albanien ein faszinierendes Reiseland für Wohnmobile von Kasar&Holzmann, hobo-team.de-Band 2), am alten Handelsweg Albanien-Kosovo .
Danach wollten wir zur Drisht Festung, die wir einer Infotafel in der Stadt entnommen hatten. War der Verkehr in der Stadt schon gewöhnungsbedürftig, weil jeder immer und überall überholt und Radfahrer einfach gegen die Fahrtrichtung fahren, wenn es ihnen passt, war der Weg zur Festung ein Nerventest für Fahrprofis! So eng, dass zumeist keine zwei Fahrzeuge aneinander vorbei passten, Schlaglochpiste oder teils ganz ungeteert, zumindest aber an den Kanten so tiefe unbefahrbare Ränder, dass man extrem aufpassen musste. Das ganze stelle man sich als Serpentinenstraße an abschüssigen Hängen vor! Entgegen kamen außer Autos Kleinlaster, Autos mit Anhängern z.B. mit Weinbehältern, Handkarren, Fahrräder, Fußgänger… Einmal stand ein Wagen mit Anhänger auf der Straße und Niemand war drin. Wir wären nie daran vorbeigekommen. Zum Glück sah uns der Besitzer von seinem Acker aus und wir rangierten umeinander herum. Am Ende des Weges angelangt, kamen wir zu ein paar mehr oder weniger unbewohnbaren Gebäuden, Menschen draußen zwischen aufgehängter Wäsche auf Bänken, auf denen Decken lagen. Wir haben die Festungsreste über uns am Hang erst gar nicht gesehen. Ein Mann zeigte uns noch einen alten Brunnen, Restmauern einer Kirche und geprägte Steine evtl. von den Römern. Er war sich nicht sicher. Dort oben im Nichts wohnen 8 Familien. Wovon? Es wuchsen dort Granatäpfel und sonst kann man wohl auch sonst noch einiges anpflanzen. Man sah viel häufiger Menschen auf dem Acker als wir auf unserer bisherigen Strecke gesehen hatten. Es werden in Albanien Obst, Wein und Oliven angebaut. Ca 45% der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Armut und Arbeitslosigkeit ist sehr verbreitet, auch wenn die Innenstadt von Shkodar modern und reich wirkte.
Die bergige Landschaft ist ein Traum und Tourismus ist der aufstrebendste Wirtschaftszweig.

Die Nacht zu Stefans Geburtstag verbrachten wir wieder vor einer Tankstelle. Laut Reiseführer ist es in Albanien erlaubt, frei zu stehen, aber wir hatten am Vorabend keinen geeigneten Platz in der Natur mehr gefunden. Man vertut sich schnell mit Entfernungen und Fahrzeiten, wenn man  immer nur zwischen 0-20 km/h auf kaputten Straßen dahinhoppelt.

26.9.2018 – Stefans Geburtstag! Wir machten uns auf nach Lezha, wo es eine ganze Weile dauerte, bis wir ein Café bzw. ein Restaurant fanden, wo wir schön frühstücken konnten. Es gibt zwar an jeder Ecke eine Kaffeebar, aber dort gibt es auch nichts anderes als Kaffee, nichts zu essen! Letztendlich waren wir aber doch erfolgreich und bekamen leckere Omeletts mit  Brot und Kaffee. Ich hatte schon seit Tagen vor, eine Friseur zu besuchen, da meine Haare mir ständig ins Gesicht fielen. Gesagt, getan – wir gingen in den nächsten Friseurladen. Dort rief man erst einmal eine andere Friseurin und anhand meines Passfotos konnte ich mitteilen, wie ich die Haare geschnitten haben wollte. Nach ca 5 Minuten war der Schnitt fertig. Sehr professionell sah er nicht aus, aber es war ok. Dann glaubte ich meinen Augen kaum: mein lieber Mann, der seit Jahren seine Haare selber schneidet, setzte sich auf den Stuhl und überraschte damit auch die Friseurin. Ratzfatz waren auch seine Haare gekürzt und wir um 5,60€ inkl Trinkgeld ärmer. Für Beide! Mir ist unerklärlich, wovon die Albaner leben. Essen im Restaurant ist billig, aber Lebensmittel im Laden nicht viel billiger als bei uns. Wir haben während unserer Zeit in Albanien keinen Discounter gefunden

Frisch genährt und frisiert besuchten wir die Festung Lezhe. Die Überreste der Festung, die noch erstaunlich gut erhalten sind, datieren zurück bis in das 4. und 3. Jhrd vor Christus und die Spuren der bewegten Geschichte vermitteln ein gutes Bild von Bauweisen der verschiedenen Epochen. Am Abend fanden wir einen netten kleinen Stellplatz in Kruja. 

Kruja ist eng mit dem Namen Skanderbeg verbunden, einem Fürsten und Militärkommandeur aus dem 15.Jahrhundert. Er wird bis heute als Volksheld verehrt, weil er das Land gegen die Osmanen erfolgreich verteidigt hat. In einer großen und sehr gut erhaltenen Festung mit Museum in Kruja, kann man sich über seine großen Heldentaten informieren. Die Burg gilt als Heiligtum der Albaner. Uns gefiel eher der Ausblick und die Burganlage an sich. Hier ging es jedoch im Vergleich zu vorher gesehenem recht touristisch zu. Etliche Souvenirstände säumten den Weg zur Burg.

Bedauerlicher Weise mussten wir hier den Rückweg unserer Reise antreten, da wir bis zum 12.10.18 in Augsburg sein mussten. Die Rückreise führte uns entlang der Adriaküste und wird separat beschrieben. Uns standen noch etliche wunderbare Landschaften und Erlebnisse bevor.

 

 

Balkantour mit dem Wohnmobil Teil 2: Nordalbanien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Rückweg

 

 

 

 

 

 

 

 

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