All inklusive – sogar Deutsche

Hurghada
Hurghada
Grand Ressort
Grand Ressort

Geschafft! Wir sind am 4.9.2017 eingezogen in unser neues Heim und inzwischen auch offiziell umgemeldet. Wir haben uns auch eine Woche Auszeit „Auf und Davon“ erlaubt, aber statt wie geplant mit unserem Wohnmobil auf Tour zu gehen, um uns zu entstressen, ging unsere Reise ein paar Tausend Kilometer südlich. Wir schlugen all unsere Rekorde in Flexibilität, fanden am Mittwoch ein Angebot für 1 Woche Ägypten „All- inclusive“, buchten Donnerstag und flogen am Samstag, wofür wir auch noch nach Leipzig fahren mussten. Am Freitag ging es also los mit Wohnmobil zum Flughafen und am Samstagmorgen entschwanden wir nach Hurghada. Zum ersten Mal im Leben starteten wir in einen All-inclusive Urlaub in einem 5*Sterne Resort, eigentlich überhaupt nicht unsere Art zu reisen. Man muss aber alles mal ausprobieren, bevor man sagen kann, dass es einem nicht gefällt, oder man sich vielleicht doch damit anfreunden kann. Der Ablauf klappte perfekt, vom Abflug über Grenzformalitäten bis zum Transfer ins Resort. Wir bekamen ein wirklich sehr schönes und stilistisch dem Land angepasstes Zimmer. Die Anlage war insgesamt sehr schön gestaltet, aber riesig groß, sodass bei den Mahlzeiten das Gefühl in einem Bienenkorb zu sein, aufkam. Meine Befürchtung, dass bei „all-inclusive“ besonders bei alkoholischen Getränken Exzesse zu erwarten sind, hat sich glücklicher Weise nicht bewahrheitet. Da im Resort größtenteils Gäste aus Deutschland ihren Urlaub verbrachten und darüber hinaus englische und russische Stimmen zu vernehmen waren, kam das Gefühl, in ein exotisches Land gereist zu sein, leider nicht auf. Wie anders waren da unsere Erfahrungen bei unseren Individualreisen nach Marrakesch und in den Oman? Dort fanden wir ein Stück 1000 und eine Nacht, hier TV mit UEFA-Pokal, vornehmlich sächsisches und bayrisches Stimmgewirr und deutsche Speisekarte. Statt Souk und Ruf des Muezzin, gab es in erreichbarer Nähe auf Touristen abgestellte Geschäfte und haufenweise Bauruinen. Ein Verkäufer erklärte uns, warum das so ist: Die Bauherren geben vor, eine Hotelanlage bauen zu wollen und bekommen dafür Gelder von Bank und Staat geliehen. Nachdem das Erdgeschoss im Rohbau fertig ist, machen sie sich aus dem Staube nach Europa und werden nicht mehr gesehen. Die Bauruine gammelt vor sich hin. Seinen Angaben nach, würde die jetzige Regierung jedoch alles daransetzen, um dieses Gebaren zu beenden.

Verfallene Bauruine
Verfallene Bauruine

La LagunaTagsüber war es uns zu heiß, um irgendetwas zu unternehmen, so begann unser Vergnügen immer erst gegen 15 Uhr. Dann war es auf ca. 33 – 34 Grad abgekühlt und herrlich, zum Strand rüber zu gehen und das Rote Meer zu genießen. Der vom Resort angebotene Shuttle zur Altstadt von Hurghada war leider ab 10 Uhr vormittags und ging zur angenehmen Zeit schon wieder zurück ins Hotel. Genießen konnten wir dabei nur ein kaltes Mineralwasser auf einer überdachten Terrasse einer Gaststätte mit improvisiertem Open Air Kino in der Altstadt.

Kino Open Air
Kino Open Air

Um viel herumzulaufen war es einfach zu heiß. Wir haben daraus gelernt und sind an einem anderen Tag per Taxi nach El Gouna gefahren. Dieser für Touristen angelegte Ort ist ganz anders, als man es sonst häufig in Ägypten vorfindet: Hotelkette an der Küste, rundherum Wüste. Hier ist ein ganzer Ort mit allen möglichen Freizeiteinrichtungen inklusive Yachthafen gebaut  und als Lagunenlandschaft angelegt worden. Übersieht man mal, dass die ganze Anlage mit dem ursprünglichen Ägypten wenig zu tun hat, ist sie wunderschön gestaltet und hat wirklich Flair. 

La Laguna
La Laguna

Genossen haben wir auch die Verpflegung in unserem Resort, die zwar auch eher international denn ägyptisch war, aber schmackhaft und abwechslungsreich, da es eine Auswahl mehrerer Restaurants gab, in denen wir im Rahmen unseres all- inclusive Angebots kostenfrei essen  konnten. Für uns war es auch völlig unerheblich, dass wir keinen Blick vom Zimmer auf den Pool hatten, im Gegenteil. Wenn abends noch lange am Pool Musik und Vergnügen angesagt war, konnten wir in unserem Zimmer in Ruhe übernachten. 

Dessert
Dessert

Nun zu den anderen Reisenden: Was mir aufgefallen ist, ist, dass viele trotz all den Annehmlichkeiten und der Rund-um-Versorgung häufig unzufrieden wirkten. Ein Blick auf die Einträge in diversen Bewertungsforen gibt mir da Recht. Mir ist unerklärlich, was Menschen eigentlich noch erwarten, wenn sie für einen Spotpreis so einen Luxus bekommen. Ich gehe mal davon aus, dass der Großteil der Gäste bewusst einen All-inclusive Aufenthalt in einem Resort bucht, weil sie genau diese Rundum Versorgung inklusive deutscher Verständigungsmöglichkeit und auf Wunsch auch deutscher Verpflegung suchen, bei einem Klima, das Deutschland nicht zu bieten hat und ggf. noch einem Ausflug, der das Gefühl gibt, von dem Land etwas kennengelernt zu haben. 

Fazit: 

Es war entspannend, sich mal rundherum bedienen und die Seele baumeln zu lassen und die Unterkunft war dafür hervorragend. Das Klima am Nachmittag war zum Baden genial und an lauen Abenden draußen sitzen zu können, ein Traum, wenn man aus dem verregneten und kalten Deutschland kommt.

Für einen längeren Aufenthalt ist diese Reiseform aber nichts für uns. Wir wünschen uns Authentizität der Umgebung wenn wir reisen und kein für Touristen extra angepasstes Ambiente. Das heißt nicht, dass wir auf jegliche touristische Infrastruktur jederzeit verzichten möchten oder können, aber wir wollen etwas von dem Leben in dem Land riechen, schmecken, fühlen und hören und nicht nur von unseren eigenen Landsleuten umgeben sein. Wir möchten etwas vom Land und den Leuten sehen und nicht in einer Enklave darauf angewiesen sein, per Transfer erst in den nächsten Ort zu kommen. Vielleicht werden wir mal wieder Urlaub vom Reisen machen auf diese Art, aber mit unserer Vorstellung vom wirklichen Reisen  und die Welt entdecken hat es nicht viel gemein.

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